Warum eine CO2 Reduzierung nicht funktionieren wird

Gerade wird überall protestiert und demonstriert und die Regierung hat darauf einige belanglose neue Maßnahmen beschlossen, die auch keine wirkliche Reduzierung bringen.
Aus meiner Sicht wird eine CO2-Reduzierung – abseits einer Umstellung auf Atomstrom oder noch besser auf funktionierende Fusionsreaktoren etc – nicht klappen.

Die Gründe dafür:

  • Klima ist ein Allmendenproblem: Es ist eine frei verfügbare, aber begrenzte Ressource, die nicht effizient genutzt werden und durch Übernutzung bedroht sind, was auch die Nutzer selbst bedroht:
    Es ist für jede Gesellschaft und auch für den Einzelnen interessant, eine gut laufende Wirtschaft und einen hohen Lebensstandard zu haben, es ist interessant, ferne Länder zu bereisen, es ist bequem, überall hinfliegen und hinfahren zu können und damit wird mehr CO2 produziert als für das Klima gut ist, was langfristig auch dem Einzelnen schadet.
    Die Problematik wird noch verschärft, weil man die direkten Auswirkungen seines Handelns nicht wirklich sehen kann (Das Klima verschlimmert sich nicht für einen selbst durch den eigenen CO2 Ausstoß, sondern langsam durch den allgemeinen CO2 Ausstoß)
  • Eine CO2 Reduzierung erzeugt erhebliche Kosten und verlangt erhebliche Einschränkungen. Jeder will am liebsten, dass diese nicht bei ihm oder zu seinen Lasten erfolgen und er so weiterleben kann wie bisher. Jeder will also die Ressource weiter nutzen (deren Nutzung er dazu noch nicht einmal wirklich bemerkt) und nach Möglichkeit eine Reduzierung an anderer Stelle
  • Das gesamte System ist zu komplex um wirklich etwas sinnvolles bewirken zu können.
    Selbst wenn Deutschland und andere Industrieländer absolut grün werden, werden es andere Länder nicht. Vielleicht werden sogar Produktionen an Länder verlagert, bei denen dann der CO² Ausstoß effektiver ist oder es werden Maßnahmen eingleitet, die anderweitig CO2 produzieren.
    Ein Beispiel wäre das Elektroauto: Dessen CO2 Bilanz und seine Umweltbilanz sind zumindest umstritten, weil dessen Herstellung erhebliche Mengen CO2 und andere Schadstoffe produziert. Genauso wie besser gedämmte Häuser zwar wenige beheizt werden müssen, aber dafür mit Dämmstoffen gedämmt werden, deren Herstellung auch problematisch sein soll. Auch Solarzellen benötigen zur Herstellung große Mengen Energie, die je nach Herstellung erhebliches CO2 mit sich bringen kann.
  • Alle alternativen Ideen lösen das Problem der Grundlast nicht.
  • Viele energierelevante Tätigkeiten werden gar nicht als solche wahrgenommen. Wer Netflix schaut, der beschäftigt Computer, die die erheblichen Datenmengen an einen versenden müssen. Wer Videos in höherer Auflösung anfordert, weil er einen größeren moderneren Fernseher hat, der verbraucht sowohl für den Datenversand als auch für den größeren Bildschirm mehr Strom. Pornhub, Netflix und Co sind enorme Stromfresser, ebenso wie unsere Dauervernetzung.
    Aber auch viele andere Nutzungen sind schwer abzuschalten: Natürlich braucht man einen großen Wagen, auch wenn man meist mit ihm nur alleine zur Arbeit fährt, weil man damit dann auch Familienausflüge oder Familienreisen als Familie unternimmt und dann der Kombi und der SUV es einfacher machen alles Gepäck zu verstauen. Natürlich will man ein großes Haus mit viel Raum, auch wenn es klimaschädlicher zu beheizen ist. Natürlich möchte man etwas von der Welt sehen, auch wenn eine Reise nach Südamerika eine verherrende Klimabilanz hat.
  • Selbst wenn wir satt genug sind um unseren Konsum etwas einzuschränken gibt es genug, die überhaupt erst einmal auf das Niveau kommen wollen und für die Umweltschutz eine wesentlich geringere Rolle spielt. China, Russland, Afrika etc sind in ihrem Wachstum wahrscheinlich wesentlich entscheidender, ebenso wie die Ärmeren in den Industrieländern, die sich kein neues Auto mit geringeren Verbrauch leisten können oder gar nicht vor der Entscheidung stehen, ob sie ihr Haus dämmen oder nicht, weil sie es nicht nicht leisten können.
    Wenn wir unsere Autoindustrie kaputt machen, dann werden Autos eben in China unter wesentlich umweltschädlichen Bedingungen produziert.
  • Politiker haben nur ein sehr eingeschränktes Interesse an der Klimarettung: Wenn Klimarettung mit einem wirtschaftlichen Abschwung verbunden ist, dann kostet sie dies üblicherweise mehr Stimmen als ihnen die Klimarettung bringen wird. Die Wahlperiode ist deutlich kürzer als die Zeit innerhalb der gravierende Folgen des Klimawandels Wahlergebnisse nach unten ziehen würden bzw da die Krise eh nicht abzuwenden ist kann man sich da wenig auf die eigenen Fahnen schreiben: Man hat immer zu wenig gemacht und wird immer doppelt bestraft werden (jetzt für Sparmaßnahmen, dann für zu wenige Sparmaßnahmen) bzw es wird dann  interessanter sein, wer das bessere Programm für die Folgen hat.
  • Wahltechnisch ist es insofern interessant, dass man jetzt nicht so darsteht, dass man nicht genug macht, dabei aber die Wirtschaft nicht zu sehr beeinträchtigt, sondern eher kosmetische Punkte anbringt (da eine Erhöhung der Benzinpreise, hier eine Erhöhung der Pendlerpauschale), also ein „Wir machen das“-Appell. Nischenparteien können eher draufhauen, aber um so größer sie werden und um so eher  sie Regierungsverantwortung übernehmen, um so eher müssen sie auch darauf achten, dass sie andererorts nicht zu viel kaputt machen.
  • Natürlich gab es schon erhebliche Bemühungen umweltschädliche Mittel aus dem Verkehr zu nehmen, die auch etwas gebracht haben: Aber die Lösung war meist erst mit neuer Technik erfolgreich. Wir brauchen etwa kein verbleites Benzin mehr als die dafür erforderlichen Motoren entwickelt worden sind (die auch entwickelt worden sind, weil man die Schädlichkeit des Zusatzes erkannt hatte). Wir haben andere Treibmittel in Sprühflaschen und Kühlschränken eingesetzt als deren Umweltfeindlichkeit erkannt wurde. Aber CO² wird sich nicht so einfach verbieten lassen, sofern wir keine technischen Durchbrüche haben.
  • Das sieht man auch bei den meisten Demonstrationen: Alle Demonstrieren für eine Absenkung, aber keiner hat wirklich eine Ahnung, wie das umgesetzt werden kann. Und die Urlaubsflüge haben sich meines Wissens nach trotz der erheblichen Proteste nicht reduziert. Es zeigt sich auch bei Grünen Vielfliegern oder Umweltaktivisten, die dennoch privat und für den Umweltschutz um die Welt jetten.
  • CO2 Verzicht gibt und keine Glücksgefühle, weil man ihn häufig schlecht darstellen kann. Eine Urlaubsreise an interessante Orte gibt und Glücksgefühle. Auf eine Reise zu verzichten ist aber ein schlechtes Signal. Es ist auch leicht zu fälschen. Viele Leute fahren nicht in den Urlaub, weil sie das Geld nicht haben. Und darüber zu reden, dass man nicht in den Urlaub fliegt ist vergleichsweise uninteressant, weil es eben ein nichts ist. Hunderte Kilometer in eine interessante Stadt zu reisen um für weniger CO2 zu demonstrieren ist das weitaus bessere Signal für Hingabe, aber hier eben klimaschädlich. Demonstrieren ist gut. Nicht online sein um Strom zu sparen ist schlecht. Etc

Kurz: Wir sind zu bequem und der Einzelne hat zu wenig Einfluss um wirklich einen Anreiz für eine Umstellung zu haben. Zudem ist das System zu kompliziert um ein Sparen einfach zu machen.