Selbermach Samstag 256 (21.09.2019)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen

„Was sich in den vergangenen Jahren im Feminismus getan hat“

Julia Kobrik wird dazu interviewed was sich im Feminismus getan hat:

jetzt: Wie weit sind wir im Jahr 2019 beim Thema Feminismus?

Julia Korbik: Sehr weit! Feminismus ist im Mainstream angekommen, zum Beispiel wird bei Anne Will darüber diskutiert und wir sehen nicht mehr nur Alice Schwarzer da sitzen. Beyoncé findet Feminismus toll, Taylor Swift jetzt irgendwie auch. Trotzdem treffe ich immer noch viel zu viele Menschen, denen ich erklären muss, dass Feministinnen keine Männer hassen. Als Feminist*in ist es ein großer Fehler zu denken, die Allgemeinheit sei so aufgeklärt wie man selbst. Der Feminismus bewegt sich auch viel in seiner eigenen Blase.

Der Feminismus hat sich in der Tat gewandelt. der größte Umbruch dürfte der intersektionale Feminismus sein. Wobei da gerne im Guten alle Feminismen in einen Hut geworfen werden bzw irgendeine Äußerung in Richtung Feminismus für den Feminismus als Bestätigung auch des jeweils eigenen Feminismus gewertet wird.

Julia Kobrik kann ich da gar nicht genau einordnen. Aber man könnte ihr auch wiederum erklären, warum in vielen Arten von Feminismus, gerade auch im intersektionalen Feminismus, jede Menge Männerhass und auch Hass an sich enthalten ist.

Warum muss man Menschen heute noch erklären, dass Feminismus auf keinen Fall Männerhass bedeutet?

Weil viele ein veraltetes Bild von Feminismus haben. In den Siebzigern wurden Männer von Feministinnen an den Pranger gestellt, weil das Thema im gesellschaftlichen Diskurs einfach nicht stattfand. In dieser männerdominierten Welt war es für Feministinnen also wichtig, eine autonome, radikale Bewegung auf die Beine zu stellen.

Das Bild ist bei vielen noch präsent, aber das heißt selbstverständlich nicht, dass Feministinnen alle Männer hassen. Am Ende geht es um die Gleichberechtigung der Geschlechter. Feministinnen betrachten gesellschaftliche Vorstellungen von Männlichkeit kritisch. Dabei geht es nicht darum, dass Männer an sich schlecht sind, sondern um eindimensionale Bilder vom Mann-Sein und damit einhergehende schädliche Verhaltensweisen.

Auch interssant: „warum bedeutet Feminismus AUF KEINEN FALL Männerhass“ vs „Das Bild ist immer noch präsent, aber das heißt selbstverständlich nicht, dass Feministinnen ALLE Männer hassen“.

Würde ja erst einmal bedeuten, dass entweder einige Feministinnen Männer hassen oder Feministinnen jedenfalls einige Männer.

Sie führt also aus, dass Männer früher an den Pranger gestellt worden sind. Wo ist das heute anders? #NotallMen #Killallmen, Männer sind privilegiert, ja alle Männer profitieren vom Patriarchat. Ja, alle Männer unterstützen die Rape Culture, ja, Männer müssen sich ändern und ihre toxische Männlichkeit aufgeben.
Gut, es sind Gruppen dazu gekommen, die man auch hasst: Weiße, alte, CIS, nichtbehinderte etc.

Und um Gleichberechtigung geht es eben meist nicht,  was allein schon daran deutlich wird, dass Männern noch nicht einmal erlaubt wird, Ungerechtigkeiten für Männer anzuführen, die sie als diskriminierend erleben. Sie haben nach der Auffassung viele Feministinnen keine eigene Stimme, sie sind allenfalls Allys, können also nur die Ideen der Feministinnen unterstützen. Ich wüsste auch nicht, was viel eindimensionaler ist als das Bild von Männern, welches Feministinnen haben. Privilegierte Männer, die keine Gefühle kennen und von den Guten Frauen aus ihrer für sie schädlichen Schale geholt werden müssen. Privilegiert, selbst wenn sie obdachlos sind. Irgendwie immer oben auf, selbst wenn sie die höhere Selbstmordrate haben. Und die Bestimmer der Welt, keineswegs Anfoderungen von Frauen ausgesetzt, die sie ebenfalls formen. Gemeine Unterdrücker irgendwie, auch wenn sie ihnen die Daumen drückt, dass sie erkennen, was sie da machen und sich endlich bessern.

(…)

In der neuen Version hast du zum Beispiel die Sprache gegendert. Was hat sich noch getan?

Das Cover ist so grell und poppig gestaltet, weil wir 2014 Angst hatten, dass sonst kein junger Mensch ein Buch über Feminismus lesen will. Jetzt ist Feminismus cool geworden. Oder eher „Empowerment“: Viele Unternehmen haben entdeckt, dass man mit diesem herrlich vieldeutigen Wort Frauen ansprechen und ihnen Produkte verkaufen kann. Ob BH, Deo oder Schminke: Alles ist auf einmal ein Symbol für Feminismus.

Dieses fiese Patriarchat ist auch nie klein zu bekommen. Jetzt greift es einfach den Feminismus auf und kommerzialisiert ihn.

 

Hilft das auf dem Weg zur Gleichberechtigung?

Klar, es ist super, dass das Thema mittlerweile so präsent ist. Andererseits: wenn Feminismus plötzlich alles sein kann, was ist er dann noch? Wir müssen aufpassen, dass der Begriff weiter mit Inhalten gefüllt ist und nicht zum Werbebegriff von Unternehmen verkommt. Ich dachte irgendwie immer, dass Feminismus das Allerletzte ist, was kommerzialisiert wird. Auf einmal finden wir behaarte Frauen schön und Modekonzerne drucken sie auf T-Shirts als ein Symbol für Emanzipation. An so was war vor fünf Jahren nicht zu denken.

Tatsächlich finden wir behaarte Frauen ganz überwiegend nicht schön. Weitaus eher ist es ein Mittel die intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen vermeintlich zu verringern. Aber das ist eher etwas, was Frauen untereinander ausmachen. Und in der Tat ist vieles einfach ein Werbeaufdruck, ein Symbol für „ich bin eine starke Frau“ oder andere Botschaften, die sich gut machen. Aber natürlich hat der Feminismus auch ansonsten in der Tat viel Boden gut gemacht, weil seine Anhänger einen Teil gewisser Wissenschaften besetzt haben und sich durch ihre Radikalität dort immer mehr ausbreiten.

Du schreibst in „Stand-Up“ ausführlich, dass Humor der falsche Umgang mit Feminismus ist. Warum ist dir das so wichtig?

Mir geht es um die ironische Haltung, die man dabei einnimmt: Ich bin ja so ein aufgeklärter Typ, deshalb kann ich dumme Sprüche über Frauen machen. Das Problem mit Ironie ist, dass du sie nur schwer kritisieren kannst. Viele schwierige Themen, und da gehört Feminismus dazu, werden mit blöden Witzchen abgetan, um keine Diskussion anfangen zu müssen.

Humor und Feminismus passen in der Tat nicht zusammen. Weil eben alles zu einem Problem überhöht wird, selbst die kleinste Kleinigkeit als wichtiges Rad im Diskriminierungsgefüge verloren geht und jeder Humor in dem Bereich daher ein dem Feind nachgeben wäre. Da darf es keine Selbstirnonie geben, denn der Kampf gegen die Unterdrückung ist eben kein Witz. Humor gibt insofern Virtue Punkte Abzug.

Was muss passieren, dass Frauen und Männer in Deutschland gleichberechtigt sind?

Wir müssen auf jeden Fall Feminismus und Gleichberechtigung als etwas begreifen, das bei jedem Menschen selber anfängt. In Deutschland müssen wir zum Beispiel konkret dafür kämpfen, dass das Informationsverbot für Abtreibungen wegkommt oder die Regelung, dass Frauen nach einem Beratungsgespräch drei Tage warten müssen, bis sie abtreiben dürfen. Wir müssen den Gender-Pay-Gap bekämpfen. Wir müssen Geschlechterrollen aufbrechen. Wir müssen Gewalt gegen Frauen beenden. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Das ist mal eine gute Frage. Was müsste eigentlich passieren? Etwas wirklich konkretes kommt auch nicht wirklich.  Sie will:

  • Dass das Informationsverbot für Abtreibungen wegkommt

Eine relativ kleine Einschränkung, denn natürlich kann man sich bei der jeweiligen Ärztin selbst und ansonsten im gesamten Internet dazu informieren, nur darf sie eben nach außen keine Informationen geben, was in der Tat bescheuert ist, aber dennoch interessant, dass sie es als erstes nennt.

  • Drei Tage Wartezeit für die Abtreibung nach Gespräch

Kann meinetwegen auch weg. Aber das unter Gleichberechtigung zu verbuchen ist schon interessant, weil der Mann selbst ja nicht selbst das Baby abtreiben kann bzw eher juristisch abtreiben kann, die Frau aber schon, auch wenn sie drei Tage nach einem Beratungsgespräch warten muss. Der Mann erhält üblicherweise noch nicht einmal ein Beratungsgespräch. Und jede Unterhaltung darüber, was er gerne will, jede Beeinflussung der Frau, weil er sich dafür noch nicht reif hält, wird ebenfalls eher negativ gesehen.

  • den Gender Pay Gap bekämpfen

Ja, dann macht das doch endlich! Studiert andere Sachen, stürzt euch mehr in die Karriere, sucht euch Männer, die die Kinder betreuen und nicht Männer, die Karrierejobs haben. Raus aus den bequemen Jobs im öffentlichen Dienst, rein in die freie Wirtschaft.

Wovon der Gender Pay Gap nicht sinkt: So tun als seien Männer und ihre Macht an ihm schuld. So zu tun als würde dagegen protestieren etwas ändern, solange man sonst nichts ändert. So tun als müssten nur genug Leute Gender Studies studieren damit Frauen mehr Führungspositionen einnehmen bringt nichts.

Dafür müsste man auch die Menschen erreichen, die mit Feminismus bisher nichts zu tun haben wollten. Wie schaffen wir das?

Ich bin eigentlich immer offen für Diskussionen und Anregungen, sehe es aber manchmal nicht ein, mich mit allen zu unterhalten und alle Kritik anzunehmen, die mir als Feministin an den Kopf geworfen wird. Mit jemandem, der Gleichberechtigung grundsätzlich ablehnt, muss ich 2019 nicht mehr diskutieren. Ich habe aber oft gemerkt, dass ich, wenn ich offen an das Thema rangehe, Menschen am besten überzeugen kann. Natürlich ist das manchmal nervig, weil man als Feminist*in lieber über Inhalte sprechen will und nicht ständig über die Basics. Wenn man aber argumentativ und ruhig erklärt, was Feminismus eigentlich will, kann man auch Menschen abholen, die mit Feminismus nichts am Hut haben wollen.

Das klingt ja ganz offen. Sie scheint aber zumindest nicht auf Twitter zu sein. Schade eigentlich, sonst hätte sich das mal testen können. Ich lehne ja nicht Gleichberechtigung ab, allenfalls Gleichstellung.