„Warum habt ihr Jungs so wenig Geschirr?“

Ich habe früher die Rubrik „Mädchenfrage- Jungsfrage“ in der jetzt immer sehr gemocht, einfach weil sie Unterschiede aufgegriffen hat und versucht hat zu verstehen. Auch wenn sie in letzter Zeit eher häufiger intersektional angehaucht war finde ich diese hier ganz interessant:

In der Männer-WG, in der er vorher gelebt hat, gab es einen winzigen Geschirrschrank. Das Geschirr der drei Jungs war eine Wundertüte aus Überbleibseln ehemaliger Mitbewohner, Geschenken von Ex-Freundinnen, im betrunkenen Zustand geklauten Sektgläsern und Werbegeschenken von Karrieremessen an der Uni. Niemandem schien irgendwas davon wirklich zu gehören. Und weil immer wieder Teile kaputtgingen, wurde aus wenig immer weniger.

Die meisten meiner männlichen Freunde leben so: Entweder sie haben überhaupt kein eigenes Geschirr und benutzen eben das, was vom Vormieter vergessen wurde. Oder sie haben eine Tasse, zwei Gläser und gerade genügend Teller für ein Essen für zwei Personen.

Das ist natürlich kein Problem. Aber der Unterschied zu meinen Freundinnen ist schon ziemlich interessant. Denn ihre Küchenschränke sind alle ausgestattet wie die Vorzeige-Küche im Ikea-Katalog – tiefe Gläser, hohe Gläser, kleine Teller und große Teller, Müslischalen, Espressotassen, Kuchengabeln und Latte-Macchiatto-Löffel. Alles da. Kaum waren sie von Zuhause ausgezogen, konnten die Frauen in meinem Freundeskreis schon eine ziemlich komplette Ausstattung an (oft farblich abgestimmten) Geschirr ihr Eigen nennen.

Die Jungsantwort ist:

Den Verdacht, dass wir zu geizig seien, um uns gutes Geschirr zu kaufen, kann ich relativ leicht entkräften. Denn um zu geizig zu sein, müssten wir erst einmal wissen, was Geschirr überhaupt kostet. Vielleicht sind wir als WG einmal beim Einzug zusammen ins Möbelhaus gefahren, um uns eine Garderobe, einen Vorleger für die Toilette und eine Küchenlampe zu kaufen. Vielleicht haben wir da auch drei, vier neue Teller gekauft. Aber um uns groß Gedanken über Design und Preis zu machen, waren wir schon viel zu erschöpft von dem grellen Licht, der endlosen Auswahl an Duschvorhängen und diesem penetranten Geruch, der Mischung aus Sperrholz, Köttbullar-Soße und Vanille-Duftkerzen.

Es ist nun mal so: Geschirr ist ein Gebrauchsgegenstand. Da gibt es in einer Jungs-WG kein meins und deins. Da gibt es nur sauber und nicht sauber – und manchmal „joa, sauber genug“. Sobald ein Geschirrstück einmal in der WG gelandet ist, wird es von ihr verschluckt, ist für immer darin gefangen und wird erst erlöst, wenn es auf irgendeiner Party runterfällt und kaputtgeht. Teures Geschirr wäre eine Riesenverantwortung, die niemand übernehmen möchte.

Ja, teures Geschirr ist sogar ein potenzieller Streitfaktor, der das friedliche WG-Leben stören würde. Wer hat schon den Nerv, sich anzukacken, weil „DIE TELLER MIT DEM GOLDRAND DOCH NICHT IN DIE SPÜLMASCHINE KOMMEN! ZUM 1000. MAL!“ Oder beim Auszug eines Mitbewohners Sätze zu sagen wie: „Du, diese Blümchen-Tasse, die du da gerade eingepackt hast, die hatte ich doch mal in diesem Antiquitätenladen … Doch, doch, da bin ich mir ganz sicher …“.

Geschirr muss für uns nicht schön sein – das Essen schmeckt ja trotzdem. Es muss nur folgende Kriterien erfüllen: Auf die Teller muss eine Tifekühlpizza so passen, dass sie nicht auf dem Rand liegt und man sie beim Schneiden nicht hin- und herschieben muss. Und es gibt nur ein wirklich akzeptables Glas: Das 0,4-Liter-Longdrinkglas (Pokal). Ansonsten ist alles fein.

Das ist natürlich jeweils ein Betrachtung, die allenfalls auf den Schnitt passt. Aber sie hat durchaus was:

Sie legt dar, dass Männer das Geschirr als etwas praktisches sehen, Frauen aber als einen Teil ihrer Selbstdarstellung. Sie wollen ein schönes Geschirr, welches sie eben gut rausholen können, wenn Freundinnen zu Besuch kommen.

Die Jungs wollen Geschirr, welches man benutzen kann. Es gibt ihnen keinen Status in irgendeiner Form wenn sie als Studenten ein passendes schönes Geschirr haben – zumindest nicht untereinander.

Bei den Mädchen sieht das schon anders aus. Da kommt es eher auf solche Details an. Haust sie wie ein Höhlenmensch oder kann sie einen schön gedeckten Tisch präsentieren?

Natürlich haben allerdings die meisten WGs zusammengewürfeltes Besteck und Geschirr. Aber um so mehr Mädchen dort wohnen um so eher wird es „Schöner“ in irgendeiner Form sein (im Schnitt)

81 Gedanken zu “„Warum habt ihr Jungs so wenig Geschirr?“

  1. Tatsächlich kann man aber noch hinzufügen, dass man als ausziehendes Mädchen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Geschirr und Küchengerät mitbekommt oder es Verwandte schenken. War zumindest immer so mein Eindruck. Ich selbst hatte auch gleich alles, weil meine Mutter mir ihren halben Hausrat mitgab. Bis dann die Schränke Mal stürzten und es bei mir seit dem auch aussieht wie in einer Jungs-WG. Teller alle bunt durcheinander, was man als Mitleidsgeschenk nach dem Sturz von überall geschenkt bekam, und ich besitze 2 Gläser, ein Weinglas und ein Werbegeschenk von Mövenpick.
    Aber zb. von den Großeltern werde ich auch oft gefragt, ob ich nicht dieses und jenes für die Küche brauche. Das kenne ich bei männlien Freunden nicht, bei weiblichen aber schon ebenso.

  2. Geschirr ist wie alle andere Gestaltung auch: Die Form sollte zum Inhalt passen.

    Es wird nicht passieren, dass jemand ein 7-gängiges französisches Menü kocht und auf WG-Geschirr serviert. Allein schon, weil nicht genug davon da ist. Aber auch, weil dann selbst dem WG-gestähltesten Junggesellen auffallen würde, dass hier was nicht stimmt.

    Wenn aber eine Ravioli aus der Dose auf einem Rosenthal-Service serviert, womöglich mit Kerzen auf dem Tisch, dann das ähnlich unpassend. Manche Gerichte schmecken nur, wenn sie von einem schmierigen Smutje in seiner Kombüse auf den Blechnapf geklatscht werden. Labskaus kann man nicht unter einer Silberhaube servieren.

    Die Jungs handeln so, als wüssten sie das.

      • Andersrum: Die meisten guten Köche sind männlich.

        Und: Das ist kein Widerspruch. Im Gegenteil: Wer gutes Geschirr nicht kauft, damit es zum besonders guten Essen passt, sondern um die Freundinnen zu beeindrucken, der ist von Anbeginn in seiner Motivation am Straucheln.

  3. „Seid ihr zu faul, es euch zu kaufen – oder einfach zu geizig?“

    Das ist weder faul noch geizig. Es findet einfach nicht statt im Kopf. Ich habe mich bis eben noch nie gefragt, wie viel Geschirr ich überhaupt habe. Da gibt es zwei Teller und zwei Tassen, ein Tee-Glas und für Suppen und Salate 3 Schalen. Das befindet sich in der Rotation und wird immer genau dann abgewaschen, wenn es gebraucht wird. Das hat immer ausgereicht und ich bin noch nie auf die Idee gekommen darüber nachzudenken, ob ich genug Geschirr habe. Freunde essen bei mir in der Regel auch nicht, und wenn dann wird Bier aus der Flasche getrunken und Pizza oder Pasta oder Gong Bao oder so was gegessen. Das kommt vom Lieferservice und wird aus der Pappe verspeist. Da braucht man vielleicht mal ein Messer oder eine Gabel, aber das war es auch schon.

      • Das ist inzwischen auch immer meine Standardantwort, wenn Frauen mal wieder am Meckern und Nörgeln sind. Einfach freundlich lächelnd und spaßig darauf hinweisen, dass man als vorbildlicher Ökologe sparsam mit Ressourcen umgeht und ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen will, indem Gegenstände nicht vorzeitig weggeworfen, sondern verbraucht werden.

        Das passt quasi immer 🙂 z.B. weil sie meint, meine Sport-T-Shirts würden gar nicht gehen, weil diese am Kragen nicht mehr 100% in Ordnung sind, oder weil sie kritisiert, dass ich mich nicht jeden Tag rasiere, oder weil die Fenster ihrer Ansicht wieder geputzt werden müssten, oder weil ich alles in einem Supermarkt einkaufe (und nicht wie sie tausend Spezialläden mit dem Auto anfahren muss), oder weil sie meint, ich müsste mehr heizen, …

        Das Schöne ist ja, das Frauen sehr gerne sich moralisch überlegen fühlen wollen und meistens wirklich ernsthaft glauben, sie würden sich viel nachhaltiger verhalten (Bioprodukte, …). Gegen die Standardantwort können sie dann wenig erwidern, auch wenn es sie innerlich wurmt, dass ihre Erziehungsversuche nicht fruchten.

  4. Naja, WG-Leben ist nicht gerade repräsentativ für „die Jungs, die ausziehen“.
    In eine Studenten-WG zieht man(n) nur für eine begrenzte Zeit. Bei jedem Umzug geht was kaputt und man muss alles irgendwie schleppen. Also ist es naheliegend, in einer WG nur so viel wie nötig zu haben.
    Von meinen Freunden, die in ihre erste eigene Wohnung einzogen und Geld verdienen kann ich ganz andere Anektdoten erzählen…

  5. Die „Geschirr-Frage“ hat wohl unzweifelhaft durchaus auch einiges mit unserer Psyche und Geschlechts-Spezifik zu tun.
    Rational betrachtet „tut es“ natürlich jedes x-beliebige Geschirr, den zu konsumierenden Inhalt vorzuhalten. Aber bekanntlich „isst auch das Auge mit“, und da kommen stilistisch-ästhetische Geschirr-Fragen bei fast allen Frauen mit „ins Spiel“.
    Auch wenn Männer diesen „unnötigen Aufwand“ wohl selten von sich aus betreiben würden, so habe ich aber doch den Eindruck, daß sie einem „guten Ambiente“, und die Geschirr-Frage gehört dazu, durchaus auch etwas abgewinnen können, auch wenn es ihnen vielleicht gar nicht immer so bewußt wird, weil das für sie auch nicht im Fokus steht.
    Für viele Frauen ist es aber wichtig, ein ordentliches und behagliches Nest zu schaffen, und da ist es für sie bisweilen auch eine Frage von „alle Tassen im Schrank haben“…

  6. Im Laufe meiner Kindheit und Jugend habe ich von Verwandten alles mögliche „für meine Aussteuer“ geschenkt bekommen: Bestecke, Kaffeeservice, Tafelgeschirr – alles jeweils für 12 Personen, Gläsersets, ..
    Ich habe nie etwas davon benutzt, denn es würde mich viel zu sehr reuen, wenn etwas davon kaputt oder verloren gehen würde.
    Dazu kommt noch, dass beispielsweise das Geschirr überhaupt nicht zu den Bestecken passt (und ich mir ersteres eigentlich noch nicht einmal gefällt).
    Das ganze Zeugs nimmt Unmengen Platz in den Schränken ein. Das meiste ist noch daheim bei meinen Eltern. Beispielsweise auch die schnörkeligen „Sammeltassen“ (mit Untertassen), die ich zu meiner Kommunion bekommen habe, und die immerhin ein paarmal bei Geburtstagsfeiern zum Einsatz gekommen sind.

    So für den Alltag habe ich einfaches Gebrauchsgeschirr. Wenn etwas zu Bruch geht, habe ich noch ein bisschen Redundanz, muss mich aber zeitnah um Ersatz kümmern, bevor die Reserve ebenfalls nicht mehr nutzbar ist.

    Ich empfange eh keinen Besuch, der Wert auf einen schön gedeckten Tisch legen würde.

    Wichtig sind mir allerdings meine Kaffeetassen (jeweils eine daheim, im Büro und im Wochenenddomizil) mit Katzen oder nerdigen Motiven.

  7. Diese Mädchenfragen strotzen ja immer von Clichés.
    Also antworte ich mal mit einem Cliché:
    Mädels, wir schaffen uns keinen großen /wertvollen Hausrat an, weil wir wissen, dass wir ihn spätestens beim Zusammenziehen mit euch wegschmeißen müssen…

    • Aus einer Antwort im oben verlinkten Artikel:

      auch ich bin vor einigen Monaten mit meiner Freundin zusammengezogen und was ich an Geschirr so mitgebracht habe war … überschaubar. Fünf Marmeladenlöffel, die mir meine Mutter aus irgendwelchen Gründen vor zehn Jahren zum Auszug mitgegeben hat, zwei gute Kochmesser, zwei Tassen, über die sich meine Freundin eher mittelmäßig freut, uuuuuuuund – das war’s. Wo ich jetzt darüber nachdenke: Es waren drei Tassen, aber meine Fußballtasse ist auf unerklärliche Weise verschollen!

  8. Männer sind Pragmatiker. Deshalb funktioniert die Welt. Weil man sich nicht mit überflüssigen Tand aufhält.
    Man sieht es ja in der Gesellschaft. Je mehr Frauen zu sagen haben, umso komplizierter wird es: Endlose Diskussionen, endloser Narzissmus, endlose Meckerei – und jeder möchte sein eigenes Pronomen bekommen, weil jeder ein ganz besonderer Teller ist. Mit Goldrand.

      • Macht manchmal einfach Spaß, so ein Trollkommentar.

        Aber klar, Aussteuer gibt’s heute nimmer. Andererseits kenne ich sowohl die Geschirrnummer als auch die Frage nach den 12 Gedecken.

        Als vorlesender Vater glaube ich allerdings, dass das mit den 12 Gedecken die Ursache in etwas hat, was ich „Dornröschen Syndrom“ nenne.

        • Und früher ( dammahlz ) gehörte zwingend auch noch mindestens ein Baumkuchengestell dazu ( für Unbedarfte: Das sind drei Teller mit Loch in der Mitte, die mittels einer Stange kunstvoll übereinander geschraubt werden ). Gab es dann auch noch in verschiedenen Größen, Dekors u.s.w..

  9. Etwas OT: Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Fragen und Antworten dort jeweils von derselben Person geschrieben wurden oder zumindest von vornherein mit einem gemeinsamen Konzept im Hinterkopf. Die Texte erscheinen mir irgendwie von Stil her ähnlich, und vor allem bleiben die Antworten oft – ganz besonders bei den feministischen Themen – im selben „Frame“ und bestätigen diesen damit.
    Bilde ich mir das nur ein?

    • Nein. Wenn es von einem Mann und einer Frau geschrieben worden ist, dann ist der Kerl Feminist und es geht immer darum, Frauen gut aussehen, wenn nich sogar glänzen zu lassen.
      Deshalb gibt es auch keine überraschenden Einsichten oder Erkenntnisse. Der frame ist immer der gleiche.

        • Postmoderne Redaktion: „Klaus- Bärbel und Jan-Maria-Ulriehke. Ihr macht heute die angekündigte Jungs-u.-Mädchenfrage der letzten Woche. Anderthalb Officeseiten, und ohne Widersprüche oder Gegenpositionen, zwei Stunden Zeit, dalli, dalli!“

          • Die brauchst du nicht unter Druck zu setzen.
            Sie tun das freiwillig.
            Es ist nicht so, dass sie einem redaktionellem Widerstand genügen müssten oder trotzen.
            Sie sind da, weil sie so sind, wie sie eben sind.
            „Claas“ hat keine Regeln gebrochen oder diese Regeln brechen müssen – er war die perfekte Verkörperung dieser Regeln.
            Er hat nur geliefert, was sie hören wollen.
            Claas zu einem Sündenbock zu machen, erspart den narzisstischen Vollpfosten den Blick in den Spiegel, sozusagen.

          • Stimmt auch!
            „„Claas“ hat keine Regeln gebrochen oder diese Regeln brechen müssen – er war die perfekte Verkörperung dieser Regeln.“
            Nach allen bekannten Infos dazu war der Claas persönliches Ziehkind von F. Ullrich persönlich, dem Vorsitzenden der djv und notorischem Lügner ( s.a. seine erneuten Falschdenunziationen gegen RT deutsch, bspw. über den Fall „Liza“ u.s.w. ).

  10. Diese apolokynthose Antwort auf eine scheinbare Mädchenfrage fand ich süß:

    JUNGS, WARUM BASTELT IHR KEINE ADVENTSKALENDER FÜREINANDER?
    Wie Eure Fragen an das männliche Kollektiv schon richtigerweise annehmen, teilen wir Männer ein Bewusstsein, d.h., was einer von uns denkt, denken wir alle. #Männersindjaallegleich

    Da wir also immer wissen, was einer von uns in den Adventskalender steckt, ist die Überraschung weg, und die ganze Aktion macht nur noch halb so viel Spaß. Also lassen wir das.

    https://apokolokynthose.wordpress.com/2019/09/16/jetzt-fragt-irgendwann-antwortet/

  11. Interessanter ist eigentlich, welche Frage nicht gestellt wurde: Warum haben Jungs nicht soviele Schuhe wie Madchen?

    Da ist der Grund offensichtlicher. Hat was mit Eitelkeit zu tun

  12. Und später heulen die gleichen Frauen dann wieder herum, dass weibliches Geschirr in der Anschaffung viel teurer als männliches Geschirr ist und die Industrie Frauen bei gleichen Dingen abziehen würde.

    Es ist doch eigentlich ganz einfach. Jeder gibt da sein Geld aus, was einem wichtig ist. Männer geben halt eher Geld für Technik, Computer, Autotuning, … aus und Frauen eher für Mode, Schminke und optischen Dingen (Einrichtung).

    Das hat ziemlich wenig mit Geiz, sondern schlicht damit zu tun, was einem gefällt bzw. woran man einen Nutzen für seinen Leben erkennen kann. Wieso sollte man auch Dinge besitzen, deren Mehrwert man für sein Leben nicht erkennen kann.

    Wer z.B. Kleidung primär als einen Nutzgegenstand ansieht, wird halt entsprechend weniger wert auf Optik oder ständig neuen Klamotten legen, sondern die Kleidung erst dann erneuern, wenn die alte Kleidung „verbraucht“ (z.B. ausgelatschte Schuhe) ist. Wer Kleidung hingegen weniger als Nutzgegenstand betrachtet, sondern mehr als eine Ausdrucksform seiner Persönlichkeit bzw. Erkennungsmerkmal, um zu einer bestimmten Gruppe zu gehören bzw. Eindruck zu machen, der wird entsprechend mehr wert auf die Optik und immer wieder neuer Kleidung legen.

    Und bei Geschirr ist es letztlich das Gleiche. Wer in Geschirr vorrangig einen bloßen Nutzgegenstand sieht, der sieht halt keine Notwendigkeit, Dinge nur der Optik wegen oder zum Eindruck machen auszutauschen.

    Der Satz „weil ich es mir wert bin“ ist nicht zufällig ein Werbespruch für vorrangig Frauenprodukte. Männer ist häufig eben die Funktion wichtiger und sind daher im Durchschnitt eher weniger bereit, nur für die Individualität oder Optik mehr zu bezahlen. So greifen Männer daher eher auch zum Billigrasierer in Standardfarben, während Frauen dann eben auch eher bereit sind, einfach nur für eine andere Farbe des Produktes mehr auszugeben, weil Frauen eben eher nicht Durchschnitt oder Standard sein wollen und sie es sich wert sind. Und später plärren einige dann wieder herum, dass sie für das gleiche Produkt mehr Geld bezahlen würden, weil sie keine Eigenverantwortung für die eigenen Entscheidungen übernehmen wollen.

    Von daher empfinde ich das als völlig logisch, dass Männer auch bei Gerschirr und Besteck eher auf Nutzen, statt auf Optik und Außenwirkung schauen, da ihnen das Essen auch aus Bundeswehr-Blechtöpfen und Besteck genausogut schmeckt und sie weniger Lust auf die Folgen optischer Exzesse haben. So hatte meine ehemalige Mitbewohnerin in der WG z.B. Weingläser mit Monsterstängeln oder Riesenteller, die in in keine Spülmaschine passten. Auch ihre Teller mit Goldrand mussten immer besonders vorsichtig behandelt und per Hand abgewaschen werden. Alles Probleme, die mit Standard-Schrittgeschirr vollkommen unproblematisch sind. Und da muss man halt abwägen, was einem wichtiger ist: Nutzen oder Optik (Mehrarbeit).

    Und beim Zusammenziehen mit Frauen finden Frauen ohnehin fast alles peinlich, was der Mann mitbringen würde, weil Frauen mit solchen Shaming-Taktikten ohnehin ihr eigenes Geschirr durchpressen möchte. Warum sollten Männer daher vorher viel Geld ausgeben, für Dinge, die ihnen völlig egal sind und ohnehin später für die Prinzessin nie gut genug ist. Eher würde sie verlangen, dass man sich neues gemeinsames Geschirr anzuschaffen habe (selbstverständlich, das was sie haben möchte).

    • Der Satz „weil ich es mir wert bin“

      Der Spruch „Weil ich’s mir wert bin“ wäre auch ein Werbespruch für z.B. Drohnen, wenn nicht der Spruch „Weil’s geil ist“ Männer noch mehr überzeugen würde.

    • Also meine Messer müssen auch mit der Hand abgewaschen werden. Was auch eine Weile in der Beziehung gebraucht hat, um akzeptiert zu werden.

      Allerdings sinkt bei Messern der Nutzwert, wenn sie in die Spülmaschine gesteckt werden, insofern ist das nicht wir ich ein Gegensatz zu Deinem Gesagten.

    • Männer geben halt eher Geld für Frauen, Technik, Computer, Autotuning, … aus und Frauen eher für Mode, Schminke und optischen Dingen (Einrichtung).

      (Und ich meine nicht Prostituierte)

    • Warum sind Eure Küchenmesser immer stumpf?

      Warum habt Ihr keine Freude daran, eine wohlschmeckende und nahrhafte Mahlzeit zuzubereiten, die noch dazu kostengünstig ist?

      Warum stecken Blumen in Eurem Dekanter?

      • „Warum sind Eure Küchenmesser immer stumpf?“

        Das stimmt!
        So viel Geld Frauen in Geschirr stecken, so wenig investieren sie in anständiges Werkzeug für die Küche.
        Die Messer sind meistens echt besseres Weißblech. Man kann sie schleifen, bis sie weg sind, scharf werden sie nie.

          • „das Rezept heißt Wetzen, NICHT schleifen …“

            Naja, das läuft bei mir alles unter „schleifen“.
            Ich ziehe meine Messer gelegentlich auf einem Stein mit feiner Körnung ab und polier einige danach auf nem Belgischen Brocken.
            Wenn man sich danach die Härchen am Unterarm damit rasieren kann, ist das Messer scharf.
            Zwischenzeitlich schärf ich die ganz profan mit einem Wetzstahl nach.
            Da kriegen meine Weibsen allerdings immer weiße Haare, wenn sie das sehen. Die denken, je stumpfer ein Messer ist, desto ungefährlicher.
            Was ja irgendwann auch stimmt.
            Dazwischen sind sie allerdings gefährlicher, als wenn sie richtig scharf wären.

          • „Die denken, je stumpfer ein Messer ist, desto ungefährlicher.
            Was ja irgendwann auch stimmt.
            Dazwischen sind sie allerdings gefährlicher, als wenn sie richtig scharf wären.“

            Volle Zustimmung! Ich jage mir lieber ein glattes Messer bis auf die Knochen, was äußerst selten vorkommt, als mir regelmäßig mit der rostigen Zwiebacksäge das alte Fleisch zu zerfetzen. Schon wegen der besseren Heilungschancen. Ist wohl nicht zuletzt auch eine Frage des Respekts.

      • Warum könnt ihr nicht entscheiden, was ihr anziehen wollt, ohne erst die Hälfte aller eurer Kleider aus dem Schrank zu holen?

        Warum könnt ihr nicht offen sagen, wenn was ist, sondern geht anscheinend immer davon aus, dass Jungs Gedanken lesen können müssten?

        Warum vertragt ihr euch nicht mit euren Freundinnen, sondern müsst Streits immer über Jahre hinziehen?

      • „Warum sind Eure Küchenmesser immer stumpf?“

        Weil sie ihre Messer in die Spülmaschine klatschen, nicht auf Holzbrettchen schneiden, die Klinge im Matsch rumgammeln lassen, alle Messer mit ihren Schneiden in der Schublade gegeneinander klingeln, gar nicht erst das Geld für guten Stahl ausgeben und sich auch nirgendwo ein Wetzstab oder Schleifstein findet.

        • „… gar nicht erst das Geld für guten Stahl ausgeben …“

          Ein gutes Küchenmesser (Schälmesser mit Sichelklinge) kostet 50 – 60 €.
          Sehr gute Messer macht die Firma Wüsthof.
          Dagegen hat mich das Kochmesser von Zwilling nicht überzeugt. Die Klinge bricht schnell aus an den schmalsten Stellen und lässt sich auch nicht fein ausschärfen. Eigentlich typisch für spülmaschinengeschädigte Messer.

        • @Freya: korrekte Analyse!
          @Carnofis: Meine Messer stammen vom Grabbeltisch, sind m.E. „geht gerade so“, und ich wette, mit Deinen Hochpreisprodukten halten sie ganz locker mit.
          Merke: Werkzeugklingen zu schleifen ist Facharbeit! Kann nicht jeder! Sollte man Leuten überlassen, die auch mindestens normale HSS-Bohrer freihändig am Rumpelbock besser schleifen, als die üblichen Vorrichtungen und Mimiken. Was jeder normale Mensch lernen kann und sollte, ist das Wetzen, das reicht i.d.R. aus. Allerdings sind fast alle gesellschaftsüblichen Pauschalvorstellungen dazu schlicht falsch.

          UND, wie Freya ganz richtig betont: Bretter sind idealerweise aus Holz ( notfalls Plastik ). Porzellan, Glas oder Steingut ist für Küchenmesser absolut tabu!
          Ich habe ein Schmierpaddel von der US-Army ( Geschenk meines Bruders, als ich hier einzog ), welches nach Carnofis‘ Qualitätsvorstellungen etwa bei deutlich über 100€ liegen müßte ( DAS IST aus allerfeinstem Spezialstahl kurz vor der Überhärtungsgrenze, möglw. ein Selbstverdichter ), das ich zum Schneiden auf Tellern benutze, das ziehe ich regelmäßig über’n Diamanten ( sonst keine Chance ), bevor ich da mit dem Wetzstahl beigehe. Das reicht pro Person. Problem ist dabei, daß Otto N. nicht weiß, worauf er achten muß, solche Messer kaum je scharf ausgeliefert werden und das nötige Wissen fehlt, was da zu tun ist und Pflegeversuche meist eher martialischen Kung-Fu – Nachbildungen ähneln ( grimmig gucken, wilde Gesten machen und ulkige Geräusche dabei absondern, Zunge zwischen die Zähne klemmen ist auch immer gern gesehen 🙂 ).

          Ich denke, in einem werkzeugbewußten Haushalt sollte jeder sein eigenes Werkzeug haben und pflegen. Ist für alle das Beste!
          Ich, als nachhaltiger Secondhand-Man, nehme irgendwas was aus der Gerümpelkiste und mache mir das gerade benötigte Messer daraus ( oder Sense, Machete, Hippe, Bohrer, Drehmeissel, Shredderklinge, oder was ich gerade so brauch ) ….

          Merke: Vom Scharfmachen versteht Fiete was 🙂

  13. Ich bin da sicher nicht repräsentativ, weil ich gern koche und von allem reichlich da habe. Allerdings ist mir die Form auch nicht wichtig, meinen abendlichen Wein trinke ich praktischerweise (passt besser in den Geschirrspüler) auch aus der Tasse.

    Mir ist der Unterschied eher bei der Einrichtung und Deko aufgefallen. Meine Single-Wohnung war relativ kahl und funktional, abgesehen von Zimmerpflanzen Seit ich mit meiner Frau zusammenwohne, hängen überall Bilder und steht allerlei Nippes herum. Aber ich schätze das durchaus, ohne sie wäre die Wohnung sehr viel ungemütlicher. Hat halt jeder seine Prioritäten und Stärken, dafür gibt es ja Männer und Frauen…

  14. Ich bin da mit Sicherheit genetisch sehr untypisch ausgestattet.
    Ich hatte (für meine beiden Brüder gilt dasselbe) schon als Teen viel Wert auf passiges und für den Zweck geeignetes Geschirr gelegt.
    Und da durfte es auch ruhig etwas teurer sein.
    Damals hatte ich ein sechsteiliges Mittagsgedeck von Thomas und ein ebenso großes für Frühstück und Kaffee von friesland.
    Vor etwa 6 Jahren fingen wir an, ein 12teiliges Gedeck von Thomas, Serie „Sunny day“ auf 12 Personen zu sammeln und die unterschiedlichen Farben beliebig zu mischen. Dadurch ist es bei uns auf dem Tisch immer bunt, wie Ostern.
    Aber eben alles ein Muster.
    WG-Style war mir immer zuwider – stillos.
    Bei mir hängen als Bilder nur ein getrocknetes Hanfblatt und ein Hologramm an der Wand. Was also den sonstigen Tinnef anbelangt, den Frauen so anschleppen, bin ich weitgehend abstinent.
    Aber bei Geschirr und Besteck kann mir keiner Kulturlosigkeit nachsagen, da bin ich spießig 😀

  15. Mir doch egal, was Mädchen wollen, oder denken.

    Ich hatte übers Wochenende Besuch von einer klasse Frau. Hab gekocht, und wohl ganz passabel, denn sie hat zwei Teller davon gegessen. Sie ist vom Fach und war angetan von meinen Messern und der Technik. Geschirr war total einfach, aber elegant und passend.

    Die Bettwäsche war ihr auch egal. Sie wollte den Mann und ich die Frau. Wie kann man aus so Kleinscheiss nur ein Problem machen?

    Wir haben gegessen wie Gott in Frankreich und die Nacht passte dazu.

    Frauen, die so nen Quatsch fragen, sind frigide und untervögelt.

    Die jungen Weibsen ticken nicht richtig, weil sie kein Mann mehr richtig vögelt, das ist das Problem unserer Zeit. Nach Geschirr fragen – irre. Wenn das die Probleme, sind, dann sterben wir aus.

    • Hatte ich dieses Jahr die abgespeckte Variante von. Chefin einer Außenabteilung einer gGmbH ( offiziell eine soziale Stiftung ) wollte mich zum Frühstück einladen, ich schlug vor ein kleine Picknickbrunch am lokalen Flüsschen zu machen. Klappte nicht, da das Wettr zu unsicher war. Also stöpselte ich um, holte schnell ein paar Kleinigkeiten aus dem Supimaagt und zack, saßen wir wie die allerfeinsten Gourmets auf meiner Terrasse und haben gut 2Stunden lang auf höchstem kulturellen Niveau sehr elegant gefrühstückt. Einziger Nachteil, ich hatte mir ein paar Blödchen vom Vortag andrehen lassen, ohne es zu merken. Fiel beim Schneiden aber nicht auf. Der Rest war perfekt ( gehört sich auch so! ).

    • „Die jungen Weibsen ticken nicht richtig, weil sie kein Mann mehr richtig vögelt, das ist das Problem unserer Zeit.“

      Aha. Und warum vögelt sie kein Mann mehr richtig? Das muss ja Gründe haben.

  16. Pingback: Jetzt fragt – irgendwann antwortet – apokolokynthose

  17. Geizig?

    Bei IKEA gibts seit 20 jahren Teller die weniger kosten als die Tiefkühlpizza die nachher drauf kommt. Teller mit Goldrand will keiner mehr haben, die findet man aufgestapelt neben Glascontainern.

    Wird hier wieder die moderne Welt mit einer 50er Jahre Brille gelesen?

  18. Ehrlich gesagt kann ich als Kerl beispielsweise tatsächlich schlichten, runden, gesichtslosen, weißen Tellern nicht sehr viel abgewinnen. Warum? Keine Ahnung… erinnert mich an Altenheim, Krankenhaus, Mensa und Kantine in der Näher einer Jugendherberge oder Pausenraum der Arbeitsstelle. Allerdings bin ich auch weit davon entfernt Geschnörkel und künstlerische Kinkerlitzchen als ein Must-Have zu lobpreisen. Und da wären wir schon beim Fazit: Schöner als etwas anderes, kann man ja vieles finden. Die neue Wagner Steinofen Spezial schmeckt allerdings wohlgemerkt auf beiden Platten – somit rückt die Optik dann doch in den Hintergrund. Am Ende bin ich also doch eher ein „Junge“.

  19. Um meine unqualifizierte Meinung auch noch beizutragen:
    Ich bin ebenfalls eher funktional veranlagt.
    Als Hintergrund muss ich noch klarstellen, dass meine Mutter stark Flohmarkt/Secondhand-lastig einkauft und ich dadurch geprägt bin.
    Mein Geschirr kommt derzeit (2. Wohnung mit „eigenem“ Geschirr nach dem Auszug) aus 3 Sets, die meine Mutter als nicht mehr benötigte Überbleibsel geschenkt gekriegt hat. Ich habe sogar, da ich persönlich zu noch stärkerer Sparsamkeit neige, die Anweisung erhalten: „Das Geschirr zieht auf keinen Fall mit um!“
    Von daher kann ich nur erneut bestätigen: Geschirr ist ein Funktionsträger, die Optik ist maximal viertrangig. (Wobei ich auch die Ausnahme der Messer bestätigen kann. Gute Scharfe Messer haben tatsächlich einen deutlich höheren Wert als andere Teile)

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