Welcher Anteil von Menschen auf dieser Welt ist wirklich bösartig?

Eine interessante Frage in einem Tweet.

Wie man sieht gehen die meisten Leute davon aus, dass die allerwenigsten Leute wirklich bösartig sind.

Die meisten Menschen werden zumindest in einer gewissen Weise gut sein wollen, zumindestens etwa weil sie zB meinen durch äußere Umstände gezwungen zu sein, weil sie zB ihre Familie ernähren wollen, weil die Welt sie unfair zurückgehalten hat oder weil sie anderweitig benachteiligt worden sind und das nur der Ausgleich ist.

Dazu auch noch mal die Erinnerung an den „Mythos des puren Bösen“:

The first and perhaps least interesting one to a psychologist is instrumentality. Evil acts are often merely a means to an end. People turn to violence as one means of getting what they want. What they want is typically not so different from what other people want. They want money, land, power, sex, and the like. They turn to violence in some cases because they cannot get what they want by more accepted, legitimate means. (…)

the second root cause of evil and violence is threatened egotism. When I began my research I had heard the standard theory that violence is perpetrated by people with low selfesteem. As I searched for the source and evidence, however, it emerged that this was one of those things that everybody knew but nobody had really ever shown. Moreover, the facts repeatedly contradicted it. A large literature review concluded, instead, that perpetrators of violence typically had very favorable views of themselves, sometimes absurdly so (Baumeister, 11 Smart, & Boden, 1996) (…)

The third root cause of evil is idealism. In some ways this is the most disturbing and tragic, because the perpetrators are motivated by the belief that they are doing something good. Idealists of both the left and the right have sometimes believed that their noble goals justify violent means. The worst body counts of the twentieth century were perpetrated by people who believed that they were doing what was necessary to create a utopian society, whether this reflected a left-wing vision (as in the communist slaughters in China and the Soviet Union) or a right-wing one (as in the horrors perpetrated by Nazi Germany). Earlier centuries witnessed slaughters perpetrated in the name of religion, as people killed to serve their gods. To be sure, sometimes the idealism was a cover for baser motives, including instrumental ones. Some people used religious wars or persecutions to enrich themselves. Yet it is not reasonable to dismiss the sincere idealism of many of the perpetrators. In a large expedition such as the Crusades, there were some along for adventure and others hoping to get rich. But many honestly believed that they were doing God’s work by fighting the infidels in order to reclaim sacred ground for what they thought was the true faith. (…)

The fourth and final root cause is sadism, defined as sincere enjoyment from inflicting harm. Earlier I said that it may be most precise to refer to three and a half roots rather than four. Sadism would be the half

 

„Warum habt ihr Jungs so wenig Geschirr?“

Ich habe früher die Rubrik „Mädchenfrage- Jungsfrage“ in der jetzt immer sehr gemocht, einfach weil sie Unterschiede aufgegriffen hat und versucht hat zu verstehen. Auch wenn sie in letzter Zeit eher häufiger intersektional angehaucht war finde ich diese hier ganz interessant:

In der Männer-WG, in der er vorher gelebt hat, gab es einen winzigen Geschirrschrank. Das Geschirr der drei Jungs war eine Wundertüte aus Überbleibseln ehemaliger Mitbewohner, Geschenken von Ex-Freundinnen, im betrunkenen Zustand geklauten Sektgläsern und Werbegeschenken von Karrieremessen an der Uni. Niemandem schien irgendwas davon wirklich zu gehören. Und weil immer wieder Teile kaputtgingen, wurde aus wenig immer weniger.

Die meisten meiner männlichen Freunde leben so: Entweder sie haben überhaupt kein eigenes Geschirr und benutzen eben das, was vom Vormieter vergessen wurde. Oder sie haben eine Tasse, zwei Gläser und gerade genügend Teller für ein Essen für zwei Personen.

Das ist natürlich kein Problem. Aber der Unterschied zu meinen Freundinnen ist schon ziemlich interessant. Denn ihre Küchenschränke sind alle ausgestattet wie die Vorzeige-Küche im Ikea-Katalog – tiefe Gläser, hohe Gläser, kleine Teller und große Teller, Müslischalen, Espressotassen, Kuchengabeln und Latte-Macchiatto-Löffel. Alles da. Kaum waren sie von Zuhause ausgezogen, konnten die Frauen in meinem Freundeskreis schon eine ziemlich komplette Ausstattung an (oft farblich abgestimmten) Geschirr ihr Eigen nennen.

Die Jungsantwort ist:

Den Verdacht, dass wir zu geizig seien, um uns gutes Geschirr zu kaufen, kann ich relativ leicht entkräften. Denn um zu geizig zu sein, müssten wir erst einmal wissen, was Geschirr überhaupt kostet. Vielleicht sind wir als WG einmal beim Einzug zusammen ins Möbelhaus gefahren, um uns eine Garderobe, einen Vorleger für die Toilette und eine Küchenlampe zu kaufen. Vielleicht haben wir da auch drei, vier neue Teller gekauft. Aber um uns groß Gedanken über Design und Preis zu machen, waren wir schon viel zu erschöpft von dem grellen Licht, der endlosen Auswahl an Duschvorhängen und diesem penetranten Geruch, der Mischung aus Sperrholz, Köttbullar-Soße und Vanille-Duftkerzen.

Es ist nun mal so: Geschirr ist ein Gebrauchsgegenstand. Da gibt es in einer Jungs-WG kein meins und deins. Da gibt es nur sauber und nicht sauber – und manchmal „joa, sauber genug“. Sobald ein Geschirrstück einmal in der WG gelandet ist, wird es von ihr verschluckt, ist für immer darin gefangen und wird erst erlöst, wenn es auf irgendeiner Party runterfällt und kaputtgeht. Teures Geschirr wäre eine Riesenverantwortung, die niemand übernehmen möchte.

Ja, teures Geschirr ist sogar ein potenzieller Streitfaktor, der das friedliche WG-Leben stören würde. Wer hat schon den Nerv, sich anzukacken, weil „DIE TELLER MIT DEM GOLDRAND DOCH NICHT IN DIE SPÜLMASCHINE KOMMEN! ZUM 1000. MAL!“ Oder beim Auszug eines Mitbewohners Sätze zu sagen wie: „Du, diese Blümchen-Tasse, die du da gerade eingepackt hast, die hatte ich doch mal in diesem Antiquitätenladen … Doch, doch, da bin ich mir ganz sicher …“.

Geschirr muss für uns nicht schön sein – das Essen schmeckt ja trotzdem. Es muss nur folgende Kriterien erfüllen: Auf die Teller muss eine Tifekühlpizza so passen, dass sie nicht auf dem Rand liegt und man sie beim Schneiden nicht hin- und herschieben muss. Und es gibt nur ein wirklich akzeptables Glas: Das 0,4-Liter-Longdrinkglas (Pokal). Ansonsten ist alles fein.

Das ist natürlich jeweils ein Betrachtung, die allenfalls auf den Schnitt passt. Aber sie hat durchaus was:

Sie legt dar, dass Männer das Geschirr als etwas praktisches sehen, Frauen aber als einen Teil ihrer Selbstdarstellung. Sie wollen ein schönes Geschirr, welches sie eben gut rausholen können, wenn Freundinnen zu Besuch kommen.

Die Jungs wollen Geschirr, welches man benutzen kann. Es gibt ihnen keinen Status in irgendeiner Form wenn sie als Studenten ein passendes schönes Geschirr haben – zumindest nicht untereinander.

Bei den Mädchen sieht das schon anders aus. Da kommt es eher auf solche Details an. Haust sie wie ein Höhlenmensch oder kann sie einen schön gedeckten Tisch präsentieren?

Natürlich haben allerdings die meisten WGs zusammengewürfeltes Besteck und Geschirr. Aber um so mehr Mädchen dort wohnen um so eher wird es „Schöner“ in irgendeiner Form sein (im Schnitt)