Der Pestarzt zu SJWs, politischer Korrektheit und den Reaktionen darauf

Der Pestarzt, früher als Kiezneurotiker unterwegs hat einen wunderbaren Rant geschrieben, der sich gegen SJWs und polistische Korrektheit richtet.

Einige Auszuge daraus:

Ich dachte vor ein paar Jahren mal, die Welt könne nicht bekloppter werden, doch das war ein Irrtum. Ein Trugschluss. Ich habe das nicht zu Ende gedacht und angenommen, die menschliche Blödheit sei auf einen bestimmten unverrückbaren Sockel limitiert und könnte nicht ins Unendliche gesteigert werden, aber das stimmt nicht. Sie werden von Jahr zu Jahr blöder. Lauter. Kreischender. Und verrückter.

Was da mit erhobenem Zeigefinger dasteht und krakeelt, ist nicht weniger als der neue Klerus. Viktorianisch. Prüde. Bitterernst. Sie haben die Presseorgane in ihrem Bataillon, die öffentlich-rechtlichen Anstalten, aus dem Gebührenaufkommen querfinanzierte YouTube-Kanäle, lassen ihre Kritiker blocken und haben sich, damit das einfacher geht, dafür sogar ein Gesetz zimmern lassen.

Das ist ja etwas, was viele als Eindruck haben: Man meint immer, dass jetzt der Peak erreicht wäre, dass die SJW-Bewegung  nicht mehr verrückter werden kann, dass sie doch jetzt schon nicht mehr von Satire zu unterscheiden sind und üblicherweise wird dann noch etwas draufgelegt. Weil sie eben als „Race to the Bottom“ ausgestaltet sind, weil es immer noch korrekter geht, immer noch eine Minderheit mehr ins Boot genommen werden kann (momentane heiße Anwärter: Die Pädophilen), weil man immer noch bescheuertere Forderungen aufstellen kann.

Meine Güte was seid ihr doof.

Jedem mit einem Funken rebellischem Geist macht es im Moment reinste ehrliche klammheimliche Freude, euch zu stressen, zu nerven, zu trollen, die Dinge, die man nicht tut, extra zu machen. Ja, bitte, nehmt euch die Zeit und räumt die Flaschen der kleinen Bonner Fruchtsaftklitsche rüber zu den Eiweißriegeln oder unter die Bananen, weil ihr nicht wollt, dass ich das trinke, doch ich werde das Zeug auf jeden Fall finden und damit hinter euch an der Kasse stehen und euch ins Gesicht strahlen, ihr Nixblicker, denn wenn ich etwas mehr als alles andere hasse, ist es, wenn mir jemand vorschreibt, was ich zu tun habe, ohne mich dafür mit einem Monatsgehalt zu bezahlen. Das weckt unmittelbar, vollkommen automatisch und ohne dass ich das irgendwie steuern könnte meinen Widerwillen. Es ist vollkommen unvermeidbar, dass ich genau das tue, von dem die Moralapostel, Kleriker und diese neue superkorrekte elitäre Medienblase nicht wollen, dass ich es tue. Einfach aus Spaß. Und nur aus Spaß. Nicht um zu zeigen, dass das hier immer noch ein freies Land ist, in dem Eiferer eben nicht die private Agenda des Einzelnen bestimmt dürfen, gut, das ist ein Nebeneffekt und auch vollkommen folgerichtig, aber ich mache das nur aus Spaß. Immer anders als die da von mir wollen. Weil ich es kann. Und darf. Und will. Weil ihr den Stinkefinger so sehr hasst und ich den so mag.

Das ist etwas, was in der Tat zu einer gegenseitigen Polarisierung beiträgt, bei der sich die Lager nicht etwas schwächen, wie es die Aktivisten im Kampf für die jeweils als gut empfundene Sache annehmen, sondern sich gegenseitig eher verstärken, weil die eine Seite der anderen einen Gegner und damit mehr Sinn gibt.

Eine Übertreibung in eine Richtung wird auch immer der Übertreibung in die andere Richtung Raum geben.

Was seid ihr doof. Unendlich doof. Ihr erreicht mit diesem ständigen penetrierenden dauerempörten unendlich abgehobenen Geblöke genau das Gegenteil: Euch eigentlich grundsätzlich mal zugeneigte Leute wenden sich ab, wählen eure Parteien nicht mehr, lachen beim Bier über euren verkopften Scheiß, feixende Trolle stressen euch in die Schnappatmung und die vollkommen Frustrierten wählen seit Neuestem sogar rechts, weil das offenbar das ist, mit dem man euch am allermeisten ärgern kann und ihr merkt das alles nicht, sondern twittert munter weiter eure Moralinsäure in die Welt als gingen die Zehnerjahre, in denen ihr die uneingeschränkte Lufthoheit über alle Ressourcen hattet, nicht bereits in ein paar Monaten schon zuende.

Neulich ging eine Meldung um, dass eigentlich Leute aus allen Parteien zu einem erschreckend großen Anteil der Meinung waren, dass man bestimmte Sachen nicht mehr sagen darf. Ein großer Teil davon dürfte auf das Konto der SJWs gehen, die einen dann sogleich zum Nazi abstempeln.

Natürlich entwickeln sich da Gegenbewegungen und nur, weil viele Angst haben, dass sie für das äußern bestimmter Meinungen beschämt werden, bedeutet das nicht, dass sie nicht intern anders darüber reden.
Und das ist eine häufige Folge von Sprachverboten: Weil ein öffentlicher Austausch und eine öffentliche Diskussion nicht mehr stattfindet haben es auch die Gegenpositionen leichter radikal zu werden. Einfach weil die Argumente und Gegenargumente beider Seiten nicht mehr in eine Diskussion gestellt werden sondern nur noch ohne echte Kritik daran, ohne ein wirkliches Durchdenken, in der jeweiligen Filterblase existieren.

Ihr seid so doof. Was ihr nicht merkt ist, dass die Dinge bröckeln. Auf die Gängelung durch eine selbstherrliche Obrigkeit hat die Mehrheit nicht den Hauch von Bock und reagiert darauf im Moment mit vielen Dingen, die ihr gar nicht seht. Geht doch mal wieder in eine verrauchte Kneipe, hinten am Bahnhof zum Späti auf ein Bier an eine dieser speckigen Tonnen oder auf so ein garantiert unveganes Dorfest außerhalb des S-Bahn-Rings, auf denen der Pöbel feiert, dessen Lebensstil ihr so leidenschaftlich verachtet, aber das könnt ihr gar nicht, weil ihr gar nicht wisst wo der Pöbel überhaupt zu finden ist. Lieber sitzt ihr feist und satt auf eurem begrünten Balkon über Berlin-Friedrichshain, Ingwer-Zitronengrastee auf dem Tisch und einen getrockneten Apfelschnitz in der Hand, während der Pöbel unten bei 32 Grad die Straße neu teert. Euren Bürgersteig pflastert. Eure Couscousbrösel für euer Taboulé in den Bioladen liefert. Und euren Wohlstandsmüll zur Deponie fährt. Um danach mit dem Regionalexpress wieder raus nach Brandenburg zu fahren. Sprecht doch mal mit einem von denen. Die hassen euch alle inzwischen. Und ihr merkt nichts da oben auf eurem Balkon, auf dem ihr alt werdenden Vetteln vor dem Macbook immer noch wie 2010 über dem nächsten Hashtag für die neueste Empörung brütet. Und von wo aus ihr nicht seht wie sich der Wind dreht, wie eure Onlinekampagnen nicht mehr verfangen, die Leute sich ermüdet bis angewidert abwenden nach der hunderttausendsten beliebigen Empörungswelle, die aus irgendeinem Grund immer noch jedes Mal tagelang durch eure angeschlossenen Funkhäuser genudelt wird.

Wer nur damit beschäftigt ist virtue Signalling Punkte zu verdienen, der verliert eben den Kontakt zu Leuten, die dieses Spiel gar nicht spielen, sondern realere Probleme haben.

Und das viele sich nicht mehr verstanden fühlen, sich nicht mehr vertreten fühlen, dass merken viele Organisationen ja durchaus, etwa die SPD, die den Kontakt zu den Arbeitern verloren hat und meint, diesen mit Doppelspitzen und Frauenquoten zurückzubekommen. Wenn sich Politik darauf konzentriert, wer oben im Vorstand sitzt und ob diese auch ja nicht weiß und männlich genug sind, dann treffen sie eben nicht die Sorgen der Menschen. Die wenden sich dann an Leute, die ihre Sorgen eher aufgreifen. Nur um sich dann anhören zu müssen, dass sie deswegen Nazis sind. Der „Deplorables-Effekt“ schlägt dann um so mehr zu.

Bitte den ganzen Text dort lesen, ich finde ihn gut geschrieben

11 Gedanken zu “Der Pestarzt zu SJWs, politischer Korrektheit und den Reaktionen darauf

  1. Der Pestarzt macht schon Spass. Nur helfen Rants vor allem dabei, sich gut zu fühlen, aber nicht, etwas zu ändern.

    Bringt leider nichts, wenn die Blödheit fortschreitet, sie umso lauter anzuprangern. Aktuelles Beispiel, wenn Feministinnen gar nix mehr kapieren: Milena Hassenkamp’s Artikel „Die Feministinnen-Union“ im Spiegel. Wo der Schluss gezogen wird, die Union müsse mehr Frauen ansprechen, weil Männer AfD wählen. Auf die Idee, dass Männer (oder besser gesagt ein Viertel der Männer) AfD wählen, weil CDUSUSPDGrüneLinke
    – sie nicht mehr abholen,
    – nicht ernst nehmen
    – ihre Lebenswirklichkeit nicht abbilden
    – ihre Werte nicht repräsentieren
    – ihre Ängste nicht lindern oder
    – die Hoffnung auf eine Besserung nicht transportieren können…
    Auf diese Idee kommt man (Frau) nicht.

    Oder dass die CDU vielleicht mehr Wahlen gewinnt, wenn sie für Männer attraktiver wird.

    Dass eine Politik für 50% nicht für eine absolute Mehrheit reicht, das sollte auf der Hand liegen. Tut es anscheinend nicht.

  2. Das ist ja etwas, was viele als Eindruck haben: Man meint immer, dass jetzt der Peak erreicht wäre, dass die SJW-Bewegung nicht mehr verrückter werden kann, dass sie doch jetzt schon nicht mehr von Satire zu unterscheiden sind und üblicherweise wird dann noch etwas draufgelegt.

    Ich denke auch das ist ein Fass ohne Boden:

    und der aktuelle Titelverteidiger:

    • Gerade dein letztes Beispiel ( Menschenfleisch essen) denkbar ungeeignet, um menschliche Blödheit aufzuzeigen.
      Rein auf Sachebene beschränkt „verschenken“ wir nämlich jede Menge Ressourcen.

      Interessant wäre vielleicht die Frage, ob du Organspender bist. Ich habe seit zig Jahren einen Organspendeausweis bei mir., werde mich also nach meinem Ableben als Ersatzteilspender ausschlachten lassen. Vielleicht ist das Thema Kannibalismus deshalb für mich nicht einen ganz so großes Tabu. 😉

  3. Zu Anti-Empörereria-Marketing: Im verlinkten Artikel spricht er davon, dass es inzwischen ein Stilmittel sei. Neben Truefruits, die seit Firmenbeginn absichtlich mit Auf-Zehen-Tret-Marketing arbeiten, ist ein Genderama-Artikel verlinkt, der neben Truefruits damaliger Aktionen einen Hersteller von Protein-Pampe nennt, der in der englischsprachigen Welt den Truefruits-Ansatz ausprobierte. Das ist aber von 2015.

    Gab/Gibt es weitere einschlägige Kampagnen? Eine Schwalbe macht ja noch keinen Sommer.

  4. Ich finde, Reaktanz ist ein sehr infantiles Verhalten: Ich mache das, auch wenn es allen schadet, weil euch das so schön ärgert. Mental mehr so fünfjähriger Junge.

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