„Wir brauchen eine weiblichere Welt“

Im Cicero schreibt  Ionna Orleanu über das Erfordernis einer weiblicheren Welt.

Die Einleitung:

Die Welt steht unter den Fittichen des „Männlichen“, ihr fehlt es an Empathie und Emotion, schreibt unsere Gastautorin Ioana Orleanu. Wir brauchen aber keinen alles klein hauenden Feminismus, sondern ein Gegenmodell. Ein Plädoyer für feminine Klugheit

Die Fittiche des Männlichen sind anscheinend schlecht und dagegen braucht man immerhin keinen Feminismus, sondern eine feminine Klugheit.

Dass Frauen das männliche Element, über das sie in höchst persönlicher Ausprägung verfügen, in vollem Umfang entfalten können, ist der große Vorzug unserer Zeit und unserer Gesellschaft. Und ihre Leistungen strafen alle Jahrhunderte Lügen, die behaupteten, sie wären dafür zu schwach. Andererseits steht diese Gesellschaft ganz und gar unter den Fittichen dessen, was Lou Andreas-Salomè als männlich beschrieb.

Durchsetzungsvermögen, Unternehmergeist, extreme Spezialisierung, vernünftelnde Emotionslosigkeit bis hin zum Autismus, ständiges Tätigsein: das wird von allen, überall, gefordert und das wird von allen, brav, geleistet. Unser ganzes Dasein, unser Schaffen, unser Wollen wurzelt und schöpft aus diesen männlichen „Tugenden“. Irgendwie geistert durch uns alle jener Traum vom Tellerwäscher zum Millionär. Also strampeln wir uns ab, Männlein wie Weiblein, zu Tode hetzende Teilchen in einem unbarmherzig zermalmenden Räderwerk. Freilich verzieht kaum einer die Miene. Niemand will sich irgendeine Blöße geben, wir sind ja alle taff, unempfindlich, stark – und wollen es sein.

Es gibt viele Artikel dieser Art und auch im Feminismus kommt es immer wieder vor: Alle Anforderungen, die typischerweise für eine Karriere erforderlich sind und noch etwas Emotionslosigkeit werden im negativen Sinne zum männlichen erklärt. Dabei sind es meist schlicht Anfoderungen, die im Wettbewerb zu einem guten Abschneiden führen. Es ist ja gerade eine der Vorteile unserer auf Arbeitsteilung ausgelegten Gesellschaft, dass wir uns spezialisieren, weil in einer komplexen Welt niemand mehr alles oder auch nur ein größeres Fachgebiet vollständig überblicken kann, sondern in vielen Bereichen eine Spezialisierung schlicht erforderlich ist. Und natürlich auch Durchsetzungsvermögen und nicht Emotionslosigkeit, aber Sachlichkeit, Sachbezogenheit, Problemlösungsorientierung etc.

Es ist nicht zu bestreiten: Die männliche Art zu sein stellt unser Lebensideal dar. Deshalb haftet dem Sanften, Empfindsamen, Schwachen etwas Anrüchiges an. Deshalb hat alles, auch die Literaturkritik, ein Faible für das Trocken-Prosaische. Deshalb werden selbst unschuldigste Ausdrücke wie „Das Herz geht auf“ sofort als kitschig taxiert. Das Herz hat zu zubleiben. Denn wir sind cool. Nicht warm. Nicht rührselig. Nicht – Weiber!

Auch das ist so eine typisch einseitige Betrachtung: Es mag für Karrieredinge ideal sein, aber natürlich spielen im Leben auch viele andere „Arten“ eine Rolle, im persönlichen Umgang etc. Und natürlich hat man es auch gerne, wenn jemanden zur richtigen Zeit „das Herz aufgeht“. Mir geht gerade regelmäßig das Herz auf, wenn Fräulein Schmidt etwas neues macht oder sich einfach des Lebens freut. Und das hat nichts mit männlich oder weiblich zu tun.

Freilich ist diese Art des Seins höchst erfolgreich, ja, eigentlich setzt sie ihren Totalitarismus des Erfolgs seit ungefähr einer Milliarde Jahren durch, als (oh, ja, man sollte wahrlich seinen Ursprung kennen) „die ersten Mikroorganismen“ lernten, „sich gegenseitig zu fressen“. Mit uns, Menschentierchen, droht sie jedoch den Karren höchst erfolgreich gegen die Wand zu fahren.

Den Karren gegen die Wand fahren? Nie, zu keiner Zeit, ging es den Menschen besser. Die Säuglingssterblichkeit ist niedriger als jemals, der Lebensstandard der Leute ist besser als jemals, Leute hungern weniger als jemals. Der konstruktive Wettbewerb hat das Leben insgesamt besser gemacht.

In diesem Sinne muss man einer Sibylle Berg Recht geben, wenn sie dieses „weltumspannende männliche System“ anprangert. Leider bleibt auch sie auf halbem Wege stehen, weil sie mit keinem Wort das erwähnt, was dringend notwendig wäre: Diesem „ungebremsten maskulinen Schwachsinn“, bei dem wir alle mitmachen, ein Modell femininer Klugheit gegenüberzustellen.

Womit wir wieder bei Lou Andreas-Salomè, ihrem weiblichen Element und der unerwarteten Einsicht landen, dass sich gerade hier ihre Aktualität offenbart. Denn, ja, dieses Weibliche stellt das Gegengewicht dar, das dieser aus den Fugen geratenen männlichen Welt helfen könnte, wieder etwas ins Lot zu kommen. Wir dürften es nicht mehr so stiefmütterlich behandeln, wir müssten es aus seinem Aschenputteldasein befreien, aufwerten, zum Ideal erheben, damit wir alle weiblicher werden. Milder. Empathischer. Bescheidener. Kontemplierender. Harmonischer. Organischer. Schöner. Lyrischer. Ich könnte es auch ganz anders ausdrücken: Nicht neuen, unverschämt überbewerteten Frauenfußball neben dem alten, unverschämt überbewerteten Männerfußball braucht das Ländle, sondern: viel weniger Fußball.

Immerhin ein interessanter Ansatz. Aber nur weil sie Fußball nicht versteht bzw warum Leute ihn gerne schauen, bedeutet das nicht, dass er etwas schlechtes ist. Im Gegenteil, hier sind gerade oft Gefühle, hier ist ein gemeinsames Erleben. Ein Wettbewerb bei dem die meisten auch problemlos mit den Fans der anderen Mannschaft zurechtkommen und sich allenfalls einen spielerischen Wettbewerb leisten (auch wenn es Hooligans gibt sind die ja in der Minderzahl).

Eigentlich ist es schon erstaunlich, dass man in Zeiten, in denen alles nach neuen Ansätzen sucht, um den unversöhnlichen Widerspruch zwischen Ökologie und Ökonomie zu lösen, nicht einsieht, dass das, wonach man sucht, das Feminine ist. Rücksichtslose Gier nach mehr und immer mehr, rücksichtsloses Verbrauchen, krebsartiges Wachsen, sinnentleertes Hetzen – diesem Grauen zu entkommen, wäre nur möglich, indem man einen „weiblichen Stempel auf die Dinge drückt“. Lou Andreas-Salomè empfahl das allen Frauen, die in jenem Existenzkampf zogen, „bei dem sie die Ellenbogen brauchen und … um sich hauen wie der Mann“. Wünschenswert wäre es jedoch, denke ich, dass wir es alle täten.

Da verwechselt sie aus meiner Sicht einiges. Frauen haben durchaus eine „Gier nach mehr“. Man schaue sich teure Mode an, die Guccitasche oder die Manolo Blahnik Schuhe sind nur ein Aspekt, aber auch Frauen wollen Konsum, wollen ein gutes Leben und sie wollen insbesondere Männer, die ihnen dies bieten können. Frauen drücken der Gesellschaft bereits ihren Stempel auf – indem sie Männer aussuchen, die in der Konkurrenz gut abschneiden. Nur weil ihr Interesse im Schnitt daran geringer ist sich selbst in den Wettbewerb zu stürzen sondern es lieber andere machen zu lassen bedeutet es nicht, dass sie den Wettbewerb nicht wollen.

Könnten wir das noch? Uns enthäuten, die Panzerschichten ablegen, wesentlich werden? Nun, vielleicht sollten wir als Zuspruch zwei als misogyn verschriene, aber im Grunde feminine Dichterdenker: den tanzenden Nietzsche und den rosenliebenden Benn bemühen: Du hättest – weiblich bleiben sollen, meine Seele, nicht männlich, nicht männlich.

Die Panzerschichten, welch merkwürdige Ansicht. Zumal es wieder eine Apex-Fallacy zu sein scheint: Die meisten Männer haben relativ normale Jobs, ohne dass sie da eine grauenhafte Konkurrenz leben, in der Konsum alles ist und rücksichtslose Gier waltet. Insofern bringt es nichts das eine als weiblich und das andere als männlich darzustellen.

 

Selbermach Samstag 256 (21.09.2019)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen

„Was sich in den vergangenen Jahren im Feminismus getan hat“

Julia Kobrik wird dazu interviewed was sich im Feminismus getan hat:

jetzt: Wie weit sind wir im Jahr 2019 beim Thema Feminismus?

Julia Korbik: Sehr weit! Feminismus ist im Mainstream angekommen, zum Beispiel wird bei Anne Will darüber diskutiert und wir sehen nicht mehr nur Alice Schwarzer da sitzen. Beyoncé findet Feminismus toll, Taylor Swift jetzt irgendwie auch. Trotzdem treffe ich immer noch viel zu viele Menschen, denen ich erklären muss, dass Feministinnen keine Männer hassen. Als Feminist*in ist es ein großer Fehler zu denken, die Allgemeinheit sei so aufgeklärt wie man selbst. Der Feminismus bewegt sich auch viel in seiner eigenen Blase.

Der Feminismus hat sich in der Tat gewandelt. der größte Umbruch dürfte der intersektionale Feminismus sein. Wobei da gerne im Guten alle Feminismen in einen Hut geworfen werden bzw irgendeine Äußerung in Richtung Feminismus für den Feminismus als Bestätigung auch des jeweils eigenen Feminismus gewertet wird.

Julia Kobrik kann ich da gar nicht genau einordnen. Aber man könnte ihr auch wiederum erklären, warum in vielen Arten von Feminismus, gerade auch im intersektionalen Feminismus, jede Menge Männerhass und auch Hass an sich enthalten ist.

Warum muss man Menschen heute noch erklären, dass Feminismus auf keinen Fall Männerhass bedeutet?

Weil viele ein veraltetes Bild von Feminismus haben. In den Siebzigern wurden Männer von Feministinnen an den Pranger gestellt, weil das Thema im gesellschaftlichen Diskurs einfach nicht stattfand. In dieser männerdominierten Welt war es für Feministinnen also wichtig, eine autonome, radikale Bewegung auf die Beine zu stellen.

Das Bild ist bei vielen noch präsent, aber das heißt selbstverständlich nicht, dass Feministinnen alle Männer hassen. Am Ende geht es um die Gleichberechtigung der Geschlechter. Feministinnen betrachten gesellschaftliche Vorstellungen von Männlichkeit kritisch. Dabei geht es nicht darum, dass Männer an sich schlecht sind, sondern um eindimensionale Bilder vom Mann-Sein und damit einhergehende schädliche Verhaltensweisen.

Auch interssant: „warum bedeutet Feminismus AUF KEINEN FALL Männerhass“ vs „Das Bild ist immer noch präsent, aber das heißt selbstverständlich nicht, dass Feministinnen ALLE Männer hassen“.

Würde ja erst einmal bedeuten, dass entweder einige Feministinnen Männer hassen oder Feministinnen jedenfalls einige Männer.

Sie führt also aus, dass Männer früher an den Pranger gestellt worden sind. Wo ist das heute anders? #NotallMen #Killallmen, Männer sind privilegiert, ja alle Männer profitieren vom Patriarchat. Ja, alle Männer unterstützen die Rape Culture, ja, Männer müssen sich ändern und ihre toxische Männlichkeit aufgeben.
Gut, es sind Gruppen dazu gekommen, die man auch hasst: Weiße, alte, CIS, nichtbehinderte etc.

Und um Gleichberechtigung geht es eben meist nicht,  was allein schon daran deutlich wird, dass Männern noch nicht einmal erlaubt wird, Ungerechtigkeiten für Männer anzuführen, die sie als diskriminierend erleben. Sie haben nach der Auffassung viele Feministinnen keine eigene Stimme, sie sind allenfalls Allys, können also nur die Ideen der Feministinnen unterstützen. Ich wüsste auch nicht, was viel eindimensionaler ist als das Bild von Männern, welches Feministinnen haben. Privilegierte Männer, die keine Gefühle kennen und von den Guten Frauen aus ihrer für sie schädlichen Schale geholt werden müssen. Privilegiert, selbst wenn sie obdachlos sind. Irgendwie immer oben auf, selbst wenn sie die höhere Selbstmordrate haben. Und die Bestimmer der Welt, keineswegs Anfoderungen von Frauen ausgesetzt, die sie ebenfalls formen. Gemeine Unterdrücker irgendwie, auch wenn sie ihnen die Daumen drückt, dass sie erkennen, was sie da machen und sich endlich bessern.

(…)

In der neuen Version hast du zum Beispiel die Sprache gegendert. Was hat sich noch getan?

Das Cover ist so grell und poppig gestaltet, weil wir 2014 Angst hatten, dass sonst kein junger Mensch ein Buch über Feminismus lesen will. Jetzt ist Feminismus cool geworden. Oder eher „Empowerment“: Viele Unternehmen haben entdeckt, dass man mit diesem herrlich vieldeutigen Wort Frauen ansprechen und ihnen Produkte verkaufen kann. Ob BH, Deo oder Schminke: Alles ist auf einmal ein Symbol für Feminismus.

Dieses fiese Patriarchat ist auch nie klein zu bekommen. Jetzt greift es einfach den Feminismus auf und kommerzialisiert ihn.

 

Hilft das auf dem Weg zur Gleichberechtigung?

Klar, es ist super, dass das Thema mittlerweile so präsent ist. Andererseits: wenn Feminismus plötzlich alles sein kann, was ist er dann noch? Wir müssen aufpassen, dass der Begriff weiter mit Inhalten gefüllt ist und nicht zum Werbebegriff von Unternehmen verkommt. Ich dachte irgendwie immer, dass Feminismus das Allerletzte ist, was kommerzialisiert wird. Auf einmal finden wir behaarte Frauen schön und Modekonzerne drucken sie auf T-Shirts als ein Symbol für Emanzipation. An so was war vor fünf Jahren nicht zu denken.

Tatsächlich finden wir behaarte Frauen ganz überwiegend nicht schön. Weitaus eher ist es ein Mittel die intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen vermeintlich zu verringern. Aber das ist eher etwas, was Frauen untereinander ausmachen. Und in der Tat ist vieles einfach ein Werbeaufdruck, ein Symbol für „ich bin eine starke Frau“ oder andere Botschaften, die sich gut machen. Aber natürlich hat der Feminismus auch ansonsten in der Tat viel Boden gut gemacht, weil seine Anhänger einen Teil gewisser Wissenschaften besetzt haben und sich durch ihre Radikalität dort immer mehr ausbreiten.

Du schreibst in „Stand-Up“ ausführlich, dass Humor der falsche Umgang mit Feminismus ist. Warum ist dir das so wichtig?

Mir geht es um die ironische Haltung, die man dabei einnimmt: Ich bin ja so ein aufgeklärter Typ, deshalb kann ich dumme Sprüche über Frauen machen. Das Problem mit Ironie ist, dass du sie nur schwer kritisieren kannst. Viele schwierige Themen, und da gehört Feminismus dazu, werden mit blöden Witzchen abgetan, um keine Diskussion anfangen zu müssen.

Humor und Feminismus passen in der Tat nicht zusammen. Weil eben alles zu einem Problem überhöht wird, selbst die kleinste Kleinigkeit als wichtiges Rad im Diskriminierungsgefüge verloren geht und jeder Humor in dem Bereich daher ein dem Feind nachgeben wäre. Da darf es keine Selbstirnonie geben, denn der Kampf gegen die Unterdrückung ist eben kein Witz. Humor gibt insofern Virtue Punkte Abzug.

Was muss passieren, dass Frauen und Männer in Deutschland gleichberechtigt sind?

Wir müssen auf jeden Fall Feminismus und Gleichberechtigung als etwas begreifen, das bei jedem Menschen selber anfängt. In Deutschland müssen wir zum Beispiel konkret dafür kämpfen, dass das Informationsverbot für Abtreibungen wegkommt oder die Regelung, dass Frauen nach einem Beratungsgespräch drei Tage warten müssen, bis sie abtreiben dürfen. Wir müssen den Gender-Pay-Gap bekämpfen. Wir müssen Geschlechterrollen aufbrechen. Wir müssen Gewalt gegen Frauen beenden. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Das ist mal eine gute Frage. Was müsste eigentlich passieren? Etwas wirklich konkretes kommt auch nicht wirklich.  Sie will:

  • Dass das Informationsverbot für Abtreibungen wegkommt

Eine relativ kleine Einschränkung, denn natürlich kann man sich bei der jeweiligen Ärztin selbst und ansonsten im gesamten Internet dazu informieren, nur darf sie eben nach außen keine Informationen geben, was in der Tat bescheuert ist, aber dennoch interessant, dass sie es als erstes nennt.

  • Drei Tage Wartezeit für die Abtreibung nach Gespräch

Kann meinetwegen auch weg. Aber das unter Gleichberechtigung zu verbuchen ist schon interessant, weil der Mann selbst ja nicht selbst das Baby abtreiben kann bzw eher juristisch abtreiben kann, die Frau aber schon, auch wenn sie drei Tage nach einem Beratungsgespräch warten muss. Der Mann erhält üblicherweise noch nicht einmal ein Beratungsgespräch. Und jede Unterhaltung darüber, was er gerne will, jede Beeinflussung der Frau, weil er sich dafür noch nicht reif hält, wird ebenfalls eher negativ gesehen.

  • den Gender Pay Gap bekämpfen

Ja, dann macht das doch endlich! Studiert andere Sachen, stürzt euch mehr in die Karriere, sucht euch Männer, die die Kinder betreuen und nicht Männer, die Karrierejobs haben. Raus aus den bequemen Jobs im öffentlichen Dienst, rein in die freie Wirtschaft.

Wovon der Gender Pay Gap nicht sinkt: So tun als seien Männer und ihre Macht an ihm schuld. So zu tun als würde dagegen protestieren etwas ändern, solange man sonst nichts ändert. So tun als müssten nur genug Leute Gender Studies studieren damit Frauen mehr Führungspositionen einnehmen bringt nichts.

Dafür müsste man auch die Menschen erreichen, die mit Feminismus bisher nichts zu tun haben wollten. Wie schaffen wir das?

Ich bin eigentlich immer offen für Diskussionen und Anregungen, sehe es aber manchmal nicht ein, mich mit allen zu unterhalten und alle Kritik anzunehmen, die mir als Feministin an den Kopf geworfen wird. Mit jemandem, der Gleichberechtigung grundsätzlich ablehnt, muss ich 2019 nicht mehr diskutieren. Ich habe aber oft gemerkt, dass ich, wenn ich offen an das Thema rangehe, Menschen am besten überzeugen kann. Natürlich ist das manchmal nervig, weil man als Feminist*in lieber über Inhalte sprechen will und nicht ständig über die Basics. Wenn man aber argumentativ und ruhig erklärt, was Feminismus eigentlich will, kann man auch Menschen abholen, die mit Feminismus nichts am Hut haben wollen.

Das klingt ja ganz offen. Sie scheint aber zumindest nicht auf Twitter zu sein. Schade eigentlich, sonst hätte sich das mal testen können. Ich lehne ja nicht Gleichberechtigung ab, allenfalls Gleichstellung.

„Vier Art und Weisen, wie Männerrechtler Männern schaden“

Amanda Marcotte in Salon dazu, wie Männerrechtler Männern schaden:

1. They sow paranoia about false accusations. One of biggest hobbyhorses of MRAs is the idea that many rape or domestic violence accusations are false. On their blogs, forums, social media, and in any unmoderated comment section under a story about rape, you will see swarms of MRAs claiming that men are in grave danger of having women they sleep with decide to falsely accuse them out of spite.

Das könnte dazu führen, dass es tatsächlich passiert und eine Sorge von Männern ist. Es ist aber erstaunlich wie wenig selbstreflektiert der Feminismus da ist, wenn dort im Gegenzug eine „Rape Culture“ propagiert wird, bei der jeder Mann von den Vergewaltigungen profitiert, weil er so seine Privilegien über die Angst der Frauen schützt und im dieser Zustand vorgeworfen werden kann. Es stimmt, dass einige Männer so tun als wolle einen jede Frau direkt anzeigen und als wäre Sex ein einziges Minenfeld. Das ist übertriebene Panikmache. Aber sie wird ja auf der anderen Seite eher noch radikaler gespiegelt

Sie verweißt dann auf das FBI, nach der allenfalls 2-8% der Anzeigen falsch sind. Da gibt es Studien mit weit höheren Zahlen, aber 8% ist ja nun bei Leibe keine geringe Zahl. Zumal dann wenn man selbst eben kein Vergewaltiger ist, also nur die Falschbeschuldigungen fürchten muss.

It’s clear that the purpose of spreading this myth is to sow doubts about actual rapes that have happened, since most rapists do attack someone they know and claim it was consensual after the fact. But it’s possible that young or naïve men could see all this fear-mongering online and start to legitimately believe they are in grave danger of being falsely accused, a belief that might make them fearful of women and hesitant to date with confidence. But the odds of it happening are infinitesimal and exponentially lower than the odds a woman faces of getting raped.

Tatsächlich sind auch die Chancen vergewaltigt zu werden relativ gering. Aber das hindert den Feminismus nicht eine umfassende Weltverschwörung aller Männer daraus zu machen.

2. They encourage men to become consumed with irrational jealousy. A lot of MRAs are devotees of a really strange, half-baked “evo psych” theory: Women are programmed to be attracted to “alpha” males who are callous and unwilling to commit to their mates. So women turn to “beta” males, pretending to love them in order to trick them into marriage. But the theory holds, these women still want to have babies with the alphas, so they either cheat on their beta mates or spend years sleeping with alphas and then, as their looks begin to fade, quickly grab a beta to exploit financially before the woman becomes too old to be marriageable.

Ja, da gibt es in der Tat Leute, die ein möglichst negatives Bild von Frauen zeichnen sollen und so tun als könne es keine funktionierenden Partnerschaften mehr geben und Frauen seien lediglich geldgeil und würden sich nur dafür und für das fertigmachen von Männern interessieren. Aber das verschweigt ja, dass prominente Vertreter wie Warren Farrell so etwas keineswegs behaupten.

Dagegen auch wieder der Feminismus: Eine Epidemie von Vergewaltigungen, gerade durch Freunde und Bekannte und alle Männer halten eine RapeCulture aufrecht um die Frauen zu kontrollieren.

Being consumed with jealousy is just no way to live, guys.

Aber „consumed with fear“ wäre natürlich der richtige Weg.

3. They discourage men from actually making their lives better. A lot of young men discover the “men’s rights” community through a subset calling themselves “pickup artists.” PUAs advertise themselves as offering advice and support for men to get better at dating, but instead they trot out the same paranoid nonsense about how women will never love “nice guys.” Instead of teaching men to be better at dating, PUAs encourage them to focus their efforts on trying to have a series of one-night stands with drunken women in bars. To achieve this, they argue, men need to learn to be callous and nasty to women—the way they imagine “alphas” acting.

Tatsächlich zeigt Pickup einiges an Verbesserungspotential auf, bei dem man eben nicht einfach nur nett ist, sondern selbstbewußt, provokant, seinen eigenen Wert kennend etc.

Und wenn man Jordan Peterson zu den Männerrechtlern zählen würde (was sicherlich eine Einordnung ist, der er wiedersprechen würde, Marcotte aber wahrscheinlich nicht) dann hätte man viele weitere Punkte bei denen Männern (und Frauen) an sich arbeiten können. Warum sie allerdings PUA und Männerrechtler in einen Topf wirft wäre interessant. Sie haben so gesehen nichts miteinander zu tun.

Auch hier allerdings finde ich die fehlende Selbstreflektion faszinierend: Feminismus ist voller „Der Mann – jeder Mann – ist schuld am Zustand der Frau, er ist privilegiert, die Frau benachteiligt, Männer müssen ihre Männlichkeit hinterfragen, sich im Endeffekt Frauen unterordnen und ihnen die Deutungshoheit lassen, sich beständig ob ihres Geschlechts die Büßerpeitsche über den Rücken ziehen und das auch noch gut, aber nicht ausreichend finden, weil sie immer noch die Bösen sind.

There’s nothing wrong with one-night stands, but this mentality is discouraging and cruel to men who are hoping to form a lasting, intimate relationship with a woman. Nor is there any reason to think this strategy works. Sure, a lot of PUAs post “field reports” bragging about their sexual exploits, but there’s no way to measure how much of this is true. PUAs do encourage men to put themselves out there, which probably does lead to more encounters with women overall. But it’s also hard not to wonder if men would do even better if they learned to treat women with respect and kindness, instead of like unfortunate obstacles to be overcome in order to get laid.

Es wäre auch interessant, wenn Feministinnen Frauen nicht beibringen würden, Männer als die Täter und die Bösen zu sehen sondern sie respektvoll und nett zu behandeln, aber das liest man da auch nicht.

4. They poison the well for good men on the dating market.  Being a single woman these days means coming across men who, hopped up on MRA and PUA rhetoric, act like absolute jerks. They insult women because PUAs tell them that “negging” makes women more open to their advances. They treat women like crap and demand sex. They subject women in online dating services to their evo-psych-based misogynist rantings.

This sucks for women. But it also sucks for men, especially men who aren’t PUAs or MRAs. After all, dealing with creeps and entitled misogynists makes a lot of women wary of dating. Women who might otherwise be interested in speaking to strangers, now largely avoid talking to men they don’t know. A lot of women abandon dating websites because of all the creeps. Even if they stay on the sites, a lot of women quit bothering to look at messages from men they haven’t messaged first, since experience teaches them that a lot of them will be from MRA-types.

Irgendwie scheint sich ihre Abneigung eher gegen PUAs zu richten. Aber konventionelles Flirten ist da auch nicht wirklich besser scheint mit. Gerade wenn man sieht, dass Frauen weit eher Männer ablehnen und Männer weitaus eher eine Frau interessant finden als andersrum darf man sich nicht wundern, wenn Flirten eine gewisse Massenware wird-

MRAs make men look bad, poison relationships between men and women, and make it harder to get laid. Most women who encounter them already know they’re trouble. But men should detest them just as much, if not more.

Auch hier scheinen mir Feministinnen weit eher Frauen schlecht darstehen zu lassen und das Verhältnis von Männern und Frauen zu vergiften.

 

Renate Künast, die Meinungsfreiheit, Hatespeech und Schmähkritik: Landgericht Berlin – 09.09.2019 – 27 AR 17/19

Das Landgericht Berlin hat in einem gegenwärtig stark in der Diskussion befindlichen Beschluss eine Reihe von Äußerungen gegen Frau Künast deren Anträge auf Herausgabe der Daten abgewiesen, weil es sich bei den – teilweise sehr deutlichen – Äußerungen nach Auffassung des Gerichts nicht um Beleidigungen handelt.

Insofern ist das Urteil sicherlich eine Stärkung der Meinungsfreiheit, aus Sicht derjenigen, die sich gegen „Hatespeech“ positionieren oder einen zivilisierteren Diskurs wollen eher ein Rückschlag.

Natürlich muss man berücksichtigen, dass das Gericht ausdrücklich anführt, dass dieser sehr weite Rahmen nicht generell gilt, sondern bei

  • einer die Öffentlichkeit wesentlich berührenden Frage
  • gegenüber einer bekannten Politikerin, die dazu eine zumindest als kontrovers und Protest hervorrufende Position vertritt
  • und bei Kritik, die man noch als solche, im Sinne einer Auseinandersetzung mit der Position, wenn auch in schmähender Weise, verstehen kann

Ob höhere Gerichte es noch mal anders sehen bleibt interessant.

Geht es aus eurer Sicht zu weit oder nicht?

Der Beschluss im Volltext:

hat das Landgericht Berlin – Zivilkammer 27 – durch den Vorsitzenden Richter am Landgericht
X, die Richterin am Landgericht X und die Richterin am Landgericht X am
09.09.2019 beschlossen:

1. Der Antrag auf Anordnung der Zulässigkeit der Auskunftserteilung wird zurückgewiesen.
2. Die Antragstellerin hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.
3. Der Verfahrenswert wird auf 15.000,00 € festgesetzt.

Gründe

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„Frauen dominieren in Brandenburgs Führungsetagen“

Ein Bericht stellt die Lage in Brandenburg dar: (auch schon bei Arne Thema)

Beim Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft und den Landesbehörden schneidet Brandenburg gut ab. Das geht aus dem Landesgleichstellungsbericht hervor, den das Frauenministerium auch als Broschüre veröffentlicht hat. Demnach sind 60 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst Frauen – das ist der vierthöchste Wert im Ländervergleich.

Innerhalb der Aufsichtsräte landesbeteiligter Unternehmen ist der Frauenanteil von 16 Prozent im Jahr 2006 auf 58 Prozent im Jahr 2016 gestiegen, wie aus dem Bericht hervorgeht.

Frauenministerin Susanna Karawanskij (Linke) erklärte dazu am Sonntag, Gleichstellung müsse ernst genommen werden. Noch sei sie nicht selbstverständlich. Nach der Novellierung des Landesgleichstellungsgesetzes im Jahr 2013 setzten bislang über 70 Prozent der öffentlichen Dienststellen Gleichstellungspläne mit konkreten Maßnahmen um. „Diese Zahl wollen wir weiter steigern.“

Vor 25 Jahren trat das Landesgleichstellungsgesetz in Brandenburg in Kraft. Ziel ist es, die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst zu erreichen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer zu fördern und die berufliche Situation von Frauen auch in der Privatwirtschaft zu verbessern.

Die Gleichstellung. Mit 58% Frauen.

Den Bericht findet man hier. Dort sieht man, dass es einen deutlichen Anstieg über viele Gehaltsgruppen gibt und nicht nur über die Aufsichtsräte und das auch der Anteil der Frauen in der Teilzeit abgenommen hat.

Wäre interessant, wie das nun in der feministischen Theorie zu behandeln ist. Ist Brandenburg nun „Patriarchatsfrei“. Ist es gar ein Matriarchat? Können Männer nunmehr diskriminiert werden, weil Frauen hier die Macht haben?

Ich vermute die Fragen werden nicht gestellt und nicht beantwortet werden