„Frankfurter Hauptschule“ gegen Goethe: „Das ist humoristische Vergewaltigungslyrik“

Goethe, das miese sexistische Schwein, hat endlich, endlich eine verdiente Strafe erhalten:

 Mit Klopapier will eine Künstlergruppe in Weimar gegen Goethe protestieren: Die „Frankfurter Hauptschule“ bekannte sich in einem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, dazu, mehrere Rollen Toilettenpapier auf das Grundstück des Gartenhäuschen des Dichters geworfen zu haben. Der Grund: „Goethes Werk strotzt vor erotischen Hierarchien zu Ungunsten seiner Frauenfiguren, die von ihm oft als „naive Dummchen“ gestaltet werden.“ Darauf werde zu selten eingegangen, hieß es.

Zu den Gründen aus einem anderen Artikel:

In Weimar hat das Künstlerkollektiv „Frankfurter Hauptschule“ das Gartenhäuschen des Dichters mit Klopapier beworfen. Goethes Werk strotze vor „erotischen Hierarchien zu Ungusten seiner Frauenfiguren“, sagen sie. Speziell richtet sich ihre Kritik gegen das Gedicht „Heidenröslein“, in dem Goethe eine Vergewaltigung verharmlose.

Die Künstlerinnen und Künstler, hauptsächlich Studierende aus dem Raum Frankfurt, veröffentlichten ein Video ihrer Aktion – unterlegt mit einer Vertonung des Gedichtes. In der letzten Strophe heißt es da: „Und der wilde Knabe brach / ’s Röslein auf der Heiden; / Röslein wehrte sich und stach, / Half ihm doch kein Weh und Ach, / Mußt’ es eben leiden.“

Die Werke eines Autoren der von 1749 bis 1883 lebte hat also überraschenderweise Geschlechterrollen, die dem modernen Künstlerkollektiv nicht passen. Wer hätte es gedacht?

Aus dem gleichen Artikel und einem dortigen Interview:

„Die Frauenfiguren in seinen Werken wirken häufig eher schwach: ‚Faust‘ ist ein gutes Beispiel. Gretchen ist 14 Jahre alt und wird eher dumm und naiv dargestellt. Faust dagegen ist der schlaue, rastlose Denker. Bei Goethe sind meist die Männer die Handelnden und die Frauen passiv.

Auch in Goethes Leben gab es ja einige etwas komische Episoden mit jungen Frauen: Als 40-Jähriger verführte er die 23-Jährige Christiane Vulpius und schwängerte sie. In der Folge hielt er sie von seinem Wohnhaus im Zentrum Weimars fern, da er sich für die nicht standesgemäße Verbindung mit einer Putzfrau schämte. Er schob sie in sein Gartenhaus ab. Noch mit weit über 70 bedrängte Goethe die 17-Jährige Ulrike von Levetzow. Immer wieder beutete er Frauen emotional aus, ließ seine Partnerinnen sitzen und verschwand. Außerdem befürwortete er als Jurist vehement die Hinrichtung einer verwirrten, mittellosen Dienstmagd, die ihr Neugeborenes umgebracht hatte.“

Klar, sich mit Goethe anzulegen gibt Öffentlichkeit. Bringt aber natürlich auch wenig.

Aber da in dieser Runde ja gewiss einige Goetheexperten sind oder solche die es werden wollen:

Wie bewertet ihr Goethes Werk in Hinblick auf die Geschlechterrollen?
War er „sexistischer“ als es seiner Zeit entsprach? Welche Starken Frauenrollen enthalten seine Werke? Sollte man Goethe umschreiben?

45 Gedanken zu “„Frankfurter Hauptschule“ gegen Goethe: „Das ist humoristische Vergewaltigungslyrik“

  1. Wenn man nicht in der Lage ist, Medien im Hinblick auf ihren historischen Kontext zu beurteilen, sollte man sich von ihnen fern halten.
    Man muss sich nur Filme aus den 60ern ansehen, wenn man Sexismus sucht.

    Zum Beispiel Billy Wilders 1-2-3, den ich als Jugendlicher hochgradig komisch fand. Und als ich ihn neulich mal wieder sah, war ich doch ein wenig entsetzt aufgrund des deutlichen Sexismus.

    Warum werfen die eigentlich kein Klopapier auf die örtliche Kirche? Wo doch in der Bibel Lot seine Töchter dem Mob zum Schänden gibt, um den Engel zu retten?

    Oder der Rassismus von H. P. Lovecraft. Schwer erträglich beim Lesen, aber deswegen sind die Bücher trotzdem extrem unheimlich.

    Ein Werk existiert unabhängig von seinem Autor.

  2. Warum werfen die eigentlich kein Klopapier auf die örtliche Kirche? Wo doch in der Bibel Lot seine Töchter dem Mob zum Schänden gibt, um den Engel zu retten?
    Soweit in die Vergangenheit ist #metoo noch nicht vorgerückt.

  3. „Heidenröslein“ verharmlost Vergewaltigung? In diesem Gedicht ist der Knabe eindeutig der Unsympath. Haben die das überhaupt gelesen? Es heißt dort:

    „Röslein sprach: ich steche dich,
    Daß du ewig denkst an mich,
    Und ich will’s nicht leiden.“

    „Röslein wehrte sich und stach,
    Half ihm doch kein Weh und Ach,
    Mußt’ es eben leiden.“

    Den Knabe erhält hier seine Strafe. Wo ist das eine Verharmlosung? Liegt das daran, dass das Heidenröslein sich wehrt und nicht zum Therapeuten geht und einen auf Opfer macht?

    „Gretchen ist 14 Jahre alt und wird eher dumm und naiv dargestellt. Faust dagegen ist der schlaue, rastlose Denker. Bei Goethe sind meist die Männer die Handelnden und die Frauen passiv.“

    Ich fragen mich wirklich, was wir uns da für eine Generation herangezogen haben. Dumm und unendlich selbstgerecht. Und überall sind Frauen die Motoren des Grauens.

    • Nächster Kraftakt demnächst: deutschlandweit alle Goethestraßen umbenennen, am besten alle Straßen mit Namen von alten Männern und dann wird das Paradies auf Erden kommen … oder wieder mal nicht, wie immer…

    • Die dumme Generation muss ja nun davor gewesen sein, die, die so blöde war, den Motor des Grauens eben allenthalben als Lösung zu installieren.

    • Das Roslein steht für Rosette. Es wird also gleichgeschlechtlicher Sex abgewertet. Und damit die Rape Culture (=heterosexueller Sex) befördert.

    • „Den Knabe erhält hier seine Strafe. Wo ist das eine Verharmlosung? “

      Weil es passiert. Wäre Goethe wirklich ein Künstler, hätte er das Röslein als Mary Sue geschrieben, die den Jungen besiegt.

          • Könnte passen. Die ersten weiblichen PhD (mit Juso-Stipendiat oder ohne) kamen von ihren Auslands-Lectures in Berkeley oder Stanford Mitte der 90er frisch mit Butler-Wissen vollgepumpt zurück und haben sich mit ihrem Gendermist samt proforma-Abschluß eingenistet, um dann nicht Wissenschaftler, sondern Gleichstellungsbeauftragte an den verschiedenen Fachbereichen zu werden (wobei die erste hauptamtliche Frauenbeauftragte wohl schon 1983 existierte, afaik aber nicht mit Quotierungsauftrag).
            Internet war zu diesem Zeitpunkt auch weitestgehend ausgereift. Da kam wohl Globalisierung und das Genderzeug zusammen -> Chaos.

            Was die Gleichstellungsbeauftragten angeht, hätte man frühzeitig den typisch männlich-fachlichen Support im Wissenschaftsbetrieb für diese Anwärterinnen (unbekannterweise) einstellen müssen. Möchte nicht wissen, wieviele Gender-Uboote sich da mit Bambiblick, Fickificki und bravem Getue bei ihren Studien-Kollegen eingeschleimt haben, um zu profitieren. Und sie danach in die Pfanne zu hauen. Von dem Genderzeug hat der durchschnittliche BRD-Mann erst ab 2000 erfahren, schätze ich (viele wissen jetzt noch immer nichts davon). Und es dann erstmal als Spinnerei ignoriert. Zweiter Fehler.

            Richtig durchgeknallt waren die Leute spätestens ab 2013. Als die Lucke-Partei aufkam. In dem Sinne, daß diese Partei nicht umsonst attraktiv wurde. Weil man den Eindruck hatte, daß Merkel & Co. nur noch Stuß verzapfen. My 2 cents.

      • Das ist doch Neue Frankfurter Schule und geht etwas anders:

        Goethe sprach zu Schiller „Spiel auf meiner Triller.“
        Schiller sprach zu Goethe „Blas auf meiner Flöte.“

        Nicht kontrolliert und im Detail wohl hier und da falsch, aber näher dran.

        Um den Arsch geht es nicht, sondern Organe etwas weiter vorne.

  4. Goethe hat sich zur klopapierwerfenden „Frankfurter Hauptschule“ mehrmals (jedoch immer nur nebenbei) geäußert. Hier etwa:

    „Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und Kräften fehlt“

    „Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt, frei zu sein.“

    „Verwirrende Lehre zu verwirrtem Handeln waltet über der Welt.“

  5. Ich habe gerade keine richtige Lust und Zeit, mich den Thesen grenzdebiler Pseudo-Künstler(sternchen) auseinanderzusetzen. Aber gut, stehen lassen kann ich es auch nicht.

    Hier erst einmal ein paar Fakten und Anmerkungen:
    1. Christian, Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar).

    2. „Dreiundzwanzig Jahre war sie (Christiane Vulpius) alt, er achtunddreißig, als sie sich im Juli 1788 erstmals trafen und fast von einem auf den anderen Tag ein Liebespaar wurden.“
    Übrigens (meine Herv.): „Über ein Vierteljahrhundert lebte sie mit Goethe, achtzehn Jahre in freier Liebe, zehn Jahre als seine Ehefrau.“
    Sigrid Damm „Christiane und Goethe“ , 1999, S. 9, Herv. von mir

    Sigrid Damm ist übrigens Feministin und Goethe Expertin. Die Frage ist, wogegen die Künstler*I+-_nnen polemisieren; die freie Liebe oder die spätere Heirat?

    3. Zu der falschen Interpretation des Gedichts hat Goethe beigetragen, weil er das ursprüngliche Gedicht später geändert hat. Es war Friederike Elisabeth Brion zugeeignet. Sie trafen sich 1770, als sie 18 Jahre alt war und Goethe 21, man kann berechtigt annehmen, sie hatten eine Affäre. Richtig ist, Goethe hat sie „sitzen lassen“, als er sein Studium in Straßburg abschloss und wieder nach Frankfurt zurückkehrte.

    Hier – nach Otto Holzapfel – zur Geschichte des Gedichts:
    „CHRONIK EINER LIASON – INHALT UND AUFBAU
    Das Wissen um den Hintergrund des Gedichts und die Anteilnahme am Gemütszustand seines Verfassers / seiner Empfängerin beeinflusst durchaus die Interpretation. Wer darüber hinaus weiß, unter welchen Umständen Goethe der jungen Friederike näher gekommen ist, fühlt sich erst recht bestätigt:

    – In der ersten Strophe…
    …entdeckt der Knabe ein „Röslein auf der Heiden“ – also gleichsam ein Mädchen, das vollkommen frei und scheinbar deplatziert steht. So machte auch Friederike auf den zu Gast weilenden Goethe großen Eindruck. Er selbst bekannte:

    „Meine Leidenschaft wuchs, je mehr ich den Wert des trefflichen Mädchens kennen lernte.“
    Und so

    „Lief er schnell, es nah zu seh’n
    sah’s mit vielen Freuden.“ (V. 4f.)
    Die Euphorie und Sehnsucht der Kennlern-Phase verdeutlichte Goethe durch kurze Verse und viele Wiederholungen, die dem ersten Drittel des Gedichts einen festen Rhythmus und einen erzählenden Charakter verleihen.

    – In der zweiten Strophe…
    …äußert der Knabe gegenüber dem Röslein

    „Ich breche dich!“ (V. 8)
    Im Kontext Goethe / Friederike muss dies jedoch weniger als Ankündigung eines böswilligen Vorhabens gewertet werden, sondern eher als wohlmeinende Warnung – denn tatsächlich hatten sowohl der Dichter selbst als auch Friederikes ältere Schwester ein schnelles Ende der Beziehung vorausgeahnt. Goethe äußerte in seiner Erinnerungsschrift gar die Furcht davor, dass er

    „(…) so viel Liebes und Gutes, vielleicht auf immer, verlieren sollte.“
    Auf die Warnung des Knaben aber kontert die begehrte Rose:

    „Ich steche dich,
    dass du ewig denkst an mich.“ (V. 10f)
    Friederike schien sich ihrer Sache demnach recht sicher gewesen zu sein. Zeitzeugen zu Folge empfand sie sehr viel für den jungen Poeten – und ging wohl davon aus, dass ein so starkes Gefühl auf Gegenseitigkeit beruhen muss.

    Zur Darstellung des sich anbahnenden Konflikts wählte Goethe die wörtliche Rede, in der einem kurzen Ausruf des Knaben die mehrzeilige Aussage des Rösleins / Mädchens gegenübersteht. Das Ungleichgewicht lässt spüren, wie sich die Stimmung zwischen den Liebenden förmlich zuspitzte.

    – In der dritten Strophe…
    …kommt es zum Showdown: Der Knabe lässt alle Vorsicht außer Acht und pflückt die Blume – die ihrerseits tatsächlich zusticht. Auf Goethe und Friederike umgemünzt bedeutet das nichts anderes, als dass sich beide aufeinander eingelassen haben – und die jeweils angekündigten Konsequenzen in Kauf nahmen.

    Für die Wiedergabe dieser Ereignisse griff der Verfasser erneut auf kurze Verse zurück – und zeigte damit deutlich, dass er sie einzig und allein aus seiner Perspektive schilderte.

    – Ganz am Schluss…
    …arrangiert sich der Knabe gar mit der schmerzhaften Situation, denn

    „(…) er vergaß danach
    Beim Genuß das Leiden.“

    DIE KORRIGIERTE POINTE – REVISION UND RESONANZ
    Dieser Vers aber findet sich in späteren Versionen des „Heidenrösleins“ nicht mehr. Als Goethe es zusammen mit anderen Gedichten aus der Entstehungszeit veröffentlichte, prangte an seiner Stelle jener Satz, der zu weiteren Fehlinterpretationen führen sollte:

    „Half ihm doch kein Weh und Ach
    musst‘ es eben leiden.“ (V. 18f)
    Er befeuerte die spätere These, der Knabe habe dem Röslein / Mädchen Gewalt angetan und es gegen seinen Willen genommenen, also vergewaltigt. Damit aber blieb der Kontext des Werkes ebenso unbeachtet wie die durchaus übliche Wortwahl der damaligen Zeit.“
    https://lyrik.antikoerperchen.de/johann-wolfgang-von-goethe-heidenroeslein,textbearbeitung,401.html

    4. Die Passage aus Faust I, in dem der spezifische Reiz der Margarete dargestellt und auch die Altersfrage thematisiert wird:

    „Faust.
    Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
    Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?

    Margarete.
    Bin weder Fräulein, weder schön,
    Kann ungeleitet nach Hause gehn.

    Sie macht sich los und ab.

    Faust.
    Beym Himmel, dieses Kind ist schön!
    So etwas hab’ ich nie gesehn.
    Sie ist so sitt- und tugendreich,
    Und etwas schnippisch doch zugleich.
    Der Lippe Roth, der Wange Licht,
    Die Tage der Welt vergess’ ich’s nicht!
    Wie sie die Augen niederschlägt,
    Hat tief sich in mein Herz geprägt;
    Wie sie kurz angebunden war,
    Das ist nun zum Entzücken gar!

    Mephistopheles tritt auf.

    Faust.
    Hör, du mußt mir die Dirne (Anm. (heiratsfähiges) Mädchen, nicht Prostituierte) schaffen!

    Mephistopheles.
    Nun, welche?

    Faust.
    Sie ging just vorbey.

    Mephistopheles.
    Da die? Sie kam von ihrem Pfaffen,
    Der sprach sie aller Sünden frey;
    Ich schlich mich hart am Stuhl vorbey,
    Es ist ein gar unschuldig Ding,
    Das eben für nichts zur Beichte ging;
    Ueber die hab’ ich keine Gewalt!

    Faust.
    Ist über vierzehn Jahr doch alt.“

    Sittsam, tugendreich, ohne Sünde, schön und schnippisch wird sie beschrieben – das hat nichts mit „dumm und naiv“ zu tun.
    Zur Altersfrage: Faust hat sich um dreißig Jahre verjüngen lassen und seine körperliche Gestalt dürfte damit die eines jungen Mannes Anfang bis Mitte 20 sein.
    Zur Altersfrage Teil 2:
    Gräfin Capulet: „Du weißt, mein Kind hat schon ein hübsches Alter. (…) Sie ist nicht vierzehn Jahre.“ und soll demzufolge verheiratet werden.
    Capulet weiter: „Gut denke jetzt dran; jünger noch als du
    Sind angesehene Fraun hier in Verona
    Schon Mütter geworden.“
    Dieser Klassiker der islamistischen Pädo-Literatur (harhar!) heißt übrigens „Romeo und Julia“.
    W. Shakespeare „Sämtliche Werke in vier Bänden“ Bd. 3, S. 293

    Morgen oder heute Abend mehr.

      • Hast du wahrscheinlich auch richtig gelesen, Crumar schreibt ja weiter:

        „Dieser Vers aber findet sich in späteren Versionen des „Heidenrösleins“ nicht mehr. Als Goethe es zusammen mit anderen Gedichten aus der Entstehungszeit veröffentlichte, prangte an seiner Stelle jener Satz, der zu weiteren Fehlinterpretationen führen sollte:
        .
        „Half ihm doch kein Weh und Ach
        musst‘ es eben leiden.“ (V. 18f)“

      • „es“ ist hier wohl Akkusativ.

        „Half ihm doch kein Weh und Ach,
        Mußt’ es eben leiden.“

        Warum sollte sich der erste Teilsatz auf den Knaben beziehen und der zweite auf das Röslein?

      • Habe anscheinend zu viel auf einmal zitiert und geschrieben…Sorry!

        Wir kennen diese, von Goethe revidierte Fassung:

        „Und der wilde Knabe brach
        ’s Röslein auf der Heiden;
        Röslein wehrte sich und stach,
        Half ihm doch kein Weh und Ach,
        Mußt’ es eben leiden.“

        Die von Herder ursprünglich veröffentlichte und auch damals schon von Goethe geschriebene Fassung:

        „Doch der wilde Knabe brach
        Das Röslein auf der Haiden;
        Röslein wehrte sich und stach,
        Aber er vergaß darnach
        Beim Genuß das Leiden,“
        https://www.mumag.de/gedichte/her_jg05.html

        Was die Interpretation von Holzapfel stützt, durch die Textrevision wollte Goethe ungeschehen machen, er hatte Friederike durch die Trennung unglücklich gemacht.
        Dass nämlich sein Schmerz durch seinen Genuss aufgewogen worden war existiert nicht mehr in der neuen Fassung, weil er sich als Person und Verursacher schlicht aus den letzten Zeilen herausgeschrieben hat.
        Clever: „Mußt’ es eben leiden“ – ergo „nicht meine Schuld“.

        Habe noch einen Fehler der Frankfurter Klippschüler gefunden, den ich überlesen habe.
        Christiane war Putzmacherin, nicht Putzfrau – das ist etwas völlig anderes.

        Jungs und Mädels, das ist so erkennbar dilettantisch, es geht ihnen m.E. gar nicht um Goethe.
        Ich könnte mit der Rolle der Iphigenie in „Iphigenie auf Tauris“ starten für meine Beweisführung in Sachen „starker Frauen“, aber das wäre vergebene Liebesmühe, denn das haben sie nicht gelesen.
        Auch sonst nichts.

        Inhaltlich projizieren sie aktuelle feministische Fragestellungen in die Vergangenheit, die dort völlig sinnlos sind – selbstverständlich waren Frauen in Liebesdingen passiv. Es fehlte eine zuverlässige Verhütungsmethode und ihr Ruf war ihr Kapital.
        Sie haben irgendwelche feministische Sekundärliteratur verwendet, aber keine gute (s. S. Damm), denn es geht ihnen nur ums mediale Spektakel, das sind reine Aufmerksamkeitshuren.

    • Danke! Schade dass man solche Zusammenhänge nicht in der Schule lernt. Ich weiß noch, dass wir die Vertonung singen mussten und ich fand das Gedicht immer irgendwie seltsam.

    • Vielen Dank für die Aufklärung! Ich dachte auch immer, es ginge in dem Gedicht um eine Vergewaltigung – ich glaube, irgendeine Deutschlehrerin hatte es so dargestellt.
      Man lernt nie aus…

  6. Den Namen des Kunstnachwuchses haltet ich übrigens ganz unironisch für rassistisch.
    Die sahen ja wohl für eine Frankfurter Hauptschule reichlich undivers aus.

  7. Tststs, warum nehmen die ihn überhaupt ernst? Goethe war schließlich auch Ufo-Zeuge:
    https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de/zum-185-todestag-goethe-ein-ufo-zeuge20170322/

    und erlebte einige paranormale Sachen u.a.:
    „In solchem Drang und Verwirrung konnte ich doch nicht unterlassen, Friedriken noch einmal zu sehn. Es waren peinliche Tage, deren Erinnerung mir nicht geblieben ist. Als ich ihr die Hand noch vom Pferde reichte, standen ihr die Tränen in den Augen, und mir war sehr übel zu Mute. Nun ritt ich auf dem Fußpfade gegen Drusenheim, und da überfiel mich eine der sonderbarsten Ahndungen. Ich sah nämlich, nicht mit den Augen des Leibes, sondern des Geistes, mich mir selbst, denselben Weg, zu Pferde wieder entgegen kommen, und zwar in einem Kleide, wie ich es nie getragen: es war hechtgrau mit etwas Gold. Sobald ich mich aus diesem Traum aufschüttelte, war die Gestalt ganz hinweg. Sonderbar ist es jedoch, daß ich nach acht Jahren, in dem Kleide, das mir geträumt hatte, und das ich nicht aus Wahl, sondern aus Zufall gerade trug, mich auf demselben Wege fand, um Friedriken noch einmal zu besuchen. Es mag sich übrigens mit diesen Dingen wie es will verhalten, das wunderliche Trugbild gab mir in jenen Augenblicken des Scheidens einige Beruhigung.“ (Lit.: Goethe) „
    https://anthrowiki.at/Doppelg%C3%A4nger

    Nach aufgeklärter rationaler Wissenschaft interpretiert, war der Mann einfach nur verrückt… 😉

  8. Immerhin, sie haben es mit ihrer Aktion geschafft, im Sommerloch deutschlandweit Medienpräsenz zu bekommen.Das waren jetzt deren „15 minutes of fame“.

    Ich hoffe mal, sie haben danach das Klopapier wieder eingesammelt, aufgerollt und danach bestimmungsgemäß im Künstlerkollektiv-Klo verwendet. Wegen Müllvermeidung und so. Und die Fahrt von Frankfurt nach Weimar war ja wohl hoffentlich CO2 neutral. Sonst soll sie ein Baum beim scheißen erschlagen.

  9. Pingback: Sexistenschwein des tages | Schwerdtfegr (beta)

  10. Goethe war der Erste, der mit dem verändern, verdrehen, verunpersönlichen von Worten angefangen hat.
    Der Faust labert ziemlich viel, viel zu viel, wie ich finde.

    Was Frauenthemen betrifft, ist am Ende immer alles lächerlich! Genau wie diese Klopapieraktion im Garten eines toten Dichters. Die Anzeigen mehrere Schauspielerinnen wegen Vergewaltigung am Arbeitsplatz MeToo zu nennen, verlieh der Sache sofort etwas inflationäres, unglaubwürdiges, nicht ernst zu nehmendes.

    Viele wissen noch nicht einmal, wann etwas sexistisch ist.
    Betroffene Frauen finden unter ihren Kolleginnen nur sehr selten wahre Verbündete. In aller Regel halten die meisten nicht zur Angestellten, sondern werden versuchen, ihr noch weiteren Schaden zuzufügen
    Emanzipation und Gefallsucht schließen aneinander aus.

    Quotenfrauen für die Fernsehzuschauer, die aus dem Nichts „Verteidigungsministerin“ werden.
    Die Namen schaffen sofort Distanz und lassen sie Blut leer erscheinen.
    Ursula Van der Leyen
    Annegret Kramp-Karrenbauer
    Alice Schwarzer, der geschminkte Mann vom Axel Springer Verlag,

    Unsere Gesellschaft hat sich in den letzten 40 Jahren nicht weiterentwickelt, eher im Gegenteil.

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