Nochmal zu Privilegien

In der gestrigen Diskussion hab es Kommentare, die ich interessant fand:

Fiete schrieb:

Ein Privileg, bzw. eine Diskriminierung kann sich auschließlich auf ein Individualrecht beziehen.
Einfaches Beispiel: Niemand wird durch Regen diskriminiert und dementsprechen kann auch niemand ein Privileg auf Sonnenschein.

Klingt erst einmal logisch. Was würde daraus für die feministischen Interpretationen folgen? Inwiefern sind da Individualrechte betroffen?

Only me schreibt:

Vielleicht sollte man aber für die nächste Diskussion wenigstens die Begriffe definieren.

Welche Begriffe?

Die Begriffe, die diese voneinenander verschiedenen Sachverhalte beschreiben:

1) Du hast aufgrund deiner Gruppenzugehörigkeit ein gesetzlich festgelegtes Recht
2) Du hast aufgrund deiner Gruppenzugehörigkeit ein sozial etabliertes Recht
3) Du hast aufgrund deiner Gruppenzugehörigkeit eine Eigenschaft, die dir zum Vorteil gereichen kann, die Nichtmitglieder nicht haben.
4) Du hast aufgrund deiner Gruppenzugehörigkeit eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine Eigenschaft zu haben, die dir zum Vorteil gereichen kann. Nichtmitglieder können diese Eigenschaft auch haben, aber mit geringerer Wahrscheinlichkeit.
5) Du hast aufgrund deiner Gruppenzugehörigkeit eine Eigenschaft, die dir in manchen Kontexten zum Vorteil in anderen zum Nachteil gereichen kann
6) Du hast aufgrund deiner Gruppenzugehörigkeit eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine Eigenschaft zu haben, die dir in manchen Kontexten zum Vorteil in anderen zum Nachteil gereichen kann

Beispiele für 1-6?

1) Du hast aktives und passives Wahlrecht zur Gleichstellungsbeauftragten. Für Männer kenne ich kein Beispiel
2) Du hast das Recht, allein zu entscheiden, ob du bei den Kindern bleiben willst oder den Erziehungsaufwand teilst. Für Männer: Du darfst oben ohne in der Öffentlichkeit rumlaufen.
3) Du kannst schwanger werden. (Oder gehört das zu 5) Ich neige zu 3) )
4) Du bist in erster Linie an Menschen interessiert. Bei Männern: Du bist in erster Linie an Dingen interessiert.
5) Du gehörst zu den Gatekeepern von Sex. Nachteil: Es gibt Einbrecher (um im Bild zu bleiben)
6) Du gehörst zu der Gruppe, die von der anderen Gruppe so begehrt wird, dass diese bereit sind, dich zu finanzieren. Nachteil: Das Begehren der anderen Gruppe nimmt ab, so dass das ein zeitlich befristeter Vorteil ist und in einen Nachteil umschlagen kann.

All das wird von Feministinnen als „Privileg“ bezeichnet, aber auch nur, wenn mit „Du“ ein weißer, alter oder heterosexueller Mann gemeint ist.

Identitätstheorien brauchen Uniformität in der Gruppe, die aber meist heterogen ist. Sie sehen ob der stark vereinfachten Sicht der Identität keine Normalverteilungskurve, sondern zb DEN privilegierten weißen Mann.

Und sie schaffen es nicht ohne den Trick über binäre Macht (eine Gruppe in einer Kategorie hat entweder alle Macht oder keine Macht) eine Definition von Priviligien zu liefern, bei der nicht jede Gruppe Priviligien irgendeiner Art hätte

16 Gedanken zu “Nochmal zu Privilegien

  1. Wo du grad von Macht redest…

    Im Patriarchat ist der Mann in einer Machtposition.
    Der Mann als solcher oder jeder individuelle Mann?

    Da jede Einzelsituation im Feminismus nach diesem Modell interpretiert wird (->Duluth Modell), müssen wir davon ausgehen, dass aus feministischer Perspektive jeder Mann in jeder Situation in der Machtposition ist.

    Kann mir jemand in diesem Interpretationsrahmen diesen kurzen Clip erklären?

    Was genau ist die Machtposition des Mannes und warum wirkt die Frau so gar nicht machtlos?

    • Die Machtposition des Mannes besteht darin, seine Frau morgen umbringen zu können – siehe das Ende der Unterhaltung. Ganz klar toxische, fragile Männlichkeit bei der Arbeit. Frag mal Andreas Kemper dazu. ^_^

  2. Eigentlich hätte ich ja schon gestern mit einem mittelschweren feministischen Shitstorm hier gerechnet. Das wäre doch mal DIE Gelegenheit gewesen, uns schlimm privilegierten Patriarchen hier die laaaange Liste unserer unverdienten Privilegien mit Schmackes um die Ohren zu hauen. Wo doch @Claudia letztens schon angekündigt hatte, mal ihren Freundinnen bescheid zu sagen, daß es hier jede Menge starke, fundierte, emanzipierte Kritik zu verteilen gilt.
    Scheint aber wohl irgendwie mit der Vernetzung technische Probleme gegeben zu haben.
    Aber vielleicht sammeln die Mädels ja auch erstmal ordentlich was an Argumentationsvorrat an, um dann plötzlich massiert volle Kanne zuzuschlagen und den Blog im Handstreich zu erobern/vernichten, endgültig in der Bedeutungslosigkeit verschwinden zu lassen, oder so ….
    Die unheimliche Ruhe vor dem großen Knall …

    • Willst du mal eine RICHTIG deprimierende Liste männlicher Privilegien lesen?

      Nimm diese hier: https://everydayfeminism.com/2016/02/160-examples-of-male-privilege/

      Ich kann davon nicht mehr als 5 am Stück ertragen… Aber ALLE, die ich bisher gelesen hab, lassen sich mit dem selben Gejammer zusammenfassen: „Männer können alles machen und trotzdem hat sie jeder lieb, aber ICH nicht! Wenn ich tu und lasse, was ich will, habe ich Angst, dass es irgendwo jemanden gibt, der mich nicht mehr lieb hat.“

      • „8. Social norms allow you to take up more physical space.“

        Jenau, sozial Normen „erlauben“ es Männern mehr Platz einzunehmen. Warum machen Männer sich nicht einfach genau so klein wie Frauen?????!

        Und das Männer größer sind hat selbstverständlich überhaupt rein gar nichts mit den Partnerwahlkriterien von Frauen zu tun!!! Das kommt alles vom Patriarchat!!!

        Genau sowas ist der Grund für:

        „3. You’re not automatically assumed to not know what you’re talking about – or subjected to mansplaining.“

        Die Liste ist echt bescheuert.. ganz so wie man es bei Feministen erwartet.

        „18. You can enjoy traditionally “masculine” hobbies like sports without people saying you’re just doing it to impress men.“

        Hier wird dann mal einfach völlig ausgelassen wie es bei Männern in typischen Frauensport aussieht. Feministinnen Lügen… all day long.

      • 23. The media, popular sex advice, and normative definitions of sex focus primarily on your pleasure, especially if you’re cisgender.
        Kenne ich andersrum. Es geht genau, wie Frau will oder gar nicht. Meistens eher egal, ob der Mann Spaß hat.

        7. You’re under less pressure to be thin, and face fewer social and economic consequences of being fat than women do.
        Kenne ich auch eher umgekehrt. Frauen dir in dem Punkt nur fordern. Umgekehrt wird jeder Landwal im Netz hofiert und denkt, er wäre ein Model.

        109. You’re assumed to be the leader of your household – so you can avoid stereotypes like assuming you’d have to “check with your husband” about taking a promotion.
        Die meisten meiner männlichen Kunden dürfen alleine nicht ihr Auto versichern.

      • „„Männer können alles machen und trotzdem hat sie jeder lieb, aber ICH nicht! Wenn ich tu und lasse, was ich will, habe ich Angst, dass es irgendwo jemanden gibt, der mich nicht mehr lieb hat.““

        Stimmt, das ist ein reines Frauenproblem, das Männer gar nicht kennen.
        Dieses arme, unterdrückte kleine Mädel ist da ein gans typisches Beispiel:

      • Only me,

        „Männer können alles machen und trotzdem hat sie jeder lieb, aber ICH nicht! Wenn ich tu und lasse, was ich will, habe ich Angst, dass es irgendwo jemanden gibt, der mich nicht mehr lieb hat.“

        Gute Beschreibung. In der Tat steht hinter Feminismus immer eine Mischung aus Neid und Missgunst auf der einen und Angst auf der anderen Seite als primärer Antrieb.

        Und da Neid und Missgunst sich an den idealisierten Vorstellungen von frau über „die Männer“ orientiert, ist auch Begründung und Argumentation so kurios.

        Und die Angst – oder besser das tiefe Bedürfnis von anderen gemocht zu werden – ist ein mächtiger Blockadefaktor in der Frau selber mitten zwischen Erkenntnis und Handeln.

    • Ich glaube, Du siehst das falsch.
      Du rechnest mit verbissenen Hardcore-Ideologinnen, hast es aber im Endeffekt nur mit Opportunistinnen zu tun. Was bringt es Dir persönlich in irgendeiner Diskussionsecke auf irgendeinem Blog Recht™ zu behalten? Du kannst hier durch die Decke gehen und Dir die Finger blutig tippen – kaufen kannste Dir davon nichts.

      Dem gegenüber stehen handfeste Vorteile:
      Wenn Du z.B. qua Geschlechtsteil einen Vorstandsposten in den Schoß geschmissen bekommst.
      Oder wenn Du trotz komplett nutzlosem Bullshitstudienfach (Gender Studies, Soziologie, Kunst-irgendwas) einen gutbezahlten Posten als Gleischhaltungsbeauftragte im Öffentlichen Dienst abgreifen kannst, eine komplett leistungsfreie Gender-Professur hinten reingeblasen bekommst oder gar die Leitung der Personalabteilung einer MegaCorp hinterhergeworfen bekommst.

      Wenn Du erstmal Gleichschaltungsbeauftrage bist, kannst Du als Bonus nach Lust und Laune Männer sexistisch diskriminieren und Deine neugewonnene Macht mal so richtig schön missbrauchen. Austeilen ohne einstecken zu müssen macht Spaß.

      Alles, was es kostet, ist, einmal auf die Frage: „Bist Du eine von uns? Bist Du Femifaschistin?“ korrekt zu antworten.

      Wenn dabei eine 100% TV-L 13-Stelle oder gar Professur oder Vice President of Human Ressources für Dich rausspringt, musst Du da noch lange überlegen?

      „Määäh! Ich auch.“

      Ich pflege immer zu sagen: Wenn nächste Woche das Vierte Reich ausbräche, müsste man den Gleichschaltungsopportunistinnen lediglich ein Feindbild-Update reinreichen und sie können nahtlos dort fortsetzen, wo sie letzte Woche aufgehört haben.

  3. Wichtig ist auch zu bedenken, dass Diskriminierung eine Handlungsabsicht voraussetzt.
    Wenn ich mit Männern ausgehe, tu ich dies nicht, um Frauen zu diskriminieren, sondern weil ich mit Männern ausgehen möchte.

    • Adrian, deine Handlungsabsicht ist völlig Wurst, auch der Kontext ist egal
      Dir wird vorab unterstellst du hättest einen dir unbewussten bias gegen Frauen.

      Nur die Auserwählten wissen, dass der bias a. existiert und b. unbewusst ist, denn wäre dir dein bias bewusst, dann würdest du ja nicht so handeln, wie du handelst – also mit Männern ausgehen.

      Denn moralisch gesetzt ist, nur „diverses“ Ausgehverhalten ist gut, weil du von den „uniquen“ Perspektiven von Frauen profitieren wirst.
      Dass du nicht wahrnimmst, wie sehr du von diesen profitieren kannst, beweist bereits deinen unbewussten bias.

      Das ist die Tautologie der Auserwählten.

      • Und nur weil Studien dazu immer wieder zeigen das dieser Bias genau entgegen der feministischen Behauptung wirkt, heißt es nicht das es diesen für Frauen negativen Bias nicht doch gibt… irgendwo und wie… ist nur noch nicht gefunden… wir brauchen nur noch eine weitere Studien und dann zeigt sie diese tiefsitzende und nur schwer offen zulegende Bias (und wir können alle anderen Studien zuvor mit positiven Bias vergessen! Ganz bestimmt!

          • Ehrlich? Dich überrascht noch etwas?

            Wenn du dir überlegst, dass der Bewegung für mehr „diversity“ die sich widersprechende Denkweise zugrunde liegt, dass Frauen und Männer – aus letztlich biologischen Gründen – jeweils völlig unterschiedliche Perspektiven, Kommunikationsstile, Führungsstile und Arbeitsweisen entwickeln…aber in Wirklichkeit die Geschlechter gleich sind, dann sollte dich gar nichts wundern.

  4. Pingback: Privilegiencheck – apokolokynthose

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