Väter, Mütter und die jeweiligen Schwierigkeiten und Erwartungen an die Rollen

Ein interessanter Text behandelt Schwierigkeiten bei der Aufteilung der Kinderbetreuung und gesellschaftlichen Erwartungen:

Ich heiße Marlene und bin Feministin. Das ist für Sie vielleicht nicht sonderlich überraschend, für mich schon. Ich habe mir nämlich die längste Zeit meines Lebens überhaupt keine Gedanken über Feminismus gemacht. Weil ich es konnte. Weil ich wahnsinnig privilegiert war. Ich durfte, konnte und tat alles, was Männer auch taten. Bis ich Mutter wurde.

Das Kinder bekommen und betreuen ist ja auch das, wo sich die Geschlechterrollen noch am ehesten wieder ins konservative bewegen. Durchaus in Übereinstimmung mit vielen Frauen, die es sich gar nicht vorstellen könnten, dass sie da etwa Vollzeit arbeiten und dann keine Zeit für die Kinder haben. Aber da alle Interessen und alles Verhalten bei den Geschlechtern nicht absolut ist sondern einer Normalverteilung folgt muss das ja auch keineswegs bei allen Frauen gleich sein

Meine Tochter war zarte drei Wochen alt, da musste sie wegen eines Blutschwämmchens am Rücken zum Dermatologen. Mein Mann, ihr Vater, nahm diesen Termin mit ihr wahr. Das war ein Fehler. Zumindest in den Augen der Arzthelferin. Wo denn die Mama sei, fragte die Dame meinen Mann völlig fassungslos. So ein kleines Baby könne man doch noch nicht alleine lassen. Was, wenn es Hunger bekäme?

Mein Mann zeigte die einzig richtige Reaktion auf dieses Verhalten: Er wurde wütend. Er war noch wütend, als er wieder zuhause war und das Kind wieder in meinen Armen lag. Er konnte nicht fassen, dass er als Vater offensichtlich für völlig inkompetent und fehlbesetzt gehalten wurde. Ich war nicht wütend. Leider. Das wäre einfacher gewesen. Ich war traurig, verletzt, ja, sogar beschämt. Ich war ganz neu in der Mutterrolle und diese Aussage einer mir völlig fremden Arzthelferin erschütterte mich zutiefst. Ich sollte mich lange nicht richtig davon erholen. Selbst während ich das jetzt aufschreibe, beinahe sieben Jahres später, fällt es mir schwer, mich nicht zu rechtfertigen. Ich will es Ihnen erklären. Meine Finger wollen über die Tastatur huschen, schreiben, dass ich noch schmerzende Geburtsverletzungen hatte, von meiner körperlichen Schwäche nach der anstrengenden Geburt berichten.

Das sie so etwas so tief trifft ist ja auch wieder kein gutes Zeichen. Denn es ist ja erst einmal nur die Aussage einer Person. Es ist nicht gleich unbedingt die Meinung der ganzen Welt. Man kann sich natürlich ärgern, aber man sollte sie auch nicht überbewerten.

Ich war als Mutter neu im Business. Und ich hatte lediglich ein Ziel: Eine gute Mutter zu sein. Nein, vergessen Sie das: Ich wollte eine sehr gute Mutter sein. Ich wollte diesem kleinen perfekten Wesen die beste Mutter der Welt sein. Das wäre das Mindeste, was dieses Kind verdient hätte.

Gut, dass könnte das Problem sein, dass sie es dann als Kritik an sich gesehen hat und dann aber anscheinend da eine ganz dünne Haut hat und nicht damit umgehen kann.

Aber ich versagte. Ich versagte, als die Arzthelferin mein Fehlen kritisierte. Und von da an versuchte ich, mein Versagen wieder gut zu machen.

Irgendwie eine merkwürdige Reaktion. Hat sie so ein starkes Bedürfnis danach anderen zu gefallen und im Rahmen zu bleiben, dass sie bei den Worten einer Arzthelferin gleich alles umwirft und vollkommen übertreibt? Es wäre ja ein einfaches gewesen, wenn der Mann gesagt hätte, dass sie gerade krank ist und es nicht anders geht und sie zB ohnehin schon abgestillt hat und er eine Flasche dabei hat.

Wobei ich auch schon von einigen „Vorhaltungen“ an Mütter gehört habe. Etwa eine Frau aus Südländerins Muttergruppe, die auch ein paarmal die Geschichte erzählte, wie sie eine Oberschwester zur Sau gemacht hat als sie erfahren hat, dass sie gleich abgestillt hat.

Ich war ab jetzt immer da. Ich war da, als das Kind sein erstes Wort sagte, seine ersten Schritte lief, ich besuchte Krabbelgruppen und Singkreise. Ich war mit dem Kind nicht nur im Zwergenturnen, nein ich wurde sogar gleich auch Übungsleiterin desselben. Vierundzwanzig Stunden bevor ich mein zweites Kind bekam tanzte ich beim Kinderfasching, und war auch vierundzwanzig Stunden nach der Entbindung schon wieder zuhause, um die nunmehr zwei Kinder selbst ins Bett zu bringen. Zwei Tage nach der Geburt meines Sohnes holte ich meine Tochter schon wieder von der Kita ab. Humpelnd. Mit Schmerzen und blutendem Schritt. Aber ich war da. Ich war da. Ich war immer da. Niemand sollte mich je wieder kritisieren.

Es spricht dann doch etwas gegen ihre psychische Stabilität, wenn sie sich da so reinsteigert. Und das alles der Erzählung nach aufgrund einer Aussage. Es klingt etwas als würde sie gut in den Feminismus passen….

Ich war die perfekte Mutter. Und ich war völlig ausgebrannt. Am Ende. Leer. Denn egal, wie gut ich war, die Verletzung heilte nicht. Die Angst, man könnte mich für eine schlechte, eine faule, eine nicht genug liebende Mutter halten, blieb. Sie blieb bis ich zu dem Punkt kam, an der mir auferlegten Perfektion zu zerbrechen oder etwas zu ändern.

Meine Güte, war das die erste negative Bemerkung, die sie über sich gehört hat oder was ist das los? „Die Verletzung heilte nicht“ – es war eine Bemerkung, noch nicht einmal dir gegenüber sondern deinem Mann.

Aber, um etwas zu ändern, muss man erstmal verstehen. Und um zu verstehen, musste ich zum Ursprung zurückkehren. Zur Quelle meiner Angst. Und so sah ich mich Jahre später gedanklich wieder mit der Ausgangssituation und der Frage konfrontiert: Was wäre passiert, wäre damals ich und nicht der Vater mit dem Baby zum Arzt gegangen? Tja, ich sage es Ihnen: Nichts. Genau gar nichts. In den Augen aller mir begegneten Menschen wäre die Welt völlig in Ordnung gewesen. Man hätte den Vater des Kindes bei der Arbeit gewähnt und mich nicht für eine schlechte Mutter gehalten. Freilich auch nicht für eine gute Mutter. Ich hätte einfach nur meine Pflicht getan. Mit hochgezogenen Augenbrauen gefragt, wo denn der Vater des armen Kindes sei, hätte mich niemand. Der Vater wäre kein schlechter gewesen. Der Vater hätte sein Kind nicht vernachlässigt. Der Vater wäre nicht verletzt worden.

Die meisten Mütter wären auch ansonsten nicht verletzt gewesen. Und ja, es gibt eine Erwartung, dass die Mutter sich um das Kind kümmert, schon weil es eben üblicherweise gestillt werden muss, und natürlich kann das einen Druck auf die Mutter ausüben und insofern ist der Vater besser raus, weil auf ihn eben dieser Druck nicht lastet. Aber der Fehler war doch hier, dass sie sich vollkommen übertrieben in eine Situation reingesteigert hat, aufgrund der Aussage einer Frau.

Denn in den meisten Situationen wäre auch wenn der Vater hingegangen wäre nicht passiert. Ich habe auch schon mit einem heulenden Baby in einem Wartesaal gesessen und mich hat keiner nach der Mutter gefragt.

Und so wurde mir plötzlich der Unterschied bewusst. Ich war nicht mehr einfach nur noch eine Frau, die alles durfte, konnte und tat, was Männer auch taten. Ich war jetzt Mutter und wenn ich mich wie ein Mann verhielt, war ich eine schlechte Mutter.

Ja, nach der Meinung einer Frau. Klar gibt es da einen Rollendruck, das will ich auch nicht abstreiten. Aber der geht ja auch in viele Richtungen. Der Mann soll heute zunächst erst einmal Vollzeit arbeiten und Geld verdienen, nach Feierabend aber Vater sein. Es wird von einem modernen Vater erwartet, dass er Windeln wechselt und sich um das Kind kümmert. Und ein Vater mit Baby ist heute doch nun wirklich nichts ungewöhnliches, sondern etwas, was ich zumindest sehr häufig sehe. Sicherlich wird es immer wieder sehr konservative geben, die meinen, dass die Frau alles machen muss. Aber das sie bestimmte Arztbesuche oder andere Sachen nicht dem Vater überlassen kann, dass ist ja nun schon eine sehr veraltete Ansicht. Natürlich: Eine Frau, die die Kindererziehung dem Mann überlässt raubt aus Sicht einiger Frauen vielleicht auch die Legitimationsbasis dafür, dass Frauen nicht nur die Pflicht, sondern auch das Recht haben die Kinder zu betreuen, weil eben nur eine Mutter eine Mutter sein kann. Und ich bin sicher, dass einige diese Position durchaus für wertvoll halten und verteidigen wollen.

Verhielt ich mich aber wie erwartet, aufopfernd, hingebungsvoll, immer da, ja, dann war ich nicht automatisch eine gute Mutter. Dann tat ich einfach nur meine mir von der Gesellschaft auferlegte Pflicht. Dann war ich nicht zu kommentieren. Nicht negativ. Natürlich aber auch nicht positiv. Kein Lob nötig. Egal, wie schnell ich als Mutter rennen würde, es gäbe keinen Zieleinlauf, kein Pokal, keine Blumen. Weil ich die Mutter bin.

Es gibt auch kein Lob für den Mann, weil er das Geld verdient oder normal seine Arbeit macht. Und entgegen ihrer Auffassung ist sie auch gar nicht unter der Dauerbeobachtung, bei der viele Leute bemerken würden, wie schnell sie läuft.

Völlig und ganz und gar anders sieht die Sache aber für den Vater aus. Ein Vater, der samstagmorgens mit zwei Kindern im Supermarkt gesichtet wird ist Superdaddy. Er geht einkaufen. Alleine mit den Kindern. Obwohl er die ganze Woche arbeitet. Der arme Mann. Der hilfsbereite Mann. Der Superdaddy! Wir alle kennen folgende Sätze: „Hilft Dein Mann auch zuhause?“, „Wechselt der Papa denn auch mal die Windeln?“, „Du hast aber ein Glück, dass Dein Mann Dir auch einmal die Kinder abnimmt.“, „Dein Mann ermöglicht Dir so viel“.

Kann man eben genau so umdrehen: Er wird nicht als vollwertiger Betreuer wahrgenommen, auch wenn er mal ganz besonders schnell läuft oder etwas ganz besonders gut macht. Man traut ihm nicht zu, dass er das Kind genau so gut betreut. Er bleibt Elternteil zweiter Klasse. Selbst wenn er die Hauptbetreuungsperson ist. Er bleibt in ihren (gemeint: konservative Leute) Augen immer unfähig, weswegen er auch Lob bekommt.

Hätte ich da jetzt eine Triggerwarnung anbringen sollen? Geht es Ihnen noch gut? Mir nämlich nicht. Ich möchte schreien und weinen. Ich möchte wüten und klagen. Ich möchte kotzen und schlagen. ICH BIN NÄMLICH STINKSAUER! ICH HABE DIE SCHNAUZE VOLL! ES REICHT! Endlich. Endlich. Endlich! Ich bin angekommen. Angekommen bei der Wut, die mein Mann schon vor sieben Jahren spürte. Elternschaft ist ungerechte Scheiße! Mütter müssen alles geben. Mütter müssen kochen, stoffbewindeln, rumfahren, fördern, planen, organisieren, alles wissen, alles können, sexy sein (für eine Mutter!), lieben, Geduld haben, Karriere machen (trotzdem!), erziehen, anziehen, Popos abwischen und das alles auch noch plastikfrei, bio und mit einem Lächeln im Gesicht. Männer müssen nichts. Nichts

Ja, sehr stabil scheint sie nicht zu sein. Einfach mal über den Meinungen eines Teils der Leute stehen zu können würde da bereits helfen. Denn es ist ja nur ein Teil der Leute, häufig ältere, die so denken. Niemand muss im übrigen stoffbewindeln etc. Genug Leute sind auch ganz entspannt bei der Sache. Sie fordern keinen Perfektionismus, sie wissen, dass alles schwierig und stressig ist und haben Verständnis dafür, dass man nicht alles machen kann. Mir scheint, dass ihr Bedürfnis, es allen ganz besonders recht zu machen, sie da einiges dramatischer sehen lässt als es aus meiner Sicht und nach den Schilderungen anderer heute eigentlich ist.

Anderes als vor dem Kind zumindest. Die Welt retten. Ja, das vielleicht. So Superheldenzeug eben. Aber sie müssen sich nicht als Väter beweisen. Der Samen ist gestreut. Fertig. Wenn sie aber etwas darüber hinaus tun, ja, dann ist aber mal Applaus angesagt. Dann ist Good Boy!

Aber sie müssen sich natürlich in anderer Hinsicht beweisen. Während eine Frau Hausfrau sein darf, darf ein Mann das nicht ohne weiteres.

Da schmelzen die Nachbarinnen am Straßenrand dahin, wenn der Papa mit den Kindern Fahrrad fahren übt und beglückwünschen einen mit tränenverschleiertem Blick zu diesem Prachtexemplar von Mann. Auf Instagram bekommen Daddys mit Baby im Tragetuch drölfzigmillion Likes und Hashtags wie #superdad #tollerpapa und #meinheld erfreuen sich größter Beliebtheit.

Genau, als ob Mütterbilder gleicher Art nicht genau so viele Likes bekommen würden. Hasstags wie #happymum oder #mumslife gibt es ja auch genug. Eigentlich bekommt alles mit einem Baby oder einem Kind drauf viele likes.

Überhaupt war es Instagram, die das kleine Wutflämmchen in mir zu einem lodernden Waldbrand entfachte. Eine Mutter berichtete, wie ihr Mann ihr einen Mädelsabend „ermöglichte“ und das gemeinsame Kind hütete. Nach einiger Zeit rief er sie an, um mitzuteilen, dass das Kind ein wenig Temperatur habe. Sie müsse aber nicht heimkommen.

Da wäre ich ja zu stolz für gewesen als das mitzuteilen, solange es nichts ernsteres ist. Klar, wenn ein Baby gestillt wird und Flaschen nicht annimmt, dann kann es eben mal nötig sein, dass die Mutter zurückkommt um das Kind zu beruhigen. Die ersten Treffen mit Freundinnen von Südländerin waren auch in der Nähe unserer Wohnung, einfach um sicher zu gehen. Aber auch hier ist es ja wieder ein Einzelfall.

Natürlich ist sie trotzdem sofort nach Hause geeilt (ohne sie geht es ja nicht), aber „wie zuckersüß, dass er wollte, dass ich weiter feiere. Er ist so ein SUPERDADDY!“. Hunderte User beklatschten das. Und ich? Ich wurde rasend. Warum heizen ausgerechnet Frauen diese Ungerechtigkeit noch an? Bekommen Mütter Applaus, weil sie das Kind hüten, während der Erzeuger feiern geht? Nein! Niemals! Es ist ihre Pflicht als Mutter. Eine Mutter muss sich gefälligst immer und ständig in den Hintergrund zu stellen. Opfere Dich, Du bist Mutter! Männer sind und bleiben Männer. Danach erst sind sie Väter. Väter können Karriere machen wie Männer, Väter können feiern wie Männer, Väter können Väter sein und Männer bleiben. Frauen sind Mütter. Und erst, wenn die Kinder wirklich und wahrhaftig nachweisbar gut versorgt sind (aber bitte nicht zu lange, sonst verpasst Mutter deren Kindheit und am Besten bei Oma, die ist auch Mutter) dann, erst dann, sind sie Frauen.

Da ist sie etwas unglücklich damit, dass andere die Mutterrolle anders leben, weil sie das als Druck empfindet oder zumindest mehr Anerkennung möchte. Dabei haben wir bisher genau eine Aussage, dass sie blöd angemacht worden ist. Klar haben Männer den Vorteil, dass sie nicht stillen müssen, was ihnen mehr Freiheiten gibt. Und dass das Kind sich oft auch dann von der Mutter gerade auch mit Milch leichter beruhigen lässt. Aber sie scheint es mir dennoch zu überhöhen. Die Frau hätte auch ihre likes gehabt, wenn sie einen erfolgreichen Mädelsabend gefeiert hätte. Oder es hätte schlicht keine Konsequenzen gehabt, wenn sie nicht gegangen wäre und gesagt hätte, dass er alles im Griff hat.

Vielleicht liegt es daran, dass ich jetzt erst langsam begreife, dass ich die rosarote Brille meiner vermeintlichen Gleichberechtigung irgendwo in den chaotischen Zimmern meiner Kinder verloren habe, aber ich habe das Gefühl, die Medien verstärken dieses Bild in letzter Zeit. Natürlich nicht direkt. Nur noch völlig Retadierte schreiben Dinge wie „Mütter an den Herd“. Aber auf Instagram werden Väter, die sich um ihre Kinder kümmern gefeiert und geliebt. Papazeitschriften wollen keinen kritischen Artikel über fehlende Gleichberechtigung abdrucken. Da erwartet man Weihrauch, Myrrhe und Salbei, Awwwwws und Ohhhhs für durchtrainierte moderne Väter mit Baby vor dem Bauch auf dem Wochenmarkt. Die der Mutter den Einkauf „abnehmen“. Etwas Quality Time mit dem Kind verbringen, bevor es wieder zum stressigen Job geht. Bei RTL wird ganz groß eine neue Sendung angekündigt: „Mensch Papa! Väter allein zu Haus“. Darin will RTL herausfinden, was passiert, wenn man Väter zwei Tage allein daheim mit Kindern und dem Haushalt lässt. Dies wird jede Woche von fünf Frauen beobachtet. In jeder Folge steht ein anderer Vater im Mittelpunkt. Die Mütter kommentieren aus sicherer Entfernung und sollen auf diese Weise die unterschiedlichen Ansprüche und Erziehungsansätze zeigen. So sagt RTL. Die Wahrheit ist, Väter verhalten sich wie hirnamputierte Affen, unfähig, einem Kind die Strumpfhose anzuziehen oder Spaghetti auf den Tisch zu bringen und alle lachen verständnisvoll: „Ach, die Männer. Wie putzig sie sich anstellen. Ja ne, ist klar, das kann nur Mama!“.

Natürlich gibt es einen Mutterkult. Und Frauen (und Männer) die diesen feiern und am Leben erhalten. Daneben gibt es auch einen „Arbeitskult“, bei dem man alles für die Firma gibt und alles für die Karriere. Und es gibt auch einen Kult um gleichberechtigte Elternschaft, allerdings kleiner. Mutter ist sicherlich eine starke Identität und viele wollen sie ausleben. Vater ist auch eine starke Identität, aber etwas anders besetzt.

Das erteilt doch einen Freifahrtschein: Männer können sich anstellen wie die letzten Idioten und alle finden es witzig. Frauen könne das einfach besser. Denen ist das in die Wiege gelegt. Aber jetzt mal ernsthaft? Stört der Penis echt beim Wickeln und Brei kochen. Stößt er schmerzhaft an die Wickelkommode oder wie muss ich mir das vorstellen? Sorry, aber Euer Penis bekommt keinen Behindertenausweis.

Da rennt sie offene Türen ein bei vielen. Aber sie müsste wohl etwas differenzieren. Denn es ist ja nicht so, dass Männer diesem schlechten Bild per se zustimmen. Einige sind sicherlich der Auffassung, dass alle Babysachen Sache der Frau sind und der Mann da nichts machen muss. In den allermeisten moderneren Haushalten scheint es mir anders zu sein und man teilt sich natürlich viele Arbeiten. Aber allein schon weil Frauen eben stillen und meist auch den Großteil der Elternzeit haben bleibt natürlich einiges bei ihnen und sie haben dann auch in verschiedensten Sachen mehr Erfahrung.

Menschen in ungewohnte Situationen zu stecken ist ein altes Rezept für Comedy jeder Art. Bei Frauentausch beispielsweise steckt man bevorzugt Frauen aus möglichst gegensätzlichen Haushalten in eine Sendung, damit sie in ungewohnten Terrain sind, mit ungewohnten Menschen, und dabei nicht selten solchen, die ihr Leben nicht gebacken bekommen, damit Konflikte entstehen. Das ist ja oben nicht anders. Man nehme Männer aus einem konservativeren Haushalt und lässt sie Sachen machen, die sie sonst nicht machen und schon ist es zum einen Unterhaltsam und zum anderen kann sich das weibliche Publikum besser fühlen und an der Unfähigkeit ergötzen.

Man stelle sich das Format mal so vor und Achtung, jetzt schwinge ich die Klischee Keule mit viel Schmackes: Frau im Baumarkt und alle Männer beurteilten von zuhause wie sie völlig überfordert und weinend einen Hammer sucht. Die meisten Frauen wissen ja schließlich nicht einmal, was ein Hammer ist. Das gäbe Empörung und Aufschrei. Von Frauen. Weil sie sich nicht als Idioten darstellen lassen wollen. Völlig zurecht.

Klar, weil man Frauen nicht in dieser Form abwerten darf, weil man darauf empfindlicher reagiert.

Und dann gibt es ja noch diesen Werbespot für Amazon Echo: Vater mit Baby alleine zuhause. Mutter gibt Anweisungen über Amazon Echo. Am Schluß viel Lob und I love you von Mutti. Dieser Werbespot würde mit einer Mutter zuhause und einem Vater am Endgerät überhaupt nicht funktionieren. Weil der Mutter diese Aufgabe ohne Drittanweisung jeder selbstverständlich zutraut. Und außerdem, warum sollte man sie loben? Sie tut doch nur ihren Job. Sie wollte es doch so.

Der Spot würde sicherlich mit Frauen und Handwerkarbeiten auch funktionieren, eben weil er auf Geschlechterklischees aufbaut. Und die eben in vielen Fällen bestätigt werden.

 

Diese Sendung, dieser Werbespot, diese Zeitschriften, diese Aaaaawwwwws und Oooohhhs ich mache da nicht mit. Das ist nicht lustig. Das ist nicht süß. Ich möchte Männer nicht wie Dummköpfe behandeln. Möchten Männer selber so behandelt werden? Brauchen Männer ein Zuckerchen, nur weil sie eine Stunde alleine mit ihrem (!) Kind verbracht haben. Ist das nicht beleidigend? Wollen sie wirklich gelobt werden, wie ein zweijähriges Kind, das zum ersten Mal alleine Pipi ins Töpfchen gemacht hat. „Das hat er supi dupi gemacht. Ganz toll! Du bist schon ein richtig großer Junge. So ein braver“. Echt jetzt? Also ich kenne zum Glück Männer, die das nicht wollen. Die brauchen keinen Thron, weil sie ihren Sprössling auf ebendiesen gesetzt haben. Denen wäre das sogar peinlich. Weil sie nämlich kein dressierten Schimpansen sind. Weil der Penis sie nicht am Vatersein hindert.

Lob ist letztendlich dazu da, den anderen zu animieren, dies zu wiederholen und ihm ein gutes Gefühl zu geben. Wenn jemand in einem Bereich unsicher ist, dann kann es natürlich sinnvoll sein zu loben. Und das wiederum hängt natürlich auch von der vorherigen Arbeitsteilung ab und wie man sie praktiziert hat. Wenn diese eben sehr konservativ ausgerichtet war und sie ihn auch in dieser Hinsicht nichts hat machen lassen oder nie etwas eingefordert hat, dann ist es sicherlich nicht verkehrt jemanden, bei dem man merkt, dass es für ihn nicht einfach war, zu loben.

Im Gegenzug wäre es blödsinnig jemanden zu loben, der diese Tätigkeiten ständig ausführt und üblicherweise auch übernommen hat. Bei ihm ist es nichts besonderes, so dass ein Vater, der das entsprechend häufiger übernommen hat sich zu Recht auf den Schlips getreten fühlen könnte, wenn man ihn übertrieben lobt. Insoweit ist es natürlich kontextabhängig.

Ich bin der Auffassung, dass normale Tätigkeiten des täglichen Lebens stets von beiden ausgeführt werden können sollten. Ein Mann sollte insofern kochen können, wissen wir eine Waschmaschine der Spülmaschine zu bedienen ist und natürlich auch einem gemeinsamen Baby die Windeln wechseln und auch entsprechend an dessen Leben teilnehmen. Genauso sollte eine Frau sich nicht davor scheuen eine Bohrmaschine in die Hand zu nehmen oder sich einmal die Hände schmutzig zu machen. Aber es ist natürlich ersteinmal die Sache von den Leuten selbst, wie sie ihr Leben organisieren und inwieweit sie eine strikte Arbeitsteilung betreiben, bei der der andere auch einfache Arbeiten nicht durchführen kann. Das muss ja nicht ungerecht sein und eine ungerechte Verteilung. Der andere macht dann eben in anderen Bereichen mehr, in dem sich der andere nicht auskennt.

Man kann natürlich in diesem Bereich kritisieren, dass Medien und Leute diese Trennung absolut setzen und ich berücksichtigen, dass auch hier schon ein gewaltiger Wertewandel eingetreten ist. das hat allerdings auch nichts damit zu tun, dass ich es schön finde, wenn jemand Zeit mit seinem Kind verbringt und im etwas beibringen. Ich würde auch ein Bild leiten, bei dem eine Mutter ihrem Kind Fahrradfahren beibringt.

Meine Freundin und ich fragten uns viele Jahre bevor wir Kinder hatten einmal, warum wir immer viel wütender auf unsere Mütter als auf unsere Väter waren. Letztlich kamen wir zu dem Ergebnis, dass wir von Frauen viel mehr erwarteten. Mit Männern waren wir milder. Denen trauten wir von Anfang an gar nicht so viel zu. Weniger Erwartung, weniger Enttäuschung. So einfach war das. Und so falsch.

könnte auch daran liegen, dass Frauen untereinander solche Konflikte mitunter viel eher austragen, einmal weil es eine Form der intrasexuellen Konkurrenz betrifft und zum anderen, weil sie ihre Aggressionen indirekter ausüben und mit der Mutter zugleich eine Hierarchieebene zu klären ist, dieser also häufig nicht akzeptiert, dass sie nicht nach wie vor in der Mutterrolle ist, in der sie es besser weiß als das minderjährige Kind. Aus dieser Lage kann dann ein erheblicher Konflikt entstehen.

Unsere Erwartungshaltung muss sich sich loslösen, sich befreien von alten Rollenklischees. Emanzipation der Erwartungen! Väter und Mütter müssen endlich gleichberechtigt behandelt werden. Die gleichen Erwartungen, die gleichen Ansprüche, die gleichen Chancen, die gleichen Hürden, das gleiche Lob. Und ja, nicht, dass Sie mich falsch verstehen. Lob ist toll. Wichtig und richtig. Anerkennung ist notwendig! Aber eben nicht so völlig ungerecht verteilt, wie es derzeit der Fall ist.

Klingt nach einem relativ unpraktischen Ansatzpunkt. Weil er eben nicht auf das Individuum abstellt. Das scheint doch die eigentliche Lösung des Problemes zu sein. Man stellt nicht mehr darauf ab, ob ein Mann oder eine Frau etwas macht, sondern ob man weiß, dass es für ihn konkret etwas besonderes war. das kann natürlich dazu führen, dass man dann Männer insgesamt noch eher dafür gelobt, dass sie etwas machen, was rund täglich machen und umgekehrt.

Wobei ihr Problem ja auch letztendlich nicht ist, dass sie jemand ungerecht gedruckt wird, sondern dass sie meint, dass dadurch ihr gegenüber ein Erwartungsdruck entsteht, dass sie perfekt sein muss. Effektiver wäre es wohl, wenn sie sich einmal damit auseinandersetzt, ob sie damit überhaupt richtig liegt. Vielleicht muss sie die Sache einfach nur entspannter nehmen und sich von diesen Erwartung freimachen. Dann wird sich leicht merken, dass die Leute dies durchaus akzeptieren.

 

Meine rosarote Brille der vermeintlichen Gleichberechtigung ist für immer verloren. Ab jetzt werde ich laut. Ich heiße Marlene und bin Feministin!

da wird sie sich gegen die Ungerechtigkeiten der Welt, die man so ohne weiteres nicht ändern kann, weil Leute nunmehr wird nun mal sich auf eine bestimmte Weise verhalten und sich das nicht ohne weiteres und über Nacht ändern lässt und dabei würde sie viel besser tun, wenn sie etwas an sich selbst arbeitet. es ist durchaus wichtig daraufhin zu arbeiten, dass Männer und Frauen als Eltern akzeptiert werden und dass es keine Voranstellung der Frau gibt. Aber das erreicht man sicherlich auch nicht, indem man von allen verlangt, dass sie bestimmte Häufungen ausblenden und bestimmte Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht wahrnehmen.