Sexstreik – Die Vorenhaltung von Sex als Waffe der Frau

Der Stern lässt „Sexstreikerinnen“ bzw Frauen, die Sexentzug in ihrer Beziehung eingesetzt haben, zu Wort kommen:

Maggie K., 38, ist in London verheiratet und hat ein Kind. Als junge Frau lernte sie ihre sexuelle Macht kennen. Heute ist sie überzeugt, regelmäßiger Sex-Entzug stärke die Frau und halte den Mann auf Trab. Ihre Entdeckung begann so: Als 20-Jährige lebte sie vegetarisch, als sie sich in einen Fleischesser verliebte. Aber sie hielt ihre Leidenschaft unter Kontrolle und stellte den Mann vor die Wahl zwischen Sex mit ihr und dem Steak auf dem Grill. Nach zwei Wochen knickte er ein, Maggie hatte gesiegt und gelernt.

Von da an nutzte sie die Sex-Waffe immer wieder, selbst ihr Haus konnte sie so renovieren. In ihrer Ehe hat sie die Methode perfektioniert, denn ihr Mann sei nicht der Typ, der eine Affäre beginne oder ein Escort-Girl besuchen würde, sagte sie dem Blatt.

Hier würde ich gleich erst einmal sagen, dass man so etwas entweder mit sich machen lässt oder nicht.
Wer sich bereits am Anfang einer Beziehung so unter Druck setzten lässt, ohne die Beziehung zu beenden, der ist durchaus selbst schuld. Er klingt natürlich auch etwas Beta in der Beschreibung, zu treu um irgendwelche Gegenmaßnahmen einleiten zu können, wobei das natürlich auch nur ihre Aussagen sind.

Ich hätte mir ein Steak auf den Grill geworfen und gesagt, dass sie mich mal kann und ich mich nicht auf diese Weise erpressen lasse. Aber eine überzeugte Vegetarierin wäre eh nicht das richtige für mich, ich esse ganz gerne mal Fleisch und das wäre mir schon zu anstrengend.

Man merkt Maggie K. ein gesundes sexuelles Selbstvertrauen an. Der bekannte Satz „Wenn du nicht mit deinem Mann schläfst, wird es eine andere tun“ scheint für sie keine Geltung zu haben. Ohne Streik hat das Paar zwei bis drei Mal in der Woche Sex und dann offenbar richtig. „Es ist eine Win-win-Situation; ich bin glücklich und er ist sexuell zufrieden.“

Auch das kann ja durchaus für den Mann ein durchaus gutes Geschäft sein, wenn sie ansonsten sexuell sehr aktiv ist und er ihr dafür ab und zu einen Gefallen tun muss, der ihm ansonsten nicht weh tut.

Ob ein neuer Kamin oder andere Tapeten – wenn ihr Mann nicht mitzieht, gibt es nur eins: Sex-Streik. „Es funktioniert immer!“, jubelt Maggie K. Neuester Streich – nach einem Monat Entzug kaufte der Göttergatte ihr das gewünschte Feriendomizil in der Türkei. Ihre Zusammenfassung: „Wir sind seit fast einem Jahrzehnt glücklich verheiratet, also muss ich etwas richtig machen!“

Gut, er klingt etwas wie ein Beta mit Vermögen, der sich auf diese Weise eine hübschere Frau mit starken Sexualtrieb geangelt hat. Wenn eh genug Geld für das Feriendomizil vorhanden war (sonst hätte sie ihn auch mit Sex sicherlich nicht überreden können) dann muss das für ihn nicht so schlecht sein.

Aber dennoch ein gefährlicher Weg, wenn man sich so manipulieren lässt. Ich habe mir daher zur Angewohnheit gemacht auf solche (bei uns allerdings auch eher spielerischen) Versuche entweder mit „agree and amplify“ zu reagieren und den Preis auf ihrer Seite hoch zu treiben (entweder irgendetwas perverses oder längeres („Drei Tage Sexsklave sollten da schon drin sein“) oder aber mit der „Macho-Rolle“ zu kontern („Du gehörst eh mir, ich kann mit dir machen was ich will und wann ich will“ (auch spielerisch)).

Die Therapeuten Rob Pascale und Lou Primavera warnen vor diesem Mittel. Sie erinnern daran, dass guter Sex und Erotik eine Funktion hätten, nämlich emotionale Bindung zu schaffen. Auch wenn die Motivation der Partner unterschiedlich ist. „Unter normalen Umständen fühlen sich die Partner nach dem Sex in der Regel einander näher, unabhängig davon, wie sie sich vorher gefühlt haben.“ Regelmäßiger Sex stärke die gemeinsamen Emotionen. Bei einem Sex-Streik steht dieses Beziehungskraftwerk still.

Gut, wenn es nur der Umstand wäre, dass sie keinen Sex haben, da wären so einige Ehen in Gefahr, in denen der Sex auch ohne Streik weniger gewordne ist. Insofern ist es hier in dem Satz davor etwas verklausuliert. Es erzeugt eine ungesunde Basis, in der er Sex als Belohnung ansieht. Wobei es ja auch gar nicht so sein muss, dass sie dann beim eigentlichen Sex eine andere Motivation hat: Wenn sie Sex gerne hat und sie ihn eh recht häufig machen, dann ist es für sie ja kein „Belohnungssex“.

Familie ist keine Nebensache

Für die 23-jährige Alisa A. ist der Sex-Streik nicht ein einfaches Mittel, ihren Kopf durchzusetzen. Das habe sie nicht auf die „leichte Schulter“ genommen, sagte sie dem Blatt. Doch ihr Mann arbeitete viel und in seiner Freizeit vernachlässigte er seine Frau und den kleinen Sohn. Er wollte lieber Fußball gucken oder mit seinen Freunden allein ausgehen, als bei seiner Familie zu sein.

Drei Monate habe sie auf ihn eingeredet, ohne Erfolg. Dann wusste sie, sie müsse etwas „Großes“ tun, um ihm zu zeigen, wie ernst es ihr sei. Ihn zeitweise zu verlassen, kam für sie nicht in Frage, also verweigerte sie ihm den Sex. „Ich vermisste es, Sex zu haben, aber ich gab nicht nach, weil ich Ergebnisse wollte“, sagte sie der Zeitung. Es verging einige Zeit – er lieferte ihr theatralische Szenen und versuchte, sie zu verführen – ohne Erfolg. Am vierten Wochenende hatte Alisa gesiegt: Ihr Mann ging weg, um gemeinsam mit dem Kind zu spielen. Das wollte sie, am nächsten Wochenende konnte sie den Betten-Bann wieder lockern.

Den Sexstreik als Zeichen einzusetzen, dass etwas in der Beziehung nicht stimmt und man eine Änderung haben will, ist wohl zumindest ein legitimeres Mittel, in dem es dann eher um Aufmerksamkeit für ein so wahrgenommenes Problem geht. Etwas, was er sonst ausblendet, weil es für ihn nicht so ein starkes Problem ist.

Der Chicagoer Psychologe Kim Olver schrieb: „Sex-Streiks sind sehr häufig, weil sie so effektiv sind.“ Pippa V., 28, nutzt den Trick regelmäßig. Sie entdeckte den Sex-Streik wegen eines Streits um schmutzige Wäsche. Nachdem ihr Sohn auf der Welt war, bemerkte sie erstmals, dass ihr Freund sich überhaupt nicht um die Hausarbeit kümmerte. Die Wäsche ist in Pippa V.s Heim komplizierter als bei anderen Paaren. Ihr Freund arbeitet als Mechaniker und seine ölverschmierten Overalls müssen getrennt von der anderen Wäsche behandelt werden. Aber er ließ sie achtlos überall liegen und räumte sie auch nicht weg, wenn er darauf angesprochen wurde. „Als ich wieder einmal über seine schmutzigen Overalls gestolpert bin, bin ich ausgerastet.“ In der Nacht kündigte sie ihm an, dass sie ihn deswegen eine Woche auf Sex-Diät setzen würde. Er nahm an, dass sie nachgeben würde. Das tat sie aber nicht.

Nach nur drei Tagen fing er an, die Wäsche einzusammeln und darüber hinaus wieder Dinge im Haushalt zu erledigen. Ein voller Erfolg für Pippa: „Seitdem benutze ich die Sex-Streik-Methode mit Begeisterung!“ Mindestens zehn Mal habe sie ihren Freund so zum Nachgeben bewegt. Sie hält sich für fair, schließlich warne sie ihn dreimal, bevor sie zuschlage.

Gut, das klingt tatsächlich nicht so unfair. Wäre auch eher die Betonung eines für sie bestehenden und hier zumindest bei dem Overall ja durchaus berechtigten Problem.

Das hört sich alles sehr manipulativ an. Therapeuten wissen übrigens, dass es eine weitere Variante des Sex-Streiks gibt, die nicht nur von Frauen, sondern auch von Männern ausgeht. Und ihr ist viel schwerer beizukommen, weil mit der Verweigerung gar kein Ziel verfolgt wird. Die Ursachen für die Flaute im Bett sind dann schlicht Lustlosigkeit und Desinteresse.

Das wäre ja kein Sexstreik, weil er kein Ziel verfolgt, dass damit umgesetzt werden soll. Allerdings auch, wenn es nur bei einem vorliegt, eine Basis für eine Form von Sexstreik, bei der die Sexlosigkeit nur beendet wird, wenn der andere etwas „besonderes“ gemacht hat und eine „Belohnung“ verdient hat.

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