Rechtsschutzversicherung für Familienrecht (Scheidung, Unterhalt, Zugewinn etc)?

Durch Arne bin ich auf einen Kommentar von Lucas aufmerksam geworden:

 Es gibt meines Wissens keine Rechtsschutzversicherung, die Familienrechtssachen mit absichert – weil das einfach jede Versicherung ruinieren würde, so groß sind die Summen, die permanent in dieses System hineingepumpt werden. Für Akteure, die dort gut etabliert sind, ist es ein riesiger Selbstbedienungsladen.

Und in der Tat gibt es sehr wenige Leute, die eine Rechtsschutzversicherung haben, die eine Scheidung abgedeckt. Sie werden aber durchaus angeboten, zB hier von der ARAG

Ich habe den dortigen Rechner mal angeworfen, es kostet etwa 11 Euro pro Monat.

Abgedeckt ist folgendes:

Mit unserem Ehe-Rechtsschutz können wir Sie zwar nicht vor einer Scheidung schützen, wohl aber vor den hohen Kosten, die dann entstehen. Ergänzen Sie jetzt Ihren privaten Rechtsschutz um diese wichtige Komponente und sichern Sie sich umfassenden Versicherungsschutz für schwierige Zeiten.

Der Ehe-Rechtsschutz gilt für beide Ehepartner und ist in dieser Form nur bei uns erhältlich

Mit dem Ehe-Rechtsschutz treten wir in familienrechtlichen Angelegenheiten wegen Getrenntlebens, Scheidung oder Scheidungsfolgesachen für Sie ein

Wir übernehmen die Rechtsanwalts- und Gerichtskosten im Falle einer Scheidung – bis zu 30.000 € Versicherungssumme je Rechtsschutzfall

Mit 30.000 Euro ist man eher übersichert in den allermeisten Fällen. Es ist also eigentlich durchaus ein gutes Angebot, welches aber nicht sehr häufig genutzt wird.

Der Haken ist für viele wahrscheinlich eher dieser:

Für den Ehe-Rechtsschutz gilt eine Wartezeit von drei Jahren. Sie können ihn nur als Anbindung an unseren Privat-Rechtsschutz abschließen.

Eine Wartezeit von drei Jahren verhindert hier, dass man sich die Rechtschutzversicherung kurz vor einer Trennung zulegt und dann nach der Scheidung einfach wieder austritt.  Er kann auch nur von Verheirateten genutzt werden, also nicht nach einer Scheidung für die vielen Folgesachen genutzt werden. Die meisten werden bei einer Ehekrise auch nicht 3 Jahre warten wollen. Und wenn die Ehe so harmonisch beendet wird, dass man vereinbart 3 Jahre zu warten, dann lohnt sich die Versicherung auch nicht, denn dann bekommt man meist auch eine billigere Scheidung hin.

Ein weiterer Grund dürfte sein, dass es viele schlicht als schlechtes Ohmen sehen. Aber für den einen oder anderen kann es ja vielleicht in einer Ehekrise, bei der er hofft, dass es besser läuft, aber skeptisch ist, interessant sein, eine abzuschließen.

Und ob es dann auch wieder interessant ist, dass auch der Ehepartner rechtschutzversichert ist wäre ein andere Sache: Es lohnt sich dann weniger sich zu einigen, weil es ja nichts kostet (wenn man sich aber einigt, dann kann es sich lohnen, es umfassend zu machen und es ist dann auch für die Rechtsanwälte interessant, weil ihre Mandanten dann ja kostenunempflindlich bis 30.000 Euro sind.

 

3 Gedanken zu “Rechtsschutzversicherung für Familienrecht (Scheidung, Unterhalt, Zugewinn etc)?

  1. Tolles Thema für mich als Versicherungskaufmann und Betriebswirt.
    In und nach meiner Ausbildung war ich bei einem Makler tätig und die ARAG habe ich viel verkauft. (Ich wollte erst davon schreiben, dass Arag das hat,habe dann aber gesehen, du schreibst davon.)
    Arag ist ja such der einzige Versicherer der Erbsachen versichert.
    Fakt ist hier, die Rechtsschutzversicherer sehen in diesen Fällen das Risiko als so hoch an, dass es ein Verlustgeschäft ist.
    Oft versuchen Anwälte dann den Kunden dann einzureden, dass es hier anders ist, beispielsweise, da Persönlichkeitsrechte verletzt wurden. Gibt der Versicherer keine Deckung lacht der Anwalt sich ins Fäustchen.
    Da sollte man sich Gedanken machen, warum der Versicherer dieses Risiko als doch hoch ansieht.
    Ähnliche Sonderstellung hat hier die ÖRAG(gibt es u.a. bei der Saarland Versicherung) die haben Rechtsschutz für Bauherren, auch hier sehen Versicherer das Risiko als zu hoch.

  2. Wäre eigentlich eine Überlegung wert dass Eheleute sich gleichermaßen gegen Scheidung versichern müssen. Aber mit einem nicht allzu hohen Limit pro Person, um Eskalation unattraktiv zu machen, da die Beteiligten nach einer Weile selbst zahlen müssen.

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