Ein Grund, warum Identitätstheorien so beliebt sind, ist, dass sie ein Gefühl von Bedeutung geben ohne das man etwas machen muss

Ein interessanter Tweet zu der Funktion der Identitätstheorien mit Sündenbock (ob rechts oder links ist dabei eigentlich egal):

 

A reason feminism is so popular is that it gives women an underserved sense of importance. You don’t have to have done anything important or be good at something, you just have to be a woman, or a member of a „marginalized class“. Meerly existing as not a man grants you value

Oder übersetzt:

Ein Grund, warum Feminismus so beliebt ist, ist, dass er Frauen ein Gefühl von Bedeutung gibt ohne das man etwas machen muss. Du musst nichts Wichtiges getan haben oder gut in etwas sein, du musst nur eine Frau oder ein Mitglied einer „marginalisierten Klasse“ sein. Einfach nur als „Nichtmann“ existieren gibt dir einen Wert

Das ist allgemein ein wichtiges Element von Identitäten und wird noch weiter aufgeladen, wenn man es so ausbaut, dass man aufgrund dieser Identität ungerechtfertigte Benachteiligungen erlebt. Und gerade in einer Gesellschaft, bei der man nicht mehr ums überleben kämpfen muss, sondern einen gewissen Standard hat, einen aber auch keiner wirklich „bestrafen“ kann, wenn man etwas in der Hinsicht äußert, kann man daraus einen hohen Wert für sich selbst aufbauen.

22 Gedanken zu “Ein Grund, warum Identitätstheorien so beliebt sind, ist, dass sie ein Gefühl von Bedeutung geben ohne das man etwas machen muss

  1. Männer machen das mit Fussballklubs, Frauen dann eben mit dem transnationalen Feministenkaffeekränzchen und Lästerschwesterclub auf Twitter.

    • Ist das so?

      Ist IDPol letztlich nichts als das menschliche Bedürfnis nach der ersten Person Plural?

      Falsch ist das sicher nicht, denn die traditionellen Wir-Konzepte fallen ja zunehmend in Ungnade. Es gibt keine Clans mehr, Dorfgemeinschaften nur noch auf dem Land und auch da nur noch selten. Die Nation hat als Identitätsstifter fertig. (Ein spezifischer) Gott funktioniert nur noch für wenige.

      Kann also schon sein, dass Buchstaben-Suppe nichts ist als der temporäre Jetzt-Zustand der verzweifelten Suche nach einem Wir.

      • „Ist IDPol letztlich nichts als das menschliche Bedürfnis nach der ersten Person Plural?“
        ——————————————
        Bekanntlich ist der Mensch Individuum (Unabhängigkeits-Bedürfnis) UND Sozialwesen (Afiliations-Bedürfnis) zugleich, wobei es „in der Natur der Sache“ liegt, daß es nicht unproblematisch ist, beide Notwendigkeiten in einer angemessenen Balance zu halten.
        War es historisch in der Stände-Gesellschaft das Hineingeboren-Sein in seine soziale Zugehörigkeit, die bei beruflich tätigen Menschen die Identität (Soziale Identität) nachhaltig prägte (Berufung), so entstand in der Neuzeit zunehmend die Herausforderung, sich selbst erkennen zu können, mit seinen eigenen Bedürfnissen, Interessen, Fähigkeiten und Zielsetzungen (Personale Identität).
        Die Möglichkeit, auf den individuellen Gegebenheiten beruhende Personale Identität erkennen und entwickeln zu können, überfordert Viele, zumal in einer Zeit zunehmend wegbrechender früherer sozialer Gewißheiten („Beruf“ gestern, Projekt-„Job-hopping“ heute, Familie, Heimat, Volk).
        Dieser Auflösungsprozeß, soziologisch verniedlichend gerne als „Individualisierung“ bezeichnet, stellt das Individuum in der Tat vor ganz neue Herausforderungen, zumal es der angemessenen Gratwanderung des Menschen als Individuum und Sozialwesen ja nach wie vor bedarf.
        In dieser Situation wurde der politische Feminismus, und zunehmend in Verbindung damit Gender-Mainstreaming, top-down propagiert und großzügigst allumfassend gefördert. Er bietet orientierungslosen Frauen eine komfortable Hängematte der pseudo-selbstwertdienlichen Aufwertung und der „Geborgenheit“ suggerierenden Zugehörigkeit zur Zählgemeinschaft und vermeintlich übereinstimmenden Interessen-Gemeinschaft der Frauen.
        Dieser Mechanismus entbindet dann anscheinend von der Notwendigkeit, sich selbst erkennen zu können und zu müssen, sofern man nicht beabsichtigt, sein Leben weitestgehend Selbst-bestimmt angehen zu können.

        • Dieser Mechanismus entbindet dann anscheinend von der Notwendigkeit, sich selbst erkennen zu können und zu müssen, sofern man nicht beabsichtigt, sein Leben weitestgehend Selbst-bestimmt angehen zu können.

          Der Mensch braucht eine Herde. Manche mehr, manche weniger, aber fast keiner gar nicht.

          „Selbstbestimmung“, „Selbstfindung“, „Selbstverwirklichung“ etc stehen also per se in ewigem Konflikt mit dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit, hat aber mit der oben aufgestellten These nicht viel zu tun.

          Ich mach die These noch mal steiler:
          Frauen ohne Pille haben ein fest eingebautes Wir, zu dem sie mit hoher Wahrscheinlichkeit spätestens mit 20 gehören, nämlich der Familie.

          Das fällt heute weg. Eine Frau, die mit 30 noch kein Kind hat, „hat ja noch Zeit“.

          Ihre Biologie vermisst aber seit 10 Jahren etwas und das Gefühl wird immer dringender.

          Also muss Ersatz her, dringender als bei gleichaltrigen Männern.
          Männlicher Buchstabensalat – so könnte sich aus der These ergeben – liegt nicht in der Schaffung eines Wir, sondern in der Vermeidung eines Konkurrierens in Feldern, in denen sie kein Land sehen würden.

        • „Er bietet orientierungslosen Frauen eine komfortable Hängematte der pseudo-selbstwertdienlichen Aufwertung und der „Geborgenheit“ suggerierenden Zugehörigkeit zur Zählgemeinschaft und vermeintlich übereinstimmenden Interessen-Gemeinschaft der Frauen.“

          Interessanter Gedankengang.
          Damit wäre der Feminilismus nichts anderes, als eine Identitäre Bewegung der Frauen. Sie ist nicht auf Kultur und Region begrenzt, sondern auf Geschlecht.
          Aber letztlich ist sie dasselbe, wie all diese „Mir san mir!“-Bewegungen, eine Ausgrenzung der NIchtzugehörigen, verbunden mit deren Kriminalisierung.

          • Ja, Feminin-ismus.
            Wobei es sich um einen bürgerlichen Feminismus handelt, der rückwirkend die Identität „Frau“ konstruiert hat, die mit den Erfahrungen der Mehrheit aller Frauen wenig, mit den Frauen einer bestimmten sozialen Schicht alles zu tun hat (Stichwort: Revisionismus).

            Aus diesem Grund entstanden die Selbstbilder von „Frauen“ in diesem Feminismus, welche Christina Hoff Sommers veranlassten, vom „fainting couch feminism“ zu sprechen.
            Die Betonung und Darstellung emotionaler Überempfindlichkeit, das Einfordern einer generellen Rücksichtnahme auf die sensible Seele, die sich nur in Schutzräumen (safe spaces) entfalten kann, ansonsten sackt das holde Weib bei Ungemach ohnmächtig auf der Couch zusammen.
            Diese „reine Emotion“ als Darstellung des Unvermögens, mit der harten Realität zurecht zu kommen muss eine Frau sich erst einmal leisten können…

            (Ich habe keine Ahnung wie es euch gegangen ist, als die „emotionalen Reaktionen“ des „progressiven“ Bevölkerungsteils auf die Wahl Trumps in den USA im TV gezeigt wurden, aber mir fiel Angesichts des „performativen“ Entsetzens, der Trauer und natürlich des „outrage“ nicht nur die Kinnlade auf den Tisch, ich war geneigt, sie für psychisch gestört zu erklären)

            Seerose schrieb zutreffend, die „Stände-Gesellschaft (und) das Hineingeboren-Sein in seine soziale Zugehörigkeit“ stünde der modernen „Herausforderung, sich selbst erkennen zu können, mit seinen eigenen Bedürfnissen, Interessen, Fähigkeiten und Zielsetzungen“ gegenüber.
            D.h. das identitäre „Hineingeboren-Sein in seine soziale Zugehörigkeit“ per Geschlecht, Hautfarbe und sexueller Orientierung hätte eine Entlastungsfunktion gegenüber den Zumutungen der Selbstbestimmung.
            Indem man sich und andere vorwiegend in biologistischen Kategorien sieht und sich „Bedürfnisse, Interessen, Fähigkeiten und Zielsetzungen“ quasi „naturwüchsig“ aus diesen ergeben, bzw. der Feminismus das Leitbild vorgibt, um welche es sich handelt.

            Folgt man Schoppes These, es handle sich um bei der aktuellen um „neo-feudale Politik“ eher als um eine neoliberale, dann könnten man ihm folgend diesen Feminismus als „Teil einer Ideologie, die ständische Distinktionsinteressen orchestriert“ bezeichnen.
            Deprimierend ist an diesem Befund, die Reaktion auf die offensichtliche Überforderung durch die neoliberale Art der „Individualisierung“ ist die Sehnsucht nach einer neuen „ständischen Ordnung“. 😦

          • @Crumar:
            Boah, ey, das perlt ja heute!
            Wenn das so weiter geht, könnte das ’ne ganze Artikelserie, im Extremfall ein Extra-Grundsatz-Themenblog, draus geschnitzt werden!

          • @Crumar ( inhaltlich ):
            Ich schmeiße zu Lucas‘ Stichwort „Neo-Feudalislismus“ noch die spezielle Akut-Form „Neoviktorianismus“ in die Runde.
            ( Da warte ich doch schon seit Jahren drauf, heute ist der Tag! )

          • @Fiete

            „Neoviktorianismus“ ist in Sachen Sexualfeindlichkeit eine ebenfalls treffende Charakterisierung.

            Die ökonomische Logik dahinter ist, die Ausbildungszeiten verlängern sich qua Studium, demzufolge sinkt der SMV einer Frau in genau dem Augenblick, wo sie gedenkt, vom SMV zu MMV (marriage market value) überzugehen.
            Die „sexuelle Revolution“ (die tatsächlich nie stattgefunden hat) hat erst die Entkopplung von SMV und MMV ermöglicht.
            Nun könnte man denken, der Mehrheit der Frauen, die sich nicht in diesen Zwängen befinden, wäre das egal. Es ist jedoch genau anders herum: Die Minderheit der Frauen, die diese Konkurrenz empfinden, diktieren allen anderen Frauen, wie sie diese zu empfinden haben und wie sie agieren müssen.

            Bestandteil der Kontrolle über Sexualität ist, Sexualität überhaupt zu einem rein männlichen Nachfragemarkt werden zu lassen. D.h. es gibt ein weibliches Angebot an Sexualität und keine weibliche Nachfrage nach männlicher. Nur so ist das Narrativ des männlichen „sex predators“ oder „sex demons“ überhaupt durchhaltbar. So lange mit Inbrunst erzählt wird, Pussy zu erringen habe einen Preis, der zu erringen ist und errungen werden muss, hat Pussy einen Preis.

            Sie kommen aus dieser Nummer auch nicht raus mit #metoo.
            Denn in jedem offensichtlichen quid pro quo deal schwingt #pricetag mit.

        • @Seerose, @Chrissy:
          Voraussetzend, daß Seerose’s (Grundsatz-)Kommentar kein billiges Plagiat ist, rege ich unbedingt an,. denselben zum Gastartikel zu erheben. Schon aus Gründen der Wiederfindbarkeit und besseren Diskussionsmöglichkeiten.
          ( Und nebenbei unterschreibe ich das Ding, jedenfalls nach erstem Drüberfliegen, vollumfänglich! )

          • Danke „für die Blumen“ bzw. die Würdigung derselben, die übrigens „auf meinem Mist gewachsen“ sind!

          • Wissenschaftlich fundiert thematisiert übrigens der Entwicklungs-Psychologe/Pädagogische Psychologe Karl Haußer in diversen interessanten Monographien und weiteren Veröffentlichungen die Thematik „Identität“/Identitätstheorien.
            Die Befassung mit bzw. die vertiefte Einlassung auf seine Veröffentlichungen erscheint mir übrigens zum Thema sehr sinnvoll und gewinnbringend iwS nutzbar und zu sein!

          • Danke für den Tipp! Haußer ist vorgemerkt!
            ( Fällt mir ein, daß ich lange nicht nach Robert Pfaller geschaut habe, aber das nur am Rande … )

      • @only_me
        die Gruppen werden immer größer hab ich den Eindruck, Familie -> Clan -> … Land aber viel mehr als alle Frauen gegen alle Männer oder alle Christen gegen alle Moslems geht halt nicht mehr.
        Bis mal Humans gegen filfthy Xenos dran ist dauerts noch… aber in der Welt will ich nicht unbedingt leben.

        • „… aber viel mehr als alle Frauen gegen alle Männer oder alle Christen gegen alle Moslems geht halt nicht mehr.“

          Türlich.
          Theo gegen den Rest der Welt – geht auch.

  2. Pingback: Zur Funktion des Feminismus in Hinblick auf Identität etc | Alles Evolution

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