„Wie sehr mag ich den Politiker“ vs „Wie sehr mag der Politiker mich“ – was ist wichtiger?

In einem Bericht über die Präsidentschaftskandidatin Elisabeth Warren fand ich diesen Abschnitt in der New York Post interessant:

Similarly, we wouldn’t let a man get away with calling a woman “a large orange elephant,” as Warren has called President Trump. Meanwhile, Trump’s “Pocahontas” taunts at Warren, which take aim at her patently made-up Native American heritage, are widely ­denounced as racist by the good and the just.

Besides, the likability fight may all be for naught. As Breitbart’s John Carney tweeted, likability “is the wrong metric, anyway. The real question for voters is: ‘How much would the candidate like me?’ It’s an empathy test. And it explains every presidential election since 1988.”

Trump isn’t particularly “likable,” but Clinton calling his voters “deplorables” may have clinched the election for him. “She doesn’t like us” is far more damaging to a candidacy than “We don’t like her.” And Warren similarly dismisses those who voted for Trump as racists. If Warren wants to be seen as different from Clinton, not calling voters names is where she should start.

Im Idealfall vereint ein Politiker sicherlich beides in einer Person. Ich denke aber auch, dass der Umstand, dass man das Gefühl hat, dass der Politiker gegen einen selbst ist oder die Gruppe der man sich zurechnet und in deren Bereich man einbezogen wird, schädigender sein kann als nur das Gefühl, dass man ihn nicht mag.

„Er/Sie ist ein Arschloch, aber auf meiner Seite“ kann eine positivere Sicht sein als „Er/Sie ist ein toller Typ, aber gegen  mich“.

Und bei Trump war es für viele vielleicht auch ein „Er ist privat ein Arschloch, aber ich werde ihn privat ja nie treffen, Clinton hingegen ist definitiv nicht auf meiner Seite, sie findet mich und die meinen „deplorable“.

Der Punkt, dass die meisten Wähler das Gefühl haben, dass der jeweilige Politiker gegen sie ist, wird bei vielen interesektionalen Politikern vorliegen. Denn diese stehen ja gerade auf den Seiten der Minderheiten und sehen die andere Seite als „Unterdrücker“ an. Sie Punkten dann bei anderen Anhängern intersektionaler Ideen oder in Bereichen mit starken „Minderheitenbezug“, etwa Bereichen in den USA mit vielen schwarzen Einwohnern.

Das macht diese Politik in Deutschland schwieriger umzusetzen, weil der Minderheitenanteil wesentlich geringer ist als in den USA.
Es ist zudem zu berücksichtigen, dass zB Frauen nicht per se das Gefühl haben müssen, dass Politiker, die sich für Frauen in Führungspositionen einsetzen, auf ihrer Seite sind. Gerade dann, wenn sie Hausfrauen bzw in Teilzeit tätig sind können sie sogar das Gefühl haben, dass die entsprechenden Politikerinnen eher gegen ihre Interessen agieren.

Und das Leute das Gefühl haben, dass Politiker gegen ihre Interessen handeln und sie nicht mögen wird in einem Klima, in welchem „politische Korrektheit“ immer wichtiger wird und bestimmte Sachen nicht mehr gesagt werden dürfen sogar eher noch zunehmen.

Die SPD scheint mir gerade etwas davon abzubekommen. Sie hat ihren alten Wählerstamm aufgegeben, die klassischen Arbeiter und diesen das Gefühl gegeben, dass sie nicht mehr auf ihrer Seite stehen. Dementsprechend sinken sie in den Umfragen.

Die Grünen bedienen hingegen ganz verschiedene Kreise: Die Realos eher die Wohlhabenden, die sich um den Umweltschutz sorgen und die Fundis die jungen und die radikaleren, die intersektionalen und sehr linken Theorien zugeneigt sind.