Die Universität Eindhoven will 150 freie Stellen nur mit Frauen besetzten und diesen noch besondere Forschungsgelder zukommen lassen

Der Spiegel berichtet:

Frank Baaijens: Ab dem ersten Juli startet unsere Universität ein Programm, das mindestens fünf Jahre lang laufen soll. Unser Ziel: Wir wollen rund 150 leere Stellen nur mit Frauen besetzen. Außerdem erhalten die Frauen neben ihrem Einstiegsgehalt jeweils 100.000 Euro für Forschungsprojekte obendrauf, die sie beim Karrierestart unterstützen sollen. Wenn sich innerhalb von sechs Monaten keine passende Kandidatin findet, werden wir die Stellen auch für männliche Bewerber öffnen. Momentan sind rund 15 bis 16 Prozent unserer Professoren weiblich, in ein paar Jahren sollen es deutlich mehr werden.

SPIEGEL ONLINE: Warum ist es wichtig, welches Geschlecht ein Professor hat?

Baaijens: Viele Wissenschaftler haben in der Vergangenheit gezeigt, dass Diversität und Innovation zusammenhängen. Um zu forschen und uns weiterzuentwickeln, brauchen wir sowohl Männer als auch Frauen in akademischen Positionen. Die Zahl der Frauen in unserer Gesellschaft muss sich auch in der Anzahl unserer Mitarbeiter widerspiegeln. Wir können uns einfach nicht leisten, die Hälfte der intellektuellen Power zu verlieren, die wir eigentlich haben könnten.

SPIEGEL ONLINE: Aber müssten Sie dann nicht eher eine fünfzigprozentige Frauenquote anpeilen, keine hundertprozentige?

Baaijens: Am Anfang haben wir darüber nachgedacht, nur 50 Prozent oder 75 Prozent der Stellen mit Frauen zu besetzen. Aber dann dachten wir uns: Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, warum dann nicht gleich 100 Prozent? Das Programm ist zwar für fünf Jahre angesetzt, nach eineinhalb Jahren wollen wir aber schon evaluieren, wie gut es funktioniert, und entscheiden dann jährlich wieder über die Prozentzahl. Es ist möglich, dass es bei 100 Prozent bleibt, aber vielleicht wird es auch weniger.

SPIEGEL ONLINE: Die meisten Studenten der technischen Universität Eindhoven sind männlich. Glauben Sie, dass mehr Professorinnen auch mehr Studentinnen anziehen werden?

Baaijens: Frauen können andere Frauen als Vorbilder wahrnehmen und sich motivieren lassen. Deshalb nehmen wir auch an, dass mit der Zahl der Professorinnen auch die Zahl der Studentinnen steigt. Im nächsten Jahr sind 30 Prozent unserer neu eingeschriebenen Studenten weiblich, immer mehr Frauen studieren technische Fächer. Wir würden gern erreichen, dass es noch mehr werden. Denn für uns gibt es keinen Grund, warum nicht die Hälfte unserer Studenten männlich und die andere Hälfte weiblich sein sollte. Am Ende des Tages kommt es darauf an, was jemand im Kopf hat, nicht wie groß die Muskeln sind.

Das lädt natürlich zu klagen ein. Währe interessant, ob es nach niederländischen Recht zulässig ist, aber spätestens das EU-Recht sollte so etwas bei regulären öffentlichen Stellen eigentlich nicht zulassen.

Insofern eine durchaus spannende Sache. Auch dann wenn es klappt könnte eine „Erfolgsauswertung“ interessant sein, sowohl was die Leistungen der Professorinnen angeht als auch die Frage ob sie mehr weibliche Studenten angesprochen haben.