Barbara Kuchler: „Kartoffelsäcke oder enge, körperbetonte Klamotten für alle Geschlechter“

Am evangelischen Kirchentag hatte die Soziologin  Barbara Kuchler, die ich mit ihrer These zu „nomakeup“ auch hier schon besprochen hatte, wieder einen Auftritt:

Die Soziologin Barbara Kuchler hat die Modeindustrie aufgefordert, Kleidung von Frauen und Männern anzugleichen. „Frauen haben die gesellschaftliche Hauptverantwortung fürs Schönaussehen“, kritisierte sie am Donnerstag auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Geschlechterverhältnisse auf dem 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund. Es brauche entweder „Kartoffelsäcke für alle“ oder enge, körperbetonte Klamotten für alle Geschlechter.

Gleichzeitig kritisierte Kuchler Frauen, die „sehr bereitwillig“ an einem gesellschaftlichen System teilnehmen, in dem bei Frauen mehr auf das Aussehen geachtet werde. Wenn Frauen sich schminkten, die Augenbrauen zupften und enge Kleidung trugen, müssten sie sich nicht wundern, „wenn sie angesehen werden und es zu Grabschereien kommt“, sagte die Wissenschaftlerin von der Universität Bielefeld. Dass Männer einen Minirock auf eine bestimmte Art wahrnähmen, könne ihnen nicht verübelt werden.

Natürlich müssten Männer „ihre Hände in Griff haben“, sagte Kuchler. Es sei aber „soziologische Augenwischerei“, wenn eine Frau verlange, nur nach ihrer Leistung beurteilt zu werden, wenn sie aufgestylt ins Büro komme. Die Verantwortung von Übergriffigkeit liege „teilweise bei der einzelnen Frau“, sagte sie.

Da scheint sie mir einiges an Übertreibung mit reinzunehmen, die aber vielleicht schlicht aus ihrer Denkweise kommt.

Für sie ist vielleicht jedes Aufstylen bereits falsch. Denn geschminkte und normal zurechtgemacht Frauen sind sicherlich in einem Büro auch nichts besonderes und es gehört in gehobener Position sicherlich zum normalen Auftreten wie der Anzug beim Mann auch.

Natürlich: Wer einen riesigen Auschnitt trägt und immer wieder stark sexualisiert über das normale schminken und zurechtmachen hinaus, der wird sich über Blicke sicherlich nicht beschweren können. Und natürlich geht auch Aussehen – bei Männern und Frauen – in eine Bewertung und Beförderungsmöglichkeiten ein.

Die Forderung nach „Kartoffelsäcken für alle „ist bizarr. Und auch körperbetonte Kleidung für alle würde das Problem nicht lösen, weil Männer und Frauen einfach andere Wirkungen darin haben. Insofern eine reichlich bizarre Ansicht.

54 Gedanken zu “Barbara Kuchler: „Kartoffelsäcke oder enge, körperbetonte Klamotten für alle Geschlechter“

  1. „…müssten sie sich nicht wundern, „wenn sie angesehen werden und es zu Grabschereien kommt“, sagte die Wissenschaftlerin von der Universität Bielefeld. Dass Männer einen Minirock auf eine bestimmte Art wahrnähmen, könne ihnen nicht verübelt werden.“

    Oh oh. Also Victimblaming. Damit dürfte sie ja bei Feministinnen direkt unten durch sein.

      • Wenn Frauen so einen tiefen Ausschnitt haben, dass alles herausfällt – auch bei Minustemperaturen und so enge Hosen anziehen, dass sich alles abzeichnet und die Hüftknochen splittern, tun sie das nur, weil es ihnen gefällt und sie sich darin wohl fühlen.

        • Wenn Männer bis oben hin zugeknöpft sind, lange Hemdsärmel, lange Hosenbeine und geschlossene Schuhe samt Socken tragen – auch bei über 30 Grad – tun sie das nur, weil es ihnen gefällt und sie sich darin wohl fühlen? Nein: natürlich ist das auch ohne Ende praktisch^^

          • Plus weitere, Büro-typische Alltagssorgen wie Zecken^^
            Und weil das halt so irre praktisch ist, würde ein wahrhaft rationaler Karrierist sich halt auch nie für etwas Anderes entscheiden (wollen) als für diese Standard-Uniform…

          • Nun, ich denke, dass der Dresscode den die Arbeit erfordert (und Männer können im Business nunmal keine Röcke und Ballerinas tragen, sondern müssen lange Hosen und geschlossene Schuhe anziehen) kaum gleichzusetzen ist mit dem Freizeitoutfits von Frauen.

          • Wenn Männer bis oben hin zugeknöpft sind, lange Hemdsärmel, lange Hosenbeine und geschlossene Schuhe samt Socken tragen

            Welche Vorteile versprechen sich denn die sich so verhaltenden Männer Deiner Meinung nach und welche Vorteile versprechen sich Deiner Meinung nach die Frauen, die sich in der von Moloch charakterisierten Weise kleiden?

          • Der typische Bauarbeiter im Hochsommer kombiniert seine obligatorischen Sicherheitsschuhe übrigens mit Freizügigkeit – trotz Gefahren wie Sonnenbrand etc.
            Und Ballerinas sind geschlossene Schuhe…

            Vorteile der Karrieristen-Uniform:
            nicht anecken, d.h. keine Persönlichkeit zeigen, keine groben Fehler machen können.

            Vom V-Ausschnitt heißt es bspw., dass er streckt, und enge Hosen waren die längste Zeit über schlicht die (käuflich zu erwerbende) Norm (zuletzt mit Hochwasser-Effekt). Was für Vorteile siehst Du denn?

          • Jedenfalls wäre es sehr zu begrüßen, wenn Statushohe Männer sich mehr dem Wetter entsprechend kleideten. Dann hätten die Klimaanlagen wohl weniger Arbeit (und Frauen würden vermutlich auch weniger frieren…)

          • Wenn Männer bis oben hin zugeknöpft sind, lange Hemdsärmel, lange Hosenbeine und geschlossene Schuhe samt Socken tragen – auch bei über 30 Grad – tun sie das nur, weil es ihnen gefällt und sie sich darin wohl fühlen?

            Das hat sehr wohl einen praktischen Nutzen – es simuliert Vertrauenswürdigkeit und Seriosität. Vor allem Gauner wie beispielsweise Banker legen darauf grossen Wert.
            Musste doch gleich mal googeln, ob es Seriösität oder Seriosität heisst. Hmmm …

          • In meiner letzten Firma gab es da immer Diskussionen. Kühlung war Frauen zu kalt, Männer hätte Krawattenzwang d.h. ich durfte nix ausziehen, Kühlung war nicht machbar, ist Frauen zu Kalt.

          • Natürlich fühlen sie sich darin nicht wohl. Aber das gebietet eben der Dresscode, der manchmal explizit manchmal weniger explizit ausgesprochen wird.
            Man muss sich eben daran halten. Damit wird natürlich eine Absicht verbunden. Der McKinsey Manager kann eben nicht mit Flipflops und Polo Hemd zum Kunden kommen.
            Es geht darum, dass niemand von denen auf die Idee kommen würde, eine bestimmte Absicht zu negieren. Die Absicht dahinter ist eben offensichtlich. Der Punkt ist, dass Frauen vehement abstreiten, sich bewusst sexy anzuziehen, um auf entsprechende Weise auf Männer zu wirken.
            Wenn der (falsche) Mann dann schaut -> Stare Rape.

          • „Jedenfalls wäre es sehr zu begrüßen, wenn Statushohe Männer sich mehr dem Wetter entsprechend kleideten.“

            Ist das jetzt Resignation ( nicht mehr sehen zu müssen, was Du Dir nicht leisten kannst ), oder eher ein Neidsymptom ( die anderen Mädels sollen auch auf Rangniedere reinfallen )?

          • In modernen Bürogebäuden werden gar keine klassischen Klimaanlagen mehr verbaut (außer Sonderflächen wieTechnikräume).
            Anstatt dessen kommen Kühldecken und intelligente Frischluftzufuhr zum Einsatz.
            Temperaturunterschiede wie man Sie in längst vergangenen Zeiten hatte werden schon lange nicht mehr gefahren, weil bei vielen der Kreislauf beim verlassen des Gebäudes nicht mitgespielt hat.
            Das es den Damen mit Ihren leichten Sommerkleidchen zu kalt ist, die Männer die eben selbst wenn es legerer sein darf sich so dünn nicht anziehen können ist immer ein Thema.
            Dabei betrifft das viele Branchen, nicht nur Banken und Karriere Geile Typen und Uniform wie jemand hier zum besten gibt.
            Wenn die Erwartung des Arbeitgeber wegen Kundenkontakt ordentliche Kleidung erwartet wird, dann geht für den Mann eben fast nie kurze Hose, nur T-Shirt und Sandalen. Wohingegen das luftig lockere Sommerkleid und offene Schuhe bei Frauen erlaubt sind.
            Wobei ein leichter Sommeranzug, mit klassischen Hemd dann immer noch angenehmer ist als eine Jeans mit irgendwas.

          • Typisch Semikolon…
            Da möchte sie auf Benachteiligung von Frauen hinweisen und schießt sich ein Eigentor, weil sie doch nur beschreibt, wie Männer dank Dresscode diskriminiert werden.

            Jaja, Frauen und Fußball… 😀

          • In den Bereichen, wo Männer einen Anzug tragen müssen, ist es für Frauen auch nicht luftiger. Oder glaubt hier jemand, eine Managerin oder Forschungsleiterin im Spaghetti-Top würde ernstgenommen werden?

          • @GOI: Das Spagettiträgerkleid mit Obstauslage wirst Du in dem Umfeld nur bei den Anglerinnen finden.
            Die Damen der höheren Führungsebene greifen dann eher zum nur geringfügiger weniger Luftigen Sommerkleid aus leichtem Material.
            Immer noch eine andere Nummer als ein Anzug mit Hemd und Krawatte.
            Deswegen sind ja letzten Sommer einige Herren mit Sommerkleidern in Ihre Offices in der City of London gegangen

        • Ich habe das so verstanden: Der Vorteil, den sich Männer im Büro versprechen, wenn sie lange Hosen und ein (langärmliges?) Hemd tragen, ist der, dass sie nicht anecken. Richtig?

          Welchen Vorteil versprechen Sie Deiner Meinung nach Frauen, die in dem von Moloch beschrieben Outfit im Büro auftauchen?

          Ich habe bei Männern ehrlich gesagt keine Präferenz. Zerissene Jeans sind nicht so mein Ding und in kurzen Hosen sieht mancher schnell lächerlich aus, aber das ist dann die eigene Entscheidung. Ein Vorteil des Standardoutfits aus meiner Sicht: Keinen Gedanken an das Outfit verschwenden müssen und trotzdem einigermaßen passend gekleidet sein.

          • Sorry für die so späte Rückmeldung (mein oller Rechner schaltet sich ultra-schnell aus, wenns heiß ist, und ich hasse es, mit dem Tablett zu kommentieren).

            „Welchen Vorteil versprechen Sie Deiner Meinung nach Frauen, die in dem von Moloch beschrieben Outfit im Büro auftauchen?“

            Es wäre ja interessant gewesen, welche andere Antwort Dir z.B. eingefallen wäre als die Annahme, sie würden Männer dadurch verrückt machen wollen… (also irgendein auch mehr so praktischer Grund)?

            Und ich dachte eigentlich, ich hätte im Groben schon skizziert, was ich dazu meine… ums vielleicht anschaulicher zu machen: als Person von (sehr) zierlicher Statur, aber mit (mehr oder weniger^^) überdurchschnittlicher Oberweite, fiel es mir ja überhaupt nicht leicht, (Arbeits-)Klamotten – insbesondere eben Oberteile – von der Stange zu finden.

            Bei normalen (Hemd-)Blusen, die (einigermaßen) hinsichtlich der Schulterbreite, der Ärmellänge und der Taille passen, platzt fast immer im Laufe des Tages (manchmal unbemerkt – z.B., weil frau leichtfertig zu tief geatmet hatte^^) min. 1 Knopf an entscheidender Stelle auf (ein Wissen, das sehr unentspannt macht). Alternativ passts halt da und sonst nirgends, d.h. Du versumpfst regelrecht. In abgeschwächter Form hat frau das Problem sogar bei simplen T-Shirts o.ä. (da dehnt sich der Stoff oft so komisch, so das Teil nicht etwas ausgeschnitten ist, oder es ist halt eben auch insgesamt zu groß&weit, „boyfriend-style“ quasi).

            Was nicht passend auf Taille geschnitten ist (sondern kastenförmig verläuft), lässt eine sofort optisch unförmig bzw. dick wirken. Auch das Einzige, „echte“ Etuikleid, das ich mir je kaufte, wird (wurde) für mich nur tragbar durch seinen größeren Ausschnitt. Die häufig für weiblichere Körpertypen als besonders passend empfohlenen Wickelkleider haben was? Einen (V-)Ausschnitt (der wie gesagt das Auge täuscht, indem er „streckt“).

            Ich sage wohlgemerkt nicht, es sei de facto unmöglich, sich trotz etwas mehr Holz vor der Hütte „seriös“ (also ohne viel Haut zu zeigen) zu kleiden, aber da steht auf jeden Fall eine Lernkurve hinter.

            Ich selbst hatte mich (vor dieser Babypause) erst mit Ende 30 (auch endlich) zur einer Art „Business-Uniform“ entscheiden können (vorher hatte ich auch ehrlich gesagt einfach nicht näher drüber nachgedacht, was meine Kleidung über mich aussagen könnte): obenrum „klassisch menswear“, d.h. bestehend aus Langarm-Bluse mit Weste drüber plus Krawatte und natürlich Blazer (die Weste gibt der Bluse zusätzlich Form und Halt und besticht außerdem noch durch diesen vorteilhaften V-Ausschnitt; die Krawatte verdeckt im äußersten Notfall, was zu verdecken wäre^^ und lenkt ebenfalls den Blick), untenrum i.d.R. Röcke, die mehr so knapp überm Knie enden (midi-Länge sieht im Normalfall einfach nur scheiße aus bei meinen kurzen Stummelbeinchen; welche, die für mich sozusagen bodenlang wären, sind eher selten zu kriegen oder wirken bedauerlicherweise irgendwie sehr deplatziert; Minis wären zwar hübsch, aber ich sehe ein, dass das im Zweifelsfall nicht geht, jedenfalls nicht ohne blickdichte Strumpfhose).

            In den bislang einzigen Sommer, in dem ich diese „Uniform“ in ihren Grundzügen spazieren trug, war ich gestartet mit dem Vorsatz, überhaupt nicht am Konzept zu rütteln. Aber dann wurde es Ernst sprich heiß – und ich führte doch Kurzarmblusen ein. Außerdem machte ich mir bewusst, wie viele Strumpfhosen ich bereits nach wenigen Monaten verschlissen hatte (unbelievable! Ein wirklich großer Kostenfaktor – jedenfalls in meinem Fall), was es mir leicht machte auch dieser Körperpartie ein saisonales Update zu verpassen (also weg mit der Strumpfhose und her mit mehr der Jahreszeit entsprechendem Schuhwerk, das auch – Schockschwerenot, wie unprofessionell! – durchaus mal lackierte Zehennägel entblößt). Soviel zum Exkurs^^

            Kann mann jetzt vielleicht den Vorteil der zuvor kritisierten Kombi – zumindest für schlanke „young professionals“ mit mehr Oberweite (und um die gehts ja primär, nicht?) besser bewerten?

            „Ich habe bei Männern ehrlich gesagt keine Präferenz“

            Gilt dass denn genauso für Frauen?

            „Ein Vorteil des Standardoutfits aus meiner Sicht: Keinen Gedanken an das Outfit verschwenden müssen und trotzdem einigermaßen passend gekleidet sein.“

            Sicher. Und dass Frauen Männer in Anzügen (oft) besonders attraktiv, gar sexy finden, ist halt auch nur ein sozusagen bedauerlicher Nebeneffekt und keinesfalls beabsichtigt^^

    • Having men work with women is like having grizzly bears work with salmon.
      Dipped in honey.
      And the grizzly is not even allowed to look.

    • Das war auch mein spontaner Einfall, Fiete.
      Wollen wir mal in China anfragen, ob es noch Restbestände gibt, die evtl. Europäern passen und dann ins Import-Geschäft einsteigen?
      Wir müssten die einfach umbenennen, denn „Mao-Einheits-Anzug“ klingt nicht zeitgemäß…
      „Geschlechtergerechte Kleidung“ – wie wäre es damit?
      Natürlich muss sie verbindlich werden für die Massen! 🙂

  2. Zum Thema Stephen Pinker:

    „Beauty is not, as some feminists have claimed, a conspiracy by men to objectify and oppress women. The really sexist societies drape women in chadors from head to foot. Throughout history the critics of
    beauty have been powerful men, religious leaders, sometimes older women, and doctors, who can always be counted on to say that the latest beauty craze is hazardous to women’s health. The enthusiasts are women themselves. The explanation is simple economics and politics
    (though not the orthodox feminist analysis—quite insulting to women, incidentally—in which women are dupes who have been brainwashed into striving for something they don’t want). Women in open societies want to look good because it gives them an edge in competing for husbands, status, and the attention of powerful people. Men in closed societies hate beauty because it makes their wives and daughters indiscriminately attractive to other men, giving the women a measure of control over the profits from their own sexuality and taking it away from the men (and, in the case of daughters, away from their mothers).“ (How the Mind works, P. 487)

    Ich sehe darin auch nichts anderes als einen Versuch einer Feministin, Frauen, die durch ihr Aussehen in der intrasexuellen Konkurrenz einen Vorteil haben, zu diskriminieren.

  3. Ich bin ja gerade in der Türkei. Hier gibt es total körperbetonte Abayas.

    Vor allem aber gibt es sehr schöne Tassen. Ich überlege, der Dame einen Schrank voll zukommen zu lassen; bei der fehlen nicht nur ein paar.

  4. Für den Kontext:

    Auf der einen Seite fordert diese Frau

    Kartoffelsäcke für alle Frauen, auf der anderen Seite reagiert diese Frau

    auf die Anmerkung eines Mannes, ihr Dekollete,

    dem sie in bewährter Manier einen Fokuspunkt

    hinzugefügt hat, sei das Dekollete einer Hure, mit der Twitteraktion #JeKiffeMonDécolleté, was begeisterte Zustimmung von dieser Frau

    , dieser Frau

    sowie dieser Frau

    erntet.

    Zeitgleich auf der anderen Seite des Teiches erzählt diese Frau

    , sie sei sexuell so unwiderstehlich, dass weder Trump noch andere berühmte Männer sich ihr gegenüber beherrschen konnten.

    Das fasst den Zeitgeist ganz gut zusammen, scheint mir.

    Was ich nicht rausfinden konnte: Was war das für ein Mann, der bei dem Ausschnitt der flachbrüstigen Viereinhalb an eine Hure statt an ein Pissoir denken musste?

    • Ich habe beträchtliche Sympathie für #JeKiffeMonDécolleté

      Es ist tatsächlich „auf der anderen Seite“ von Frauen, die Einheits-Kartoffelsäcke für alle fordern.
      Und ebenso auf der anderen Seite von #MeeToo.

      Und eine ziemlich gute (und irgendwie sehr französische) Antwort auf die unverschämte Beleidigung als Schlampe – das braucht man sich ja nicht bieten zu lassen.
      Der Text lässt im übrigen vollkommen offen, welchen möglichen weiteren Hintergrund die Beleidigung hatte und ob der zugehörige Herr möglicherweise Frauen in schwarzer vollverpackung bevorzugt, gerade dann fände ich es besonders passend. Sie sind jetzt in Europa und haben das gefälligst zu akzeptieren, dass Frauen hier anders rumlaufen dürfen.

      Es ist das genaue Gegenteil der dauerempörten #MeeToo reaktion, die auf massive Sanktionierung jeder Kleinigkeit drängt.
      Stattdessen ein selbstbewusster Konter ist die eigentlich angemessene Reaktion.
      Meinetwegen auch online.
      Man halte an der Stelle fest, dass das ganze auch nicht von einer Anschwärzung, öffentlichen Bloßstellung nebst Treibjagd des besagten Mannes begleitet wird.

      So macht man das.
      Ein „Fick dich“, und gut ist.
      Ich nehme an, dass der größte Teil dieser Frauen von #MeeToo ähnlich viel hält wie Catherine Deneuve.

      • Europa suhlt sich in seinen demokratischen Werten und hat gefälligst zu akzeptieren das Demografie Schicksal ist.

        So rum wird ein Schuh draus.

        • Soweit (wie im Beispiel) demografie politisch gestaltet ist durch politisch gesteuerte Bewegung größerer Bevölkerungsgruppen handelt es sich natürlich nicht um Schicksal, sondern um politik.

          Und ließe sich durch eine andere Politik ändern.

      • „Und ebenso auf der anderen Seite von #MeeToo.“
        und
        „Es ist das genaue Gegenteil der dauerempörten #MeeToo reaktion“

        Das ist m.E. eine gewagte Interpretation, wo doch die Aktion quasi identisch ist zu den Slut Walks.

        „Sie sind jetzt in Europa und haben das gefälligst zu akzeptieren, dass Frauen hier anders rumlaufen dürfen“

        Und die meisten werden sich irgendwie damit arrangieren und sehr viele werden insgeheim so rumlaufende Frauen für Flittchen halten und einige (nicht viele, aber ein höherer Anteil als bei den ‚länger hier seienden‘) werden geringe moralische Grenzen haben, einem Flittchen gegenüber übergriffig zu werden als einer sittsamen Frau gegenüber.

        Das ist ja der Spaß: Es kommen viele viele Menschen aus anderen Kulturen mit anderen Wertmaßstäben dazu und Medien und Politik tröten nur die „Wir müssen tolerant sein und uns anpassen“ Flöte und alle, die meinen, dass das Grundgesetz wichtiger sein sollte als die Sharia, wird breitflächig in die weitrechte Ecke geschoben, ABER, sobald es darum geht, dass Frauen ihre Möpse unangeleint Gassi führen können, kommt eine „Da werden DIE sich halt dran gewöhnen müssen“ Symbolik.

        Ja, so wird das funktionieren.

        A secretly-filmed French TV news report this week showed two women’s rights campaigners, Nadia Remadna and Aziza Sayah, being told not to enter the bar.

        The footage (…) shows a customer asking if the women had come to meet a man.

        “It’s best to wait outside,” another advised them. “There are only men here.”

        The campaigners said that in France, it was perfectly normal for women and men to be in a bar together.

        A third man responded: “In this café, there’s no mixing.”

        He added: “We’re in Sevran, not (central) Paris.” Another said: “The mentalities are different, here it’s like it is back in the old country.”

        Das wird ganz bestimmt genau so funktionieren.
        Moralrelativismus, wo man hinschaut, aber bei weiblicher Freizügigkeit hört der Spaß auf.

        Gottseidank ist mir das persönlich so gut wie vollkommen egal, ob der Anteil der sich nicht beherrschen könnenden Männer steigt oder nicht und ob die Frauen ihr Signalling an diesen Anteil anpasst oder nicht.

  5. Kuchler hat schon mal in der Zeit Frauen dazu aufgefordert, Make Up aufzulegen, mit ähnlichem Echo.

    Kuchler will hat i) die totale Entsexualisierung des öffentlichen Raumes und ii) das Ende der weiblichen intrasexuellen Konkurrenz.
    Natürlich setzt sie sich damit massiver feministischer Kritik aus, zumindestens über ii) spricht die Feministin von heute nicht so gerne.

    Klar hat Kuchler ein Rad ab, aber ich würde sie nicht unterschätzen. Ich habe mir ein paar ihrer akademischen Veröffentlichungen angeschaut, zB über Luhmann, und ich schätze sie als sehr intelligent ein. Hätte sie bloss etwas vernünftiges studiert.

    • muss natürlich heissen:
      Kuchler hat schon mal in der Zeit Frauen dazu aufgefordert, Make Up zu verweigern, mit ähnlichem Echo.

  6. Der Totalitarismus äussert sich in vielen Facetten. Eine davon besteht darin den Menschen vorzuschreiben, wie sie sich zu kleiden hätten…

  7. „Die Soziologin Barbara Kuchler hat die Modeindustrie aufgefordert, Kleidung von Frauen und Männern anzugleichen“

    Da springt sie auf einen fahrenden Zug auf, weiß sie das etwa nicht?
    Ein an sich businesstauglicher Trend für sowohl m wie auch w in dieser Saison sind bspw. Shorts mit passendem Blazer/Sakko – aber welcher Mann hätte schon auch den Mut, den Kollegen seine behaarten Flanken bis rauf zu den Oberschenkeln zu präsentieren?

    • Ich fänds irgendwie voll interessant zu erfahren, was ihr gerad tragt, mag wer antworten?

      (ich jedenfalls sitz hier im Bikini, weil ich war gerad noch im Pool und geh auch gleich wieder… nach einem kleinen Spaziergang, für den ich mir eben nur fix ein Trägerkleid überwerfe und in FlipFlops schlüpfe)

      • Ne blaue Unterhose ( die schwarzen hängen auf der Leine und meine Golfhose/schottischkariertes Pyjamaunterteil ist mir zu warm jetz, weshalb ich auch drinnen bin ) und ein schwarzes T-Shirt, also quasi-praktisch fast so gut wie das gleiche wie nahezu immer …..

        Sollte ich mich heute noch weiter als bis zur Wohnungstür bewegen, kommt die weiße 501 und die Ganzjahresstandardjacke drüber, Weste weiß ich nich, aber meist nehm ich sie dann doch, weil sonst zuwenig Taschen am Balg …

      • Heute: kurze Hose und T-Shirt (Telearbeit).
        Gestern: Anzug (wurde befördert); nach der Zeremonie immerhin Sakko und Krawatte aus.
        Morgen: Schutzkleidung in Sommerversion (dünne, reißfeste und antistatische Hose, Sicherheitsschuhe, dünne Jacke, Helm) ; muss in einen Windpark überprüfen.

  8. „Frauen haben die gesellschaftliche Hauptverantwortung fürs Schönaussehen“. Das ist doch wieder typisches „framing“. Da wird eine „Verantwortung“ konstruiert, wo es sich um ein gesellschaftliches Machtinstrument handelt. Das ist ebenso verlogen wie die „Sichtbarmachung“ von Frauen durch Gendersprache. Frauen sind die sichtbarsten Personen überhaupt. Mit Sicherheit wird keine der attraktiven Frauen auf diese „Verantwortung“ verzichten wollen. Soviel soziologische Blindheit von einer Soziologin muß eine Agenda haben: den weiblichen Eliten geht der Zugriff auf männliche Ressourcen verloren, weil die doofen Männer auf scharfe Frauen stehen.

  9. Gerad gelesen:

    „Langärmeliges Hemd und Krawatte für Männer, Hosenanzug mit einfarbiger Bluse für Frauen – dieser strikte Dresscode gilt seit Jahrzehnten in den spiegelverglasten Bürogebäuden der Banken. Doch damit soll bald Schluss sein.

    Als eine der ersten Institute hat Goldman Sachs jetzt die Kleidervorschriften gelockert. Künftig sollen alle Mitarbeiter selbst entscheiden dürfen, welche Klamotten sie morgens anziehen…..

    Goldman Sachs ist nicht die erste Bank, die ihren Dresscode unternehmensweit lockert. Bereits vor drei Jahren hatte Amerikas größte Bank, JP Morgan, einen ähnlichen Schritt unternommen. In Deutschland hingen im vergangenen Jahr auch einige Sparkassen den „Spießer-Schlips“ an den Nagel.

    t3n meint:
    Goldman Sachs schafft den Dresscode ab? Eher ein PR-Coup. Statt den Kulturwandel auch bei der Kleiderwahl nach dem „Trial & Error“-Prinzip der Tech-Branche zu beschleunigen, erhebt die Chefetage schon vorab drohend den Zeigefinger.
    Unglücklich gewählt ist vor allem die Formulierung, Mitarbeiter sollten sich „so kleiden, wie es zu den Erwartungen der Kunden passt“. Was sind denn die Erwartungen der Kunden? Richtig: Anzug und Krawatte.“

    https://t3n.de/news/goldman-sachs-investmentbank-schafft-jahrzehntealten-dresscode-fuer-mitarbeiter-ab-1148761/

    Draufgekommen bin ich aufgrund dieses Interviews:

    https://www.freitag.de/autoren/jan-c-behmann/nicht-ohne-meinen-anzug

    Das meinen Verdacht, was Männer eigentlich verstecken wollten sei ihre Körperbehaarung (weshalb Frauen auch mehr Haut zeigen dürfen – da sie ja i.d.R. unter den Achseln und an den Beinen rasiert sind heutzutage, wenn sie sich so kleiden), jedenfalls nicht zerstreute.

    Und davor hab ich mich nochmal kurz über die Geschichte der Hose informiert:
    https://www.galatea-ziss.de/journal/frauen-in-hosen.html
    Schon spannend.

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