Sieht ein Baby anfangs dem Vater ähnlicher?

Eine Sache, von der Eltern nie genug bekommen können ist bei dem Baby Sachen anzuführen, die es von einem der Elternteile hat. Auch mir wurde schon gesagt, dass Fräulein Schmidt mir wie aus dem Gesicht geschnitten ist.

Eine Theorie ist, dass Babys am Anfang ihren Vätern ähnlicher sehen, weil das dazu beiträgt, dass diese das Kind als Eigenes ansehen und insoweit die „Vätersicherheit“ steigt.
Das wäre allerdings etwas, was sich nur dann entwickeln könnte, wenn es in unserer evolutionären Vergangenheit wenig Betrügereien gegeben hat, denn nur dann ist es für das Kind vorteilhaft solche Ähnlichkeiten mit seinem Vater zu haben. Um so mehr Kinder nicht von dem Partner stammten um so negativer wäre es, wenn man das auch deutlich sehen würde. Interessant wäre es dann allenfalls sehr allgemeine Charakteristika, die eher bei Männern auftreten aufzugreifen, die dann mit einer gewissen Häufigkeit auch bei dem Vater vorliegen und als „typisch der Vater“ angeführt werden können.

Aber selbst wenn das Kind üblicherweise vom Vater war muss sich eine solche besondere Ähnlichkeit nicht entwickeln. Es kann eine rein zufällige Verteilung der entsprechenden Gene weitaus vorteilhafter sein.

Vielleicht finden Väter schlicht bei dieser genug.

Eine Studie ist der Frage nachgegangen, ob eine solche Ähnlichkeit besonders mit dem Vater besteht. Aus einer Besprechung dieser Studie:

Researchers stayed curious about this question. In 2004 Paola Bressan, a psychologist at the University of Padua, and Massimo Grassi, also of the University of Padua, tried again to get to the bottom of this question of familial resemblance, and found that children tend to resemble their parents equally, but the resemblance isn’t very strong. They theorized that this ambiguity might be advantageous if the paternity is unclear. “Men tend to invest more in children who (they believe) resemble them more; thus, children who look like their ‘social’ father—that is, like their mother’s husband—fare better than those who don’t,” Bressan told me. “The problem is that a child’s biological and social fathers are not necessarily the same person.”

Overall, “the evidence is slightly in favor [of babies looking like their dads],” says Steven Platek, an evolutionary psychologist who studies this topic. Platek thinks the data are distorted by unclear paternity, which he estimates occurs in 2 to 30 percent of births.

Scientists can only dream of perfect data. “An ideal [data set] would be random paternity tests on 10,000-plus father-infant pairs so we could know the going base rates of false paternity,” says Tony Volk, a developmental scientist who studies families at Brock University, in Canada. “But that hasn’t happened.” Researchers mostly find out cases of mistaken paternity by accident

Whatever the case, the researchers I spoke with seemed to agree on one point: The most clear-cut thing is not an actual resemblance, but that so many people perceive one. “Independent of whether the baby actually looks like Dad is the perception that the baby shares resemblance with Dad,” Platek told me.

Platek said I should be happy that seemingly everyone I know thinks my child looks like my husband. “When the perception and the reality match, the child treatment is the highest.” The father will freely make paternal investments in the child. Apparently when you think the child looks like you, even the diapers don’t smell as bad, Platek noted jokingly.

(…)It seems like we’re all self-deceptive idiots massaging the egos of fathers in an effort to get them to take care of their own children. (Interestingly, the mother’s family is one of the most common perpetrators of this effort. Platek told me research on families in hospital nurseries showed that the mother’s family members were the most likely to remark on how much the baby looked like the father.)

Die Forscher sehen also ein klein mehr Ähnlichkeit zum Vater, sind sich aber nicht sicher, ob dies letztendlich etwas aussagt, denn es könnte ja sein, dass die Daten deutlicher wären, wenn man wüßte bei wem das Kind gar nicht von dem vermutten Vater, dem es ähnlich sehen soll, ist.

Also eine eher unergiebige Frage, die aber deutlich macht, dass so etwas gar nicht so einfach zu testen ist.

 

11 Gedanken zu “Sieht ein Baby anfangs dem Vater ähnlicher?

  1. Also meine beiden sahen mir nicht ähnlich. Das kam erst später…….
    Mein Junior hat definitiv meine Gene, sieht man zwar nicht so sehr, aber wie der mit Frauen umgeht und was der so an Land gezogen hat……Wahnsinn. He´s got lucky lips oder so…..

  2. „Auch mir wurde schon gesagt, dass Fräulein Schmidt mir wie aus dem Gesicht geschnitten ist“

    Lass mich raten: Bis auf die Augen, die hat sie von der Mutter…

  3. Mein Kind hat deutliche Teile von mir geerbt. Was auch immer spannend ist, sind Vergleiche von Kinderfotos mit den Kinderfotos der Großeltern/Tanten/Onkel. Da findet man teilweise auch erstaunliche Ähnlichkeiten.

    Was sehr verblüffend war, war neulich die Beschäftigung meiner Familie mit der FaceApp. Mit der „älter“ Funktion sah meine Schwester (die ältere) aus wie mein Vater, ich hingegen wie meine Mutter.

  4. Meine 3 sehen alle aus wie der Vater.

    Aus meiner Arbeitspraxis kann ich das genauso bestätigen, v.a. die Mädchen sehen als Neugeborene ihren Vätern sehr ähnlich.

  5. Also ich kenne einige Extrembeispiele, wo die Kinder anfangs den Vätern sehr viel ähnlicher sahen, sich das über die Zeit aber verlor. Aber immer ist das nicht so.

  6. Vielleicht sagt man Vätern sowas, um Konflikten vorzubeugen.

    An sich ist es naheliegend, dass das Kind der Mutter ähnlicher ist, denn das Gesicht der Mutter ist dem Kindchenschema ähnlicher.

    Aus Sicht der Gene gibt es einen Interessenkonflikt, je nachdem ob es mütterliche oder väterliche sind. Die Gene des Vaters verbreiten sich eher, wenn er keine Ressourcen an fremde Kinder verschwendet. Die Gene der Mutter, wenn sie unbemerkt auch Kuckuckskinder unterschieben kann. Man muss es m.E. aus Sicht der elterlichen Gene betrachten.

  7. Ab wann genau soll das Baby/Kind dem Vater ähnlich sein?

    Frisch aus der Gebärmutter gepresst schaut es nämlich maximal in Essig eingelegter Vorhaut ähnlich.

    • Babys entknittern sich etwa um den 3. bis 4. Tag postpartum.
      Ich finde, in den ersten 10 Tagen sieht man schon deutliche Ähnlichkeiten.

  8. Meine Jungs sahen mir nicht ähnlich. Natürlich finden besonders Frauen immer irgendwas, was angeblich „ganz der Papa“ ist, aber objektiv (soweit möglich) kann ich das nicht bestätigen.

    Dagegen hätte mein Bruder bei seinem Ersten seine Vaterschaft gar nicht erst anzufechten versuchen brauchen. Der Kleine sah aus, wie eine Minikopie des Alten. Bei einer Anfechtung hätte ein Richter schon „nach Augenschein“ urteilen können.
    Seine Tochter dagegen sieht heute aus, wie die Mutter damals. So täuschend ähnlich, dass ich sie schon mit dem falschen Namen angeredet hatte 🙂

  9. Ich glaube ja, dass das eher ein psychologisches Ding ist. Man sagt es dem Vater, um ihn zu bestätigen. Das hat sich einfach in unseren gesellschaftlichen Habitus integriert, das sagt man Vätern halt, selbst wenn es nicht so offensichtlich ist. Mal ehrlich, die meisten Menschen würdest du als Erwachsene auch nicht anhand ihrer Baby-Fotos wiedererkennen.
    Ich meine, bei meinen ersten beiden meinte eine erste Scheidungsanwältin auch, dass ich mir da den Gentest sparen könnte. Ich habe aber auch noch ein Kindergartenbild von mir, da sehe ich absolut aus wie mein Sohn in dem Alter (wenn er nicht die blau grauen Augen seiner Mutter hätte statt meiner brauen Augen, um mal wieder mit dem Harry Potter Zitat zu kommen :-)). Dafür hat meine Tochter absolut meine Augen (und meinen Dickkopf)

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