Sterbehilfe

Passend zur Ausgießung des heiligen Geistes bietet sich eine Diskussion über einen Fall an, bei dem eine Minderjährige in den Niederlanden Sterbehilfe erhalten haben soll. Sie sah ihr Leben als sinnlos an, weil sie als mit 12 und dann später noch im Alter von 14 mißbraucht worden war.

Es war wohl letztendlich keine Sterbehilfe, sondern Selbstmord, aber der Fall sorgte dennoch für eine Diskussion:

Es ist eine Nachricht, die um die Welt ging: Noa Pothoven, eine 17-jährige Niederländerin, soll in einer Klinik aktive Sterbehilfe erhalten haben und so am Sonntag gestorben sein. Am Mittwoch folgte eine Korrektur: Nein, das End-of-Life-Krankenhaus in Den Haag habe den Wunsch des Teenagers abgelehnt, aktive Sterbehilfe zu leisten.

Niederländischen Medienberichten zufolge habe sie sich stattdessen seit Juni geweigert, Nahrung und Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Ihre Eltern und die Ärzte entschieden sich gegen eine Zwangsernährung, sodass Pothoven schließlich am Sonntag starb.

So oder so, die Hintergründe des Todes der aus der Stadt Arnheim stammenden Noa Pothoven sind tragisch. Im vergangenen Jahr veröffentlichte sie ihre preisgekrönte Biografie Gewinnen oder lernen und wurde dadurch landesweit bekannt. Darin schildert sie, wie sie bei Kindergeburtstagen im Alter von elf und zwölf Jahren missbraucht wurde. Mit 14 Jahren wurde sie dann auch noch von zwei Männern vergewaltigt.

(…)

Im vergangenen Sommer wandte sie sich ohne das Wissen ihrer Eltern zum ersten Mal an besagte Sterbeklinik in Den Haag – dort wurde sie aber abgelehnt. Der niederländischen Regionalzeitung „De Gelderlander“ sagte die damals 16-Jährige im Dezember: „Sie finden, ich bin zu jung, um zu sterben. Sie sagen, ich soll die Traumabehandlung abschließen und dass mein Gehirn erst ausgewachsen sein muss, und das wird erst mit 21 Jahren sein. Ich bin am Boden zerstört, weil ich nicht mehr so lange warten kann.“ Sie suche Frieden, erklärte sie.

Ein tragischer Fall, der sich in der Tat für eine Diskussion über Sterbehilfe anbietet. Ich habe mir daher das niederländische Recht dazu einmal in der Wikipedia angeschaut:

Dort heißt es:

den Niederlanden ist nach dem Strafgesetzbuch sowohl die aktive Sterbehilfe (Artikel 293[1]) als auch die Beihilfe zur Selbsttötung (Artikel 294[2]) auch nach dem Inkrafttreten des Sterbehilfegesetzes weiterhin generell strafbar. Wenn allerdings ein Arzt Sterbehilfe leistet und dabei eine Reihe von Sorgfaltskriterien einhält und dem Leichenbeschauer der Gemeinde Meldung erstattet, unterliegt er einem besonderen gesetzlichen Schutz und macht sich nicht strafbar.

Im niederländischen Sterbehilfegesetz sind diese besonderen Sorgfaltskriterien spezifiziert.

Die im Artikel 2 des Gesetzes aufgeführten Kriterien beinhalten, dass sich der Arzt vom Zutreffen folgender Sachverhalte versichert hat:

  1. er ist überzeugt, dass der Wunsch des Patienten freiwillig und nach reiflicher Überlegung geäußert wurde,
  2. er ist überzeugt, dass der Zustand des Patienten aussichtslos und sein Leiden unerträglich ist,
  3. er hat den Patienten über Situation und Aussichten aufgeklärt,
  4. er ist zusammen mit dem Patienten zum Schluss gelangt, dass es für die Situation keine andere annehmbare Lösung gibt,
  5. er hat mindestens einen anderen, unabhängigen Arzt konsultiert, der den Patienten untersucht und zu den unter 1 bis 4 genannten Kriterien eine schriftliche Stellungnahme verfasst hat,
  6. die Lebensbeendigung oder die Hilfe bei der Selbsttötung erfolgt mit der gebotenen Sorgfalt.

Das sind für mich vollkommen rationale Gründe und ich würde es für ein sehr gutes Gesetz halten. Warum soll man Leuten unter diesen Umständen nicht ein menschenwürdiges Sterben erlauben?

Bei Patienten, die nicht in der Lage sind, ihren Willen zu äußern, darf der Bitte um Sterbehilfe oder Hilfe bei der Selbsttötung entsprochen werden, wenn die Person das 16. Lebensjahr vollendet hat und sie zu einem Zeitpunkt, zu dem sie zur vernünftigen Beurteilung ihrer Interessen fähig war, ihre Bitte schriftlich erklärt.

Nach dem Gesetz können auch Minderjährige um Lebensbeendigung auf Verlangen oder Hilfe bei der Selbsttötung bitten. Da die Bitte nur vom Patienten selbst gestellt werden kann, muss dieser zur vernünftigen Beurteilung seiner Interessen fähig sein und seinen Willen äußern können. Eine von Eltern oder Erziehungsberechtigten im Namen des Patienten geäußerte Bitte ist unzulässig.

Bei Minderjährigen im Alter zwischen 12 und 15 Jahren müssen außerdem die Eltern oder Erziehungsberechtigten der Bitte um Sterbehilfe zustimmen. 16- und 17-Jährige können selbstständig entscheiden, die Eltern oder Erziehungsberechtigten müssen dabei jedoch in Entscheidungsfindung einbezogen werden. Sterbehilfe bei Minderjährigen unter 12 Jahren ist unzulässig.

Bei einwilligungsunfähigen Minderjährigen ab 16 Jahren gelten dieselben Regelungen wie für Erwachsene (schriftliche Erklärung zu einem Zeitpunkt, zu dem die Einwilligung noch möglich war).

Auch hier scheinen mir die Kriterien nachvollziehbar zu sein und auch die Handhabung in dem Fall oben erscheint mir nachvollziehbar.

Gegenwärtig ist in Deutschland die Selbsttötung natürlich erlaubt, auch die Beihilfe ist erlaubt (weil für die Beihilfe eine strafbare Tat vorliegen muss, was beim Selbstmord nicht der der Fall ist).  Allerdings ist man da natürlich evtl schnell in dem Bereich, in dem Mann die eigentliche Tatherrschaft hat und dann wäre es wieder strafbar.

Die echte „Tötung auf Verlangen“ ist in § 216 StGb geregelt:

(1) Ist jemand durch das ausdrückliche und ernstliche Verlangen des Getöteten zur Tötung bestimmt worden, so ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu erkennen.
(2) Der Versuch ist strafbar.
Eine gewisse Grauzone aber wohl zugelassen sind palliative Maßnahmen, bei denen bei schweren Erkrankungen die Schmerzmitteldosis erhöht wird und dadurch der Tod etwas früher eintritt.
Aus meiner Sicht wäre eine professionelle Sterbehilfe nach den niederländischen Kriterien sehr empfehlenswert.
Das auch gerade, wenn man sich diese Zahlen aus den Niederlanden anschaut:
Im vergangenen Jahr nahmen laut offizieller Statistik 6585 Niederländer Sterbehilfe in Anspruch. Das entspricht 4,4 Prozent aller Sterbefälle in dem Land. Die meisten litten unter einem unheilbaren Krebsleiden, nur wenige unter psychischen Problemen.
Wer schon mal unheilbare Krebsleiden im Endstadium erlebt hat, der kann die Entscheidung lieber vorher zu sterben sicherlich nachvollziehen.
Was ist eure Meinung dazu?

51 Gedanken zu “Sterbehilfe

  1. Ich verstehe vor dem Hintergrund der NS Euthanasie die Zögerlichkeit in Deutschland beim Thema Sterbehilfe.

    Allerdings ist es auch moralisch vertretbar, wenn bei unheilbar kranken das Leiden auf eigenen Wunsch verkürzt wird. Oder bei Unfall / Schlaganfallopfern, die dies in einer Patientenverfügung hinterlegt haben.

    Im Fall des Niederländischen Mädchens ist das schwierig. Ein posttraumatisches Stresssyndrom aufgrund erlittener körperlicher und sexueller Gewalt als „aussichtslos und unerträglich“ zu beurteilen, fällt dem Arzt sicherlich schwer.
    Aber: was sie nicht erhalten hat, war kompetente Hilfe in einem Setting, das sie als Person und als Leidende ernst nimmt. Anscheinend waren das eher Gefängnisartige Zustände.

    Das ist mit Sicherheit ein tragischer Fall, der einiges über Verbesserungsmöglichkeiten im Umgang mit psychisch kranken Jugendlichen in den Niederlanden aufzeigt. Nur kann man meiner Meinung nach keinem Arzt zumuten, depressive Teenager umbringen zu müssen, weil sie es so wollen. Das können die ruhig selber erledigen, wenn sie es unbedingt wollen. So wie Werther, Romeo,

    Das scheint mir aber auch wieder diese Geisteshaltung zu sein, sich an eine höhere Instanz wenden zu müssen, um seine eigenen Probleme zu lösen.
    Die Uni muss meinen Belästiger bestrafen.
    Der Staat muss für einen gleichen Frauenanteil im Parlament sorgen.
    Der Arzt muss mich umbringen, wenn ich nicht mehr will.

    Wobei 20 Selbstmordversuche auch ein Zeichen sind, dass man Leben will, sonst bräuchte man nur einen. Noch ein Grund mehr für einen Arzt, sich dem zu verweigern.

    Im Übrigen begehen männliche Jugendliche 3-4 mal so häufig Selbstmord wie weibliche, dafür unternehmen weibliche mehr Versuche.

    • Meine Zustimmung zu dem recht differenzierten Kommentar!
      Bei der Diskussion dieses Themas und insbesondere der Abfassung pompöser Gesetze sollte man sich aber auch immer über die (unbeabsichtigten?) Konsequenzen im Klaren sein, denn damit ist unumgänglich die ständige Frage in den Raum gestellt: was ist lebens(un)wertes Leben; wann ist mein Leben unzumutbar – für mich und/oder für andere.
      Welche „Vorbild“-Wirkung geht von Problem-„Lösungen“ wie dem o.g. Beispielfall aus – mit welchen Konsequenzen?

    • Ich verstehe vor dem Hintergrund der NS Euthanasie die Zögerlichkeit in Deutschland beim Thema Sterbehilfe.

      Ich nicht.
      Man sollte schon die Euthanasie zur NS-Zeit und ein freiwilliges Ableben unterscheiden können. Dann erspart man sich jegliche „Zögerlichkeit“.

      Generell halte ich aber eher wenig von Selbstmord. Gerade wenn es um psychologische Aspekte geht, ist in der Regel Hilfe möglich, so sie denn angeboten wird. Und da liegt dann wahrscheinlich der entscheidende Punkt.

      Etwas anderes sind unheilbare Krankheiten, die nun wirklich jegliche Hoffnung im Keim ersticken lassen. Wenn jemand sich in so einem Zustand zum Suizid entschließt, ist das für mich durchaus nachvollziehbar und akzeptabel.
      Die Frage ist, ob man mit Sterbehilfe Geld verdienen können sollte.

        • Verstehe.

          Wäre es meine Tochter gewesen, hätte ich wohl krumme Finger gemacht, bzw, mir stehen andere Optionen zur Verfügung. Aber das ist keine allgemeine Lösung, es könnte Unschuldige treffen und das ist unverantwortlich.

          Ich hab mal nen Film gesehen, ein Western. Da wird einer Frau mit Vergewaltigung gedroht und sie sagt, ist mir doch egal, dann wasch ich mich und alles ist wieder wie vorher.

          Femis schwadronieren doch gerne, das Vergewaltigung schlimmer als Mord sein. Ist sie nicht. Frau kann sich waschen und es abhaken. Oder sie kann eine PTBS entwickeln.

          Was ist sinnvoller und hilfreicher? Und wie kann man die Einstellung ändern?

          Übrigens hätte die betroffene Frau einfach von einer Brücke springen können, warum Richter und Mediziner damit in ein moralisches Dilemma bringen? Versteh ich nicht….

          • Danke, mir war der Titel entfallen.

            Wie siehst du als Frau die Sache?

            Ich als Mann hatte auch schon Sex mit Frauen, obwohl ich nicht wollte. So what? Gründlich duschen und gut isses. Aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung und ich will das nicht verallgemeinern.-

          • was für ein Blödsinn.
            Natürlich ist eine Vergewaltigung nicht schlimmer als Mord. Aber es ist trotzdem eines der schlimmsten Dinge die man einem Menschen antun kann. Und ob sich da ein Trauma entwickelt, hängt von so vielen Dingen ab. Aber waschen und abhaken, und dann ist es nie passiert, das ist sicherlich auf lange Sicher eher nicht hilfreich, sondern führt erst recht zu einem Trauma.

            @Mika
            Du wurdest gezwungen? Oder du hast es halt über dich ergehen lassen, weil es einfacher war. Das ist der gravierende Unterschied. Hilflosigkeit und Fremdbestimmtheit.

          • Du wurdest gezwungen? Oder du hast es halt über dich ergehen lassen, weil es einfacher war. Das ist der gravierende Unterschied.

            Wo siehst du da den Unterschied?
            Wenn es einfacher ist, Sex gegen seinen Willen zuzulassen, als sich zur Wehr zu setzen, steht dahinter kein Zwang? Ist der Sex am Ende sogar gewollt?
            Würdest du das auch der Frau erzählen, die ein Messer am Hals spürt, während sie gerade von jemandem „verwöhnt“ wird?

  2. Ich kann ihren Willen als gesunde 17 jährige überhaupt nicht nachvollziehen. Wenn einem das eigene Leben egal ist, hat man doch die ultimative Freiheit, alles zu tun was man will.

    • Aber die „Verantwortung“ dafür können nur, und sollen gefälligst Andere übernehmen, im so gewohnten kuscheligen „betreuten Leben“ seit Krippen-Zeiten…

    • Ich finde es nicht problematisch, wenn man -wenn es die Einrichtung gibt – sich an diese wendet, um es auf eine schmerzlose, passende Weise zu machen. Sicherlich war da auch Politik dabei, aber sie wollte ja, wie ihr Suizid zeigt, tatsächlich sterben.

      • Chris, hast du mal jemanden elend sterben sehen, oder jemanden getötet?

        Es ist voll Scheiße und du wirst die Bilder nie wieder los. Ich hätte ihr nicht diesen Wunsch erfüllt. Nicht wegen ihr, nein, weil ich nicht töten will, jedenfalls nicht ohne wirklich wichtigen Grund. Und eine Vergewaltigung ist kein Grund – in meinen Augen.

        Überdenk das bitte nochmal.

        • Bei der Möglichkeit der assistierten Selbsttötung (Können wir den scheiss „Mord“ mal weglassen?) geht es doch exakt genau darum, _nicht_ „elend zu sterben“ – es geht darum, in Ruhe und Frieden und schmerzfrei gehen zu können. Und das willst Du verweigern?

          Und die Formulierung „eine Vergewaltigung ist kein Grund“ fasst diesen Fall nur aüsserst unpassend zusammen. Das Mädchen / die junge Frau hatte ja nun schon mehrere Jahre des Leidens und der damit verbundenen Entschlussfindung hinter sich, es hätte viele Gelegenheiten gegeben, für sich festzustellen, dass es ja doch weiter geht. Ging es für sie offensichtlich nicht.

          Und wenn ich diesen Entschluss gefasst habe, dann möchte ich doch lieber in einem Bett friedlich einschlafen, statt von einer Brücke zu springen, wie du oben schreibst. Vom Risiko, schwerstverletzt doch zu überleben mal abgesehen – irgendwer muss die Leiche dann wegräumen oder wird sie irgendwann finden. Und wie die nach so einem Aufprall aussieht, das möchte ich mir nicht vorstellen. Warum hast du damit, das einem Dritten zuzumuten, kein Problem?

          • Marc, um deinen letzten Satz aufzugreifen, ich will niemandem etwas zumuten. Und ich will schon gar nicht jemandem zumuten, einen anderen Menschen zu töten.
            Und ja, Leichen können eine Zumutung sein. Die Brückenspringer sind dabei noch harmlos. Putz mal nen Zug, der wen überrollt hat, da kommt Freude auf. Aber egal.

            Dem Mädel hätte man helfen können, aber nicht mit Tötung. Es gibt bessere Wege.

            und willst du jemanden töten? Schon mal die Erfahrung gemacht? Denk mal nicht an das Mädel, denk an den, der das Mädel direkt, oder indirekt tötet. Ich möchte das nicht tun.

            Willst du es tun? Selbst mit Gift ist das keine schöne Sache.

          • @Mika – Nein, ich habe noch nie jemanden getötet, ich möchte es auch nicht tun. Aber das ist wirklich keinerlei Begründung, für andere zu entscheiden. Es gibt viel, das ich nicht tun möchte, vielleicht auch nicht könnte, das aber getan werden muss – und es wird getan, von anderen, stabileren Menschen.

            Wir reden hier ja eben auch nicht von „den Abzug drücken“ oder ähnliches, wir reden davon, jemandem zB eine Gerätschaft zur Verfügung zu stellen, die dieser auslösen kann, um einzuschlafen. Und ich kenne Menschen, Freunde, die den friedlichen, weil stark sedierten und halbwegs schmerzfreien Tod eines an Krebs stebenden Geliebten miterlebt haben. Und es war für alle Seiten eine Befreiung.

            Das Sprichwort „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“ hat viel wahres an sich.

          • Marc, wenn du nie getötet hast, dann kannst du keine Meinung haben. Dann ist alles nur Blabla……

            du kannst da nicht mitreden.

          • „wenn du nie … hast, dann kannst du keine Meinung haben. Dann ist alles nur Blabla……“

            Ich werde dich das jetzt bei jeder Gelegenheit fragen und wenn du es nicht schon selbst gemacht hast, ich deine Meinung einfach immer nur Blabla…

          • Matze, du fällst auf die Nase, ich schreibe nicht, wenn ich keine Ahnung habe:-)

            Oder ich kennzeichne es entsprechend. Damit kommst du mir nicht bei.

          • Abwarten, hier werden so viele Themen diskutiert, da kann man mit so einer Einstellung jedem einen Strick draus drehen.

          • @Mika – Ich Naivling dachte, wir könnten diskutieren. Aber:

            „Marc, wenn du nie getötet hast, dann kannst du keine Meinung haben. Dann ist alles nur Blabla……
            du kannst da nicht mitreden.“

            Was soll man nach so einer dummen dummen dummen, abgrundtief ignoranten Aussage noch sagen?

            Ausser eins: Es hat seinen offensichtlichen Grund, warum du bei meinem vorherigen Post nur den letzten Satz aufgegriffen und den Rest ignoriert hast.

            Aber suhl‘ dich nur weiter in deiner elitären Erkenntniswelt.

      • Die meisten Leute wollen das irgendwann mal. Das heißt nicht, dass es besonders schlau ist. Existieren ist in aller Regel besser als nicht zu existieren.

      • „Sicherlich war da auch Politik dabei, aber sie wollte ja, wie ihr Suizid zeigt, tatsächlich sterben.“

        Ich kenne den Fall selbst nicht genug, um mir ein Urteil erlauben zu können.
        Aber grob aus dem Hintergrund heraus hätte ich eher exakt das Gegenteil interpretiert.
        Sie wollte LEBEN, konnte aber das erlittene Trauma nicht überwinden.

        Ich weiß aus einer persönlichen Erfahrung heraus, dass mancher Selbstmordwunsch entsteht, weil man sich in einer aussichtslos Lage wähnt und irgendwann zu kämpfen aufgibt. Die Metapher mit den beiden Fröschen in dem Milchfass kommt dem recht nahe.
        Erfährt man Hilfe aus dem Dilemma, dann ist das Leben danach nicht nur wunderschön, sondern auch erstrebenswert.

  3. §211 StGB definiert (zugegeben, für Deutschland), was Mord ist:

    (2) Mörder ist, wer

    aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen,
    heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder
    um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken,
    einen Menschen tötet.

    Beim so genannten Selbstmord fehlen die niederen Beweggründe und die Heimtücke/Grausamkeit. Ich würde vorschlagen es Selbsttötung oder Suizid zu nennen.

    Dass man in Deutschland beim Wort Euthanasie an die NS-Zeit denkt, ist unumgänglich, aber zwingt einen nicht, sich dem ersten Impuls zu überlassen. Was die Nazis darunter fassten, war nicht freiwillig, es ging nicht von den Opfern aus, es war nicht in deren Interesse, sondern das war Mord, der nur als leichter Tod (lt. Wikipedia die griechische Wortherkunft) sprachlich verbrämt wurde.

    Insbesondere die christlichen Kirchen reiten da auf einer vermeintlichen Analogie oder Gefahr rum, haben in Wahrheit jedoch ein ganz andere Motivation die menschliche Selbstbestimmung am Lebensende zu durchkreuzen, insbesondere überkommene Vorstellungen davon, dass das Leiden eine Strafe oder zumindest Prüfung Gottes sei, die man annehmen muss, kein Eingriff in Gottes Schöpfung usw., Erfüllung des Sinns des Lebens durch Leiden in der Nachfolge Christi. Das verkauft sich nicht mehr gut, also werden Ausweichargumente ins Feld geführt.

    @_Flin_:

    Nur kann man meiner Meinung nach keinem Arzt zumuten, depressive Teenager umbringen zu müssen, weil sie es so wollen. Das können die ruhig selber erledigen, wenn sie es unbedingt wollen.

    Ich kenne das niederländische Gesetz nicht, aber was in Deutschland zur Debatte stand, das waren immer Gesetze, die dem Arzt erlauben die Selbsttötung zu unterstützen, nie die Pflicht des Arztes solche Unterstützung zu leisten. Das würde sich mit meinem Moralempfinden decken und sollte auch arbeitsrechtlich nicht möglich sein, einen Arzt zu derartigem zu verpflichten.

    Auf der anderen Seite stand in Deutschland meines Wissens nie etwas anderes, als die Tötung auf Verlangen für diejenigen zur Diskussion, die es selbst nicht bewirken können. Ich frage mich auch, wieso es die Teenagerin nicht selbst tut, wenn sie dazu in der Lage ist.

    @Mika:

    Frau kann sich waschen und es abhaken.

    Das ist wirklich ein unsachlicher Kommentar. Wenn das einer Frau/einem Mädchen gelingt, schön. Das heißt nicht, dass es jeder gelingt, wenn sie nur will.

    Dennoch habe auch ich schwere Zweifel, dass sie nicht mit Hilfe von Therapeuten zu einem lebenswerten Leben hätte finden können. Ich glaube nicht, dass ich ihr Giftpillen besorgt hätte, wenn ich es hätte tun können.

    Mit einer Patientenverfügung und einem Durststreik ist es wohl auch hier möglich, seinem Leben ein Ende zu setzen, ohne von einer Brücke springen zu müssen.

  4. Was waren denn das für Zustände in denen die lebte? Mißbraucht beim Kindergeburtstag und dann auch noch vergewaltigt?

    Wie auch immer, ich kann eine gewisse Todessehnsucht nachvollziehen. Vom esoterischen Standpunkt aus, hat sie mit ihrem Selbstmord allerdings einen Fehler gemacht, den sie auf der anderen Seite sicherlich bereuen wird. Zumindest ist das z.Z. die eindeutige Aussage der Jenseitsforschung von Michael Newton bis zu diversen Nahtodeserlebnissen, ITK, Reinkarnationsforschung usw. lediglich bei starkem körperlichem Schmerz gilt das wohl als akzeptabel. Angeblich suchen wir uns unser Leben vorher aus und sollen/wollen halt an den entsprechenden Problemen wachsen, ein Selbstmord versaut das alles.

    Kann man glauben oder auch nicht, ist auf jeden Fall mal keine schlechte Einstellung. Bei psychischen Problemen würde ich Sterbehilfe jedenfalls nicht zulassen, nicht wegen der Esoterik, sondern weil psychische Probleme behandelbar und überwindbar sind und Sterbehilfe das „in den Selbstmord drängen“ noch leichter machen würde.

    • Das ist 5th Generation Warfare.
      Massenpsychologisch.
      Alleine das wir die Täter nicht genannt bekommen, es sind immerhin die Niederlande, verrät doch genug.

      • Welche Täter denn?
        Die hat sich zu Tode gehungert. Wäre mir neu, dass irgendwer die Pflicht gehabt hätte sie zum Essen zu zwingen. Im gegenteil wäre das eine Straftat gewesen.

  5. Bei unheilbar Kranken, deren Tod unmittelbar bevorsteht, halte ich aktive Sterbehilfe für vertretbar. In allen anderen Fällen ein klares Nein.

  6. Ich kann mich gut erinnern an die letzten Lebensjahre meiner dementen Oma. Sie war außerdem diagnostiziert mit weiteren, mehr oder weniger gängigen Altersleiden wie Osteoporose, Arthrose, Rheuma, Gicht, Bluthochdruck, Adipositas und nicht zuletzt einem starken Rückenleiden, das irgendwann als „Bruch“ der Wirbelsäule bezeichnet wurde, wegen dem sie ein Korsett tragen musste und über lange Jahre Morphium einnahm.

    Dieses Medikament hat sie m.M.n. erst dement und letztlich dann eben bewegungsunfähig gemacht. Mehrfach sind wir mit ihr ins Krankenhaus, weil sie uns ungewöhnlich apathisch und bleich vorkam – entgegen dem Rat der Hausärztin allerdings, die auf unsere Schilderung ihres Zustands beim ersten Vorfall original entgegnete: „Was erwarten Sie? Die Frau ist 80!“ (Was für eine Frechheit!!!)

    Im Krankenhaus stellte man dann (mehrmals) eine Magenblutung und dadurch bedingten, starken Blutverlust fest, aber sie hüpfte dem Tod von der Schippe. Ich kann gar nicht wiedergeben, wie wir angesehen wurden nach Deklaration ihrer Medis. Die wechselnden Ärzte im Krankenhaus haben jeweils das Morphium sofort und komplett abgesetzt und uns das Gefühl gegeben, wir würden sie damit regelrecht umbringen wollen. Konsequenz dessen waren vorhersehbar und leider schlimme, schlimme Schmerzen. Sie konnte sich zu diesem Zeitpunkt kaum noch äußern (ich war eine von zwei Personen, die sie noch erkannte und als „Mama“ ansprach), aber natürlich haben wir das gemerkt und nur schwer ertragen können.

    Stabilisiert und nach Hause entlassen, lief die Morphiumgabe – selbstverständlich auf Anraten der behandelnden Ärzte – dann eben auch wieder weiter. Irgendwann konnte sie nicht mehr selbstständig schlucken und erhielt eine Magensonde zur künstlichen Ernährung. Danach dauerte ihr Dahinsiechen noch einige weitere Monate, schlussendlich starb sie (im Krankenhaus) an einem Wassereinbruch in der Lunge, sprich wir haben dabei zugesehen wie sie quasi ertrank.

    (Genau einen Tag nach ihrem Tod wurde uns ironischerweise endlich die verschriebene Wechseldruckmatraze geliefert. Wir haben wohl einfach viel zu spät ihre Krankenkasse explizit um Hilfe gebeten, hatten auch unsere Schulung, wie wir sie – die deutlich schwerer war als wir – rückenfreundlich aus dem Bett hieven und allgemein lagern sollten erst wenige Wochen vor ihrem Ende).

    So anstrengend und belastend die mehr als 3 Jahre häuslicher Intensiv-Pflege auch für uns Alle waren… einen üblen, depressiven Schub hatte ich erst im Anschluss. Und mir blieb auch darüber hinaus Gefühl erhalten, dass da irgendwas ganz ganz falsch gelaufen war, es nicht so hätte enden dürfen.

    Es wäre richtig gewesen (Jahre bevor es so steil bergab ging natürlich), zunächst ihr Übergewicht stark zu reduzieren (ihr war überhaupt nicht bewusst, wieviele Kalorien z.B. die ganzen, von ihr wegen des Calciums verschlungenen Joghurts so hatten…) und ihr (vom Profi begleitetes) Krafttraining, Akupunktur & Massagen zu verordnen – statt der regelmäßigen Spritzen, mit denen man ihre Rückenschmerzen anfangs „in den Griff“ zu kriegen versuchte (bis die dann halt nicht mehr ausreichten).

    Meine zweite Oma ist an (Darm-)Krebs gestorben, auch sie haben wir ihre letzten Lebensjahre über in häuslicher Umgebung gepflegt. Sie hatte sich zwar operieren lassen, sich aber gegen die Chemo ausgesprochen. Sie war bis zu ihrem Ende geistig fit und hat im Vergleich viel viel weniger gelitten.

    Beide Frauen waren sehr katholisch, haben Kraft im täglichen Gebet gefunden. Wenn sonst Nichts half meine völlig verwirrte Omi zu trösten und zu besänftigen, legte ich ihr den Rosenkranz in die Hand und fing an die Worte zu murmeln… und konnte dabei zusehen, wie sie ruhiger wurde. Religion ist eine Stütze für schwache Menschen, das hab ich immer gesagt… und jeder wird mal schwach.

    Bezogen auf den Fall Noa finde ich es instinktiv natürlich sehr falsch, dass Arzt und Eltern sie haben sterben lassen. Ihr Schicksal ist ja bei Weitem nicht einzigartig, es hätte doch leicht möglich sein müssen, sie mit ebenfalls Betroffenen zusammenzubringen, die ihr Hoffnung auf eine bessere Zukunft hätten machen können?

    Ist es denn wirklich vorstellbar, dass man keinerlei (Lebens-)Wünsche (und sei es im Rahmen einer bucket list) aus ihr hätte rauskitzeln können?

    Was für Medikamente hat sie überhaupt bekommen und welche Therapien wurden bei ihr versucht? Sind eigentlich die Täter bekannt geworden und zur Verantwortung gezogen worden?

    Sie hat ja ein Buch geschrieben, vielleicht sollte ich da einfach mal nachlesen…

  7. „es hätte doch leicht möglich sein müssen, sie mit ebenfalls Betroffenen zusammenzubringen, die ihr Hoffnung auf eine bessere Zukunft hätten machen können?“

    Klar. Total leicht. Die sind da aber alle einfach nicht drauf gekommen, oder hatten keine Lust oder so. Dabei steht im Artikel doch sogar, dass es eine Traumabehandlung gab, die noch nicht zu Ende geführt wurde. Welche Therapien sie gemacht hat, wäre zwar vielleicht interessant, aber geht uns eigentlich überhaupt nichts an.

    • “ Welche Therapien sie gemacht hat, wäre zwar vielleicht interessant, aber geht uns eigentlich überhaupt nichts an.“
      ——————————
      Wie überzeugend ist denn eine solche „Argumentation“? Wenn uns die Klärungsbedürftigkeit bestimmter Fragen hierzu abgesprochen wird, die zu stellen aber durchaus angebracht wären, um eine fundierte Beurteilung zu dem Fall, und zu der uns daran „verdeutlichten“ Problematik abgeben zu können, dann ist damit aber auch zugleich die Frage gestellt, warum uns solche Fälle mit selektiver Info-Basis überhaupt präsentiert werden!

    • Je mehr ich erfahre, desto fragwürdiger find ich das Ganze:

      „In ihrem Buch klagt sie die niederländische Jugendhilfe an. So gäbe es keinerlei Einrichtungen in den Niederlanden für Jugendliche, die wie Pothoven unter massiven psychischen Problemen litten. Pothoven selbst stand auf etlichen Wartelisten für psychiatrische Behandlungen. Die Bürokratie bezeichnete sie in ihrem Buch als „zum Verrücktwerden.“ Auch Therapiemethoden wie das Einschließen in Isolationszellen empfand sie als traumatisierend.“

      https://www.uni-muenster.de/NiederlandeNet/aktuelles/archiv/2019/0606-NoaPothoven.html

      In dieser Isolationszelle (!) hat sie laut wiki innerhalb von zwei bis drei Monaten übrigens ihr Buch geschrieben, das dann herausgegeben wurde als sie 16 war (und damit viiiiel zu früh, wenn Du mich fragst. Als Elternteil hätt ich dem schon sicher nicht zugestimmt).

      „Die grüne Abgeordnete Lisa Westerweld, die der Tortur Noahs folgte und sie zwei Tage vor ihrem Tod besuchte, kritisierte diese Woche im Parlament die Mängel des Jugendschutzsystems. „Noa wurde fünfzig Mal von verschiedenen Diensten registriert“sie sagte, ohne irgendeine Hilfe, die wirkungsvoll ist.“

      https://www.nach-welt.com/welt/der-selbstmord-des-17-jahrigen-noa-lost-internationale-unruhen-aus/

      „Laut Medienberichten sollen ihre Eltern und Ärzte zugestimmt haben, sie nicht weiter über einen Schlauch in ihrer Nase notzuernähren. …

      Vor ihrem Tod hatte die 17-Jährige eine Bucketlist abgearbeitet. Ihre Wünsche: „Nichts Großes. Zum ersten Mal Roller fahren, eine Zigarette rauchen, Alkohol trinken und mich tätowieren lassen.“ So seien nun die Worte „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“ auf ihrem Körper verewigt.

      In einem letzten verzweifelten Versuch, das Leben ihrer Tochter zu retten, hatten Noas Eltern sie zuletzt noch in ein Krankenhaus gebracht, in dem man versuchen wollte, ihre schweren Depressionen mit einer Elektroschocktherapie zu behandeln.“

      https://www.stern.de/neon/herz/psyche-gesundheit/noa-pothoven–die-17-jaehrige–die-die-erlaubnis-zu-sterben-bekam-8741368.html

      Isolationszelle (über Monate!) und Elektroschocks für eine durch sexuelle Gewalt traumatisierte, in der Folge anorektische Minderjährige, die man dann, weil „das Alles“ nicht geholfen hat nicht am Leben erhält, obwohl man könnte? Ey sorry, das will ich ja gar nicht glauben…

  8. Ich bin definitiv für Sterbehilfe und sehe die Zögerlichkeit aufgrund der Nazi-Verbrechen als unangbracht an: Denn die haben lediglich das Wort Euthanasie für Morde missbraucht. Bei der Sterbehilfe soll es aber eben nicht darum gehen, dass andere über ein Leben bestimmen, sondern derjenige, dessen Leben es ist. – Selbstbestimmung ist das Ideal, um das es geht. Und damit hatten die Nazis nun wirklich nichts am Hut.

    Ehrlich gesagt suche ich auch noch immer nach einem wirklichen Argument dafür, warum Suizid nicht erlaubt sein soll. Ja, in vielen Fällen entspringt der Wunsch einem kurzzeitigen Impuls, oder eigentlich wird etwas ganz anderes gewollt. Psychische Krankheiten können ebenfalls die Willensbildung stören.

    Aber wenn das nicht der Fall ist und jemand schlicht nicht leben will… mit welchem Recht hindern wir ihn daran, sein Leben so zu leben, wie er es möchte (nämlich kurz)? Nicht der Fortbestand eines Kreislaufsystems, die Menschenwürde ist das höchste Gut in unserem Grundgesetz. Dennoch wird in diese eingegriffen, indem man seiner Freiheit und Selbstbestimmung beraubt wird, wenn man für erstere den eigenen Tod angemessen hält.

    Mir ist völlig klar, dass es Missbrauchsmöglichkeiten und dergleichen gibt. Aber die gibt es bei vielen Dingen, die man dennoch nicht generell verbietet.

    • „Bei der Sterbehilfe soll es aber eben nicht darum gehen, dass andere über ein Leben bestimmen, sondern derjenige, dessen Leben es ist. – Selbstbestimmung ist das Ideal, um das es geht.“
      ———————————————
      Wieviel „Selbstbestimmung“ liegt denn darin, wenn z.B. alte Menschen, die nicht mehr „produktiv“ sind oder die befürchten (denen man subtil den Eindruck vermittelt hat), anderen weiter „zur Last zu fallen“, wenn sie z.B. auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sind? Werden diese und andere nicht mehr oder weniger „genötigt“, den dann „institutionalisierten Weg“ des „sozialverträglichen Ablebens“ via „Sterbehilfe“ zu gehen?
      ——————————————-
      „Aber wenn das nicht der Fall ist und jemand schlicht nicht leben will… mit welchem Recht hindern wir ihn daran, sein Leben so zu leben, wie er es möchte (nämlich kurz)?“
      ——————————————
      Konnten denn die vielen Freitode in der Vergangenheit und bislang immer vereitelt werden?
      Es geht hier bei der besagten „Sterbehilfe“ um die institutionalisierte Einbeziehung und Verantwortungs-Delegation; das ist wohl nicht unbedingt gleichzusetzen mit SELBST-Bestimmung!

      • Das Argument der alten Menschen, die sich nicht trauen, weiter zu leben, kenne ich. Aber viele Leute tun Dinge aus falsch verstandenem Pflichtgefühl (ihre Häuser überschreiben, heiraten, unnötige Dinge kaufen, weil der Vertreter doch soviel Zeit in das Gespräch investiert hat) – deswegen kann man doch eine Sache an sich nicht verbieten.

        Und natürlich können Freitode nicht immer verhindert werden. Bei vielen bin ich froh, dass sie es wurden und die so vor sich selbst Geretteten sind es später auch. Das will ich überhaupt nicht leugnen. Mir geht es nur darum, dass ich – ernsthafte Frage – nicht weiß, auf welcher moralischen Grundlage man jemanden zum Leben zwingen will.

        Eine Verantwortungs-Delegation will ich hier auf keinen Fall befürworten. Es soll in der Entscheidung des Betroffenen liegen und niemand darf gegen sein Gewissen dazu gezwungen werden, ihm beim Sterben zu helfen. Aber ein System, das den Sterbewilligen hilft, ihre Qualen zu beenden, sollten wir einrichten und nicht das Leid bestehen lassen, aus Sorge, jemand könnte da etwas tun, das er eigentlich nicht will.

        • Deine Absichten klingen durchaus lauter für mich. Ich habe aber generelle Vorbehalte gegen allzu viele gesetzliche Regelungen, die häufig die relevanten Sachverhalte verschlimm“bessern“.
          Zudem befürchte ich, nicht von ungefähr, eine Eigen-Dynamik institutionalisierter Prozesse, gerade in einem so sensiblen Bereich wie „Sterbehilfe“!

          • based

            Man reicht in dem Bereich einmal den kleinen Finger und kaum guckt man nicht ist ein ganzes kleines Mädchen in der Todeskammer.

        • Hast Du eine Patientenverfügung? Dann gehörtest Du zur verschwindenden Minderheit.
          Falls nicht, sind im Zweifelsfall bekanntlich alle möglichen, lebensverlängernden Maßnahmen geboten, selbst wenn Dein Fall aussichtslos wäre. Möchtest Du das?

          Der Mann einer Bekannten bspw. hat vor über 4 Jahren (im Alter von 42) einen Schlaganfall erlitten und liegt seither im Wachkoma. Es ist gut möglich, dass sie (berufstätig, 3 Kinder) ihn (mit Unterstützung durch einen Pflegedienst) bis zu 30 Jahre oder gar länger in ihren 4 Wänden wird pflegen müssen (auswärts geparkt würde die Sache für sie freilich noch kostspieliger). Siehst Du eine moralische Grundlage für diese ihr auferlegte Pflicht?

          • Jeder Fall liegt anders, und ich bin nicht davon überzeugt, daß eine Patienten-Verfügung pauschal alle etwaigen Fragestellungen im Zweifelsfall lösen kann. Ich sehe darin eher eine Verantwortungs-Delegation, wie sei uns heutzutage ja immer gerne nahegelegt wird, denn dann sind wir ja „für alle Fälle immer bestens versorgt“ – all inclusive – wie es Euch gefällt?!

          • „ich bin nicht davon überzeugt, daß eine Patienten-Verfügung pauschal alle etwaigen Fragestellungen im Zweifelsfall lösen kann“

            Kann sie auch nicht. Nur in der Praxis stehen Ärzte und insbesondere Angehörige ohne eine solche, formulierte Willenserklärung (also im Regelfall des Zweifelsfalls) vor einem noch größeren Dilemma als mit.

            Und es gibt hier ja Menschen, die erwarten von unserem Staat, er solle Tötung auf Verlangen bzw. assistierten Suizid u.U. legalisieren (was auch meinem Empfinden nach mehr Probleme mit sich brächte als löste), die ich hier bloß ganz dezent an ihre Eigenverantwortung im Rahmen der gegenwärtigen Möglichkeiten erinnern wollte.

            Sehr wahrscheinlich hat noch niemand von denen sich mit seinem Arzt hingesetzt und präventiv festzuhalten versucht, in welchen Fällen man ihn („naturnah“) sterben lassen sollte. Weil die Wenigsten sich damit befassen (wollen), solange sie gerade auch psychisch einigermaßen auf der Höhe sind.

            Ich verstehe das ebenso gut wie den Gedanken „wofür sollte man jemanden zum Leben zwingen“?
            Nur kein Mensch ist eine Insel. In jedem Fall sind weitere Personen von (D)einer existenziellen Entscheidung betroffen – sei es nun die zum Suizid oder zu(m Aufschieben) einer Patientenverfügung (und wenn man gerad dabei ist, kümmert man sich hoffentlich auch um einen Organspendeausweis…).

  9. Ja, falsch (und ich gehe mal davon aus, dass du statt: „Forderungen“, meinst: „Förderung“). Worum es da geht, ist doch eigentlich recht klar überschrieben – und im Text beschrieben. Ist halt nichts zum Überfliegen. 😉

    Kurz: Wenn die Beihilfe zum Suizid geschäftsmäßig erfolgt, ist sie verboten und strafbar (§ 217 StGB). Daher ist deine Pauschallegalisierung der Beihilfe zum Suizid falsch.

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