Sterbehilfe

Passend zur Ausgießung des heiligen Geistes bietet sich eine Diskussion über einen Fall an, bei dem eine Minderjährige in den Niederlanden Sterbehilfe erhalten haben soll. Sie sah ihr Leben als sinnlos an, weil sie als mit 12 und dann später noch im Alter von 14 mißbraucht worden war.

Es war wohl letztendlich keine Sterbehilfe, sondern Selbstmord, aber der Fall sorgte dennoch für eine Diskussion:

Es ist eine Nachricht, die um die Welt ging: Noa Pothoven, eine 17-jährige Niederländerin, soll in einer Klinik aktive Sterbehilfe erhalten haben und so am Sonntag gestorben sein. Am Mittwoch folgte eine Korrektur: Nein, das End-of-Life-Krankenhaus in Den Haag habe den Wunsch des Teenagers abgelehnt, aktive Sterbehilfe zu leisten.

Niederländischen Medienberichten zufolge habe sie sich stattdessen seit Juni geweigert, Nahrung und Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Ihre Eltern und die Ärzte entschieden sich gegen eine Zwangsernährung, sodass Pothoven schließlich am Sonntag starb.

So oder so, die Hintergründe des Todes der aus der Stadt Arnheim stammenden Noa Pothoven sind tragisch. Im vergangenen Jahr veröffentlichte sie ihre preisgekrönte Biografie Gewinnen oder lernen und wurde dadurch landesweit bekannt. Darin schildert sie, wie sie bei Kindergeburtstagen im Alter von elf und zwölf Jahren missbraucht wurde. Mit 14 Jahren wurde sie dann auch noch von zwei Männern vergewaltigt.

(…)

Im vergangenen Sommer wandte sie sich ohne das Wissen ihrer Eltern zum ersten Mal an besagte Sterbeklinik in Den Haag – dort wurde sie aber abgelehnt. Der niederländischen Regionalzeitung „De Gelderlander“ sagte die damals 16-Jährige im Dezember: „Sie finden, ich bin zu jung, um zu sterben. Sie sagen, ich soll die Traumabehandlung abschließen und dass mein Gehirn erst ausgewachsen sein muss, und das wird erst mit 21 Jahren sein. Ich bin am Boden zerstört, weil ich nicht mehr so lange warten kann.“ Sie suche Frieden, erklärte sie.

Ein tragischer Fall, der sich in der Tat für eine Diskussion über Sterbehilfe anbietet. Ich habe mir daher das niederländische Recht dazu einmal in der Wikipedia angeschaut:

Dort heißt es:

den Niederlanden ist nach dem Strafgesetzbuch sowohl die aktive Sterbehilfe (Artikel 293[1]) als auch die Beihilfe zur Selbsttötung (Artikel 294[2]) auch nach dem Inkrafttreten des Sterbehilfegesetzes weiterhin generell strafbar. Wenn allerdings ein Arzt Sterbehilfe leistet und dabei eine Reihe von Sorgfaltskriterien einhält und dem Leichenbeschauer der Gemeinde Meldung erstattet, unterliegt er einem besonderen gesetzlichen Schutz und macht sich nicht strafbar.

Im niederländischen Sterbehilfegesetz sind diese besonderen Sorgfaltskriterien spezifiziert.

Die im Artikel 2 des Gesetzes aufgeführten Kriterien beinhalten, dass sich der Arzt vom Zutreffen folgender Sachverhalte versichert hat:

  1. er ist überzeugt, dass der Wunsch des Patienten freiwillig und nach reiflicher Überlegung geäußert wurde,
  2. er ist überzeugt, dass der Zustand des Patienten aussichtslos und sein Leiden unerträglich ist,
  3. er hat den Patienten über Situation und Aussichten aufgeklärt,
  4. er ist zusammen mit dem Patienten zum Schluss gelangt, dass es für die Situation keine andere annehmbare Lösung gibt,
  5. er hat mindestens einen anderen, unabhängigen Arzt konsultiert, der den Patienten untersucht und zu den unter 1 bis 4 genannten Kriterien eine schriftliche Stellungnahme verfasst hat,
  6. die Lebensbeendigung oder die Hilfe bei der Selbsttötung erfolgt mit der gebotenen Sorgfalt.

Das sind für mich vollkommen rationale Gründe und ich würde es für ein sehr gutes Gesetz halten. Warum soll man Leuten unter diesen Umständen nicht ein menschenwürdiges Sterben erlauben?

Bei Patienten, die nicht in der Lage sind, ihren Willen zu äußern, darf der Bitte um Sterbehilfe oder Hilfe bei der Selbsttötung entsprochen werden, wenn die Person das 16. Lebensjahr vollendet hat und sie zu einem Zeitpunkt, zu dem sie zur vernünftigen Beurteilung ihrer Interessen fähig war, ihre Bitte schriftlich erklärt.

Nach dem Gesetz können auch Minderjährige um Lebensbeendigung auf Verlangen oder Hilfe bei der Selbsttötung bitten. Da die Bitte nur vom Patienten selbst gestellt werden kann, muss dieser zur vernünftigen Beurteilung seiner Interessen fähig sein und seinen Willen äußern können. Eine von Eltern oder Erziehungsberechtigten im Namen des Patienten geäußerte Bitte ist unzulässig.

Bei Minderjährigen im Alter zwischen 12 und 15 Jahren müssen außerdem die Eltern oder Erziehungsberechtigten der Bitte um Sterbehilfe zustimmen. 16- und 17-Jährige können selbstständig entscheiden, die Eltern oder Erziehungsberechtigten müssen dabei jedoch in Entscheidungsfindung einbezogen werden. Sterbehilfe bei Minderjährigen unter 12 Jahren ist unzulässig.

Bei einwilligungsunfähigen Minderjährigen ab 16 Jahren gelten dieselben Regelungen wie für Erwachsene (schriftliche Erklärung zu einem Zeitpunkt, zu dem die Einwilligung noch möglich war).

Auch hier scheinen mir die Kriterien nachvollziehbar zu sein und auch die Handhabung in dem Fall oben erscheint mir nachvollziehbar.

Gegenwärtig ist in Deutschland die Selbsttötung natürlich erlaubt, auch die Beihilfe ist erlaubt (weil für die Beihilfe eine strafbare Tat vorliegen muss, was beim Selbstmord nicht der der Fall ist).  Allerdings ist man da natürlich evtl schnell in dem Bereich, in dem Mann die eigentliche Tatherrschaft hat und dann wäre es wieder strafbar.

Die echte „Tötung auf Verlangen“ ist in § 216 StGb geregelt:

(1) Ist jemand durch das ausdrückliche und ernstliche Verlangen des Getöteten zur Tötung bestimmt worden, so ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu erkennen.
(2) Der Versuch ist strafbar.
Eine gewisse Grauzone aber wohl zugelassen sind palliative Maßnahmen, bei denen bei schweren Erkrankungen die Schmerzmitteldosis erhöht wird und dadurch der Tod etwas früher eintritt.
Aus meiner Sicht wäre eine professionelle Sterbehilfe nach den niederländischen Kriterien sehr empfehlenswert.
Das auch gerade, wenn man sich diese Zahlen aus den Niederlanden anschaut:
Im vergangenen Jahr nahmen laut offizieller Statistik 6585 Niederländer Sterbehilfe in Anspruch. Das entspricht 4,4 Prozent aller Sterbefälle in dem Land. Die meisten litten unter einem unheilbaren Krebsleiden, nur wenige unter psychischen Problemen.
Wer schon mal unheilbare Krebsleiden im Endstadium erlebt hat, der kann die Entscheidung lieber vorher zu sterben sicherlich nachvollziehen.
Was ist eure Meinung dazu?