Virtue Signalling und die Bereitschaft zur Zahlung des tatsächlichen Preises

Virtue Signalling ist dann einfach, wenn man die Kosten nicht oder noch nicht oder nicht selbst tragen muss. Interessant wird es hingegen, wenn Leute ihre Worten Taten folgen lassen müssen und die Signale Kosten verursachen. „Costly Signals“ sind gerade solche Signale, die nur unter Tragung der entsprechenden Kosten gesendet werden können und sie sind gerade deswegen auch ehrliche Signale.

Allerdings ist es gerade in der Politik einfach bestimmte Signale zu senden aber möglichst die Kosten umgehen zu wollen. Das zeigt sich auch in der Klimadebatte:

Although opinion polls show that people care about climate change and want to spend a relatively modest amount to fix it, they want more spent on education, health, job opportunities, and social support. Most Americans, for example, are willing to pay up to $200 per year to fight climate change; in China, the amount is about $30. Britons are unwilling to cut their driving, flying, and meat consumption significantly in order to combat climate change. And although the German government prioritizes climate action so highly that it convened a “climate cabinet,” just one-third of Germans support a controversial proposed tax to reduce global warming.

The gulf between politicians and citizens is most apparent in France. The government vowed to cut CO2 emissions sharply by 2050 – but, embarrassingly, this has turned into an empty promise, with almost no meaningful measures enacted under President Emmanuel Macron. That’s because the “Yellow Vest” protest movement took to the streets to push back against the government’s fuel price surcharges, which disproportionately hit car-dependent people in rural areas.

France is not alone in neglecting its lofty promises. Recent analysis shows that of the 185 countries that have ratified the 2015 Paris climate agreement, just 17 – including Algeria and Samoa – are actually meeting their commitments.

Achieving net-zero emissions wouldn’t just cost a little more than people are willing to pay, but an order of magnitude more. The main economic models assessing the European Union’s plan to reduce emissions by “merely” 80% by 2050, for example, estimate average annual costs of at least $1.4 trillion. And Mexico’s relatively unambitious pledge to cut its emissions by 50% by 2050 will likely cost 7-15% of GDP.

Sieht man die mit einer Reduzierung verbundenen Kosten und die Einschränkungen (also beispielsweise das man eben nicht mit dem Flieger in sonnigere oder interessante Länder in den Urlaub fliegen kann) dann wird deutlich, warum solche Reduzierungen so schwierig sind und warum Grünenwähler zum einen häufig wohlhabender sind oder noch relativ jung und außerhalb des Beruflebens. Die einen können die Kosten eher tragen, die anderen merken solche Ausgaben eben noch nicht in ihren täglichen Leben und können die Sache noch rein ideologisch betrachten.

Es erklärt auch warum es gerade bei relativ gutverdienenden Aktivisten oft relativ einfach ist in der nahen Vergangenheit Bilder von weit entfernten Urlaubsorten zu finden, bei denen der Flug hohe CO²-Produktionen verursacht hat.

Aus meiner Sicht wären etwa CDU etc gar nicht mal so schlecht damit bedient, wenn sie Slogans hätten, die deutlich machen, dass sie die Umwelt schützen, aber die Wirschaft erhalten wollen, etwa „Umweltfreundlichere Energieerzeugung braucht eine starke Wirtschaft, die sie entwickelt“ oder irgendwas in der Art. Die Grünen können sie eh nicht einholen oder sich gegen sie als noch stärker im Umweltschutz darstellen, aber sie können die einfangen, die eben eine deutliche Schranke bei der finanziellen Zusatzbelastung setzen, die sie wollen und das dürften gar nicht so wenig sein. Selbst wenn die Slogans etwas dumm klingen werden sie genug Menschen ansprechen, weil sie letztendlich eben weiter in den Urlaub fliegen wollen und sich weiterhin einiges leisten wollen.

Politiker sollten aus meiner Sicht ohnehin den Unterschied zwischen Virtue Signalling und der Bereitschaft die tatsächlichen Kosten zu tragen erfassen: Kürzlich führte eine Umfrage an, dass sehr viele Leute in Deutschland meinen, dass man bestimmte Meinungen, die sie haben, nicht mehr äußern darf und das insoweit die Meinungsfreiheit indirekt eingeschränkt sind. Das bildet häufig einen solchen Konflikt ab: Man will signallisieren, dass man natürlich Leuten helfen will, dass man nicht will, dass Leute im Mittelmeer ertrinken, aber man ist auch der Auffassung, dass die Frage nicht nur sein kann „schaffen wir das“ sonder auch „müssen wir es in diesem Umfang überhaupt schaffen oder sollten wir deutlich reduzieren“. Sie sind durchaus der Auffassung, dass natürlich Frauen gleichberechtigt sind und Frauen auch in Führungspositionen aufsteigen können sollten, aber sie meinen auch, dass Frauenförderung nicht in Männerhass umschlagen darf oder zu sehr in einen fairen Wettbewerb eingreifen darf. Sie sind der Auffassung, dass Transsexuelle frei und ohne Diskriminierung leben sollen, aber sie sehen nicht ein, dass deswegen Gelder für den Umbau aller Toiletten verschwendet werden muss etc