Opferschutzbeauftragte: Anteil der Männer bei den Hilfesuchenden beträgt 47 Prozent.

Ein Bericht über eine Opferschutzbeauftragte, die angibt, dass etwa die Hälfte derjenigen, die sich an sie wenden, Männer sind (via Manndat):

Für männliche Gewaltopfer gibt es nach Ansicht der NRW-Opferschutzbeauftragten zu wenig Hilfsangebote. «Wir haben viele Männer, die hochbelastet sind», berichtete Elisabeth Auchter-Mainz am Dienstag in Düsseldorf bei einer ersten Bilanz ihrer Arbeit. Unter ihnen seien ehemalige Heimkinder, die sexuelle und körperliche Übergriffe erlitten hätten, aber auch Männer, die Opfer von Betrug oder von häuslicher Gewalt wurden. Die Anlaufstelle hat den Auftrag, Kriminalitätsopfern einen Zugang zu Hilfsangeboten zu vermitteln.

.Die Stelle der Opferschutzbeauftragten wurde von der schwarz-gelben Koalition im Dezember 2017 geschaffen. Seitdem wandten sich bis Ende März 820 Hilfesuchende an das Büro. Männer haben einen überraschend hohen Anteil von 47 Prozent. Ein Grund sei wohl, dass die Beratungsstelle in Köln anonym und ohne Gesichtsverlust besucht werden könne: «Wir sitzen in einem großen Gerichtsgebäude», sagte die ehemalige Generalstaatsanwältin.

Ich könnte mir vorstellen, dass es eine gewisse Anonymität für Männer leichter macht, sich an solche Stellen zu wenden. Auch die neutrale Bezeichnung als Opferschutzbeauftragte trägt sicherlich dazu bei.

Es gebe auch einen Bedarf an Männerhäusern, meinte die Opferschutzbeauftragte. Bislang existieren solche Einrichtungen für Frauen, die Gewalt erlitten. Ein Betroffener habe gesagt: «Männer sind Opfer zweiter Klasse», berichtete die Juristin.

Mehr Hilfen forderte die Beauftragte zudem für ältere Menschen, die etwa Opfer des Enkeltricks wurden. Bei den Staatsanwaltschaften sollten Sonderdezernate für bestimmte Opfergruppen eingerichtet werden, etwa für Opfer häuslicher Gewalt.

Derzeit sind Auchter-Mainz und ihre drei Mitarbeiter unter anderem aktiv nach dem Bekanntwerden der sexuellen Gewalt gegen Kinder auf einem Campingplatz in Lügde und nach dem Busunglück in Madeira mit zahlreichen Opfern aus NRW.

Schön, dass hier eine einseitige Perspektive auf Frauen aufgebrochen worden ist. Es scheint sich etwas zu bewegen

 

5 Gedanken zu “Opferschutzbeauftragte: Anteil der Männer bei den Hilfesuchenden beträgt 47 Prozent.

  1. Deprimierend, dass es derzeit noch undenkbar ist, dass SPD/Grüne/Linke eine derartige Einrichtung initiieren. Der gesellschaftspolitische Fortschritt im Bereich der integralen Geschlechterpolitik ist keine Sache dieser Parteien.

  2. Etwas off-topic, aber da es hier auftaucht:
    „sexuelle[..] Gewalt gegen Kinder auf einem Campingplatz in Lügde“

    Im Radio (vermutlich WDR 5) war ein Beitrag über einen Vater, dessen Tochter missbraucht wurde. Als Minderjährige habe er und seine damalige Freundin ein Baby bekommen. Die Partnerschaft sei in die Brüche gegangen. Er habe kein Sorgerecht gehabt. Später habe sie das Kind zur Adoption freigegeben. Er sei im Rahmen dessen nicht angehört worden und habe folglich erst später davon erfahren. Als er seine Tochter auf dem Campingplatz besuchen habe wollen, sei er gewaltsam vom Adoptivvater vertrieben worden. Er habe sich beim Jugendamt dann darüber beschwert und erhebt nun Vorwürfe gegen das Jugendamt, untätig geblieben zu sein. Ein Sachverständiger meinte, der Vater hätte im Rahmen des Verfahrens nicht übergangen werden dürfen, schließlich habe er auch Besuchsrechte.

  3. Man weiss ja nicht, wer den Artikel geschrieben hat, aber jeder, der sich schon einmal mit dem Geschlecht von Gewaltopfern auseinandergesetzt hat, weiss, dass das vor allem Männer sind. Deswegen überrascht die Aussage dies sei „überraschend“.

    Bei sexueller Gewalt sind die Opfer häufiger Frauen, bei allem anderen – Raub, Körperverletzung, Mord, Totschlag – Männer.

    Nachzulesen im Jahrbuch der polizeilichen Kriminalstatistik, Band 2, Opfer. Demnach wurden 2018 ca 50% mehr Gewalttaten gg Männer als gg Frauen begangen (566.000 vs 390.000).

    • Bei sexueller Gewalt sind die Opfer häufiger Frauen, bei allem anderen – Raub, Körperverletzung, Mord, Totschlag – Männer.

      Wie schon erwähnt, wissen wir nichts über mögliche Dunkelfelder. Die PKS umfasst ohnehin nur Ermittlungsverfahren, keine Urteile. Demnach kann man zwar sagen, dass häufiger ermittelt wird, nicht aber, ob sich überhaupt eine Tat ereignet hat oder X oder Y Täter oder Täterin sind.

      Wobei Frauen natürlich niemals jemanden fälschlich irgendeiner Straftat beschuldigen würden. Und Männer selbstverständlich selbst die kleinste Straftat, derer sie Opfer werden, unverzüglich zur Anzeige bringen, egal wie peinlich es für sie ist.

  4. Nachzulesen im Jahrbuch der polizeilichen Kriminalstatistik

    Mit anderen Worten: Wir wissen noch nichts über das massiver Dunkelfeld.

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