Edeka macht mit einem Video zum Vatertag deutlich, dass man Männer weitaus radikaler abwerten darf als Frauen

Wahrscheinlich als Reaktion auf die Kritik an dem Video über Männer als schlechte Väter hat Edeka auch einen Spot über Frauen zum Vatertag online gestellt:

Aus einem Bericht dazu:

In dem nun veröffentlichten, im Vergleich zum Aufregervideo zum Muttertag etwas eilig zusammen gedrehten und deutlich kürzeren Spot sieht man Kinder, die von ihrer Mutter den Mund mit Spucke abgewischt kriegen und kein ungesundes Essen bekommen. Erst der Papa schiebt ihnen heimlich den leckeren Ketchup rüber. „Danke, dass Du nicht Mama bist!“

Natürlich war der letzte Spot eine Unverschämtheit. Männer wurden darin einseitig als ungepflegte und verantwortungslose Kerle karikiert, die ihre Kinder auf Schritt und Tritt gefährden und diese dabei nur noch anekeln. Ein Schlag ins Gesicht des modernen Mannes, der seine Kinder nicht nur liebt, sondern sich auch sorgsam um sie kümmert. Aber gerade wegen dieser gnadenlos gegen den Zeitgeist gebürsteten Bilder war der Film zwar nicht ok, aber wenigstens: lustig.

Das ist bei dem Nachfolgerspot nicht der Fall. Die Produzenten scheuten offenbar davor zurück, mit gleicher Radikalität ein Schreckensbild der Anti-Mutter zu zeichnen. Anders als beim Draufhauen auf Männerklischees gingen die Macher bei der Behandlung weiblicher Stereotype auffällig vorsichtig vor. Es ist zwar verständlich, dass Edeka keinen frauenfeindlichen Spot drehen wollte, nicht in dieser Zeit und vielleicht auch überhaupt nicht. Aber so wird das Video dann halt auch entsprechend mutlos und langweilig.

Möglicherweise fehlte auch die Zeit für ein gutes Drehbuch, denn der Spot wirkt mit seiner Kürze und mangelnden Würze, als wäre er binnen weniger Tage erst als erschrockene Reaktion auf den Sexismusvorwurf aufgrund des ersten aus dem Boden gestampft worden. So reichte es am Ende nur für zwei Bilder: Muttis Spucke und die Ketchupflasche.

Bei den Vätern waren es 1:18 Minuten, bei den Müttern reicht es nur zu 0:32 Minuten. Und die sind wesentlich harmloser. Anscheinend hatte man bei Edeka etwas mehr Angst vor einem radikalen Video.

Da kommt einem der alte Spruch „Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst.“ in den Sinn. Und gerade im Lebensmittelgeschäft sind eben Frauen die deutlich mächtigere (Konsumer-)Gruppe mit dem zudem meist dünneren Fell.

42 Gedanken zu “Edeka macht mit einem Video zum Vatertag deutlich, dass man Männer weitaus radikaler abwerten darf als Frauen

    • Ja sehe ich auch so und was mich im Vorfeld zur EU-Wahl sehr verstörend fand wer alles dazu aufgerufen hat und von einer Schicksalswahl gelabert hat.

    • „Was ich nicht verstehe ist dieser neueste Trend in Unternehmen, politische Stellungnahmen zu verfassen.“

      Nun, die Wirtschaft wird von den SJWs vor sich hergetrieben. Jeder Spot wird seit mindestens 10 Jahren sehr intensiv auf PC analysiert. Und wenn da etwa Frauen, Behinderte, Schwarze, … in – nach Ansicht der selbsternannten Gender-Police – nicht angemessener Weise dargestellt werden, dann wird die Firma weltweit aufs Schafott gehievt. Das kann sehr schnell richtig ins Geld gehen.
      Also – und jetzt spekulier ich mal – stellen die Firmen Gendas ein, die von vornherein diese Fettnäpfchen im Spot umgehen. Dass die Werbung dadurch blutleerer und langweiliger wird, muss sich der Correctness nun mal unterwerfen.
      Da sehe ich in den Hornbach-Spots richtige Highlights.

  1. Da fehlt jegliche Dramaturgie. Es macht den Eindruck, als ob man das entweder mit heißer Nadel gestrickt oder aber den überwiegenden Teil der Szenen herausgeschnitten hätte.

    • Da hat der Auftraggeber panisch JvM zur symbolischen Pseudo-„Gegendarstellung“ gezwungen, um eine strunzdämliche Ausrede zu haben.
      Ein Versuch sich hinter Nivea zu verstecken, der Beiersdorf sicherlich mittelschwer ankotzt.
      Aber da es dabei um Millionenbeträge geht, ist JvM dem Discounter bis zum Anschlag in den Arsch gekrochen und hat halbherzigen Mist in kürzester Zeit ( weil nicht geplant ) zusammengepfuscht, der selbst als Ausrede noch erkennbar auf totale Unwilligkeit schließen lässt.

  2. „Wahrscheinlich als Reaktion auf die Kritik an dem Video…“

    Das glaube ich nicht. Habe schon beim Erscheinen des Muttertagsvideos damit gerechnet, dass zum Vatertag ein ähnliches erscheint. Behauptet auch EDEKA und wenn man bedenkt, dass man so schnell wahrscheinlich kein Werbevideo dreht, erscheint mir das sehr glaubhaft.

    Dass man Frauen nicht so hart angeht wie Männer hat seine Ursache eher in der Tatsache, dass man Frauen mehrheitlich für schwach und schutzbedürftig hält und es als feige gilt, sich an Schwächeren zu vergreifen. Diesen Welpenschutz würde ich vielmehr als Privileg ansehen, denn als Macht. Das ist natürlich ziemlich dämlich, weil die Radabfems es ausnutzen, um ihre absurden Forderungen in die Öffentlichkeit zu jammern und krakeelen. Da müsste man diese Beißhemmung mal ablegen und dem mit aller möglichen Härte entgegentreten.
    Diese Kinkerlitzchen, auch auf die allergrößten Spinner zu hören und aus Angst vor öffentlichen Repressalien seine Meinung nicht zu sagen, kann sich eine Gesellschaft nur leisten, wenn es ihr zu gut geht. Kaum einer hat mehr die Traute, Tacheles zu reden, weil die ehemaligen Volksparteien von diesen Weicheiern durchseucht sind und dann wird sich gewundert, dass viele Menschen in’s Extreme abwandern.

    • dass man Frauen mehrheitlich für schwach und schutzbedürftig hält

      Gegenvermutung: …dass man Frauen für heilig hält. Eine Frau zu beleidigen ist der letzte Frevel, das letzte Sakrileg, das man heute noch begehen kann.

    • „dass man Frauen mehrheitlich für schwach und schutzbedürftig hält“

      Das scheint aber sehr selektiv zu gelten. Wenn man Frauen als besser wie Männer darstellen kann, sind es starke Frauen und Männer nur das „angeblich“ starke Geschlecht, aber sobald es darum geht Frauen vor irgendwas zu schützen, sind sie alle wieder die Jungfrau in Nöten.

      • Nein. Als „Starke Frauen“ werden Frauen betitelt, die nur annähernd das Gleiche leisten wie Männer. Diese „Leistung“ reicht dann schon, um besonders hervorgehoben zu werden und ist das beste Beispiel dafür, dass man Frauen eigentlich gar nichts zutraut. Es wird nur keiner zugeben.

    • Das ist natürlich richtig, das schließt sich nicht aus.

      Ich finde es allerdings relevant, dass ein Mann, der eine Frau schlägt, ganz anders gesehen wird als ein Mann, der einen kleinen, schwächeren Mann schlägt.

      „weiblich“ bringt also eine gänzlich andere Qualität in die Geschichte als „klein und schwach“.

      Eine Qualität, die – sobald es um Frauen geht – aus dem „schutzbedürftig“ ein „schutzwürdig“ macht.

      Womit wir auch wieder beim Unterschied zwischen der Feministin und der „natürlichen Frau“ – die ja gern für den „Wir sind unschuldig, der Geschlechterkampf liegt nur an bösen Lesben“-Standpunkt ins Feld geführt wird – sind.
      Diese Werbung adressiert nicht Feministinnen, sondern Natürliche Frauen. Und diese goutieren es gar nicht, wenn sie genau so behandelt werden wie Männer. Es ergibt keinen Sinn anzunehmen, dass das daran liegt, dass sie sich selbst für schwach und hilfswürdig halten. Es ergibt viel mehr Sinn anzunehmen, dass sie sich für etwas besseres halten.

      Insofern ist mir der Unterschied wichtig.

      • „Es ergibt keinen Sinn anzunehmen, dass das daran liegt, dass sie sich selbst für schwach und hilfswürdig halten.“

        Ich glaube nicht, dass Frauen sich für etwas Besseres halten. Sie fordern aus der Opferrolle heraus.
        Ein Kind wird sich ungerecht behandelt fühlen, wenn Du an es die gleichen Anforderungen stellst, wie an einen Erwachsenen. Ein Rollstuhlfahrer kann mit Treppen nichts anfangen und wird einen Fahrstuhl fordern. Beides zu Recht und gesellschaftlich anerkannt. Beide halten sich sicher nicht für etwas Besseres.
        Ja, ich setze Frauen mit Behinderten und Kindern gleich, solange sie es mehrheitlich selbst tun.
        Die aktuelle Tampon-Luxus-Mehrwertsteuer-Debatte ist ein Paradebeispiel dafür.

        • Ich sga ja gar nicht, dass deine Perspektive nicht fruchtbar ist.

          So wie Pippie Langstrumpf den Kindern gefällt, weil sie viel stärker und kompetenter ist als die Erwachsenen, mögen Frauen dann Figuren wie Rey oder Captain Marvel sehen, die viel stärker und kompetenter sind als die Männer.
          Die Frau, die die Männerwelt sieht, so wie ein Kind die Erwachsenenwelt sieht.
          Diese Interpretation ist so alt wie plausibel.

          Sie erklärt aber nicht „Frauen und Kinder zuerst“ oder „Keine Gewalt gegen Frauen“ oder „Vergewaltigung ist schlimmer als Mord“ oder eben auch „Werbung, die sich über Frauen lustig macht, ist abscheulich“.

          Dafür braucht es den „Frauen sind etwas Heiliges“ Ansatz.
          Der natürlich über den Unschuldsfaktor (i.e. Frauen sind per se unschuldig, genauso wie Kinder per se unschuldig sind. Die Erbsünde gilt nur noch für Männer) mit dem Infantriarchy-Gedanken verwoben ist.

        • Zu der Tampon Luxus-Steuer, für mich ist das kein Luxusgut… Das Futter fürs Hotthü dagegen schon. Genauso wie man für Babywindeln kein Luxus sind (und von mir aus auch für die Omawindeln).
          Das gehört reformiert. Mit der ganz groben Kelle. Rasierklingen, Verhüterli usw. gleich mit.
          Und dann gehts gegen die Buchpreisbindung los. Das was sich der Gesetzgeber, gerade was eBooks angeht auf Lobbyanraten, alles erlaubt hat, ist schon nicht mehr frech oder dreist. Dafür braucht es ganz andere Vokabeln.
          Am widersinnigsten ist Trinkwasser. Aus dem Wasserhahn 7%, verzehntfacht der Abfüller den Preis dann auf einmal 19%…. Hallo?

          • Noch schöner ist Folgendes:

            Wenn man seinen Hamburger bei MCDonalds vor Ort ist, dann sind es 19% UST, da ja kein reiner Nahrungsmittelverkauf, sondern auch Bereitstellung von Tisch und Stuhl (= Restaurantleistungen).

            Wenn man denselber Hamburger bei MCDonalds hingegen zu dem exakt selben Verkaufspreis zum Mitnehmen zu Hause ist, dann sind es 7% Umsatzsteuer, da es dann ja nur reiner Nahrungsmittelverkauf ist.

            https://www.merkur.de/leben/genuss/veraendert-sich-wenn-ihrer-mcdonalds-bestellung-zum-mitnehmen-sagen-10147672.html

            Deswegen ja immer die ausdrückliche Frage, ob man die Bestellung vor Ort essen oder mitnehmen möchte. Je nach der Antwort, hat das Geschäft u.U. eine um ca. 12% höhere Gewinnmarge. Das verleitet dann so manchen Currywurstverkäufer oder Dönermann, versehentlich auf „zum mitnehmen“ in die Kasse einzugeben, obwohl vor Ort gegessen wird.

            Wer schon immer witzig sein wollte, kann auf die Frage dann auch einfach sagen: „Weiß ich noch nicht?“ oder noch besser „Den einen Hamburger esse ich hier, den zweiten Hamburger will ich mit nach Hause nehmen?“

      • sehr gut analysiert. Ich denke selbst in so genannten „Patriarchaten“, wie im muselmanischen Kulturraum halten sich Frauen im innersten für was besseres als Männer. Dort ist ja gerade auf Grund der Gewalttätigkeit in der Gesellschaft noch offensichtlicher als bei uns, wessen Lebensrecht höher eingeschätzt wird.

  3. Der Schreiber von der „Welt“ ist ja vollkommen realitätsbefreit, wenn er schreiben kann:

    „Aber gerade wegen dieser gnadenlos gegen den Zeitgeist gebürsteten Bilder war der Film zwar nicht ok, aber wenigstens: lustig.“

    Wie konnte der seit Jahrzehnten Jahren an der Realität vorbeileben? Es gibt wohl sehr wenige Dinge unserer Zeit, die dem Zeitgeist so perfekt entsprechen wie die Männerverachtung des ersten Werbespots, ja der perfekte Ausdruck dessen sind.

  4. „… dass man Männer weitaus radikaler abwerten darf als Frauen“

    Würde voraussetzen, dass Frauen in dem Spot „abgewertet werden.
    Egal ob „radikaler“ oder „weniger radikal“, erst mal die Frage, ob überhaupt.
    Beim Muttertagsspot keine Frage: Das ist abwertung.
    Aber hier?
    Ist das „abwertung“, wenn einem Kind die gesunde Ernährung nicht zusagt und der Vater das hintertreibt?
    Latent ist der neue Spot ebenfalls Männerabwertend.
    Jedenfalls nicht Frauenabwertend.

    • Natürlich ist der Spot in keiner Weise frauenabwertend. Auch nicht männerabwertend.

      Der soll notdürftig retten, was zu retten ist.

      Man sollte Edeka jetzt boykottieren, da sie ja klar positiv zur ersten Beleidigung stehen und nichts zurücknehmen wollen. Edeka muss die Zusammenarbeit mit dieser unsäglichen Werbeagentur kündigen. Die sollen doch für die Merkelregierung arbeiten, für das Frauenministerium zB, da werden solche männerhassenden Sexisten doch bestimmt mit offenen Armen empfangen.

    • Kann man so sehen. Die Erwartungen an Eltern, die Kinder oder die Gesellschaft stellt, sind aber sehr unterschiedlich und da dieser Spot aus Sicht des Kindes gesehen werden soll, empfinde ich ihn nicht als abwertend gegen Männer. Hinzu kommt, dass es ja auch den Tatsachen entspricht, dass eher Männer die unvernünftigen Dinge mit Kindern tun.

      • Genauso wahr wäre doch, dass die Mütter „die unvernünftigen Dinge mit Kindern tun“. Kann man drehen, wie man will – „good cop / bad cop“, das typische Spielchen.

        Vater und Mutter Tomate laufen voraus, Kind Tomate hinterher. Sagt Vater zu Kind Tomate „Catch up“.

  5. „… dass man Männer weitaus radikaler abwerten darf als Frauen“

    Das hier wird als frauenabwertend geframt:

    Das hier soll lustig sein und ist auf keinen Fall männerabwertend:

    • Danke für diese sehr eindrücklichen Beispiel. Wer diesen Doppelstandard nicht erkennt und stattdessen von Humorlosigkeit spricht, attestiert sich selbst Dummheit oder Scheuklappen, wobei das Oder nicht exklusiv ist.

      • was bin ich jetzt?

        Vermutlich jemand, der das Thema nicht ganz erfasst hat 😉

        Es geht darum zu vergleichen, welches Level bei Männern noch als tolerabel gilt und welches bei Frauen. Natürlich kann man alle 3 mehr oder weniger lustig finden, es wird sich ja an die Konventionen gehalten. Obgleich so Einige bei den ersten 2 anderer Ansicht ist.

        Ob ein nennenswerter Teil der Bevölkerung Werbung irgendwie problematisch finden würde, in der gefragt wird, ob ein Männerkörper fit genug ist – das wäre die erste Frage.

        Ob ein nennenswerter Teil der Bevölkerung ein Video lustig finden würde, in welchem ein Kaufhaus „alte Schachteln“ zurücknehmen würde – das wäre die zweite Frage.

        • Ich meine nur… das erste zeigt ne heiße Frau im Bikini, sie guckt nicht komisch und der Text hat auch keinerlei Witz oder Wortspiel. Das zweit ist Waschmittelwerbung mit nicht haltbaren Versprechungen.

        • Lustig war vielleicht falsch, nicht bemerkenswert vielleicht eher. Die Aufregung darüber nicht nachvollziehbar, außer man nimmt diese gnadenlose Überschätzung einer selbst und des ganzen weiblichen Bevölkerungsanteils.

          Majestätsbeleidung oder Blasphemie dürften ähnliche Rekationen in einer Monarchie / Theokratie hervorrufen.

          Der 3. Spot hatte was von einem klassichen Herrenwitz nur aus umgekehrter Perspektive.

      • »Ich finde jetzt alle 3 mehr oder weniger lustig«

        Die klassische Nullaussage. Mehr oder weniger lustig kann absolut alles finden.

    • Ja, die Maßstäbe dafür, was Frauen und was Männern gegenüber als „abwertend“ empfunden wird, sind schon sehr entlarvend. Leider ist die Übertreibung nur als sehr gering einzuschätzen, wenn man sagt, dass quasi alles, was nicht auf pure Vergöttlichung und Lobpreisung hinausläuft, Frauen gegenüber als abwertend geächtet wird. Und selbst wenn man Frauen vergöttlicht und lobpreist, ist man noch lange nicht auf der sicheren Seite, denn gewiss verbergen sich darin immer noch irgendwelche patriarchalen Versuche, Frauen auf irgendwelche Rollen festschreiben zu wollen. Man könnte also meinen, man sagt über Frauen am besten gar nichts, aber wenn man das tut, marginalisiert man sie. Kurzum, es gibt schlicht keine Art, mit Frauen umzugehen, die nicht in irgendeiner Form feministisch problematisiert werden könnte.

      Auf der anderen Seite ist es immer für einen Lacher gut, Männer als lebensunfähige Trottel, als Jammerlappen darzustellen oder sie direkt zu verdinglichen. Auch Gewalt gegen Männer kann problemlos als Schenkelklopfer genutzt werden. Dabei kann der Anlass gar nicht trivial genug sein. So sieht man es ja auch in einer (meines Wissens sogar von einem Bundesministerium finanzierten) Werbung offenbar als legitim an, dass ein Mann, der am Steuer das Telefon am Ohr hat, von einer wildfremden Frau mal eben durchs offene Fahrerfenster geohrfeigt wird. Und das Geile: die Schöpfer solcher Machwerke sind sich in der Regel darüber völlig im Klaren, dass derselbe Spot mit vertauschten Geschlechtervorzeichen nicht funktionieren, wahrscheinlich einen beispiellosen Outrage hervorrufen würde. Das lässt sie aber nicht mal darüber sinnieren, warum es in der gewohnten Rollenverteilung (Frau schlägt Mann) völlig in Ordnung sein soll.

      Und da sind wir ja nur bei der Werbung. Die spiegelt die völlige Unempfindlichkeit der Gesellschaft beim Thema der Herabwürdigung von Männern ja nur wider. Letztlich werden diese Darstellungen ja nur gewählt, weil sie gesellschaftlichen Narrativen entsprechen.

      Beim Thema vermeintlich legitimer Gewalt gegen Männer fällt mir ein älterer Song von den „Ärzten“ ein (nein, nicht „Männer sind Schweine“). In dem Song „Manchmal, aber nur manchmal“ will man sich wohl mit dem Thema häuslicher Gewalt auseinandersetzen, wenn man den Song aber mal genau betrachtet, funktioniert er eigentlich nicht. Dabei will ich sogar so gnädig sein, dem Text zuzugestehen, dass der eklige Typ in der Bar mit seiner Aussage tatsächlich meinte, dass Frauen angeblich ganz gerne mal eine gescheuert bekämen, so als erzieherische Maßnahme. Denn eigentlich gibt der Text selbst das gar nicht her und könnte auch so verstanden werden, dass Frauen (einige zumindest) manchmal (also zum Beispiel beim Sex) ganz gerne mal den Hintern verpötert kriegen, was als Aussage nicht skandalös sondern schlicht der Realität entsprechend wäre. Aber nehmen wir mal die wohl beabsichtigte, unappetitliche Interpretation dieser Aussage an. Selbst dann krankt der Song an seinem weiteren Verlauf. Der Icherzähler beschreibt, wie ihn diese Aussagen verstört haben und wie ekelerregend und irgendwann auch mitleiderregend der Typ ihm vorkam. So verstört geht er nach Hause und erzählt seiner Freundin, was ihm dieser Kerl in der Bar gesagt hat und wird ohne jede weitere Vorwarnung daraufhin von ihr verprügelt.

      Dieser Gewaltausbruch genauso wie der anschließend von einer Frauenstimme gesungene, abgeänderte Refrain ergeben vor dem Hintergrund der im Lied erzählten Geschichte nicht den geringsten Sinn. Seit wann ist jemand ein Machoschwein und jede Gewalt gegen ihn legitim, nur weil er davon berichtet, was ihm ein anderer erzählt hat?

      Interessant finde ich dabei sogar, dass faktisch in dem Lied die Freundin die einzige ist, die tatsächlich selbst gewalttätig wird und das ohne erkennbaren Grund.

      Interessant ist dabei auch, wie Leute über ihre Begegnungen mit diesem Lied berichten. Immer wieder kommt da auf, man hätte das Lied zunächst aufgrund des Inhaltes der beiden ersten Refrains als widerlich empfunden, aber nach der „Auflösung“ in der dritten Strophe und im finalen Refrain gelacht und das Lied gefeiert. Obwohl also schon der Text der ersten beiden Strophen deutlich zeigte, dass der Icherzähler nicht im geringsten die im Refrain gesungenen Aussagen teilte, sich klar davon distanzierte, empfand man das Lied anfänglich als „das geht ja mal gar nicht!“. Der Grund: das ist halt, vom Kontext völlig unabhängig, Frauenfeindlich und damit BÄH! Aber gerettet wird das Lied dadurch, dass der Icherzähler von seiner Freundin zusammengeschlagen wird (wie eben schon beschrieben ohne ersichtlichen Grund) und diese ihm dann offenbart, dass „Machotypen wie er eins in die Fresse verdient haben“, und das sogar „immer, ja wirklich immer“. Im (preisgekrönten) Video wird dieser Part auch noch davon begleitet, dass der rücklings auf einem Bett liegende Bela von einer Bodybuilderin, die breitbeinig über ihm kniet, mit Faustschlägen ins Gesicht bedacht wird, welche er freudestrahlend in Empfang nimmt, während ihm Zähne ausbrechen und sich das Kopfkissen mit Blutspritzern füllt.

      Wenn dieser Song gedacht war, um häusliche Gewalt zu thematisieren, dann muss man leider sagen: Setzen, Sechs! Sollte er allerdings in doppelbödiger Manier die gesellschaftliche Akzeptanz von selbst brutaler Gewalt gegen Männer bloßstellen, dann hingegen könnte man sagen: Aufgabe in brillanter Manier gelöst.

      @ Michael

      Du bist damit zumindest kein Heuchler. Es ist völlig OK, alles in Ordnung zu finden. Was Matze darstellen wollte, ist halt nur, dass diejenigen, die sich über die Darstellungen der Frauen echauffieren, so etwas wie im dritten Beispiel einfach nur witzig finden. Und das ist eben Doppelstandard in seiner reinsten Form. Entweder findet man alles in Ordnung oder man findet alles aus demselben Grunde (Sexismus) Scheiße. Immer nur sehr selektiv entweder hypersensibel oder völlig abgestumpft zu sein und das auch noch ganz klar damit verbunden, welches Geschlecht da gerade mehr oder weniger „schlecht“ wegkommt, das ist widerlichste Heuchelei.

      • „Sollte er allerdings in doppelbödiger Manier die gesellschaftliche Akzeptanz von selbst brutaler Gewalt gegen Männer bloßstellen“

        Sehr gut dargelegt, das ist wirklich die Frage und es drängt sich diese Antwort auf!

      • Das Witzige des Ärztesongs ist doch, dass der Text doppeldeutig ist.

        Obwohl es eigentlich im Text nie konkret gesagt wird, versteht jeder den Satz „Manchmal haben Frauen ein bisschen Haue gern“ eigentlich so, als würde behauptet, dass Frauen sich angeblich manchmal gerne schlagen lassen würden.

        Im Video sieht man dann aber ab Schluss, dass die Frau zuschlägt und dann erkennt man den Witz des Liedes, nämlich das der Satz „Manchmal haben Frauen ein bisschen Haue gern“ und auch der gesamte restliche Songtext auch so verstanden werden kann, dass die Frau auch gerne mal aktiv zuschlägt, also eben nicht das Opfer ist, wie nahezu jeder den Songtext ohne das Video verstanden hatte.

        Zumindest dachte ich immer, dass das der Witz war, den die Ärzte machen wollten. Nämlich, dass jeder den Songtext auf eine bestimmte Art und Weise versteht und er tatsächlich auch ganz anders verstanden werden kann, worauf die Menschen aber nicht von selbst kommen, wenn sie das Video nicht kennen.

        Aber vielleicht irre ich mich da ja auch.

        • Ich persönlich bin auch gern gewillt, deine sowie auch meine abschließend hypothetisch in den Raum gestellte Interpretation zuzulassen. Eigentlich mag ich die Ärzte für ihre oft wunderbar satirischen Songtexte. Und ich halte sie eigentlich für zu schlau, als dass ihnen die von mir beschriebenen Logikbrüche in der erzählten Geschichte beim Schreiben nicht hätten auffallen müssen.

          Also wenn der Song tatsächlich eher so eine Art Sozialexperiment war, welches, wenn man viele der Reaktionen darauf sieht, dann voll geklappt hätte, hätten sich die Ärzte damit wohl wirklich selbst übertroffen… 😀

      • „Interessant finde ich dabei sogar, dass faktisch in dem Lied die Freundin die einzige ist, die tatsächlich selbst gewalttätig wird und das ohne erkennbaren Grund.“

        Das Lied Manchmal – haben Frauen etwas Haue gern,, bezieht sich nicht darauf, von einem Mann geschlagen zu werden, sondern dass sie (die Frau) selber gerne mal Schläge austeilen.Nachdem der Mann zu seiner Frau heim gegangen ist, zeigt sie ihm, dass sie manchmal gerne etwas Haue gern hat.
        Der Erzähler in der Bar, erzählte, wie er von seiner Frau geschlagen wurde und der Andere fasste es aber so auf, wie du, dass er seine Frau geschlagen hätte und erzählt es seiner Frau. Das ist die Zweideutigkeit in dem Lied.

  6. Weder ist der Spot frauenabwertend, noch ist es ein missglückter Versuch, sich bei Männern einzuschleimen oder die Wogen zu glätten. Vielmehr handelt es sich hier um eine weitere Abwertung der Männer, denn die können ihre Kinder noch nicht mal gesund ernähren. Weil sie ja cool sein wollen…

    Und laut Arne (bzw. Werben & Verkaufen) nur ein weiterer Werbespot in einer Werbekampagne.
    http://genderama.blogspot.com/2019/05/nzz-der-metoo-bewegung-sind-grundrechte.html

    Dafür, dass EDEKA beide Spots so geplant hatte, spricht auch ein Artikel in der Branchenzeitschrift „Werben & Verkaufen“:

    Während der Muttertagsspot in epischer Breite (1:19 Minuten) finstere und unfähige Männer mit Kindern zeigte, ist der Vatertagsfilm lediglich 32 Sekunden lang. Beide dargestellten Episoden haben mit Essverhalten zu tun. Wir sehen nur eine Mutter wirklich (die ihrem Sohn das Gesicht abwischt), die andere serviert nur kurz das – allzu gesunde – Essen. (…) Der Vatertagsspot sei von vornherein Teil der geplanten Kampagne gewesen, sagt Edeka.

  7. Meine Meinung zur Edeka-Werbung:

    Was immer geschieht:
    Nie dürft Ihr so tief sinken, den Kakao, durch den man Euch zieht, auch noch zu bezahlen.
    (Nach Erich Kästner)

  8. Pingback: Truefruits oder auch: Was ist an einem aufgemalten Penis eigentlich so schlimm? | Alles Evolution

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