Edeka macht mit einem Video zum Vatertag deutlich, dass man Männer weitaus radikaler abwerten darf als Frauen

Wahrscheinlich als Reaktion auf die Kritik an dem Video über Männer als schlechte Väter hat Edeka auch einen Spot über Frauen zum Vatertag online gestellt:

Aus einem Bericht dazu:

In dem nun veröffentlichten, im Vergleich zum Aufregervideo zum Muttertag etwas eilig zusammen gedrehten und deutlich kürzeren Spot sieht man Kinder, die von ihrer Mutter den Mund mit Spucke abgewischt kriegen und kein ungesundes Essen bekommen. Erst der Papa schiebt ihnen heimlich den leckeren Ketchup rüber. „Danke, dass Du nicht Mama bist!“

Natürlich war der letzte Spot eine Unverschämtheit. Männer wurden darin einseitig als ungepflegte und verantwortungslose Kerle karikiert, die ihre Kinder auf Schritt und Tritt gefährden und diese dabei nur noch anekeln. Ein Schlag ins Gesicht des modernen Mannes, der seine Kinder nicht nur liebt, sondern sich auch sorgsam um sie kümmert. Aber gerade wegen dieser gnadenlos gegen den Zeitgeist gebürsteten Bilder war der Film zwar nicht ok, aber wenigstens: lustig.

Das ist bei dem Nachfolgerspot nicht der Fall. Die Produzenten scheuten offenbar davor zurück, mit gleicher Radikalität ein Schreckensbild der Anti-Mutter zu zeichnen. Anders als beim Draufhauen auf Männerklischees gingen die Macher bei der Behandlung weiblicher Stereotype auffällig vorsichtig vor. Es ist zwar verständlich, dass Edeka keinen frauenfeindlichen Spot drehen wollte, nicht in dieser Zeit und vielleicht auch überhaupt nicht. Aber so wird das Video dann halt auch entsprechend mutlos und langweilig.

Möglicherweise fehlte auch die Zeit für ein gutes Drehbuch, denn der Spot wirkt mit seiner Kürze und mangelnden Würze, als wäre er binnen weniger Tage erst als erschrockene Reaktion auf den Sexismusvorwurf aufgrund des ersten aus dem Boden gestampft worden. So reichte es am Ende nur für zwei Bilder: Muttis Spucke und die Ketchupflasche.

Bei den Vätern waren es 1:18 Minuten, bei den Müttern reicht es nur zu 0:32 Minuten. Und die sind wesentlich harmloser. Anscheinend hatte man bei Edeka etwas mehr Angst vor einem radikalen Video.

Da kommt einem der alte Spruch „Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst.“ in den Sinn. Und gerade im Lebensmittelgeschäft sind eben Frauen die deutlich mächtigere (Konsumer-)Gruppe mit dem zudem meist dünneren Fell.