Was bewirkt es anderen Leuten etwas über „die Privilegien der Weißen“ beizubringen?

Die Besprechung einer interessanten Studie bei Quillette:

Her team was curious about the impact of teaching people about white privilege. Would it make people more sympathetic toward poor blacks? As part of their research, Cooley and her colleagues offered study participants a reading on white privilege—based partly on the seminal work of Peggy McIntosh, who originally formulated the concept in the 1980s—and then described to them the plight of a hypothetical man, identified as either white or black, who is down on his luck.

What the researchers found is that among social liberals—i.e., participants who had indicated that they hold liberal beliefs about social issues—reading a text about white privilege did nothing to significantly increase their sympathy toward the plight of poor blacks. But, as Cooley told me, “it did significantly bump down their sympathy for a [hypothetical] poor white person.” (Among conservative participants, there was observed no significant change in attitudes at all.)

What accounts for this? One possibility is that social liberals are internalizing white-privilege lessons in a way that flattens the image of whites, portraying all of them as inherently privileged. So if a white person is poor, it must be his or her own fault. After all, they’ve had all sorts of advantages in life that others haven’t.

Also es erzeugt so ziemlich genau das, was man sich denken kann: Es individualisiert die jeweiligen Gruppen und weißt Schuld nach Gruppenzugehörigkeit zu, wobei der Blick für die jeweiligen Lebensumstände bei der konkreten Person verstellt wird.

Das ist eben auch die klassische Funktion eines Sündenbocks: Er ist an allem (selbst) schuld und man darf ihn hassen.

Racism exists, of course, and its impact is disproportionately felt by society’s minority populations. I have personally spent a decent chunk of my reporting career documenting this. But the fact that disparate treatment is inflicted on racial minorities doesn’t prove the existence of an all-encompassing pattern of white privilege. “If you’re white, chances are seeing a police officer fills you with one of two things: relief or gratitude,” writes one advocate of a privilege-centric worldview. But around half of the people who are killed every year by U.S. police officers are white. True, police violence falls disproportionately on ethnic minorities, especially African Americans. But if you’re white and you’ve been abused by a police officer, your individual experience may be just as painful as that of a black person who’s suffered similar abuse.

Genau so schlimm? Welch ketzerische Ansicht. Aus deren Sicht natürlich etwas vollkommen anderes. Allerdings werden meines Wissens nach prozentual nicht weniger schwarze von schwarzen Polizisten getötet und gleichzeitig ist der Anteil Schwarzer an der Kriminalstatistik in den USA deutlich höher als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht.

If we extend the logic of privilege beyond the issue of race, it’s easy to see the flaws with this approach. We know, for instance, that 93 percent of people in U.S. federal prisons are men. In nearly every part of the criminal justice system, in fact, men on average have it worse than women do. But does that then mean we should be discussing “female privilege”? Would it be beneficial to the men behind bars for women to proclaim awareness of their “privileged” status?

Ja, das sind dann die klassischen Beispiele, bei denen die simple Betrachtung eben nicht wirklich hinhaut und man es mit so etwas wie „Männer leiden eben auch am Patriarchat“ und „Männer können nicht privilegiert werden“ überspielen muss.

what I would suggest is that we change the way we talk about this inequality. Asking whites to publicly confess their white privilege—in a manner that often resembles a religious ritual more than anything else—may lead us to unfairly flatten the experience of whites while, ironically, actually shifting attention away from those who are underprivileged. The Cooley study shows that this isn’t just a hypothetical concern; it’s a reality that has been demonstrated through research.

One alternative to white-privilege discourse would be to focus on the causes and consequences of deprivation rather than on naming groups of people we believe to hold special advantages—and to stop referring to things that we should expect for all people as “privileges.” It is not a privilege to have a decent and safe childbirth, or avoid harassment by the police, or to have enough to eat. All of those things should be something we expect. While we can and should aggressively address inequality, we should make sure the methods we employ serve to strengthen our sense of empathy rather than sap it.

Oder anders gesagt: Lösungen mit nur einer Variable (Rasse) verdecken oft eine Vielzahl anderer Faktoren, die evtl. gehäuft bei einer bestimmten Gruppe vorliegen und die man tatsächlich angehen und ändern kann.

Aber die Variante mit nur einer Variablen macht eben das Leben deutlich einfacher und ermöglicht klare Feindbilder.

 

17 Gedanken zu “Was bewirkt es anderen Leuten etwas über „die Privilegien der Weißen“ beizubringen?

  1. SJWs ist es viel wichtiger sich anderen moralisch überlegen zu fühlen wie Menschen mit Nöten wirklich helfen diese zu beseitigen. Daher ist ein Feindbild, auf das man herunter sehen kann, auch viel wichtiger
    für das Selbstwertgefühl eines SJWs wie sich schwierige Lösungen für komplexe Systeme zu überlegen zu haben.

  2. „White privilege“ ist rassistisch.

    Unter anderem, weil es nicht weissen die Befähigung abspricht, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.

    Davon abgesehen ist das eher ein Ding der Ex-Kolonialmächte und Ex-Sklavenhalter Staaten, und nicht so sehr ein Deutsches.

  3. Aber die Variante mit nur einer Variablen macht eben das Leben deutlich einfacher und ermöglicht klare Feindbilder.

    Das ist richtig und deshalb ist dieses Verhalten auch so schwer in den Griff zu bekommen. Der Feminismus bspw. benötigt deshalb ein klares Feindbild, weil er nur so kampangenfähig wird.
    Wenn zwei Akteure auf der politischen Bühne auftreten und einer argumentiert differenziert mit Für und Wider und einer emotionalisiert und strukturiert einfach und klar, so wird der zweite Akteur mehr Anhänger um sich scharen können und die sind auch noch motivierter, als die des ersten. Denn wenn wir uns die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erfassen in der Zuhörerschaft als gleichverteilt vorstellen (ähnlich zu Intelligenz) so wird nur ein Teil der Leute die fein ausformulierten Gründe für und wider die dargelegte Position erfassen können aber alle können die einfache Darstellung nachvollziehen. Es mag ein paar geben, die von der Simplifizierung abgestoßen sind, dafür wird es vermutlich aber auch Leute geben, die genau durch die Vereinfachung glauben, ein geeignetes Denkmodell in der Hand zu haben und endlich klarzusehen.
    Weil ich die beschriebenen Reaktionen auf die Herangehensweisen für eine Naturkonstante halte, wird der zweite Akteur immer weniger Energie benötigen, eine Anhängerschaft zu rekrutieren. Deshalb wird es auch immer verführerisch bleiben, zu dieser Strategie zu greifen.

  4. Weil ich es wichtig finde: Das Konzept des white privilege basiert auf einem armseligen, etwas über 4 DIN A4-Seiten umfassenden Papier: „White Privilege: Unpacking the Invisible Knapsack“ von Peggy McIntosh. Es kann heruntergeladen werden: https://www.winnipeg.ca/clerks/boards/…/white_privilege.pdf

    Woher ihre Idiotie stammt, wird hier sichtbar: „As we in Women’s Studies work to reveal male privilege and ask men to give up some of their power, so one who writes about having white privilege (…)“
    Dass alle Männer – immer mitlesen – unverdiente Privilegien besitzen ist die narzisstische Lesart eines bürgerlichen Feminismus, für die Männer aus den Unterschichten schlicht nicht existieren.

    Das Papier strotzt vor Vorannahmen, wie: „I think whites are carefully taught not to recognize white privilege, as males are taught not to recognize male privilege.“, deren verschwörungstheoretischer Gehalt durch eine Gegenfrage offensichtlich wird: Wer bringt ihnen das bei?
    Ist das Bestandteil der schulischen Ausbildung und wo kann das im Lehrplan nachgewiesen werden?

    Sie – und alle, die sich darauf berufen – behandelt ihre Vorannahmen und Behauptungen so, als wäre diese bereits eine gängige und gültige Theorie, die keines Beweises mehr bedarf.
    Was mich erschreckt hat, war und ist das ausbleiben von Kritik an einer „Theorie“, die sie sich einfach aus dem Arsch gezogen hat.

    Sozioökonomische Fakten zur Stützung dieser Behauptungen sind Fehlanzeige, keine einzige Statistik, keine einzige Beschreibung der empirischen Realität von Schwarzen und Weißen – es ist bestenfalls anekdotisches Geschreibsel einer sozioökonomisch privilegierten Frau.
    M. E. der Clou: Wenn alle Weißen privilegiert sind und sie auch weiß ist, dann ist sie wenigstens als Frau im Lager der „Unterdrückten“.
    Wäre hingegen „class“ statt Geschlecht relevant, dann gehörte sie selbst zu den (weißen) Privilegierten und das wäre für sie unerträglich, weil geschäftsschädigend.

        • Das passiert vermutlich immer erst, wenn eine sich den intrasexuellen Konkurrenzzorn einer andern zugezogen hat und diese dann einen Grund zur Hexenverbrennung sucht.

          Aber dafür ist McIntosh vermutlich schon zu alt.

          Aber vielleicht kann man im Rahmen eines RapeCulture Gesprächs auf diese Aussage in einem der fundamentalen Feminismus-Texte hinweisen?

          • Der Bauchnabel-Blick von Einwanderungsländern scheint hier durch: „6. When I am told about our national heritage or about „civilization,“ I am shown that people of my color made it what it is.“

            Für Deutschland ist das in der Tat deckungsgleich mit der Hautfarbe der überwältigenden Mehrheit seiner Bevölkerung. Einfach weil die überwältigende Mehrheit seiner Bevölkerung die gleiche Hautfarbe hat.
            Wir brauchten auch keine indigene Bevölkerung umbringen und deren Land stehlen, weil wir die indigene Bevölkerung sind. Es gab Leibeigenschaft (der Weißen), aber keine Sklaverei.

            Flin hat recht, abgesehen von klassischen Einwanderungsländern (wie USA, Kanada, Australien, Neuseeland) und Ländern mit kolonialer Vergangenheit, die ins 20. Jahrhundert reichte (z.B. GB, Frankreich) ist eine solche Argumentation sinnlos.

  5. Das Konzept des white privilege basiert auf einem armseligen, etwas über 4 DIN A4-Seiten umfassenden Papier

    Das ist in der Tat erstaunlich. Und: Feminismus hat also dem Antirassismus-Diskurs diesen Spin verpasst.

    Wäre hingegen „class“ statt Geschlecht relevant, dann gehörte sie selbst zu den (weißen) Privilegierten und das wäre für sie unerträglich, weil geschäftsschädigend.

    Nun ist ja ausgerechnet Peggy McIntosh Tochter aus allerfeinstem Hause:

    https://quillette.com/2018/08/29/unpacking-peggy-mcintoshs-knapsack/

    Sie hat das SEED-Projekt gegründet, welches en masse Lehrkräfte in ihre Religion einweiht.

    • Ich würde sagen, es ist die Antwort auf den Vorwurf der farbigen Frauen von Farbe, es handle sich um einen weißen Mittelklasse-Feminismus.
      Bzw. dessen spezifische Verarbeitungsform – denn sind alle Weißen privilegiert, einfach weil sie das unverdiente Glück hatten, mit einer bestimmten Hautfarbe geboren zu sein, dann ist es irrelevant, ob und dass sie „Tochter aus allerfeinstem Hause“ ist.

    • @Nick

      Und danke für den Link! Der Artikel ist großartig:

      „Her ‘experiential’ list enumerating the ways in which she benefits from being born with white skin simply confuses racial privilege with the financial advantages she has always been fortunate enough to enjoy.
      Many of her points are demonstrably economic.(…)
      She simply reclassified her manifest economic advantage as racial privilege and then dumped this newly discovered original sin onto every person who happens to share her skin color. Without, of course, actually redistributing any of the wealth that, by her own account, she had done nothing to deserve.

      All of which means that pretty much anything you read about ‘white privilege’ is traceable to an ‘experiential’ essay written by a woman who benefitted from massive wealth, a panoply of aristocratic connections, and absolutely no self-awareness whatsoever.“

      Yup. Die Besessenheit, „class“ zu einem völlig unerheblichen Punkt werden zu lassen war und ist bei den SJW sehr auffällig.

      Er schließt: „It is past time to consign this foul epistemology to the trashcan of self serving debasements and return our attention to the real causes of ‘privilege’; the growing disparities of wealth that divide us, whatever the color of our skin.“

  6. Es sollte zu denken geben, mit welch primitiven, undifferenzierten und absurden Aussagen immer wieder ein medial und öffentlichkeitswirksames, erfolgreiches Agenda-Setting betrieben werden kann. Diese Strukturen sind metaperspektivisch grundlegend zu hinterfragen. Ansonsten läuft man(n) immer wieder Gefahr, sich bloß reaktiv-argumentativ auf diese vorgegebenen Themen einzulassen, und damit einen (Groß-)Teil seiner Ressourcen zu vergeuden, anstatt z.B. selber daran zu arbeiten, wirklich wichtige und gesellschaftlich relevante Themen in den Fokus der Öffentlichkeit zu platzieren!

    • „Es sollte zu denken geben, mit welch primitiven, undifferenzierten und absurden Aussagen immer wieder ein medial und öffentlichkeitswirksames, erfolgreiches Agenda-Setting betrieben werden kann.“

      Einerseits ja, andererseits ist vielleicht das Niveau auch schon das Geheimnis.
      „Der Klapperstorch bringt die Babies“ ist trotz einiger logischer Schwächen leichter nachzuvollziehen, als die kindertraumatisierende Erkenntnis, dass die Babies bis zu ihrer „Ankunft“ in Mamas Bauch wachsen.
      Ähnlich hoch ist das Niveau zu vielen Themen – wir beweisen es gerade zum Thema „Klima“.

      „Diese Strukturen sind metaperspektivisch grundlegend zu hinterfragen.“

      Das kannst Du gern tun, stellst Dich damit sicher auch in die Tradition der altgriechischen Philosophen, aber ändern wirst Du nichts. Einfache Antworten sind zu verlockend.

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