Pinkstinks zu „Kritik am Feminismus“

Pinkstinks will Kritik am Feminismus aufgreifen:

Feminismus hasst Männer.

Diese Kritik wird gerne von Männern vorgebracht, die prinzipiell nichts gegen eine gleichberechtigte Gesellschaft haben und sich selbst als „gute Typen“ verstehen, vor denen Frauen nichts zu befürchten haben. So nachvollziehbar sie anhand überspitzter, pointierter Hashtags wie #menaretrash sein mag, so substanzlos ist sie im Kern. Mit Sicherheit gibt es Menschen innerhalb des feministischen Spektrums, die Männer aus welchen Gründen auch immer hassen. Aber die überwiegende Mehrheit hat Probleme mit spezifischen Aspekten von Männlichkeit, nicht mit Männer an sich. Und im weiteren Verlauf eben sehr wohl mit Männern, die Sexismus für Unfug halten, Feminismus für die Emanzenweltverschwörung und Privileg für ein Konstrukt, um andere zu diffamieren und sich selbst in den Vorteil zu setzen. An der Debatte um #menaretrash lässt sich das gut nachvollziehen. Die überspitzte Formulierung in einem satirischen Gedicht der Journalistin Sibel Schick, dass „Männer strukturell Arschlöcher sind“, verleitet zahllose Männer dazu, sich wie besagte Arschlöcher zu verhalten und Schick mit Beschimpfungen, Vergewaltigungen und Todesdrohungen einzudecken. Warum sind wir nicht darauf wütend?

Ein ziemliches Ausweichen, gerade weil sie gegen „Feminismus hasst Männer“ agieren und man es damit perfekt umdrehen kann. „Sicher gibt es vereinzelt Leute, die aus welchen Gründen auch immer Feministinnen hassen. Aber die überwiegende Mehrheit hat Probleme mit spezifischen männerfeindlichen Aspekten von Feminismus. Warum wird auf die überspitzte Kritik eingegangen und warum darf Sibel unter dem Deckmantel des Feminismus Männer abwerten? Gegen einen Feminismus, der auf Gleichberechtigung aus ist haben wir nicht, aber gegen einen toxischen Feminismus, der eine übliche Identitätspolitik dazu mißbraucht Leute nach Hautfarbe und Geschlecht abzulehnen schon“.

Feminismus ist nicht kritikfähig.

Die Hälfte dieses Kritikpunktes hat sich schon mit dem Vorwurf, Feminismus sei zerstritten, erledigt: Es gibt große Verwerfungslinien wie Prostitution, Kopftuchverbot und andere innerhalb des Feminismus, entlang derer sehr hart und gestritten und kritisiert wird. Was Kritik von außen anbelangt, ist Feminismus nicht besser oder schlechter als andere politische Ideen. Politischen Ideen hängt man zumeist aus Überzeugung an. Das bedingt, dass man in Debatten nicht leicht vom Gegenteil zu überzeugen ist. Sei es nun aufgrund des zwanglosen Zwangs des besseren Arguments oder der eigenen Starrköpfigkeit. Darüber hinaus verwechseln viele Kritiker*innen Kritikfähigkeit mit Kritikübernahme. Als Autor beweise ich Kritikfähigkeit nicht dadurch, dass ich mich mit allen Einwänden gegen meine Formulierungen und Argumente gemein mache, sondern dadurch, dass ich sie erwäge und dann entscheide, sie umzusetzen oder zu verwerfen.

Nur machen Feministinnen das eben nicht. Sie hören nicht zu, sie blocken. Sie sind nicht für Meinungsfreiheit, sie rufen zu Boykotts auf, wenn etwas nicht in ihr Programm passt und sie haben auch keine wirklichen Gegenargumente und können ihre eigenen Theorien meist überaus schlecht verteidigen bzw auf Sachargumente stützen. Argumente werden nicht abgewägt, sondern ihnen Raum zu geben ist bereits Ketzerei.

Feminismus ist humorlos.

Stimmt teilweise. Feminismus hat grundsätzlich ein Problem damit, wenn Menschen humoristisch nach unten treten und nicht nach oben. Wenn das Private politisch ist, dann ist es der Humor schon lange. Deshalb findet man Vergewaltigungswitze nicht witzig. Nicht weil die Oberbefehlshaberin der feministischen Weltverschwörung das so verfügt hat, sondern weil man die unfassbaren Ausmaße sexualisierter Gewalt irgendwann nicht mehr ignorieren kann. Also ja: Bei Vergewaltigungswitzen ist Feminismus „unentspannt“. Er hat aber trotzdem Humor. Wenn Margarete Stokowski einen Rant über den deutschen Spargelkult schreibt und ihn als den „alten weißen Mann der Kulinarik“ bezeichnet, mag man das witzig finden oder nicht.
Aber spätestens wenn Christian Lindner sich auf dem Parteitag der FDP über ihren Text aufregt und beklagt, dass Deutschland nicht „Spargelweltmeister“ ist und in der „Spargeltechnologie“ gegen China verliert, dann ist das urkomische Realsatire, weil der Mann rückwirkend eben jenen Spargelkult betreibt, der Spott auf sich gezogen hat.

Natürlich ist Feminismus humorlos. Weil sie alles auf Glaubensdogmen aufbauen, die nicht hinterfragt werden dürfen. Wer sich über eine ihrer Dogmen lustig macht, der wird als Feind gesehen. Jeder kleinste Bestandteil eines Witzes, der politisch unkorrekt ist – was eine häufige Form von Humor ist, weil dieser von Grenzverletzungen lebt – ist ein Verbrechen. Und Stokowski war auch in ihrem Rant nicht witzig.

Feministinnen und Feministen sind humorlos, weil sie Fanatiker sind, die ihre Welt auf Dogmen und deren Unberührbarkeit aufbauen. Der Grad des Humors zu dem sie fähig sind entspricht insofern dem von anderen religiösen Fanatikern. Gerne wird „war doch nur Satire“ aber eingesetzt um Beleidigungen und Hetze zu verschleiern.

Feminismus ist irrelevant.

Der letzte und zugleich langweiligste Kritikpunkt dieser Liste. Feminismus die Relevanz abzusprechen ist ziemlich irrelevant. Klar, vielen Menschen ist Feminismus vollkommen gleichgültig. Das sind dann aber eher nicht die, die ihm Irrelevanz unterstellen. Warum sollten sie mit derlei Unterstellungen ihre Zeit verschwenden? Feminismus ist irrelevant ist letztlich nur eine verbrämte Feminismus ist doof Version. Gerne von Leuten vorgebracht die „Ich kenne keine feministischen Texte weil Feminismus irrelevant ist.“ mit „Weil Feminismus irrelevant ist, kenne ich keine feministischen Texte.“ kombinieren. Außerdem schlägt sich Feminismus zumindest in den weltweiten Google Trends der letzten 12 Monate ganz gut. Nicht so gut wie Demokratie aber doch besser als Humanismus.

Interessanterweise kann er selbst nicht anführen, was den Feminismus relevant macht. Wäre auch ein sehr gefährliches Unterfangen, da in den allermeisten Bereichen die Diskriminierungen, die der Feminismus ausgemacht zu haben glaubt, keine mehr sind. Aber auf das dünne Eis begibt man sich bei Pinkstinks lieber nicht.

 

 

45 Gedanken zu “Pinkstinks zu „Kritik am Feminismus“

  1. Das sind doch nicht die entscheidenden Kritikpunkte.

    Sondern
    – Feminismus ist realitätsfern und nicht faktenbasiert. Egal ob Gender Pay Gap, Gender Gap Report, Paritätsgesetz, Zahlen zu Gewalt ggÜ Frauen, all das sind fragwürdig zurecht gedrehte Statistiken, die als Anlass für die Errichtung einer institutionalisierten Diskriminierung von Männern genutzt werden soll
    – Feminismus kämpft gegen Gleichberechtigung. Es geht nicht darum, Frauen und Männern gleiche Rechte und Pflichten zu verschaffen, sondern Frauen auf Kosten von Männern zu bevorzugen.
    – Moderner Feminismus ist sexistisch und rassistisch. Jemanden aufgrund seines Geschlechts zu benachteiligen und ihm weniger Wert zuzuweisen, ist sexistisch. Jemandem aufgrund seiner Hautfarbe einen geringeren Wert zuzuweisen, ist rassistisch. Es ist dabei egal, welches Geschlecht oder welche Hautfarbe das ist.

    Was Feministinnen von Männern halten, ist uns doch egal. Ob sie dabei lachen oder nicht… Ebenfalls.

    • Die genannten fragwürdigen Praktiken des Feminismus sind ein wichtiger Bestandteil zur Spaltung der Gesellschaft, weshalb er von seinen Förderern auch seit jeher so üppig medial inszeniert und ressourcenmäßig unterstützt wurde.
      Der „beeindruckende“ vermeintliche Einsatz für reale Mißstände und Probleme dient dabei dazu, die Solidarität der Frauen zu bündeln und diese für seine fragwürdigen Zwecke verfügbar zu machen.

      • „Die genannten fragwürdigen Praktiken des Feminismus sind ein wichtiger Bestandteil zur Spaltung der Gesellschaft, weshalb er von seinen Förderern auch seit jeher so üppig medial inszeniert und ressourcenmäßig unterstützt wurde.“

        Das klingt mir immer noch zu weltverschwörerisch. Das Argument lese ich immer wieder, aber ich kann keine soziale oder politische Kraft neben dem Feminismus ausmachen, die ein Interesse an der Spaltung der Gesellschaft haben könnte.
        Einige hundert feministische Prophetinnen und Weltuntergangsbeschwörerinnen saugen Nektar aus der allgemeinen Verunsicherung und müssen diese genau deshalb permanent aufrecht halten.
        Wer aber sonst sollte aus welchem Grund eine gesellschaftliche Spaltung wünschen, die ja auch immer eine allgemeine Krise bewirken kann?

        • @Carnofis:
          „Das klingt mir immer noch zu weltverschwörerisch. Das Argument lese ich immer wieder, aber ich kann keine soziale oder politische Kraft neben dem Feminismus ausmachen, die ein Interesse an der Spaltung der Gesellschaft haben könnte.“
          ——————————————-
          Die Maxime: „spalte (=teile) und herrsche“ (divide et impera) ist eine mindestens schon seit der Römerzeit praktizierte politische Beherrschungsstrategie. Kann man ernsthaft glauben, daß diese wirkmächtigen Instrumente heutzutage „obsolet“ geworden sind?!
          Warum wohl gibt es z.B. unzählige „think-tanks“, für wen „denken“ die eigentlich, und was?!
          Könnte eine ihrer wichtigen Aufgaben vielleicht die sein, „betreutes Denken“ voranzutreiben, um den Menschen zu suggerieren, die politisch-gewollten Denkweisen wären Ergebnis eigener Erkenntnis?
          Z.B. Männer gegen Frauen, Junge gegen Alte, Arm gegen „Reich“, wobei das, was als „reich“ gilt, gut am Erreichen des höchsten Steuer-Progressionssatzes in der BRD abgelesen werden kann – da läßt sich schön Neid gegen die „Besser-Verdienenden“ schüren, wichtig ist nur, daß damit z.B. die Machenschaften eines „Philantropen“ wie George Soros aus dem Blick der Öffentlichkeit geraten, und die Menschen glauben machen: „…ich kann keine soziale oder politische Kraft neben dem Feminismus ausmachen, die ein Interesse an der Spaltung der Gesellschaft haben könnte.“

          • „Kann man ernsthaft glauben, daß diese wirkmächtigen Instrumente heutzutage „obsolet“ geworden sind?!“

            Ich will die Existenz des seit der Antike bekannten Instruments, den Gegner zu spalten, um ihn danach zu beherrschen, keinen Moment anzweifeln. Die Großmächte USA, Russland und China liefern gerade Musterbeispiele dieser politischen Taktik, indem sie einzelne europäische Staaten aus der EU herauszubrechen versuchen, um das gesamte Bündnis zu zerschlagen.
            Als Einzelstaaten haben die Europäer gegen diese Riesen keine Verhandlungsmasse.
            Die nächsten 10 bis 15 Jahre werden da sehr spannend.

            Beim Feminismus kann ich eine derartige Absicht nicht erkennen. Natürlich ist der Feminismus – wie alle totalitären Ideologien – von einem Sendungsbewusstsein geprägt, das auch vor radikalen Methoden, den Gegner gewaltsam einzuhegen, nicht zurückschrecken würde. Aber als Bewegung ist er viel zu klein und zu unbedeutend, um eine gesellschaftsrelevante Veränderung zu bewirken. Dass er es im Verhältnis zu seiner Größe dennoch tut, ist eher einer verbreiteten Denkfaulheit und einem Desinteresse in den breiten Bevölkerungsschichten zu verdanken.
            Aber genau das wird ihm auch irgendwann das Genick brechen. So wenig, wie er heute von einer breiten Basis getragen wird, so wenig wird er auf lange Sicht aus demselben Grund auch gehalten.

            „Könnte eine ihrer wichtigen Aufgaben vielleicht die sein, „betreutes Denken“ voranzutreiben, um den Menschen zu suggerieren, die politisch-gewollten Denkweisen wären Ergebnis eigener Erkenntnis?“

            Ist das nicht Ziel jeder missionarischen Ideologie, seit Erfindung der Massenmedien?

          • @Carnofis
            „„Könnte eine ihrer wichtigen Aufgaben vielleicht die sein, „betreutes Denken“ voranzutreiben, um den Menschen zu suggerieren, die politisch-gewollten Denkweisen wären Ergebnis eigener Erkenntnis?“
            Ist das nicht Ziel jeder missionarischen Ideologie, seit Erfindung der Massenmedien?
            ———————————–
            Ja, und nein! Unsere „unabhängigen“ Medien weisen ein langes Register einseitig-politischer Steuerung auf. Das ist so lange relativ „erträglich“, so lange unterschiedliche politische Sichtweisen für die Öffentlichkeit wahrnehmbar werden. Dies ist heutzutage aber so gut wie nicht mehr der Fall, und auch die inzwischen gängige Praxis, mediale Bericht-Erstattung immer mehr mit der politisch-korrekten „Konsens-Meinungen zu vermischen, hat fatale Konsequenzen.
            Mit dem in unserer heutigen Zeit geradezu wie Pilze aus dem Boden gesprossenen „Denk“-Fabriken, die es vor wenigen Jahrzehnten noch kaum gab, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten „betreutes Denken“ für zunehmend verblödete Menschen zu betreiben!

          • Das hier: „Aber als Bewegung ist er viel zu klein und zu unbedeutend, um eine gesellschaftsrelevante Veränderung zu bewirken. Dass er es im Verhältnis zu seiner Größe dennoch tut, ist eher einer verbreiteten Denkfaulheit und einem Desinteresse in den breiten Bevölkerungsschichten zu verdanken.“ sehe ich anders.

            Als politische Bewegung ist er viel zu klein und zu unbedeutend, um sich offiziell und demokratisch zur Wahl zu stellen.
            Er würde regelmäßig an der 5%-Hürde scheitern.
            Deshalb ist er auch in den existierenden Parteien, Institutionen und Medien tätig, in denen er sich breiten Bevölkerungsschichten gar nicht zur Wahl stellen muss.
            Die gesellschaftliche Relevanz erlangt er deshalb nicht „bottom-up“, sondern „top-down“.
            Gäbe es das prinzipielle Einverständnis gesellschaftlicher Eliten nicht, er wäre da oben aber gar nicht erst angekommen, um nach unten bewusstseinsbildend zu wirken.

          • @crumar
            „Gäbe es das prinzipielle Einverständnis gesellschaftlicher Eliten nicht, er wäre da oben aber gar nicht erst angekommen, um nach unten bewusstseinsbildend zu wirken.“

            Das Versagen der gesellschaftlichen Eliten ist die große Schande des eingehenden 21. Jahrhunderts – und wird bis heute von mir nicht wirklich verstanden. Die logischen Brüche der gesamten feministischen Ideologie sind so evident, dass sie selbst ein wohlwollender Träumer unter Drogen nicht übersehen kann, geschweige denn ausgebildete nüchterne Journalisten.

            Dennoch bleibe ich dabei, dass der Feminismus bislang nicht in die Masse getragen werden konnte. Der „Pöbel“ hat hier mal sein Gutes, indem er nach Prüfung der Relevanz den ganzen Dries an sich abperlen lässt.
            Jede Wette, dass 90% der Straße am Ende nicht einmal gemerkt haben wird, dass es sowas wie Feminismus je gab. Die Antworten des Laien auf die Frage, was er mit „Feminismus assoziiert, werden auch 2030 genauso lauten, wie 50 Jahre zuvor: „Ist das nicht Irgendwas mit Gleichberechtigung?“

            Vielleicht wird der „Student“ tatsächlich bleibend zum „Studierenden“ mutieren, aber auch dann nicht aus einer Überzeugung heraus, sondern, weil es scheinbar schon immer so war.
            Denkfaulheit eben.

            @seerose
            „Dies ist heutzutage aber so gut wie nicht mehr der Fall, und auch die inzwischen gängige Praxis, mediale Bericht-Erstattung immer mehr mit der politisch-korrekten „Konsens-Meinungen zu vermischen, hat fatale Konsequenzen.“

            Da gebe ich Dir recht. Die Entwicklung ist auch in meinen Augen besorgniserregend.
            Aber auch dahinter steckt die Denkfaulheit des Konsumenten. Wer liest heute noch politische Beiträge, die über mehrere Seiten eines Nachrichtenmagazins gehen, in den 70ern und 80ern noch Normalität? Die Geduld bringt der dauerzwitschernde Permanent-Onliner gar nicht mehr auf. Er will schnelle Zusammenfassungen in maximal zwei, drei Sätzen und nicht mit Hintergründen gelangweilt werden.
            Die Fähigkeit, anderslautenden Wahrheiten auszuweichen tut ein Übriges.

            Dieses Phänomen betrifft aber das gesamte politische Spektrum, weshalb ich weiterhin zweifel, dass es eine gelenkte Bewegung gibt, durch aufbereitete Informationen ein allgemeingültiges Verhalten zu induzieren.
            Der Zerfall der Gesellschaft in Gruppen und Grüppchen ist logische Konsequenz des Internetzeitalters. Ein Adolf Hitler hätte es heute sehr schwer.

          • Der Zerfall der Gesellschaft in Gruppen und Grüppchen ist logische Konsequenz des Internetzeitalters.

            Naja, man kann das Internet auch für .. etwas komplexere Kommunikation als 140 Zeichen nutzen. Entsprechende Angebote gibt es reichlich. Sie werden nur nicht allzu häufig wahrgenommen.

            Ich sehe es so: Aufgrund der (ökonomischen) Globalisierung sind die politischen Gestaltungsmöglichkeiten westlicher Demokratien immer weiter erodiert. Man wählt letztendlich eine Bundesverwaltung, und keine handlungsfähige Bundesregierung. Das ist ein Prozess, der schon vor über hundert Jahren begann.

            Warum sollte man sich tiefgreifend mit Politik beschäftigen, wenn man sowieso praktisch nichts gestalten kann? Es gibt nmE kaum etwas, was der Mensch schlechter erträgt als die Wahrnehmung seines Ausgliefertseins. Da flüchtet er lieber in wie auch immer geartete Religionen und gibt sich so der Illusion hin, er könnte durch gottgefälliges Handeln und durch Appelle an den Allmächtigen doch irgendwie sein Schicksal gestalten. Er erträgt sein Schicksal lieber als „Strafe Gottes“ als das Bewußtsein, einfach nichts machen zu können: Bei der „Strafe Gottes“ hat er ja letztendlich sein Schicksal selbst gestaltet. Er fühlt sich lieber schuldig als ohnmächtig.

            Politiker aller Couleur haben natürlich die Zeichen der Zeit erkannt und bieten Politik nicht mehr als Wettbewerb der Ideen und Konzepte an, sie bieten stattdessen eine Art Retail Therapy“: Du kannst mit deiner Stimme das Gefühl kaufen, zu den „guten“ und „rechtgläubigen“ zu gehören, und wenn nur „alle“ zu den „guten“ und „richtigen“ gehören würden, dann wäre die Welt doch wieder im Lot! Dafür reichen 140 Zeichen allemal.

            Klar, dass in einem solchen Setting Feminismus (halbwegs) funktioniert: Wer ist denn z.B. nicht der Meinung, dass Frauen vor sexueller Gewalt geschützt werden sollen? Feminismus bietet die Behauptung, dass genau das nicht der Fall ist: Die Welt ist voll der Bösewichte, die die Menschenwürde von Frauen nicht respektieren! In _jedem Mann_ steckt ein solcher Bösewicht!1!! Feminismus bietet die Illusion, dass man sich zu seiner männlichen „Schuld“ bekennen kann, und alleine dadurch die Welt zum „besseren“ hin gestalten kann. Feminismus bietet die Illusion, dass Frau durch herumnörgeln die Welt zum „Besseren“ gestalten kann. Darüber hinaus natürlich das Gefühl, zu den „Guten“ zu gehören.

            Inhalte zählen da einfach nicht, sie trüben nur das Konsumerlebnis.

          • Vielleicht wird der „Student“ tatsächlich bleibend zum „Studierenden“ mutieren

            Das ist wohl so ziemlich das einzige Beispiel, das eine gewisse Überlebenschance hat: „Studere“ lat: „sich bemühen“; „Student“ -> der oder die „sich bemühende“.

            „Studenten“ ist also schon Partizip präsens aktiv. „Studierende“ ist eine bloße Übersetzung. Da ist gar kein generisches Maskulinum.

            Feministische Linguistik als Kindergarten zu bezeichnen wäre eine Beleidigung der Intelligenz von fünfjährigen Kindern.

          • Das Versagen der gesellschaftlichen Eliten ist die große Schande des eingehenden 21. Jahrhunderts

            Da gebe ich dir allerdings recht. Die gesellschaftlichen Eliten sind ein sehr maßgeblicher Faktor bei der zunehmenden Entpolitisierung von Politik.

            Es ist ja nicht so, dass Politik gar keine Handlungsspielräume mehr hätte.

  2. „weil man die unfassbaren Ausmaße sexualisierter Gewalt irgendwann nicht mehr ignorieren kann“

    Ich bin immer noch etwas ratlos, was man auf einen so großen, aber knackig formulierten Unsinn entgegnen kann.

    „Hört auf, Sex als Machtinstrument zu benutzen, dann hört auch die Gewalt auf“ wäre eine Möglichkeit.
    Aber geht das nicht auch besser?

    • @only me:
      „Hört auf, Sex als Machtinstrument zu benutzen, dann hört auch die Gewalt auf“ wäre eine Möglichkeit.“
      ——————————————-
      Ich finde beides schlimm, bin aber nicht von einer strengen Kausalität beider Aspekte überzeugt!
      ——————————————-
      @only me:
      „Aber geht das nicht auch besser?“
      ——————————————-
      Eine gute Frage, mit der zu beschäftigen sich lohnt!

      • „bin aber nicht von einer strengen Kausalität beider Aspekte überzeugt“

        Es geht nicht um Korrektheit, es geht darum, rhetorisch einen Stock in die Speichen zu schieben.

        Es braucht etwas, zu dem jeder Zuhörer sofort denkt: Ja, das gibt es, das ist nicht von der Hand zu weisen. Um zu wissen, welche Position hier richtig ist, muss ich wohl genauer hinschauen.

        Denn bisher ist es so: „Gewalt gegen Frauen! Das ist schlimm“ [Hört sofort auf, weiter nachzudenken]

    • Wo wird denn Gewalt von Männern gegen Frauen benutzt?
      Warum sich überhaupt auf die falsche feministische Ausgangsbehauptung einlassen?

      Das stimmt ja nur dann, wenn beispielsweise die Einladung auf ein Getränk schon als Gewaltakt definiert wird.

      Was man machen kann, in Gagaland.

      • Aber Murdoch, das nicht existierende Patriarchat muss doch irgendwelche Mittel anwenden, um seine Herrschaft erst aufzubauen und dann zu sichern, oder?!
        Aus diesem Grund nutzen alle Männer die Angst vor sexueller Gewalt, um alle Frauen durch diese gefügig zu machen.
        Deshalb ist solche Gewalt auch immer „sexualisierte Gewalt“ (feministischer Kampfbegriff) und bei einer Vergewaltigung geht es nie um Sex, sondern immer um Macht.
        Mittel -> Ziel.

        Dass eben dieses (nicht existente) Patriarchat das Mittel zur Ausübung seiner Herrschaft seit Jahrhunderten illegal gemacht hat, juckt engagierte Feministinnen nicht weiter.
        Wie man diese männliche Macht ausüben kann, wenn der Einsatz der Machtmittel verboten ist erschließt sich mir nicht.
        Andererseits appellieren sie an unser Gerechtigkeitsempfinden, das gar nicht existieren kann, weil (remember: alle Männer) männliche Herrschaft darauf basieren sollte, die existierende Unterdrückung als gerecht zu empfinden.

        Vernunft und Logik sind keine Stärken des real existierenden Feminismus.
        Gelinde gesagt.

        • „Vernunft und Logik sind keine Stärken des real existierenden Feminismus“

          Natürlich nicht – Vernunft und Logik sind ja ein patriarchalisches Konstrukt!

        • „Wie man diese männliche Macht ausüben kann, wenn der Einsatz der Machtmittel verboten ist erschließt sich mir nicht.“

          Wir leben daher ja schließlich in einer Rape Culture. Und bei den Verboten handelt es sich nur um Scheinverbote, die in einer derartigen Culture ja nie Anwendung finden. Jeder Mann vergewaltigt grundsätzlich und immer. Alle 2 Minuten wird eine Frau vergewaltigt und niemand hindert Männer daran.
          So ist das nunmal in der Rape Culture.

          • Yepp, das kommt raus wenn man Instagram Thot likes von Männern durch die Summe der Männer teilt.
            #Stare-Rape #EveryTwoMinutes!

  3. Das Gedicht von Sibel Schick bezeichnet unser Nils also als „Satire“..
    _Wenn_ man das Gedicht als Satire liest, dann bleibt als Intention der Autorin wohl nur eine _Kritik_ an einem krudem, ressentimentgeladenem Schluss von „Strukturen“ auf vermeintliche Wesenhaftigkeiten von Männern – vulgo: Männerhass – übrig.

    Das würde also bedeuten, dass auch Sibel Schick, als relevante Erscheinung, einen Männerhass im Feminismus konstatiert. Was aber im direkten Widerspruch zu der unmittelbar zuvor aufgestellten Behauptung steht, es gehe um „Probleme mit spezifischen Aspekten von Männlichkeit, nicht [..um] Männer an sich“, Männerhass sei also im Feminismus keine relevante Erscheinung.

    Das Gedicht von Sibel Schick ist sehr offenkundig allenfalls eine Realsatire. Es führt die Behauptung „nüühmand hat die Absicht, Männer zu hassen! Es geht um die Struuuktuuuren!!11!“ ad absurdum. Sie demonstriert, dass es eben nicht darum geht, „bestimmte Männlichkeiten zu problematisieren, sondern: Männer _sind_ „strukturell Arschlöcher“. Sie definiert genau „Struktur“ als etwas, was eine Wesenhaftigkeit determiniere, und reitet damit auf der gleichen Welle wie Neonazis, die „Kultur“ als Wesenhaft determinierend behaupten. Und dafür erntet sie eben keinerlei innerfeministische Kritik, man zeigt lieber bedingungslosen esprit de corps.

    Mithin demonstriert Nils ebenfalls, dass sein eigener Feminismus nicht kritikfähig ist. Sonst würde er nämlich entweder Sibel Schicks Gedicht tatsächlich als Satire – also als Kritik – auffassen, oder er müsste es als Beleg für Männerhass anerkennen.

    Wie ein fünfjähriges Kind, dass bei einer Dummheit ertappt wurde und versucht, sich mit naiven halbgaren Rechtfertigungen herauszuwinden. Und dabei nur noch mehr Beweise dafür liefert, dass es eben diese Dummheit gemacht hat.

    Oder, vielleicht: Wie ein schlechter PR-Texter, bei dem man sofort merkt, dass er ganz und gar nicht nicht hinter seiner Message steht.

    • Warum soll man überhaupt einem Mann zuhören? Diese haben im Feminismus ohnehin gar nichts zu melden. Jede Feministin wird im Zweifel abstreiten, dass dieser Nils überhaupt kompetent ist und sich äussern durfte.

      • Das stimmt natürlich, männliche Fronboten sind schon qua elementarster Grundsätze dieser Ideologie nicht satifikationsfähig.
        Von daher ist es dem Nils gar nicht möglich, aus einer wie auch immer gearteten eigenen Überzeugung heraus zu argumentieren. Das Ergebnis sind dann regelmäßig solche hochgradig naiv erscheinenden Rechtfertigungsschriften.
        Er _darf_ ja Sibel Schick nicht kritisieren.

        • Darf ich hinzufügen, das „Gedicht“ von Schick ist grottenschlecht?
          https://missy-magazine.de/blog/2018/08/07/maenner-sind-arschloecher/

          Der unbeholfene erste (End-)Reim leitet sofort in ihren „Refrain“ über, der sich aus dem Titel „Männer sind Arschlöcher“ ergibt, den Reim aber schuldig bleibt.
          Es geht weiter im Stil einer 15-jährigen Dilettantin und der Quatsch wird abgedruckt!

          Mir wäre es peinlich, ein solches „Gedicht“ und dessen Verfasserin verteidigen zu müssen.
          Egal in welchem Kontext.

          • Das wird dem Nils auch peinlich sein, allerdings wird er sich die Überwindung dieses seines Schamgefühls als heldenhaften Kampf gegen das innere Böse rationalisieren.

          • ..man darf ja auch nicht vergessen, dass es hier um einen BoC (Backfisch of Color) geht! Als WHM muss man gaanz leise sein, seit Peggy McIntosh, Tochter aus allerbestem Hause in New Jersey, uns 1988 auf unsere zahllosen unverdienten Privilegien hingewiesen hat!

          • „Backfisch of Color“ – der ist leider geil. 🙂

            „Als WHM muss man gaanz leise sein, seit Peggy McIntosh, Tochter aus allerbestem Hause in New Jersey, uns 1988 auf unsere zahllosen unverdienten Privilegien hingewiesen hat!“

            Ich bereue meine Privilegien auch standesgemäß. 😦

            Famous last words: „Your Majesty, the peasents have no bread!“
            „Let them eat white privilege!“ – der Haarschnitt war seeeeehr kurz.

            Aber egal, ich glaube wir sind uns einig, die n-word of colour haben nichts zu suchen in unserer gated community! 🙂

  4. > Was Kritik von außen anbelangt, ist Feminismus nicht besser oder schlechter als andere politische Ideen.

    Was Kritik von außen anbelangt, ist Feminismus nicht besser oder schlechter als andere [linke] politische Ideen [lies: *versagt* in der _Realität_]

    See? _Fixed that_

  5. Zusatz: Ich finde den unverblümten Selbstvergleich mit der „jüdischen“ Weltverschwörung schon ne Runde heftig. Selbstbezogen. Einsichtsfrei. Idiotisch.

    Es ist ja nun nicht mehr 1933. Die Juden haben ein eigenes Land und Atomwaffen. Feministen… sind _nicht ganz dicht_.

  6. Ich sage mal so: Es stimmt schon dass es solche und solche Feministinnen gibt. Aber darauf kommt es nicht an. Es kommt darauf an welche Strömungen des Feminismus aktuelle dominieren und vor allem darafu wer die aktuell führenden Köpfe sind. Und für Letzteres muss man nur die Geschichte von Erin Pizzey kennen. Dann weiß man was für Leute heutzutage die Elite im Feminismus bilden.
    Was auch noch zentral ist: Die Theorien die im Feminismus dominieren. Das sind nämlich durchweg solche in denen Männlichkeit immer nur negativ vorkommt und absolut alles in Richtung männliche Herrschaft interpretiert wird. Bei solchen Theorien kann der Feminismus gar nicht anders als männerfeindlich zu sein. Weil die grundlegenden Theorien etwas anderes nicht zulassen.

  7. „Ein ziemliches Ausweichen, gerade weil sie gegen „Feminismus hasst Männer“ agieren und man es damit perfekt umdrehen kann. „Sicher gibt es vereinzelt Leute, die aus welchen Gründen auch immer Feministinnen hassen. Aber die überwiegende Mehrheit hat Probleme mit spezifischen männerfeindlichen Aspekten von Feminismus. Warum wird auf die überspitzte Kritik eingegangen und warum darf Sibel unter dem Deckmantel des Feminismus Männer abwerten? Gegen einen Feminismus, der auf Gleichberechtigung aus ist haben wir nicht, aber gegen einen toxischen Feminismus, der eine übliche Identitätspolitik dazu mißbraucht Leute nach Hautfarbe und Geschlecht abzulehnen schon“.“

    Das gleiche wurde auch gerade erst bei Gunnar Kaiser argumentiert:

    Jetzt ist nur noch die Frage zu klären, ob Christian sich bei ihm inspirieren lassen hat — oder es doch bloß Zufall war. 😉

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