Die Vorzüge von Gewohnheiten und festen Schemata

Seth Godin hat einen interessanten Text geschrieben:

Disneyworld is stressful.

The occasional visitor has far less fun than you might expect. That’s because without habits, every decision requires attention. And attention is exhausting.

And it’s stressful because the choices made appear to be expensive. There’s a significant opportunity cost to doing this not that. You’re leaving tomorrow, what are you going to skip? What if it’s not worth the line? What are you missing?

It’s all fraught. We feel the failure of a bad choice in advance, long before we discover whether or not it was actually bad.

Disneyland ist grundsätzlich etwas schönes, aber man muss eben auswählen, was man macht. Und zuviel Auswahl kann Stress bedeuten. Es kann angenehmer sein, eine geringere Wahl, ein einfacheres Schema zu haben, bei welchem man sich leichter entscheiden kann-

Here’s my list, in order, of what drives behavior in the modern, privileged world:

  • Fear
  • Cognitive load (and the desire for habit and ease)
  • Greed (fueled by fear)
  • Curiosity
  • Generosity/connection

The five are in an eternal dance, with capitalist agents regularly using behavioral economics to push us to trade one for the other. We’re never satisfied, of course, which is why our culture isn’t stable. We regularly build systems to create habits that lower the cognitive load, but then, curiosity amplified by greed and fear (plus our search for connection and desire to love) kick in and the whole cycle starts again.

Für mich stellt sich da die Frage, ob nicht viele Weltbilder und Ideologien deswegen so erfolgreich sind, weil sie bestimmte Aspekte davon nutzen.

Und gerade der „kognitive Ballast“ bzw die Einfachheit einer Ideologie und die Einfachheit danach zu handeln scheint mir durchaus verführerisch.

Es ist eben einfach Schwarze als den Weiße generell unterlegen anzusehen oder Frauen als unterdrückt durch die bösen Männer anzusehen. Es ist einfach in Identitätstheorien zu denken.

Das Internet erlaubt uns in allen Ideologien eine wesentlich stärkere Überwachung aber auch eine wesentlich größere Teilhabe. Das führt auch dazu, dass der Gruppendruck anders wird und virtue Signalling auch anders betrieben werden kann. Angst vor der Outcall Culture kann sich mit der Gier nach Bestätigung in dem Gut-Böse Schema verbinden. Man kann als Großzügig für eine Sache kämpfend erscheinen und eine Verbindung zu den anderen kämpfenden haben.

Und das eben in einer ganz einfachen Welt in der man sich ausleben kann: Da die Guten, dort die Schlechten. Alles ist die Schuld der Bösen und die Last der anderen.

16 Gedanken zu “Die Vorzüge von Gewohnheiten und festen Schemata

  1. Entscheidungen Treffen fällt schwer, da man mit den Konsequenzen leben muss.
    Daher laufen meiner Meinung nach so viele junge Leute autoritären Systemen (wie z. B. dem Is) hinterher. Die Systeme übernehmen die Entscheidungen.
    Der moderne Femimiminismus ist da eleganter. Er nimmt (den Frauen) einfach die Verantwortung für die Konsequenzen ab.

    • Entscheidungen treffen fällt umso schwerer, wenn man die möglichen Konsequenzen schon sehr leicht abschätzen kann.

      Und das ist in unserer Scheindemokratie nicht sehr schwer. Der die Kohle hat gewinnt. Und Staat, Justiz und Exekutive haben den roten Teppich für den, der die Kohle hat, ausgerollt. Gestzgebung, Vollziehung, Medienpropaganda.

      Deswegen kapitulieren vierle junge Leute und wollen gar keine Entscheidungen mehr treffen.

      Ich verstehe das. Wenn die Konsequenz immer nur heisst, dass du im Arsch bist.

      Aber wie heisst es so schön bei Watzlawick? Man kann nicht nicht kommunizieren.

      Man kann sich also nicht nicht-entscheiden.

      Um auf der sicheren Seite zu sein, entscheide ich mich also für „Klimaschutz“ und AntiFa.

  2. Hier im Supermarkt gibt’s abends immer eine kleine Box mit abgelaufener Ware.
    Die liebe ich.
    Nicht wegen des Preises.
    Aber wegen der zwar überraschenderen, aber viel kleineren, Auswahl.

  3. Ich habe mal gelesen, dass es zwei Möglichkeiten gibt, einem Kind die Auswahl zu überlassen, was es heute anziehen will:
    • man stellt es vor den Schrank und fragt: „Was (von den 5000 möglichen Kombinationen der in diesem Schrank liegenden Kleider) möchtest du heute anziehen?“
    • man holt zwei Kombinationen aus dem Schrank, legt sie aufs Bett und fragt: „Was möchtest du anziehen? Das oder das?“

    Es wurde dringend geraten, dem zweiten Ansatz zu folgen.

    Wir sind alle viel weniger erwachsen als wir gemeinhin glauben wollen.

    • DAS erklärt warum Vidoespiele in ihren Ingame Shops meist relativ wenige Items gleichzeitig zum Kauf anpreisen.
      Acht Teile für 2 Millionen Pixel Werbefläche ist verglichen mit einem Supermarktregal erstaunlich wenig, selbst wenn man die Resolution des Auges anlegen würde ;-))

    • Ist auch ein alter Lehrertrick, um Schülern das Gefühl von Mitbestimmung zu geben, und trotzdem das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Besonders, wenn eine von den beiden Alternativen unattraktiv ist 🙂
      Obwohl leicht durchschaubar, führt es doch zu größerer Akzeptanz.

  4. Ich denke, hier kommen Gewohnheiten und feste Schemata zu schlecht weg. Ohne sie könnten wir in unserer sozialen Welt nicht vernünftig agieren, weil unserer Handeln auf Erwartungen beruht, wozu natürlich auch das Verhalten anderer Menschen gehört. Gewohnheiten und feste Schemata sorgen wie auch Sprache dafür, dass sowas wie eine Gesellschaft überhaupt möglich ist.

    • Stimmt! Sollte aber ausdifferenziert werden.
      Stereotype sind unbedingt überlebensnotwendig, somit sinnvoll und grundsätzlich dynamisch.
      Präjudikationen das jeweilige Gegenteil.

      Kurz: Je exakter ( und starrer ) das ohne akute Infos vorher angelegte Bild, desto sinnloser ( ebenfalls rein grundsätzlich und im Schnitt betrachtet ).

      • Nö. Stereotype basieren auf Präjudizien..

        Wenn ich mich aufgrund eines Stereotyps vor irgendwelchen Leuten in Acht nehme, dann ist das meist nicht eigene Erfahrung.

        Also ein Präjudiz. Und das ist gut so, weil die Eigenerfahrung mich das Leben gekostet hätte.

        • Värarschen, oder was? Wenn nicht mal wer zumindest die Beobachtung gemacht hätte, daß irgendwas gefährlich bis tödlich sein könnte, würdest Du Dich nicht in Acht nehmen.

          Im Ernst, der Schwerpunkt liegt bei ( ursprünglich ) realitätsbasierter Dynamik vs. starres Gebilde ( welcher genauen Art auch immer ). Wobei diese Erfahrung auch mal ein paar Jahrhunderte bis Jahrtausende zurückliegen kann.
          Was latürnich gleich miterklärt, daß es dazwischen keine exakt definierte Grenze geben kann.
          ( think fuzzy and it’s easy … 😉 )

          • Sag ich ja. Sogenannte Präjudizien basieren auf zurückliegender Erfahrung eines anderen, der so nett war, uns über seine Erfahrungen (oder über die Erzählungen seiner überlebenden Nachfahren) zu informieren.

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