Transsexualität, Beliebigkeit und soziale Ausformbarkeit der Geschlechterrollen und Selektion der Geschlechterrollen

Transsexualität ist etwas, was abseits der biologischen Theorien gerade bei Leuten, die einer sozialen Konstruktion anhängen immer wieder zu Problemen führt.

1. Die biologische  Ausgangslage

In den biologischen Theorien ist es einfach. Frauen und Männer waren aufgrund insbesondere des Umstandes, dass Frauen schwanger werden können und Männer nicht und der Selektion auf Intelligenz, die  lange Tragzeiten, einen großen Kopfumfang und lang anhaltende Unselbständigkeit des Kindes zur Folge hatten einen unterschiedlichen Evolutionsdruck ausgesetzt, der zu erheblichen Geschlechterunterschieden führte. Dieser Selektionsdruck führte neben dem übrigen Körper auch zu entsprechenden Unterschieden im Gehirn bei Vorlieben und Fähigkeitsausprägungen. Umgesetzt wurde dies insbesondere durch Hormone, gerade Testosteron. Je nach Menge des Testosterons wurde eine männlichere oder weiblichere Ausprägung vorgenommen und die Menge des Testosterons hing stark davon ab, ob man Hoden oder Eierstöcke hatte. Im Gehirn ist allerdings der Vorgang noch etwas anders, hier wird das Testosteron aromatisiert und in Östrogene umgewandelt, die dann im Gehirn ihre Wirkung entfalten. Geht bei diesem Vorgang etwas schief, dann kann es einen zB männlichen Körper mit einem weiblichen Gehirn geben.

2. Beliebigkeit der Transsexualität vs. Stützung der Geschlechterrollen

Gerade im radikalen Transfeminismus, bei dem TransFrauen Frauen sind und Transmänner Männer und damit auch ihre jeweiligen Körperteile entweder männlich oder weiblich sind, wird der Transsexualitätsbegriff entweder beliebig oder man muss bestimmte Geschlechterrollen damit verbinden.

Ein Beispiel wäre die Aussage, dass bei einer Transfrau (oder M->F Transexuelle) ein Penis zwangsläufig weiblich sein muss, weil sie ja eine Frau ist. Wenn man dann argumentiert, dass ein Penis dazu da ist, dass er männliche Geschlechtszellen transportiert und damit zwangsläufig als männlich anzusehen ist, dann wird angeführt, dass dies nicht richtig ist, weil es allein darauf ankommt, wie sich derjenige sieht. Allein seine Selbstpositionierung bestimmt welches Geschlecht er hat.

Diesbezüglich können dann aber keine Kriterien benannt werden, da ansonsten ja feste Geschlechterrollen als weiblich oder männlich definiert werden. Man könnte also beispielsweise nicht sagen, dass ein Kind, welches häufiger mit Puppen gespielt und Kleider mag transsexuell ist, weil dann angeführt werden müsste, das mit Puppen spielen und Kleider tragen weiblich ist und zwar gerade zu unabänderlich weiblich

Insoweit bleibt dann letztendlich nichts anderes übrig als zu sagen, dass beispielsweise ein Mensch in einem männlichen Körper, der sich absolut männlich verhält, geradezu der letzte Macho ist, auch anführen kann, dass er Trans ist. Die ursprüngliche Definition, nach der man sich nicht mit dem ihm nach Geschlechtsmerkmalen von Anderen zugewiesenen Geschlechtsrolle identifiziert geht dabei unter. (wobei das dann meist nur das alte Spiel mit Feld und Festung ist, natürlich wird eigentlich von einer Transfrau eine gewisse „weiblichkeit“, sei es in Kleidung oder Verhalten erwartet.

Derjenige kann dann anführen, dass er in seiner Funktion als Trans genauso Geschlechterrollen bekämpfen kann, er wäre als Frau eben nicht darauf festgelegt, sich weiblich zu verhalten. Letztendlich hat Transsexualität damit keinerlei greifbare Grundlage mehr.

Führt man an, dass bestimmte Position männlich oder weiblich sind, dann stellt sich die Frage, warum diese dann bei Transpersonen besonders schützenswert sein sollen bzw warum sie bei diesem nicht auch rein sozial konstruiert sind und demnach Transsexualität ebenso zu dekonstruieren wäre wie jede andere Geschlechterrolle auch.

3. Unveränderbarkeit der Transexualität vs Unveränderbarkeit der CIS-Geschlechterrollen

Gleichzeitig versuchen sich dann auch wieder einige radikale Transaktivisten an einer biologischen Begründung der Transsexualität, die zum einen eine Untermauerung der Geschlechteridentität sein soll („ich habe ein weibliches Gehirn also bin ich  (unabänderbar) eine Frau“) wobei im übrigen gleichzeitig mit dem intersektionalen Feminismus geliebäugelt wird, was alle anderen Geschlechterrollen angeht, die dann sozial konstruiert sein sollen und veränderbar sein sollen

Aus meiner Sicht ist es biologisch nicht erklärbar, dass Transsexualität eine biologische Grundlage hat ohne dass im gleichen Maße auch die Geschlechterrollen biologisch bedingt sind und dann der Maßstab, dass transsexuelle nicht umerzogen werden können genauso für Nicht-Transsexuelle in ihren jeweiligen Rollen bestehen muss.

Eine genetische Selektion, die nur bei Transsexuellen dazu führt, dass diese bestimmte Geschlechterrollen aufbauen, wäre schon aufgrund der Seltenheit von Transsexuellen nicht vorstellbar. Der Aufbau der Geschlechterrollen über eine genetische Grundlage würde eine ganz erhebliche Selektion erfordern, da hier sehr kompliziert Regelungen bestehen. Dazu müssten sich letztendlich entweder Transsexuelle untereinander quasi exklusiv fortgepflanzt haben, damit in einer kleinen homogenen Gruppe dann diese genetische Selektionen eintreten können oder es müsste eine Selektion bei Menschen allgemein stattgefunden haben die, die dann heute lediglich noch bei Transsexuellen zum Tragen kommt.

Beide Selektionen sind so unwahrscheinlich, dass sie auf einer logischen Ebene keinen Sinn machen. Wie sollte sich eine Gruppe gerade von Transsexuellen über einen so langen Zeitraum quasi separat von Nicht-Transsexuellen gehalten haben und warum sollten die Selektionen auf diese Weise verlaufen sein, komplett abweichend von der Selektion anderer Tiere unsere nächsten Verwandten? Warum sollte nur bei Transsexuellen eine sehr komplexe Regelung erhalten bleiben, die genau den sozialen Rollen entspricht, bei anderen aber ausgeschaltet sein, obwohl sie dort mit wesentlich weniger Widerstand verbunden wäre und sogar vorteilhaft gewesen wäre?

Letztendlich bleibt damit nur die These, dass die Geschlechterrollen, die bei Transsexuellen dazu führen, dass diese sich auf eine bestimmte Weise verhalten und sich einer bestimmten Denkweise und Geschlechteridentitäten nahe fühlen, nicht bei Transsexuellen entstanden sind, sondern eben bei Nicht-Transsexuellen. Es würden dann bei Nicht-Transsexuellen genau die gleichen Regeln und biologischen Vorgänge zur Anwendung kommen, was wiederum bedeutet, dass auch deren Plastizität und deren soziale Abänderbarkeit gleichen Regeln unterliegen würde (nur eben in den dazu passenden Körpern). Wenn man bedenkt, welchen erheblichen Druck Transsexuelle ausgesetzt sind, ohne dass sie ihre Transsexualität aufgeben, dann spricht dies dafür, dass auch bei Nicht-Transsexuellen ein entsprechender Druck wenig ändern würde und diese genauso wenig wie Transsexuelle ihre Geschlechterrollen aufgeben oder umkonstruieren können und wollen.

Es ist erstaunlich, dass das schon in einigen Diskussion auf erbitterten Widerstand gestoßen ist, bei dem derjenige nicht einsehen wollte, dass eine Exklusivität biologischer Regelungen für Transsexuelle wenig Sinn macht.

 

12 Gedanken zu “Transsexualität, Beliebigkeit und soziale Ausformbarkeit der Geschlechterrollen und Selektion der Geschlechterrollen

  1. Aaaaahhh….. mein Kopf! Was sagen eigentlich richtige Transsexuelle dazu, dass ihr sozialer Raum jetzt von Unmengen von komplett durchgeschepperten Schneeflöckchen geflutet wird?

    Ist ja auch zu verlockend. Auch als weißer, alter Mann kann man sich jetzt ein schönes Plätzchen in der intersektionalen Opferhierarchie sichern.

  2. Lieber Christian,
    dein gesamter Beitrag schreit laut und deutlich:
    „Ich schreibe den Begriff „Transsexuell“, meine aber doch eigentlich nur Aspekte die zu dem Begriff „Trans*“ gehören !!!“
    Darf ich dir hier deshalb einmal die Differenzen der Phänomenlagen die zu den sehr wohl völlig unterschiedliche Bezüge haben erläutern?
    Transsexualität, wir benennen dies mit dem Zusatz „Neuro-Genitales-Syndrom“ kurz auch „NGS“, weil eben viel zu viele „Trans*/Transgender/Transidente“ diesem Begriff „Transsexualität“ in völlig falsche Bezüge gesetzt verwenden; dabei bedeutet dies etwas ganz simples und durchaus leicht verständliches:
    Transsexualität (NGS) steht für Menschen, deren neuronale Geschlechtlichkeit sich schon während der Entwicklung genau entgegengesetzt zu der Genital-Gonadalen Entwicklung gebildet hat. Aus diesem Apekt ergibt sich dann auch mit einfacher Logik die Schlußfolgerung was die Menschen mit „Transsexualität (NGS)“ eigentlich wollen bzw. sogar dringen brauchen -> die Angleichung der Gonadal-Genitalen Aspekte an die Neuronale Geschlechtlichkeit.
    Die neuronale Ebene des Geschlechtlichen seins, kann nicht verändert werden – da aber eine „Übereinstimmung dieser Geschlechtsaspekte“ für die meisten Menschen absolut Notwendig ist, bedeutet dies eben das die Gonadal-Genital Ebene angepaßt werden muss. Die Gonaden, also die Geschlechtshormonproduzierenden Geschlechtsteile können bisher ebenfalls noch nicht direkt ersetzt werden, daher ist es Notwendig neben der Genitalangleichung die passenden Geschlechtshomone zu zu führen.

    Ich möchte noch kurz auf die Widersprüchlichkeit der Genitalumdefinierung eingehen, denn genau dieser „Trans*/Transgender“ übliche Umdefinierungsversuch, ist auch für Menschen mit Transsexualität (NGS) absolut Falsch – ein männliches Genital ist der männliche Penis, die Hoden als Gonaden gehören dementsprechend auch dazu, selbst ohne Hormonproduktion; während „Gebärmutter & Eierstöcke“ gar keine „männlichen Genitalien & Gonaden“ sein können!
    Dies wird ja ganz klar als „Falsch“ erlebt weil die Neuronale Ausprägung eben die „Geschlechtsrichtigen Genitalien & Gonaden“ benötigt um „Passen zu können“.
    Menschen mit Transsexualität (NGS) versuchen auch schon seit längerem dies und die Differenzierung und Abgrenzung von „andersgeschlechtlichen Phänomenlagen“ in die Community, die Gesellschaft , die Politik und die Presse zu bringen…. Community und Politik (weitestgehend, es gibt wenige Ausnahmen) verweigern dies jedoch vehement und die Presse will nur „was sich gut Verkauft“, wir haben da nicht genug zu bieten.

    Liebe Grüße,
    Frank

  3. ich denke, man darf da an Genderstudierte nicht zu hohe logische oder gar wissenschaftliche Kriterien anlegen. Transen zeigen halt „irgendwie“, dass alles ganz anders ist, insofern sind Männer schlecht … Die Stimme von Transen selbst wird dabei übrigens oft übergangen. Anders ausgedrückt: Fragt man Transen, ob sie mit der „Wahl“ ihres Geschlechts glücklich sind, erhält man oft nicht-feminismuskompatible Antworten.

  4. Originär transsexuelle Menschen (NGS) sind weder „transident“ (siehe: vtsm e.v., http://forum.shg-dazwischen.de/viewtopic.php?f=70&t=1516), noch können sie dementsprechend „gender identity disordered“ (GID) sein, oder wie Diejenigen, die gerne mit psychopathologischen Konstruktionen arbeiten es neuerdings formulieren, eine „Gender Dysphorie“ (GD) aufweisen. NGS haben ein Geschlechts-Körper-Problem, wobei die (personale!) Geschlechts-Identität für originär transsexuelle Menschen überhaupt niemals ein Problem war und ist.
    Dennoch werden diese Menschen heute mit „Trans*/Transgendern/Transidenten“ begrifflich vermengt, und ihnen wird somit ihr somatisches Problem verfälschend abgesprochen, und besagtes „Identitätsproblem“ aufgenötigt.
    Weitergehende Ausführungen zu originärer Transsexualität als „Neuro-Genitales-Syndrom“ (NGS) finden sich hier: vtsm e.v., http://forum.shg-dazwischen.de/viewtopic.php?f=11&t=1409

      • Ich habe den Eindruck, daß originär transsexuelle Menschen (NGS) das Monstrum eines „radikalen intersektionalen Transsexuellen Feminismus“ als realitätsferne ideologische „Kopf“geburt ansehen, wobei diesem „Kopf“ bestenfalls subjektivistische Selbst-Gefälligkeit eingeräumt werden kann. Zudem handelt es sich ja dabei wohl um eine politische Champagne, wobei sich die schrill-schreiend auftretenden Subjekte dieses life-styles großen Wohlwollens und Förderung durch Politik und „philantropische Menschheitsretter“, und der von ihnen so gewünschten Aufmerksamkeit und medialen Bestätigung, sowie häufig üppig fließender monetärer Förderung erfreuen.
        ————————————————————————-
        @Christian: „Ein Beispiel wäre die Aussage, dass bei einer Transfrau (oder M->F Transexuelle) ein Penis zwangsläufig weiblich sein muss, weil sie ja eine Frau ist.“
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        Ein Penis war, ist, und wird voraussichtlich immer ein ein-eindeutiges männliches Geschlechtsteil bleiben!
        Wir originär transsexuelle Frauen, die mit einem männlichen Geschlechtsteil geboren wurden, haben dies immer als maximale Verhöhnung unseres Frauseins empfunden, und waren und sind demnach bestrebt, eine körperlich-geistig-seelische Stimmigkeit unseres Frauseins zu erreichen; dazu ist die Geschlechts-angleichende Operation (GaOP) für uns unerläßlich.
        Für uns ist die Champagne des „radikalen intersektionalen Transsexuellen Feminismus“ ein weiterer Mißbrauch des Begriffs „Transsexualität“, die dazu beiträgt, uns und unsere Phänomenlage absurd und lächerlich zu machen.
        Ich distanziere mich von solchen Machenschaften auf das Schärfste!

          • 1. Die biologische Ausgangslage wird von originär transsexuellen Menschen (NGS) i.d.R. nicht infrage gestellt!
            2. Beliebigkeit der Transsexualität vs. Stützung der Geschlechterrollen
            Es wäre bzw. ist kein „Alleinstellungs-Merkmal“ des radikalen Transfeminismus, „TransFrauen“ als Frauen und „TransMänner“ als Männer zu bezeichnen. Originär transsexuelle Menschen (NGS) sind Frauen oder Männer, die bestrebt sind, die körpergeschlechtlich-genitale Unstimmigkeit über entsprechend benötigte genitalangleichende Operationen zu beseitigen, um fortan weitestgehend vollumfänglich als Mann oder als Frau leben zu können. Spätestens postoperativ sind die Bezeichnungen „Trans-Mann“ oder „Trans-Frau“ deplatziert, und halten sonst widersinnig immer wieder und im weiteren Leben das biographisch überwundene „Handicap“ lebendig. Dabei sind damit dann weitere, tiefgehende (Selbst-)Erniedrigungen verbunden, wie ich an nachfolgendem Beispiel verdeutlichen möchte:
            Ein Mann, der sein abhanden gekommenes Haupthaar z.B. mittels Haar-Transplantation wiedererlangen konnte, wird sich kaum weiterhin gerne als „der mit der Glatze“ bezeichnen lassen, geschweige denn, sich selbst weiterhin so bezeichnen wollen, es sei denn er leidet z.B. an ausgeprägt schizophrenem Masochismus!
            Dieses verhältnismäßig harmlose Beispiel möge verdeutlichen, was obige Bezeichnungen für originär transsexuelle Menschen (NGS) bedeuten!

            Im expliziten Gegensatz zum radikalen Transfeminismus können sich (transsexuelle) Frauen aber nicht mit einem solch grundlegenden Geburtsfehler abfinden, wie aber ein Penis eben nun einmal an einem Frauenkörper völlig unerträglich und widersinnig ist, der zudem ein Intimleben, entsprechend dem Bedürfnis einer Frau, verunmöglichend ist. Diese Empfindungen dürften sie höchstwahrscheinlich mit den allermeisten anderen Frauen teilen!

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