Das Gehirn erkennt zuerst Geschlecht und Alter bevor es Einzelheiten eines Gesichts wahrnimmt

Eine interessante Studie behandelt wie wir Gesichter auswerten:

Within a fraction of a second of viewing a face, we have already determined its gender, age and identity. A full understanding of this remarkable feat will require a characterization of the computational steps it entails, along with the representations extracted at each. Here we used magnetencephalography to ask which properties of a face are extracted when, and how early in processing these computations are affected by face familiarity. Subjects viewed images of familiar and unfamiliar faces varying orthogonally in gender and age. Using representational similarity analysis, we found that gender and age information emerged significantly earlier than identity information, followed by a late signature of familiarity. Importantly, gender and identity representations were enhanced for familiar faces early during processing. These findings start to reveal the sequence of processing steps entailed in face perception in humans, and suggest that early stages of face processing are tuned to familiar face features.

Quelle: How face perception unfolds over time

Aus einer Besprechung (übersetzt mit deepl)

Unser Gehirn ist unglaublich gut in der Verarbeitung von Gesichtern und hat sogar spezifische Regionen, die auf diese Funktion spezialisiert sind. Aber welche Gesichtsdimensionen beobachten wir? Beobachten wir zuerst die allgemeinen Eigenschaften und schauen uns dann die Details an? Oder werden Dimensionen wie Geschlecht oder andere Identitätsdetails in Abhängigkeit voneinander dekodiert? In einer in Nature Communications veröffentlichten Studie haben Neurowissenschaftler des McGovern Institute for Brain Research die Reaktion des Gehirns auf Gesichter in Echtzeit gemessen und festgestellt, dass das Gehirn zunächst Eigenschaften wie Geschlecht und Alter entschlüsselt, bevor es auf die spezifische Identität des Gesichts selbst eingeht.

Während die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRI) einen unglaublichen Detaillierungsgrad gezeigt hat, welche Regionen des Gehirns auf Gesichter reagieren, ist die Technologie weniger effektiv, um uns zu sagen, wann diese Regionen aktiviert werden. Denn die fMRT misst die Hirnaktivität, indem sie Veränderungen der Durchblutung erkennt; wenn Neuronen aktiv werden, steigt der lokale Blutfluss zu diesen Hirnregionen. Die fMRI arbeitet jedoch zu langsam, um mit der Dynamik des Gehirns in Millisekundenschnelle Schritt zu halten. Die ändert die  Magnetoencephalographie (MEG), eine vom MIT-Physiker David Cohen entwickelte Technik, die kleinste Schwankungen in Magnetfeldern erkennt, die bei der elektrischen Aktivität von Neuronen auftreten. Dies ermöglicht eine bessere zeitliche Auflösung der neuronalen Aktivität.

Die Forscherin des McGovern Institute, Nancy Kanwisher, der Walter A Rosenblith Professor am MIT Department of Brain and Cognitive Sciences, und die Postdoc-Katharina Dobs, zusammen mit ihren Co-Autoren Leyla Isik und Dimitrios Pantazis, wählten diesen zeitlich präzisen Ansatz, um die Zeit zu messen, die das Gehirn benötigt, um auf verschiedene dimensionale Merkmale von Gesichtern zu reagieren.

„Aus einem kurzen Blick auf ein Gesicht extrahieren wir schnell all diese reichen mehrdimensionalen Informationen über eine Person, wie Geschlecht, Alter und Identität“, erklärt Dobs. „Ich wollte verstehen, wie das Gehirn diese beeindruckende Leistung vollbringt und was die neuronalen Mechanismen sind, die diesem Effekt zugrunde liegen, aber niemand hatte in derselben Studie die Zeitskalen der Reaktionen auf diese Merkmale gemessen.“

Frühere Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Prosopagnosie, einer Krankheit, die durch die Unfähigkeit gekennzeichnet ist, vertraute Gesichter zu identifizieren, keine Probleme haben, das Geschlecht zu bestimmen, was darauf hindeutet, dass diese Merkmale unabhängig sein können. „Aber zu untersuchen, wann das Gehirn Geschlecht und Identität erkennt und ob dies voneinander abhängige Merkmale sind, ist weniger klar“, erklärt Dobs.

Durch die Aufzeichnung der Gehirnaktivität der Probanden in der MEG-Maschine fanden Dobs und ihre Co-Autoren heraus, dass das Gehirn auf grobe Merkmale wie das Geschlecht eines Gesichts reagiert, viel schneller als die Identität des Gesichts selbst. Ihre Daten zeigten, dass das Gehirn in nur 60-70 Millisekunden beginnt, Alter und Geschlecht einer Person zu entschlüsseln. Etwa 30 Millisekunden später – bei etwa 90 Millisekunden – beginnt das Gehirn mit der Verarbeitung der Identität des Gesichts.

Nachdem sie ein Paradigma für die Messung der Reaktionen auf diese Gesichtsdimensionen festgelegt hatten, beschlossen die Autoren, den Effekt der Vertrautheit zu testen. Es ist allgemein bekannt, dass das Gehirn Informationen über „vertraute Gesichter“ robuster verarbeitet als unbekannte Gesichter. Zum Beispiel sind unsere Gehirne geschickt darin, die Schauspielerin Scarlett Johansson auf mehreren Fotos zu erkennen, auch wenn ihre Frisur in jedem Bild anders ist. Unser Gehirn hat es jedoch viel schwerer, zwei Bilder derselben Person zu erkennen, wenn das Gesicht unbekannt ist.

„Eigentlich kann man das Gehirn bei unbekannten Gesichtern leicht täuschen“, erklärt Dobs. „Variationen in Bildern, Schatten, Änderungen in der Haarfarbe oder im Stil lassen uns schnell denken, dass wir eine andere Person betrachten. Umgekehrt haben wir kein Problem damit, wenn ein vertrautes Gesicht im Schatten steht oder ein Freund seine Frisur ändert. Aber wir wussten nicht, warum die vertraute Gesichtswahrnehmung viel robuster ist, ob dies nun auf eine bessere Feed-Forward-Verarbeitung zurückzuführen ist oder auf einen späteren Speicherabruf.“

Um die Wirkung der Vertrautheit zu testen, maßen die Autoren die Gehirnreaktionen, während die Probanden bekannte Gesichter (amerikanische Prominente) und unbekannte Gesichter (deutsche Prominente) im MEG betrachteten. Überraschenderweise fanden sie heraus, dass Probanden das Geschlecht in vertrauten Gesichtern schneller erkennen als in unbekannten Gesichtern. Zum Beispiel entschlüsselt unser Gehirn, dass der Schauspieler Scarlett Johansson als Frau präsentiert, bevor wir überhaupt merken, dass sie Scarlett Johansson ist. Und für die weniger bekannte deutsche Schauspielerin Karoline Herferth packen unsere Gehirne die gleichen Informationen weniger gut aus.

Dobs und Co-Autoren argumentieren, dass eine bessere Geschlechter- und Identitätserkennung für vertraute Gesichter nicht „von oben nach unten“ erfolgt, was bedeutet, dass es bei verbesserten Reaktionen auf vertraute Gesichter nicht um das Abrufen von Informationen aus dem Gedächtnis geht, sondern um einen Feed-Forward-Mechanismus. Sie fanden heraus, dass das Gehirn auf die Vertrautheit des Gesichts in einer viel langsameren Zeitspanne (400 Millisekunden) reagiert als auf das Geschlecht, was darauf hindeutet, dass sich das Gehirn möglicherweise an Assoziationen erinnert, die mit dem Gesicht zusammenhängen (wie z.B. Johansson in dem Film „Lost in Translation“).

Geschlechtererkennung ist eine überaus wichtige Eigenschaft, weil sie bei evolutionärer Betrachtung eine der allerwesentlichsten Informationen liefert: Fortpflanzungspartner oder nicht?
Gene können sich nur dann im Genpool anreichern, wenn sie in die nächste Generation kommen und das immer wieder. Geschlechter schnell erkennen zu können ist da eine sehr hilfreiche Eigenschaft.

Das alles wiederum ist nur schwer mit den Gendertheorien, nach denen Geschlechter eine rein soziale Kategorie sind und auf einem breiten Spektrum liegen, zu vereinbaren.

43 Gedanken zu “Das Gehirn erkennt zuerst Geschlecht und Alter bevor es Einzelheiten eines Gesichts wahrnimmt

    • Diese Sozialisations-„Theoretiker“ kennen die eigenen elementaren Bestandteile ihrer Theorie nicht mehr!
      Die Vorstellung, daß der Mensch als „tabula rasa“ auf die Welt kommt, galt und gilt als elementarer Bestandteil des Behaviorismus und der darauf aufbauenden Lern- und Verhaltenspsychologie: nur das, was bis heute wahrnehmbar und beobachtbar ist, ist „existent“ – alles andere ist in der berühmt berüchtigten „black box“…

  1. Mit gender Theorie ist Biologie generell schlecht zu vereinbaren. Das ganze gender Gedöhns müsste ja auch bei anderen Primaten funktionieren, die unbestreitbar weniger Kultur haben. Das müsste dort also durchbrechen. Tut es aber nicht.

    • „Geschlechter schnell erkennen zu können ist da eine sehr hilfreiche Eigenschaft.“

      Sagte der Gewinner des 2017er Sommerfestsraperaces 🤗

      Die Genderbergsteinche Unschärferelation bleibt problematisch.

      • Aber mal Späßle beiseite.

        Die Reihenfolge ist vermutlich nicht der Fickerei wegen so, sondern weil die Eigenschaftsspreizung zwischen Mann und Frau eben am größten ist von allen Kategorien.
        Sinnig da die erste Einteilung vorzunehmen und nicht zB schüchternen oder schönen zuerst.

  2. Wir sind jetzt also bei Beleg Nr 2451, dass die Gendertheorie so nicht stimmen kann.

    Noch ein paar mehr aus dem heutigen Twitter Feed:

    @Christian, Sagst du Bescheid, wenn wir bei Nr. 5000 sind, sich aber an dem religiösen Fervor der Genderista immer noch nicht das Geringste geändert hat?

  3. Die Ergebnisse dieser Studie sind nicht überraschend. Die schnelle Erkennung des Geschlechtes einer Person ist wesentlich relevanter, als festzustellen, dass es sich um eine bestimmte, bekannte Person handelt.
    So kann man auch aus größerer Entfernung i.A. aus der Statur auf das Geschlecht schließen, ohne weitere Einzelheiten zu sehen.

    Obwohl Prosopagnostikerin habe ich meist keine Schwierigkeiten, männliche von weiblichen Gesichter zu unterscheiden. Bei Kindern, sehr jungen Männern und androgyn wirkenden Menschen allerdings schon.
    Beispielsweise hatte ich kürzlich Fotos von Julia Reda gesehen. Wenn da jemand „Bill Gates“ druntergeschrieben hätte, hätte ich das geglaubt.

    • Erklärt, warum sie Feministin ist. 😉

      Die Erkennung von Männlein und Weiblein hat zudem einen weiteren ganz profanen Grund.
      Männchen = Konkurrenz = gefährlich
      Frau = fic…

      • „Die Erkennung von Männlein und Weiblein hat zudem einen weiteren ganz profanen Grund.
        Männchen = Konkurrenz = gefährlich“

        Das glaube ich auch. Für den Urmenschen war es essenziell, so schnell wie möglich die Gefährlichkeit eines Unbekannten einschätzen zu können.
        „Männlich/jung“ war die höchste Gefährdungsstufe,
        „Weiblich/alt“ die geringste.
        Alle anderen Analysen waren nachrangig, darunter auch „Frau = fic…“

        @ Anne

        Ich hatte ja schon vor einigen Jahren mal angemerkt, dass ich auf meinem täglichen Arbeitsweg durch die Feldmark diversen Menschen begegne. Interessant fand ich damals (und auch heute noch), dass ich Frauen als solche schon auf vielleicht 200 m Entfernung identifizieren konnte, obwohl sie auf der Netzhaut kaum mehr als eine Handvoll Pixel lieferten und ich nichtmal hätte sagen können, ob sie mir entgegen kommen, oder mir den Rücken zuwenden.
        Da ich dasselbe nicht aus Photos lesen kann, nehme ich an, dass das Bewegungsprofil einer Frau anders ist, als das eines Mannes.

        • @Carnofis

          nehme ich an, dass das Bewegungsprofil einer Frau anders ist, als das eines Mannes.

          Stimmt, der Gang ist unterschiedlich. Während das Gehen beim mann eine reine Translationsbewegung ist, ist bei Frauen aufgrund der anderen Beckenanatomie noch eine Torsionsschwingung überlagert.

          Aber auch aus der statischen Silhouette kann man (von Ausnahmen abgesehen wie stark adipöse Personen oder manche Profisportlerinnen) das Geschlecht meist erkennen.
          Bei Männern sind normalerweise die Schultern die breiteste Stelle (also oben), bei Frauen die Hüften (also mittig).

          OT: Wir hatten uns doch kürzlich über Kreise und Winkel unterhalten.
          Hier ist eine (selbstgestrickte) Anwendung:

          • „Hier ist eine (selbstgestrickte) Anwendung“

            Tchick, tchick 😀

            Ist das Ding wirklich gestrickt, oder gehäkelt? Ich kenn die Dinger als Häkeldeckchen.

            Oder gar geklöppelt?
            Dann verneige ich mich vor Dir, bis die Stirn auf dem Boden aufschlägt.

            Als ich etwa 5-6 Jahre alt war, war meine Mutter schwer erkrankt, mit ziemlich sicherer Option auf tödlich.
            Sie hatte damals dann meinem Bruder und mir alles beigebracht, was zum unmittelbaren Überleben nötig ist, also Kochen, Backen, Putzen, aber auch Stricken, Häkeln und Nähen.
            Glücklicherweise wurde dann doch noch rechtzeitig ein Medikament entwickelt, das sie von da an bis heute spritzen muss, sie hat also überlebt.
            Meine Strick- und Häkelkünste haben aber nie das Niveau von Schals und Topflappen überwunden 😦
            Einen meiner Schals hab ich immer noch, allerdings seit den 80ern nie mehr benutzt, weil es nicht kalt genug war.

            Zum Thema hatte ich auch überlegt, ob ich als Beispiel das Apfelmännchen (neben Schrödingers Katze mein Lieblingshaustier 😉 ) präsentiere, mit der Aufgabe, die Länge des „Ufers“ zu messen.
            Ein unmögliches Unterfangen.

            https://www.google.com/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.errare.de%2Ffraktale%2Fapfelmaennchen.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.errare.de%2Ffraktale%2Fueber.html&docid=3-lkG17qS32vZM&tbnid=LI5hb7QYc_mLAM%3A&vet=10ahUKEwjykZuroLThAhVt6uAKHT0NC9QQMwhQKBEwEQ..i&w=449&h=337&client=firefox-b-d&bih=944&biw=1704&q=apfelm%C3%A4nnchen&ved=0ahUKEwjykZuroLThAhVt6uAKHT0NC9QQMwhQKBEwEQ&iact=mrc&uact=8

          • Ja, gestrickt. Anfangs mit einem Spiel aus 4 Nadeln, später dann mit einer Rundnadel. Nur der äußere Abschluss ist gehäkelt.
            Strenggenommen bilden die einzelnen Runden keine konzentrischen Kreise, sondern eine archimedische Spirale.

            Fraktale sind faszinierend, aber eben nur mathematische Gebilde.
            In der Realität ist die Auflösung auf atomare Abmessungen begrenzt.

            Dazu fällt mir jetzt dieser tolle, wenn auch schon ältere Film ein:

      • @Mario @Carnofis
        „Die Erkennung von Männlein und Weiblein hat zudem einen weiteren ganz profanen Grund.
        Männchen = Konkurrenz = gefährlich“

        Warum nur begativ?
        Vielleicht so:
        Männchen = Kooperation = Chance

        • Weil ein Type 2 Fehler bei Gefahr sehr viel schwerwiegendere Folgen hat als ein Type 2 Fehler bei etwas Nützlichem. Vor allem, wenn der Fehler bei Letzterem durch genaueres Hinsehen leicht zu korrigieren ist.

          Deswegen ist ersteres im Bezug auf Männererkennung evolutionär verankert, letzteres eher nicht so.

          • Die Überlegungen sind Unsinn, weil wir eine kooperative Spezies sind, die ohne Gruppe praktisch nicht überlebensfähig ist. Daher ist Geschlecht sicher nicht primär Gefahrenerkennung.

          • Four experiments confirmed that women’s automatic in-group bias is remarkably stronger than men’s and investigated explanations for this sex difference, derived from potential sources of implicit attitudes (L. A. Rudman, 2004). In Experiment 1, only women (not men) showed cognitive balance among in-group bias, identity, and self-esteem (A. G. Greenwald et al., 2002), revealing that men lack a mechanism that bolsters automatic own group preference. Experiments 2 and 3 found pro-female bias to the extent that participants automatically favored their mothers over their fathers or associated male gender with violence, suggesting that maternal bonding and male intimidation influence gender attitudes. Experiment 4 showed that for sexually experienced men, the more positive their attitude was toward sex, the more they implicitly favored women. In concert, the findings help to explain sex differences in automatic in-group bias and underscore the uniqueness of gender for intergroup relations theorists.

            http://bit.ly/2Viho4A

          • @Blub
            Natürlich ist Kooperation lebenswichtig, aber erst mal zweitrangig. Die Überlegung, mit wem man kooperiert, ist der Gefahrenerkennung nachgeschaltet. Kooperation setzt Vertrauen voraus, welches genau abgewägt werden muss. Die Freund-Feind-Erkennung setzt früher ein. Dazu gehört natürlich, ob Männchen oder Weibchen auf mich zukommt.

  4. „Within a fraction of a second of viewing a face, we have already determined its gender, age and identity.“

    Ist es wirklich das ist, was die Ergebnisse aussagen?
    Vermutlich ist es nicht gender (soziales Geschlecht), was da spontan in millisekunden ermittelt wird, sondern Sex, das biologische Geschlecht.

    Obwohl, so sicher bin ich mir da auch nicht.
    Bei vielen Fotos von Transgendern fällt halt sofort auf, dass da was nicht stimmt, und das dürfte eben sein, dass als Sexuelle identität zuverlässig z.B. „mann“ geparsed wird, aber der feminine gestus dazu in widerspruch steht.
    Bei vielen anderen dagegen bin auch ich überrascht, zu lesen, dass zu einem bestimmten Bild eben das andere Biologische Geschlecht gehört.
    Die Frage wäre natürlich, ob es sich da vielleicht überwiegend um Fälle handelt, in denen bereits operativ etwas gemacht oder frühe hormonbehandlungen stattgefunden haben.

    • Ich denke, man muss die Aussage so interpretieren, dass nach ein paar Millisekunden ein Urteil gefällt wurde, aber dass das nicht heißt, mit welcher Fehlerquote dieses Urteil steht.

      • Es ist kein Fehlurteil, wenn ein Mann der innerhalb der männlichen Normvarianz eher im Weiblichem zu verorten ist und Östrogen nimmt. Dann wird er aussehen wie eine androgyne bis maskuline Frau. Wie sollte das Gehirn hier unterscheiden können? Demgegenüber sind knöcherne Strukturen nur postadult hormonell beeinflussten Umständen deutlich überlegen, ein maskuliner Mann auf Östrogen wird also nur wie ein merkwürdiger Mann wirken. Schwierig ist es v.A. bei androgynen Menschen, also eher maskulinen Frauen und femininen Männern. Ich denke schon immer, dass ich inzwischen klar aussehe wie ein Mann mit Brüsten, aber ich höre ständig „Ich dachte zuerst du wärst ne Frau“, imo ist der androgyne Bereich relativ breit und insbesondere widersprüchliche Signale (Brüste und männliches Gesicht, Bart und breite Hüfte) verursachen regelmäßig „Fehleinordnungen“.

  5. Wenn ich mich selbst beobachte, dann rangieren Menschen für mich folgendermaßen:

    1) junge attraktive Frauen (bei deren Anblick man sich freut)
    2) Millfs
    3) junge nicht attraktive Frauen (bei deren Anblick man sich ärgert)
    4) Männer
    5) alte und dicke Frauen (unwichtig und weder gefährlich noch interessant)

    Ich singe seit einiger Zeit in einem Chor mit, der, wie fast alle gemischten Chöre, einen deutlichen Frauenüberschuß hat. Seitdem habe ich immer Angst, eine der Damen quatscht mich mal im Supermarkt an und ich erkenne sie nicht 🙂 Die allermeisten würde ich nämlich noch nichtmal zuordnen können, umgedreht bin ich als (eher noch junger) Mann aber ein bunter Hund.

        • Alte Frauen faszinieren mich seit vielen Jahren in ihrer Fähigkeit, bei scheinbarem Stillstand so viel Raum einzunehmen, als würden sie sich im Zickzack bewegen.

          Ich weiß bis heute nicht, wie die das machen.
          Aber man kommt kaum an ihnen vorbei, wenn sie im Rudel auftreten schon gar nicht.

          • Ja, fällt mir auch gelegentlich auf, wenn auch eher im Supermarkt, wenn sie mitten im Gang stehen und tratschen und ewig brauchen, bis sie merken, dass sich da jemand genähert hat und vorbei will.

          • Sie finden auch immer exakt den Winkel, in dem der Einkaufswagen vor dem Kühlregal abgestellt werden muss, linke Hand am Griff bleibend, um ein Vorbeikommen maximal schwierig zu machen.

  6. Der Kurzschluss auf die Wichtigkeit geeignete Sexualpartner zu erkennen oder Nebenbuhler/Beschützer erscheint mir aus 3 gewichtigen Gründen an den Haaren herbeigezogen:

    1. Die Haare. Über die meiste Zeit der Evolution haben sich Männer nicht rasiert. Da erkennt auch ein toter Fisch noch leicht, ob er von einem männlichen oder weiblichen Humanoiden verzehrt wird.

    2. Sind wir keine Fruchtfliegen, die hecktisch umeinenander schwärmen und wir rammeln ja auch nicht wie die Karnickel. Meist würde es völlig ausreichen, nach ein paar Minuten Gewissheit zu haben, welchen Geschlechts der andere ist.

    3. Sind die Experimente nicht mit wilden Urmenschen veranstaltet worden, weder auf der Erkennerseite, noch auf Seite der Erkannten. Die Erkannten waren also vielleicht geschminkt oder nicht und hatten wohl geschlechtstypische Frisuren. Außerdem ist nicht ausgeschlossen, dass wir das so gut können, weil es kulturell so wichtig ist und wir es von klein auf lernen.

    Ob die Neurowissenschaftler das anhand der Reaktionszeiten ausschließen können, weiß ich nicht. Soweit ich weiß ist das Hirn plastisch, d.h. da, wo es häufig benutzt wird, entwickelt es sich stärker, bzw. für die Fragestellungen.

  7. Es machen hier alle den Fehler, davon auszugehen, dass diese Anlagen/Fähigkeiten evolutionär erst vom „Homo Sapiens“ erworben wurden. Das ist aber IMO kaum der Fall, sondern geschah sicherlich viel früher, sei es bei einem der ersten Hominiden oder (unwahrscheinlicher) schon an einer Stelle, die uns noch mit den heutigen anderen Primaten verbindet (auch wenn das Geschlecht eines Menschenaffen nur am Gesicht für uns Menschen wahrlich schwer zu erkennen ist).
    Wenn ich damir richtig liege, scheidet es eher aus, dass Schminke und Frisur maßgeblich ausschlaggebend sein dürften.

    • Klar, geschlechtserkennung spielt für die allermeisten Tiere eine sehr große Rolle, wer nicht erkennt, mit wem er sich fortpflanzen kann, der hat ganz erhebliche Nachteile. Da würde ich dir vollkommen zustimmen, dass der zugrundeliegende Mechanismus nicht exklusiv bei Menschen entstanden ist, sondern lediglich verfeinert wurde, indem unterscheidungsmerkmale, die typisch für menschliche Männer und Frauen sind, übernommen worden sind.

    • Also ich bin nicht davon ausgegangen – ich weiß nicht, wie Du zu der Annahme kommst – ich sage nur, dass es nicht nötig ist, das in weniger als einer 10tel Sekunde zu erfassen. In Gruppen, in denen die meisten jahrelang zusammenleben, würde es sogar genügen, wenn man das erst nach ein paar Monaten begreift. Man ist ja auch nicht mit 8 Wochen geschlechtsreif.

      Wenn man nicht mit Fotos arbeitet, dann kommen auch noch Gehör/Stimme und Geruchssinn dazu.

      Wenn ich damit richtig liege, scheidet es eher aus, dass Schminke und Frisur maßgeblich ausschlaggebend sein dürften.

      Inwiefern?
      Beim Körperbau ist es doch auch so, dass Männer ohnehin im Schnitt den stärkeren Oberkörper haben, im Fitnessstudio aber besonders dran gearbeitet wird, diesen ohnehin vorhandenen Unterschied noch stärker zu betonen, während Frauen eher an ihrer schlanken Figur/Taille arbeiten.

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