Raus aus der Opferrolle

Bei Bento würde eine Frage gestellt, wir man mit einem manipulierenden, gewalttätigen Freund umgeht

Die Situation:

Ich bin seit Kurzem mit meinem Freundzusammen, eigentlich war am Anfang alles sehr schön. Er war total lieb zu mir, ich habe mich sehr sicher bei ihm gefühlt. Jetzt ist er plötzlich ganz anders: Er wird schnell sauer. Wenn ich nicht das gemacht habe, was er will, hat er mich geschlagen und beleidigt. Er will, dass ich auf ihn höre. Jetzt hat er mir sogar verboten, mich mit meinen Kumpels zu treffen. Er sagt, wenn ich etwas mit anderen Männern unternehme, macht er Schluss. Ich weiß nicht, was ich tun soll – es macht mich langsam kaputt

Der Res ist ja eigentlich klar: mach Schluss, komm da raus. Lass dich nicht fertig machen.

Und so kommt es auch:

bei Beziehungsthemen hüte ich mich normalerweise davor, Ratschläge zu geben wie „Trenne dich von ihm“. Aber wenn ich lese, dass dein Partner dich geschlagen und beleidigt hat, kann ich dir nur raten, so schnell wie möglich das Weite zu suchen. Dein Freund hat es offensichtlich geschafft, mit seiner anfänglich netten und lieben Art, dich so weit „um den Finger zu wickeln“, dass es dir nun schwer fällt zu gehen. Du kannst nicht glauben, dass er plötzlich so andersist.
Es scheint, als hätte dein Freund ein starkes Bedürfnis danach, Macht und Kontrolle über dich auszuüben. Und er ist sogar bereit, gewalttätig zu werden. Dass das ein No-Go ist, ist keine Frage. Doch ist es ebenso wichtig zu sehen, wie du auf sein Verhalten reagierst.Wirst du unsicher und ängstlich, wenn er dominant ist? Suchst du im NachhineinRechtfertigungen für sein Verhalten? Verzeihst du ihm rasch wieder? Hältst du die Vorkommnisse gegenüber deinen Freunden und deiner Familie geheim? Fühlst du dich hilflos und unsicher? Bemühst du dich, besonders nett zu ihm zu sein, um ihn zu beschwichtigen?

Wenn du diese Fragen größtenteils mit „Ja“ beantwortest, ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass du in eine Opferrolle gegangen bist, in der du sein perfides Spiel mitspielst. Du musst schleunigst die Verantwortung für dich übernehmen und aus dieser Rolle aussteigen. 

Ich weiß, dass das sehr schwer sein kann, da solche Menschen oft manipulativ sind und es immer wieder schaffen, einen davon zu überzeugen, dass sie doch nur aus Liebe handeln. Und vielleicht hast du auch Angst, wie er reagiert, wenn du dich trennst?Deshalb ist es sehr wichtig, dass du mit deinen Eltern, Freunden oder einer anderen Vertrauensperson sprichst und dir Unterstützung suchst. Es gibt auchBeratungsstellen, an die du dich wenden kannst. Das Gefühl, dass jemand an deiner Seite steht, macht dich stärker und hilft dir dabei, die Situation klarer zu sehen und Konsequenzen zu ziehen.

Das ist ein verständlicher Rat, wie ihn wohl jeder geben würde – derjenige, der in der schlechten Situation steckt muss, selbst wenn es allenfalls ein Auswahlverschulden ist, Verantwortung übernehmen und an auch arbeiten, um es zu verbessern.

Selbst Bento, die sonst immer eher auf klassischer feministischer Linie sind erkennt da keinen Fehler.

Aber warum sollte sie überhaupt etwas machen? Sollte nicht der Schläger lernen nicht mehr zu schlagen? Ist es nicht victimblaming? Wird hier nicht Frauen wieder die Verantwortung für sein Verhalten in der Beziehung übertragen?

Warum muss sie zu Beratern und nicht er? Warum müssen Frauen da was machen und nicht die toxischen Männer?

Bento lässt nach .

17 Gedanken zu “Raus aus der Opferrolle

  1. Auch dass Begriffe wie „Körperverletzung“ und „Polizei“ nicht fallen, ist erstaunlich.

    Manipulativ? Kontrolle? Wenn er sie schlägt ist das doch schon lange vorbei und wir haben den manipulativen Bereich verlassen und den strafrechtlich relevanten schon lange Betreten. Bei Körperverletzung ab 5 Tagessätze bis zu 365 oder Freiheitsstrafe, bei Beleidigung üblicherweise 10-20. Naja. Durch die Psychologenbrille kann man schon mal falsch sehen.

    Aber dass die Ratschläge immer noch so windelweich sind wie zu der Zeit, als ich noch „Bravo“ gelesen habe, hat mich schon auch erstaunt.

    • Ich schätze, der Bento-Schreiberling*in hat sich von Flaßpöhler überzeugen lassen, dass Selbstverantwortung möglich ist und hat es nun wiederum ein wenig zu einseitig aus dieser Perspektive beleuchtet. (Allerdings wird ja auch von „gewalttätig“, also Gewalttat, gesprochen. Auch wird geraten, sich Unterstützung zu holen, z.B. bei einer Beratungsstelle, und die sagt einem dann i.d.R. auch, dass es strafrechtlich relevantes Verhalten seinerseits ist). Zunächst mal ist der Rat ja gut, denn es ist ja ein Beziehungsratgeber und keine Rechtsberatung. Dass man darüber hinaus über eine Anzeige oder gar dann noch über eine Klage nachdenken könnte, wird hier halt nicht mehr in den Rat mit hinein genommen. Vielleicht ist es aber auch weise. Denn jemanden als schuldig einem selbst gegenüber zu betrachten, erschwert solchen anscheinend zu abhängigen Personen wie dem Mädchen meistens das Loslassen, weil man/frau vom andern vorher noch was bekommen will, bevor man auseinander geht, damit man nicht das Gefühl hat, ausgebeutet worden zu sein/ verloren zu haben, oder weil man/frau gar seine Schuldigsein-Anerkennung* und somit – zumindest in gewissem Umfang – Unterwerfung* bewirken will, was dann die Beziehung schnell nochmal aufrecht erhalten würde, da man/frau diese Situation dann (evtl.: erst mal) für bequemer/angenehmer hält, als die Beziehung zu beenden (mithin loszulassen), also zuzulassen, was gesund wäre (lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende –
      emotionsmäßig).
      * = was allerdings dann von ihm evtl. nur vorgetäuscht wäre, besonders wenn er eher psychopathisch als plump narzisstisch ist

  2. 2019

    „Aber warum sollte sie überhaupt etwas machen? Sollte nicht der Schläger lernen nicht mehr zu schlagen? Ist es nicht victimblaming? Wird hier nicht Frauen wieder die Verantwortung für sein Verhalten in der Beziehung übertragen?“

    Weil’s rassistisch wäre Arschli zu sagen seine Rassigion sei schuld.
    Das weiß auch Bento.

  3. Verstehe ich nicht. Wie bei allen Femihorrormärchen gibt es auch in der Geschichte exakt zwei Geschlechter, nämlich Schläger und Opfer.I.n.
    Also ist das ein üblicher ganz normaler Kinderschänderartikel aus dem Hause Spülgel.

    Was soll daran ungewöhnlich sein?

    • Fiete, ich hätte schon noch erwartet, dass wenigstens die toxische Männlichkeit erwähnt wird.
      Natürlich könnte man einwenden, damit wird ein solches Verhalten zu einem Bestandteil ganz normale Männlichkeit. Eigentlich erwartbar.

      Um das zu konterkarieren, verrichte ich regelmäßig Tätigkeiten, die als feminin gelten. Zum Beispiel wasche ich meine Peitschensammlung und hänge sie zum trockenen auf die Leine, bevor ich damit zum Weibe gehe.

      Ich will meine Vorbildlichkeit nicht über Gebühr herausstellen, aber ist es denn wirklich zu viel verlangt, wenn das Yes, all men! auch machen würden??? 😦

      • Okay, akzeptiert! Der Spülgel lässt nach. Und ja, ich gestehe, ich kann mich über mehrere Monate mindestens nicht daran erinnern, irgendeine Geschlechtsbehinderte unterdrückt, beleidigt, erniedrigt, oder wenigsten mal ordentlich durchgeprügelt zu haben.
        Das muß sich ändern! Ich gelobe Besserung …..

  4. Man sollte sich doch auch mal fragen, warum diese Frau überhaupt mit einem Mann zusammen ist, der sie schlecht behandelt?
    Das liegt daran, dass Frauen auch negative Gefühle geniessen können.

    Die Ratschläge, die ihr gegeben wurden (trenne Dich, suche Dir Hilfe, geh zur Beratung), werden höchstwahrscheinlich genau das Gegenteil bewirken.
    Nämlich dass sie sich ihm noch stärker verbunden fühlt.

  5. „Warum muss sie zu Beratern und nicht er? Warum müssen Frauen da was machen und nicht die toxischen Männer?
    Bento lässt nach .“

    Quatsch, du merkst nur nicht, dass das exakt in die Opferhierarchie passt, weil bento politisch korrekt die Ethnien verschwiegen hat 😉

    Wenn der Mohammed die Luise haut, liegt das daran, dass der so traumatisiert wurde und es außerdem Teil seiner Kultur ist. Da muss die Frau halt an sich arbeiten, wenn sie den braungebrannten Jüngling nicht gegen einen blassen deutschen Softie eintauschen will…

  6. Ich würde ihr raten, sich mal Gedanken zu machen, warum sie immer Schläge kassiert. Offensichtlich muss sie eine nervtötende Schrapnelle sein, die kein Mann auf Dauer aushält. Deshalb mein Rat an sie: Arbeite an dir, an deinem Verhalten und such den Fehler nicht immer bei anderen!

    • Ja, die ganze Diskussion hier hat doch die Sachebene schon völlig verlassen.

      Zunächst muss man klären, wieso es hier ordnende Maßnahmen gibt, und weshalb welche Änderungen der Fehlende ergreifen sollte, um diese Maßnahmen zu vermeiden.

      Offenbar war ja zu anfangs keine solcherlei Maßnahmen notwendig.

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