Kat Manne zu Misogynie und Sexismus

Die Feministin Kat Manne wird in der Taz interviewt und ich finde einige Passagen ganz interessant:

Misogynie wird im allgemeinen Sprachgebrauch als Hass gegen Frauen verstanden, als etwas, was Männer fühlen. Sie definieren sie nun aber als Erfahrungen wie diese, die Frauen machen. Warum wechseln Sie die Perspektive?

Es gibt eine naive, lexikalische Definition von Misogynie, mit der man leicht der Versuchung erliegen kann, Misogynie psychologisch zu interpretieren – als ein Gefühl im Herzen von Männern. Ein Problem mit dieser Definition ist, dass Misogynie damit sehr selten vorkäme.

Warum?

Weil Frauen in einem patriarchalen System dahingehend sozialisiert sind, zu dienen, zu gefallen und gemocht zu werden. Es würde überraschen und hätte psychologisch wenig Sinn, wenn Männer in einer solchen Kultur für wirklich jede Frau Hass empfinden würde. Zudem können wir kaum wissen, welche Emotion eine Person wirklich empfindet. Aus der Perspektive der Zielobjekte, der Frauen, wäre Misogynie mit dieser naiven Definition sehr schwer erkennbar

Hat was. Auch nett frauenabwertend. Frauen werden in dem patriarchalen System dahingehend sozialisiert zu dienen, zu gefallen und gemocht zu werden und deswegen können Männer sie ja eigentlich gar nicht hassen, denn sie dienen ja eh dem Mann.

Bei solchen Haltungen geht in der Tat eines auch an Diskriminierung verloren: Es ist kaum verwunderlich, dass eine dienende, geradezu devote Frau nicht unbedingt in Führungspositionen kommt. Es ist wenig verwunderlich, dass sie weniger Karriere macht.

Allerdings mögen Frauen im Schnitt durchaus eher Konfrontation vermeiden wollen, aber eben häufig zB nach außen, nicht in einer Beziehung etc. Da geben eher die Männer nach.

Insofern scheint sie hier einen Unterschied im Schnitt in bestimmten Situationen zu einem absoluten Unterschied auszubauen.

Was also ist Misogynie für Sie?

Ich schlage eine stärker opfer­zen­trier­te Konzeption vor, die sich mit der Feindlichkeit und dem Hass auseinandersetzt, der Frauen entgegenschlägt.

Opferzentriert ist immer gut. Denn dann kommt es ja letztendlich auf Gefühle an.

Und Fakten stören bei Diskriminierung eh nur.

Ist der nicht schlicht eine Ausprägung von Sexismus?

Sexismus und Misogynie hängen eng zusammen. Ich verstehe Sexismus als die Glaubenssätze, die versuchen, die untergeordneten Positionen von Frauen zu rechtfertigen. Sexismus stellt Geschlechterunterschiede als naturgegeben hin, seine Ideologie besteht aus Annahmen oder Klischees wie dem, dass Frauen generell fürsorglicher seien als Männer. Misogynie hingegen setzt das System durch: Sie ist die Exekutive des Patriarchats.

Geschlechterunterschiede als Naturgegeben? Das ist ja in der Tat das letzte. Aber gut, dass ihre Angaben oben keine Klischees über Frauen enthalten. Die können halt einfach nicht selbst denken und ordnen sich deswegen den Männern unter. Mögen sie auch. Ganz feministischer Ansatz.

Also im Endeffekt „Sexismus ist die Theorie, Misogynie ist die Praxis“? So ganz scheint sie mir den Unterschied damit nicht herausgearbeitet zu haben

Und diese Passagen fand ich auch interessant:

Wie kommt es, dass trotzdem mehr als die Hälfte aller weißen Frauen, die bei dieser Wahl ihre Stimme abgegeben haben, den offen misogynen Trump gewählt haben?

Wir werden daran gewöhnt, loyal zu mächtigen weißen Männern zu sein, indem wir ihre Motive oder ihr Verhalten nicht infrage stellen – auch dann nicht, wenn sie sich, wie in Trumps Fall, sexueller Belästigung oder sogar sexuellen Übergriffen schuldig gemacht haben. Wir lernen, diese Männer zu schützen und ihren Ruf aufrecht zu erhalten, und wir werden bestraft, wenn wir es nicht tun. Für weibliche Solidarität ist das desaströs.

Eine andere Erklärung wäre ja nur, dass Frauen anders ticken als es der Feminismus für richtig hält und Hillary Clinton das eben nicht bedient hat. Dass sie sich eben nicht in einem Nullsummenspiel um Macht sehen und ganz andere Lebensentwürfe haben als es Feministinnen gerne sehen würden. Das sie vielleicht sogar einen Ehemann, der mehr verdient und ihnen mehr Zeit mit den Kindern ermöglicht durchaus begrüßen und die Abwertungen von Hillary Clinton keineswegs gut fanden.

Und Bestraftung war ja bei einer Wahl Clintons auch nicht zu erwarten. Die Wahlen sind ja geheim

In diesem Fall, in der Wahlkabine, hätte niemand die Frauen bestrafen können. Niemand hätte gemerkt, wenn sie ihr Kreuz bei Clinton gemacht hätten.

Das stimmt. Aber wir handeln nach internalisierten moralischen Verpflichtungen, die nicht nur in Situationen greifen, die öffentlich sind. Wenn wir daran gewöhnt sind, eher loyal zu Männern als zu Frauen zu sein, hat das Auswirkungen auch auf unser Verhalten in der Wahlkabine

Auch hier wieder die Idee, dass Frauen nicht selbst denken können, sondern eine komplette Gehirnwäsche erhalten haben. Aber die sexistische Welt hält sie davon ab, Führungspositionen zu besetzen.

Ist es das, was Sie als „Himpathy“ bezeichnen, als Empathie mit dem männlichen Täter?

Himpathy ist ein strukturell zumindest sehr ähnliches Phänomen. Frauen zeigen oft einen großen Widerwillen, den sprichwörtlichen „Golden Boy“ für sein schlechtes und misogynes Verhalten verantwortlich zu machen, sie zeigen tatsächlich Sympathie eher für ihn als für seine weiblichen Opfer – sogar in Fällen von erwiesenen sexualisierten Übergriffen.

Oder intrasexuelle Konkurrenz, bei der bestimmte Opfer schlicht als Schlampen angesehen werden bzw ein PromiStatus, dem man vieles verzeiht und eine lange Gewöhnungsphase.

17 Gedanken zu “Kat Manne zu Misogynie und Sexismus

  1. Nur wenn Frauen gutes tun, handeln sie nach freiem Wiĺlen. Wenn sie schlechtes tun, sind sie fremdgesteuert. Da darf man sie nicht verantwortlich machen. In Wirklichkeit sind sie auch da die Opfer!

    Empowerment!

    Wenn Frauen doch alle eine Gehirnwäsche haben und auch nur Handlanger des Patriachats sind, warum brauchen wir dann mehr Frauen in Führungspositionen?

  2. Was für eine traurige Weltsicht das ist.

    Wer so ein Weltbild hat, ist für Führungspositionen wahrlich nicht geeignet. Denn wenn man nie die Verantwortung für sich selbst übernimmt, alle Fehlschläge auf Andere schiebt und dazu sich die Welt als Fantasiegebilde zusammenkonstruiet, unabhängig von der Realität… Dann kann man nur scheitern.

    1. So jemand kann eine Situation nicht richtig einschätzen und die richtigen Schlüsse ziehen. Wenn ganze Denkschulen verboten werden (natürliche Geschlechtsunterschiede sind sexistisch), kann man oft nur den falschen Weg gehen.
    2. Wer dann Fehler macht – und Führungskräfte machen oft mehr Fehler als Andere, allein weil sie mehr Entscheidungen treffen – muss aus diesen lernen, um sie nicht noch einmal zu machen. Wenn man aber alle seine Fehler auf andere schiebt, wird man nie aus ihnen lernen.
    3. Und schließlich glauben Führungskräfte an sich selber. Sie sagen „Ich kann das“ und „Ich mach das“ und „Das kann ja nicht so schwer sein“ und übernehmen Verantwortung. Anstatt rumzuheulen, wie böse die Welt ist und dass man ja erzogen würde, dass die anderen die Führungskräfte sind.

    Dieses Interview ist wirklich eine Beleidigung für die starken Frauen dieser Welt, die Verantwortung übernehmen und die Welt nach ihrem Willen zu Formen versuchen. Und für Generationen von Feministinnen die Gleichberechtigung erkämpft haben und alles, was bei rausgekommen ist, dass JammerläppXInnen in ihrem Namen rumheulen.

  3. „Weil Frauen in einem patriarchalen System dahingehend sozialisiert sind, zu dienen, zu gefallen und gemocht zu werden.“
    Können Feministinnen derartige Aussagen belegen und durch Studien und Empirie nachweisen und so zeigen, dass es sich um wirkliche Fakten handelt? Und wie würde ein solcher Nachweis aussehen können?

  4. Wie die typische Feministin ist auch Manne eine Misanthropin, die Menschen nur als seelenlose Maschinen wahrnehmen kann. Sie hingegen ist natürlich eine Übermenschin, die die finstere Verschwörung des Patriarchats erkannt hat und drüber steht!

      • Sie fragt (am Ende des Artikels)
        „before misandry is considered a hate crime, serious questions need to be asked about whether it fits the definition. Does misandry intimidate, instill fear in, and seek to control men in a community? Are men repeat victims of misandry? Is misandry a tool used to prevent men from living their lives freely, and from taking up public space? Is a violent crime against men an incitement to commit violence against all men? Does misandry limit men’s opportunities, and stop them from enjoying the full benefits of our society, leading to segregation and isolation?“

        Ich würde die fragen durchgängig mit ja beantworten.

        • „Rhetorische Fragen“, die die Bigotterie rechtfertigen sollen.

          Die Königsdisziplin der Bigotterie legt unterdessen vor:

  5. In diesem Fall, in der Wahlkabine, hätte niemand die Frauen bestrafen können. Niemand hätte gemerkt, wenn sie ihr Kreuz bei Clinton gemacht hätten.

    Das stimmt. Aber wir handeln nach internalisierten moralischen Verpflichtungen, die nicht nur in Situationen greifen, die öffentlich sind. Wenn wir daran gewöhnt sind, eher loyal zu Männern als zu Frauen zu sein, hat das Auswirkungen auch auf unser Verhalten in der Wahlkabine“

    Was zur Hölle ist dann hier in D schief gelaufen? 4x schon eine Frau zur Regierungschefin gewählt – und dann auch noch immer dieselbe.
    Indira Gandhi, Golda Meir, Benazir Bhutto, Margaret Thatcher, alles gewählte Regierungschefinnen.
    Haben wir unsere Frauen nicht im Griff?

    Theresa May scheint die erste zu sein, die vom bösen Patriarchat gestürzt wird.
    Die Ghostwriter schreiben bestimmt schon an der Legende – ach was, die Klageschriften liegen schon in den Schubladen der „Emma“-Redaktion.

    • Ach wo, alles Agentinnen des Patriarchats. Eine echte Frau würde niemals nicht zur Chefin, nirgendswo. Ausgeschlossen. Nur das Scheitern einer Frau kann überhaupt beweisen, dass sie es ehrlich meinte.

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