Die sieben weltweit befolgten moralischen Regeln

Eine Studie will sieben moralische Regeln gefunden haben, die weltweit beachtet werden. Es sind die folgenden:

Auf Englisch:

  1. Help your family
  2. Help your ‚group‘
  3. Return favours
  4. Be brave
  5. Defer to superiors
  6. Divide resources fairly
  7. Respect the property of others.

Und als Übersetzung hinterher:

  1. Helfen Sie Ihrer Familie
  2. Helfen Sie Ihrer „Gruppe“.
  3. Gefälligkeiten zurückgeben
  4. Seien Sie tapfer
  5. Füge dich sozial höher Gestellten
  6. Ressourcen gerecht verteilen
  7. Respektiere das Eigentum anderer.

Man merkt sofort, dass diese Regeln leicht mit evolutionären Prinzipien in Einklang zu bringen sind und das sie zudem Konflikt bieten.

1.

„Helfe deiner Familie“ ist evolutionär verständlich: Sie teilen die meisten Gene mit dir und ihnen zu helfen ist damit evolutionär vorteilhaft. Zudem bietet die Familie auch aus den gleichen Gründen häufig die beste Gewähr dafür, dass sie das helfen erwidern. Noch klarer ist es bei der „Kernfamilie“ und dem eigenen Nachwuchs: Wer keinen Nachwuchs hervorbringt und bei dem der Nachwuchs nicht seinerseits wieder Nachwuchs möglichst guter „Qualität“ hervorbringt, dessen Gene werden sich schwerer im Genpool anreichern und eher aussortiert werden

2.

Die Gruppe steht dann an zweiter Stelle, weil sie eben die nächste Stufe ist, auf der Kooperation am ehesten mit reziproker Kooperation belohnt wird. Wer die Gruppe als kooperatives Spiel betrachtet, bei dem man zusammen mehr leistet als es jeder Einzelne alleine könnte, kann diesen Mehrwert erstellen und andere dazu motivieren ebenfalls daran mitzuarbeiten und damit auch den Wert für einen selbst erhöhen.

3.

Das wäre quasi die dritte Stufe: Wenn jemand kooperativ spielt, dann spiele auch kooperativ, damit eine Zusammenarbeit entsteht und er nicht das Gefühl hat, dass du ihn ausnehmen willst oder alle Vorteile nur für dich behalten willst. Nur so kann letztendlich Kooperation entstehen,

4.

Das wäre die Einordnung in eine gesellschaftliche Hierarchie. Natürlich nicht absolut, auch der Rebell hat seinen Platz indem er die Hierarchie innerhalb bestimmter Grenzen testet. Aber wer (gerade in kleineren Gruppen) eine bewährte und richtig aufgebaute Hierarchie stört ohne sie tatsächlich in Frage stellen zu können, der schadet letztendlich allen, indem er Statuskämpfe unnötig veranlässt.

6.

Bei der Verteilung von Ressourcen nach „Gerechtigkeit“ dürften bereits ganz verschiedene Ansichten bestehen. Es kann durchaus gerecht sein, wenn höher gestellte oder wichtigere mehr bekommen. Es kann auch gerecht sein, wenn sich Leistung lohnt. Und selbst die unglaubliche Anhäufung von Vermögen, wie heute bei den Superreichen, kann gerecht sein, wenn es innerhalb des Systems dadurch den Leuten besser geht und sie für ihre Mitarbeit entsprechend gerecht bezahlt werden und ihrerseits die (theoretische) Chance haben reich zu werden.
Anderen schwebt dann vielleicht bei gerecht eher eine noch stärkere Umverteilung vor als sie jetzt schon durch Steuern geschieht, etwa ein „jedem nach seinen Bedürfnissen“ oder gar ein „jeder muss gleich viel haben“ oder ein „niemand darf absurd viel Geld haben“.
Natürlich ergeben sich auch Konflikte mit den oberen Regeln: Ist es gerecht in der Verteilung, wenn Leute Vermögen erben, die sie nicht selbst erarbeitet haben oder ist die Regel eins wichtiger, nachdem man seiner Familie geben soll? Und auch bei der Gruppe werden etwa „Refugee Welcome“ Leute andere Vorstellungen haben, wie der Reichtum eines Landes zu verteilen ist als weniger linke Personen.

7.

Was dann die Diskussion gleich zum nächsten Punkt bringt: Eigentum des anderen akzeptieren beißt sich für einige mit der gerechten Verteilung. Das Eigentum überhaupt besteht erscheint dann vielleicht einigen schon merkwürdig. Aber ohne Eigentum ensteht eben auch kein Frieden und es lohnt sich Arbeit weitaus weniger.

Was sagt ihr zu den Regeln?

10 Gedanken zu “Die sieben weltweit befolgten moralischen Regeln

  1. Es sind sicher Regeln, von denen gefunden wurde, das sie allgemein akzeptiert oder befolgt werden.
    Ob und was das mit Moral zu tun hat, darüber lässt sich trefflich streiten.
    Ob es überhaupt so was wie Moral gibt ist ohnehin fraglich.
    Vielleicht verbergen sich hinter dem Begriff nur die Regeln, die für die Stabilität des jeweiligen Systems gerade am zweckmäßigsten sind.
    Nichts des so Trotz, die Vorstellung einer abstrakt existierenden Moral, und der Versuch danach zu streben hat schon einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft, besser, kann ihn haben.
    Denn die Vorstellung kann ja auch von denen, die nicht im Traum daran denken sich selbst daran zu halten, als Herrschaftsinstrument genutzt werden. Das sehen wir ja immer wieder bei den Sonntagsreden unserer geschätzten Eliten.

    Regel 6 und 7 (unter Umständen auch 3 und 5) sind allerdings hinderlich, wenn man wirklich ganz nach oben will.
    Für Frauen dürften Regel 1, 2 (3 m.E.) und 4 die entscheidenden sein, bei der Beurteilung der „moralischen“ Qualitäten eines Mannes.

  2. „Help your family“

    https://www.foxnews.com/us/having-white-nuclear-family-promotes-white-supremacy-says-new-york-professor-report-says

    Nur solange man keine weiße Hautfarbe hat.

    „Help your ‚group‘“

    Manchmal wirkt Ponndorf etwas desillusioniert. Das Thema ist wohl heikler als er anfänglich dachte und er fühlte sich in den vergangenen Monaten häufiger mal falsch verstanden. Das lag unter anderem daran, dass man ihm, dem CSU-Mann unterstellte, sein Vorstoß zur Förderung von Buben sei nur ein schlecht verpackter, also verkappter Kampf gegen die Emanzipation der Frau.

    http://www.sueddeutsche.de/karriere/foerderung-von-jungen-geschlechterkampf-naechste-runde-1.8218

    Nur solange die Gruppe nicht die Gruppe der Männer ist.

  3. Punkt 6 ist wichtig, damit Gruppen funktionieren. Ohne Fairness keine Loyalität, wobei Fairness nicht Gleichstellung bedeutet.

    Beim Essen teilt man unter Freunden und Familie auch erstmal für jeden ein Stück auf. Das ist Punkt 6.

  4. Wäre interessant, das mit Jonathan Haidts Moral Foundations Theory zu vergleichen.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Moral_foundations_theory

    Er nimmt ja auch fünf evolutionär entstandene Grundlagen der Moral an:

    „Care: cherishing and protecting others; opposite of harm
    Fairness or proportionality: rendering justice according to shared rules; opposite of cheating
    Loyalty or ingroup: standing with your group, family, nation; opposite of betrayal
    Authority or respect: submitting to tradition and legitimate authority; opposite of subversion
    Sanctity or purity: abhorrence for disgusting things, foods, actions; opposite of degradation“

    Wobei diese zwar bei allen Menschen vorhanden sind, aber sich in unterschiedlichen Kulturen ganz unterschiedlich ausprägen.

    • Der Kaiserschnitt ist als Stellschraube für den Genpool deutlich überbewertet.
      Die Sectiorate ist in den Industrienationen erst seit 20-30 Jahren deutlich gestiegen, das hat mM nach eher juristische Aspekte und geht mit der verbesserten Herztonüberwachung des Ungeborenen einher.
      Viele Kinder, die heute per Sectio geholt werden, wären früher trotzdem spontan geboren worden, da heutzutage die in den Leitlinien festgelegten Zeitspannen einer Geburt viel rigider sind.
      Beispiel: Ein im mütterlichen Becken fehleingestelltes Kind wird nach Stundenanzahl X im OP geboren.
      Richtig echte Beckenanomalien gibt es selten (zB rachitische Deformation durch Mangelernährung).
      Viel häufiger beobachtet man gerade bei den sehr sportlichen Frauen (Turnen, Reiten, Ballett, Snowboard..) eine Vielzahl an Stürzen in der Vorgeschichte, die dazu führen, dass sich der Beckenring verkeilt und unbeweglicher wird und so die Passage des Kindes unter der Geburt erschwert ist. Unbehandelt haben diese Frauen trotz supi Genen ein deutlich erhöhtes Risiko einen Kaiserschnitt zu erleben. Glücklicherweise werden die Knorpelverbindungen durch die Schwangerschaftshormone sehr weich und beweglich, sodass sich diese Versteifungen osteopathisch gut lösen lassen. Das ist keine Esoterik, sondern reine Mechanik.
      Das „zu enge Becken“ ist in den meisten Fällen ein Mythos.

      Dazu kommt die unsägliche Praxis seit einigen Jahren, eine Vielzahl an Geburten bei Überschreitung des Entbindungtermins künstlich einzuleiten. Ohne Indikation, einfach nur, weil der Termin um 7 bis 10 Tage überschritten wurde. Die Kinder verkraften die künstlichen Wehen deutlich schlechter und landen im OP.

      Dann ist mittlerweile auch viel Wissen verloren gegangen, zB das Handling bei Steiß- und Zwillingsgeburten. Die werden eben lieber sectioniert, weil es keine Ärzte mehr gibt, die die alten Handgriffe souverän beherrschen.
      Nur mal so als Exkurs.

      Das große Hinkebein beim Kaiserschnitt ist wohl eher die gestörte Bondingphase für die Familie nach der Geburt. Der Klassiker ist der Notkaiserschnitt in Vollnarkose, nachdem die Mütter oft äußern, sie hätten das Gefühl gehabt, man hätte ihnen „irgendein Kind“ in den Arm gelegt. Die Wahrscheinlichkeit steigt dann, in eine postpartale Depression zu rutschen, die Babyzeit als wenig beglückend zu erleben und sich eher gegen weitere Kinder zu entscheiden.
      So würde ich das sehen.
      Das ist ja ein multifaktorielles Geschehen mit, bei dem man alle mütterlichen und kindlichen Aspekte getrennt herausarbeiten müsste.
      Oder man sieht es als Errungenschaft einer Popukation, mehr Nachkommen auf diese Weise zu „retten“.

      • Danke für die Infos. Wie weiß mam denn, dass der Beckenring ein Problem hat? Viele Hebammen schauen nur bei den Wehen zu und warten auf den Doktor. Der sagt dann ab 24h Warten, dass das Baby wohl „zu weit oben“ hängt und nicht weiter kommt – aus welchen unbekannten Gründen auch immer. Oftmals ist das Baby ja „zu weit oben“ schon vor Blasensprung und/oder Wehen. Kann es während der Wehen sozusagen Stress bekommen und erst recht nicht runterkommen? Trotz oder gerade wegen der Prostaglandin Einleitung?
        Ist das neu? Kann man schon Langzeitfolgen der Kaiserschnitte und/oder forcierter Einleitung feststellen? Hängen mehr Babys oben fest? Was genau ist also die Diagnose „Geburtsstillstand“? Kann der wegen künstlicher Weheneinleitung erst auftreten? Muss er zwangsläufig im Kaiserschnitt enden?

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