Zickenkrieg, Stutenbissigkeit und Bitchfights und der große Kampf der Frauen gegen die Männer um Macht.

Ein Artikel in der Zeit zu dem Unding Frauen Stutenbissigkeit vorzuwerfen:

Mit Frauen* zusammenarbeiten? „Achtung, Bitchfight!“ Frauen* unter sich? „Da ist Zickenkrieg vorprogrammiert.“ Viele Frauen im Büro? „Na dann, viel Spaß beim Weibercatchen.“ Klischees, die vermeintlich „weibliches“ Verhalten abwerten, halten sich hartnäckig. Tiermetaphern wie „Zicke“ oder „Stutenbissigkeit“ naturalisieren bestimmtes zwischenmenschliches Verhalten obendrein. So als könnten Frauen* gar nicht rational entscheiden, wie sie Konflikte austragen wollen. Viel eher würden sie einander behindern, wenn sie nicht gerade am Lästern sind.

Das ist diese typisch feministische Art zu schreiben, indem man gleich mit Strohmännern aller Art anfängt und so tut als würde Frauen vorgeworfen werden quasi unmöglich kooperieren zu können.

Stutenbissigkeit oder Bitchfight oder eben der Zickenkrieg entstehen eben aus weiblichen Strategien der Konfliktaustragung, etwa Angreifen der Reputation, Ausgrenzung, Lagerbildung, Mobbing. Diese Formen bestimmen natürlich nicht alleine das Aufeinandertreffen von Frauen, sie treten aber dann auf, wenn sich eine der Frauen angegriffen fühlt oder die „Rangverhältnisse“ in Frage gestellt sind.

Das bedeutet nicht, dass Frauen nicht zusammen arbeiten können, aber enge in einem Büro und sehr verschiedene Charaktere können eben schnell dazu führen, dass sich bestimmte Frauen in einem Zickenkrieg befinden und sich dazu mit anderen Verbünden.

Männer können genauso Streitigkeiten im Büro austragen, allerdings wählen sie dazu oft andere Formen, vom Wettbewerb über Herabsetzungen bis zu (nicht wortwörtlichen) Schwanzvergleich.

Gleich vorweg: Dass das Bullshit ist, belegen unter anderem Frauen*netzwerke. Weiblicher Zusammenhalt ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil sich Frauen*netzwerke als Strategie gegen Ausschlüsse durch männlich geprägte Machtstrukturen verstehen lassen.

Das ist dieser Kampffeminismus, den ich fürchterlich finde, weil er nur Nullsummenspiele kennt: Frauen müssen sich gegen die Männer verbunden, deswegen kann es Zickenkriege gar nicht geben.

Das ist schon ein sehr schlichter Gedanke, der der Situation in vielen Büros schlicht nicht gerecht wird. Dort findet gar kein Kampf zwischen den Geschlechtern statt, sondern eher unter Einzelpersonen. Sabine hat beispielsweise das Gefühl, dass Sonja ihren Kleidungsstil kopiert und ihr alles nachmacht. Das kann schon für einen Krieg reichen. Dieses Gefühl kann auch schlicht daher kommen, dass Sonja irgendwie beim Chef gut ankommt oder bei einem Kollegen oder das sie das Sozialgefüge unter den Frauen durcheinander bringt und sich für etwas besseres hält. Es geht da nicht um Macht in dem Sinne im klassischen Sinne, also Beförderungen und Gehaltserhöhungen, sondern um soziales Gefüge, welches häufig die Männer gar nicht betrifft.

Wenn beispielsweise Sekretärinnen in einem Ingenieursbüro aneinandergeraten, dann hat das mit den ganz überwiegend männlichen Ingenieuren und einem Machtkampf um Positionen mit diesen schlicht nichts zu tun.

Denn Bünde von Männern*, die bis in die jüngste Vergangenheit auch ausschließlich Männern* zugänglich waren, gibt es historisch betrachtet wesentlich länger als Frauen*netzwerke. Solche Vernetzungen und Kooperationen – ob informell oder institutionalisiert – bieten Vorteile für jene, die daran teilhaben: Zu ihnen gehört beispielsweise, Zugang zu wichtigen Informationen zu erhalten, die nur einem kleinen, privilegierten Kreis zugänglich sind oder (noch) nicht öffentlich. Funktionen von Männer*netzwerken analysiert beispielsweise Psychologin Dagmar Schmelzer-Ziringer in ihrer Dissertation: Das Gefühl der Zugehörigkeit zählt sie dazu und die strategische Fähigkeit zum Abstecken von Interessen und zum Machterwerb. So lässt sich auch nachvollziehbar begründen, warum es Frauen* als kooperatives Kollektiv braucht: um neue, eigene Räume einzunehmen, in denen neue Verantwortungen übernommen und gemeinschaftliche Interessen durchgesetzt werden können. Das Ziel? Machtausgleich.

Klar, in ihrer Welt ist der Zickenkrieg gar nicht denkbar, nur wieder etwas, womit Männer durch Gerüchte Frauen klein halten. In Wahrheit geht es Frauen nur darum, in ihren Netzwerken gegen die Männernetzwerke um Macht zu kämpfen.

Und natürlich gibt es auch weibliche Netzwerke, die sehr wichtig sein können, gerade weil man sich eben in einer Frauenrunde dann wieder (vermeindlich) ungezwungener Treffen kann und sich gegenseitig den Rücken stärken kann.  Vorteil ist, dass eben Sexualität üblicherweise keine Rolle spielt, man nicht in bestehende Männerrunden eindringen muss, die vielleicht nach ganz anderen Regeln funktionieren etc

Im Business dürfte es aber inzwischen weitaus üblicher sein gemischte Netzwerke zu gründen. Die meisten Organisationen wie Rotary, Lions und BNI nehmen heute unproblematisch Frauen auf, man muss aber eben auch die Zeit haben, sich an diesen zu beteiligen.

Wer heute noch denkt, dass er tatsächlich einen Kampf Männer gegen Frauen kämpft, der wird es aus meiner Sicht in der Wirtschaft eher schwer haben, weil er sich viele Kooperationspartner entgehen lässt. Deswegen dürften die meisten Frauen eher ein vollkommen normales Netzwerk ausbilden, mit Männern und Frauen, und daneben noch ein spezielles Frauennetzwerk, bei dem sich gerade Frauen unterstützen sollen.

Aber das ist ja mit dem klassischen Feindbild im Feminismus schwer zu vereinen.

Es folgen dann noch ein paar Allgemeinplätze dazu, warum es besser ist ein Netzwerk zu gründen und sich zu unterstützen und ein Mutmaßen, warum das Männer eher gemacht haben.

Dann noch etwas Kriegsrethorik hinterher:

Die wird es nämlich weiterhin geben: Menschen, die Frauen* beispielsweise als „stutenbissig“ degradieren und sich „Bitchfights“ sogar herbeiwünschen, sei es zur eigenen unmittelbaren Belustigung, zum schnellen Sieg im Büro-Kleinkrieg oder schlicht, um gesellschaftliche Machtverhältnisse zu zementieren. Autorin Laurie Penny sieht das in ihrer Essaysammlung Bitch Doctrine ähnlich: „Die größte Angst ist mit der Vorstellung verbunden, Frauen könnten künftig womöglich zusammenarbeiten. Dass Frauen sich organisieren – statt um die Aufmerksamkeit von Männern zu buhlen, wie es richtig und natürlich wäre –, ist schon beängstigend genug. Eine Welt, in der Frauen die Verantwortung übernehmen, ist schlicht undenkbar; sie sich dennoch vorzustellen bedroht akut die Identität jener, die für ihr Selbstbild schon immer eine Geschichte brauchten, in der die Männer oben sind.“

Die große Angst vor den Frauen. Das ist glaube ich eine Lieblingsvorstellungen der Feministen.  Man muss sich den Feind ja aufbauen: Ein starker Feind, das mächtige Patriarchat, aber irgendwie hat er doch Angst vor einem, weil man ja so toll ist.

Natürlich gefallen Männer Quoten oder ungerechte Frauenbevorzugung nicht, weil das ihre Arbeit für einen Aufstieg zunichte macht. Aber das liegt nicht daran, dass sie Frauen nicht an die Macht lassen wollen, sondern das es ein Eingriff in den fairen Wettbewerb ist.

Ich denke den Männern ist es in einem ansonsten normalen Wettbewerb ohne Vorzugsbehandlung egal, ob der Konkurrent eine Frau oder ein Mann ist.

Dass diskriminierende Geschlechterverhältnisse letztlich allen schaden, liegt auf der Hand. Ohne ihr Aufbrechen durch feministische Bewegungen hätte es Errungenschaften wie das aktive und passive Frauen*wahlrecht, den Universitätszugang für Frauen*, die Straffreiheit von Schwangerschaftsabbrüchen oder die Strafbarkeit von häuslicher Gewalt und Vergewaltigung in der Ehe nie gegeben. Auch Männer* profitieren vom Abbau schädlicher Stereotype wie jenem des erfolgreichen Mannes*, der alles unter Kontrolle haben muss: Dafür reicht ein Blick auf männlich dominierte Gewalt-, Sucht- oder Suizidstatistiken, die viele Untersuchungen auf gesellschaftlich tradierte Konstrukte von Maskulinität zurückführen.

Auch so eine klassische Aussage von Feministinnen, die sie vielleicht wirklich glauben. Dabei sollen da ja Männer genau die tolle Macht aufgeben, die die Frauen angeblich haben wollen. Und natürlich vergessen sie immer die guten Seiten der Männlichkeit, die Einsatzbereitschaft, die Wettbewerbsfähigkeit etc.

Selbermach Samstag 227 (16.02.2019)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen

„Als Penis zwischen den Fronten des Patriarchats und des Feminismus“

Timothy Endut ist ein männlicher Feminist und er sieht sich weniger als Mann als vielmehr als Mann*. Er empfindet die männliche Geschlechterrolle als etwas einengend, würde gerne mehr weinen, mehr Emotionen zeigen und mehr körperliche Nähe bei Männern und Frauen zulassen können etc. Er sieht für diesen Zustand eine Verantwortung von Männern und Frauen, bewegt sich also schon etwas außerhalb des klassischen Feminismus.

Dann fordert er sogar eine Einbeziehung von Männern in den Feminismus:

Wir alle sind geborene Sexist*innen, denn die Gesellschaft selbst ist sexistisch. Wir können nichts anderes tun, als alte reproduzierte Werte und Handlungsweisen zu hinterfragen und dann schliesslich abzuschaffen. Denn solange Geschlechterrollen existieren, werden wir nie gleichgestellt leben. Solange wir eine Rolle spielen, werden wir nie uns selbst sein können – nämlich Menschen.

Da könnte man natürlich wieder auf die Studien zu den biologischen Grundlagen der Geschlechterrollen verweisen und insbesondere auf dieses Schaubild:

Damore Populationen Normalverteilungen

Damore Populationen Normalverteilungen

Wenn die Geschlechterrollen Normalverteilungen sind, dann gibt es eben Leute, die sich in den Geschlechterrollen super wohl oder zumindest wohl fühlen und welche, die eher an dem äußeren Rand hin zum anderen Geschlecht befinden sind und sich deswegen nicht so wohl fühlen. Daraus folgt aber nicht, dass die, die sich wohl fühlen nun per se auch weinen wollen müssen und befreit werden müssen, sondern nur, dass man die Abweichungen in alle Richtungen zulassen sollte ohne damit zu entwerten, dass sich die meisten in den jeweiligen Rollen ganz wohl fühlen.

Aber nun zu seinem eigentlichen Anliegen:

Wir sind der böse Patriarch

Dies gesagt, ist es umso störender, dass ich als Mann* nicht als Teil der Bewegung gegen Gewalt an Frauen verstanden werden darf, sondern lediglich als Sympathisant. Der Mann sei Teil des Problems, jedoch auch Teil der Lösung. Es wird Zeit, dies auch so zu leben. Als Feminist* kann man sich zurzeit immer nur gebückt für den Feminismus stark machen. Denn sonst würde man sich ja als Mann für die Rechte der Frau stark machen. Es wird wohl nicht lange dauern, bis ich wegen dieses Texts des Mansplaining bezichtigt werde. In dieser steten Angst muss man als Feminist* leben. Man darf und soll sich zwar für den Feminismus einsetzen, aber bitte ja nicht mitdiskutieren.

Der radikale intersektionale Feminismus ist eben sehr einfach aufgebaut. Als PoC hätte Tim wohl noch gewisse Rechte im Bereich Rassismus, als Mann ist er aber der Böse und muss die Frauen machen lassen.

Denn der Mann wird noch immer von vielen Frauen grundsätzlich als Patriarch verteufelt. Im Zweifel gegen den Angeklagten. Doch wer ist denn der Patriarch? Es ist wichtig, dies genau zu definieren und nicht allgemein Menschen mit Penissen als schlechte Menschen abzustempeln. Nicht der Mann ist der Feind, sondern die patriarchalen Gesellschaftsstrukturen. Und von denen ist auch der Mann* betroffen.

Das wäre der offizielle Ausweg, der aber nicht berücksichtigt lässt, dass man Privilegierter ist und als solcher eben nicht marginalisierten etwas vorschreiben darf oder sich auch nur äußern darf. Natürlich ist man ein schlechter Mensch. Man hat ja in diesem sehr simplen Modell die Erbsünde in sich, eben die Privilegien des Mannes. Und die bestehen auf Kosten der Frauen. Also muss  man diese vollständig ablegen, was auch nicht möglich ist. Man kann sich also allenfalls beständig die Büßerpeitsche auf den Rücken hauen und mitmachen solange es den anderen genehm ist. Die Betroffenheit des Mannes tritt insofern ganz schnell hinter seiner Privilegierung zurück. Zudem ist man für diese als Repräsentant der Gruppe ja eh selbst verantwortlich und kann kaum erwarten, dass Frauen nur Kraft aufwenden, den sie für den eigenen Kampf brauchen, um einem privilegierten Mann zu helfen.

Die fehlende Inklusion von Männern* steht der Bewegung und dem Feminismus im Weg. Genau deswegen fällt es vielen Männern schwer, sich zum Thema zu äussern und sich dafür stark zu machen. Das wäre jedoch äusserst wichtig. Wir brauchen alle. Weshalb denken wir in Geschlechtern, wenn wir doch als Menschen Gleichstellung brauchen. Es braucht einen inklusiven Feminismus. Denn stellen wir uns als Gesamtheit der Gesellschaft gegen Sexismus, dann stirbt er ganz von selbst. Der*die Gegner*in des Patriarchats darf kein Geschlecht kennen.

Ein netter Appell. Aber im Feminismus gibt es keine Kekse für Männer. Es ist ihre gottverdammte Pflicht an der Befreiung der Frau zu arbeiten und sich ihrer Privilegien zu entledigen. Rumheulen, dass man ja neben der großen Vorteile auch ein paar Nachteile habe ist insofern eher verpönt.

Im radikalen Feminismus kann es keine Gleichstellung geben. Weil die ganze Theorie auf einem sehr schlichten Gut-Böse Modell aufbaut. Und kein Geschlecht kennen, dass kann in diesem Modell eben nur ein Privilegierter sagen. Weil er ja die Nachteile der anderen dann leichter ausblenden kann, von denen er profitiert.

gegenderte Sprache

Als Beleg dafür, dass gegenderte Sprache wichtig ist wurde mir bereits wiederholt diese Studie vorgehalten:

Zusammenfassung: Die vorliegende Untersuchung prüft, ob sogenannte “generisch” (d.h. in geschlechtsneutralem Sinne verwendete) maskuline Sprachformen dazu führen, dass Personen geschlechtsausgewogen mental repräsentiert werden. Unter dem Vorwand einer Untersuchung zur Kreativität wurden 150 studentischen Versuchspersonen schriftlich Sätze vorgegeben, die eine Personenbezeichnung im Plural in verschiedenen Sprachformen (generisches Maskulinum, Binnen-I, Schrägstrich-Schreibweise) als Satzsubjekt enthielten. Die Versuchspersonen sollten kurze Geschichten über die bezeichneten Personen schreiben und diese Personen dabei auch namentlich benennen. Die Ergebnisse zeigen, dass generisch maskuline Formen zu mehr Repräsentationen männlicher Personen führten als die sprachlichen Alternativen. Eine Gleichverteilung männlicher und weiblicher Repräsentationen trat ausschließlich bei der Verwendung der Schrägstrich-Schreibweise auf, wohingegen das generische Maskulinum zu einem höheren Anteil repräsentierter Männer, die Binnen-I-Form dagegen zu einem höheren Anteil repräsentierter Frauen führte.

Quelle: Sind Frauen mitgemeint? Eine empirische Untersuchung zum Verständnis des generischen Maskulinums und seiner Alternativen

in dem ersten Test werden die Personen zu ihren beliebtesten Romanhelden, Lieblingsmalern, -musikern und Sportlern befragt und die Frage einmal im „generischen Maskulinum“ in neutraler Sprache „ihre liebste heldenhafte Romanfigur“ oder mit Doppelnennung „Ihre liebste Romanheldin, ihr liebster Romanheld“.

Zu den Ergebnissen:

Wenn ich das richtig verstehe, dann war der Unterschied zwischen dem generischen Maskulinum und den beiden anderen Formen „signifikant (p<.05) was erst einmal auch nur einen minimalen Effekt ohne wirklichen Aussagegehalt zulässt.

Eine Unterschied zwischen Neutral und Beidnennungen gab es auch nicht.

Frauen nannten mehr Frauen als Männer, was auch wenig verwunderlich ist, weil Männer und Frauen eben auch andere Interessen haben und andere Bücher lesen etc.

Im zweiten Experiment forderten sie die Befragten auf Mitzuteilen, wen sie der CDU oder SPD als Kanzlerkandidaten empfehlen würden bezüglich der Wahl im Jahr 1994.

Das finde ich eine reichlich ungeeignete Frage, denn zu diesem Zeitpunkt kandidierte Rudolf Sharping für die SPD, der sich in einem harten Kampf gegen Oscar Lafontaine und Schröder durchgesetzt hatte, man zog als Troika in den Wahlkampf (die aber nicht wirklich an einem Strang zog). Vorher war Björn Engholm im Gespräch gewesen, der über die Barschel-Affäre zurücktrat.

Bei der CDU war Helmut Kohl seit 1982 Bundeskanzler und sollte es auch noch bis 1998 bleiben.

Frauen als ernsthafte Kandidaten für den Posten waren demnach von vorneherein nicht im Gespräch. Rita Süßmuth wurde zwar Bundestagspräsidentin, war aber meines Wissens nach nie als Kandidatin gehandelt worden, wie auch gegen den amtierenden Bundeskanzler? Hatte Merkel da schon nähere Ambitionen mitgeteilt? ich muss zugeben, dass mir die genaue Lage nicht mehr so präsent ist.

zu der genauen Fragestellung:

Zum Ergebnis:

Interessanterweise gab es also Kandidatinnen bei der SPD.  Heide Simonis? Herta Däubler-Gmelin? Christine Bergmann ? Ulla Schmidt? ich habe keine Ahnung.

Ein Aspekt, den ich allerdings ganz wesentlich finde, ist, dass sich dadurch die Qualität der Antworten verschlechtert hat. Denn Frauen waren zu diesem Zeitpunkt gar nicht im Rennen, hatten sich dafür auch nichts ins Gespräch gebracht und waren insoweit keine geeigneten Kandidaten mit dem passenden Rückhalt.
Es darf vermutet werden, dass die Doppelnennung schlicht dazu führte, dass die Leute weitere bekannte Politiker genannt haben, die aber letztendlich nicht ernsthaft für eine Kandidatur in Betracht kamen. Sie haben insofern keine bessere Antwort geliefert, sondern lediglich einen zusätzlichen Impuls für eine erweiterte Antwort erhalten. Ein wirklicher Einfluss der Sprache ist aus meiner Sicht damit nicht zu ermitteln.

 

Auch hier scheint mir die reale Situation weit eher die Lage zu gestalten. Bei der SPD war ein weiterer Kandidat dann wahrscheinlich eher aus der Troika und diese bestimmte die Wahrnehmung unabhängig von der Sprache. Neben Kohl gab es keinen Kandidaten, also konnte man beliebige höhere Politiker nennen.

Der Text führt aus, dass bei der SPD ggfs noch Heide Simonis angeführt worden ist, ansonsten aber Männer, bei der CDU war es noch Rita Süßmuth.

In dem dritten Test wurden dann berühmte Persönlichkeiten erfragt, ebenfalls wieder mit den drei Varianten:

Auch hier scheinen mir die Werte wieder sehr klein zu sein, wenn ich das richtig verstehe. Es wurden im Schnitt 11 Personen genannt, davon im generischen Maskulinum 2,37 Frauen, bei Beidnennung 2,67 Frauen und beim „BinnenI“ 4,72 Frauen, wenn ich das richtig verstehe?  Wobei einige das Binnen-I anscheinend als Aufforderung gesehen hatten, nur Frauen zu nennen, was bereits ja die Ergebnisse schwierig einzuordnen macht, weil ja auch nicht klar ist, ob anderen nur nach einiger Zeit die Frauen ausgegangen sind und sie deswegen Männer genommen haben oder ob sie ihren Irrtum erst in der Mitte bemerkt haben.

Männliche Befragte haben zudem weniger Frauen genannt als die Frauen, es war aber auch nicht die gleiche Anzahl von Männern und Frauen vorhanden, was die Gruppeneinteilung auch interessant macht. Mir ist insofern etwas unklar, wie der Test vorgenommen worden ist: Man kann ja nicht die verschiedenen Fragebögen den gleichen Gruppen vorlegen. Die Rede ist zB in Studie eins von 46 Männern und 50 Frauen denen verschiedene Fragebögen vorgelegt worden sind. Wie waren Männer und Frauen verteilt auf die verschiedenen Fragebögen? Wenn ein Fragebogen einer Art von mehr Frauen beantwortet worden ist (was auch bei gleichen Frauen und Männern schnell passieren kann), dann wäre der Test, da diese mehr Frauen nennen, von vorneherein wertlos. Findet sich da was zu?

In dem vierten Text sollte eine Person auf einem Bildschirm einer Gruppe zugeordnet werden. Es stand beispielsweise „Sportler“ auf dem Bildschirm und dann wurde ein Bild abgebildet, welches entweder eine zu dieser Kategorie passte oder nicht. Es ging darum ob mit passenden/unpassenden Sprachformen die Zuordnung leichter fällt und schneller erfolgt. Dazu musste eine Ja/Nein Taste gedrückt werden

Das ist als Test ganz interessant: Personen mit einer negativen Einstellung zu geschlechtergerechten Sprache war die Sprache egal. Sie reagierten jeweils gleich schnell.

Leute, die die Geschlechtergerechte Sprache gut fanden reagierten langsamer bei Frauen im generischen Maskulismus, beim Binnen-I reagierten sie langsamer auf Männer.

Könnte eine interessante Reaktion sein, weil es zeigt wie Ideologie wirkt.

Bei Beidnennung ergaben sich keine Unterschiede. Die geschlechtergerechte Sprache hatte also nur dann einen Effekt, aber einen sehr gemischten, wenn jemand eine positive Einstellung dazu hatte. Ob die Studenten mit der positiven Einstellung genau das als Ergebnis erzielen wollten wäre auch interessant.

Die Studie scheint mir insofern wenig geeignet einen großen Effekt der geschlechtergerechten Sprache zu zeigen.

 

 

 

Alle Seiten hören – Die Einseitigkeit der Interessenvertretung bei Geschlechterthemen

Lucas weißt in einem Artikel auf ein altes Problem hin:

Gehören wirklich wir alle zu diesem Land? Auch heterosexuelle Männer und (getrennt erziehende) Väter? Es sieht nicht danach aus.

Die formal zuständige Bundesministerin Dr. Giffey zeigt sich öffentlich ausschließlich mit Frauen- und Mütterverbänden. Ein persönliches Gespräch mit Männer- und Väterverbänden verweigert sie. Anstelle dessen beleidigt Frau Giffey getrennt erziehende Väter pauschal als Unterhaltspreller und droht ihnen mit Führerscheinentzug („Wer nicht zahlt – läuft“), ohne nach den Ursachen für die mangelnde Leistungsfähigkeit vieler Väter zu fragen (Niedriglohnsektor?).

In die vom BMFSFJ veröffentlichte Statistik über häusliche Gewalt werden auch außerhäusliche Gewalt, das Ausbleiben von Unterhaltszahlungen sowie Falschbeschuldigungen eingerechnet. Die tendenziöse Darstellung geht pauschal zu Lasten von Männern.

Die Vorsitzende des Familienausschusses des Bundestages verweigert der IG-JMV den Vortrag vor dem Ausschuss mit der Begründung, der Dt. Frauenrat „bilde bereits die Vielfalt im Diskurs ab…“

Es ist erstaunlich, wer mitunter alles irgendwo sprechen darf. Nicht selten sind radikale Feministen oder sehr radikale Frauengruppen dort als Repräsentant der Lage. Männervertreter – so scheint der Eindruck zu sein – braucht man nicht, es reicht, wenn die Frauenvertreter, die teilweise eben auch sehr spezielle Ansichten haben, die keineswegs für „Die Frauen“ stehen einbezogen werden. Eine spezielle Männersicht erscheint schon fast als etwas unerhörtes, etwas kurioses – wie sollen Männer diejenigen sein, die Wünsche anmelden, wenn sie eh schon die Macht haben?  Wenn man gerade die Lage für Frauen verbessern will?
Natürlich: Das Anhörungswesen des Bundestages ist teilweise auch schlicht eine Pflichtveranstaltung, bei der es nicht tatsächlich darum geht, dass man sich eine Meinung bilden kann.

Ein Teilnehmer an einer solchen Veranstaltung, der zu einem hochkomplexen Gesetzesentwurf mit vielen verschiedenen Punkte als ausgewiesener Experte und Praktiker, der er auch war, geladen war, schilderte es einmal so, dass man da 5 Minuten hat, etwas zu sagen, mit dem Ablauf dieser muss man das Podium verlassen und der nächste ist dran. In 5 Minuten eine Stellungnahme abzugeben, die bei einem komplexen Theme nicht nur an der Oberfläche kratzt, ist da kaum möglich. Immerhin habe er sich danach noch kurz mit dem Vorsitzenden des entsprechenden Ausschusses unterhalten können, der ihm aber auch mitteilte, dass man den dortigen Kompromiss hart ausgehandelt habe und man jetzt – auch wenn man um die Schwächen wisse – daran nichts mehr ändern könne.

Der Einfluss findet insofern weit vorher statt, über Interessengruppen, Lobbyisten, Leuten, die sich mit den Zuständigen Politikern weit vorher diesen Anhörungen treffen. Aber auch dort wäre es wichtig, dass es dort echte Männer-Lobbyisten geben würde. Was natürlich bereits dadurch erschwert wird, dass Feminismus und feministische Gruppen teilweise stark gefördert werden, Männergruppen aber nicht.

Ansprechen einer Frau als Sexismus, der nicht cool ist

In der feministischen Gillettewerbung ist eine Stelle, bei der eine hübsche Frau die Straße entlang geht, ihr ein hübscher Mann hinterher blickt um sich dann auf den Weg zu machen, sie anzusprechen. Ein anderer (politisch korrekt schwarzer) Mann fängt ihn mit den Worten „Bro! Not Cool, not cool“ ab.

 

Gillette bro not cool

Gillette bro not cool

Es ist eine der Szenen, die ich reichlich vorverurteilend finde. Er hätte sie ja respektvoll und auf nette Weise ansprechen können, ein Nein dann vollkommen akzeptieren können und sie könnte froh gewesen sein, dass ein hübscher Mann sie nett anspricht.

Die generelle Verurteilung einer Kontaktaufnahme als Bestandteil der „Toxischen Männlichkeit“ ist typisch Feminismus, aber vollkommen unbegründet in der Darstellung. Wenn er lüsternd ausgeholt hätte um ihr von hinten auf den Arsch zu klatschen und der andere Mann kommt gerade noch dazwischen, dann wäre es klar und richtig gewesen, aber hier hat er schlicht noch nichts falsch gemacht. Viele Frauen würden sich sicherlich auch freuen, von ihm angesprochen zu werden.

Demnach hat diese Szene auch schon einiges an Memes produziert:

 

Gillette bro not cool

Gillette bro not cool

Hier wird Gillette der Spiegel vorgehalten, dass sie zuvor Werbung auf in Latexanzüge verpackten gut proportionierten Frauenhintern gemacht haben, was ihre Vorhalte jetzt eine gewisse Doppelmoral gibt.

Gillette bro not cool

Gillette bro not cool

Aber auch „normalere“ nicht auf Gillette bezogene Memes griffen das Bild auf. Hier ist die Situation umgekehrt: Die Frau ist jemand, mit dem man eine glückliche Beziehung führen könnte, man sollte sie sogar ansprechen, damit man zusammen glücklich ist, aber die klassiche Angst vor Ablehnung kommt dazwischen und verhindert das eigentlich schon bestimmte Glück. Eine komplette Umkehrung der eigentlichen Aussage.

Andere verbinden es mit anderen Memes und greifen so die Kritik auf.

Gillette bro not cool

Gillette bro not cool

Bei dem unteren Bild handelt es sich um ein Bild des konservativen Youtubers Steven Crowder, der insbesondere für ein Format bekannt ist, bei dem er eine konservative These in den Raum stellt (mit Vorliebe auf einem Uni Campus) und versucht mit Leuten fair und sachlich zu diskutieren. Ich hatte ihn hier beispielsweise mit der Diskussion „es gibt nur zwei Geschlechter, ändere meine Meinung“ verlinkt. Er ist auf diese Weise selbst zu einem Meme geworden, was ich ganz interessant finde, weil das natürlich seiner Sendung auch einiges an Aufmerksamkeit bescheren dürfte.

Allgemein wird aber das Meme so verwendet, dass oben etwas ist, was man berechtigterweise will und unten etwas gezeigt wird, was einen blöderweise zurückhält:

not cool bro

not cool bro

Oder:

not cool bro

not cool bro

 

Hier scheint mir die überwiegende Wertung ebenfalls zu sein, dass er unberechtigt zurückgehalten wird.

Was natürlich daran liegt, dass Männer nicht einsehen, dass jedes Ansprechen, auch durch ein männliches Modell, fürchterlich für die Frau ist und grundsätzlich eine Belästigung darstellt.