Bernd Stelter – Frau kommt auf die Bühne, weil sie Witz über Doppelnamen nicht erträgt

 

Many Shades of Gender – Ein FAQ zu den Gender Studies: Männer sind doch auch Opfer, warum befassen sich die Gender Studies nicht damit? (5)

Paula-Irene Villa, Genderprofessorin, hat ein FAQ zu Mythen über die Gender Studies erstellt. Ich wollte sie nach und nach hier besprechen:

Heute:

Männer sind doch auch Opfer, z.B. ist die Suizidrate bei Männern höher als bei Frauen, ihre Lebenserwartung ist geringer als die von Frauen, sie sind auch Opfer von Gewalttaten. Warum befassen sich die GS nicht damit?

Auch das ist letztendlich wieder ein Strohmann. Denn eigentlich geht es doch um die Theorie, ob die Gender Studies überhaupt männliche Diskriminierungen anerkennen und in ihrem System unterbringen können.
Das besagt ja im wesentlichen das Folgende, wenn man auf den intersektionalen Feminismus als gegenwärtig im Feminismus vorherrschende Auffassung abstellt:

  • Ein Diskriminierung von Männern ist nicht möglich, denn Diskriminierung erfordert Macht + Vorurteile der diskriminierenden Gruppe (Power + Prejudice).  Männer sind aber selbst die Gruppe mit der Macht, innerhalb der Kategorie Geschlecht sind sie allein privilegiert, daher können sie nicht von struktureller Diskriminierung betroffen sein.
  • Alle Nachteile (nicht: Diskriminierungen, die gibt es nicht wegen des Geschlechts) die Männer haben, sind damit lediglich Nachteile, die aus dem von ihnen errichteten System, also dem Patriarchat, herrühren („Das Patriarchat schadet auch Männern„)

Wenn sie das so ausgeführt hätte, dann wäre es zumindest eine faire Darstellung gewesen.

Was kommt:

Tatsächlich wird insgesamt in den Gender Studies weniger – manche Kolleg_innen in den Gender Studies meinen auch: zu wenig – zu Männlichkeit und zur Situation von Männern geforscht als zu Frauen. Was jedoch nicht bedeutet, dass Männer und Männlichkeiten übersehen würden. Vielmehr hat sich seit ca. 20 Jahren ein ganzer Strang innerhalb der Gender Studies etabliert (https://www.bpb.de/apuz/144861/wie-aus-jungen-maenner-werden?p=all; für die Geschlechtergeschichte vgl. Martschukat/Stieglitz 2018), der (manchmal: ‘kritische’) Männlichkeitsforschung betreibt (Schölper 2008).

„Kritische Männerforschung“ ist eben üblicherweise genau das oben angesprochene: Wie das Patriarchat Männern schadet und was sie machen können, um das Patriarchat zu stürzen, allen Vorteilen zu entsagen und damit ein besserer Mensch zu werden.

Männerforschung in den Gender Studies beschäftigt sich damit mit folgenden Themen:

  • Wie funktioniert die Aufrechterhaltung des Patriarchats und der toxischen Männlichkeit und die Unterdrückung der Frau
  • Wie können Männer die von ihnen verursachten Nachteile des Patriarchats beheben, indem sie das Patriarcht beseitigen, bzw inwiefern ergeben sich aus dem Patriarchat Nachteile für Männer an denen sie selbst schuld sind
  • Männer die aus ihren Rollen als böse klassische Männer ausbrechen und damit auch etwas das Patriarchat stürzen
  • warum sind Männer zwar schlecht, aber Männer, die gleichzeitig in anderen Kategorien nichtprivilegiert sind, dennoch nicht so toxisch wie weiße, heterosexuelle Männer

Dabei geht es um sehr viele sehr unterschiedliche Themen, etwa

Diese Liste ließe sich noch sehr, sehr lange fortsetzen. Das heißt, es wird reichlich zu Männern geforscht, auch zu ihren Risiken oder Benachteiligungen. Mehr Forschung geht allerdings immer.

Um mal ein paar Texte herauszugreifen:

Muslim masculinities: what is the prescription of the Qur’an?*

Orientalist art and literature have historically associated Islam with violence, but since the 1990s, this association gathered greater depth. Muslim men started to be stereotyped as terrorists, and various armed Muslim groups further cemented this stereotype. Although committing violence, for religion or other causes, is not limited to Muslim men, recent developments reinforced the popular notion that Islam encourages male violence. This paper examines the message of Muslim masculinities conveyed in the Qur’an – the sacred text that is regarded by Muslims as the word of God and as the highest authority for moral guidance. The content analysis of the Qur’an reveals at least five salient character traits that may be taken as prescriptions of masculinities. These traits – submissiveness, altruism, righteousness, steadfastness and combativeness – however, are not only overlapping but are also contradictory, depending on the institutional context in which the people are acting, as well as their religious status (e.g. prophet, believer, hypocrite, etc.). Thus, the message of the Qur’an is complex, and it can be put into practice properly only when it is examined and absorbed holistically.

Da wäre dann die Botschaft, dass muslimische Männer dem Koran nach gar nicht gewaltbereit und aggressiv sein sollen, sondern viele positive Eigenschaften haben sollen. Der Koran will also gar nicht den toxischen Mann, sondern eigentlich den geradezu feministischen Mann

Zwischen Vorbild und Verdacht
Wie Männer im Erzieherberuf Männlichkeit konstruieren

​Politik und Eltern fordern zunehmend mehr Männer in Kindertagesstätten, gleichzeitig lösen männliche Erzieher nach wie vor Irritationen aus, da sie mit gängigen Männlichkeitsmustern brechen. Während sie einerseits v. a. für Jungen als Vorbilder umworben werden, gibt es andererseits durchaus auch Misstrauen den Männern gegenüber. In dieser Studie über das ‚Doing Masculinity‘ männlicher Erzieher untersucht Anna Buschmeyer die Zuschreibungen an Männer und Männlichkeit im Erzieherberuf sowie deren Auswirkungen auf das Arbeitshandeln und trägt zur Differenzierung der Sicht auf Männlichkeit bei. Es wird deutlich, dass Erzieher sehr unterschiedlich mit den Anforderungen an ihr ‚Mann-Sein‘ umgehen. Diese Unterschiedlichkeit greift die Autorin über die Entwicklung des Typus alternativer Männlichkeit, als Ergänzung zu Connells Modell hegemonialer Männlichkeit, auf und macht sie dadurch empirisch und theoretisch sichtbar.

Erzieher sind nicht einfacher Männer, sie brechen das Männerbild auf und können – wenn sie den richtigen Typus bilden – gute Männer sein

Jungen als Bildungsverlierer?

Über Jungen in der Schule wird aktuell viel geredet, eine umfassende wissenschaftliche Auseinandersetzung steht jedoch bislang noch aus. Der Stand der Jungenforschung erweist sich als empirisch und theoretisch wenig fundiert, ein systematischer Bezug auf die Schule als Institution fehlt weitestgehend.
Dieses Buch zeigt aktuelle Perspektiven im Anschluss an das Habituskonzept auf und stellt Bezüge zwischen Schule, Jungen und Peerkultur aus nationaler und internationaler Sicht her. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass Jungen eine höchst heterogene Gruppe sind und dass das vereinfachte Bild der Jungen als Bildungsverlierer nicht haltbar ist.

Frauen sind auch eine höchst heterogene Gruppe was das Gehalt angeht. Daraus lässt sich allerdings das vereinfachte Bild herleiten, dass Frauen Gehaltsverlierer sind.