Soziale Unterschiede vs Identitätspolitik

Lucas schreibt in einem Beitrag zur SPD

Wie konnte in wenigen Jahrzehnten so viel kaputtgehen? Ein möglicher Grund:

Was fehlt, ist ein Gegengewicht gegen die klassische kleinbürgerliche Haltung, sich nach oben zu orientieren und sich nach unten abzugrenzen, oder auch nach unten auszutreten. Linke Parteien interessieren sich schon lange nur noch pro forma für soziale Unterschiede, dafür umso intensiver für Identitätspolitik. Anstatt sich mit den Unterschieden zwischen oben und unten auseinanderzusetzen und mit der enormen Komplexität einer modernen Gesellschaft, hängen sie der seltsamen Idee nach, ausgerechnet die alten Klischee- und Ressentimentgeneratoren „Rasse“ und „Geschlecht“ wären die geeigneten Kategorien zur Analyse postmoderner Massengesellschaften.

Es ist aus meiner Sicht eine sehr interessante Frage, warum das Kriterium „Klasse“ heute quasi keine Rolle mehr in der intersektionalen Theorie spielt und durch Geschlecht, Rasse, sexuelle Identität, CIS vs Trans, Aussehen und Behinderung etc ersetzt worden ist.

Die „Klasse“ spielt in der Hinsicht quasi keine Rolle mehr,  ganz im Gegensatz zu ihrer früher alles beherrschenden Rolle in der Linken.

Meine Überlegung dazu ist ja:

Ist es vielleicht einfach einfacher und besser für das Virtue Signalling, wenn Klasse keine Rolle spielt? Alle anderen Merkmale führen letztendlich zu einer Benachteiligung aufgrund eines Umstandes, den man nicht ändern kann (mit Ausnahme von Fat vs Schlank, aber da führen sie ja auch eine rein soziale Konstruktion an). Klasse hingegen ist behebbar, ist etwas, was man weitaus eher ausgleichen kann, durch Schule und Erziehung. Es ist zudem viel zu breit gestreut: Weiße und Männer können „Unterschicht“ sein, was es weitaus schwieriger machen würde, ihnen Priviligierung vorzuwerfen. Ein weißer Mann mit Behinderung ist in den Theorien kein Problem. Die Behinderung ist greifbar, erkennbar, erfassbar und ein echter Nachteil. Ein armer weißer Man muss aber, damit das Feindbild bestehen bleibt, trotzdem Privilegien haben, er muss besser stehen als ein armer schwarzer Mann oder eine arme weiße Frau, sonst kann man kaum noch etwas vorwerfen und müsste viel zu viele privilegierte intersektional auch in anderen Kategorien als Nichtprivilegierte sehen.

Die Grünen waren ohnehin schon immer eine bürgerliche Partei, die nicht nur den Parlamenten ganz neue Impulse gegeben, sondern auch einiges zur Spaltung der Gesellschaft beigetragen hat. Was aber ist mit den Sozialdemokraten?

In der Tat haben die Grünen eigentlich eher das Potential intersektionalen Feminismus auszuleben. Sie sind eher eine Nischenpartei für die Reichen und die Ökos, sie werden als Extremer wahrgenommen, sie sind Lager aus den Fundis und den Realos gewohnt. Bei einer kleinen Partei hält das eher zusammen, weil sie sich zusammenraufen müssen. Interessant wird es, wenn die Grünen wachsen. Dann wird aus meiner Sicht auch das Spaltungspotential größer.

Während sich die Schärfe der sozialen Unterschiede in die Leben unserer Kinder einfrisst, verkaufen sozialdemokratische Politikerinnen es als wesentliches Gerechtigkeitsproblem unserer Gesellschaft, dass der Frauenanteil in den Parlamenten etwa so groß ist wie der Frauenanteil in den Parteien, und nicht größer – und sozialdemokratisch regierte Kommunen suchen intensiv nach Wegen, den Forderungen von Transsexuellenaktivisten in Sprachregelungen für die Verwaltungen gerecht zu werden, ohne Feministinnen dabei zu verprellen.

Bei der SPD ist das aus meiner Sicht problematischer. Zum einen hatte sie sich bereits einmal gespalten. Zum anderen will sie eben eine Volkspartei sein, damit kann sie weit weniger in die Extremen gehen. Insbesondere kann sie nicht mit den Grünen oder Linken mithalten, weil sie eben näher an der Mitte bleiben müsste. Geht sie zu weit in das Extreme, dann vergrault sie die „normalen Sozialdemokraten“, also die, die eher noch etwas mit Klasse und Arbeiterpartei anfangen können und die SPD als Vertreter des Arbeiters und des „kleinen Mannes“ sehen. Geht in die Mitte, dann ist sie den „Nicht gut genug-Aktivisten“ eben nicht radikal genug.

Das Problem ist, dass die „Jungen“ in der SPD eben dennoch genau auf dieser radikalen Linie sind, eben weil der intersektionale Feminismus die vorherrschende linke Strömung ist. Sie wollen Transrechte, Frauenrechte und weibliche Pornos auf Staatskosten, etwas was in dem Arbeiterbereich niemanden interessiert. Und die SPD bekommt sie nicht ausgebremst, weil sie eben den Rückhalt in der linken Szene haben.

Natürlich ist es völlig in Ordnung, dass solche Standpunkte vertreten werden – aber die Relationen stimmen nicht, auf absurde und grausame Weise nicht. So helfen diese Positionen dann weder Frauen noch Transsexuellen, sondern erfüllen lediglich die Funktion, andere, dringende Fragen aus dem Fokus zu drängen.

Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten. Oder genauer, Sozialdemokratinnen. Oder genauer, Sozialdemokratende. Hier wird die genderpolitisch korrekte Sprache dem Inhalt tatsächlich einmal besser gerecht als die herkömmliche Sprache, auch wenn sie dabei den Reim des alten Kommunistenspruchs bedauerlicherweise zerstört.

Mit radikalen ist eben in eine Volkspartei wenig zu holen. Einer Nischenpartei verzeiht man es eher, weil man sich dort einem Flügel eher zuordnet. Mal sehen wie lange die Grünen den Spagat noch hinbekommen – oder ob die SPD da wieder rauskommt.

Paradoxerweise wäre es für die SPD das beste radikal gegen intersektionalen Feminismus und seine Auswüchse vorzugehen. Aber das wird kaum zu machen sein.

 

58 Gedanken zu “Soziale Unterschiede vs Identitätspolitik

  1. Wo sind eigentlich die programmatischen Unterschiede zwischen SPD und Grünen? Mir fallen da nur die Kohlekraftwerke in NRW ein, die die SPD noch länger laufen lassen möchte.

    Genau das ist das Problem der SPD, es gibt eigentlich keinen Grund mehr, ausgerechnet SPD zu wählen. Wenn ich für eine gleichere Verteilung der Einkommen im Lande bin, wähle ich die Linke, die vertreten das glaubwürdiger und gehen nicht so leicht kompromisse ein. Wenn ich für radikalen Umweltschutz bin, währel ich die Grünen. Also warum SPD?

    • Wagenknecht, Kipping, die Schülersprecherin aus München, die schmerzen alle das Auge nicht.

      Die SPD hat Nahles.
      Spricht vielleicht eine andere Art Frauen an.

  2. „Was fehlt, ist ein Gegengewicht gegen die klassische kleinbürgerliche Haltung, sich nach oben zu orientieren und sich nach unten abzugrenzen, oder auch nach unten auszutreten.“

    das ist fahrradphob

  3. Das Verschwinden der Klassenfrage lässt sich m.E. besser damit erklären, dass es mehrere Male versucht wurde und dabei zig Millionen Tote angehäuft wurden und es nicht zu einem fortschrittlichen System gekommen ist, das jemand als attraktive Alternative zum Kommunismus sieht.

    Außerdem steht der Protest gegen soziale Ungerechtigkeit immer unter Neidverdacht.

    Drittens gibt es im Kapitalismus unbestreitbare Fortschritte in der Armutsbekämpfung, wie das globale Anwachsen der Lebenserwartung zeigt.

    • Die Aussage „Drittens gibt es im Kapitalismus unbestreitbare Fortschritte in der Armutsbekämpfung, wie das globale Anwachsen der Lebenserwartung zeigt“ halte ich persönlich so verkürzt für ziemlichen Unsinn.

      Der Kapitalismus ist das mit Abstand effizienteste Wirtschaftssystem, das der Mensch bislang zu schaffen in der Lage war. Aber der Kapitalismus als solcher hat nicht das Geringste zur Armutsbekämpfung beigetragen. Er hat nur die Fähigkeit, mit seiner Effizienz das Kapital zu erwirtschaften, das für einen möglichst hohen, allgemeinen Lebensstandard vonnöten ist.

      Etwa in Deutschland hatten wir schon zu Kaisers Zeiten einen kapitalistischen Markt. Aber gerade als dieses auf wirtschaftliche Effizienz ausgelegte System mit der auf produktive Effizienz getrimmten Industrialisierung zusammenkam, wurden die Lebensbedingungen für die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung alles andere als besser.

      DER Kapitalismus geht davon aus, dass der Markt alles regelt. Das ist das zentrale Mantra. Das ist aber natürlich völliger Blödsinn. Der Markt regelt nichts, außer sich selbst. Und von einem sich selbst regelnden Markt hat so auch nicht automatisch jeder was.

      Es war also nicht DER Kapitalismus, der für wachsenden Wohlstand in der breiten Bevölkerung sorgte, sondern seine Regulierung durch Gesetze und soziale Sicherungssysteme. Erst als sich dies etablierte, begann sich das kapitalistisch erwirtschaftete, volkswirtschaftliche Kapital angemessener zu verbreiten und sorgte für wachsenden Wohlstand aller. Gesetze und soziale Sicherungssysteme haben mit Kapitalismus aber effektiv mal wirklich so gar nichts zu tun. Sie stehen eigentlich sogar in klarem Widerspruch dazu, weil DER Kapitalismus nun einmal den Markt und seine Gesetzmäßigkeiten als einzige regelnde Instanz sieht und zulässt. Selbst schon fundamentale Mindeststandards wie Arbeitsgesetze sind staatliche Eingriffe in unternehmerische Freiheiten, die es in DEM Kapitalismus nicht geben dürfte.

      Den Glauben, dass es tatsächlich allein dem Kapitalismus zu verdanken ist, dass wir in guten Verhältnissen leben, kann man eigentlich auch nur am Leben erhalten, wenn man schlank alles, was nicht zur ersten Welt gehört als nichtkapitalistisch deklariert. Aber sind von Diktatoren regierte Länder in Afrika oder Armutsländer in Südostasien nicht kapitalistisch? Sind diese Länder nicht geradezu ein El Dorado für kapitalistische Unternehmen, weil sie dort von so störenden Dingen wie Arbeitsgesetzen und Sicherheitsmindeststandards unbehelligte Zustände vorfinden, dank derer sie dort wunderbar billig fördern oder produzieren können?

      Entsprechend ist es auch den eben beschriebenen Prozessen zu verdanken, dass es schwierig wird, in unserer Gesellschaft den Klassenbegriff noch so klar zu verwenden. Es waren vor allem die staatlichen Regulierungen, die dafür sorgten, dass vorrangig kapitalistisch erwirtschafteter Reichtum so verteilt werden konnte, dass etwa die Arbeiterklasse mehr und mehr mit dem klassischen Bürgertum verschmolz. Je freier aber der Kapitalismus wieder operieren kann, desto mehr bilden sich auch wieder gesellschaftliche Klassen heraus. Würde man mal schlank sämtliche Regulierungen, inklusive Arbeitsgesetzen vulgo Arbeitnehmerrechten, bin ich sicher, hätten wir hier innerhalb weniger Jahrzehnte wieder ähnliche soziale Zustände wie im frühen 19. Jahrhundert.

      • „Kapitalismus“, „Markt“ und „Regularien“ sind immer in einer untrennbaren Einheit verbunden. So muss dafür Sorge getragen werden, dass auf dem Markt (also der absolut wörtliche) die Waagen geeicht und kontrolliert sind, damit sie für Verkäufer und Käufer transparente Mengen und damit Preise schaffen. Dies ist eine Leistung, die nicht unbedingt der Anbieter von sich leisten würde. Gerät dies ausser Kontrolle gibt es schnell einen Markt, wo der Kunde von verschworenen Händlern über den Tisch gezogen wird. In der Kapitalismus-Theorie vom „allmächtigen“ Markt als Ausgleichsmechanismus ist unbedingt vorauszusetzen, dass Verkäufer und Käufer ebenbürtig und gleichberechtigt sind! Dann werden beide ihr jeweils bestes Interesse suchen und finden können, was man dann als Funktionieren des Marktes bezeichnen würde. Leider wird die Notwendigkeit dieser Gleichheit immer verschwiegen, damit man die Idee vom „Markt“ als bösartige Ideologie hinstellen kann. Dabei ist diese Idee der Zwillingsbruder von der Gleichheit vor dem Gesetz, der Gleichberechtigung.

      • Toller Kommentar, trifft den Nagel auf den Kopf.

        Dazu fällt mir auch immer ein, dass in den (goldenen) 50er und 60er Jahren der Höchststeuersatz in den USA bei 85% -91% lag. Somit wurde diese in der Rückschau gerade von Konservativen oft glorifizierte Zeit lustigerweise von massiven Steuersätzen und staatlichen Investitionen (Interstates, Rüstung) geprägt.

      • Den Glauben, dass es tatsächlich allein dem Kapitalismus zu verdanken ist,

        ist ein Strohmann – ich habe nichts dergleichen behauptet.

        DER Kapitalismus geht davon aus, dass der Markt alles regelt.

        Der Kapitalismus ist eine Wirtschaftsform, ein Abstraktum, kein vernunftbegabtes, reflektierendes Wesen, das von irgendwas ausgeht. Ideologen des Kapitalismus mögen davon ausgehen, aber keineswegs alle, selbst die Mehrheit womöglich nicht. Ich gehe ganz sicher nicht davon aus und sehe viel Problematisches im Kapitalismus, insbesondere sein Zwang zum ungebremsten Wachstum.
        Und ja, es gab und gibt verschiedene politische Systeme, die diese Wirtschaftsform begleiten können mit vielen unterschiedlichen Stärken und Schwächen.
        Die liberale Ideologie, also die, die gerade in wirtschaftlichen Fragen als solche bezeichnet wird, ist lange davon ausgegangen, dass Kapitalismus notwendig mit Freiheit und abstrakter Gleichheit zusammengehen muss. V. a. China zeigt, dass das offenbar nicht so sein muss.

  4. Was ist das Hauptziel der Linken? Die Zerstörung der liberal-kapitalistischen Gesellschaft und deren Ersetzung durch ein nicht genau definiertes Utopia. Das war schon immer so und wird sich nicht ändern. Die Methoden ändern sich natürlich.

    • Warte mal, wie viel Linke waren an der Bankenkrise ursächlich beteiligt?
      Nenne doch bitte wenigstens zwei Namen!
      Mit welchem Betrag hat das amerikanische Volk die „Bankenrettung“ finanziert?
      Wie viele Konkurrenten haben Google, Amazon, Facebook?
      Wo ist eigentlich dein heiliger Markt?
      Könnte es eventuell sei, die Investoren haben ein Interesse daran, dass es global nur einen einzigen Anbieter gibt, damit dieser Monopolprofite generiert?

      Wie heißt die derzeitige Kanzlerin der BRD und welcher Partei gehört sie an?
      Wie heißt der Pemierminister in GB und welcher Partei gehört sie an?
      Sargon macht ja hübsche Videos über die Einschränkung der Meinungsfreiheit, er vergisst nur immer wieder ihren Namen und ihre Partei…
      Wie liberal ist noch mal Orban?
      Worüber regen sich liberale Polen so auf und aus welchem Spektrum kommt die regierende Partei?

      Die liberal-kapitalistische Gesellschaft zerlegt sich gerade selbst – ohne Beteiligung eines einzigen Linken.

      • Die echten™ Linken sind ja auch vollkommen damit beschäftigt, über die korrekte Schuhgröße von Marx zu diskutieren, die haben keine Zeit, am Zustand der Welt was zu ändern und überlassen das Spielfeld daher zwangsläufig den anderen.

        Dafür muss man Verständnis haben.

      • „Die liberal-kapitalistische Gesellschaft zerlegt sich gerade selbst – ohne Beteiligung eines einzigen Linken.“

        Ah ja, der Mythos von der Spätphase des Kapitalismus. Die Linken brauchen nur zu warten, dann fällt ihnen das Schicksal der Gesellschaft wie eine überreife Frucht in den Schoss.
        Dummheit, Gier und Machtgeilheit sind ja nun wirklich keine Eigenschaften, die nur in der Linken verbreitet wären — und so wird es immer wieder so wirken als zerlege sich die liberal-kapitalistische Gesellschaft selbst.

        • „Ah ja, der Mythos von der Spätphase des Kapitalismus. Die Linken brauchen nur zu warten, dann fällt ihnen das Schicksal der Gesellschaft wie eine überreife Frucht in den Schoss.“

          Ähhh, nein – ich war noch nie ein Anhänger von Kurz, obwohl er einige vernünftige Dinge geschrieben hat.
          Was wir zur Zeit erleben – und zwar schleichend – ist der Abbau demokratischer Rechte, der Aufbau eines autoritären Staates und die Pseudo-Linke ist daran aktiv beteiligt.
          Es wird für mich langweilig zu wiederholen, man kann einen Feminismus, der das neoliberale Mantra des „selbst Schuld!“ zu einem Kernbestandteil seiner Ideologie gemacht hat gar nicht genug hofieren und sponsorn. Den Genderismus an den Universitäten zu etablieren und zu finanzieren war der Job von Schavan (CDU) – auch schon öfters betont.

          Was ich damit sagen will: Dein politisches Koordinatensystem hat ein Problem mit der aktuellen Realität. Darin ähnelst du Adrian.
          Die lustigen Spiele der Demokraten in den USA, die angebliche Zusammenarbeit von Trump mit den Russen betreffend, zeigen nicht nur erhebliches verschwörungstheoretisches Potential, sondern sie verweisen auch auf eine Zeit des kalten Krieges als quasi „heile Welt“.
          Da waren die Feindbilder noch in Ordnung! 🙂

          • Über diesen Unsinn mit dem Russenkollaborateur Trump kann ich nicht mal mehr grinsen, so gnadenlos blöd ist das. Eine Fortsetzung des Kalten Kriegs kann ich auch nicht sehen – natürlich will Russland wie die UdSSR Supermachtstatus, aber Europa ist ausgeschert und brüstet sich seines „Multilateralismus“, der im Wesentlichen das eigenmächtige Handeln gegen US-Interessen bezeichnet.

            Ok, die Idee mit dem Spätkapitalismus magst du nicht teilen, aber nicht weniger den klassischen Marxismus rettend wollen ist das Rumachen mit dem „Neoliberalismus“, der wenig mehr als ein unverbrauchter Begriff für den kommunistisch abgegriffenen „Kapitalismus“ ist. Du wirst das Phänomen „Feminismus“ so nicht verstehen, wenn du eine Dichotomie aus klassischen Linken zu abtünnigen Linken entwirfst, die dem Kapitalismus auf den Leim gekrochen sind und jetzt einen Pseudofeminismus verkaufen.

          • @DrM @Alex

            „Ob die Schavette wohl von links-versifften Medien getrieben war?“

            Machen Videospiele sexistisch oder animieren sie zu Gewalttaten?
            Im ersten Fall bist du progressiv, im zweiten Fall konservativ, in beiden Fällen glaubst du an eine Wirkungsmacht, die sich in keiner wissenschaftlichen Untersuchung des Sachverhalts hat beweisen lassen können.

            Ob du glaubst, dass die Medien diese Macht über Schavan hatten ist genauso unerheblich, wie deine politische Positionierung aller Medien</i< in Deutschland.

            Entscheidend ist dein Glaube, dass alle unbequemen, nicht in dein Weltbild passende Tatsachen ein Label erhalten, der ein Platzhalter X ist.
            Verhält sich eine Konservative nicht gemäß deiner Zuschreibung von dem, wie sie als Konservative agieren
            müsste, dann X = „links-versiffte Medien“ Ursache.
            Verhält sich eine Frau nicht gemäß der feministischen Zuschreibung von dem, wie sie als Frau agieren müsste, dann X = „internalisierte Frauenfeindlichkeit“ Ursache.

            Also zusammengefasst: „Animieren linksversiffte Videospiele zu sexistischen Gewalttaten?“
            Das ist die große Koalition der Glaubenssysteme.

            „Du wirst das Phänomen „Feminismus“ so nicht verstehen, wenn du eine Dichotomie aus klassischen Linken zu abtünnigen Linken entwirfst, die dem Kapitalismus auf den Leim gekrochen sind und jetzt einen Pseudofeminismus verkaufen.“

            Es sind keine „abtrünnigen Linken“, sie werden teils als „Kulturlinke“ bezeichnet, teils als Pseudo-Linke kritisiert und ich glaube, es handelt sich in erster Linie um gnadenlose Opportunisten und gar keine Linken mehr. Die große Hassfigur des „alten weißen Mannes“ weist zwei biologische Merkmale auf, in die man hineingeboren wird – wie bereits öfter gesagt, reiner Biologismus. Umgekehrter Rassismus bleibt jedoch Rassismus, umgekehrter Sexismus Sexismus.
            Seit wann gilt so etwas als „links“?

            Sie verkaufen m.E. keinen „Pseudofeminismus“, sondern die Idee, dass Frauen in männlicher Unterdrückung und Ausbeutung ihr Dasein fristen war im radikalen Feminismus enthalten.
            Auch die Theorie der „triple oppression“ stammt bereits aus Anfang der 70er; gleicher Zeitraum.

            Neu war danach erstens die Transformation in einer „Privilegientheorie“ auf der Basis rein biologischer Merkmale, die eine neue Hierarchie der Unterdrückten generierte.
            Aus der Klassengesellschaft wurde der „Klassismus“ als persönliches Merkmal einer (individuellen ) Diskriminierungserfahrung. Ein die Individuen übergreifendes gesellschaftliches Verhältnisses gibt es nur noch im Sinne von (dichotomen) Machtverhältnissen – wobei die Macht wiederum auf biologischen Merkmalen ihrer Träger basiert. Im Grunde haben sie Gesellschaft durch die Herrschaft der Biologie ersetzt.
            Zweitens – der eigentlich richtig erstaunliche Sachverhalt – handelt es sich um Behauptungen, die keiner Prüfung unterzogen worden sind.
            Sie werden hingegen wie eine Theorie über die empirische Welt behandelt, obwohl ihre Kernbestandteile – selbst in den USA – kontrafaktisch sind.

            Beispiel: Wenn eine weiße Hautfarbe automatisch mit Privilegien versehen ist, wieso ist dann die Mehrheit der Armen in den USA – entgegen der Theorie – weiß?
            An dieser Stelle setzt die politische Funktion des so mutierten intersektionalen Feminismus ein: Wenn du mit einem Privileg geboren worden bist und nichts aus ihm gemacht hast, bist du an deiner Lage selbst Schuld!
            Das gilt um so mehr, wenn sich die Privilegien „weiß“ und „Mann“ aufaddieren.
            Es gibt fortan keine gesellschaftlichen Ursachen mehr für weiße Armut, die Schicht kann weder mit Hilfe, noch mit Empathie rechnen, sondern darf sich als „weißer Müll“ titulieren lassen.
            Demzufolge reduziert sich „Armut“ auch generell als gesellschaftliches Problem, weil die Mehrheit der Armen verschwunden ist.

            Es ist also die beste Theorie, die man für Geld kaufen kann, um reale gesellschaftliche Verhältnisse zu ignorieren und auf den Kopf zu stellen: Weiße, männliche Videospiele erzeugen sexistische, rassistische Unterdrückungsverhältnisse (insbesondere animieren sie zu Gewalttaten gegen Transpersonen).

          • „wie bereits öfter gesagt, reiner Biologismus.“

            Der wird aber durch die mystische und soziologisch begründet anmutende Entwicklungsgeschichte kaschiert, die im Grunde echter Lamackismus ist. Das Ganze scheint so verwirrend, dass der Biologismus dahinter wirklich verschwindet. Wer so eine Denke eingetrichtert bekommt, der droht intellektuell sterilisiert zu werden…. Ein wahrlich toxisches Gedankengebräu. Insofern möchte ich schon von einer Linken reden, die sich verirrte, abtünnig wurde.

            „Es ist also die beste Theorie, die man für Geld kaufen kann, um reale gesellschaftliche Verhältnisse zu ignorieren“

            Das halte ich für einen absolut unwichtigen Nebenaspekt. Die ganze Bewegung drängt nach Geltung und Macht und das ist alles. Einen Anspruch die Welt zu verstehen, um sie verbessern zu können, kann ich gar nicht erkennen. Auch keine Nützlichkeit für Neoliberalismus oder Kapitalismus. Die sind Selbstzweck und wollen reine Macht ausüben. Und das macht sie so wiklich gefährlich. Als Lakaien eines Neoliberalismus fände ich die nur so gruselig wie ein Schlossgespenst, also gar nicht.

          • @ crumar

            „Wenn eine weiße Hautfarbe automatisch mit Privilegien versehen ist, wieso ist dann die Mehrheit der Armen in den USA – entgegen der Theorie – weiß?“

            Das stimmt so nicht; ausser man nimmt absolute Zahlen und das macht schlicht wenig Sinn. Zudem verliert die schwarze Bevölkerung aktuell schneller ihr „Vermögen“ als die Weissen, was aber am meisten mit fortschreitender Automation zu tun hat, die zuerst Arbeitsplätze mit niedrigen Qualifikationsansprüchen vernichtet und nur Arbeitsplätze für hoch-qualifizierte erschafft.

            https://ips-dc.org/wp-content/uploads/2017/09/The-Road-to-Zero-Wealth_FINAL.pdf (Ist zwar regressive Propaganda, aber die Zahlen sind nicht umstritten, zudem hat es schöne, farbige Bilder :)).

            Somit ist es sicherlich nicht falsch, z.B. zu behaupten, dass die regressive Linke sich auf diesem Gebiet nicht weiter anstrengen muss, weil in diesem spezifischen Fall Klassengrenzen sowieso weitgehend parallel zu den behaupteten Demarkationslinien der intersektionalen Theorien von dem weissen Unterdrücken und schwarzen Opfer verlaufen werden, genau z.B. wie in Südafrika.

          • @toxicvanguard

            „Das stimmt so nicht; ausser man nimmt absolute Zahlen und das macht schlicht wenig Sinn.“

            Doch, das macht Sinn.
            Die Schwarzen in den USA stellen nur 14% der Bevölkerung, hingegen die Weißen 63%.
            Ich würde selbstverständlich nicht bestreiten, dass Schwarze überproportional von Armut betroffen sind, was dennoch nichts an der Tatsache ändert, die absolute Mehrheit der Armen ist weiß.
            Was die Theorie erledigt, es existierten „weiße Privilegien“.

            Hier ist m.E. wichtig, wie die öffentliche Mitleidslenkung erfolgt.
            Analog zur hiesigen Presse, die herausstellt, dass Frauen von einem Sachverhalt besonders betroffen sind, resultiert aus der Berichterstattung über die überproportionale Betroffenheit die Ideologie, sie wären als einzige davon betroffen.
            Das ist nachweislich falsch.
            Aber politisch nützlich.

            „weil in diesem spezifischen Fall Klassengrenzen sowieso weitgehend parallel zu den behaupteten Demarkationslinien der intersektionalen Theorien von dem weissen Unterdrücken und schwarzen Opfer verlaufen werden“

            Eben diese Theorie (Rasse=Klasse) wird dadurch konterkariert, dass die bestverdienenden Haushalte in den USA asiatische Haushalte sind.
            Wieso wirkt der weiße Rassismus bei den Schwarzen und versagt kläglich bei den Asiaten?

            „die zuerst Arbeitsplätze mit niedrigen Qualifikationsansprüchen vernichtet und nur Arbeitsplätze für hoch-qualifizierte erschafft.“

            Diese Theorie ist inzwischen in den USA erledigt.
            Tatsächlich steigt die Anzahl niedrig qualifizierter Jobs in den USA zusammen mit den hochqualifizierten, während die mit mittlerer Qualifikation abnehmen.
            Die Ursache dafür liegt auch nicht in der Automation – das passierte in den 90ern – sondern die Arbeitsplätze wurden entweder vernichtet oder wanderten „overseas“, also nach Mexiko oder China.

            Das Handelsungleichgewicht mit China ist auch keine böse Erfindung der Kommunisten, sondern das US-Kapital lässt dort produzieren, importiert und verkauft die Produkte in den USA (Stichworte: Apple, Walmart).
            Die Zölle sind nichts als ein Weg Steuern auf Produkte zu kassieren, die kein US-Unternehmen in den USA bezahlen will und muss.
            Sie könnten die Produkte auch gar nicht mehr rein amerikanisch produzieren, weil es keinen einzigen amerikanischen Fabrikausrüster mehr gibt.
            Genauso ist es übrigens eine Legende, dass KI in Zukunft vorwiegend Arbeitsplätze von Männern gefährden wird. Das komplette Gegenteil ist der Fall.

      • „Warte mal, wie viel Linke waren an der Bankenkrise ursächlich beteiligt?“

        Keine Ahnung. Aber inwiefern ist eine Bankenkrise ein Symptom für den Verfall des Kapitalismus?
        Der Kapitalismus macht halt keinen Unterschied: Wenn Du Mist baust, gehst Du pleite, egal ob Arbeiter oder Großbank.

        • Das Problem der Großbanken ist das versagen der Regulierung und des Marktes gleich mit dazu.
          Es ging nicht mehr um sinnvolle Geschäfte irgendein realer Bezug war nicht mehr gegeben.
          Es war das klassische Schneeballsystem, das sich vom Geld gefüttert hat, dass in der realen Wirtschaft keinen Investitionsmöglichkeiten gefunden hat.
          Das ging solange gut bis frisches Geld nicht meht zu finden war und es wie in jedem Schneeballsystem zum jähen Ende gekommen ist.
          Umsatzrenditen von 20% und mehr konnte die Wirtschaft nicht versprechen.

          • „versagen der Regulierung und des Marktes gleich mit dazu.“

            Ein Versagen der Politik.

            „sinnvolle Geschäfte irgendein realer Bezug“

            Das ist unsinniges Bla-Bla. Alle diese Geschäfte hatten einen realen Bezug und waren damit reale Geschäfte.

            „das klassische Schneeballsystem“

            Das gab es nur im Einzelfall, Bernie Madoff. Eine Nebenfigur der Finanzkrise. Zentrales Problem war, dass die Kredit-Versicherungen bei AIG ausfielen und damit alle Banken einander misstrauen mussten.

          • Versagen des Marktes?
            Hat die Evolution versagt, wenn ein Mensch auf den Boden knallt, weil er vom Hausdach springt, um fliegen zu wollen?

        • Ehrlich?
          Man kann Syriza eine Menge vorwerfen, aber den entschiedenen Kampf gegen die Meinungsfreiheit sicher nicht. Auch aus Portugal ist mit nicht bekannt, das wäre das Herzensanliegen der linken Regierung.
          Deine mit sehr breiten Pinsel gemalten Vorwürfe verfehlen die Realität, sind undifferenziert und du bist notorisch auf dem rechten Auge blind.

    • Die so genannten Liberalen (oder gar libertären) befinden sich doch seit Jahrzehnten in einem ideologisch-ökonomischen Wolkenkuckucksheim, der die zwingende und wissenschaftlich (und empirisch) belegte Notwendigkeit der Regulierung des Kapitalismus durch politische Rahmenbedingungen (Stichworte „Tragedy of Commons“ oder „Externalisierte Kosten“) ignoriert.

      Obendrein ignorieren sie, dass in ihrem bevorzugten reinen Kapitalismus der, der nichts hat, eben nicht frei ist, sondern von den Reichen und Wohlhabenden in Unfreiheit gehalten wird. Auch da sind die USA das beste Beispiel, von Arbeitnehmerrechten über Steuergesetzgebung, von Parteienfinanzierung bis zum Wahlrecht, von der Waffengesetzgebung bis zum Lobbyismus der Gefängnisindustrie für härtere Gesetze, von den völig aus dem Ruder laufenden Gesundheitskosten bis zur Opioidkrise. Von so Dingen wie pay-day loans von 20% die Woche, für die man hier wegen Wucher und Ausnutzen einer Notlage in den Knast wandern würde, mal ganz abgesehen.

      • Keine Ahnung, wieviel Regulierung des Kapitalismus Du noch willst.

        Und überhaupt: Was hat das damit tu tun, dass die Linke die Grundwerte des liberal-kapitalistischen Systems abschaffen möchte?

  5. […]die alten Klischee- und Ressentimentgeneratoren[…]
    Vor allem Ressentiment ist die treibende Kraft vieler links der Mitte stehender. Die hoechste Prioritaet scheint immer zu sein, den „Reichen“, der „Oberklasse“ zu schaden. Ob es den Armen oder der Unterklasse etwas nutzt steht nicht mal an zweiter Stelle, sondern wird meist ignoriert.

    Identitaetspolitik hat in den USA grossen Erfolg. 85-90% der Schwarzen waehlen seit Jahrzehnten immer die Demokraten (dortige SPD), egal ob deren Parteiprogramm positive Auswirkungen auf die Schwarzen hat. Ansonsten waehlt eine Mehrheit der Frauen die Demokraten und eine Mehrheit der Maenner die Republikaner (dortige CDU). Der Parteienvergleich hinkt zwar aber reicht zur generellen Einschaetzung. Wer den Waehlerblock der Schwarzen (ca. 13% der Bevoelkerung) quasi garantiert und fast vollstaendig besitzt, der muss sich nur noch die Frauen warmhalten um seine Mehrheit zu erhalten. Die zweitgroesste Identitaet der Hispanics waehlt auch zu 2/3 Demokraten. Identitaetspolitik ist nichts anderes als Machterhalt fuer die Demokraten.

    Das funktionierte bisher in Europa, wegen fehlender Hautfarbendiversitaet, noch nicht so gut. Deshalb muss das Thema Genderidentitaet bis aufs letzte ausgelutscht werden. Aus diesem Grund gibt es links von der AfD eine ganze Bandbreite von mehr oder weniger radikalen Gleichstellern, fuer jeden Geschmack etwas, auch fuer Leute, die Chancen- und Ergebnisgleichheit gerne verwechseln. Das sichert den Machterhalt der bundesweiten CDU/CSU, aber lokal auch der SPD. Beide regieren gerne mit allen anderen als den Blauen.

    […]Sie (die Grünen) sind eher eine Nischenpartei für die Reichen und die Ökos[…]
    Ökos eigentlich kaum noch, ausser Du verwendest den Begriff fuer die Pseudo-Umweltschuetzer a la Greta Thunfisch, die keine Ahnung haben und auch nichts wirklich fuer die Umwelt tun. Und bei den Gruenen sind noch viel mehr Lehrerinnen als vormals bei der SPD, also nicht die ‚Reichen‘, sondern vor allem gehobener und bequemer Mittelstand, der sich aus Steuermitteln das Gehalt zahlen laesst.

    Es gibt keine deutsche Arbeiterpartei mehr, obwohl sie bitter noetig waere. Und die AfD ist auch zu dusselig sich so zu positionieren. Die roten und gruenen Parteien versammeln alle, die gerne beim Staat schmarotzen ohne wirklich zu arbeiten (oder gar arbeiten zu wollen).

    Die Identitaetspolitik der links-gruenen nutzt der CDU/CSU, da die sich regional immer aussuchen kann, ob mal die FDP, die SPD, die Gruenen oder die Linke als Koalitionspartner herhalten darf. Das Blatt koennte sich eventuell wenden, wenn die AfD sicher ueber 20% steht und die CDU (noch) nicht unter 30%.

    • Die FDP ist auch noch da! Wenn sie sich in manchen Bereichen stärker profilieren und vom Mainstrem absetzen würde, hätte sie durchaus Chancen, stärker zu werden. Leider war die FDP mit ihrer distanzierten Haltung zu den Feministinnen-Forderungen nicht konsequent, z.Z. scheint leider eher wieder eine Annährung an den feministischen Mainstream der anderen Parteien zu erfolgen – leider! Meine Stimme wird sie voraussichtlich dahei nicht mehr kriegen (langjähriger Linken-Wähler).

      • Ja, wenn man von Klassenkampf redet, kommt man um die FDP nicht herum. So viel Klassenkampf wie die macht nämlich sonst kaum eine Partei. Man denke nur an die Gesundheitsreform von Herrn Rösler.

    • Stimme voll zu. Es geht darum, die Menschen dazu zu bringen, nicht mehr nach ihre realen Interessen, sondern nach ideologischen Vorgaben zu wählen. Ich bin eine Frau, also muss ich profeministische Parteien wählen, auch wenn die nichts dafür tun, dass ich mehr verdiene oder wenigern Steuern zahle.

    • In den Staaten gibt es deutlichere Unterschiede nach Herkunft als bei uns. Es gibt wesentliche Unterschiede in Bezug auf Schwarze und Hispanics. Es gab auch bis vor 50 Jahren rassistische Gesetzgebung. Diese wird jetzt von den Republikanern wieder eingeführt, nicht zuletzt bei den letzten Wahlen. Stichworte dazu sind z.B. Crosscheck Program oder die Umgestaltung von Shelby vs. Holder seit 2013. Das ist wirkliche und ernsthafte Diskriminierung, wenn z.B. Wahllokale in Minderheitsbezirken geschlossen werden und aus der Stadt herausgelegt werden. Dann muss man sich einen Tag Urlaub nehmen, um zu wählen, dazu braucht man ein Auto (was nicht jeder hat) und dann kann es passieren, dass man ohne sein eigenes Wissen und ohne Grund aus der Wählerdatei gelöscht wurde, aufgrund von Programmen wie Crosscheck.
      Das sind schon deutlich rauere Sitten als bei uns, und es hat auch mit Demokratie wie wir es verstehen, wenig zu tun. Eher mit Filmen wie „There will be Blood“.

      Linke und Grüne als Schmarotzer zu bezeichnen, ist eines politischen Diskurses weder angemessen noch seiner würdig. Ich empfinde zum Beispiel genug Leute, die sich als Beamte einer quasi privaten Krankenversicherung erfreuen, oder auch Selbständige oder Reiche, die keinen Cent zu Krankenversicherung oder Rente beitragen, als Leute, die sich auf meine Kosten bereichern. Weil sie nämlich die Lasten der sozialen Marktwirtschaft nicht tragen. Und dabei auch noch prozentual weniger Steuern zahlen als ich durch Mehrwertsteuer und Lohnsteuer. Ich zahle als Angestellter all den Armen, Alten, Rentnern, Asylbewerbern etc. ihre Krankenversicherungen und Renten.

      Und die Herren und Damen Pensionäre und Erben machen sich einen schönen Lenz, zahlen für sich selber und lassen sich von den Armen oder den Angestellten höchstens mal am Arsch lecken.

      • Hierzu der US-amerikanische Multimilliardär Warren Buffett: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“

  6. Die einfachste Erklärung wäre, dass das Verschwinden der Klassenfrage mit dem Verschwinden der Klassen zusammenhängt. Nach dem 2. WK waren in der nicht-kommunistischen Welt Klassenunterschiede am verschwinden und so verschwand der Fokus darauf, neue Ansätze mussten her. Das wäre eine einfache, aber keine gute Erklärung. Denn zum Politisieren mit der Klassenfrage brauch es gar keine Klassen zu geben. Man sieht ja am Ersatz-Feminismus heute, dass ein politisches Konzept keinerlei Basis in der Realität haben muss. Also wäre es sehr erstaunlich, man sich von einer Realität hätte leiten lassen! Man hat sich vielmehr von der Philosophie leiten lassen!

    Um sich von den unsauberen Kommunisten (Stalin!) abzuheben und ihnen nicht mehr einfach hinterherzulaufen, hatte man eigene, neue Leitbilder, wie den Existenzialismus von JP Satre. Der richtete sich gegen die eigene Gesellschaft und den Kapitalismus, lehnte sich an den Kommunismus grundsätzlich an und suchte nach gesellschaftlichen Verhätnissen der Gleichheit abseits von der tiefen Enttäuschung mit der UdSSR Stalins (wovon die berühmten Bücher Orwells ja Zeugnis ablegen). Satres Frau Beauvoir entwickelte einen Feminismus als weibliche Variante des Existenzialismus und half damit, die ganze westliche Linke umzuprägen.

    Neben dem Existenzialismus war es modern, anderen Formen des Irrationalismus hinterherzulaufen, „ganzheitlichen“ Spekulationen und mystischen Weltanschauungen, wie sie zB von Aldous Huxly und dann der ganzen Hippiekultur verbreitet wurden — diese Bewegung kannte keine Klassenunterschiede mehr, wollte sie gar nicht mehr sehen.

    Als die erste Wirtschaftskrise und Stagnation der Nachkriegszeit in den 1970er Jahren kam, wurden Rassismus und Feminismus zur neuen sozalen Frage gemacht. Man musste den strammen, von den Kommunisten übernommenen Antikapitalismus, den man im Herzen trug, irgendwie rechtfertigen und tat dies nun mit der vermeindlichen und tatsächlichen Unterdrückung der Frau und vom den Schwarzen. Letzteres zielte exklusiv auf die USA; die ja der Hort des Bösen, des Kapitalismus, war. Ein zweiter Hort des Bösen, eine besonders hassenwerte Speerspite des Kapitalismus/ Imperialismus, war mit dem Staat Israel ausgemacht, der aufgab ein sozialistisches Paradies zu werden und sich dann auch noch weigerte von den Freunden der Sowjets, den arabischen Nationalisten, ins Meer schmeissen zu lassen. Das reaktivierte den traditionellen Antisemitismus, der sich mit dem Feminismus und Anti-Rassismus zur neuen sozialen Frage der Linken im später so genannten „Intersektionalismus“ verschmolz. Die wachsenden alternativen Linken kamen mit ihrem ökologischen Sozialismus an, der im Grunde eine Renaissance der völkischen Bewegung der vor-WK2-Welt war: der „Reformhäuder“, des Vegetarismus, der Liebe zur heiligen Natur und des einfachen und autarken Lebens auf dem Lande.

    Die Abwendung der Linken von der Klasse ist also rein geschichtlich zu kapieren. Die Linke entwickelte neue Werte für sich, der Marxismus, der zentral für den Fortbestand der Klassenfrage war, verschwand über all die Jahrzehnte und wurde vollkommen durch ein modernes ökologistisches Weltbild mit „sozialer Gerechtigkeit“ im Rahmen der „Intersektionalität“ ersetzt. Immerhin als Folklore wurde der entleerte Begriff der „Klasse“ immer pflichtschuldig mitgeschleppt.

    • Jetzt ist „der Mann“ das Unglück der Welt — und nicht mehr eine Klasse, die der Kapitalisten. Hier so ein typisches Beispiel:

      Natürlich will man 100 % Frauen, das mit der „Gleichberechigung“ ist purer Vorwand, ausserdem hassen sie die Gleichheit: Männer und Frauen sind ja grundsätzlich verschieden und Männer nur schlecht, Frauen nur gut.

      • Und das das alles nur „Satire“ gewesen sei, diesen Trick der Feministen kennt man auch zur Genüge, gähn….

        Was Dobrowolski zuerst schrieb, das haben ganz genau so so zahllose Feministinnen so ausgedrückt, so dass man das sicherlich als feministischen Katechismus bezeichnen kann. Ich denke, dass der das auch weiss.

        Mit Feministen kann man sich eben gar nicht vernünftig austauschen, genauso wenig wie mit anderen Fanatikern.

    • Wenn ich mich recht erinnere, bestimmt Marx die Klassenzugehörigkeit ja nach der Position im Produktionsprozess. D.h. Kapitalisten sind diejenigen, die über die Produktionsmittel (Fabriken, Infrastruktur usw.) bestimmen können und Proletarier sind die, die darauf keinen Zugriff haben und nur leben, indem sie ihre Arbeitskraft an die Kapitalisten verkaufen. Da sind dann leitende Angestellte, die gut verdienen, immer noch Proletarier, auch wenn sie sich selber nicht so sehen. Diese Grenzen sind sicher heute nicht mehr so scharf zu ziehen.

      Allerdings gibt es eine sich ständig weiter vergrößernde Ungleichheit was Vermögen und Einkommen betrifft, die der Linken heute aber realtiv egal ist, solange ihre Identitätsgruppen bedient werden, also vor allem Frauen, dann Migranten, LBTQ usw.

      • „Klassenzugehörigkeit ja nach der Position im Produktionsprozess“

        Nach dem Besitz geht es! Die Kapitalistenklasse, die „Bourgeoisie“ kennzeichnet sich durch den Besitz der Produktionsmittel aus. Die Proletarier sind die besitzlose Klasse, diejenigen, die ausgebeutet werden, deren Arbeits-Mehrwert unfairerweise von den Kapitalisten eingesackt wird.

        „Diese Grenzen sind sicher heute nicht mehr so scharf zu ziehen.“

        Kapital, also das zentrale Produktionsmittel, ist mittlerweile von Jedermann zu besitzen, in Form von Kapitalanlagen. Eine Demokratiesierung des Kapitalismus ging über die Börsen und brachte den ersten allgemeinen Wohlstand – nach der Schlappe der „Grossen Depression“ (und nach WK2). Meiner Meinung nach war das der Tod der „Klassen“, bzw des monopolitischen Kapitalismus.

        • Aber der Kapitalismus, insbesondere der Neoliberalismus, wächst und gedeiht doch prächtig!

          Das kann man ja nicht nur an den Unterschieden in den Realeinkommen sehen. Oder an der Gesetzgebung.

          Ganz krass in den USA, wo inzwischen sogar die Lebenserwartung sinkt, weil von einer Partei eine Politik gegen die Mehrheit der Bürger gemacht wird.

          Aber auch hier.
          – Vermögenseinkommen wird geringer besteuert als Arbeitseinkommen
          – Menschen dürfen erst mit deutlich überdurchschnittlichem Einkommen eine private Krankenversicherung abschließen
          – Dienstwagenprivilegien
          – ein wohlhabendes Kind ist dem Staat über Steuerersparnis mehr wert als ein armes oder gar Mittelklassekind
          – Aushöhlen der paritätischen Gesundheitsvorsorge
          – Keine Regelung, die die kalte Progression mindert
          – Steueränderungen auf dem Rücken der Armen / Mittelklasse (Mehrwertsteuererhöhung)
          – Nichtbeteiligung der Industrie an den Kosten für das EEG, somit einseitige Belastung von z.B. Mietern
          – Einseitige Finanzierung der Sozialleistung „Mütterrente“ auf Kosten von Rentenbeitragszahlern

          Und von Dingen wie dem Rentensystem und Riesterrenten brauch ich gar nicht zu reden. Die Riesterrenten sind Beschiss am Kunden im Dienst der Versicherungswirtschaft. Und die Rente… 18,6% wird da zwangseingezahlt, Monat für Monat. Am Ende des Arbeitslebens hat man da bei einem guten Verdienst 350.000 – 400.000 Euro eingezahlt, lebt statistisch noch 10 Jahre, wenns hochkommt, und kriegt 300.000 Euro raus. Keine Zinsen, kein Erbe, kein Nix, die Riesen Abzocke.

          Die Arbeiter, Angestellten und Armen sollen schauen wo sie bleiben und werden zur Solidarität mit sich selbst gezwungen, und die Wohlhabenden, Eigentümer und Erben sorgen für sich selbst und werden reicher und reicher. Der Klassenkonflikt ist nach wie vor hochaktuell.

          • Kapitalismus ist schon mal grundsätzlich ausgesetzt, wenn der Zins, der Preis für´s Geld, auf 0 gesetzt sind. Das ist wohl die Hauptursache für das Austrocknen der „unteren Gesellschaftsstraten“ („Klassen“ kommt mir zu klar abgegrenzt vor).
            Die ganzen Zwangsabgaben, von Rente und anderen Sozialleistungen sind nun nicht kapitalistisch, eher das Gegenteil. Als Kapitalist möchte ich dazu nur sagen, dass solche Systeme immer zu Korruption und Misswirtschaft einladen. Kannst du mal beim nächsten Arztbesuch, wenn du zuerst eine Stunde im Wartezimmer verbringst mal drüber nachdenken …. 😉
            Natürlich schafft dieses (nicht-kapitalistische, sondern soziale, oder sozialistische) System jetzt vielleicht eine neue Klassengesellschaft. Dazu passt doch auch das mit dem Parité-Gesetz, nach dem das Parlament in eine Art Ständevertretung unzufunktionieren ist…
            Das hat mit Neoliberalismus oder Kapitalismus nicht das Geringste zu tun, es ist vielmehr vollkommen dem entgegengesetzt.

  7. Warum das Thema „Klasse“ keine Rolle mehr spielt? Weil es bequem ist. Man kann „soziale“ Politik simulieren, sich dabei gut fühlen und auch noch an schöne Fleischtöpfe kommen. Diese sogenannten Links – Progressiven sind nämlich überaus nützlich, da sie die eigentlich drängenden Fragen aus dem Blickfeld rücken (wie Christian auch schreibt).

    Wagt man sich dagegen tatsächlich an die „Klassen“ – frage, wird es ziemlich schnell ziemlich gefährlich. Da wird man in die Querfront – Ecke gestellt (Wagenknecht), zum Antisemiten gemacht (Corbyn) oder darf den Verlust von Gliedmaßen oder dem Augenlicht beklagen (Gelbwesten).

  8. Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass die Entwicklung hin zu Frauenthemen, und damit weg von allen anderen Themen, komplett durch Paul Elams „10 Grundregeln der Geschlechterfrage“ erklärt ist.

    https://allesevolution.wordpress.com/2018/05/05/die-zehn-unumstoesslichen-gesetze-bezueglich-maennern-und-frauen-paul-elam/

    In dem Maße, in dem diese Regeln Gültigkeit haben und Occams Razor respektiert wird, braucht es keine zusätzlichen komplexen politologischen Erklärungsmodelle.

    Frauen sind das empathische Geschlecht (sagen sie selbst immer).
    Empathie hat frau mit jenen, die sie kennt und mag und nicht mit jenen, die sie aus Gerüchten kennt und eklig findet.

    • Das kann man viel besser als Beschreibung eines gewissen Ist-Zustands verstehen als Erklärung. Zum Beispiel ist ja die Ehrerbietung des Feminismus vor dem Islam, dieser extrem patriarchalen Religion, die das röteste Tuch für den Feminismus sein müsste, mit diesen 10 Thesen vollkommen paradox und unverständlich, hier versagt das als Erklärungsmodell vollkommen.

  9. Die Abschaffung der Klassen ist für die herrschende Oligarchie zur vollständigen Durchsetzung ihrer neoliberalen Ziele Voraussetzung. Klassen bedeuten Klassenbewußtsein und Solidarität der dominierten Bevölkerung, die sich leicht gegen die Interessen der kosmopolitischen Dominanz formieren könnte. Davor haben Leute wie Soros Angst. Er ist der einzige, der noch von Klassenkampf spricht: Es findet ein Klassenkampf statt, aber wir werden ihn gewinnen. Daher forcieren sie die Entsolidarisierung der Gesellschaft in kleinere Gruppen, die sich leicht gegeneinander ausspielen lassen. Der globale Verkehr von Kapital, Gütern und Arbeitskraft muß gewährleistet werden. Daher sind Feminismus, Migration, Sozialkonstruktivismus und postmoderne Diskursstrategie Instrumente der globalen Herrschaft. Als Machtmittel wird Angsterzeugung eingesetzt: Angst vor dem sozialen Abstieg, vor dem Klimawandel, vor dem drohenden Faschismus, der Demokratie, dem Wohnungsmangel, Altersarmut, etc. pp. Die historische Linke hat eine fundamentale Wandlung vollzogen von der ökonomischen Frage, des Kampf für die unterdrückten Klassen hin zur kapitalistischen Modernisierung von Sitte und Moral. Die heutigen Pseudolinken können nicht zur Lösung der gesellschaftlichen Probleme beitragen, weil sie das Problem sind.

    • „Es findet ein Klassenkampf statt, aber wir werden ihn gewinnen.“

      Das war mW der Warren Buffet, von dem dieses Zitat stammt. Aus dem Soros mag ich nicht schlau werden…

    • „Die Abschaffung der Klassen ist für die herrschende Oligarchie zur vollständigen Durchsetzung ihrer neoliberalen Ziele Voraussetzung. Klassen bedeuten Klassenbewußtsein und Solidarität der dominierten Bevölkerung, die sich leicht gegen die Interessen der kosmopolitischen Dominanz formieren könnte.“

      Das ist auf vielen Ebenen empirisch falsch; dann wären gespaltene, unsichere Staaten wir Südafrika neoliberale Paradiesstaaten, in denen die Milliardäre nur so aus dem Boden schiessen und die Produktivität durch geschickte Ausnutzung der gebrochenen Klassensolidarität gigantische Gewinne einfahren. Komischerweise ist es aber am einfachsten dort reicht zu werden, wo Solidarität und Rechtsstaatlichkeit in grossem Masse vorhanden sind, nämlich im Westen mit einem hohen Gini-Koeffizient. Die Idee man könnte durch Entsolidarisierung der Massen neoliberale Bollwerke herstellen, basiert irgendwie auf einem phantasierten Industriemodell der 1960er oder 1970er, bei denen man Arbeiter unter Existenzängsten von Feld zu Feld scheucht. Der grösste Reichtum wird mittlerweile in Industrien erwirtschaftet, die extrem sensibel auf Stabilitätsverluste reagieren, in denen man durch Zwang und Angst gar nichts erreicht. Unerklärlicherweise verdient man in diese Industrien dann auch noch extrem gut als Arbeitnehmer.

      Zweitens ist die Idee, man könnte die Klassensolidarität durch Intersektionale Konzepte, wie Schwarz vs Weiss oder Mann gegen Frau brechen, sodass man insgesamt einen Vorteil als neoliberaler Unterdrücker erzeugen kann, ist komplett suizidal. Z.B. wird die konsequente Aufteilung der Bevölkerung in „Deplorables“ und „Demokraten“ unweigerlich darin enden, dass sich die weisse, marginalisierte Bevölkerung radikalisiert, Widerstand leistet und sich eine koordinierte rechtsradikale Bewegung herausbilden wird, die ihre neoliberalen Feindbilder (und diese haben sich medial gefeiert deutlich zu erkennen gegeben) bis zum bitteren Ende bekämpfen wird. Es klingt nach einem sehr schlechten wirtschaftlichen Plan, sich die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung öffentlich zum Feind zu machen, besonders wenn man auch noch auf deren Kaufkraft angewiesen ist.

  10. Ohne Klassen lebt es sich leichter für die herrschende Klasse.

    Die ursprüngliche Klientel der SPD wählt ja inzwischen entweder Linke oder AfD, oder auch einfach gar nicht. 2 gute Dinge hat die SPD seit der Abwahl von Schröder vollbracht hat. Die Einführung des Mindestlohns und das Recht auf einen Krippenplatz. Ansonsten ist da nur Klientelpolitik für RWE, Verlage (v.a. die eigenen), Beamte und selbständige Anwälte. Die Mittelklasse, Angestellte und Arbeiter, werden nach Kräften klein gehalten. Und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, insbesondere der kleinen und mittleren Unternehmen, ist mit der Regelungswut auch völlig egal.

    Aber da eignet sich Genderpolitik ja hervorragend. Da kann man ohne Sinn und Verstand Aktion simulieren ohne etwas zu tun. Und das ist doch in den letzten Jahren der Markenkern der SPD. Von Leistungsschutzrecht über Innere Sicherheit bis hin zu allem, was mit Digitalisierung zu tun hat. Hauptsache irgendwas machen damit man sagen kann, man hat was gemacht. Ob das auch sinnvoll ist, danach fragt keiner.

  11. Das Klassengedöns wurde vor/während der Schröderära als veraltet weggeschrieben. Die SPD lehnte sich damals ja an Blairs „New Labour“ an, die damit schon zeitiger begonnen hatten.

    Das wäre aber nicht durchgegangen, wenn es nicht tatsächlich altbacken wäre. Wer in der Bevölkerung fühlt sich einer Klasse zugehörig und wo sollen da die Grenzen sein? Der marxsche Ansatz stammt halt aus einer anderen Zeit.

    Das Weltverbesserungsvakuum zog dann halt linke Rassisten und andere Lobbygrüppchen, wie etwa Feministinnen, an. Da der Globalismus wirtschaftliche Umverteilung und gesellschaftliche
    Verbesserungen aber wirksam verhindert, wurden diese Themen immer mehr auf die persönliche Ebene heruntergebrochen. So wie jeder Konsument plötzlich schuld an Massentierhaltung und Klimawandel sein soll, so schuldig muss auch der reiche Westler am armen Afrikaner sein. Selbst wenn er immer ordentlich seinen Teller leer isst und kräftig bei „Brot für die Welt“ spendet.

    Das ist zumindest die Nicht-VT-Version. In selbiger steht hinter dem Wechsel die teile-und-herrsche-Absicht.

    Wie auch immer, letztlich hat das die „Rechten“ befeuert, die die Lösung nicht in „immer größer“ und „immer liberaler“ sehen, sondern zu einem besser funktionierenden und stabileren Zustand zurückwollen, was auch sinnvoll wäre, wiewohl in den Sternen steht, ob das noch gelingen kann.

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