Zickenkrieg, Stutenbissigkeit und Bitchfights und der große Kampf der Frauen gegen die Männer um Macht.

Ein Artikel in der Zeit zu dem Unding Frauen Stutenbissigkeit vorzuwerfen:

Mit Frauen* zusammenarbeiten? „Achtung, Bitchfight!“ Frauen* unter sich? „Da ist Zickenkrieg vorprogrammiert.“ Viele Frauen im Büro? „Na dann, viel Spaß beim Weibercatchen.“ Klischees, die vermeintlich „weibliches“ Verhalten abwerten, halten sich hartnäckig. Tiermetaphern wie „Zicke“ oder „Stutenbissigkeit“ naturalisieren bestimmtes zwischenmenschliches Verhalten obendrein. So als könnten Frauen* gar nicht rational entscheiden, wie sie Konflikte austragen wollen. Viel eher würden sie einander behindern, wenn sie nicht gerade am Lästern sind.

Das ist diese typisch feministische Art zu schreiben, indem man gleich mit Strohmännern aller Art anfängt und so tut als würde Frauen vorgeworfen werden quasi unmöglich kooperieren zu können.

Stutenbissigkeit oder Bitchfight oder eben der Zickenkrieg entstehen eben aus weiblichen Strategien der Konfliktaustragung, etwa Angreifen der Reputation, Ausgrenzung, Lagerbildung, Mobbing. Diese Formen bestimmen natürlich nicht alleine das Aufeinandertreffen von Frauen, sie treten aber dann auf, wenn sich eine der Frauen angegriffen fühlt oder die „Rangverhältnisse“ in Frage gestellt sind.

Das bedeutet nicht, dass Frauen nicht zusammen arbeiten können, aber enge in einem Büro und sehr verschiedene Charaktere können eben schnell dazu führen, dass sich bestimmte Frauen in einem Zickenkrieg befinden und sich dazu mit anderen Verbünden.

Männer können genauso Streitigkeiten im Büro austragen, allerdings wählen sie dazu oft andere Formen, vom Wettbewerb über Herabsetzungen bis zu (nicht wortwörtlichen) Schwanzvergleich.

Gleich vorweg: Dass das Bullshit ist, belegen unter anderem Frauen*netzwerke. Weiblicher Zusammenhalt ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil sich Frauen*netzwerke als Strategie gegen Ausschlüsse durch männlich geprägte Machtstrukturen verstehen lassen.

Das ist dieser Kampffeminismus, den ich fürchterlich finde, weil er nur Nullsummenspiele kennt: Frauen müssen sich gegen die Männer verbunden, deswegen kann es Zickenkriege gar nicht geben.

Das ist schon ein sehr schlichter Gedanke, der der Situation in vielen Büros schlicht nicht gerecht wird. Dort findet gar kein Kampf zwischen den Geschlechtern statt, sondern eher unter Einzelpersonen. Sabine hat beispielsweise das Gefühl, dass Sonja ihren Kleidungsstil kopiert und ihr alles nachmacht. Das kann schon für einen Krieg reichen. Dieses Gefühl kann auch schlicht daher kommen, dass Sonja irgendwie beim Chef gut ankommt oder bei einem Kollegen oder das sie das Sozialgefüge unter den Frauen durcheinander bringt und sich für etwas besseres hält. Es geht da nicht um Macht in dem Sinne im klassischen Sinne, also Beförderungen und Gehaltserhöhungen, sondern um soziales Gefüge, welches häufig die Männer gar nicht betrifft.

Wenn beispielsweise Sekretärinnen in einem Ingenieursbüro aneinandergeraten, dann hat das mit den ganz überwiegend männlichen Ingenieuren und einem Machtkampf um Positionen mit diesen schlicht nichts zu tun.

Denn Bünde von Männern*, die bis in die jüngste Vergangenheit auch ausschließlich Männern* zugänglich waren, gibt es historisch betrachtet wesentlich länger als Frauen*netzwerke. Solche Vernetzungen und Kooperationen – ob informell oder institutionalisiert – bieten Vorteile für jene, die daran teilhaben: Zu ihnen gehört beispielsweise, Zugang zu wichtigen Informationen zu erhalten, die nur einem kleinen, privilegierten Kreis zugänglich sind oder (noch) nicht öffentlich. Funktionen von Männer*netzwerken analysiert beispielsweise Psychologin Dagmar Schmelzer-Ziringer in ihrer Dissertation: Das Gefühl der Zugehörigkeit zählt sie dazu und die strategische Fähigkeit zum Abstecken von Interessen und zum Machterwerb. So lässt sich auch nachvollziehbar begründen, warum es Frauen* als kooperatives Kollektiv braucht: um neue, eigene Räume einzunehmen, in denen neue Verantwortungen übernommen und gemeinschaftliche Interessen durchgesetzt werden können. Das Ziel? Machtausgleich.

Klar, in ihrer Welt ist der Zickenkrieg gar nicht denkbar, nur wieder etwas, womit Männer durch Gerüchte Frauen klein halten. In Wahrheit geht es Frauen nur darum, in ihren Netzwerken gegen die Männernetzwerke um Macht zu kämpfen.

Und natürlich gibt es auch weibliche Netzwerke, die sehr wichtig sein können, gerade weil man sich eben in einer Frauenrunde dann wieder (vermeindlich) ungezwungener Treffen kann und sich gegenseitig den Rücken stärken kann.  Vorteil ist, dass eben Sexualität üblicherweise keine Rolle spielt, man nicht in bestehende Männerrunden eindringen muss, die vielleicht nach ganz anderen Regeln funktionieren etc

Im Business dürfte es aber inzwischen weitaus üblicher sein gemischte Netzwerke zu gründen. Die meisten Organisationen wie Rotary, Lions und BNI nehmen heute unproblematisch Frauen auf, man muss aber eben auch die Zeit haben, sich an diesen zu beteiligen.

Wer heute noch denkt, dass er tatsächlich einen Kampf Männer gegen Frauen kämpft, der wird es aus meiner Sicht in der Wirtschaft eher schwer haben, weil er sich viele Kooperationspartner entgehen lässt. Deswegen dürften die meisten Frauen eher ein vollkommen normales Netzwerk ausbilden, mit Männern und Frauen, und daneben noch ein spezielles Frauennetzwerk, bei dem sich gerade Frauen unterstützen sollen.

Aber das ist ja mit dem klassischen Feindbild im Feminismus schwer zu vereinen.

Es folgen dann noch ein paar Allgemeinplätze dazu, warum es besser ist ein Netzwerk zu gründen und sich zu unterstützen und ein Mutmaßen, warum das Männer eher gemacht haben.

Dann noch etwas Kriegsrethorik hinterher:

Die wird es nämlich weiterhin geben: Menschen, die Frauen* beispielsweise als „stutenbissig“ degradieren und sich „Bitchfights“ sogar herbeiwünschen, sei es zur eigenen unmittelbaren Belustigung, zum schnellen Sieg im Büro-Kleinkrieg oder schlicht, um gesellschaftliche Machtverhältnisse zu zementieren. Autorin Laurie Penny sieht das in ihrer Essaysammlung Bitch Doctrine ähnlich: „Die größte Angst ist mit der Vorstellung verbunden, Frauen könnten künftig womöglich zusammenarbeiten. Dass Frauen sich organisieren – statt um die Aufmerksamkeit von Männern zu buhlen, wie es richtig und natürlich wäre –, ist schon beängstigend genug. Eine Welt, in der Frauen die Verantwortung übernehmen, ist schlicht undenkbar; sie sich dennoch vorzustellen bedroht akut die Identität jener, die für ihr Selbstbild schon immer eine Geschichte brauchten, in der die Männer oben sind.“

Die große Angst vor den Frauen. Das ist glaube ich eine Lieblingsvorstellungen der Feministen.  Man muss sich den Feind ja aufbauen: Ein starker Feind, das mächtige Patriarchat, aber irgendwie hat er doch Angst vor einem, weil man ja so toll ist.

Natürlich gefallen Männer Quoten oder ungerechte Frauenbevorzugung nicht, weil das ihre Arbeit für einen Aufstieg zunichte macht. Aber das liegt nicht daran, dass sie Frauen nicht an die Macht lassen wollen, sondern das es ein Eingriff in den fairen Wettbewerb ist.

Ich denke den Männern ist es in einem ansonsten normalen Wettbewerb ohne Vorzugsbehandlung egal, ob der Konkurrent eine Frau oder ein Mann ist.

Dass diskriminierende Geschlechterverhältnisse letztlich allen schaden, liegt auf der Hand. Ohne ihr Aufbrechen durch feministische Bewegungen hätte es Errungenschaften wie das aktive und passive Frauen*wahlrecht, den Universitätszugang für Frauen*, die Straffreiheit von Schwangerschaftsabbrüchen oder die Strafbarkeit von häuslicher Gewalt und Vergewaltigung in der Ehe nie gegeben. Auch Männer* profitieren vom Abbau schädlicher Stereotype wie jenem des erfolgreichen Mannes*, der alles unter Kontrolle haben muss: Dafür reicht ein Blick auf männlich dominierte Gewalt-, Sucht- oder Suizidstatistiken, die viele Untersuchungen auf gesellschaftlich tradierte Konstrukte von Maskulinität zurückführen.

Auch so eine klassische Aussage von Feministinnen, die sie vielleicht wirklich glauben. Dabei sollen da ja Männer genau die tolle Macht aufgeben, die die Frauen angeblich haben wollen. Und natürlich vergessen sie immer die guten Seiten der Männlichkeit, die Einsatzbereitschaft, die Wettbewerbsfähigkeit etc.