Selbermach Samstag 227 (16.02.2019)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen

„Als Penis zwischen den Fronten des Patriarchats und des Feminismus“

Timothy Endut ist ein männlicher Feminist und er sieht sich weniger als Mann als vielmehr als Mann*. Er empfindet die männliche Geschlechterrolle als etwas einengend, würde gerne mehr weinen, mehr Emotionen zeigen und mehr körperliche Nähe bei Männern und Frauen zulassen können etc. Er sieht für diesen Zustand eine Verantwortung von Männern und Frauen, bewegt sich also schon etwas außerhalb des klassischen Feminismus.

Dann fordert er sogar eine Einbeziehung von Männern in den Feminismus:

Wir alle sind geborene Sexist*innen, denn die Gesellschaft selbst ist sexistisch. Wir können nichts anderes tun, als alte reproduzierte Werte und Handlungsweisen zu hinterfragen und dann schliesslich abzuschaffen. Denn solange Geschlechterrollen existieren, werden wir nie gleichgestellt leben. Solange wir eine Rolle spielen, werden wir nie uns selbst sein können – nämlich Menschen.

Da könnte man natürlich wieder auf die Studien zu den biologischen Grundlagen der Geschlechterrollen verweisen und insbesondere auf dieses Schaubild:

Damore Populationen Normalverteilungen

Damore Populationen Normalverteilungen

Wenn die Geschlechterrollen Normalverteilungen sind, dann gibt es eben Leute, die sich in den Geschlechterrollen super wohl oder zumindest wohl fühlen und welche, die eher an dem äußeren Rand hin zum anderen Geschlecht befinden sind und sich deswegen nicht so wohl fühlen. Daraus folgt aber nicht, dass die, die sich wohl fühlen nun per se auch weinen wollen müssen und befreit werden müssen, sondern nur, dass man die Abweichungen in alle Richtungen zulassen sollte ohne damit zu entwerten, dass sich die meisten in den jeweiligen Rollen ganz wohl fühlen.

Aber nun zu seinem eigentlichen Anliegen:

Wir sind der böse Patriarch

Dies gesagt, ist es umso störender, dass ich als Mann* nicht als Teil der Bewegung gegen Gewalt an Frauen verstanden werden darf, sondern lediglich als Sympathisant. Der Mann sei Teil des Problems, jedoch auch Teil der Lösung. Es wird Zeit, dies auch so zu leben. Als Feminist* kann man sich zurzeit immer nur gebückt für den Feminismus stark machen. Denn sonst würde man sich ja als Mann für die Rechte der Frau stark machen. Es wird wohl nicht lange dauern, bis ich wegen dieses Texts des Mansplaining bezichtigt werde. In dieser steten Angst muss man als Feminist* leben. Man darf und soll sich zwar für den Feminismus einsetzen, aber bitte ja nicht mitdiskutieren.

Der radikale intersektionale Feminismus ist eben sehr einfach aufgebaut. Als PoC hätte Tim wohl noch gewisse Rechte im Bereich Rassismus, als Mann ist er aber der Böse und muss die Frauen machen lassen.

Denn der Mann wird noch immer von vielen Frauen grundsätzlich als Patriarch verteufelt. Im Zweifel gegen den Angeklagten. Doch wer ist denn der Patriarch? Es ist wichtig, dies genau zu definieren und nicht allgemein Menschen mit Penissen als schlechte Menschen abzustempeln. Nicht der Mann ist der Feind, sondern die patriarchalen Gesellschaftsstrukturen. Und von denen ist auch der Mann* betroffen.

Das wäre der offizielle Ausweg, der aber nicht berücksichtigt lässt, dass man Privilegierter ist und als solcher eben nicht marginalisierten etwas vorschreiben darf oder sich auch nur äußern darf. Natürlich ist man ein schlechter Mensch. Man hat ja in diesem sehr simplen Modell die Erbsünde in sich, eben die Privilegien des Mannes. Und die bestehen auf Kosten der Frauen. Also muss  man diese vollständig ablegen, was auch nicht möglich ist. Man kann sich also allenfalls beständig die Büßerpeitsche auf den Rücken hauen und mitmachen solange es den anderen genehm ist. Die Betroffenheit des Mannes tritt insofern ganz schnell hinter seiner Privilegierung zurück. Zudem ist man für diese als Repräsentant der Gruppe ja eh selbst verantwortlich und kann kaum erwarten, dass Frauen nur Kraft aufwenden, den sie für den eigenen Kampf brauchen, um einem privilegierten Mann zu helfen.

Die fehlende Inklusion von Männern* steht der Bewegung und dem Feminismus im Weg. Genau deswegen fällt es vielen Männern schwer, sich zum Thema zu äussern und sich dafür stark zu machen. Das wäre jedoch äusserst wichtig. Wir brauchen alle. Weshalb denken wir in Geschlechtern, wenn wir doch als Menschen Gleichstellung brauchen. Es braucht einen inklusiven Feminismus. Denn stellen wir uns als Gesamtheit der Gesellschaft gegen Sexismus, dann stirbt er ganz von selbst. Der*die Gegner*in des Patriarchats darf kein Geschlecht kennen.

Ein netter Appell. Aber im Feminismus gibt es keine Kekse für Männer. Es ist ihre gottverdammte Pflicht an der Befreiung der Frau zu arbeiten und sich ihrer Privilegien zu entledigen. Rumheulen, dass man ja neben der großen Vorteile auch ein paar Nachteile habe ist insofern eher verpönt.

Im radikalen Feminismus kann es keine Gleichstellung geben. Weil die ganze Theorie auf einem sehr schlichten Gut-Böse Modell aufbaut. Und kein Geschlecht kennen, dass kann in diesem Modell eben nur ein Privilegierter sagen. Weil er ja die Nachteile der anderen dann leichter ausblenden kann, von denen er profitiert.