Gene, familiäres Umfeld und nichtfamiliäres Umfeld und der Einfluss auf individuelle Unterschiede

Wie man in der Tabelle sieht ist der Einfluss der Familie abseits der Gene (shared family enviroment (ES)), die letzte Wertespalte, oft verschwindend gering.

19 Gedanken zu “Gene, familiäres Umfeld und nichtfamiliäres Umfeld und der Einfluss auf individuelle Unterschiede

  1. Diese Ergebnisse strafen die Sozialkonstruktivisten Lügen. Nicht, dass sie es zur Kenntnis nehmen oder ihre unwissenschaftlichen Behauptungen korrigieren werden. Es ist nur eine weitere Bestätigung, dass die „Gender-Wissenschaft und -Forschung“ rein politischer Aktionismus und wissenschaftlicher Unsinn ist. Wer Steven Pinkers ausführliches Werk über die menschliche Natur „The Blank Slate“ (2002) kennt wusste das bereits. Ebenso bekannt war der minimale Einfluß der elterlichen Erziehung auf die Entwicklung von Kindern im Vergleich zum Einfluß der „peer group“.
    Der Feminismus (3. Welle) ist die Rache der Lesben an der `ungerechten` Gesellschaft und den natürlichen Geschlechterrollen in der Verkörperung der toxischen Männlichkeit.

    • Was schreibt Plomin denn?

      Wenn ich das Papier von Tikhodeyev et al. richtig einschätze, dann gehen sie von der Beobachtung aus, daß die Gene und die Umwelt auch zusammengenommen den Phänotyp nicht sicher festlegen. Das folgt wohl aus Experimenten mit Mäusen, wo man beide Faktoren im Labor konstant halten kann und sich trotzdem deutliche Unterschiede im Phänotyp zeigen. Diese Unterschiede führen sie auf Zufälligkeiten in den Prozessen der Gen-Expression zurück, so ähnlich wie Mutationen (die aber Gene betreffen).

      Vordergründig sagen sie also scheinbar etwas ganz anderes als das, was auf dem Cover des Buchs von Robert Plomin steht: „how DNA makes us who we are“, um nicht zu sagen das Gegenteil: in der alten nature vs. nurture-Debatte ist:

      für Plomin scheinbar (ich kenne sein Buch nicht) nature = Gene („DNA“).

      Für Tikhodeyev et al. ist nature = Gene + internal NSE (intrinsic molecular stochasticity).

      • Er schreibt, dass ca 50% aller „psycological traits“, also psychischen Merkmale, genetisch festgelegt sind; Adoptions- und Zwillingsforschung legen das nahe. Darüber hinaus sind auch viele der Umwelteinflüsse auf Gene zurückzuführen. Wenn etwa in einer besonder musikalischen familie die Talente der Kinder früh gefördert werden, ist das ein Umwelteinfluss, der aber auf genetische Dispositionen der Eltern zurückgeht. Das macht nach Plomin noch mal 20% aus, also 70% der psychischen Merkmale hängen von Genen ab. Die restlichen 30% gehen auf die Umwelt zurück, aber nicht in einer erklärbaren Weise. Erziehung hat jedenfalls wenig nachweisbaren Effekt; adoptierte Kinder sind im Verhlaten ihren leiblichen Eltern ähnlicher als den Stiefeltern. Deshalb ist es wesentlich die DNA, die uns zu dem macht, was wir sind.

        • Zur Illustration ein paar Zitate aus dem Buch:

          T“raditionally, environmental research has ignored genetics and thus could not untangle the threads of nature and nurture. Genetic research has made fundamental discoveries about the environment because it takes genetics into account when studying the environment. …

          It seems reasonable to assume that these correlations between environmental measures and psychological outcomes are caused environmentally. For example, the correlation between how much parents read to their children and how well the children learn to read at school seems likely to be caused by how much parents read to their children. Hanging out with bad peers seems to cause bad adolescent outcomes. Stress seems to cause depression.

          As reasonable as these causal interpretations appear to be, we should be wary of interpreting any correlation in terms of one thing causing the other. It is always possible to interpret these correlations in the opposite direction: the dictum that correlation does not imply causation. For example, rather than parents’ reading to children causing differences in how well the children read at school, how much parents read to children might reflect how much children enjoy reading.

          Genetics could be a ‘third factor’ that contributes to the correlation between parents’ reading to their children and their children’s reading ability at school. This is what I mean by the nature of nurture. Because parents and their children are related 50 per cent genetically, it is possible that genetics creates the correlation between parents who read to their children and children who are good at reading. The association could be phrased in a way that makes the possibility of genetic mediation more obvious: parents who like to read have children who like to read. Another entry point for genetics is that children who like to read or be read to might use their environment to feed their appetite for reading, for example, by asking their parents to read to them. In other words, parents might be responding to genetic differences between children in how much they enjoy reading. …

          Genetic influence is just as strong for observational studies of parent–child interactions in which researchers rated specific behaviours of parents and children. Finding that genetic influence was just as substantial for objective observational measures as for subjective self-report measures suggests that genetic influence on experience is not just in the eye of the beholder. Genetic effects can be seen in actual behavioural interactions between parents and children. …

          This finding about the nature of nurture is one of the most unexpected and important examples of how DNA makes us who we are. Instead of assuming that correlations between the ‘environment’ and psychological traits are caused environmentally, it is safer to assume that half of the correlation is due to genetic differences between people.“

          Kapitel 3, The Nature of Nurture

        • Das verstehen anscheinend viele nicht, wenn neben den Genen die Umwelt noch als Faktor genannt wird. Vielen springt da automatisch als Kontrast „Erziehung/Sozialisation“ vor das geistige Auge, wobei ich denke, dass das ein vernachlässigbarer Faktor ist wenn man unter „Umwelt“ noch das Klima, die Ernährung, etwaige Pathogene und versteckte Hormone, oder den Drogenkonsum bzw. die Anfälligkeit auf gewisse Krankheiten nimmt.

  2. Die Studie einen gänzlich anderen Forschungsgegenstand. Es geht um den Einfluss des Zufalls auf molekularer Ebene auf die Expression der Gene.

    Die Zahlen in der Tabelle sind nun wirklich ein ganz alter Hut. Sie beziehen sich auf Relationen, und nicht auf den absoluten Einfluss der Gene vs. den absoluten Einfluss der Umwelt.
    Insofern demonstriert die Aussage „der Einfluss der Familie abseits der Gene [.. ist] oft verschwindend gering“ ein leider hartnäckig weit verbreitetes, grobes Fehlverständnis.

    „Wir wollen unseren Gott, der unser Schicksal bestimmt, wieder haben!“

      • Wenn du die Mittelschichtpopulation einer Stadt betrachtest, dann sind z.B. 50% der Unterschiede innerhalb dieser Population auf Gene, und 50% auf diverse Umwelteinflüsse zurückzuführen. Die familiäre Umwelt spielt dabei kaum eine Rolle.

        Das heißt allerdings nicht, das die Gene „zu 50%“ den betrachteten Aspekt bestimmen.

        Angenommen, alle Kinder unterlägen alle exakt dem gleichen familiären Einfluss: Dann würde der familiäre Einfluss auf die Unterschiede gegen null tendieren. Wenn nun dieser exakt gleiche Einfluss aus einer krassen Mangelernährung bestünde, dann würden diese Zahlen einen hohen genetischen, und gar keinen familiären Einfluss auf die Kindersteblichkeit ausweisen. Könnte man deshalb behaupten, dass „der Einfluss der Ernährung in Familie abseits der Gene verschwindend gering ist“?

          • ???
            Die Zahlen stellen doch gar keine Korrelation dar.

            Heritabilitätszahlen sagen schon vom Konzept her rein gar nichts über absolut betrachtete Einflüsse aus – das ist der Punkt.

          • Entschuldige meine Begriffsstutzigkeit, aber ich will mich bemühen.

            Also: die Heritabilitäts- oder Vererbungszahlen sind die Angaben mit A + ENS + ES =1.00 (100%).
            Es handelt sich um %-Anteile des angeblichen Einflusses von „Genen“ (A) einer nicht-familiären Umwelt (ENS) und der familiären Umwelt (ES) an einem bestimmten Verhalten.

            A, die „Gene“ sind dann also der „genetisch bedingte Anteil am Ausmaß der Gesamtvariabilität eines Merkmals“ …
            https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/heritabilitaet/31440
            … und ENS und ES sind die „umweltbedingte Variabilität“, aufgeteilt in nicht-familiäre und familiäre Umwelt.

            Die neue Arbeit, die verlinkt ist, meint nun, den ENS-Anteil in einen externen Anteil (der eigentliche Umwelteinfluss, nicht durch die Familie) und einen internen Anteil, der die Genexpression oder Gen-Wirksamkeit beschreiben soll, aufteilen zu können. Die Autoren behaupten, dass der Löwenanteil des ENS auf interner phänotypischer Varianz der Genexpression beruhen soll. Damit wäre ENS auch eine Frage der Vererbung geworden, wenn auch die phänotypische Ausprägung zufällig ausfällt. Der genetische Anteil ist also mit A + ENS abzuschätzen, während der der gesamten Umwelt mit ES zu veranschlagen wäre. Aus der Tabelle kann man dann entnehmen, dass für die Umwelt nicht mehr viel Einfluss bleibt….

            So weit, so gut. Ob das jetzt wirklich was zu bedeuten hat, ich wäre sehr skeptisch. Die Original-Arbeit habe ich nicht gelesen (kostet ja), aber der Abstract ist nicht so schrecklich vielversprechend.

          • @alex:

            Es handelt sich um %-Anteile des angeblichen Einflusses […] an einem bestimmten Verhalten.

            A, die „Gene“ sind dann also der „genetisch bedingte Anteil am Ausmaß der Gesamtvariabilität eines Merkmals“ …

            Wenn ich das richtig verstehe, dann will Nick darauf hinaus dass die Variabilität eines Merkmals und das Merkmal selbst verschiedene Dinge sind. Die Variabilität ist insbesondere eine relative Angabe (d.h. steht in Bezug zu einem Referenzwert) und ein großer Einfluss auf die Variabilität lässt keinen Rückschluss auf den Einfluss auf die absolute Größe eines Merkmals zu.

            Krudes Beispiel:
            Stell dir vor du weißt dass X die Standardabweichung eines Merkmals sehr stark beeinflusst. Dann ist der Schluss dass X auch den Mittelwert beeinflusst unzulässig. Die Standardabweichung (Variabilität) ist eine relative Größe, der Mittelwert (das Merkmal) eine absolute.

          • @pingpong
            Ich glaube, es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass es hier *nur* um Variabilität einer Eigenschaft gehen *kann* (auch nick denkt so), denn die Umwelt kann ja nur einen solchen Effekt haben und keinen durchgreifenderen. Und von dieser Variabilität wollen wir wissen, was die Umwelt davon verursacht und was nichts damit zu tun hat. Es macht also keinen Sinn, nach dem Umwelteinfluss der Dreibeinigkeit eines Menschen zu fragen, weil klar ist, dass die Umwelt sicher keine dreibeinigen Menschen erzeugt! Wenn es aber um die Verhaltensweise „Extraversion“ (s. Tabelle, zuerst) geht, dann wissen wir, dass uns die verschiedensten Menschen begegnen und es ein grosses Kontinuum von Zuständen gibt. Das sind also Zustände, die möglicherweise von der Umwelt hervorgerufen sein könnten! Aber natürlich auch „nur“ genetisch moduliert sein könnten…. Wir müssen also sehen, ob sehr extrovertierte oder introvertierte Menschen wiederum diese Sorte von Menschen hervorbringt — und da werden wir natürlich eine Variabilität finden. Je mehr diese genetisch bedingt sein wird, desdo enger wird die Var. ausfallen. Wenn dieses Merkmal nicht genetisch fixiert wäre, wäre zu erwarten, dass die Nachkommen beider Extreme absolut gleich sind, in ihrer Var.! Daraus kann man den „genetischen Anteil“, den so ein Merkmal hat, abschätzen.

            Das grundsätzliche Problem ist, dass keine der Eigenschaften (bisher) sauber isoliert werden und auf einzelne wirkende Ursachen zurückgeführt werden kann. Bei der „Depression“ müssten wir zB (im Idealfall) wissen, dass Genprodukt Gfr11 (völlig erfundenes Beispiel) unter den und den Umständen versagt und dadurch der Zustand „Depression“ ausgelöst wird. Das kann auf 1001 Weise passieren und wird eine riesen Varianz von Phänotypen erzeugen, von milden bis zu schweren Formen, vielleicht sind noch andere Symptome dabei! Nun kann es sein, dass Gfr11 in einem Wirkungsgeflecht seinen Dienst tut und die 1001 Weise seiner Funktionsstörung an ebensovielen Partnern in Wechselwirkung liegt….

          • @Alex: Angenommen es gäbe eine strenge soziale Norm, die Extraversion sehr wirkmächtig und durchgreifend eindämmt. Dann hätte man deshalb insgesamt eine eher niedrige Variabilität in puncto Extraversion.

            Laut Heratibilitätszahl wäre allerdings der Umweltanteil an der Variabilität eher _geringer_ – eben weil die Umwelt durchgreifend dafür sorgt, dass es wenig Abweichungen von der Norm gibt.

            Dann kämen so Schlaumeier und meinten, dass der Einfluss der Umwelt auf Extraversion sei gering..

          • @nick
            richtig, in diesem Fall wird es überlagert. Aber es würden Einzelfälle existieren, die auffallend ungehemmt sind.

  3. Hat dies auf Bayern ist FREI rebloggt und kommentierte:
    Detaillierte genetische Forschungen erhärten frühere Erkenntnisse, wonach das Elternhaus auf die Entwicklung von Kindern einen geringen Einfluss hat. Wesentlich sind vielmehr die Gene und das unterschiedliche Umfeld jenseits der Familie.

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