Die Abwesenheit von Vätern als Erhöhung der Chance auf lesbische Töchter: Genetik vs. Soziale Erklärungen

Anscheinend gibt es eine gewisse Korrelation zwischen dem Umstand, dass eine Tochter ohne Vater im Haushalt aufwächst und dem Umstand, dass sie lesbisch ist.

Man könnte das sozial erklären: Weil der Vater nicht da ist, orientiert sie sich eher an Frauen oder so

Mir scheint eine genetische Variante interessanter: Eine Mutter mit gewissen lesbischen Tendenzen wird eher von dem Vater verlassen, weil sie eben weniger an Sex mit ihm interessiert ist. Die biologische Veranlagung gibt sie an die Tochter weiter.

Warum wäre das bei männlichen Homosexuellen nicht genau so? Meine Vermutung: Schwule haben ein anderes Verhältnis zu Sex und leben daher seltener in einer Beziehung, die zu einem Kind führt.  Andere Möglichkeit: Die Gene für männliche Homosexualität werden eher mütterlicherseits vererbt

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Youtube und die Diskriminierung der Frauen

Die Malisa Stiftung hat eine Diskriminierung der Frauen auf Youtube (!) entdeckt:

Die viel von jungen Menschen genutzten Online-Plattformen wie YouTube und Instagram bieten erst einmal jedem und jeder neue Chancen, sich darzustellen, die eigene Identität zu zeigen und sich eine Stimme zu geben. Doch die Ergebnisse mehrerer von der MaLisa Stiftung unterstützen Studien zeigen, dass Frauen auch auf diesen Plattformen unterrepräsentiert sind. Das Verhältnis 1:2 von weiblichen zu männlichen Protagonist*innen, das sich in Kino und TV gezeigt hat, ist auch bei den 100 beliebtesten Musikvideos, den 100 beliebtesten YouTube-Kanälen und den Top 100 Instagrammer*innen in Deutschland zu finden.

Es gibt keine faireren Plattformen in Bezug auf Geschlechter als Youtube und Co.  Die Bedingungen sind für alle absolut gleich, niemand kann einen hereinreden, weil man immer seinen eigenen Content herstellen und hochladen kann und jeder wirbt gleich um Zuschauer und Sponsoren. Man braucht nicht viel mehr als eine Videokamera, es reicht eigentlich ein Smartphone. Theoretisch kann man das notwendige Equipment für wenig Geld zusammenbekommen.

Wenn dennoch Männer dort erfolgreicher sind, dann könnte das nicht etwa ein Zeichen für Benachteiligung sein, sondern ein deutliches Zeichen dafür, dass Gender Pay Gap etc nicht auf Benachteiligung beruhen-

Die Geschlechterdarstellungen in den erfolgreichsten YouTube-Kanälen basieren zudem auf veraltet anmutenden Stereotypen: Während Frauen sich überwiegend im privaten Raum zeigen, Schminktipps geben und ihre Hobbies präsentieren (Basteln, Nähen, Kochen), bedienen Männer deutlich mehr Themen: von Unterhaltung über Musik bis zu Games, Comedy und Politik.

Was eben dafür spricht, dass diese Stereotypen nicht so veraltet sind, wie es die Studie gerne hätte. Frauen versuchen eben häufig eine weibliche Klientel anzusprechen, indem sie klassische Frauenthemen bedienen. Das machen im übrigen Frauenzeitschriften genau so.

In Musikvideos, die heute überwiegend über YouTube konsumiert werden, konnten diese beiden Ergebnisse ebenfalls beobachtet werden: Wir sehen noch immer mehrheitlich Frauen, die sexy und passiv inszeniert werden. Und der Anteil der Sängerinnen in den Top 100 liegt konstant bei einem Drittel. Auch auf Instagram sind insbesondere die Frauen erfolgreich, die einem normierten Schönheitsideal entsprechen. Sie sind dünn, langhaarig und beschäftigen sich hauptsächlich mit den Themen Mode, Ernährung und Beauty. Weibliche Selbstinszenierung findet hier nur in einem sehr begrenzten Korridor statt.

Auch ein Wunder: Schöne Leute sind interessanter, wer hätte es gedacht. Das ist eben das Problem in einem Bereich, in dem das Programm nicht vorgeschrieben ist: Die Leute schauen sich an, was ihnen gefällt und diejenigen werden groß, die das bedienen. Es gibt eben zu jedem Thema eine Vielzahl von Anbietern und wenn die erfolgreicher sind, die die Klischees bedienen, dann sagt das etwas darüber aus, was die Leute wollen.

Doch ein Blick in die Branche zeigt, dass diese stereotypen Darstellungen nicht allein persönlichen Interessen geschuldet sind. Die befragten YouTuberinnen verweisen auf Hürden, die es erschweren aus dem Themenumfeld Beauty auszubrechen und sich neue Genres wie Comedy oder Politik zu erschließen. Sie berichten von engen Zuschauererwartungen und damit verbunden kritischen, mitunter bösartigen Kommentaren, sobald sie den normierten Erwartungen widersprechen.

Dieses verdammte Publikum, dass sich einfach nicht umerziehen lassen will! Was fällt ihm ein die Themen auf die Art zu sehen, wie sie es wollen und nicht auf eine Weise, wie sie sein sollten?

Aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass eine Youtuberin, die sagen wir mal dicker geworden ist, böse Kommentare bekommt, weil eben gerade intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen in der Hinsicht natürlich brutal sein kann.

Die Befragungen haben studienübergreifend gezeigt, dass jugendliche Konsument*innen Influencer*innen als Vorbilder betrachten und deren Posen und Aussehen nachahmen. Auf YouTube legen die Kanalbetreiber*innen großen Wert auf „Authentizität“, bei Instagram soll alles „natürlich“ und „spontan“ wirken, auch wenn die geposteten Fotos aufwendig und zeitintensiv inszeniert wurden. Insbesondere Mädchen, die Influencer*innen folgen, bearbeiten ihre eigenen Bilder stärker als solche, die keinen Influencer*innen folgen. Sie empfinden ihr natürliches Aussehen zunehmend als unzureichend.

Das ist eben nicht anders als in den sonstigen Medien auch. Wir wollen nicht unbedingt an Unzulänglichkeiten erinnert werden, sondern eine passende andere Welt vorgeführt bekommen. Das vieles genau geskriptet ist soll man eben nicht bemerken, es soll noch einigermaßen natürlich klingen. Aber das ist ja auch bei sonstigen Shows nicht anders.

Maria Furtwängler, Stifterin und Vorstandsmitglied der MaLisa Stiftung zeigt sich irritiert angesichts der Tatsache, dass Frauen auch in den sozialen Medien unterrepräsentiert sind: „Wenn man alle diese Zahlen nebeneinander stellt und sieht, dass die Frauen auch in den Medien, die hauptsächlich von Jugendlichen konsumiert werden, nur ein Drittel der Protagonist*innen stellen, muss man sich fragen, was mit den Strukturen nicht stimmt.“

Oder mit den Frauen. Denn welche Strukturen sollen letztendlich in einem solchen Medium schuld sein, wenn man vollkommen frei in der Ausübung ist?

Dieses Denken, dass jedes abweichende Ergebnis an hindernden Strukturen liegen muss, dass ist in der Hinsicht schon wirklich erstaunlich. Vielleicht liegt es Männer einfach mehr zu Sachthemen Inhalte zu produzieren als Frauen. Vielleicht verfolgen sie solche Punkte schlicht ausdauernder und sie nehmen sich die diesbezügliche Zeit, um passenden Content zu erstellen.

Ihre Tochter Lisa, ebenfalls Vorstandsmitglied, betont die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Diskurses über stereotype Geschlechterrollen in den Medien: „Die Studienergebnisse haben uns vor eine Reihe von Fragen gestellt, auf die wir als Feministinnen zunächst keine Antwort haben: Warum sind die erfolgreichen Akteur*innen in den neuen sozialen Medien, ausgerechnet die mit den rückwärtsgewandt erscheinenden Geschlechterrollen und wie können wir eine größere Vielfalt sichtbar machen? Dieses Thema geht uns alle an und darüber müssen wir diskutieren.“

Nur ist eben die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dem Feminismus die Antworten darauf nicht gefallen.

Das ist eben eines der Probleme bei Youtube: Der User bestimmt den Content, der erfolgreich ist. Das ist auch einer der Gründe, warum reguläres Fernsehen bei den unteren Altersgruppen immer weniger Bedeutung hat. Sie wollen das sehen, was sie interessiert zu den Zeiten, an denen sie es schauen können. Man kann dort keine Vielfalt sichtbar machen, es sei denn der Zuschauer will sie sehen.