Hannover führt verbindlich eine „geschlechtergerechte Verwaltungssprache“ ein

Hannover hat einen Flyer herausgebracht, der zu einem Wandel der Verwaltungssprache führen soll.

geschlechtergerechte sprache hannover

geschlechtergerechte sprache hannover

flyer geschlechtergerechte Sprache Hannover

flyer geschlechtergerechte Sprache Hannover

Noch mal ein paar Auszüge:

Anschreiben
Durch die Nennung von Vor- und Nachnamen lässt sich die Anrede mit
Herr und Frau vermeiden.
Herr und Frau Schulz –> Anita und Konrad Schulz
Frau und Herr Schulz (mit Kindern auf Grund von Einschulung o.ä.)
—> Familie Schulz

In manchen Kontexten ist es (zurzeit noch) unangemessen, eine andere Anrede als „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu verwenden. In solchen Fällen kann die Ansprache weiter genutzt werden ebenso wie „Sehr geehrte Frau Musterin“. Sollten Sie die Möglichkeit haben, dies durch die Verwendung anderer Anspracheformen (z.B. „Guten Tag“, „Liebe Gäste“ oder Beispiele oben) zu umgehen, gilt es diese zu verwenden. Sollte gezielt nur ein Geschlecht angesprochen werden (z.B. bei einem Geburtsvorbereitungskurs) wird nur die jeweilige Form verwendet.

Das ist schon herrlich dämlich. Da müssen alle Dokumente und die Software angepasst werden, weil ja jetzt in tausenden von erfassten Adressen ein Textbaustein die Anrede einsetzt. Das wird also schon mal wieder einiges an Geld kosten. Meine Vermutung ist, dass sich die Gender-Experten, die sich das ausgedacht haben, auch wenig damit beschäftigt haben, wie man das am besten in die Software einbaut.

 

Weitere Alternativen zur Bildung umfassender Sprachformen
Je nach Text oder Zusammenhang bieten sich verschiedene Formulierungen an. Es besteht die Möglichkeit, Institutions- und Kollektivbezeichnungen zu wählen, anstatt die Benennung von Personen zu verwenden.

  • die Teilnehmer des Projektes –> das Projektteam/die Teilnehmenden des Projekts
  • der Personalvertreter –> die Personalvertretung
  • Rat der Psychologin –> psychologischer Rat
  • Unterstützung eines Kollegen –> kollegiale Unterstützung

Ähnliches gilt bei der Beschriftung von Anwesenheitslisten. Werden Vorund Nachname abgefragt bzw. aufgeführt, ist die Bezeichnung Frau/Herr in der Regel überflüssig.

Auch wirklich wichtig. „Die Teilnehmer “ ist natürlich das Patriarchat, Die Teilnehmenden, wer denkt da nicht sofort an eine bunte Gruppe von Enbys und Transsexuellen?

GENDERSTAR
Eine geschlechtsumfassende Ansprache ist nicht immer möglich. In diesen Fällen gilt es den Genderstar zu nutzen. Der Genderstar, dargestellt durch ein Sternchen* zwischen der maskulinen und femininen Endung dient als sprachliches Darstellungsmittel aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten.

  • Der Ingenieur / die Ingenieurin –> der*die Ingenieur*in
    (in solchen Fällen wird der Genderstar auch zwischen den Artikeln gesetzt, um auf die Vielfalt der Geschlechter hinzuweisen.)
  • Liebe Kolleginnen und Kollegen –> Liebe Kolleg*innen

Der „Genderstar“. Das wird in der Tat Freude machen. Kann dann zwar kein Schwein mehr lesen, aber ein paar wenige radikale Feministen in Hannover sind immerhin glücklich. Ich vermute mal das Hannoveraner Stimmungsbild wird insgesamt eher negativ ausfallen.

Aus meiner Sicht dürfte er eher andere Leute ausschließen: Sind Programme für Sehbehinderte schon auf geschlechtergerechte Sprache ausgerichtet? Verstehen Menschen, die schlecht deutsch sprechen solche Texte noch? Helfen Übersetzungsprogramme?

Klickt man beim englischen auf Vorlesen klingt es erst einmal fürchterlich.

Ob man dagegen klagen kann eine solche Sprache verwenden zu müssen wäre interessant.

Helfen könnte dort der § 23 VwVfG (Verwaltungsverfahrensgesetz)

§ 23 VwVfG – Amtssprache

(1) Die Amtssprache ist deutsch.

(…)

Auf den wird immerhin im Niedersächsischen Verwaltungsverfahrensgesetz
(NVwVfG) hingewiesen,

§ 1
(1) Für die öffentlich-rechtliche Verwaltungstätigkeit der Behörden des Landes, der Gemeinden, der Landkreise und der sonstigen der Aufsicht des Landes unterstehenden Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts gelten die Vorschriften des Verwaltungsverfahrensgesetzes mit Ausnahme der §§ 1, 2, 61 Abs. 2, §§ 78, 94 und §§ 100 bis 101 sowie die Vorschriften dieses Gesetzes.

Wäre die Frage, ob dann eine Stadt ein „Spezialdeutsch“ überhaupt vorschreiben darf, welches vom normalen deutsch abweicht.

Verwaltungssprache soll alle Menschen ansprechen. Frauen und Männer und jene, die sich nicht als Frau oder Mann selbst beschreiben. Deshalb sollen zukünftig von der Verwaltung geschlechtsumfassende Formulierungen (z.B. Beschäftigte, Sachgebietsleitung) verwendet werden.

Wenn eine geschlechtsumfassende Formulierung nicht möglich ist, ist der Gender Star (z.B. Antragsteller*innen) zu verwenden. Diese Regelung gilt für sämtlichen Schriftverkehr der Verwaltung – Emails, Präsentationen, Broschüren, Presseartikel, Drucksachen, Hausmitteilungen, Flyer, Briefe – und schließt somit auch Formulare ein.

Mit Zustimmung des Oberbürgermeisters und der Dezernent*innenkonferenz wird mit diesen neuen Regelungen die aus dem Jahr 2003 stammende „Empfehlung für eine zeitgemäße, Frauen und Männer angemessen berücksichtigende Verwaltungssprache“ abgelöst.

Es folgen dann weiter Beispiele:

  • Rednerpult –> Redepult
    Rednerliste –> Redeliste
  • Protokollführer ist –> das Protokoll schreibt
  • Vertreter –> vertreten durch
  • Teilnehmerliste –> Teilnahmeliste

Herrlich bescheuert.

Ich bin mal gespannt, wie es ankommt und wie lange es sich hält.

und natürlich fühlen sich selbst von den Feministinnen nicht alle Vertreten:

Der Vorstoß löste ein riesiges Echo aus – jetzt kommt Kritik von einer feministischen Sprachwissenschaftlerin. Sie findet es schlecht, dass auch das Gender-Sternchen zum Einsatz kommen soll.

„Ich bedaure die Einführung des Gendersterns durch meine Heimatstadt Hannover“, sagte Linguistin Luise F. Pusch. „Die Frauen finden sich als Anhängsel wieder, wie zu Anfang der feministischen Sprachkritik.“

(…)

Pusch, die als eine der Begründerinnen der feministischen Linguistik in Deutschland gilt, sagte: „Ich bin nach wie vor für das Binnen-I, das der von mir bevorzugten Lösung, dem generischen Femininum, noch am nächsten kommt.“ Die Uni Leipzig benutze in ihrer Grundordnung seit einigen Jahren das generische Femininum, also generell die weibliche Form („Teilnehmerinnenliste“) statt der männlichen („Teilnehmerliste“). Der Protest dagegen sei bundesweit lautstark gewesen, sagte Pusch.

Die Form werde sich allerdings nur schwer durchsetzen lassen, weil viele Frauen ihren Männern nicht zumuten wollten, was Frauen routinemäßig zugemutet werde, sagte die Linguistin: „Nämlich, sich in der falschen Genderschublade wiederzufinden.“

Natürlich ist es insoweit nicht gut genug. 

Aus meiner Sicht interessantere  Kritik:

Die Umstellung ist undemokratisch. Sie wird dem Bürger zugemutet, obwohl er gar nicht danach gefragt hat. Haben die Hannoveraner eine Initiative gründet, sich über Diskriminierung beschwert? Nein, haben sie nicht. Sie müssen sich aber dennoch erziehen und gängeln lassen. Das zu Recht gefürchtete Behördendeutsch wird noch sperriger werden, durchsetzt mit umständlichen Wendungen («antragstellende Person» statt «Antragsteller») und komplizierten Sonderzeichen («Dezernent*innenkonferenz»). Was das für Migranten bedeutet, ist klar: Die Integration wird mit Regeln, die schon einen Muttersprachler verstören, schwerer fallen.

In Hannovers linguistischer Offensive zeigt sich die Kluft, die sich zwischen politischen Eliten und der Bevölkerung auftut. Hätte es eine Volksabstimmung gegeben, wäre es wahrscheinlich nicht zum behördlichen Neusprech gekommen. Für rechte Populisten ergibt sich hier eine offene Flanke: Was sie den Universitäten mit ihren rund 200 Gender-Professuren und den linksorientierten Medien an Sensibilisierungszwängen schon immer vorgeworfen haben – das Binnen-I, der Gender-Gap, der Gender-Stern –, macht sich nun auch in Behörden und Ämtern breit.

Gerade staatliche Institutionen müssten deshalb besonders vorsichtig sein. Der Eingriff in den Sprachgebrauch gehört ins Repertoire autoritärer Regime, nicht in das einer liberalen Gesellschaft. Vorbildlich ist hier das deutsche Justizministerium. 2009 richtete die Bundesregierung dort einen «Redaktionsstab Rechtssprache» ein. Leitlinie: Gesetzesentwürfe müssen sprachlich richtig und, ganz entscheidend, «für jedermann verständlich verfasst sein». Konkret heisst das: Man muss sie laut vorlesen können.

Finde ich durchaus passend.

 

Gründe dafür, Männlichkeit anzugreifen

Wie stark sinkt das Einkommen von Frauen nach der Geburt des ersten Kindes?

Eine interessante Studie zeigt wie sich das Einkommen von Frauen nach der Geburt des ersten Kindes entwickelt:

This paper provides evidence on child penalties in female and male earnings in different countries. The estimates are based on event studies around the birth of the first child, using the specification proposed by Kleven et al. (2018). The analysis reveals some striking similarities in the qualitative effects of children across countries, but also sharp differences in the magnitude of the effects. We discuss the potential role of family policies (parental leave and child care provision) and gender norms in explaining the observed differences.

Quelle: Child Penalties Across Countries: Evidence and Explanations∗

Hier ein paar Grafiken aus der Studie:

Einkommen Frauen Geburt erstes Kind

Einkommen Frauen Geburt erstes Kind

Einkommen Frauen Geburt erstes Kind Deutschland

Einkommen Frauen Geburt erstes Kind Deutschland

Wie man sieht bricht das Einkommen nach der Geburt des Kindes bei Frauen ganz erheblich ein, während das des Mannes gleich bleibt. Was aus meiner Sicht die Studie zu dem Einkommen verheirateter Männer noch interessanter macht: Es spricht aus meiner Sicht eher dafür, dass nicht verheiratete Männer mehr verdienen, sondern Männer mit mehr Einkommen eher geheiratet werden. Denn sonst müsste, da viele Männer mit Kindern verheiratet sein dürften, dann auch das Einkommen steigen. Ebenso, wenn man die These vertritt, dass sie mehr verdienen, wenn sie eher die Versorgung übernehmen.

Aber natürlich interessant sind auch die großen Unterschiede zwischen den Ländern. Frauen arbeiten in Deutschland anscheinend weniger, steigen seltener wieder in Vollzeit ein.

Die Studie hat Gründe untersucht. Es wird insbesondere ein Zusammenhang mit der Einstellung zu der Aussage „Frauen mit Kindern im noch nicht schulpflichtigen Alter sollten zuhause bleiben“ gesehen:

Frauen sollten zu Hause bleiben solange das Kind noch nicht zur Schule geht

Frauen sollten zu Hause bleiben solange das Kind noch nicht zur Schule geht

Man sieht gut, dass in Deutschland dieser Glaube besonders verbreitet ist.

Aus der Besprechung:

One set of explanations for the differences in child penalties focus on government policies. These include taxes, transfers, and family policies such as parental leave and child care provision that directly affect mothers’ incentive to work. There is a voluminous literature on the impact of such policies on female labor supply and gender gaps (see Olivetti & Petrongolo 2017 for a review). Of particular relevance, Kleven et al. (2019) consider the impacts of parental leave and public child care on the dynamics of child penalties. Their setting is Austria, a country where the combination of rich administrative data and a series of parental leave reforms and child care expansions allow for compelling quasi-experimental analyses of these questions. They find that, in the long run, parental leave and child care policies have little or no effect on child penalties. They do find short-run effects of parental leave, however. Increasing the duration of paid and job-protected leave implies larger short-run child penalties in both earnings and employment.

Die Elternzeiten oder die Kinderbetreuungspolitik hat anscheinend geringe Auswirkungen nach den dort genannten Studien.

If policies cannot explain the large differences in long-run child penalties across countries, then what is the explanation? A natural candidate revolves around gender norms and culture, but it is hard to provide conclusive evidence on the importance of such mechanisms (see Bertrand 2011 for a review and Steinhauer 2018 for a recent application). In their study of Denmark, Kleven et al. (2018) show that child penalties are transmitted through generations, from parents to daughters (but not sons). That is, girls growing up in families with a more traditional division of labor between the parents incur larger child penalties when they themselves become mothers. These findings are consistent with an influence of the family environment in the formation of women’s preferences over family and career. For the full set of countries studied here, Figure 4 provides evidence on the relationship between child penalties and elicited gender norms. The norm variable is taken from the International Social Survey Program (ISSP), focusing on a question of whether women with children under school age should work outside the home (full-time or part-time) or stay at home. The figure plots our estimated long-run child penalties in earnings against the fraction of respondents who think women should stay at home. The correlation between child penalties and gender norms is quite striking. The countries that feature larger child penalties are also characterized by much more gender conservative views. This evidence, while not necessarily causal, is consistent with a potentially important role for gender norms.

Klingt für mich etwas so als seien da die Frauen diejenigen, die die Geschlechterrollen festhalten und weiterleben, also eher dafür sind, dass sie aussetzen können.

Verdammtes Patriarchat mal wieder!

Die zugrundeliegenden Daten scheinen mir hier zu finden zu sein. Die konkreten Daten dort habe ich aber nicht gefunden. Wäre interessant das noch mal näher aufzuschlüsseln.

Wenn das tatsächlich der Fall wäre, dann würde es mal wieder zeigen, dass es gar nicht umbedingt die Männer sind und man demnach dort insbesondere den Wandel herbeiführen müsste. Also Kampagnen, die deutlich machen, dass man früh wieder einsteigen soll, so gesehen also mehr Druck auf Frauen.

Wird aber der Feminismus nicht mit einverstanden sein. Dort ist ja üblicherweise klar, wer der böse ist und gegen wen sich alles richten muss.

 

Fefe zum sexuellen Markt, Karriere und warum Frauen sich eher als Opfer darstellen können als Männer

Fefe schreibt von einer evolutionären Idee:

[l] Mir fiel heute bei einem Fiebertraum eine unerwartete Parallele auf. Ich werde sie hier mal ausrollen. Mal gucken, wie viel böse Mails das diesmal gibt.

Auf der einen Seite haben wir den evolutionären Fortpflanzungsmarkt. Männer bewerben sich um Frauen, aber sind statistisch nur sehr selten erfolgreich. Jordan Peterson hat dazu mal eine Zahl gebracht, von der ich nicht weiß, wo er sie her hat. Er meinte, die Hälfte der Männer wird sich nie fortpflanzen. Nicht weil sie es nicht versuchen, sondern weil keine Frau sie will. Die andere Hälfte der Männer gleicht das aus, indem sie mit mehreren Frauen Kinder zeugen. Und Frauen haben im Allgemeinen mehr als ein Kind. Ich glaube das in seiner Absolutheit nicht, aber nehmen wir das mal als grobe Basis.

Da wäre jedenfalls richtig, dass Frauen sich weitaus sicherer fortpflanzen als Männer. Sie haben üblicherweise keine Probleme einen Sexualpartner zu finden und betreiben innerhalb des Sexualpartnermarktes eine Bestenauslese, bei der Zwangsläufig einige auf der Strecke bleiben.

Monogamie hat das etwas reduziert, weil dann nicht die höherstehenden Männer sehr viele Frauen für sich monopolisieren können.

Auf der anderen Seite gibt es den ökonomischen Karrieremarkt. Frauen bewerben sich auf Jobs, aber sind statistisch viel seltener als Männer erfolgreich, und kriegen daher weniger Geld. Ich glaube das in seiner Absolutheit nicht, aber nehmen wir das mal als grobe Basis

Viele Frauen wollen auch besonders zeitintensive Jobs erst gar nicht, sie haben häufig ein anderes Verhältnis zu Status und Geld durch berufliche Tätigkeit als Männer, was natürlich auch wieder damit zusammenhängt, dass die Auswahl auf dem sexuellen Partnermarkt von Frauen gerade auch auf Männer mit hohem Status und Ressourcen fiel, weil das Vorteile für die Kinder bringt und „gute Gene“ anzeigt. Sexuelle Selektion, sowohl durch die Frauen als auch bei Männern untereinander bewirkt dann, dass Männer eher daran interessiert sind ihren Wert über Status und Ressourcen darzustellen

Auf der Karriereseite gibt es Frauen, die mit ihrer Situation unzufrieden sind, und Equality of Outcome fordern. Die finden, es stünde ihnen zu, dass sie genau so einen gutbezahlten Job kriegen wie allen anderen. Wir nennen sie 3rd Wave Feministen und geben ihnen Recht.

Das ist in der Tat leider der Stand. Wobei ja viele Feministinnen das sehr abstrakt für Frauen an sich fordern und nicht für sich. Sie wollen auch keine stressigen Jobs in der Wirtschaft.

Auf der Fortpflanzungsseite gibt es Männer, die mit ihrer Situation unzufrieden sind, und Equality of Outcome fordern. Die finden, es stünde ihnen zu, dass sie genau so Nachwuchs zeugen dürfen wie alle anderen. Wir nennen sie Incels und machen uns über sie lustig.

Da selbst nur beim Sex, noch nicht einmal bei der Fortpflanzung, die ja die meisten Menschen gar nicht so interessiert, Equality of Outcome zu fordern hätte schon was lustiges als Forderung. Aber in der Tat bedient es ganz andere Kanäle:
Neulich las ich den Satz:

The world doesn’t care about weak men.

Und da ist was wahres dran. Ein Mann muss eher selbst daran arbeiten ein Problem zu lösen. Bei einem Problem von Frauen hingegen erfährt dies weitaus mehr Aufmerksamkeit. Wahrscheinlich schlicht weil es evolutionär ein guter Weg war in ihre Nähe zu kommen, was wiederum die Chance auf Sex erhöht.

So und jetzt vergleichen wir mal die Methoden.

3rd Wave Feministen finden es völlig normal, wenn sie zum Ausgleich für ihre wahrgenommene Benachteiligung jetzt Männer unfair benachteiligen. Die sollen gefälligst mal die Schnauze halten und froh sein, dass wir ihnen nicht noch mehr wegnehmen.

Incels finden es völlig normal, wenn sie zum Ausgleich für ihre wahrgenommene Benachteiligung jetzt Frauen unfair benachteiligen. Die sollen gefälligst mal die Schnauze halten und froh sein, dass wir ihnen nicht noch mehr wegnehmen.

Ja, das der heutige  Feminismus mit seiner Feindseligkeit durchkommt ist eine erstaunliche Sache. Das man Incels ablehnt weit weniger. Sie stehen eben unten in der Hierarchie.

So und jetzt noch eine fiese Idee zum Ende. Wieso werden Incels und Feministen so unterschiedlich behandelt? Ich glaube das liegt daran, dass beide Märkte konvertibel sind. Mal ganz ohne Wertung: Ein hässlicher Mann mit viel Geld kann sich Sexpartner kaufen, und Prostitution ist die Gegenrichtung. Ein Incel ist also jemand, der auf beiden Seiten ein Verlierer ist. 3rd Wave Feministen sind aber nur auf einer Seite Verlierer.

Ich glaube das es einfach daran liegt, dass eine protestierende Frau ganz andere Signale auslöst und natürlich das der tatsächliche Grund für die Ungleichheit auch wesentlich schlechter zu erkennen ist:

Das Frauen diskriminiert werden und deswegen nicht nach oben kommen kann man sich vorstellen. Und die Unterschiede im Gehalt scheinen das auch zu belegen.

Bei Incels hingegen wird man eher dazu kommen, dass es ihr eigener Fehler ist, wenn sie keine Partnerin finden.

Natürlich trägt auch die Tabuisierung von Kritik dazu bei: Sie wird so gedeutet als würde man Frauen geradezu unterdrücken wollen und sich über die Benachteiligung, die gar nicht besteht, quasi freuen. Man droht direkt als Frauenfeind und Sexist dargestellt zu werden.

Dazu hätten Incels keine Chance. Sie stehen zu tief in der Hierarchie.

 

„Männer sind an allem schuld“

Christian Stöcker schreibt in seiner Spiegel-Kolumne:

Eins gleich zu Anfang: Ja, Männer sind an (fast) allem schuld. Sorry.

Holocaust und Inquisition, Kreuzzüge, Genozide, Weltkriege. Drogenkartelle und das Regime Nordkoreas, Menschenhändler und Folterknechte, IS und al-Qaida – das alles sind Männersachen. Das mag man als Mann unangenehm finden, es ist aber nicht zu leugnen. Trotzdem wird allein dieser Absatz wütende Reaktionen hervorrufen – aus einer gerade in den sozialen Medien sehr aktiven Untergruppe des männlichen Geschlechts. Deren Angehörige empfinden solche Fakten als persönlichen Angriff.

Mit alledem ist übrigens nicht gesagt, dass Frauen nicht zu Gewalt, Grausamkeit, himmelschreiender Dummheit oder Rücksichtslosigkeit in der Lage seien. Aber de facto waren bei den größten Scheußlichkeiten der Geschichte eben in aller Regel Männer am Ruder.

Die gute Nachricht ist: Wir haben das eigentlich längst verstanden. Also: wir Männer.

Das ist ja ein gerne genommener Ansatz: Wir Männer waren in der Geschichte die Bösen, wir haben das verstanden, wir müssen uns bessern.

Natürlich unterschlägt das diverse Königinnen, aber auch Bürgerinnen und verbirgt auch, dass die meisten Frauen über die Geschichte damit vollkommen einverstanden waren, wie die Männer handeln. Genug Frauen haben Nazis gewählt, hatten gerne Sklaven und fanden nichts dabei, sie zu kaufen oder zu verkaufen, haben Männer verachtet, die nicht in den Krieg ziehen wollen und waren gerne die Geliebte des reichen Drogenbarons, weil dieser sie mit Luxusgütern versehen hat.

Eine Römerin ging ebenso gerne in das Kolosseum wie ein Römer und eine Südstaatentochter aus gutem Haus wäre entsetzt, wenn sie jemanden hätte heiraten sollen, der keine Sklaven hat, die sie angemessen betreuen. Und auch überzeugte Nazi-Frauen haben Juden verraten oder überzeugte Kommunistinnen den Nachbarn ins Gulag bringen lassen oder gläubige Christinnen eine Hexe enttarnt auf das ihre Seele durch das Fegefeuer geläutert werde.

Alles was Männer erfolgreich gemacht haben, ihren Status oder ihren Reichtum vergrößert hat, dass hat auch Frauen gefallen. Und sei es auch heutiger Sicht noch so verkommen.

Männer mögen eher die Aktiven gewesen sein, aber das waren sie eben auch im Guten:  Wenn man ihnen das Schlechte anhängen will, dann müsste man genauso sagen können:

Männer haben im Bürgerkrieg in den USA auch für die Befreiung der Sklaven gekämpft, Männer haben die Zivilisation und große Reiche errichtet, Technik entwickelt, die Medizin erforscht, Gedichte, Geschichten, Kultur geschaffen und Kinder und Frauen mit Nahrung versorgt und sie beschützt. Wenn die obigen Vorhaltungen richtig sind, dann wären es auch die Errungenschaften.

Männlichkeit ist aktiv. „Women are human beeings, Men are human doings“ wäre ein Spruch dazu. Sie sind im Guten und im Schlechten eher vertreten und häufig wirken in beiden Fällen die gleichen Eigenschaften.

Jung und naiv: Svenja Flaßpöhler über Sexualität und Feminismus

 

Aus den Kommentaren:

Sie gehört sicherlich zu den wenigen Feministinnen unserer Zeit, die sich noch den Zielen der ersten und zweiten Generation verbunden fühlen. Leider ist die dritte Welle der Frauenbewegung im Grunde gar nicht mehr feministisch, sondern vielmehr an der Implementierung und Durchsetzung totalitärer und antidemokratischer Praktiken interessiert. Der Verrat an den ursprünglichen Werten der Frauenbewegung wird insbesondere durch einen neuen Puritanismus deutlich, der weibliche sowie männliche Potenz grundsätzlich in Frage stellt und mit Skepsis betrachtet. Sexualität soll nach deren Meinung im öffentlichen Raum wieder stärker tabuisiert werden, gerade weil sie nicht beabsichtigen sich zu ermächtigen und im öffentlichen Raum potent zu agieren, sondern das Sexuelle als Gefahr für ihre Identität wahrnehmen, die wiederum so wesentlich durch die Gesellschaft geprägt werden würde, dass sich in ihrem Sinne die gesamte Gesellschaft an ihre Befindlichkeiten anzupassen habe. Sie versuchen also aus einer Opferperspektive die Gesellschaft zu verändern, was in Anbetracht unserer eigenen Vergangenheit nachdenklich stimmen sollte. Eine Gesellschaft die auf solchen Mythen aufbaut kann ihre fehlende Authentizität nur durch das immer stärkere Fokussieren auf vermeintliche Tätergruppen ausgleichen, was Ressentiments und gesellschaftliche Ausgrenzung befeuert. Ein unheilvoller Weg.

Oder:

Der Feminismus ist (man bezeichnet ihn ja nicht umsonst als -ismus, was immer etwas Einseitiges, Tendenziöses bezeichnet) eine Ideologie, die auf dem Opfer-Narrativ beruht. Ohne das Narrativ, dass Frauen Opfer seien, kein Feminismus. Daher müssen die Feministinnen, auch wenn Gleichberechtigung schon längst da ist oder sogar in manchen Bereichen Frauenbevorzugung, immer neue Opfernarrative aus der Tasche ziehen bzw. hergebrachte aufrechterhalten, da sonst der Feminismus beendet wäre. Verständlich, dass vor diesem Hintergrund eine Philosophin, die (obwohl sie in vielem noch feministischen Glaubenssätzen verhaftet ist) sagt, dass Frauen eben nicht Opfer sind, sondern genauso „agency“ haben wie Männer, als Verräterin zerrissen wird.

Wir brauchen die Quote, weil Frauen die Care Arbeit machen vs Quoten sind nötig weil genau so gute Frauen wegen Diskriminierung nicht nach oben kommen

Frau Bücker schreibt in einem Tweet:

Diese Form der Argumentation trifft man häufiger. Mir scheint sie unter sehr selektiv vertreten zu werden, weil gerne

  • Frauen können wegen ihrer Arbeiten in der Familie nicht politisch aktiv werden/ nicht mit gleicher Kraft um Vorstandspositionen kämpfen
  • Frauen auf solchen Posten sind genau so gut wie Männer und keine Quotenfrauen

Aus meiner Sicht zerstört dieses Argument eigentlich die gesamte Argumentation, sofern man nicht auf „Repräsentation kann nur durch das gleiche Geschlecht erfolgen, egal wie die Qualität der Arbeit ist“ ausweicht.

Wenn Frauen zwingend durch die Care Arbeit so ausgelastet sind, dann ist es kein Wunder, dass sie weniger vertreten sind in allen Bereichen, die eine Mehrarbeit erfordern.  Sie arbeiten dann weniger in Stadtratssitzungen mit, sie hätten weniger Zeit für Wahlkampf, sie hatten weniger Zeit dafür zu jedem Kaninchenzüchterverein zu gehen und anderweitig zu werben .

Das Gegenargument wäre, dass man diese Einschränkungen hinnimmt, weil solche Vorbilder die Rollen ändern. Mit mehr Frauen oben, selbst wenn sie weniger Zeit für ihre Arbeit haben, würde sich dann alles ändern.

Frage wäre natürlich wie es sich ändern würde und warum keiner sich die Mühe macht gleich mit einem direkten Appell an die Frauen zu arbeiten: Frauen, wenn ihr gleiche Vertretung durch euee Geschlecht wollt, dann musst ihr euer Leben ändern und die „Care Arbeit“ loswerden. Sucht euch Männer, die weniger verdienen und euch für die wichtigeren Arbeiten freistellen.“ Oder etwas in der Art.