Wie stark sinkt das Einkommen von Frauen nach der Geburt des ersten Kindes?

Eine interessante Studie zeigt wie sich das Einkommen von Frauen nach der Geburt des ersten Kindes entwickelt:

This paper provides evidence on child penalties in female and male earnings in different countries. The estimates are based on event studies around the birth of the first child, using the specification proposed by Kleven et al. (2018). The analysis reveals some striking similarities in the qualitative effects of children across countries, but also sharp differences in the magnitude of the effects. We discuss the potential role of family policies (parental leave and child care provision) and gender norms in explaining the observed differences.

Quelle: Child Penalties Across Countries: Evidence and Explanations∗

Hier ein paar Grafiken aus der Studie:

Einkommen Frauen Geburt erstes Kind

Einkommen Frauen Geburt erstes Kind

Einkommen Frauen Geburt erstes Kind Deutschland

Einkommen Frauen Geburt erstes Kind Deutschland

Wie man sieht bricht das Einkommen nach der Geburt des Kindes bei Frauen ganz erheblich ein, während das des Mannes gleich bleibt. Was aus meiner Sicht die Studie zu dem Einkommen verheirateter Männer noch interessanter macht: Es spricht aus meiner Sicht eher dafür, dass nicht verheiratete Männer mehr verdienen, sondern Männer mit mehr Einkommen eher geheiratet werden. Denn sonst müsste, da viele Männer mit Kindern verheiratet sein dürften, dann auch das Einkommen steigen. Ebenso, wenn man die These vertritt, dass sie mehr verdienen, wenn sie eher die Versorgung übernehmen.

Aber natürlich interessant sind auch die großen Unterschiede zwischen den Ländern. Frauen arbeiten in Deutschland anscheinend weniger, steigen seltener wieder in Vollzeit ein.

Die Studie hat Gründe untersucht. Es wird insbesondere ein Zusammenhang mit der Einstellung zu der Aussage „Frauen mit Kindern im noch nicht schulpflichtigen Alter sollten zuhause bleiben“ gesehen:

Frauen sollten zu Hause bleiben solange das Kind noch nicht zur Schule geht

Frauen sollten zu Hause bleiben solange das Kind noch nicht zur Schule geht

Man sieht gut, dass in Deutschland dieser Glaube besonders verbreitet ist.

Aus der Besprechung:

One set of explanations for the differences in child penalties focus on government policies. These include taxes, transfers, and family policies such as parental leave and child care provision that directly affect mothers’ incentive to work. There is a voluminous literature on the impact of such policies on female labor supply and gender gaps (see Olivetti & Petrongolo 2017 for a review). Of particular relevance, Kleven et al. (2019) consider the impacts of parental leave and public child care on the dynamics of child penalties. Their setting is Austria, a country where the combination of rich administrative data and a series of parental leave reforms and child care expansions allow for compelling quasi-experimental analyses of these questions. They find that, in the long run, parental leave and child care policies have little or no effect on child penalties. They do find short-run effects of parental leave, however. Increasing the duration of paid and job-protected leave implies larger short-run child penalties in both earnings and employment.

Die Elternzeiten oder die Kinderbetreuungspolitik hat anscheinend geringe Auswirkungen nach den dort genannten Studien.

If policies cannot explain the large differences in long-run child penalties across countries, then what is the explanation? A natural candidate revolves around gender norms and culture, but it is hard to provide conclusive evidence on the importance of such mechanisms (see Bertrand 2011 for a review and Steinhauer 2018 for a recent application). In their study of Denmark, Kleven et al. (2018) show that child penalties are transmitted through generations, from parents to daughters (but not sons). That is, girls growing up in families with a more traditional division of labor between the parents incur larger child penalties when they themselves become mothers. These findings are consistent with an influence of the family environment in the formation of women’s preferences over family and career. For the full set of countries studied here, Figure 4 provides evidence on the relationship between child penalties and elicited gender norms. The norm variable is taken from the International Social Survey Program (ISSP), focusing on a question of whether women with children under school age should work outside the home (full-time or part-time) or stay at home. The figure plots our estimated long-run child penalties in earnings against the fraction of respondents who think women should stay at home. The correlation between child penalties and gender norms is quite striking. The countries that feature larger child penalties are also characterized by much more gender conservative views. This evidence, while not necessarily causal, is consistent with a potentially important role for gender norms.

Klingt für mich etwas so als seien da die Frauen diejenigen, die die Geschlechterrollen festhalten und weiterleben, also eher dafür sind, dass sie aussetzen können.

Verdammtes Patriarchat mal wieder!

Die zugrundeliegenden Daten scheinen mir hier zu finden zu sein. Die konkreten Daten dort habe ich aber nicht gefunden. Wäre interessant das noch mal näher aufzuschlüsseln.

Wenn das tatsächlich der Fall wäre, dann würde es mal wieder zeigen, dass es gar nicht umbedingt die Männer sind und man demnach dort insbesondere den Wandel herbeiführen müsste. Also Kampagnen, die deutlich machen, dass man früh wieder einsteigen soll, so gesehen also mehr Druck auf Frauen.

Wird aber der Feminismus nicht mit einverstanden sein. Dort ist ja üblicherweise klar, wer der böse ist und gegen wen sich alles richten muss.

 

19 Gedanken zu “Wie stark sinkt das Einkommen von Frauen nach der Geburt des ersten Kindes?

  1. Wenn im ersten Satz der Studie schon von „Gender inequality“ statt „Gender differences“ die Rede ist, dann Weiss man ja schon, wo die Reise hingeht.

    Hmmm…. Die Skalen kommen mir merkwürdig vor.
    Insbesondere die Deutschen.

    Ich gehe davon aus, dass ein Rückgang um 0.8 einen Rückgang um 80% bedeutet.

    Ahaaa…. Die Studie beschränkt sich auf Netto-Arbeitseinkommen, ohne Steuern und Transferleistungen.
    Na herzlichen Glückwunsch. Dann ist ja das Paradies erreicht, wenn die Mutter aus dem Kreißsaal direkt zurück ans Fließband kommt.

    Solche Studien kann man doch in die Tonne kloppen.

    • Ist nicht Netto, sondern Brutto.

      Das erklärt dann auch, warum man hier weder
      – Elterngeld
      – Kindergeld
      – Ehegattensplitting
      Etc.
      Sieht. Durch die ja verheiratete Menschen mit Kindern in Bezug auf das Nettoeinkommen besser gestellt werden.

      Dass es sich bei dem vermuteten Zusammenhang zwischen der Frauenrolle und dem Penalty um eine Korrelation und nicht zwangsläufig eine Kausalität handelt, wird immerhin herausgestellt.

      Dass es eventuell der Wunsch der Frauen ist, weniger zu arbeiten und deswegen auch weniger Brutto zu verdienen, darauf kommt man nicht.

      Ich halte die Methodik der Studie für höchst fragwürdig, da sie die gleiche Höhe von Arbeitseinkommen nach einer Geburt bei Mann und Frau als anzustrebenden Wert ansieht. Das Kindeswohl wird hier zu 100% unberücksichtigt gelassen. Transferleistungen werden ignoriert. Auch die Wünsche der Frauen werden ignoriert. Und progressive Steuersätze oder zusätzliche Steuerfreibeträge ebenso.

      Mir kommt das wie eine Fingerübung von Doktoranden vor, die im Elfenbeinturm mit Zahlen spielen und provokante / woke Labels auf die Zahlen kleben, ohne ermessen zu können, was das eigentlich bedeutet…. Familie… Kinder… Vater sein…. Mutter sein…

  2. Nun, man müßte denken, dass die genderbesoffene Regierung alle Hebel umlegt um dies zu ändern.

    Wir haben mal spasseshalber das Elterngeld/-Plus durchgerechnet mit einem gut verdienenden Vater und eine durchschnittlich verdienenden Mutter. Ich hatte die Vermutung, dass der besser verdienende Vater bei 67% Lohnersatz zum Elterngeld+ greifen sollte um die Auszahlungzu maximieren. Dem ist nicht so, wenn man auch nur halbwegs seinen Lebensstandard halten will und seine Rechnungen weiter zahlen will. Hinzu kommt, die maximale Auszahlung von 1800,- steht in Konflikt mit den >15h/Woche, die man für EG+ leisten muss. Du kommst dann nämlich ruckzuck über den max Zuverdienst, den Du anrechnungsfrei haben kannst.

    Fazit: am sinnvollsten ist Basiselterngeld für die Mutter und Papa macht die beiden Bonusmonate. Nebenbei ist das ganze ein hochkomplexes Monster.

    • Du hast völlug Recht!
      Ich hab’s grad durch. Das ist der schlimmste Antrag, den es gibt. Wenn Mama dann noch selbstständig ist, schickt man da einen Schuhkarton an Unterlagen weg.
      Danke für’s Durchrechnen! 🙂

    • @Gerhard: ich glaube, du hast die Berechnung der Elterngeld Höhe nicht ganz durchschaut.
      Es berechnet sich aus der Differenz zwischen dem durchschnittlichen Einkommen vor der Geburt und dem Einkommen nach der Geburt.
      Die Mindestarbeitszeit für EG+-Bonusmonate ist übrigens 25h/Woche.
      Noch weniger Einkommensverlust habt ihr übrigens, wenn keiner Elterngeld bezieht und ihr sofort zu 100% weiterarbeitet.

      • Das ist nicht korrekt. Die Höhe des Elterngeldes ist gedeckelt auf maximal 1.800 Euro. Während des Bezugs von Elterngeld Plus muss man mindestens 15 Stunden arbeiten, und wenn man viel verdient, ist man mit 15 Stunden schon in der Position, dass es die Höhe des erlaubten Zuverdiensts überschreitet und sich das Elterngeld Plus reduziert. Die 25 Stunden spielen eine Rolle bei den Partnerschaftsmonaten
        Wenn man diese mitnehmen möchte, müssen beide in diesen vier Partnerschaftsmonaten 25-30 Stunden arbeiten.

        • @Cora: Wo genau widersprechen sich jetzt unsere Aussagen?
          Fakt ist, wenn du x Stunden arbeitest, hast du ein Einkommen. Als Elterngeld bekommst du dann p% (bei mir war p=67) der Differenz zu deinem bisherigen Einkommen. Merke: arbeiten ist immer lukrativer als Elterngeld.
          OK, wer in 15 h/Woche Netto mehr als 2770 € im Monat verdient, bekommt wirklich nichts mehr (§ 2 Absatz 3 BEEG).

    • Der Sinn des Elterngeldes war nie, fürs Elternsein bezahlt zu werden. Es sollte den Einkommenseinbruch (der zweifelsfrei kommt) nur verringern.
      Wer keine Lust hat, sich für Kinder einzuschränken, sollte keine bekommen. Bzw. wer ein Einkommen hat, dass er problemlos an die Oberkante des Elterngeldes stößt, sollte in der Lage sein, langfristig seine Ausgaben zu Deckeln, um für die Kinder Geld zu haben (Rücklagen?).

      • Mir wirklich widersprechen tust Du nicht. Aber was Du sagen willst, weiss ich auch nicht. Kinder kosten viel Geld und Teilzeit bedeutet Einkommensverlust. Aber besinnen wir uns doch einfach auf Christians Artikel. Ich wundere mich sehr über die unglaublich komplizierte Ausgestaltung des Kindergelds, aber noch viel mehr, dass sie das Paar aus meinem Beispiel in die klassische Rollenverteilung zwingt. Frau bleibt zuhause, Mann nimmt die beiden Papamonate mit. Dieses aufgeblasene EG+, mit der man Teilzeit, partnerschaftliche Lastenteilung und nicht zuletzt mehr Vatersein vielleicht fördern wollte, ist einfach für den Arsch.

        Vielleicht ist es ja zugeschnitten auf den rotgrünen feuchten Traum, wo die Mama CEO von sonstwas ist, nach 6 Wochen wieder arbeiten geht und Papa Sozialarbeiter/Kindergärtneraushilfe/irgendwasmitmedien den Rest prima schultern kann. So feministische Übermütter wie Frau Dr. (Hust!) Dornheim. Müsste man mal nachrechnen. http://lsdornheim.com/text/

        • Nö. Zugeschnitten ist das Elterngeld plus auf Paare mit ähnlichem Einkommen, die nach der Geburt beide in Teilzeit arbeiten wollen (und können).

          • Dann sind wir uns ja wieder halbwegs einig. Man sollte mal rechnerisch alle Frauen und Männer paaren, die ähnliches Einkommen erzielen und dann schauen wir mal wer übrig bleibt und wieviele das sind.

        • Zum Artikel von Chris: da schließe ich mich den anderen Meinungen an.
          Die Diagramme zeigen nur an, dass Frauen nach der Geburt weniger verdienen.
          Sie sagen nicht aus, warum (müssen/wollen weniger arbeiten?); sie sagen nicht aus, wieviel sie vorher im Verhältnis zum Partner verdient haben.

        • „Wer keine Lust hat, sich für Kinder einzuschränken, sollte keine bekommen.“
          Die Aussage kann ich locker nachvollziehen.

          Der ganze Rest der obigen Kommentare liest sich für mich so, als ob am EG die entsprechenden Lobbies solange verbissen dran rumgefeilt haben, bis es für normale Menschen zur meist sinnlosen Kaspershow geraten ist.

  3. @all

    Bizarrer feministischer spin: Ein Kind zu bekommen ist nunmehr eine „penalty“. Sehr wahrscheinlich ist gebären können auch nur eine soziale Konstruktion des Patriarchats und eine perfide Bestrafung von Frauen.
    Nun ja…

    Ich habe keine richtige Lust, mal wieder feministischen Blödsinn zu lesen, deshalb meine Fragen:

    Welche Einkommen aus welcher Erwerbsarbeit werden eigentlich untersucht? Wird Vollzeitarbeit mit Vollzeit und Teilzeit mit Teilzeit verglichen?
    War der Ausgang der Fragestellung demnach das Mittel der Einkommen vor der Geburt? Und wenn ja, ab wann wurde dieses erfasst?

    Wenn die Frau nämlich vorher bereits in Teilzeit gearbeitet hat, wird ihr Einkommen wird nach dem ersten Kind prozentual weniger stark sinken, als wenn sie vorher Vollzeit gearbeitet hat.
    Was über die Höhe des Einkommens nichts aussagt und auch nichts über die Existenz der schädlichen Geschlechterstereotypen (Gebärfähigkeit).

    Am wenigsten ausgeprägt ist die Bestrafung m.E. bei Hausfrauen, die nach dem ersten Kind weiterhin Hausfrauen sind.
    Nämlich 0.
    Aus meinem Mund hört sich das so schrecklich konservativ an. 😦
    Bitte gebt dieser Aussage einen progressiven feministischen spin!

    • Wieso? Ein Kind als Parasiten zu sehen ist ja beispielsweise in der SPD Normalität.
      Und Parasitenbefall ist auch bei Hunden ein Nachteil, kennt jeder von Wrumkur und Teewurstkosten.
      Erstaunlich ist nur, wem man in Deutschland (sozial) ungestraft die Menschlichkeit absprechen muss und bei wem man sie nicht hinterfragen darf. 😉

      Am wenigsten ausgeprägt ist die Bestrafung m.E. bei Hausfrauen, die nach dem ersten Kind weiterhin Hausfrauen sind.
      Nämlich 0.
      Aus meinem Mund hört sich das so schrecklich konservativ an. 😦
      Bitte gebt dieser Aussage einen progressiven feministischen spin!

      Gerne.
      Die hat jetzt echt mehr unbezahlte Care-Arbeit für’s Baby. 150% mehr. Um den Erzeuger Caren sich ja Karen und Kirsten im Büro weiterhin unbezahlte 8 Stunden. Aber für die Hausfrau steigt diese ja auf von 16 auf 40 Stunden am Tage.
      40 Stunden vollkommen unbezahlte und in absoluter ökognomischer Abhängigkeit gefangene abgeleistete Care – Arbeit.

      Sie Crumar sind konservativ wie deutsches Astlaub,

    • Das ist doch der feminstische Ansatz seit Stunde Null.

      Aus „Wir wollen nicht, dass du dich in mörderische Gefahr begibst“ wird da aus der dunning-krugerschen Ignoranz bürgerlicher Sicherheit schwupps mal ein „Du darfst dich nicht frei entfalten.“

      Das sind schon keine Scheuklappen mehr, das sind Augenmasken mit nadelstichkleinen Kucklöchern.

      Passend zum Thema der akutelle Rant von colttaine:

      That, to me, really is one of the greatest ironies about this so-called manosphere with all of its traditionalist MRA types running around like Henny Penny bemoaning the government and the family court system, there seems to be an ever-present tension in the air about the terrifying possibility that their supposedly loyal and loving „partners“ could pull the trigger and unexpectedly divorce rape them at any moment.

      Personally, if it were me, I’d be a lot more worried about the fucking nightmare scenario where this lazy freeloader actually stays married to you.

      I mean really, you’re worried about divorce rape?

      WHY?

      She’s already taking more than half of your shit now and you still don’t get to see your kids because you’re too busy working overtime to support another fully grown adult who’s too lazy to get off her own fat ass and find a job.

      Don’t believe me?

      Just take a look at the litany of articles belly aching about the fact that women are financially worse off than men post divorce.
      Yes, she is taking your hard-earned money in the divorce and that’s a real fucking shame. However the numbers show that it’s frankly nowhere near as much as she was taking while she was still married to you!

  4. Wie stark steigt das Einkommen der Väter in den nächsten drei Jahren nach der Geburt der ersten Kinder und sind Alleinzeziehende die Statistik zersetztend mit drin?

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