Wie wichtig ist in einer “ Nicht-gut-genug“-Ideologie der gemeinsame Feind?

In einer Diskussion auf Twitter ging es neulich darum, dass das Leben der typischen Feministin schon deswegen sehr anstrengend ist, weil ihr ständig der Vorhalt droht etwas falsch gemacht zu haben.

In einer Abwärtsspirale auf der Suche nach immer noch einer weiteren Diskriminierung, bei der immer jemand mit noch mehr Awarness einen Fehler bei einem finden kann, ist man ständig in Gefahr Opfer eines Shitstorms zu werden. Niemand hat alle Nichtprivilegierten Positionen gleichzeitig und in jeder Redewendung oder jedem Satz kann eine Gefahr liegen, weil man nicht bedacht hat, dass dies jemand kritisch sehen könnte.

Erfahrene Feministen wissen natürlich, dass die richtige Reaktion auf einen Vorhalt immer ist, sich für den Fehler zu entschuldigen, sich für die Belehrung zu bedanken und Besserung zu geloben. Aber dennoch hinterlässt ja der Vorwurf immer einen schalen Beigeschmack.

Wie befreiend muss es dann sein, wenn man von gefährlichen Themen zu den klaren Feindbildern wechselt: Weiße! Männer! Da kann man schon mal weniger falsch machen. Wenn man es dann noch um „Alte“ erweitert, dann können sogar noch die weißen männlichen Allys mitmachen.

Es könnte wirklich eine befreiende Wirkung haben, wenn man auch bei Männern etwas aufpassen muss, dass man nichts zu Genitalien etc sagt, dass wäre ja schon wieder transfeindlich.

5 Gedanken zu “Wie wichtig ist in einer “ Nicht-gut-genug“-Ideologie der gemeinsame Feind?

  1. Man könnte diesem PC-, Gender- und Identitätsfirlefanz wirklich am besten mit Humor, Satire und Spott entgegentreten. Allerdings mit der Gefahr beruflicher Vernichtung durch Denunziation oder sonstiger persönlicher Einschränkungen wie z.B. Antifa-„Zuwendung“ oder Besuchsrechtsentzug bei Vätern.

  2. Nette Polemik.
    Man sollte aber nicht vergessen, dass es primär genau andersherum ist:
    Es ist der Männerhass, der konstituierend ist für fast alle Feminismen, jedenfalls alle, die im institutionalisierten Feminismus eine Rolle spielen.
    Die Ausdifferenzierung in „weiß, alt und (hast du vergessen) hetero“ und immer weitere Formen ist sekundär und bringt die von dir beschriebenen Unsicherheiten und Fehlerquellen mit sich, in denen man sich unfreiwillig, aber natürlich immer schuldhaft verstricken kann.
    Die „gefährlichen Themen“ sind ja nicht unverbunden mit der intersektionalen Erbsünde des Mann-seins. sondern hierarchisch darin eingebettet.
    Das Rückbesinnen auf den Ursprung alles Bösen, das Feindbild Mann, ist kein Ablenkungsmanöver von den „gefährlichen Themen“, sondern buchstäblich ein „back to the roots“, nämlich zurück zur Wurzel des verzweigten Baums der intersektionalen privilegien-Hierarchie.
    Im Feminismus steht dort der mann. Wahlweise, wenn man sich nicht primär als feminist, sondern als Rassist (also nominell eigentlich antirassist, aber in der praxis…) identifiziert, kann die wurzel auch das weißsein sein und Mannsein ist eine Stufe nachgeordnet, aber das sind spitzfindigkeiten – soweit es den Feminismus betrifft, ist die Wurzel des Bösen jedenfalls das mann sein.

    Man besinnt sich von den kompliziertheiten des verästelten Baums zurück auf die unbestrittene Klarheit und Eindeutigkeit an der Wurzel. Zurück zur Klarheit der reinen Lehre, dem Dogma, auf dem alles gegründet ist, und wo die Dinge noch einfach sind. Das ist es, was dahinter steht.

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