Many Shades of Gender – Ein FAQ zu den Gender Studies: Werden Jungs in der Schule benachteiligt? (2)

Paula-Irene Villa, Genderprofessorin, hat ein FAQ zu Mythen über die Gender Studies erstellt. Ich wollte sie nach und nach hier besprechen:

Heute:

Werden Jungs in der Schule benachteiligt?

Diesen Eindruck kann man bisweilen haben, wenn man bedenkt und sieht, wie sehr Mädchen und Frauen tatsächlich seit der sogenannten Bildungsexpansion in Westdeutschland der 1960er und 1970er Jahre im Bereich Bildung aufgeholt haben. Junge Frauen machen inzwischen mindestens 50% der Abiturient_innen aus, und sie machen im Schnitt so gute Abiturabschlüsse wie junge Männern. Allerdings: von der Bildungsexpansion haben auch Jungs und junge Männer profitiert. Das heißt, beide Geschlechter stehen typischerweise schulisch besser da als vor Jahrzehnten – “je jünger Frauen und Männer sind und damit je kürzer ihre Schulzeit zurückliegt, desto niedriger ist der Anteil der Personen mit einem Hauptschulabschluss. Gleichzeitig erreicht ein immer größerer Anteil der Schüler die Fachhochschul- oder Hochschulreife”, so zusammenfassend das Demographie-Portal des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (https://www.demografie-portal.de/SharedDocs/Informieren/DE/ZahlenFakten/Schulabschluss_Alter_Geschlecht.html).

Danach scheint ja alles – nunmehr endlich für die Mädchen – einigermaßen gerecht zu laufen.

 

Ein genauerer Blick zeigt dabei – wie üblich – jedoch ein komplexeres und nuancierteres Bild. Junge Frauen machen einerseits gegenwärtig pro Kohorte im Schnitt einen leicht höheren Anteil der Abiturient_innen aus.  Jungs haben andererseits, dies zeigen neuere Studien, bereits in der Grundschule häufiger Probleme als Mädchen: sie wiederholen häufiger die Klasse oder erhalten weniger häufig die Empfehlung zum Gymnasium. Manche Studien sehen sogar eine Diskriminierung dahingehend, dass gleiche Leistungen bei Jungen im Vergleich zu den Mädchen etwas schlechter bewertet werden (https://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Schwach_im_Abschluss/Bildung_online_gesamt_final.pdf). Es gibt, so lässt sich empirisch begründet vermuten, tatsächlich einen strukturellen bias – ein eingebautes Vorurteil – im Schulsystem Deutschlands, das gewisse Fähigkeiten, gewisses Verhalten und gewisse Interessen stärker belohnt als andere

Es wird also hier sogar ein struktureller Bias zugestanden, in dem gewisse Vortiele und gewisses Verhalten stärker belohnt werden.

und dies deckt sich mit geschlechtlichen Stereotypen: Mädchen gelten tendenziell als brav, ordentlich, leseinteressiert, konzentriert, ruhig, diszipliniert – Jungen als laut, raumgreifend, unkonzentriert, wild, schlampig usw. Schulen belohnen daher Mädchen. Aber eben auch nur die, die ‘mädchenhaft’ sind. Mädchen und Jungen also, die diesen Klischees nicht entsprechen, haben es beide schwerer.

Alles liegt also nur an den Stereotypen und man darf vermuten, was kommt. Eigentlich sind die Mädchen benachteiligt bzw die Jungs diskriminieren sich als Teil der Gruppe Männer hier ja selbst, weil Männer die Macht haben.

 

Studien weisen allerdings insgesamt darauf hin, dass für Deutschland nach wie vor gilt, dass Schichtzugehörigkeit und Bildungsgrad der Eltern die maßgeblichen Variablen für schulische Erfolge sind (zu diesen Themen im Interview der Forscher S. Sievert https://www.spektrum.de/news/warum-jungen-in-der-schule-auf-der-strecke-bleiben/1353755 ; ausführlicher auch hier bei Solga 2009 https://www.boeckler.de/pdf/p_arbp_171.pdf). Sie überlagern Geschlecht

Man wünscht sich ja immer solche Diskussionen mal mit denen zum Gender Pay Gap parallel zu führen. Denn Schichtzugehörigkeit dürfte auch da zu niedrigeren Einkommen führen und Geschlecht überlagern. Ich vermute das würde die Feministinnen auch nicht überzeugen.

– was aber nicht bedeutet, dass Geschlecht keine Rolle spiele. Verdichtet hieße das: der Sohn von gut verdienenden Akademiker_innen-Eltern in einer reichen Stadt hat weitaus bessere Chancen in der Bildungslaufbahn als die Tochter prekär beschäftigter Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss auf dem Land. Migration und Region spielen hierbei ebenfalls eine Rolle, aber wiederum keine pauschale: Die Tochter schweizer-südafrikanischer Eltern, die im höheren Management einer Pharmafirma arbeiten und die selbst auf ein bilinguales Gymnasium geht, der wird es – statistisch gesehen – bildungsbezogen eher besser gehen als dem Sohn bulgarischer Tagelöhner, die semilegal auf dem Bau arbeiten. Menschen sind immer durch die gleichzeitige Zugehörigkeit zu mehreren Gruppen und Differenzen sozial positioniert. An solchen Beispielen zeigt sich die Intersektionalität von sozialen Positionen

Da würde tatsächlich die Intersektionalität an ihre Grenzen stoßen oder sie müsste hier einen Systembruch vornehmen: Denn Geschlecht darf ja nur dann benachteiligend sein, wenn es Frauen betrifft.

Aber das zeigt eben auch gut, wie man Probleme zerreden kann: Es ist in der Sprache der Feministinnen eine Form des Whataboutism:

  • Jungs mögen ja leichte Nachteile haben, aber die haben Mädchen auch, wenn sie sich nicht wie Mädchen benehmen.
  • überhaupt haben Schüler aus ganz anderen Gründen Probleme, also sind die Probleme von Jungs ja allenfalls welche unter vielen.

Diese Klischee-Figuren zeigen: Bildungsverläufe sind maßgeblich von Variablen wie Geschlecht, Region, Migrationshintergrund, Schichtzugehörigkeit geprägt – wie genau und was dies bedeutet, dies ist komplex. Die Gender Studies befassen sich auch mit diesen Fragen und tragen so zum Verständnis dieser Zusammenhänge bei.

Das ist eine Nullantwort.  Den wie man sieht tragen sie ja eben gerade nicht dazu bei, sie kann die Frage letztendlich nicht beantworten, sondern verrent sich in Ausflüchten. Wahrscheinlich klang ihr „Jungs haben nur Probleme, weil das Patriarchat die Geschlechterrollen so ausformt, dass Jungs laut und störrend sind, Feminismus würde helfen auch diese Geschlechterrollen zu beseitigen und diese toxische Männlichkeit abzustellen“ bei Jungs zu hart.

Zum Weiterlesen:

Insgesamt also ein sehr ausweichender Artikel. Was sagt ihr?

 

27 Gedanken zu “Many Shades of Gender – Ein FAQ zu den Gender Studies: Werden Jungs in der Schule benachteiligt? (2)

  1. Würden die Geschlechter vertauscht, wäre jeder Genderprofessorin der Überzeugung daß Mädchen hier massiv strukturell diskriminiert werden und unbedingt Handlung notwendig ist. Aber so wie ist sieht man nur immer wieder das es ihnen nicht reicht die Situation von Mädchen zu verbessern, sondern sie auch gegen eine Hilfe für Jungen argumentieren.

    • Hinderlich ist, daß das Problembewusstsein für die Probleme von Jungen/Männern bei Frauen/Feministen sagen wir mal, noch Entwicklungspotential hat.
      Zur Illustration:

      (Für Eilige, auf Minute 11:50 vorscrollen, wo es um tödliche Arbeitsunfälle geht, scheinbar ein Thema , das für Frauen von hohem Unterhaltungswert ist.

      (Ich gebe aber zu, das das Video etwas schlecht gewählt ist, nicht unbedingt repräsentativ für Frauen insgesamt, da sich ja im Bundestag überwiegend der absolute charakterliche Abschaum, der menschliche Bodensatz der Gesellschaft, speziell der Frauen, versammelt hat.)

        • @Fiete:

          »Daß hysterische Gegacker der Ms-Femihühner …« zeigt aber auch, dass sie in offener, gleichrangiger Konfrontation (anders als in einer »moderierten« Talkshow) nicht viel mehr als Gegacker zu bieten haben. Man nehme denen ihren von Männern und Institutionen gewährleisteten safe space weg, und die ganze Ideologie fällt in sich zusammen wie ein mißglücktes Soufflée.

          • Ich gestehe, was mich spontan erschreckt hat war einfach das offensichtlich völlig unreflektierte, empathiefreie und insofern konsequent dissoziale Verhalten dieser Dämchen.
            Welche dann an anderer Stelle über Männer hetzen, indem sie toxische Maskulinität nicht zuletzt als eine Art gezielter ( verschworener! ) Frigidität ggü. Frauen darstellen!

            Aber ich stimme zu, die Frechheit für derartige Manieren auch noch einen goldenen Käfig als ihnen selbstverständlich zustehend zu verlangen, ist ein ebenso heftiges Phänomen.

            Könnte interessant sein die Zusammenhänge zu erforschen, also was da evtl. mehr Ursache und was mehr Wirkung ist ( Henne und Ei, you know? ).

      • Im linken Bereich sitzen Linke, SPD und Grüne. Empathie? Fehlanzeige!

        Wer sich über den hohen Männeranteil bei AFD-Wählern wundert, sollte diese Passage vorgespielt bekommen.

  2. Ich halte es für eine schlechte Idee, Leuten mit Anführungszeichen Dinge in den Mund zu legen, die sie nicht gesagt haben und zu mutmaßen, sie hätten sie gerne gesagt.

    Davon abgesehen sind ihre Positionen vergleichsweise kulant und offen, wobei die „Gender als soziales Konstrukt“ Prämisse letztendlich jedem wahren Erkenntnisgewinn im Weg steht.

  3. „Das heißt, beide Geschlechter stehen typischerweise schulisch besser da als vor Jahrzehnten“
    Schon das zeigt sich die Prämissenlage von Villa deutlich.
    Es kommt natürlich auf die Definition von „schulisch“ an, welche Villa auf ein paar formelle Zettel reduziert, welche immer weniger als Indikator für Bildung betrachtet werden können, schon gar nicht für Bildungsbandbreite.
    Und, daß Villa offensichtlich von Dingen Schwadroniert, von denen sie keinerlei Praxiswissen hat. Denn von Pädagogen liest man z.Zt. nahezu durchgehend das exakte Gegenteil, nämlich z.B., daß man heutigen Studenten grundsätzlich noch nicht mal zutrauen könne, die Standardabifragen von vor 3-4 Jahrzehnten zu lösen.

    Damit ist klar, daß es Villa nicht um reale Inhalte, sondern um Propaganda geht, wie aus ihren weiteren Dekoelementen ( „Studien haben ergeben“ ) noch deutlicher wird.

    Letztendlich bestätigt sie damit, wie afaik immer, das Stereotyp: „Die Villa ist eine durchgeknallte Feministin“, auf ganz typische, erwartbare Weise.

  4. Die Aussage „beide Geschlechter stehen typischerweise schulisch besser da als vor Jahrzehnten “ unterschlägt, dass damals ein solider Hauptschulabschluss auch noch mehr Wert war, insbesondere im Handwerk. Das korrespondiert damit, was Fiete schon erwähnte, dass das Niveau bis ins Gymnasium und zum Abitur gesunken ist.

  5. Man sollte einfach auch immer so wie die Paula argumentieren, wenn es um Nachteile von Frauen geht: Klasse/Schicht/soziale Milieus ist das eigentliche Problem und nicht Gender und schlussendlich stehen, wenn man die letzten 200 Jahren berücksichtigt, alle Geschlechter besser da als vorher. Damit hat sich dann die Sache erledigt. 🙂

    • @Mark

      Das ist korrekt – aber nicht die ganze Wahrheit, weil sie in ihrer Propaganda einen interessanten spin einbaut.

      Auch Jungen aus der Arbeiterklasse gehören zur Gruppe von Jungen. Jungen mit Migrationshintergrund gehören zur Gruppe von Jungen. Ebenso verhält es sich mit schwulen oder/und behinderten Jungen.

      Hielte sie ihren Gender-Blick konsequent durch, wäre es logisch, die Benachteiligung von Jungen in der Schule zu konstatieren, vergleicht man sie diese mit dem Bildungserfolg von Mädchen.

      Die Rettung vor dieser Einsicht gelingt mit ihrem Sprung in die Pseudo-Intersektionalität.
      Wonach nämlich nicht die Gruppe aller Jungen benachteiligt wird, sondern nur bestimmte Gruppen innerhalb der Gruppen von Jungen.

      Also bspw. Jungen aus der Arbeiterklasse oder mit Migrationshintergrund.
      Diese Gruppen wiederum vergleicht sie mit der Gruppe von Mädchen, die durch den sozialen Status der Eltern „privilegiert“ sind.

      Wo liegt der Fehler?

      Natürlich darin, nicht die Gruppe der Mädchen mit Migrationshintergrund mit der der Gruppe von Jungen mit Migrationshintergrund und die Gruppe der Jungen aus der Arbeiterklasse mit der Gruppe von Mädchen aus der Arbeiterklasse verglichen zu haben.

      Ist der soziale Status und der Bildungshintergrund der Eltern gleich und der Bildungserfolg verschieden, dann ist in der Tat das Geschlecht der determinierende Faktor des Bildungserfolgs der Kinder.

      Das würde aber bedeuten, die Schule diskriminiert Jungen und dann müsste man einen eingehenden Blick auf diese Diskriminierung richten.

      Das möchte sie jedoch vermeiden, deshalb ihr Schachzug, sowohl auf der Basis von Gender, als auch von Intersektionalität nicht konsequent zu analysieren, sondern beide Ebenen zu bemühen, um sie wechselseitig lahm zu legen.

      Was man hier beobachten kann, ist die die Funktionsweise der Sprachhypnose feministischer Propaganda.

      • Karen Straughan sagt immer, es sei sehr schwer Negern und anderen entsprechend Benachteiligten klar zu machen ihre Nachteil sei eher der des Mann seins, statt der des Neger oder anders wertig seiender.
        Da gibt’s übrigens ne schöne Vice Doku zu, also zu Negern und Nergerninnen. (eigentlich mit ‚i‘ zu schreiben in dem Fall).

        Übrigens, bekommt in Doofschland irgendeine Gruppe von Menschen mehr Flak als es deutsche Arbeiterjungs von der SPD-links-grün-versifft Koalition seit 20 Jahren bekommen?

        Den Bonus muss keine Musluffenlackenschulter schultern…

      • Gute Analyse. Ergänzend von mir: Gender ist Bestandteil des Intersektionalismus. Gender wurde um zusätzliche Kriterien erweitert und das Ergebnis mit dem Namen Intersektionalismus getauft. Soweit Frauen benachteiligt erscheinen, gilt als Wirkfaktor immer mindestens das Gender (=Sexismus), soweit Männer benachteiligt werden, gilt als Wirkfaktoren niemals das Gender (=Sexismus), sondern immer nur andere Faktoren des Intersektionalismus, wie z.B., Klassissismus (Diskriminierung aufgrund der sozialen Schicht) und andere Kategorien.

        Muss eine Wissenschaft nicht immer denselben Maßstab verwenden, wenn sie Ergebnisse zum gemessenen Gegenstand veröffentlicht? Handelt es sich noch um Wissenschaft, wenn sich mit dem Gegenstand auch der Maßstab ändert? Und wenn dies der Fall sei, muss nicht die Notwendigkeit offen gelegt werden, warum der Maßstab geändert werden muss und auf welche Weise? Ist Intersektionalismus und Genderismus eine Wissenschaft?

        • @PDLC @QW

          „Gender wurde um zusätzliche Kriterien erweitert und das Ergebnis mit dem Namen Intersektionalismus getauft.“

          Zunächst einmal ist der Ursprung des Intersektionalismus: „Katholische Arbeitertochter vom Land“ ist eine auf Ralf Dahrendorf zurückgehende Formel, mit der in der Bundesrepublik Deutschland ab Mitte der 1960er Jahre die Bildungsbenachteiligung aufgrund einer besonderen Mehrfachunterdrückung bezeichnet wurde.“ (Wikipedia)

          Wobei die Wikipedia-Ideologie aus einer Benachteiligung natürlich eine „Unterdrückung“ macht.
          Nicht für bare Münze nehmen, sondern einfach feststellen, dass sich mehrere persönliche Nachteile durchaus zu einer Benachteiligung aufaddieren können.
          Merksatz: Nachteile hat, benachteiligt wird man.

          Auf einer politischen Ebene wurde dies Anfang der 70er gebracht, als es um die Mehrfachdiskriminierung durch Rasse, Klasse und Geschlecht ging. Die Ausgangsthese war, dass es sich um eine Klassenstruktur handelt, die durch geschlechtsspezifische und rassistische Diskriminierung weiter beeinflusst und verschärft wird.

          Das hat aber nichts mit den Theorien des Intersektionalismus 10 bis 20 Jahre später zu tun, die ihre Vorgänger auf eine abartige Art und Weise persiflieren.
          Wie Sargon hier zeigt:

          http://www.youtube.com/watch?v=rCP-pH3JtWA

          Sie haben die vorher miteinander verwobenen Benachteiligungen voneinander isoliert und diese in ein absurdes ranking verwandelt, in der die soziale, ökonomische Lage nur noch auf Platz 6 rangiert.
          „Class“ wird zu einem Witz namens „Klassismus“ und rangiert noch noch hinter der Frage, ob jemand behindert ist oder nicht.
          Was auch die Frage beantwortet, ob jedwede Spielart von Marxismus an dieser Theorie beteiligt war -> nada, NULL.

          Wenn man sich den liberalen Dahrendorf vornimmt und die „katholische Arbeitertochter vom Land“ in die „lesbische schwarze Behinderte“ verwandelt wird man – vor deutschem Hintergrund – feststellen, die letztere Figur fällt vor allem durch ihre statistische Irrelevanz auf.
          Genau deshalb hat er letztere auch nicht für sein Beispiel gewählt.

          Was das „progressive“ deutsche Pack aus den USA importiert hat und nachplappert, ist demzufolge für unsere Verhältnisse grenzdebiler Unsinn.
          Diese Journaille kopiert, plagiiert und niemand hat die Traute und den Willen, ihnen ihre Idiotien um die Ohren zu hauen.

          • Zu Dahrendorf kann ich nur empfehlen, sich einen kleinen Buzzer zu installieren.
            Ich habe mich zwar nie mit dem Mann befasst, bin aber eher zufällig schon seit meinen 20ern gelegentlich über ihn gestolpert. Und seit ich im Netz rumgeister ( gut ein Jahrzehnt jetzt ) erstaunt er mich noch mehr.
            In was für Zusammenhängen der wo unvermittelt auftaucht und oft die beste Kurzformel liefert, ist phänomenal. Der Ustinov der westeuropäischen Politfreaks ( und „Sir“ wurde er auch ).

        • Wenn es sich um Gegenstände z.b. aus unterschiedlichen Hierarchiestufen eines Systems handelt, kann eine unterschiedliche Behandlung der Gegenstände durchaus angebracht sein. Die Begründung der unterschiedlichen Maßstäbe ergibt sich dann aus der Hierarchie.
          Das Problem der gendersens und intersektionalisten liegt darin, diese Hierarchie einfach zu postulieren und niemals zu belegen. Stattdessen wird jede Kritik am Postulat zum Sakrileg stilisiert, zum Verrat am wahren glauben. Es ist das Dogma der Hierarchie, das den intersektionalismus zur pseudoreligion macht.

          • @maddes

            „Das Problem der gendersens und intersektionalisten liegt darin, diese Hierarchie einfach zu postulieren und niemals zu belegen.“

            Korrekt. Weil, wie soll das gehen?
            Gerade vor deutschem Hintergrund.
            Ein Drittel (33,3%) aller Deutschen sind Katholiken, wenn ich großzügig bin, gibt es 0,5% Afro-Deutsche.
            Es ist keinerlei Problem – auch heute noch – wesentlich mehr betroffene katholische Arbeitertöchter vom Land zu finden, als es überhaupt Afro-Deutsche in Deutschland gibt.
            Ganz zu schweigen von den lesbischen Behinderten Afro-Deutschen.
            Wie hoch wird deren Anteil an den 0,5% wohl sein?

            „Es ist das Dogma der Hierarchie, das den intersektionalismus zur pseudoreligion macht.“

            Es ist eine verdammte Ersatz-Religion.
            Eine inkl. der Erbsünde und allen Formen der Verdammnis, der Erlösung etc. pp.
            Ich glaube inzwischen, gerade weil es das Drittel der konfessionell nicht gebundenen in Deutschland gibt, ist diese Pseudo-Religion in Deutschland auch vergleichsweise weniger erfolgreich als in den USA.

            Keine Macht den Religioten!

          • „Ich glaube inzwischen, gerade weil es das Drittel der konfessionell nicht gebundenen in Deutschland gibt, ist diese Pseudo-Religion in Deutschland auch vergleichsweise weniger erfolgreich als in den USA.“

            Ippon!
            Eben deshalb beobachte ich das Wiederhervorkriechen irgendwelcher Priesterkasten und das Anwachsen derer Stepsidehoppers mit wachsender Sorge.
            Insofern kann man die Deutschenhasser übrigens schon fast als eine Art „Regelmechanismus“ betrachten, da sie zu verhindern versuchen ( wenn auch viel zu blöde ), daß hier ein nation-exceptinionelle-Kult ausbricht ( von wegen „Dann machen wir jetzt in KI und schon sind wir wieder Weltführer….“ ).
            Wenn die doch bloß mal ihren perversen Massenvernichtungsfetisch ablegen könnten …. 😉
            ( Also beide Kulte jetzt, nä? )

          • @Fiete

            „Insofern kann man die Deutschenhasser übrigens schon fast als eine Art „Regelmechanismus“ betrachten“

            Da muss ich dich enttäuschen, die antideutsche Sekte ist völlig kompatibel.
            Von Julia Schramm: https://de.wikipedia.org/wiki/Julia_Schramm stammt ja das denkwürdige Bonmot: „Sauerkraut, Kartoffelbrei – Bomber Harris, Feuer frei“.

            Leider auf Deutsch, denn das ist natürlich faschistisch. 😦

    • Klasse/Schicht/soziale Milieus ist das eigentliche Problem und nicht Gender und ..

      zweifellos, existieren beide Benachteiligungsursachen nebeneinander. Man müsste also den Vergleich Jungen Mädchen in nach sozialer Herkunft getrennten Gruppen durchführen.
      Ich denke kurz gesagt, je weiter oben um so mehr der macht sich der Einfluss der Herkunft gegenüber dem Geschlecht bemerkbar.

  6. Wenn eine Gruppe A mehr als eine Gruppe B ein bestimmtes Verhalten zeigt, und das System dieses Verhalten bestraft, dann ist das System feindselig gegenüber Gruppe A.

      • Holzpferd hat nach meiner Auffassung nach eine Tautologie verwendet, um das Verhalten eines Systems zu einem seiner Komponenten zu charakterisieren. Er betrachtet die Bestrafung durch das System als feindlichen Akt. Jemanden zu bestrafen setzt nach dieser Auffassung ein feindliches Verhalten voraus.

        Bestrafung kann auch als Heilung der bösen Tat oder den Täter auf den rechten Pfad bringend oder als das Gemeinwohl hebend betrachtet werden. Die dahinterstehende Haltung wäre dann nicht nur feindlich gegenüber dem Bestraften.

        Der Satz von Holzpferd ist unvollständig. Er müsste lauten:

        Wenn eine Gruppe A mehr als eine Gruppe B ein bestimmtes Verhalten zeigt, und das System dieses Verhalten als unheilbare böse Tat, die die Gruppe unwiederbringlich vom rechten Pfad abbringt, was eine Minderung des Gemeinwohl bewirkte, bestraft, dann ist das System feindselig gegenüber Gruppe A, weil das Verhalten der Gruppe dem System als unheilbar böse erscheint.

        Es folgt: die Feindseligkeit des Systems gegenüber eine Gruppe ist tatsächlich gegeben, wenn es diese Gruppe bestraft und die oben genannten Voraussetzungen als erfüllt gegeben sind.

        Deine Kritik ist also insofern berechtigt, als der Satz von Holzpferd zu allgemein und unspezifisch war. Deine Kritik ist jedoch insofern unberechtigt, weil dieselbe auch zu allgemein und unspezifisch ist. Tatsächlich ist die Genderideologie (hier als Repräsentant des Systems) von der unheilbar bösen Tat typisch männlichen Verhaltens überzeugt. Es wird von einigen explizit als toxisch (=giftig, todbringend) charakterisiert, wodurch das konkrete politische System Deutschlands feindlich gegenüber der Gruppe A (Männer) wird.

  7. Man wird das kaum messen können.
    Die Benotungsbenachteiligungen sind da, kennt jeder.
    Die wirkliche Benachteiligung, die sich auf die Schule negativ(er) Auswirkt ist aber außerhalb angesiedelt.

    Scheidungen, bei denen Papa geht, sind Scheidungen, bei denen der Bub im Regen stehen gelassen wird.

    Das sind doch mittlerweiles 50% eines Jahrgangs, sachte mir letztens eine vom Gumminussium hier …

  8. Man sollte sich, wenn über Gender Studies gesprochen wird, immer wieder zuerst die personelle Zusammensetzung der 150+ Professorinnen klar machen. Ich zitieren mich mal selber (Professuren):

    „Diese Professuren sind diversen Fachgebieten zugeordnet, vor allem der Soziologie, sozialen Arbeit, Pädagogik, Geschichte, Literatur oder Psychologie, in einigen Fällen auch den Ingenieurdisziplinen. Kein einziger Lehrstuhl ist der Biologie zugeordnet, nur 3 der Medizin, weniger als 10 % den Natur- und Ingenieurwissenschaften, fast alle den Sozial- und Kulturwissenschaften.“

    Bei dem heute besprochenen Thema „Werden Jungs in der Schule benachteiligt?“ sind primär Bildungsforscher gefragt. Die könnten sich ggf. unter den Soziologie-Gender-Professuren befinden (Bildungssoziologie). Sehen wir uns also die zitierten Quellen und deren fachliche Zugehörigkeit an:

    – demografie-portal.de: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

    – berlin-institut.org: die beiden Autoren: Stephan Sievert … International Economic Studies mit dem Schwerpunkt Social Economics…. Bildungsökonomie; Steffen Kröhnert: Demografischen Wandel und Soziale Arbeit — keine Rede von Geschlechterforschung

    – spektrum.de: noch mal Sievert

    – boeckler.de: Heike Solga, Prof. Dr., ist Soziologin mit dem Schwerpunkt Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Lebensverlaufsforschung; Rosine Dombrowski: Bildungs- und Arbeitsmarktsoziologie, sowie Soziale Ungleichheit und Sozialstrukturanalyse — keine Rede von Geschlechterforschung

    – Beitrag im Spiegel: … die primäre Quelle schlechthin für wissenschaftliche Erkenntnisse?!?

    – Marcel Helbig (2015): aus Enzyklopädie Erziehungswissenschaft Online: erster Text, wo überhaupt Geschlecht ein Hauptuntersuchungsgegenstand ist (wegen Paywall kann man nicht beurteilen, ob diese „Überblicksstudie“ nur eine Metastudie ist, die originäre Forschung zusammenfaßt)

    – Kuhn 2008 / pedocs.de: peDOCS Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) — keine Rede von Geschlechterforschung

    – Mammes 2009: Zeitschrift für Soziale Arbeit, Springer

    – Sammelband / transcript-verlag.de: Sensation! In der Beschreibung des Sammelbands, die schon nach 3 Zeilen mit üblichen genderfeministischem Slang aufwarten. werden die Gender Studies gepriesen. Nun sind aber irgendwelche Sammelbände i.a. keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die irgendeiner Qualitätssicherung unterliegen. Man muß nur dem Verlag genug Geld geben, Verlage drucken alles.

    Das bestätigt einmal mehr, daß die Gender Studies keinen eigenen Kernthemenbereich haben und deswegen keine eigenständige Wissenschaft sind. Stattdessen klauben sie sich überall, wo Frauen auftreten und als Opfer stilisiert werden können, Ergebnisse anderer Wissenschaften zusammen, geben sie als eigene aus und ergänzen diese um wilde Spekulationen über die Ursachen der Befunde. Genau diesen Eindruck macht auch der hier diskutierte Abschnitt im Text von Villa und ihren 4 Mitarbeiterinnen.

  9. Pingback: Cruma und Quellwerk: Wie Genderisten versuchen, die Diskriminierung von Jungen wegzureden | uepsilonniks

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