Many Shades of Gender – Ein FAQ zu den Gender Studies: Sind Geschlechtsunterschiede nicht angeboren? (1)

Paula-Irene Villa, Genderprofessorin, hat ein FAQ zu Mythen über die Gender Studies erstellt. Ich wollte sie nach und nach hier besprechen:

Heute:

Sind Geschlechtsunterschiede nicht angeboren?

Das ist eine wichtige und interessante Frage. Sie wird in vielen Disziplinen gestellt und beschäftigt Natur- wie Sozialwissenschaften seit Jahrzehnten. Sie ist allerdings auch kaum in der Eindeutigkeit beantwortbar und daher womöglich falsch gestellt. Das liegt daran, dass Menschen biosoziale Lebewesen sind. Es gehört zur sozialen Natur des Menschen, die Welt (die natürliche Mitwelt, die physikalische Umwelt, die symbolische Welt der Zeichen und Sprache usw.) wie auch sich selber – ausdrücklich einschließlich auch den eigenen Körper – zu gestalten. In diesem Lichte sind Sozialität und Natürlichkeit tatsächlich immer miteinander verschränkt. Das bedeutet, dass sich Soziales nie unabhängig vom Biologisch-Materiellen realisiert (kein Denken, Sprechen, Lieben usw. ohne Gehirn, keine Praxis ohne Nerven und Muskeln, keine Partnerschaft oder Familie ohne physiologische Erregungen usw.), wie auch dass das Biologisch-Materielle immer auch sozial geprägt ist (wie aktuell etwa Epigenetik, Hormon- und Stoffwechsel, Adipositas usw. zeigen). Das konkretisiert sich nicht zuletzt ja darin, dass die körperliche Natur des Menschen zwar nicht beliebig oder unendlich, aber doch ganz wesentlich plastisch ist.

Das ist einer der klassischen Punkte, mit denen sich Gender Studies rausreden, wenn es um angeborene Unterschiede gibt: Sie erklären, dass es diese geben mag, aber das eben alles plastisch ist und damit letztendlich die biologischen Unterschiede keine Rolle spielen.

Ein Text, der diese Plastizität dann einmal tatsächlich mit Argumenten und Studien belegt fehlt üblicherweise.

Sie gehen nicht auf die vielen Punkte ein, die dagegen sprechen, dass dort eine hohe Plastizität vorliegt, etwa Transsexuelle, CAH, CAIS, cloacal exstrophy oder der Umstand, dass die Geschlechterunterschiede weltweit beobachtet werden können.

Es gibt zwischen Menschen auf der biologischen Ebene durchaus Unterschiede, die durchaus ‘so gegeben sind’ und als geschlechtlich gelten: Etwa chromosomale Ausstattung oder die reproduktiven Organe wie Gebärmutter oder Hodensäcke. Derartige Organe, Körperformen, deren Funktionen erkennen die Gender Studies selbstverständlich an.

Das ist dann die zweite Ausflucht: Wir erkennen ja Unterschiede an (aber wir werden niemals Unterschiede im Gehirn zugeben, die nicht plastisch sind und sich auf Verhalten und Interessen auswirken)

Allerdings weisen die Gender Studies die alltagsweltliche und auch historisch oft zu Unrecht formulierte Annahme zurück, dass sich aus Chromosomen, Gebärmutter oder möglichen Hirndifferenzen ganze ‘Geschlechtlichkeiten’ kausal ergeben. Das heißt, die Gender Studies fragen – möglichst offen – danach, was sich aus ‘angeborenen’ Qualitäten ergibt, und auch: was nicht. Vielfach haben die Gender Studies in diesem Sinne aufklären und zeigen können, dass auch die modernen naturwissenschaftlichen Tatsachen und dass so manche alltägliche Vorstellung davon, was an Geschlecht angeboren und was erlernt oder auch nur vermeintlich geschlechtlich ist, doch ziemlich vorurteilsbehaftet ist.

Haben sie eben nicht. Sie haben es allenfalls wenn man unter „aufklären“ versteht, dass man alle entgegenstehenden biologischen Fälle ignoriert und bestimmte Unterschiede absolut setzt, auch wenn sie in einem ganz anderen Kontext bestehen bleiben (etwa: früher haben adelige Hochhackige Schuhe und Seidenstrumpfhosen getragen, heute machen das Männer nicht mehr und es gilt als weiblich als Nachweis, dass alles plastisch ist. Tatsächlich ist es schlicht so, dass Adelige damit ganz andere Sachen ausdrücken wollten und damals auch konnten, etwa dass sie reich waren, dass sie unpraktische Kleidung tragen konnten, weil sie ja nicht arbeiten mussten etc)

Wir wissen heute, auch den Gender Studies sei dank, dass es nicht angeboren ist, dass nur Männer Flugzeuge fliegen oder nur Frauen sich um kleine Kinder kümmern können.

Das „Nur“ macht da schon den Strohmann deutlich. Tatsächlich wäre ja die wissenschaftliche Feststellung eher, dass

  • räumliches Denken beim Fliegen wichtig ist und dies in enger Verbindung mit (pränatalen) Testosteron steht und Pilot sein zum einem eher Leute anspricht die sich für Dinge interessieren und zum anderen mit einem Familienleben schwer zu vereinbaren ist, weil man auf vielen Flügen irgendwo in Hotels übernachten muss
  • Frauen wesentlich stärker auf das Kindchenschema reagieren und sich um Kinder kümmern häufig auch wesentlich interessanter finden, weil es auch eine helfende Tätigkeit mit Menschen ist. Männer hingegen haben das Problem, dass für sie Statusaufbau über Kinderbetreuung wesentlich schwieriger ist als über den Beruf. Und in all diese Punkte spielt die Biologie mit hinein

Wir wissen heute, dass das was zunächst als angeboren gilt, sich bisweilen als (auch) sozial geprägt und sozial wandelbar erweist. Wir wissen heute ebenso, dass es Körperlichkeiten, Materialitäten, biologische Tatsachen gibt, die Geschlechtlichkeit mit-prägen. Die Forschung dazu hält an, und auch wenn die Dualität von ‘angeboren’ vs. ‘anerzogen’ bzw. ‘nature’ vs. ‘nurture’ letztlich weder sozial- noch biowissenschaftlich sinnvoll ist, so ist doch die Suche nach unterschiedlichen Ontologien des Geschlechts hoch produktiv und auch relevant. Es kommt schließlich noch hinzu, dass auch die wesentlich angeborenen oder gegebenen Aspekte von Geschlecht hoch komplex und dynamisch sind.

Nur findet die tatsächlich interessante Forschung dazu nicht in den Gender Studies dar, die diese Punkte schlicht schnell bei Seite schieben will, weil sie nicht in die eigenen Theorien passen. Dort findet insofern eher „Antiforschung“ dazu statt, so wie bei Theologen, die bei der Erforschung zu Naturwissenschaften immer nur daran interessiert sind, dass sie eine noch nicht erklärte Lücke finden und schützen können, in der sie einen Gott verorten können.

Kurzum: Geschlechtsunterschiede, die sozial, ökonomisch, kulturell, psychologisch und individuell relevant sind, basieren auf angeborenen Materialitäten (Gene, Muskeln, Gehirne, Hormone usw.), die allesamt beim Menschen hoch plastisch und so unausweichlich auch sozial geprägt sind. Was dies genau bedeutet, dazu forschen auch die Gender Studies.

Leider eben nicht. All diese Punkte spielen in den Theorien der Gender Studies keinerlei Rolle und die dazu bestehende Forschung wird eben gerade nicht aufgegriffen

Zum Weiterlesen:

Faszinierend zu lesende Links, die alle eins gemein haben: Sie erwähnen zwar teilweise bestimmte Konstellationen wie CAH aber sie drücken sich darum, deren Auswirkungen auf das Verhalten darzustellen.
Ein Beispiel aus dem ersten Beitrag:

In congenital adrenal hyperplasia (CAH), a female fetus (XX) is exposed to high levels of adrenal hormone and is born looking like a boy. In androgen insensitivity syndrome (AIS), a male fetus is unresponsive to androgens and is born looking like a girl. In 5-alpha reductase deficiency (5-ARD), androgen levels are normal but an enzyme necessary for male genital development is missing; these individuals may appear to be female and may be raised as girls, but at puberty they develop masculine secondary sex characteristics.

CAH Mädchen sehen eben gerade nicht wie Jungen aus, sondern wie Mädchen. Aber sie Verhalten sich wie Jungen. Und bei 5-Alpha reductaase deficiency zeigt sich eigentlich das Folgende:

Gender development and 5a-reductase-2 deficiency (5a-RD-2) and 17bhydroxysteroid dehydrogenase-3 deficiency (17b-HSD-3) Children with 5α-RD-2 have an enzyme defect that prenatally blocks the conversion of testosterone into dihydrotestosterone. Consequently they are born with external genitals that are female in appearance. They are usually raised as girls and seem to have a female gender identity, but, if the condition is not discovered in childhood, these children develop male sex characteristics in puberty: growth of their “clitoris” and scrotum, lowering of the voice, beard growth, masculine muscle development, and masculine body fat distribution. After puberty, many of these youngsters start living as males and develop a sexual attraction toward females. These transitions have been primarily documented in non-Western cultures. When raised as boys, these children have a male identity and behave like boys.

Also auch ein Verhalten, welches nicht zu der Erziehung und den prägenden Geschlechterrollen passt.

Insofern ein sehr schwacher Artikel, der den wesentlichen Problemen aus dem Weg geht

19 Gedanken zu “Many Shades of Gender – Ein FAQ zu den Gender Studies: Sind Geschlechtsunterschiede nicht angeboren? (1)

  1. „Wir wissen heute, auch den Gender Studies sei dank, dass es nicht angeboren ist, dass nur Männer Flugzeuge fliegen oder nur Frauen sich um kleine Kinder kümmern können.“

    Hätte es die Gender Studies niemals gegeben, wüssten wir das heute auch schon so. Welchen Anteil haben diese dann?

    Passend zu den ‚Argumenten‘ der Gender Studies:

    Sie bringen das Beispiel nicht, weil ihre Ergebnisse schon von vornherein feststehen und da passt Oprah Winfrey einfach nicht rein.

  2. „Das bedeutet, dass sich Soziales nie unabhängig vom Biologisch-Materiellen realisiert (kein Denken, Sprechen, Lieben usw. ohne Gehirn, keine Praxis ohne Nerven und Muskeln, keine Partnerschaft oder Familie ohne physiologische Erregungen usw.), wie auch dass das Biologisch-Materielle immer auch sozial geprägt ist (wie aktuell etwa Epigenetik, Hormon- und Stoffwechsel, Adipositas usw. zeigen).“

    Das kapieren Genderisten genauso wenig wie es die Gläubiger der Magic Dirt Theorie tun.
    In beiden Fällen vollkommen ungeachtet aller Empirie.

  3. „Das konkretisiert sich nicht zuletzt ja darin, dass die körperliche Natur des Menschen zwar nicht beliebig oder unendlich, aber doch ganz wesentlich plastisch ist.“

    Stimmt. Frisst Du zuviel, wirst Du fett. Zügelst Du danach Deine Nahrungsaufnahme, nimmst Du wieder ab. Aber alles bewegt sich eben innerhalb der Biologie, auch außergewöhnliche Eigenschaften oder Fähigkeiten.
    Der ganze Absatz strotzt von Binsenweisheiten.

    „… oder der Umstand, dass die Geschlechterunterschiede weltweit beobachtet werden können.“

    Weltweit und bei allen Wirbeltieren. DAS ist das entscheidende Totschlagargument, wo die Genderstudies regelmäßig scheitern. Geschlechtstypisches Verhalten bei Löwen oder Bonobos dürfte kaum sozial überprägt worden sein.

    „Wir wissen heute, auch den Gender Studies sei dank, …“

    Ein Schuss Größenwahn kann nie schaden 😀

    „… dass es nicht angeboren ist, dass nur Männer Flugzeuge fliegen oder nur Frauen sich um kleine Kinder kümmern können.“

    Ich habe mal vor langer Zeit eine Studie zu dem Thema gesehen. Danach scheitern Frauen bei der Ausbildung zu Piloten (von Passagierflugzeugen) nicht, weil sie Frauen sind, sondern weil sie z.B. unter hohem Stress, wo es u. U. um Leben und Tod geht, signifikant häufiger als Männer „links“ und „rechts“ verwechseln.
    Und dass Männer sich nicht um kleine Kinder kümmern könnten, behaupten allenfalls Familienrichter und Mitglieder des VAM(V).

    „Wir wissen heute, dass …
    … auch die wesentlich angeborenen oder gegebenen Aspekte von Geschlecht hoch komplex und dynamisch sind.“

    Was auch vor den Gender Studies niemand angezweifelt hat.
    Die Frage, die man sich später stellen wird, wird lauten: „Wen hat das interessiert? Welchen Nutzen hatte der ganze Aufwand?“
    Dass manche Mädchen mit Puppen spielen, andere mit Jungs durch Bäume klettern, haben schon unsere Urahnen in vorkultureller Zeit registriert – und unter „Is so!“ verbucht.
    Erst die Gendas sind auf die Idee gekommen, mit diesen Beobachtungen ganze Bibliotheken zu füllen, ohne jemals am Ende die selbstgestellte Frage, ob das nun nature oder nurture ist, beantworten zu können.
    Schade um das Papier.

    • @Carnofis:

      »Der ganze Absatz strotzt von Binsenweisheiten.«

      Halte ich auch für das Kernproblem: das Argument bleibt auf genau der Ebene von Allgemeinheit, auf der es nicht falsizifizierbar ist. Allerdings werden wir die Nase auch in die verlinkte Literatur stecken müssen, um zu sehen wie weit die dortigen Argumente tragen.

      • „»Der ganze Absatz strotzt von Binsenweisheiten.«“

        Exakt das, was mir auch sofort auffiel.
        Sie erzählt Binsen, die seit Jahrtausenden selbst dem ignorantesten Deppen dermaßen klar sind, daß keiner außer ihr selbst auf die dumme Idee kommt, sie überhaupt auszusprechen ( sozusagen „genetisches Unterbewußtsein“ ) .

        Und natürlich ist z.B. die im Schnitt größere Körpermasse von Männern, ein Symptom von Plastizität und „Ansozialisierbarkeit“, da bin ich ganz bei ihr. Nur, daß die Evolution nicht irgendwelchen Nonsense per ideologischen Papiergesetz „Ansozialisiert“ hat, sondern es sich um allmähliche Optimierungen über hunderte und tausende Generationen handelt.

        Sie argumentiert ähnlich stumpfsinnig, wie der Weihnachtshoax vor ein paar Jahren, der aus der Tatsache, daß es unter Männern mehr Idioten gibt, den schwarz-weiß-Schluss zog, daß Männer Idioten wären, weil die akademischen Witzbolde einfach die rechte Hälfte der Normalverteilung und die Form der Kurve vorsätzlich ignoriert hatten.

        Jetzt wiederholt sie den gleichen Witz mit Evolutionsweise und -geschwindigkeit.

        Nochmal, Frau Villa ( darf man die „Frau“ nennen, oder ist das schon strafbewehrt? ):
        Ja, das Ergebnis der Entwicklung von genetischen Stereotypen ( und das sind eben keine Vorurteile ) und akuten ( Umwelt-)Notwendigkeiten ist in der Gesamtsumme plastisch, um nicht zu sagen es ist dynamisch und hat, wie sollte es anders sein, eine gewisse Bandbreite.
        Und ja, starke Einflüsse ( und dazu zählen die Genderstudies NICHT ), können entsprechende Marker schon innerhalb einer Generation ein wenig verändern.

        Bis uns aber als Menschheit ein zweites Arschloch wächst, müssen wie uns schon ziemlich viele Generationen heftig überfressen und selbst dann wäre es wahrscheinlicher, daß ein paar mehr Aspekte unseres Gencodes beteiligt werden, was dann dazu führt, daß wir nach ein paar Generationen mit der Fresserei aufhören und ansonsten könnte auch die Umwelt selbst noch ( z.B. durch Nahrungsmangel ) regulierend eingreifen, wodurch die „Wenigerfressgene“ an Einfluss gewinnen würden.

        Isses denn sooo schwer zu begreifen?

        Und NICHTS, aber auch wirlich GARNICHTS davon, ist eine Erkenntnis der GS!
        Seit der Ankündigung der „Wissenschaftlichkeitsoffensive“ der Genderstudies im letzten Jahr, welche dieses Jahr dann auf nächstes oder übernächstes Jahr verschoben wurde, hat sich insgesamt EIN ( in Zahlen: 1! ) einziges Werk von 8-Seiten und vier Autoren gefunden, welches als Beweis für deren Wissenschaftlichkeit herhalten mußte.

        Die große Pruritisstudie!
        https://sciencefiles.org/pluto-scratching/

        https://sciencefiles.org/2017/12/12/frauen-kratzen-anders/

        Noch fragen, Frau Villa?

  4. Dieses Gender-FAQ-Paper wird mutmaßlich bald eine Referenz sein, auf die Feministinnen immer wieder verweisen werden. Ich finde, wir sollten in der Lage sein, bei entsprechenden Gelegenheiten kurz und knackig eine Replik in der Reserve zu haben. Daher möchte ich vorschlagen, eine männerrechtliche »Antifaq« zu konstituieren und sozusagen als »Autorenkollektiv« das Paper Punkt für Punkt zu konfrontieren.

    Ich finde es sehr löblich, dass Christian das als Mehrteiler in Angriff nimmt, nur möchte ich anregen, dass wir es hier nicht bei mehr oder weniger launigen Kommentaren belassen, sondern am Ende zu einer zitierfähigen und mit Literaturangaben bewehrten Gegenposition gelangen. Als Kollektiv verfügen wir m. E. über genug interdisziplinäre Sachkompetenz, um es mit Villa et al. aufzunehmen. Das Endresultat könnten wir dann redigieren und separat hosten, vielleicht bei »Maskulismus für Anfänger« oder auf andere Weise. Wir können es auch ganz dreist bei der LMU selbst einreichen. 🙂

    Also bevor jetzt ein halbes Dutzend unserer Blogs im Einzelkampf darauf reagiert, sollten wir es in diesem Fall besser gleich bündeln. Ich werde mir jedenfalls über die Feiertage Zeit nehmen, mir ein paar Punkte rauszupicken, bei denen ich mich kompetent fühle.

    • „Dieses Gender-FAQ-Paper wird mutmaßlich bald eine Referenz sein, auf die Feministinnen immer wieder verweisen werden.“

      Gute Frage, ob das so kommt. Das führt zu der Frage, wer überhaupt befugt ist zu entscheiden, was „die Gender Studies (TM)“ sind. In meiner eigenen Kritik an den GS habe ich dazu am Anfang einen relativ breiten Review von Personen oder Aktivitäten, die von sich behaupten, irgendwie Gender Studies zu betreiben.

      Villa hat ja schon diverse Interviews gegeben, und sie verfuhr dort immer nach dem Prinzip wahrer Schotte, d.h. sie zeichnete ein Idealbild, das nur leider nicht die volle empirische Bandbreite abdeckte. Das scheint mir bei ihrem neuen FAQ (den ich nur überflogen habe) nicht anders zu sein. Der Text wirkt auf mich wie eine Sammlung von **einzelnen** Themen (genauer gesagt hochumstrittene Standpunkte der feministischen Ideologie bzw. verzerrte Realitätswahrnehmungen).

      Die Hauptfrage, was sind denn nun eigentlich diese Gender Studies als (angebliche) Wissenschaft, die derartige „Erkenntnisse“ produziert, wird nicht direkt gestellt bzw. beantwortet. Ich finde jedenfalls keine Definition von „Gender Studies“, die müßte, wenn überhaupt, ganz vorne im Text stehen.

      „Das Endresultat könnten wir dann redigieren und separat hosten, vielleicht bei »Maskulismus für Anfänger« oder auf andere Weise.“

      Kann ich gerne machen, aber das ist viel Stoff. Meine eigene Befassung mit dem Thema (http://maninthmiddle.blogspot.de/p/gender-studies.html) ist rund 30 Seiten DIN A4 lang in der Druckvorschau. Das schreckt potentielle Leser ziemlich ab. Ich habe schon einige Male überlegt, weniger wichtige Abschnitte herauszunehmen und das ganze in mehrere kleinere Texte aufzuteilen, i.w. anhand der Hauptthemen bzw. Abschnitte.

      Anders gesagt weiß ich nicht, ober man jedem Stöckchen hinterherlaufen soll, das das FAQ von Villa wirft.

      „Ich werde mir jedenfalls über die Feiertage Zeit nehmen, mir ein paar Punkte rauszupicken, bei denen ich mich kompetent fühle.“

      Super! Da würde ich Dich bitten, ehe Du in der Masse der Details versinkst, über die Stoffgliederung und -Auswahl nachzudenken. Als ersten Aufschlag kannst Du ja die von mir gewählte Gliederung nehmen und die weiterentwickeln (die ist ohnehin ca. 3 – 4 Jahre alt und könnte mal aufgefrischt werden).

      Es ist auch wichtig, sich den eigenen argumentativen Standpunkt und die Ziele, die ein Text erreichen soll, klarzumachen. Ich habe meinen Text als jemand geschrieben, der sich selber ein halbwegs zutreffendes Bild von den Gender Studies gemacht hat (hoffentlich…) und der auf dieser Basis Kritik übt. Ich habe gar nicht erst versucht, alle Selbstdarstellungen von Gender Studies-Aktivisten zu widerlegen, dazu gibt es viel zu viele. Ich habe vor allem auch die Schattenseiten beleuchtet, so ähnlich wie bei der AfD, da sind auch nur wenige % echte Rassisten, und die reichen völlig, um sich von dieser Partei zu distanzieren.

      • PS: „Gender Studies“ benutzt den Begriff „Gender“. Ich habe beim Schreiben der Gender Studies-Seite damals vergebens versucht, eine konsistente Definition dieses Begriffs in den Quellen, u.a. den Lehrbüchern zu finden. Ergebnis war eine eigene Seite, Kampfbegriff „Gender“, wo ich zum Ergebnis komme, daß Begriffskonstruktionen wie „soziales Geschlecht einer Person“ nicht funktionieren. Der zentrale Begriff dieser Disziplin ist mehr oder weniger undefiniert. Die Disziplin kann ihren zentralen Forschungsgegenstand nicht klar definieren. Das ist ähnlich schlimm wie wenn die Physiker keine Idee hätten (oder mehrere widersprüchliche), was ein Atom ist und wie sich Atome verhalten.

        Die GS sind teilweise dummdreist genug, das ganze als „Vielfalt“ in der Forschung o.ä zu verkaufen, also Links- und Rechtsverkehr gleichzeitig, oder als *das* Forschungsthema. Eine Wissenschaft, die herumrätselt oder noch herausfinden muß, was genau sie eigentlich erforschen will, ist aber keine Wissenschaft.

        • „Die GS sind teilweise dummdreist genug, das ganze als „Vielfalt“ in der Forschung o.ä zu verkaufen, also Links- und Rechtsverkehr gleichzeitig, oder als *das* Forschungsthema. Eine Wissenschaft, die herumrätselt oder noch herausfinden muß, was genau sie eigentlich erforschen will, ist aber keine Wissenschaft.“

          Für mich kein neues Phänomen.
          Ich war in meinem Studium beinahe im Fach „Arbeitswissenschaften“ gescheitert. Wir hatten einen ziemlichen Kotzbrocken als Prof, arrogant und bereit, Studenten abzuschießen, die ihm widersprachen.
          Ich hatte damals vermieden, seine Vorlesungen zu besuchen (was wohl viele andere auch taten), um meine Nerven zu schonen.
          Später in der Abschlussklausur stellte er diverse Fragen, die er nur in seiner Vorlesung bearbeitet hatte und die nirgendwo in der geschriebenen Literatur ihren Niederschlag fanden.
          Ich bin rasant durchgerasselt. Da das mein letzter Versuch war, war ich gezwungen, Unstimmigkeiten in seiner Benotung nachzuweisen. Bei der Recherche, die sich über mehrere Wochen und Orte hinzog, stellte ich erstaunt fest, dass allein die Definition „Arbeitswissenschaft“ in D Gegenstand erbitterten Streits dreier Strömungen war, die sich spinnefeind gegenüber standen und auch vom Lehrinhalt derart unterschieden, dass der Lehrstoff der einen diametral zum Stoff der anderen stand. Ein Fachbuch der Fakultät A war für die Beantwortung von Fragen der Fakultät B also komplett unbrauchbar.

          Langer Rede, kurzer Sinn: ich konnte nachweisen, dass mir entscheidende Punkte bei einer korrekt beantworteten Frage nicht gegeben wurden und nach Drohung mit dem Gericht wurde ich (als erster Student überhaupt) von ihm für die mündliche Nachprüfung zugelassen.

          Ich denke, bei den Gender“wissenschaften“ wird es genauso sein. Schon, weil die Lehrkörper weiblich sind und Frauen in Gruppen sich niemals auf eine Meinung einigen können.

    • Ich glaube nicht, dass ich versiert genug bin, um etwas Angemessenes beisteuern zu können. Außerdem fahre ich jetzt in den Weihnachtsurlaub. Aber wenn ich irgendeine leicht zu kritisierende Stelle angehen soll, bin ich gerne dabei (wenn ich ich zurück bin).

  5. Prof Villa: „… die körperliche Natur des Menschen zwar nicht beliebig oder unendlich, aber doch ganz wesentlich plastisch ist.“

    Also *fast* beliebig oder *nahezu* unendlich „plastisch“ sei die „körperliche Natur“ des Menschen nach Prof Villa. Das sagt nicht mal ein typischer plastischer Schönheits-Chirurg 😀

    Die „körperliche Natur des Menschen“ ist im Wesentlichen als Blaupause in der Erbinformation abgelegt, in der sogenannten DNS. Offenbar weiss eine deutsche Professorin sowas im Jahre 2018 nicht oder will es nicht wissen.

    Gender ist, wie schon 1000mal gezeigt: ANTI-wissenschaftliche Esoterik, die Vernunft und Wissenschaft für hinterhältige „Konstrukte“ zur Versklavung der besseren Hälfte der Menschheit hält. Nur leider haben sie nicht den Mut das auch klar zu sagen. Feiglinge.

  6. Das Problem ist ja, dass ausgehend von der Theorie des unbeschriebenen Blattes, Genderisten die Menschen so formen wollen, wie es ihnen in ihrer sexistischen Welt am besten gefällt. Ermächtigung der Frau und Kastration des Mannes. In manchen gender-„gerechten“ Kindergärten werden Mädchen darauf getrimmt, sich alles zu nehmen, was sie gerade haben wollen und die Jungs, sich damit abzufinden, die Niederlage einzustecken. Politik für Jungs sieht dann so aus:
    https://uepsilonniks.wordpress.com/2018/01/06/wo-maenner-aus-feministischer-sicht-benachteiligt-sind-und-die-verweiblichung-des-mannes/

    Mir selbst wird richtig übel beim Gedanken, dass diese Totalitaristen die Erziehung der Kinder übernehmen wollen.

    • Mir auch.
      Mit der Ermächtigung der Frau allerdings habe ich gar kein Problem — im Gegenteil: nennt sich auch erwachsen werden. Das kann aber niemand anderes machen als die betreffende Frau selbst.
      Womit ich aber ein Problem habe, ist „Ermächtigung der Frau“ DURCH Kastration des Mannes.

  7. In diesem Zusammenhang weise ich auf das Buch von Robert Plomin hin: https://www.amazon.de/Blueprint-How-DNA-Makes-Who/dp/0241367697

    Plomin resümiert die Ergebnisse von Jahrzhnten von Zwillings. und Adoptionsforschung. Demnach sind 50% aller „psychological Traits“ genetisch fixiert. Die restlichen 50% teilen sich auf in Umwelteinflüsse, die ihrerseits wesentlich genetisch bestimmt sind. Wenn etwa Kinder in musikalischen Familien aufwachsen, entwickeln sie selber ein Interesse für Musik, durch den Einfluss der Familie. Die Eltern tragen aber die gleichen Gene für Musik wie die Kinder und verstärken sie so nur durch ihr eigenes Verhalten, das wesentlich genetisch bestimmt ist. Plomin führt weitere 20% darauf zurück. Die verbleibenden 30% sind wirklich Ergebnis von Umwelteinflüssen, aber die Umwelteinflüsse sind praktisch nicht identifizierbar (und damit praktisch zufällig). Bewusste Erziehung und Manipulation führen jedenfalls nicht zu den gewünschten Ergebnissen.

    Deshalb ist es die DNA die uns zu dem macht, was wir sind, nicht die Gesellschaft.

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