„85 Prozent der etwa 2000 befragten teilzeitbeschäftigten Frauen fanden es demnach „super“ in Teilzeit zu arbeiten, 75 Prozent erklärten, derzeit „auf keinen Fall“ Vollzeit arbeiten zu wollen“

Eine interessante Studie zur Teilzeit wird im Spiegel besprochen;

Von wegen Teilzeitfalle: Die meisten Frauen, die nicht Vollzeit arbeiten, sind freiwillig in dieser Situation und damit sehr zufrieden. Das hat eine repräsentative, unveröffentlichte Umfrage des DELTA-Instituts für Sozial- und Ökologieforschung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums ergeben, die dem SPIEGEL vorliegt.

85 Prozent der etwa 2000 befragten teilzeitbeschäftigten Frauen fanden es demnach „super“ in Teilzeit zu arbeiten, 75 Prozent erklärten, derzeit „auf keinen Fall“ Vollzeit arbeiten zu wollen. 60 Prozent gaben an, möglichst bis zur Rente in Teilzeit arbeiten zu wollen.

In radikalen Feminismus würde man wohl annehmen, dass es verinnerlichter Sexismus ist.

Andere würden wohl schlicht darauf abstellen, dass Frauen eben nach ihren Interessen handeln und Karriere kein absoluter Wert sein muss, sondern man üblicherweise andere Sachen aufgeben muss. Und das die meisten Leute eh keine Karriere machen, sondern schlicht normal arbeiten.

Die Ergebnisse sind erschreckend“, sagt Studienautor Carsten Wippermann, „weil sich viele dieser Frauen freiwillig und dauerhaft in die finanzielle Abhängigkeit ihres Partners begeben.“

Über die Folgen sind sich die meisten bewusst: 68 Prozent aller teilzeitbeschäftigten Frauen sind sich der Studie zufolge sicher, von ihrer eigenen Rente später nicht leben zu können. 25 Prozent sagen, dass sie sich mit ihrer Rente nicht mehr befassen, weil sie das Thema zu sehr deprimiert.

Was immer vergessen wird: meist sind die Frauen verheiratet und damit begibt sich der Mann ebenso in eine wirtschaftliche Abhängigkeit. Bei einer Scheidung muss er große Teile seiner Rente abgeben. Beim Haus stehen eh meist beide in Grundbuch. Und sonst hätte sie Zugewinnansprüche.

Immerhin: In zehn Jahren wollen die meisten Frauen, die in Teilzeit arbeiten, ihre Stundenzahl deutlich erhöhen; so arbeiten Frauen in Teilzeit der Umfrage zufolge im Schnitt 21,5 Stunden pro Woche.

In Deutschland arbeitet etwa die Hälfte der beschäftigten Frauen zwischen 30 und 54 Jahren in Teilzeit, wie aus anderen Erhebungen hervorgeht.

Auch interessant für die Frauenquote. Den diese Frauen allein fehlen ja schon für die Karriere. Bei denen, die nicht Erwerbtarif sind dürften auch mehr Frauen dabei sein.

Ab kommendem Jahr haben viele Arbeitnehmer erstmals das Recht auf Brückenteilzeit – also auf eine zeitlich befristete Reduzierung ihrer Wochenstunden. Auch die Möglichkeiten, von einer bereits bestehenden Teilzeittätigkeit zurück auf Vollzeit zu gehen, wurden mit der Neuregelung verbessert.

Alles Gesetze, die gut klingen. Nur scheinen sie etwas zu sein, was viele gar nicht nutzen wollen, weil sie genau so legen wollen, wie sie es bereits machen.

37 Gedanken zu “„85 Prozent der etwa 2000 befragten teilzeitbeschäftigten Frauen fanden es demnach „super“ in Teilzeit zu arbeiten, 75 Prozent erklärten, derzeit „auf keinen Fall“ Vollzeit arbeiten zu wollen“

    • Das hab ich mir bei meinen 2 Monaten Elternzeit auch gedacht.

      Ein Freund von mir hat gleich gesagt „Spinnst du? Das kostet mich 4.000.-€, da fahren wir lieber in den Urlaub.“

      • Damit man in 2 Monaten 4000€ Einkommenseinbußen trotz Elterngeld generiert, muss man aber schon zu den Top-Verdienern gehören.
        Wer sich dann ein Teilzeit-Luxusweibchen hält, ist selber Schuld.

          • Das Elterngeld ist bei 1800€ gedeckelt. Für einen Verlust von 2000€ wäre dann ein Netto von 3800€ nötig.
            Muss mal ein wenig recherchieren. Ich meine mich zu erinnern, dass das Median-Familieneinkommen bei 2500€ liegt.

          • @Tom: dann wurde dein Elterngeld auch anders berechnet.
            Bis 2015 würde das Durchschnittsnetto als Grundlage genommen. Seit 01.07.2015 wird das Durchschnittsbrutto abzüglich einiger Pauschalen verwendet (damit sind die Steuerklassen und Splittingvorteile irrelevant).
            Mein eigentlicher Punkt ist: wenn zwei Monate beim Mann so viel teurer kommen als zwölf bei der Frau, dann verdient sie wohl fast nichts.

          • Das Netto war da nicht das Problem, sondern die Obergrenze..
            Sagt ja aber niemand, dass die 12 Monate bei der Frau billiger sind. Uns war es die Kinderbetreuung aber wert. Auch jetzt kostet uns das ein noch ein halbes Lehrergehalt, obwohl beide Mädels inzwischen in der Schule sind.

    • @Matze

      Und jetzt drehen wir das ganze einmal um:

      „Wie aus Untersuchungen der Organisation MGTOW hervorgeht, beträgt der Anteil der Frau am Haushaltseinkommen von Paaren in Deutschland miserable 23 Prozent. Das ist der niedrigste Wert aller Industrienationen.“

      Der gemeine Patriarch hat hingegen verfügt, dass dieser Frau 50% des Familieneinkommens im Rahmen der bürgerlichen Ehe als „Zugewinngemeinschaft“ zusteht.
      Zusteht.
      Wie war das noch einmal mit der „patriarchalen Dividende“?

        • @Matze

          Es ist komisch, dass mir da gerade ein Marx-Zitat einfällt:
          „Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“
          MEW, Bd. 23, S. 788

  1. Wenn ich sowas lese, denke ich immer an „divide et impera“! Männlein und Weiblein gegeneinander aufhetzen, damit nicht klar wird, wie sehr beide von ganz anderen Akteuren ausgenommen werden wie die Weihnachtsgans.

    Wer sich über Gender Pay Gap aufregt, regt sich nicht über sinkende Reallöhne für die untere Hälfte der Bevölkerung auf.

    • Der Gender Pay Gap ist das Propagandamittel um die Reallöhne zu senken.
      Die Femis in Ihrem Männerhass sind so minderbemittelt, dass Sie den Schaden der Ihr geplärre bewirkt auch noch als Erfolg feiern.

  2. Hihi, die denken genau wie ich. Ich will nie wieder Vollzeit arbeiten. Da fahre ich lieber nicht in den Urlaub und ein kleineres Auto. Dass wir jemals eine luxuriöse Rente bekommen, ist ohnehin ausgeschlossen, das haben die korrupten Dilettanten in Berlin gründlich gegen die Wand gefahren. Ich spekuliere auf unsere Fähigkeit sparsam zu leben und auf eine Mindestsicherung irgendeiner Art, notfalls müssen die Kinder uns durchfüttern, wird schon irgendwie gehen. Die Rente als typisch deutsche Projektionsfläche für alles, was man vorher verpasst und nicht geschafft hat, ist tot! Ist wahrscheinlich auch besser so, war ohnehin meist nur Illusion.

  3. Interessant immer wieder, dass, wenn Frauen sich freiwillig dafür entscheiden, weniger zu arbeiten und lieber ihren Mann für einen hinreichenden Lebensunterhalt sorgen zu lassen, dies nicht etwa als für die Männer problematisch angesehen wird, sondern lediglich mögliche Nachteile für die Frauen thematisiert werden.

  4. Bevor ich die STudie gelesen habe gebe ich da nichts drauf.

    Die Antwortmöglichkeiten „Super“ und „Auf gar keinen Fall“ sind in ihrer eher umgangssprachlichen Verwendung eine rote Flagge für mich. Was natürlich nicht bedeuten soll, dass die Studie zwangsläufig Unsinn ist.

    Interessieren würde mich vor allem die Altersteilzeit. Denn hier kann man z.B. den „gesellschaftlichen Zwang für Frauen für das Kind sorgen zu müssen“ [um mal Feministen zu paraphrasieren] und die damit verbundene Teilzeit nahezu ausschließen. Das schließt zwar die Pflege Angehöriger oder Berufsbiographie bedingte Teilzeitarbeiten nicht aus, aber zu mindest ein Faktor ist dan schon mal ausgeklammert.

  5. Ach, wieder so eine neue Ausgabe von: „West Germany, du hast noch ’ne Menge zu lernen, wenn du dein Gender-Ungleichheitsverteilungsproblem lösen willst“.
    Wie wär’s denn mal zur Abwechslung mit der Abschaffung des hauseigenen Konservatismus und Eigenverantwortung für beide Geschlechter?
    Wenn jeder von Kindesbeinen an eingetrichtert bekommt, dass er für sein Wohlergehen selbst zuständig ist, und nicht die Eltern oder der Ehegatte, vielleicht wird das dann auch mal was damit, dass die Frauen sich nicht nur gerne auf ihrer Teilzeit ausruhen, nach dem Motto „ach, ich hab‘ ja wen, der für mich versorgt…“.
    Dazu noch die passenden Änderungen im Scheidungsrecht und die Streichung von Trennungsunterhalt, inklusive eine Unabhängigmachung der materiellen Gütertrennung von der Scheidung selbst, das könnte vielleicht ware Wunder wirken.
    Wer sich bis dahin ausgeruht hat und meinte, er muss nichts tun – spätestens wenn das Szenario auf ihn zutrifft, dann wird er umtriebig werden, weil es plötzlich keine Bank mit Vorzugspreisen mehr gibt. Und wenn ihm/ihr auch nur einer sagt „da, dort ist das Hartz-Amt – wer kein eigenes Einkommen hat, der geht halt dorthin…“.

    Aber naja… Rumjammern, Gazetten füllen und in der eigenen Suppe schmoren ist ja viel einfacher als sich mal aus seiner Filterblase herauszubewegen und mal zur Abwechslung seinen Job zu machen – sich was anderes einfallen zu lassen und es auch umzusetzen

  6. Und SPON – bzw. Anne Seith – sind sich auch nicht zu doof, den Frauen vorzuwerfen, sich falsch zu verhalten und Dinge zu sagen wie „Immerhin“ und somit die Berichterstattung verlassen und klar zu werten.
    Was bilden sich diese Frauen auch ein, einen anderen Lebensentwurf zu haben als Frau Seith und damit auch noch zufrieden zu sein!

  7. Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie feministische Politik Zahlen einseitig interpretiert, Scheinprobleme schafft und die dann löst. Das feministische Narrativ geht ja so, dass Frauen unfreiwillig Teilzeit arbeiten, weil „die Gesellschaft“ ihnen die Rückkehr in Vollzeit verwehrt. Und dann büßen müssen mit weniger Geld, weniger beruflichen Chancen und weniger Rente. Aber selbst nach feministischen Zahlen wollen nur 18 Prozent der Frauen gern mehr arbeiten, dagegen 36 Prozent weniger und 47 Prozent sind ganz zufrieden mit ihrer Arbeitszeit (ein Prozent Rundungsdifferenz).

    https://www.landtag.nrw.de/Dokumentenservice/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMST17-81.pdf;jsessionid=B9D62432EEE92D3A116A1314A561B8FE.xworker

    Das stimmt mit der zitierten Studie überein, nach der die Mehrzahl der Frauen mit Teilzeit recht zufrieden ist. Die Politik sieht aber die „Teilzeitfalle“ als ein „major problem“ an und hat deshalb die sog. Brückenteilzeit jetzt eingeführt. Was für eine größere Minderheit von maximal einer Million Frauen eventuell relevant ist. Aber eben nur für eine Minderheit. Genauso wie der vermeintliche Gender Pay Gap. Aber SPD, Linke und Grüne arbeiten sich bevorzugt an diesen Themen ab.

    In einer idealen Gesellschaft würde natürlich jeder und jede genau so viel arbeiten, wie er möchte, zu den Zeiten, die ihm und ihr genehm sind und dem Einkommen, das erwünscht ist. Aber es gibt eben auch „facts of life“. Und da passt es nicht immer perfekt. In Deutschland passt es für die Mehrheit ziemlich gut.

  8. „In Deutschland passt es für die Mehrheit ziemlich gut.“

    Da hab ich meine Zweifel.
    Alle Studien der letzten 20 Jahre zeigen übereinstimmend, dass Frauen relativ dicht an der Wunscharbeitszeit von etwa 30 h/s arbeiten, während Männer ziemlich weit von ihrer Wunscharbeitszeit entfernt sind (39 h).

    Hinzu kommt noch ein Faktor, von dem ich mir nicht sicher bin, ob der in dieser Studie eingepreist wurde.
    Männer würden am liebsten 39 h/s arbeiten, wurde festgestellt. Aber Männer unterliegen auch einem sozialen Druck, für die Familie sorgen zu müssen. Findet sich dieser Druck in den 39 h wieder, oder ist das wirklich die Idealarbeitszeit?
    Ich z.B. hätte keine Probleme mit einer Wochenarbeitszeit von unter 30 h, wenn ich nicht die Hauptlast der monatlichen Ausgaben hätte.

    Bei Frauen, die nur 21 h arbeiten und angeben, sie würden gern auf 30 h aufstocken, wäre die Frage interessant, ob und wieviel sie tun, um die höhere Stundenzahl zu erreichen.
    Es ist wie mit dem Rauchen. Jeder weiß, dass eine Reduzierung des Konsums vorteilhaft ist, bleibt aber trotzdem bei der konstant hohen Zahl an Kippen.

    • Ok, das war etwas unpräzise und bezog sich nur auf Frauen.

      Männer würden deutlich öfter ihre Arbeitszeit gern reduzieren als Frauen (44 gegen 36 Prozent). Und sie wünschen sich deutlich seltener eine längere Arbeitszeit (8 gegen 18) Prozent. Das ist ja auch irgendwie logisch, weil Männer viel mehr arbeiten als Frauen, im Durchschnitt. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen ist diejenige Gruppe am größten und knapp unter der absoluten Mehrheit, die keine größere Veränderung ihrer Arbeitszeit wünscht (47 bzw. 48 Prozent). Es ist schon eine plausible Annahme, dass Männer länger und mehr arbeiten, weil sie eben höhere Versorgungslasten zu tragen haben und diese Verantwortung auch annehmen. Aber da gilt auch, was umgekehrt für Frauen gilt: Das ist jedermanns eigene Entscheidung.

      • „Aber da gilt auch, was umgekehrt für Frauen gilt: Das ist jedermanns eigene Entscheidung.“

        In die ich auch gar nicht eingreifen will.
        Ich will nur auf eine mögliche versteckte Fehlerquelle in solchen Studien hinweisen.
        Man kann/soll die Studie so verstehen, dass ein großer Prozentsatz von Frauen mehr Stunden arbeiten MÖCHTE, aber durch den Arbeitsmarkt daran gehindert ist.
        Das ist so, als würde man einem, der angibt, ab dem nächsten Jahr nicht mehr rauchen zu wollen, schon heute als Nichtraucher zu verbuchen.
        Zu verkünden, dass eine Erhöhung der Stundenzahl vernünftig und sinnvoll ist, heißt nicht, dass sie auch ernsthaft angestrebt wird.
        Jedenfalls ist das in meinem Umfeld durch die Bank weg der Fall.
        So ad hoc kenne ich keine einzige Frau, die über die Erziehungszeit 20 – 30 h/s erwerbstätig war, diese nach dem Auszug der erwachsenen Kinder nennenswert erhöht hat.

        Auf der anderen Seite will uns die Studie vermitteln, dass Männer nur ein wenig von den Überstunden herunter wollen, dann hätten sie ihre W/L-Balance erreicht.
        Also alles prima.
        Ehrlicher wäre die Frage, wie viele Stunden sie idealerweise arbeiten würden, wenn sie frei von der Verantwortung als Haupternährer für die Familie oder (Ehe-)Frau sind.
        In dem Fall dürfte die ideale Stundenzahl vermutlich auch deutlich unter 39 h/s sein.

        Man kann auch mit echten Studien manipulieren.

  9. „25 Prozent sagen, dass sie sich mit ihrer Rente nicht mehr befassen, weil sie das Thema zu sehr deprimiert.“
    Dann aber 20 Jahre Witwenrente kassieren. Sehr deprimierend!
    Die Abhängigkeit vom Partner zahlt sich immer aus, das wissen die Frauen.

  10. Ich habe ein Problem mit dieser Regelung:
    „Ab kommendem Jahr haben viele Arbeitnehmer erstmals das Recht auf Brückenteilzeit – also auf eine zeitlich befristete Reduzierung ihrer Wochenstunden. Auch die Möglichkeiten, von einer bereits bestehenden Teilzeittätigkeit zurück auf Vollzeit zu gehen, wurden mit der Neuregelung verbessert.“

    Damit werden die Privilegien eines Arbeitnehmers mit einer Festanstellung zementiert, die Möglichkeiten für Personen ohne Job oder Personen, die einen anderen Job suchen, dann tatsächlich eine feste Stelle zu bekommen, werden dadurch reduziert. Denn ich als Arbeitgeber kann ja im Fall, dass ein Arbeitnehmer befristet in Teilzeit geht und ein Recht auf Rückkehr in eine Vollzeitstelle, diese Stelle nur befristet in Teilzeit besetzen. Ich halte diese Regelung für falsch.

    • Tja und du wirst es kaum glauben: ich als Betriebsrat (ich weiß: och, nicht so einer schon wieder…!) habe auch Bauchschmerzen mit dieser Sache, seit die ersten Debatten dazu in Berlin losgebrochen sind und seit die SPD das auch in den Koalitionsvertrag reingedrückt hat.

      Dass das Thema von „linken“ Parteien so euphorisiert undurchdacht und in gleicher Weise gar von Gewerkschaften unterstützt worden ist, dürfte wohl einzig daran liegen, dass es sich um ein Thema handelt, von dem in deutlicher Mehrheit Frauen „betroffen“ sind, die das, feministisch korrekt, natürlich alle gar nicht wirklich wollen und nur von patriarchalen Strukturen dazu gezwungen werden. Das Gefühl, diffus etwas „für Frauen“ zu tun, schaltet im „linken“ Lager inzwischen verlässlich die Hirne auf Standby.

      Sollte es nur möglich sein, Brückenteilzeit von Anfang an verbindlich und mit klaren Daten fixiert abzuschließen, könnte ich mitgehen. Das würde dann auch für Arbeitgeber zumindest Planungssicherheit mit sich bringen. Wenn das Gesetz aber auch gelebt werden kann, dass sich Arbeitnehmer quasi jederzeit nach Belieben umentscheiden können und Arbeitgeber dann per Gesetz damit zu leben haben, dann fände ich das fatal; und zwar vor allem für Arbeitnehmer.

      Da es sich, wie gesagt, bei den meisten „Betroffenen“ um Frauen handelt, wurden wohl nie irgendwelche Überlegungen angestellt, welche Konsequenzen aus einem solchen „rein inne Kartoffeln, raus ausse Kartoffeln“ erwachsen können. Arbeitgeber beschäftigen ja keine Leute aus Jux und Dollerei. Und wenn dann ein Arbeitnehmer in Teilzeit geht, hat das in der Regel zur Folge, dass da Arbeit, die der bislang erledigt hat, von jemand anderem übernommen werden muss. Was schon immer als Problem da war: Arbeitgeber stellt niemanden ein und die Arbeit wird einfach umverteilt, was zu Arbeitsverdichtung für alle Mitarbeiter führt.

      Neues Problem: Arbeitgeber stellt jemanden in Teilzeit ein, kann sich aber nie sicher sein, ob die ehemalige Vollzeitkraft nicht irgendwann wieder ankommen und dann per Gesetz die Rückkehr in Vollzeit einfordern könnte. Das würde bedeuten, dass der Arbeitgeber dem nachkommen MUSS und, sollte sich zwischenzeitlich nicht eine Steigerung des Gesamtarbeitsvolumens ergeben haben, eine betriebliche Kündigung des extra eingestellten Teilzeitmitarbeiters ausspricht. Um dem Prozedere vermehrter betriebsbedingter Kündigungen zu entgehen, wird dies sicherlich zu einer deutlichen Zunahme von befristeten Arbeitsverhältnissen und gewiss auch Anstellungen aus Arbeitnehmerüberlassung führen, also einer Zunahme von unsicheren bis prekären Arbeitsverhältnissen. Nichts davon könnte doch eigentlich ernsthaft im Sinne von Arbeitnehmervertretern sein.

      Nebenbei könnten derlei gesetzliche Zwangsvorgaben sich auch auf die Mitbestimmungsrechte von Betriebsräten auswirken. Wenn ein Kollege entlassen wird, weil ein anderer dessen Arbeit übernehmen soll, dann war das bislang immer ein ganz klarer Fall: der personellen Maßnahme, die zu der Übernahme der Arbeit des anderen Kollegen führen würde, wird die Zustimmung verweigert bzw. wäre der deutliche Hinweis darauf, dass da keine Arbeit entfallen sondern lediglich von jemand anderem übernommen worden ist, ein, bei Kündigungsschutzklagen auch für Richter, sehr gewichtiger Punkt, den man in einen Widerspruch zu der jeweiligen betriebsbedingten Kündigung formulieren würde.

      Wenn aber solche Maßnahme von Mitarbeitern ohne Rücksicht auf Verluste einklagbar werden, fallen für Betriebsräte eindeutig Möglichkeiten der Moderation solcher Zustände weg.

      • „Um dem Prozedere vermehrter betriebsbedingter Kündigungen zu entgehen, wird dies sicherlich zu einer deutlichen Zunahme von befristeten Arbeitsverhältnissen und gewiss auch Anstellungen aus Arbeitnehmerüberlassung führen, also einer Zunahme von unsicheren bis prekären Arbeitsverhältnissen.“

        Ich war an meinem letzten Arbeitsplatz auch BR, weil Firmenleitung und Personal sich immer wilder bekämpften.
        Und auch ich hatte große Kopfschmerzen mit der Gewerkschaftspolitik – genau aus den von Dir skizzierten Gründen.
        Wir hatten in der Fertigung NUR noch befristete Arbeitsverträge bei Neueinstellungen.
        Bei der Firma davor bestanden mindestens 80% der Mitarbeiter aus Arbeitnehmerüberlassungen, also Tagelöhnern.

        Ich bin heute überzeugt, dass BR und Gewerkschaften sich nur noch um die Absicherung der unter ihnen Beschäftigten sorgen, ggf. auch, indem sie Arbeitslosen den Zugang zum Arbeitsmarkt bewusst erschweren.
        Das ist mit Sicherheit auch ein Grund für den Verlust an Mitgliedern bei den Gewerkschaften, da können auch die jüngsten Abschlüsse bei der Bahn nichts dran ändern.

  11. Soziale GerechtigkeitsfanatikerInnen werden einwenden, dass Frauen sich nur unter dem Druck von (you name it) Verhältnissen so non-egalitär/unkorrekt äußern können. Sie werden jede Präferenz, die nicht in formalem Gleichsein (wollen, aka: Repräsentanz) resultiert, als repressiv-ernötigt denunzieren.

    Im Marxismus gab es noch die Vorstellung, dass man für quasi nicht-deformierte Bedürfnisse erstmal eine Umwälzung sämtlicher einschlägig verdächtiger Verhältnisse benötigt (Revolution, Kommunismus, etc.)

    Diese alten Kamellen werden heute als „Economic Marxism“ abgehakt, weil allseits gescheitert.

    (Die Einzelheiten erklärt einem bestimmt Putin gerne) Unsere heutige SJW-Atmosphäre hat gar keine Erinnerung mehr daran, dass noblere (also „egalitäre“) Bedürfnisse erst Frucht einer völlig anderen Gesellschaft sein sollten, sondern will einfach Dinge, die so hier und jetzt nicht gewollt werden:
    Mit aller Gewalt durchdrücken. Das wird dann als „Cultural Marxism“ bezeichnet.

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