Wie vermittelbar sind Mütter auf dem Arbeitsmarkt?

Aus dem Interview mit einem Jobvermittler:

Praktisch nicht vermittelbar sind leider auch Menschengruppen, die selbst wenig dafür können: Mütter und Leute über fünfzig finden kaum einen Job. Bei Müttern sehe ich die Politik in der Verantwortung. Deutschland ist ein Land, das in diesem Bereich noch steinzeitlich agiert. Wie soll eine Frau denn von neun bis 18 Uhr im Büro sein, wenn ihr Kind schon um 14 Uhr aus der Schule kommt? Richtig, das geht nicht.

Frauen rate ich, in einer Branche zu arbeiten, in der es nicht viel Konkurrenz gibt. Dort sind sie dann nicht so leicht austauschbar. Aber langfristig muss die Politik ran und eine verlässliche Kinderbetreuung schaffen, damit Mütter auch unabhängig von Männern ihren Lebensunterhalt verdienen können.

Ich vermute mal, dass es schwieriger wird, wenn sie lange aussetzen und wenn es um einen Job geht, bei dem man nicht pünktlich Schluss machen kann.

49 Gedanken zu “Wie vermittelbar sind Mütter auf dem Arbeitsmarkt?

  1. Bessere und längere Betreuung macht es dem Paar dann aber auch einfacher sich flexibel aufzustellen. Ich reiche just heute Antrag auf Verringerung der Arbeitszeit ein, weil ich meine Frau mit 40h eben nicht ausreichend unterstützen kann. Dank fordernder Jobs und beschissener Betreuung (7:30-14:30) müsste sich meine Frau sonst im Ausführen Ihrer Arbeit einschränken (ist wegen Arbeitsweg schon bei nur 25h) oder ich würde meine Kleine Abends häufig nicht sehen.
    Früh 30min mehr u nachmittags 30min mehr wären für uns wunder.

  2. Immer wieder der gleiche Schwachsinn!

    »damit Mütter auch unabhängig von Männern ihren Lebensunterhalt verdienen können.«
    Daß Väter auch nicht unabhängig von Frauen den Lebensunterhalt für sich, die Frau und die Kinder verdienen können, wenn nicht die Frau fürdie gemeinsamen Kinder da ist, kommt vielen garnicht mehr in den Sinn.

    Die Familie als Einheit, Kinder als Bereicherung?
    Daß viele Frauen nicht arbeiten gehen, weil sie es nicht müssen?
    Daß Frauen die Wahl haben, sich Zeit für ihre Kinder zu nehmen, statt 8 Stunden hinter irgendeiner Kasse zu sitzen?
    Daß der Mann nicht das Geld für sich, sondern für die Familie, also Frau und Kinder verdient?
    Nichts da, alles nur der Unterdrückung der ach so armen Frauen.

    Für Feministinnen ist eine Frau, die für ihre Kinder da ist, statt die Auswahl auf dem Arbeitsmarkt für Arbeitgeber zu vergrößern, nichts wert..
    Daß dadurch mehr Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, ohne daß dadurch nennenswert neue Arbeitsplätze entstehen, letztendlich also die Arbeitslosenzahl steigt, die Reallöhne sinken und immer mehr Männer wie Frauen in den Billiglohnsektor gedrängt werden, interessiert scheinbar nicht – oder ist das gar erwünscht?

    »Keine Frau sollte das Recht haben, zu Hause zu bleiben und die Kinder großzuziehen. Die Gesellschaft sollte völlig anders sein. Frauen sollten diese Wahl nicht haben, und zwar genau deshalb, weil, wenn es eine solche Möglichkeit gibt, zu viele Frauen sich dafür entscheiden würden.«
    – Simone de Beauvoir

    Zum anderen ist es aber auch ein Baustein um eine Gesellschaft zu zerstören.
    Weniger Einnahmen und mehr Ausgaben für den Staat.
    Weniger Zusammenhalt unter den Menschen.
    Kinder ohne Väter – oder gar gleich ganz ohne feste Bezugspersonen.

      • Stimmt, @Adrian, dank des Ehegattensplittings ist die Steuerlast gleich, aber das gilt nicht für die Sozialabgaben. Da zahlen Doppeltverdiener deutlich mehr, inklusive Arbeitgeberanteil, den der Doppelverdiener auch erwirtschaftet, reden wir ab 800€ Brutto von 40% – des Brutto- oder Nettolohns. Ein Haufen Geld!

    • Und wieso gibt es weniger Zusammenhalt unter Menschen, wenn Frauen für ihren Lebensunterhalt auch selbst aufkommen müssen?
      Und was meinst Du eigentlich mit „Zusammenhält“?

      • … das müsste Dir, als frauenverstehender, evolutionsbiologisch bewanderter, Schwuler doch völlig verständlich sein, @Adrian: es geht um den Zusammenhalt zwischen den Heteros, die gar nicht schnell genug ins Höschen des Anderen können und jenen, die es liebend gern zu ihrem Vorteil nutzen.

      • Bezieht sich zum einen nicht nur auf Erwerbstätigkeit.

        Das ständige Aufhetzen von Frauen gegen Männer, durch ständiges „Frauen werden (von Männern) unterdrückt“!
        Wenn hier wieder mal so getan wird, als ob Männer Frauen quasi verbieten würden arbeiten zu gehen, und Männer das Geld für sich verdienen und Frauen für Haushalt und Kindererziehung nichts bekommen würden!

        Und wenn Kinder kaum noch Zeit mit den Eltern verbringen, entsteht dadurch immer weniger ein familiärer Zusammenhalt!

  3. Das ist sehr merkwürdig. Ich kenne persönlich keine einzige Mutter die größere Probleme hatte wieder in den Job einzusteigen. Natürlich ist nicht jede Bewerbung ein Treffer, aber das ist ja auch eher selten.

    Hinzu kommt, dass du ja wieder in den Job einsteigen kannst (sofern der Vertrag nicht zwischendurch ausgelaufen ist).

    Dies bringt mich aber zu einer anderen Sache. In den letzten anderthalb Jahren sind in meinem Familien- und Freundeskreis 6 Kinder geboren worden. Und alle sechs Väter haben sich darüber beklagt, dass sie weniger Anrecht auf Elternzeit haben, als die Mütter. Möglicherweise wäre auch da ein Ansatzpunkt.
    Bei zweien ist es so, dass die Mütter ihre Elterzeit (entgegen der vorherigen Absprache) verlängern wollen. Was bei den anderen vieren ja noch kommen kann oder ich weiß davon nichts .

    Vor allem wirft das die Frage auf: Warum versucht man so händeringend die Menschen wieder _schnell_ in den Beruf zu kriegen. Wenn, meiner Ansicht nach, doch der Wunsch beder eltern zu sein scheint, so viel Zeit wie möglich mit dem Kind zu verbringen.

    Ich begrüße zwar durchaus den Willen die Optionen aller zu erweitern, aber ich denke auch, dass man sich darüber im Klaren sein sollte, dass ein Kind Zeit braucht und man eben nicht die Erziehung auf andere abwälzen kann.

    • Jeden Tag, den eine Mutter oder ein Vater zu Hause beim Kind verbringt, müssen andere für deren Unterhalt aufkommen. Insofern finde ich die Bemühungen, Eltern schnell wieder in Arbeit zu bekommen, betriebswirtschaftlich vernünftig.

      • Du meintest „volkswirtschaftlich vernünftig“?

        Ich möchte an der Stelle eine kurze & schon relativ alte Doku über ein paar der in Deutschland kriminalisierten Freilerner empfehlen:

        Von der zuerst-porträtierten Familie Dudek (damals zumindest 9-köpfig) heißt es explizit, sie lebte rein vom Kindergeld (ohne Leistungen nach SGB II zu erhalten also).

      • »Jeden Tag, den eine Mutter oder ein Vater zu Hause beim Kind verbringt, müssen andere für deren Unterhalt aufkommen.«

        1. Und jeden Tag, an dem sie arbeiten, zahlen dieses anderen für Arbeitslose, die die Stelle sonst bekommen hätten!

        Mütter, Hartz IV, Migration ….
        es wird immer irgendwie so getan, als gebe es genug Arbeitsplätze!
        Wir haben in Deutschland seit Jahrzehnten weitaus weniger freie Stellen als Arbeitslose.
        Was steigt, ist der Anteil derer, die im Billiglohnsektor arbeiten und zusätzlich staatliche Unterstützung brauchen, um überhaupt leben zu können. Und es scheint, als würde alles getan, um diesen Anteil noch zu steigern.

        2. Und jeden Tag, an dem sie arbeiten, zahlen diese anderen für die dafür nötige Kinderbetreuung!

        http://www.prabelsblog.de/2013/09/was-kostet-eigentlich-die-betreuung-im-kindergarten/
        https://petraraab.blogspot.com/2012/11/ein-kitaplatz-kostet-den-staat-pro-jahr.html

        3. Ergo:
        Mutter kümmert sich um die Kinder:
        – „andere“ zahlen Unterhalt für die Mutter.

        Mutter geht arbeiten:
        – „andere“ zahlen für die Person, die die Stelle sonst bekommen hätte (wenn Single, mehr als für die Mutter) – und zusätzlich
        – für die Kinderbetreuung.

  4. Man beachte den Anfang des Interviews. Der Mann vermittelt vor allem Juristen an Kanzleien und Unternehmen in der Managementebene.
    In diesem Bereich sind Menschen mit privaten Verpflichtungen eben schwer vermittelbar.

    • „Der Mann vermittelt vor allem Juristen an Kanzleien und Unternehmen in der Managementebene.“

      Und zwar bloß ca. 35 pro Jahr! Und davon kann der schon nach eigener Aussage „sehr gut“ leben… unglaublich eigentlich!

      Deutsche Krankenhaus-Hebammen zum Vergleich _müssen_ (vertraglich festgelegt) bei mehr als 3 mal so vielen Geburten jährlich assistieren – ohne sich dafür auch „sehr gut“ entlohnt fühlen zu dürfen.

      Headhunter, die Hebammen (wieder-)finden (und zur Job-Rückkehr motivieren könnten), würden übrigens tatsächlich gebraucht… in dem dargestellten Fall besteht die Arbeitserleichterung für das Unternehmen dagegen womöglich nur im nicht-überflutet-werden von Bewerbungen?

      • Headhunter arbeiten meistens auf Provisionsbasis, ausgehend vom zukünftigen Jahresgehalt des Vermittelten.
        Nur mit vermittelten Hebammen könnte der Headhunter vermutlich auch nicht so wirklich gut leben.
        Insofern ist dein Genöle mal wieder ziemlich sinnfrei.

        • Das Satzzeichen versteht Angebot und Nachfrage nicht.
          Hat sie nie.
          Wird sie nie.
          „Hat verdient, weil Frau“ ist die Oberkante an Komplexität, die wir erwarten können.

          • Also mein Stand ist: das Angebot an fertig-ausgebildeten Juristen (beispielsweise) ist riesig und übersteigt prinzipiell & schon recht lange die Nachfrage nach solchen, und zwar um mehr als das doppelte. (Wobei man natürlich sehen muss, dass hier der entsprechende „Bedarf“ stetig künstlich von der Politik – praktischerweise als Beruf auch besonders häufig von Juristen ausgeübt – erhöht wird, Stichwort DSGVO als jüngstes Beispiel)

            Anders verhälts sich aber eben bei z.B. Hebammen… weshalb die Beauftragung eines Headhunters für die Personal-Akquirierung in so einem wirklich elementar wichtigen Beruf mit akutem Personalmangel (der seit Jahren vielerorts zur Schließung von Kreißsälen führt und damit die medizinische Grundversorgung erheblich gefährdet) volkswirtschaftlich sicher noch Sinn machte.

          • Die Hebamme als Beispiel ist jetzt nicht gerade günstig gewählt, der eklatante Mangel in dem Ausbildungsberuf doch mehr mit der massiven Änderung Haftung gerade im freiberuflichen Bereich zu tun hat und viele Ihre freiberufliche Tätigkeit aufgrund dieser und den damit verbundenen Versicherungsprämien vorzeitig aufgegeben haben.
            Der notwendige Nachwuchs ist nicht ausgebildet worden und die älteren waren für eine Rückkehr in einer Festanstellung mit den vorgegebene Schichtplänen nicht zu gewinnen.

          • Oh, es ist sogar ein perfektes Beispiel für diesen Thread.

            „Wurden im Jahr 2011 laut Statistischem Bundesamt etwa 663.000 Babys in Deutschland geboren, waren es fünf Jahre später bereits 792.000. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Hebammen, die in Krankenhäusern arbeiten, zwar um 800 auf etwa 9300 angestiegen, allerdings arbeiten von ihnen knapp drei Viertel in Teilzeit. Auch von den mehr als 13.000 freiberuflichen Hebammen arbeiten viele in Teilzeit. …

            „Wer als Hebamme Kinder hat, kann kaum zu 100 Prozent arbeiten, weil sich Zwölf-Stunden-Dienste zu jeder Tageszeit, an Wochenenden und Feiertagen nicht mit der Kinderbetreuung vereinbaren lassen.“ Vor allem im Sommer und im Dezember kämen die Kliniken an ihre Grenzen, sagt Kiel. In diesen Zeiten müssten viele Hebammen notgedrungen Urlaub machen, weil Kitas und Schulen geschlossen hätten. …

            Unternehmen wie Maternita in Berlin unterstützen Schwangere und junge Mütter, indem sie für sie Hebammen, Gynäkologen, Kinderärzte oder auch Baby-Fotografen suchen. Sie helfen ihnen mit Eltern- und Kindergeldanträgen. Das kostet natürlich, 85 Euro zahlen Eltern bei Maternita allein für die Suche nach einer Hebamme, wird eine erfolgreich vermittelt, kommen 50 Euro Erfolgsprämie hinzu. Call a Midwife, ebenfalls aus Berlin, verlangt für drei Monate Standby-Rufbereitschaft 139 Euro. …

            Christiane Bossong arbeitet seit 30 Jahren als Hebamme in Idstein im Rheingau-Taunus-Kreis. Sie weiß, wie sich die Arbeitsbedingungen verändert haben. „Immer weniger Frauen bewerben sich für eine Hebammenausbildung, weil die Arbeitsbedingungen so schlecht geworden sind“, sagt sie. „In unserem Beruf findet ein Generationswechsel statt. Viele Hebammen sind nicht mehr bereit, sich in hohem Maße selbstlos einzusetzen. Die Work-Life-Balance ist ihnen wichtiger.“ Aber vor allem die steigende Haftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen würde viele abschrecken. …

            Seit diesem Jahr dürfen freiberufliche Beleghebammen in der Regel nur noch zwei Frauen gleichzeitig bei der Geburt betreuen – und ihre Leistungen dafür abrechnen. Der Gedanke dahinter sei gut, sagt Hebamme Silvia Kiel, so soll eine Eins-zu-zwei-Betreuung etabliert werden. Doch die Praxis sehe anders aus. „Wenn eine Frau vor mir steht, der schon das Blut an den Beinen runterläuft, dann kann ich sie nicht wegschicken, das ist unterlassene Hilfeleistung. Ich behandele sie selbstverständlich, bekomme aber kein Geld dafür und mache mich sogar strafbar, wenn ich sie länger als eine Stunde betreue und meine Leistung bei der Krankenkasse einreiche.“ …

            wie sieht es bei festangestellten Hebammen aus? „Sie verdienen mit 2700 Euro brutto im Monat viel zu wenig“, sagt Birgit Seelbach-Göbel, Präsidentin der DGGG.“

            http://www.spiegel.de/karriere/geburtshilfe-warum-es-in-deutschland-nicht-genug-hebammen-gibt-a-1194402.html

            „An einem gewöhnlichen Arbeitstag kümmere ich mich um bis zu vier Geburten. Für jede bereite ich den Kreißsaal vor, beruhige die Mutter, sorge in der Pressphase dafür, dass sie richtig atmet und die Stellung hält. Ich massiere ihr im Wehenschmerz den Rücken, halte ihre Hand und spreche ihr Mut zu. …

            der erste Dank der Eltern richtet sich wie immer an den Arzt, der seit zwei Minuten im Kreißsaal ist. Die fehlende Anerkennung schmerzt. Eine Hebamme darf eine Geburt ohne einen Arzt durchführen, ein Arzt jedoch niemals eine Geburt ohne uns.

            Die ganze Gesellschaft schaut über uns hinweg. Bringt der Gesundheitsminister das Pflegestärkungsgesetz auf den Weg, spielen Hebammen explizit keine Rolle. Muss in Krankenhäusern gespart werden, macht die Geburtsstation oft als erstes zu. Wenn wir demonstrieren, schließt sich kaum jemand anderes an. Wollen wir streiken, ernten wir verachtende Blicke statt Solidarität. …

            Frauen, deren Fruchtblase geplatzt ist, müssen immer weitere Wege zur nächsten Geburtsstation zurücklegen. Nicht selten werden sie abgewiesen, weil alle Kreißsäle belegt sind. Kurz vor der Entbindung müssen sie quer durch die Stadt fahren, um einen Platz zu finden. Im Kreißsaal angekommen, ist das Stresslevel dann enorm hoch. Dazu gibt es immer mehr ältere Schwangere, also mehr Risikoschwangerschaften, die eine besondere Betreuung brauchen. Die Ansprüche der Eltern steigen. Viele entscheiden sich für einen Kaiserschnitt, ohne zu bedenken, welche Folgen das haben kann. Es werden häufig Kaiserschnitte gemacht, die es nicht braucht.

            Gleichzeitig steigt die Klagefreudigkeit – sowohl der Eltern als auch der Krankenkassen. Läuft bei der Geburt etwas schief, kann ich haftbar gemacht werden. Man kann sich nicht sicher sein, dass die Klinik einem dabei hilft. Diese Angst läuft bei jedem Gang in den Kreißsaal mit.

            Trotz der Verantwortung und des enormen Drucks ist die Bezahlung schlecht. Ich arbeite in einem großen Krankenhaus, Vollzeit, Schichtdienst, trotzdem reicht das Geld oft vorne und hinten nicht. Seit Langem schon möchte ich mit meinem Partner und unserem Kind in eine größere Wohnung ziehen, nur leisten können wir uns das nicht. Schon der Kauf eines größeren Sofas würde unser Budget sprengen. An die klapprige Spülmaschine und den alten Herd mag ich gar nicht denken. Mein größtes Hobby ist eigentlich auf Konzerte zu gehen. Aber ein Ticket für über 100 Euro? Das ist einfach nicht möglich. Ich gehe zum Discounter statt zum Supermarkt und achte überall auf den Preis.

            Um meinem Kind etwas bieten zu können, arbeite ich zusätzlich freiberuflich in der Wochenbettbetreuung. Zehn Stunden pro Woche bereite ich Eltern auf die Geburt vor und betreue sie auch nach der Schwangerschaft. All das macht mir Freude, weil mir diese Bindung zu den Eltern im hektischen Klinikalltag fehlt. Die Rechnungen bezahlt es nicht. …

            Mehr als 1000 Euro pro Jahr muss ich als kleingewerbliche Hebamme bezahlen – nur für die Versicherung zur Berufshaftpflicht. Gleichzeitig schwankt die Auftragslage. Der Verdienst ist gering, meistens bleiben nach Steuern nur 250 bis 400 Euro monatlich übrig. Dafür muss ich jeden Schritt dokumentieren, jede Leistung quittieren lassen. Belege sammeln, ein Fahrtenbuch führen und die Steuererklärung machen. Da kommen wöchentlich mehrere unbezahlte Arbeitsstunden hinzu.

            Meine freiberuflichen Kolleginnen, die nicht noch zusätzlich fest im Krankenhaus arbeiten, haben es besonders schwer. Sie zahlen in Vollzeit das Achtfache meiner Versicherungsprämie und müssen immer flexibel sein. …

            Viel soll sich für uns Hebammen verändern – egal ob freiberuflich oder fest. Ich bin mir nur nicht sicher ob zum Guten. Ab 2020 sollen alle Hebammen studiert haben, so will es eine EU-Richtlinie. In Städten wie Bochum, Osnabrück, Fulda und Berlin gibt es den Studiengang bereits. Einerseits ist das gut, weil dann vielleicht unser Ansehen steigt und Hebammen dann in die Forschung gehen können. Andererseits ist es absurd. Niemand braucht den Hörsaal, um später im Kreißsaal zu arbeiten. Die Generation vor mir hat zwei Jahre gelernt, ich drei, die kommende soll vier Jahre studieren – die Arbeit bleibt die gleiche. Der Hebammenberuf ist ein Handwerksberuf. Er lebt von der Erfahrung, die man nur in der Praxis bekommt. Wäre ich Hebamme geworden, wenn ich dafür hätte studieren müssen? Ich bin nicht sicher.“

            https://www.zeit.de/campus/2018-11/hebamme-beruf-karriere-gehalt-einkommen-mangel-geburt-bezahlung/komplettansicht

          • Es ist kein gutes Beispiel, den der Preis für die Leistung ist über die Gebührentabelle festgelegt, das steht sogar in dem von Dir zitierten Teil des Spiegel Artikels.
            Es regelt die Nachfrage somit auch nicht den Preis, was eigentlich erfolgen würde wenn die Anzahl derer, die die Leistung anbieten nicht reicht um die Nachfrage zu decken.
            Wenn ein Krankenhaus im Rahmen der Quersubvention noch ein bisschen was aus der Tasche zaubern kann, kann das die selbstständige Hebamme nicht, denn die rechnet ja direkt mit der Krankenkasse ab.

            Selbst die Änderung der Haftungslage hat an der Gebührenordnung meines Wissens nicht wirklich was geändert und somit können die höheren Kosten auch nicht an den Kunden weitergegeben werden.

            Das ein selbstständiger oder kleingewerblich Tätiger seine Belege sammeln und eine Steuererklärung machen muss, dass ist jetzt nicht wirklich eine besondere Schikane für Hebammen, sondern ist einfach eine Teil dieser Beschäftigungsart.

            Das die Dienstleistung vielfach eben nur als Kleingewerbe oder Teilzeit angeboten wurde erklärt eben auch, warum viele da einfach aufgehört haben, der Aufwand hat die Kosten nicht mehr gedeckt und eine Preisanpassung war nicht möglich.
            Hinzu kommt, dass das Finanzamt eine Tätigkeit mit nicht nachweisbarer Gewinnaussicht auch gerne schnell als Hobby deklariert und dann zählen zwar noch die Einnahmen, nur die Verluste werden dann ausgebucht und sind Rückwirkend zu versteuern. Da spätestens hat der Partner der den Verlust deckelt dann schnell keine Lust mehr.

          • »„Hat verdient, weil Frau“ ist die Oberkante an Komplexität, die wir erwarten können.«

            Wie sagte doch jüngst die Feministin Sabrina Simmons auf dem Bundeskongress der SPD JUSOS:
            »Und die Grundrechte, das Menschenrecht, gilt zuerst mal für die Frau – und dann für alles andere!«

          • Also für „ordinäre“ Personalvermittler zumindest ist die Entlohnung auch gesetzlich geregelt.
            Einmal über die Vermittlungsgutscheine (max. 2500 Euro) und auch die Honorarrechnungen, die (evtl.) die erfolgreich in Stellen gebrachten Arbeitnehmer aus eigener Tasche begleichen, sind bei max. 2000 Euro gedeckelt.

          • „Also für „ordinäre“ Personalvermittler zumindest ist die Entlohnung auch gesetzlich geregelt.
            Einmal über die Vermittlungsgutscheine (max. 2500 Euro) und auch die Honorarrechnungen, die (evtl.) die erfolgreich in Stellen gebrachten Arbeitnehmer aus eigener Tasche begleichen, sind bei max. 2000 Euro gedeckelt.“

            Zwar ist jeder Headhunter ein Personalvermittler, aber nicht jeder Personalvermittler ist ein Headhunter.
            Mario hat schon recht damit, dass Headhunter auf Provisionsbasis arbeiten.
            Headhunter heißen so, weil sie von Firmen damit beauftragt werden, für bestimmte Stellen Spitzenkräfte anzuwerben.
            Und wenn VW über so einen Headhunter einen Manager bei Opel abwirbt, dann kannst Du sicher sein, dass der sich nicht mit 2.000 € abspeisen lässt.
            Durchaus nicht unüblich sind zwei Jahresgehälter der vermittelten Spitzenkraft. Daher haben die Headhunter auch ein Interesse, dass die Angeworbenen möglichst hohe Einstiegsgehälter fordern/bekommen.

            Es ist also durchaus glaubhaft, wenn so ein „Personalvermittler“ behauptet, von zwei, drei Vermittlungen im Jahr leben zu können.

          • „Durchaus nicht unüblich sind zwei Jahresgehälter der vermittelten Spitzenkraft.“

            Das halt ich nu aber doch nur für ein Gerücht…
            Doch selbst wenn der Jobvermittler hier (auch) bloß 2000 Euro pro besetzter Stelle bekäme, bescherten die angegebenen 35/36 Klienten im Jahr ihm mit rund 6000 Euro ein Monatseinkommen, welches den Meisten Berufstätigen wahrscheinlich nichtmal im Traum einfiele zu fordern.

          • Die Hebamme als Beispiel ist jetzt nicht gerade günstig gewählt

            Eigentlich ist das Beispiel sogar perfekt.
            Angebot und Nachfrage regeln den Markt.

            Um Millionen Diesel-Fahrer zu bescheißen, braucht man hochbezahlte Manager.
            Hebammen braucht keiner, Geburt „funktioniert“ auch ohne. Und das schon seit Jahrtausenden. 😉

  5. Schon im ersten Satz wird deutlich wo es Probleme gibt –
    Frauen nach der Elternzeit und Männer über 50 (hauptsächlich)
    bekommen keine Arbeitsstelle. Nur das bei Männer über 50 meist auch noch
    die Familie mit dranhängt – also ein noch größeres Übel. Wir sollen bis 67 arbeiten, werden aber
    schon mit Ü50 aussortiert. Die Erfahrung wird mutwillig weggeschmissen. Man kann das sehr gut in einigen Industriezweigen sehen. Rente mit 58 und dann suchen sie verzweifelt, wenn es wieder besser läuft, Fachkräfte. Genau für diese beide Gruppen muss es Anreize und Gesetze geben, daß sie am Arbeitsleben teilhaben können. Ich kenne eine Person knapp über 50 hoch qualifiziert, die sich auf „niedere“ Positionen beworben hat und nicht genommen wird weil „überqualifiziert“. Aber eigentlich
    hat der Arbeitgeber nur Angst, daß ältere Arbeitnehmer häufiger krank werden könnten, was gerade in Bürojobs so nicht laut Statistik stimmt.
    Bitte nicht nur die eine Gruppe wieder fördern und die Andere noch mehr abhängen !!

    • „Wir sollen bis 67 arbeiten, werden aber schon mit Ü50 aussortiert.“

      Auch wenn mir mein Gefühl sagt, dass Altersdiskriminierung in dem Bereich, für den der interviewte Headhunter rekrutiert, keine so große Rolle spielt, ist sie natürlich generell auch ein Problem.
      (Spoiler: für Mütter noch mehr als für Männer. Fun-fact: bei Müttern hängt auch Familie mit dran…).

      „Rente mit 58“

      Wann hat der ganze Vorruheständler-Wahnsinn eigentlich angefangen (also ich mein die Etappe vor der Einführung der immernoch recht beliebten sogenannten „Altersteilzeit“, in der man weiter Vollzeit arbeitet, um dann ein paar Jahre vor der staatlichen Rente in die „Ruhephase“ einzutreten)?

      „Ich kenne eine Person knapp über 50 hoch qualifiziert, die sich auf „niedere“ Positionen beworben hat und nicht genommen wird weil „überqualifiziert“.“

      Sicher, dass es nicht primär am Niveau seiner Lohnforderungen lag?

      • „Sicher, dass es nicht primär am Niveau seiner Lohnforderungen lag?“

        Nur sehr bedingt.
        Du kommst meist gar nicht erst zu einem Gesprächt, wo Du Forderungen stellen könntest.
        Hinzu kommt, dass eine Fachkraft an sich einen bestimmten Wert hat und entweder nicht eingestellt wird, weil ihr Wert an sich zu hoch ist, oder weil sie weniger fordert, als sie branchenüblich wert ist. Denn dann muss sie offensichtlich unfähig sein.

  6. Die Forderung nach Unabhängigkeit ist ideologisch und unsinnig, mit Kindern bindet man sich, dafür gibt es Familien. Ich bin ein entschiedener Gegner von Ganztagsbetreuung. Wozu schafft man sich Kinder an, wenn man sie dann sowieso den ganzen Tag abgibt? Das macht einfach keinen Sinn.

    • Die meisten Mütter, die ich kenne, arbeiten übrigens Teilzeit, meine Frau auch. Das hängt vermutlich primär von der Qualifikation und der allgemeinen Jobsituation ab.

    • „Wozu schafft man sich Kinder an, wenn man sie dann sowieso den ganzen Tag abgibt? Das macht einfach keinen Sinn.“

      Zumal die Fremdbetreuung systemisch bedingt schon erheblich teurer sein muß, als das normale Aufwachsen in der Familie. Da kann die durchschnittliche Arbeitsleistung der Mütter vermutlich nicht mal ansatzweise gegenhalten.
      Und von schlechterer Qualität ist sie per se.

      Bleibt als entscheidende Frage nur:
      Cui bono?

  7. Bin im öD tätig. Hier ist es kein Problem nach der Elternzeit wieder in den Beruf einzusteigen. Auch bei der Gestaltung der Teilzeit ist der Arbeitgeber sehr entgegen kommend.
    Erfreulich dass immer mehr männliche Kollegen die Elternzeit in Anspruch nehmen. Wir haben auch immer mehr Männer in Teilzeit oder Telearbeit.
    Schade, aber in der freien Wirtschaft ist dass so noch nicht überall möglich.
    Mein Mann ist als Handwerker in einer kleinen Klitsche angestellt, und sein Chef hat Schnappatmung bekommen, als mein Mann die Arbeitszeit verringern wollte.
    Es sollte beiden Elternteilen möglich gemacht werden die Arbeitszeit zu kürzen, um mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen.

    • Ja, das ist auch ÖD, dafür verdient man auch entsprechend weniger.

      Wenn Männer in Elternzeit gehen verlieren sie entsprechende Jahre an Berufserfahrung, und kommen evtl. nicht in ihrer Karriere weiter. Die Frau zuhause ist damit dann wieder unzufrieden, obwohl sie selbst es war, die ihn dazu gebracht hat.
      Sorry, aber bei dem Thema hör ich nicht auf Frauen, ihr übernehmt dafür später keine Verantwortung.
      Das es Frauen auch so geht… Ja, sicher. Ihr könnt nicht beides haben. Kind oder Karriere. Und ich empfehle eher Kind, erfahrungsgemäß sind Frauen todunglücklich wenn sie im Alter niemanden haben.

      Und das der Chef deines Mannes Schnappatmung bekommt, wenn er die Arbeitszeit verringern will…. Natürlich, wer macht denn sonst die Arbeit? Ein Handwerksbetrieb kann es sich kaum leisten einfach Ersatz einzustellen.

      Ich bin mittlerweile eher Verfechter klassischerer Rollenmodelle. Warum? Weil es funktioniert. Das wir nicht mehr die Hausfrauenehe aufrechterhalten können ist eher positiv zu sehen, die Automation des Haushaltes macht diese schlichtweg überflüssig. Arbeiten müsst ihr so oder so.

      • „Ein Handwerksbetrieb kann es sich kaum leisten einfach Ersatz einzustellen“

        Vor allem: Die finden keinen. Handwerk hat derzeit quasi keinen Nachwuchs und es fehlt an allen Ecken und Enden.

      • „Wenn Männer in Elternzeit gehen verlieren sie entsprechende Jahre an Berufserfahrung, und kommen evtl. nicht in ihrer Karriere weiter. Die Frau zuhause ist damit dann wieder unzufrieden, obwohl sie selbst es war, die ihn dazu gebracht hat.“

        Hängt von der Frau ab, ich arbeite Teilzeit und bereue es nicht. Schon wegen der Kinder. Wer überlässt seine Kinder komplett der Frau? Weibliche Erziehungsarbeit in Ehren, aber ohne Vater, fehlen da dann meist doch eine Menge Anregungen.

        Allerdings gehen meine „Karrieremöglichkeiten“ ohnehin nur in Richtung Personalverantwortung, was ich nicht ansatzweise möchte, und wir haben beide kein Problem damit, auf kleinerem finanziellen Fuß zu leben.

        Alle getrennten Ehen in meinem Bekanntenkreis sind welche, in denen der Mann Vollzeit arbeitete. Logisch, denn die Frau gewöhnt sich an die Abwesenheit (und fühlt sich vernachlässigt und unverstanden) des Mannes und auf die finanzielle Unterstützung muss sie nach der Trennung auch nicht verzichten.

    • @Nesrin:
      „Wir haben auch immer mehr Männer in Teilzeit oder Telearbeit.
      Schade, aber in der freien Wirtschaft ist dass so noch nicht überall möglich.“

      Das liest sich als ob Du denkst, das wäre möglich, ha ha!

  8. „Wie soll eine Frau denn von neun bis 18 Uhr im Büro sein, wenn ihr Kind schon um 14 Uhr aus der Schule kommt?“

    Such dir einen Mann der für dich die Care-Arbeit übernimmt und Teilzeit schuftet während du dich deinem Vollzeitberuf nach kurzer Auszeit widmen kannst. Schwer draufzukommen, aaa?

  9. Mütter und Leute über fünfzig finden kaum einen Job.

    Wobei gerade Mütter über 50 schon wieder ein paar Vorteile als Arbeitnehmer haben:
    * Kein unkalkulierbares Ausfallrisiko durch von Schwangerschaft und Elternzeit.
    * Keine kleinen Kinder mehr, deren Versorgung schwierig mit Arbeitszeiten vereinbar ist.
    * Nach den Wechseljahren keine hormoninduzierten Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit mehr.
    * Mütter sind häufig relativ gelassen und verträglich.
    * Mütter haben i.A. erweiterte organisatorische Skills (meine Schwester sagte mal, sie hätte sich zusätzliche Arme wachsen lassen, seit sie Kinder hat).
    * Bei älteren Frauen sind keine unerwünschten Wechselwirkungen mit männlichen Kunden oder Kollegen zu erwarten. Keine Avancen an Vorgesetzte, kein #metoo.
    * ..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.