Selbermach Samstag 216 (01.12.2018)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen

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Gewalt in Beziehungen: Individuelle Gründe und Paardynamiken vs. strukturelle Gründe und patriarchale Gesellschaft

Lucas Schoppe hat einen gewohnt guten Artikel zum Jahresbericht Beziehungsgewalt  (dazu auch hier) geschrieben.

Daraus eine Passage, die ich gerne besprechen möchte:

Wenn Giffey den Eindruck erweckt, häusliche Gewalt sei wesentlich ein geschlechtsspezifisches, nämlich männliches Problem – dann geht sie über wesentliche Forschungen zur häuslichen Gewalt hinweg und beschneidet damit die bestehenden Möglichkeiten, diese Gewalt einzudämmen.

Häusliche Gewalt kann auf persönliche Faktoren zurückgeführt werden (etwa auf ein großes Kontrollbedürfnis, auf Verlassensängste oder auf routinierte Schuldzuweisungen an andere), aber auch auf eine ungünstige Beziehungsdynamik. (dazu z.B. Julia C. Babcock et.al, Entwicklung der Misshandlung, S. 290f.) Hier stellt die Forschung wiederholt fest, dass eine Gewaltdynamik im Zusammenhang mit einer dysfunktionalen Kommunikation des Paares steht – und Verbesserungen der Kommunikation können erheblich zur Vermeidung weiterer Gewalt beitragen (z.B. Noeller, 182, Babcock, 290)

Gescheitert ist hingegen das Duluth-Modell, das häusliche Gewalt als männliche Gewalt beschreibt, in der sich patriarchale Strukturen der Gesellschaft ausprägten. (Babcock, 278ff.) Der Gewaltdynamik einer Partnerschaft wird dieses Modell ebenso wenig gerecht wie den spezifischen persönlichen Faktoren, die zur Gewalt beitragen.

Giffey hingegen wählt sich die Daten, auf die sie sich bezieht, so aus, dass sie häusliche Gewalt als männliche Gewalt beschreiben kann. Dass der angebliche Anstieg der Gewalt „auch“ durch das Hinzufügen „neuer Deliktarten“ zu erklären wäre, ist zudem bestenfalls irreführend.

Das scheint mir in der Frage, wie man Gewalt verhindert, und gerade auch in der Debatte mit dem intersektionalen Feminismus eine der wesentlichen Frage zu sein: Wie könnte man überhaupt weitere Gewalt verhindern?

Im Feminismus wird dabei üblicherweise darauf abgestellt, dass man die gesamte Gesellschaft ändern muss, weil die patriarchalen Strukturen, die männlich geprägte Gesellschaft, schuld daran ist. Die Männer müssen die toxische Männlichkeit aufgeben, die Gesellschaft insgesamt umgestalten, erst wenn die disbezüglichen Strukturen beseitigt sind, dann wird auch die Gewalt enden.

Dem gegenüber steht ein Modell, wo nicht Gruppen- oder Gesellschaftliche Strukturen angenommen werden, sondern individuelle Probleme oder schlechte, auf die jeweilige Beziehung ausgerichtet Beziehungsstrukturen. Damit wird auch der Weg frei dafür, dass man individuelle Anteile an Verantwortung vergeben kann, etwa die Frau, die auf äußerst dominante und brutale Männer steht und immer wieder auch Streits mit diesen provoziert oder die Frau, die genau weiß, wie sie ihren Partner immer wieder provoziert (aber natürlich auch den Macho, der mittels Gewalt seine Partnerin unter Kontrolle halten will oder die Frau, die ihren Partner schlägt).

Der zweite Ansatz verhindert, dass man das Problem generell auf eine Gruppe herunterbricht und einseitig von dieser Verbesserung fordert. Er ist daher mit Theorien aus dem intersektionalen Feminismus nur schwer in Einklang zu bringen, weil dieser ein einfaches Gut-Böse Schema nach Gruppe benötigt.

Sicherlich wird man zu einem gewissen Teil auch beide Ansichten verbinden können: Weil die Gesellschaft auf eine bestimmte Weise gestaltet ist zeigen sich bestimmte Typen häufiger. Aber die absoluten Theorien des Feminismus scheinen mir in ihrer absoluten Form sehr unwahrscheinlich. Zumal sie eben auch nicht erklären, warum es so viel Gewalt auch gegen Männer oder in lesbischen Beziehungen gibt.

Dennoch wäre es gut, die Ansichten etwas mehr zu untermauern. Schoppe führt da ja auch ein paar Quellen an, die mir aber eher allgemein zu sein scheinen. Hat jemand da mehr zu? Was wären die Argumente für die eine bzw die andere Variante?