Pinkstinks noch einmal dazu, dass der Feminismus Männern nicht schadet

Nils von Pinkstinks hat noch einmal einen Artikel dazu, ob der Feminismus Männern schadet:

Er stellst zuerst auf die ab, die nur darauf aus sind zu beleidigen und meint, dass man mit denen nicht reden kann.

Dann führt er an:

Etwas anderes sind Menschen, die Feminismus aus diversen Gründen für unzureichend, unaufrichtig oder einfach nur eine schlechte Idee halten. Das scheint mir ebenso legitim wie meine Überzeugung, dass Feminismus eine richtig gute Idee ist. Darüber kann man reden. Gerne auch streiten. Und dann schauen, wer am Ende den zwanglosen Zwang des besseren Arguments auf seiner oder ihrer Seite hat. Mich interessiert an dieser Stelle ganz besonders die Auseinandersetzung mit Männern, die Feminismus bestenfalls für albern, schlimmstenfalls für eine ungerechte politische Ideologie halten. Damit kann ich etwas anfangen. Aus meiner Sicht lohnt es sich, mit einem Mann wie George Lawlor zu diskutieren, der sich 2015 weigerte an einem Seminar über Einvernehmlichkeit teilzunehmen, weil er es als Beleidigung empfand.

Ich würde mich nicht zu der ersten Gruppe zählen und habe ja auch schon mit Nils diskutiert. Was ich etwas unaufrichtig an seiner Antwort hier finde, nach der man ja einfach mal Argumente austauschen kann, dass er da eine Diskussionsbereitschaft unterstellt, die so tatsächlich nicht besteht. Meist werden Diskussionen abgebrochen oder eben auch schon mal auf dem Blog gelöscht. Über bestimmte Punkte kann man dort kaum erfolgreich diskutieren. Und selbst die Kritik an sich wird ja gerne verfremdet dargestellt: Im Feminismus gibt man beispielsweise in staatlich unterstützten Aktionen ungern zu, dass Leute wie Dawkins oder Pinker erhebliche und nachhaltige Kritik üben und auch Leute wie Peterson werden eher als Zerrbild dargestellt als tatsächlich mal auf seine Argumente einzugehen.

Auch sein Beispiel, welches dann folgt, macht deutlich, dass man nur sehr oberflächlich diskutieren will:

Es lohnt sich darüber ins Gespräch zu kommen, dass ein Vergewaltiger eben doch so aussehen kann wie er. Oder wie ich oder jeder andere Mann, weil die Täter aus allen Teilen der Gesellschaft stammen und die Taten häufig im sozialen Nahbereich stattfinden.

Das heißt eben nicht, alle Männer als Täter vorzuverurteilen, sondern die Dimension von sexualisierter Gewalt anzuerkennen. Sexualisierte Gewalt verschwindet nicht dadurch, dass man(n) dazu lediglich festhält, selbst nie etwas Derartiges zu tun.Das gesellschaftliche Klima, das sexualisierte Gewalt ermöglicht, normalisiert und verharmlost wird nicht weniger oder inexistent, weil man(n) die Augen davor verschießt oder nicht so genau hinschaut.  Im Gegenteil: Dadurch wird sie noch zementiert.

Da stellt er ja bereits etwas hochkontroverses dar, was bereits erheblich angegriffen wird. Und das eben ohne auf die Kritik daran einzugehen.

Welche Nachweise bestehen denn für ein solches gesellschaftliches Klima und wie stark ist das Problem tatsächlich ausgeprägt?

Diese Diskussion verletzt dann wahrscheinlich schon wieder zu viele Tabus um für Pinkstinks führbar zu sein.

Deshalb sollte man wenn möglich die Dinge auch nicht auf sich beruhen lassen. Man sollte jemanden wie Henryk Broder nicht damit davonkommen lassen, dass er Autorinnen, die Rape Culture in Deutschland benennen und kritisieren, wünscht, sie mögen doch vom IS nach Rakka eingeladen werden, „um zu erfahren, was Rape Culture bedeutet„. Sondern es bei jeder sich bietender Gelegenheit als Beispiel für eben jene Rape Culture anbringen, weil hier Frauen nichts anderes als eine konkrete Vergewaltigung an den Hals gewünscht wird, um ihre angeblich politisch naiven oder unliebsamen Überzeugung zu korrigieren. Das macht man übrigens ganz gerne in Deutschland. Selbst wenn vorgetäuscht wird, gegen derartige Übergriffe zu protestieren.

Sicherlich ist die Formulierung des Arguments mit einem Wunsch nicht angebracht. Aber dennoch sollte man auf das Argument dahinter eingehen, welches eben sagt:

Eine tatsächliche Rape Culture findet man in ganz anderen Ländern, es geht Frauen nirgendwo besser und sie sind nirgendwo sicherer als in westlichen Ländern. Diese daher als Hochburg des Patriarchats aufzubauen, den weißen heterosexuellen westlichen alten Mann als den ultimativen Bösen darzustellen, geht an der Sache vorbei. Natürlich kann man dann einem „Die sind aber noch schlechter“-Argument entgegenhalten, dass es entweder nicht stimmt, was man dann ausdiskutieren muss und bei dem aus meiner Sicht die Gegenposition eher schwerer zu vertreten ist, oder man kann ihm entgegenhalten, dass es auch hier eben noch schlimm genug ist, schlimmer als es sein dürfte und dann muss man darüber diskutieren können, inwiefern man Gewalt in einer Gesellschaft weiter reduzieren kann und welche Faktoren dafür zu verändern sind. Auch darum drücken sich Feministen gerne oder bauen Positionen auf wie „Eine Tat gegen eine Frau wäre schon zuviel“.

Und dann schauen wir, was am Ende übrig bleibt. Ist der Feminismus etwa dafür verantwortlich, dass an Kriegshandlungen aller Art zumeist Männer beteiligt sind und diesen auch mehrheitlich zum Opfer fallen? Ist der Feminismus daran schuld, dass mehr Männer als Frauen Selbstmord begehen? Dass sie weniger häufig das Sorgerecht erhalten als ihre Ex-Partnerinnen? Mitnichten! Kriegshandlungen hatten schon lange vor dem Feminismus als politische Kraft ein Geschlecht. Dass Männer innerhalb des Male Depression Konzepts hilfloser und aggressiver als Frauen werden, hat etwas mit toxischer Männlichkeit zu tun. Und die Vorstellungen darüber, wer für die Betreuung eines Kindes zuständig zu sein hat und wer bloß Aushilfskraft sein kann, ist gesellschaftlich fest verankert.

Der Feminismus ist sicherlich nicht die Ursache dafür, wobei die Haltung, dass Männer nicht diskriminiert sein können und jede Hilfe für sie quasi Ressourcen von Frauen wegnimmt, sicherlich auch im Feminismus verbreitet ist und insofern schon Hilfe behindern kann.

Ich hatte hier schon einen Artikel genau zu diesem Thema, bei dem das näher aufgeschlüsselt worden ist.

Problematischer ist, dass Feminismus eben als Wurzel aller Probleme eben bestimmte Menschengruppen nach Geschlecht und Hautfarbe etc sieht. Das ist aus meiner Sicht der größte Vorwurf, der dieser Identitätspolitik zu machen ist.

Wenn wir das mit dem Feminismus wirklich durchziehen würden, dann stünde am Ende eine Gesellschaft, in der Männer nicht aufgrund ihres Geschlechts keine Schmerzen kennen dürften und keine Opfer sein könnten. Sie könnten davon berichten, dass ihre Partnerin ihnen Gewalt antut, und man würde ihnen glauben, anstatt sie auszulachen und ihnen ihre Männlichkeit abzusprechen. Sie würden in puncto Sorgerecht von Anfang an genauso in die Verantwortung genommen wie Frauen und in einem etwaigen Gerichtsverfahren auch so behandelt. Sie würden nicht qua Geschlecht als gewalttätiger, kriegslüsternder, triebgesteuerter und emotionsloser gelten. Sie würden nicht dafür angefeindet werden, Männer zu lieben und zu begehren.

Da habe ich meine Zweifel, denn alle diese Fragen werden ja im Feminismus nicht umgesetzt. Im Gegenteil, wenn man Probleme von Männern nennt, dann wird man im Feminismus Spott und Zorn ernten, whataboutismus Vorwürfe erhalten und es wird angeführt werden, dass man nur Angst vor starken Frauen etc hat oder das man eben seine toxische Männlichkeit aufgeben, alle Vorstandsposten aufgeben und gleichen Lohn für Frauen ermöglichen soll, dann würden sich diese Probleme quasi von selbst lösen.

Feminismus schadet Männern? Ich sage, der Schaden ist schon längst angerichtet: Wir gehen kaputt, wir distanzieren uns bis zur Unkenntlichkeit von unseren eigenen Gefühlen, wir fügen viel zu viel Leid zu und sterben früher als wir müssten. Wer darauf Bock hat, nur zu. Alle anderen sollten vielleicht in Betracht ziehen, dass Feminismus für genau diese Probleme ziemlich interessante Lösungen bietet.

Ich distanziere mich nicht bis zur Unkenntlichkeit von meinen Gefühlen, ich füge auch kein Leid zu.

Und welche Lösungen sollte der Feminismus da bieten? #killallmen wird unser Leben nicht verlängern und #menaretrash wird nicht dazu führen, dass man unsere Gefühle mehr beachtet.