Berliner Frauen-Feiertag

 

Der Gender Pay Gap und seine Ursachen: Berufswahl macht 15 Prozentpunkte des GPG aus, Bereinigung auf 2% möglich

Ein interessanter Bericht in der Zeitschrift EFArbeitsrecht legt noch einmal ein paar Faktoren zum Gender Pay Gap dar. 

Die Leser hier können mich gerne eines Besseren belehren), stellen sich ketzerische Fragen. Zum Beispiel: Wenn Frauen für die gleiche Arbeit wirklich ein Fünftel weniger Lohn bekommen – warum stellen die Unternehmen dann noch Männer ein? Sind die – in der Diktion der nahestehenden Denkschulen – Firmen, die sonst jede Gelegenheit nutzen, ihren Profit zu maximieren, zu doof, diese Chance zu sehen?

Das ist ja das alte Argument, auf welches es aber von der anderen Seite auch keine wirklich gute Reaktion gibt. Allenfalls: Die sind eben zu sexistisch. Was dann aber ja bedeuten würde, dass eine schlaue Person ohne diese Vorurteile in jedem personalintensiven Bereich mit nicht bereits überwiegend weiblicher Arbeitnehmerschaft die Konkurrenz unterbieten könnte, wenn sie meint, dass es stimmt.

Wenn es wirklich nur um die Lücke geht, habe ich einen konstruktiven Vorschlag: Senkt die Löhne!

Ja, richtig gelesen. Natürlich nicht überall, aber in der Metall- und Elektro-Industrie. Denn bei M+E arbeiten zu 80 % Männer. Und das durchschnittliche Einkommen in der Branche liegt bei 56.400 Euro im Jahr (!). Wenn wir in der Metallindustrie nun die Löhne um 20 Prozent senken würden, würde der Gender Pay Gap von 21 auf knapp unter 16 % sinken!

Das finde ich schon erst einmal einen erstaunlichen Anteil im Gender Pay Gap: Wenn in den Berufen mit vielen Männern und guten Verdienst der Lohn gesenkt wird, dann würde das noch immer keiner Frau mehr Geld bringen, aber plötzlich wäre die Welt gerechter.

Die Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt. Es ermittelt den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer und stellt ihn dem Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmerinnen gegenüber. Diese Berechnung ergibt den Unterschied von aktuell 21 Prozent.

Allerdings: Diese Berechnung vergleicht gerade nicht betrieblich vergleichbare Tätigkeiten miteinander. Die politischen Kampagnen verwechseln (wohl bewusst) die gesamtdeutsche volkswirtschaftliche Statistik mit der konkreten Verdienstsituation in jedem einzelnen Betrieb.

Die Betrachtung im Detail durch das statistische Bundesamt zeigt unter anderem:

  • Bei bis zu 25-jährigen liegt diese unbereinigte Entgeltlücke bei nur 2 Prozent, erst ab 40 steigt er auf über 20 Prozent.

Auch eine gute Zahl um sie jungen Feministen vorzuhalten, die meinen, sie würden weniger verdienen.

  • In Ostdeutschland liegt der Unterschied bei 7, im Westen bei 24 Prozent.

Und das trotz eines inzwischen gleichen Systems. Und lauter „Nazis“ im Osten, also einer sehr unfeministischen Ausgangslage.

  • Bei Vollzeitbeschäftigten sind es 20, bei geringfügig Beschäftigten nur 1 Prozent.

Das es bei geringfügig beschäftigten nicht viel Abweichung gibt ist klar, viele dort erhalten schon den geringsten Lohn, da es meist Arbeiten mit geringer Qualifikation sind.

  • Nur sehr geringe Unterschiede gibt es nach Betriebsgrößen oder nach Tarifbindung.

Auch interessant: Selbst eine Tarifbindung scheint den GPG nicht zu stören. Das Patriarchat ist eben mächtig.

  • Betrachtet man die Branchen, schneidet der Wirtschaftszweig „freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen“ mit 32 Prozent Unterschied am schlechtesten ab – und „Verkehr und Lagerei“ mit 3 Prozent am besten.

Ich vermute mal, dass in dem Bereich zum einen die Qualifizierung auf bestimmte Bereiche und auch die Bereitschaft zu Überstunden etc sich besonders auswirken. Wenn etwa der Architekt, Steuerberater, Arzt oder Rechtsanwalt länger macht, noch bis spät Patienten, Kunden etc aufnimmt, dann kann er eben auch besonders viel verdienen, um so mehr, wenn er hochqualifiziert ist.

Tatsächlich erklärt das Statistische Bundesamt selber, dass die „unbereinigten“ Zahlen keine Aussage über die Entlohnung vergleichbarer Arbeit ermöglichen. Deshalb wird die bereinigte Lücke ermittelt: Bei ihr werden vergleichbare Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiographien betrachtet. Dann liegt der Unterschied bei nur noch 6 Prozent.

Und auch da muss man sich eben bewußt machen, dass man einen Unterschied nicht mit Diskriminierung gleichsetzen kann, es bleibt erst einmal nur ein Unterschied, der auf einer Vielzahl von Faktoren beruhen kann, deren Grundlagen das statistische Bundesamt beispielsweise nicht in seinen Zahlen hat.

Skandal genug, sagt die Gleichstellungsindustrie. Allein, selbst zu diesen 6 Prozent sagt das Statistische Bundesamt ausdrücklich: „Ein Maß für Diskriminierung von Frauen stellt der bereinigte Gender Pay Gap allerdings nicht dar. So können einige Merkmale, die eine zusätzliche Erklärungskraft in das Modell einbringen könnten, aufgrund fehlender Daten nicht berücksichtigt werden. Beispiele hierfür wären Erwerbsunterbrechungen zur Kindererziehung oder das individuelle Verhalten in Lohnverhandlungen“.

Und noch viele weitere Faktoren, etwa die Bereitschaft für Mehrarbeit besser bezahlt zu werden oder sich in einem Wettbewerb um eine bessere Stelle zu stürzen, die Bereitschaft für einen besseren Job eine länger Fahrzeit in Kauf zu nehmen, die Bereitschaft sich zusätzlich zu qualifizieren, auch wenn das erhebliche Zeit kostet etc.

Forschungen (etwa des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln oder des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts) ergänzen genau diesen Punkt: Insbesondere längere, familienbedingte Auszeiten wirken sich aus. Betrachtet man zum Beispiel Arbeitnehmerinnen, die sich von ihren männlichen Kollegen lediglich in dem Punkt unterscheiden, dass sie eine Babypause von maximal 18 Monaten gemacht haben, schrumpft der Entgeltunterschied auf nur noch 2 Prozent zusammen.

Und da sind wir bei en 2%, die eben auch noch nicht das Ende der Fahnenstange sein müssen, da es weitere Faktoren geben kann. 18 Monate bei zwei Kindern wäre allerdings aus Sicht vieler auch schon relativ sportlich, wäre interessant, wie viele Kinder dann vorhanden waren und ob die Anzahl der Kinder oder die Frage, wer sie dann letztendlich betreut hat, auch eine gewichtige Rolle spielen würde.

 

Wenn es denn eine „Teilzeitfalle“ geben sollte, dann liegt sie bei den fehlenden bedarfsorientieren Kinderbetreuungsangeboten, wenn es politischen Handlungsbedarf gibt, so liegt er ebenfalls hier – und nicht zuletzt: wenn es Empörungsbedarf gibt, so liegt er ebenfalls an dieser Stelle.

Zusammengefasst: Von den 21 Prozent entfallen 15 Prozent Unterschied auf das Berufswahlverhalten, weitere 4 Prozent auf familienbedingte Auszeiten. Konsequenterweise hat Gesamtmetall statt des „Equal Pay Days“ den „ehrlichen Equal Pay Day“ ausgerufen – und der fand 2017 am 7. Januar statt.

15% entfallen auf das Berufswahlverhalten, das ist ja wirklich ein enormer Wert. Und durchaus korrigierbar. Frauen müssen eben „nur“ andere Berufe wählen.

Frauen entscheiden sich nach wie vor ganz überwiegend gegen technische Berufe. Nur in Ostdeutschland waren auch technische Berufe üblich, dort sind auch beispielsweise die Verfügbarkeit und (nicht zu vergessen!) die gesellschaftliche Akzeptanz von frühzeitiger, ganztägiger Kinderbetreuung eine andere – das mag zu einem guten Teil erklären, warum die unbereinigte Lücke im Osten deutlich kleiner ist als im Westen.

Wobei es auch an den allgemein niedrigeren Löhnen liegen dürfte.

Werfen wir einen genaueren Blick auf das Berufswahlverhalten.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wendet sehr viel Aufwand und Geld auf, jungen Mädchen die M+E-Berufe als Alternative schmackhaft zu machen. Dennoch: In der Metall- und Elektro-Industrie liegt der Anteil der Frauen ziemlich konstant bei 20 Prozent, der Anteil an Auszubildenden in den technischen M+E-Berufen bei lediglich 8 Prozent. Trotz aller objektiven Vorteile – kürzere Arbeitszeit, flexible Arbeitszeitmodelle, beste Aufstiegsmöglichkeiten und hoher Verdienst schon ab der Ausbildung– entscheiden sich junge Frauen weiterhin für andere Branchen.

Die Ursachen dürften in anderen Interessen liegen:

In der Liste der beliebtesten Ausbildungsberufe finden sich bei Männern sieben M+E-Berufe unter den Top 15. Bei Frauen kommt der erste technische M+E-Beruf auf Platz 41! Bei den für die Branche wichtigen Ingenieurstudiengängen lag der Frauenanteil bei Studienanfängern 2016 im Fach Elektrotechnik bei 16,3 %, der beim Maschinenbau 21,2 %.

Hier wäre also eine gute Gelegenheit zum Aufholen, bei denen schlicht die Frauen ihr Verhalten ändern müssten und insbesondere die einzelne Frau mit einer Entscheidung bereits viel für ihren persönlichen Gender Pay Gap machen könnte.

Der Artikel beleuchtet die verschiedenen Berufswahlen noch genauer, insofern auch den Artikel an sich noch einmal anschauen.

Siehe auch: