Darwins „Entstehung der Arten“ wurde vor 159 Jahren veröffentlicht

12 Gedanken zu “Darwins „Entstehung der Arten“ wurde vor 159 Jahren veröffentlicht

    • Die Arbeiten von Emmy Noether zu Symmetrie und Erhaltungssätzen, ganz klar. Die hat sie zwar, soweit ich weiß, nicht als Buch publiziert, aber die dahintersteckende Erkenntnis ist ähnlich tiefgreifend wie bei Evolutions- und Relativitätstheorie.

      Das Noether-Theorem besagt:
      Zu jeder stetigen Symmetrie (Nichtänderung der Naturerscheinungen bei stetiger Veränderung eines Parameters) gehört eine physikalische Größe, die erhalten bleibt.

      Einfachstes Beispiel:
      Zeitliche Konstanz der Naturgesetze Energieerhaltung.
      („“ : notwendig und hinreichend für…)

      Würde sich z. B. die Gravitation zeitlich ändern, ließe sich Energie aus dem Nichts erschaffen: 1. Wasser in das Oberbecken eines Pumpspeicherwerks heben; 2. warten, bis die Gravitation stärker geworden ist; 3. es wieder herablassen — die Turbinen würden dank größerer Gewichtskraft bzw. Lageenergie mehr Elektrizität freisetzen, als die Pumpen beim ersten Schritt benötigten.

      Ähnliches gilt für Verschiebungsinvarianz und Impuls-, Rotationsinvarianz und Drehimpulserhaltung.

      Die Verbindung von Symmetrie und Erhaltungssätzen ist ein zentrales Grundmerkmal unseres Universums. Einstein bezeichnete Emmy Noether als „talentierteste Wissenschaftlerin, seit die höhere Ausbildung für Frauen begonnen hat“.

      Ein Vortrag von mir, in dem dieses Thema auch vorkommt:

      Leider mit *sauschlechtem* Sound — sorry. Hier das Material zum Download: http://www.mediafire.com/file/jw4s5ykdn097ydb/Material-Vortrag-Berlin-cbase-FH.zip

      Für Maskulisten sollte übrigens auch der erste Teil meines Usernamens interessant sein — wenn sie sich vor Augen halten, wievielen (männlichen) Kohlekumpeln und Soldaten im 1. Weltkrieg (mittels mobiler Röntgenstation) diese Dame das Leben gerettet hat. Zu ersterem Punkt hat auch Lise Meitner entscheidend beigetragen. (Zwar wird auch Uran teils unter fragwürdigen Bedingungen gewonnen, aber um 2000 Tonnen Kohle zu ersetzen, braucht es eben nur *1 kg* Uran oder Thorium. Außerdem arbeiten rund 50% aller modernen Uranminen mit In-Situ-Leaching, bei dem das Uran mit einem frackingartigen Verfahren aus den Gesteinen gelöst wird, so dass überhaupt keine Bergleute und Stollen mehr benötigt werden.)

  1. Charles Darwin fühlte sich dabei so, als habe er einen Mord gestanden. So in der Art hat er das jedenfalls einmal ausgedrückt.

    Seine Evolutionstheorie hat das Weltbild, das die Menschen vorher von der Natur hatten, grundlegend auf den Kopf gestellt, grundlegend in Frage gestellt. Menschen haben so etwas nicht gerne, sie revidieren nicht gerne ihr bisheriges Weltbild, denn sie fühlen sich unwohl und unsicher, wenn sie liebgewonnene, vertraute Vorstellungen von der Welt revidieren sollen.

    Seine Theorie ist eine der großen Meilensteine bei der Entwicklung von der tiefgläubigen, mittelalterlichen Gesellschaft hin zur modernen, aufgeklärten Gesellschaft.

    Heute noch kämpfen Strenggläubige gegen die Evolutionsbiologie an – dabei spricht diese gar nicht gegen jeglichen Glauben, sondern nur gegen wörtliche Auslegungen heiliger Schriften. Gut, generell wirkt die Evolutionstheorie auch ansonsten „glaubensdämpfend“, macht den Glauben für die, die ihn noch haben, zu einer größeren intelektuellen Herausforderung. Aber so ist das nun einmal, dass in einer modernen, aufgeklärten Wissengesellschaft der Glaube nicht mehr derart unhinterfragt ist und über allem steht wie im Mittelalter.

    Es sind aber nicht nur die Strenggläubigen, die mit dem Fach Biologie auf Kriegsfuß stehen. Feministinnen und Gendersens mögen dieses Fach ebenfalls nicht, lassen es auf z.B. Facebook zensieren (!), versuchen, die biowissenschaftlichen Fachbereiche zu unterwandern und üben einen Einfluss auf den Biologieunterricht aus, den sie niemals ausüben dürften.

    Das Ganze ist ziemlich gefährlich: Die Nazis missbrauchten das Fach Biologie für ihre Zwecke, gerade auch in den Schulen. In der damaligen Sowjetunion grassierte der Lyssenkoismus (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Lyssenkoismus).

    Der Kreationismus und der Genderismus sind gute Beispiele dafür, wie sehr selbst heute noch das Fach Biologie dadurch bedroht ist, von pseudowissenschaftlichen und teils gefährlichen Spinnern okkupiert zu werden. Der Genderismus ist dabei eine vom Staat, der Politik und den Medien massiv protegierte Ideologie, zu deren Gunsten sogar zensiert wird.

    Das Problem, das Charles Darwin hatte, gibt es also selbst heute noch: Mit der Biologie stehen viele auf Kriegsfuß. Das gilt nicht nur für die Gendersens, sondern ist generell beim Geschlechterthema oft anzutreffen, besonders bei Frauen, die von biologischen Wahrheiten über die Geschlechter oft nichts wissen wollen. Das Fach wird oft mit der Steinzeitkeule oder gleich der Naziideologie in Verbindung gebracht. Sie kommen sich dabei modern vor, wenn sie biologischen Erklärungen über die Geschlechter ablehnend gegenüberstehen, dabei verhalten sie sich in dem Punkt ähnlich wie die tiefreligiösen Gegner Darwins im 19. Jahrhundert oder die Anhänger Lyssenkos im 20. Jahrhundert.

    • Das Mittelalter war nicht so rückständig und vernunftfeindlich, wie viele heutzutage denken. Die formale Logik, ohne die moderne Mathematik, Informatik, Physik und Philosophie unmöglich wären, wurde von mittelalterlichen Mönchen auf Basis der Arbeiten von Aristoteles ausgearbeitet.
      Wirklich intolerant und brutal wurde die Kirche erst in der frühen Neuzeit. Hexenprozesse, Inquisition, etc. kamen in der Renaissance auf. Die letzten Hexenprozesse wurden im 18. (!) Jahrhundert geführt.

  2. Es gibt da noch einige Werke, die das Weltbild grundlegend veränderten.

    De revolutionibus orbium coelestium (lateinisch für Über die Umschwünge der himmlischen Kreise) ist das Hauptwerk von Nikolaus Kopernikus, das 1543 in Nürnberg erstmals gedruckt wurde. Er beschrieb darin ein mathematisch-naturphilosophisches Modell, gemäß dem sich die Planeten einschließlich der Erde um die Sonne bewegen und die Erde sich um ihre eigene Achse dreht.

    • Ich war im Sommer in den Gemäuern in Allenstein, in denen er auf diese „revolutionibus“-Gedanken kam.

      Weit ab von den damaligen „wissenschaftlichen Zentren“, irgendwo in der preußischen „Pampa“, wollte er „lediglich“ einen einigermaßen verlässlichen Kalender-Termin für die Tag- und Nacht-Gleiche ausrechnen. Mehr nicht.

      Als ich mir dies in jener Umgebung noch mal vergegenwärtigte, wurde mir schon ziemlich anders im Gemüt…

  3. Ja, eines der allerwichtigsten Bücher.

    Vergisst man allzu leicht: auch der bescheidene und selbsttestende Stil ist dafür ein Grund, wenn auch kein rein sachlicher 🙂

    Eine echte Grundlage, die Darwin geschaffen hat. Leider viel zu wenig gelesen. Also: lesen, wenn noch nicht gemacht! 😉

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