Was schuldet man seinen Eltern?

In einem Artikel hinter einer Bezahlschranke lässt sich der folgende Anriss lesen:

SPIEGEL: Frau Bleisch, Sie schreiben in Ihrem Buch, dass wir unseren Eltern nichts zurückgeben müssen. Warum nicht?

Bleisch: Beziehungen können nur gelingen, wenn wir aufhören aufzurechnen. Schuldgefühle verbinden nicht, sie trennen. Natürlich schulde ich jeder Person – meinem Nachbarn oder Ihnen oder einem Fremden –, dass ich sie respektvoll behandle. Aber allein aus der Tatsache, dass wir jemandes Tochter oder Sohn sind, ergibt sich keine Pflicht. Natürlich haben wir in guten Beziehungen immer Grund, uns umeinander zu bemühen. Erst recht in so einer speziellen Beziehung wie der zwischen Eltern und Kindern.

Das finde ich durchaus eine interessante Frage: Was schuldet man seinen Eltern? Sicherlich kann man hier Fälle bilden, bei denen sie eben rein biologische Eltern waren, dass Kind zur Adoption freigegeben haben und man nichts außer den Genen von ihnen hat. Da ist die Schuld in der Tat nicht vorhanden.

Wenn sie einen groß gezogen haben und einen versorgt haben, dann sieht es sicherlich anders aus. Insbesondere würde ich sagen, dass man auch keinen zu harten Maßstab anlegen sollte: Auch Eltern sind nur Menschen und machen sicherlich auch Sachen falsch, werden älter und wunderlicher.

Wie würdet ihr es sehen?

67 Gedanken zu “Was schuldet man seinen Eltern?

  1. Bin deiner Meinung. Dass man den Eltern nichts schuldig ist, ist eine völlig degenerierte Sicht- und Denkweise. Sowas könnte man sagen, wenn wir alle aus der Retorte kämen und von Robotern aufgezogen würden.

    • Was schuldet man seinen Eltern? Sicherlich kann man hier Fälle bilden, bei denen sie eben rein biologische Eltern waren, dass Kind zur Adoption freigegeben haben und man nichts außer den Genen von ihnen hat. Da ist die Schuld in der Tat nicht vorhanden.

      Amazin

  2. Eine Verpflichtung gegenüber den Eltern beruht nicht auf der leiblichen Abstammung, sondern darauf, was die Eltern in der Kindheit alles für das Kind getan haben, wie sie es aufgezogen haben, wie sie es in seiner Jugend unterstützt haben.
    Wer von seinen Eltern vorrangig Gutes erfahren hat, sollte ihnen dafür dankbar sein und sich ggf. revanchieren.

    • Man nimmt ja viele Sachen, die Eltern für einen machen, als sehr selbstverständlich hin. Weil sie eben aus der biologischen Bindung erfolgen, die normale Eltern haben sollten.
      Da verkennt man theoretisch, wie viel sie meist für einen gemacht haben. Und eben auch, dass sie daneben eigene sorgen und wünsche hatten, als Paar funktionieren mussten, das Geld verdienen mussten etc.

      • Man hält wohl, bis zu einem gewissen Maße, nicht nur viele Sachen welche sie für einen gemacht haben, sondern auch viele Sachen die sie mit einem gemacht haben, für normal.
        Das Erste ist es auch. Ich wünsche jedem das Individuum hinter dem ‚Objekt‘ Vater/Mutter zu erkennen, gehört sicherlich zum erwachsen werden dazu (wenn man mal weise werden will zumindest). Die meisten werden eine Schuld spüren und sich beim betreten des Altenheimes unwohl fühlen.
        Mein Traum wäre, neh ist hier egal …

        Zweiteres ist wohl häufig tricky und erschütternd.
        Die in Gesetze oder Normen gegossenen Schulden, werden wohl viel zu oft dazu geführt haben, das Elternteile krampfhaft versuchten durch ein Kopfkissen zu atmen.
        In dem Zusammenhang finde ich es immer wieder eklig, wenn auch heute und hier, Elternmörder automatisch als besonders verwerflich gelten.

        Kann sein, muss aber nicht.

        Meine Mutter sollte man mir nicht zur Pflege aufzwingen.

        Hab ich ihr auch schon mitgeteilt.

    • Ich würde (euch) ja prinzipiell und gerne zustimmen. Fällt mir aber dann doch nicht ganz so leicht vor dem Hintergrund, dass ich keine Wahl hatte.

      Haben dich deine Eltern gefragt, ob du gezeugt und geboren werden möchtest? Ich vermute mal nein.
      Insofern ist oder war das Kinderkriegen reines Privatvergnügen der Eltern und somit schulden ihnen Kinder absolut nichts. Ganz im Gegenteil, die Eltern sind alleinig in der Pflicht, für ein gut behütetes, sicheres Aufwachsen zu sorgen.
      Rein moralisch gesehen steht man natürlich in der Pflicht, sich nach erfolgreicher „Aufzucht“ zu revanchieren und sich am Lebensabend um seine Eltern zu kümmern. Das scheint sich ja auch Jahrhunderte bis einige Tausend Jahre bewährt zu haben und war mal ein mehr oder weniger gut funktionierendes Rentenmodell (ist es eigentlich heute noch).

      Rein auf die Sachebene heruntergebrochen schuldet man seinen Eltern aber nichts. Man hatte ja schließlich keine Wahl.

      • Wie hätten meine Eltern mich denn fragen können, wenn ich noch gar nicht existiere?
        Man kann’s mit der Consent-Einforderung wirklich übertreiben.

        Ich bin meinen Eltern dankbar und ehre sie dafür, dass sie mich aufgezogen haben, mir viel Gutes getan haben, und dabei wohl auch so manches Opfer haben bringen müssen.
        Dass sie mich gezeugt und geboren haben, ist dagegen nebensächlich. Bei Adoptiveltern würde ich das genauso halten.

        • „Man kann’s mit der Consent-Einforderung wirklich übertreiben.“

          Marios Lebenseinstellung ist schon – freundlich ausgedrückt – etwas merkwürdig, finde ich.

          „Ich bin meinen Eltern dankbar und ehre sie dafür, dass sie mich aufgezogen haben, mir viel Gutes getan haben, und dabei wohl auch so manches Opfer haben bringen müssen.“

          Gut, das kann ich bei meinen Eltern nicht uneingeschränkt unterstreichen. Aber, längst selbst Vater, weiß ich, dass man auch das Produkt seiner eigenen KIndheit ist und diese auf die Erziehungsbemühungen ausstrahlt. Das relativiert Vieles, was ich meinen Eltern früher vorgeworfen hatte. Manches hätte besser klappen können, aber ich gehe davon aus, dass sie sich nach bestem Wissen und Gewissen bemühten. Und mehr kann ein Kind nicht erwarten.

          Rechtlich schuldet man ihnen im Bedarfsfall übrigens durchaus Betreuung – und auch Unterhalt.
          Ansonsten tendier ich dazu, eine grundsätzliche moralische Schuld zu verneinen. Das Kind kann nichts dafür, dass es geboren wurde.
          Wo man sich moralisch sieht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

          • Marios Lebenseinstellung ist schon – freundlich ausgedrückt – etwas merkwürdig, finde ich.

            Danke.
            Ich finde es nicht weniger merkwürdig, wenn man eine Verpflichtung aus moralischen Gründen ablehnt.
            Unsere Gesetze, die eine rechtliche Verpflichtung zu Betreuung und Unterhalt für die Eltern einfordern, ergeben sich übrigens aus den Moralvorstellungen, die du ablehnst. 😉

            @Anne:

            Wie hätten meine Eltern mich denn fragen können, wenn ich noch gar nicht existiere?
            Man kann’s mit der Consent-Einforderung wirklich übertreiben.

            Es spielt vom Grundsatz her keine Rolle, ob sie dich fragen konnten oder nicht. Sie haben es nicht getan. Eine Verpflichtung kann u.a. nach den Moralvorstellungen unserer Gesellschaft natürlich bspw. per Gesetz festgelegt werden. Das tut der Staat natürlich auch, damit die Kosten nicht von der Allgemeinheit getragen werden müssen. (Für mich in einem Solidarsystem nicht ganz nachvollziehbar, zumal Kinderlose ja auch versorgt werden.)

            Der Regelfall bei (gegenseitigen) Verpflichtungen sollte aber der sein, dass sich jemand aus freiem Willen zu einer Leistung verpflichtet bzw. eine Pflicht übernimmt. Und eben diese freie Entscheidung können und haben die Eltern dementsprechend nicht von ihren Kindern eingeholt.
            Warum sie dann zu irgendetwas verpflichtet sein sollten, erschließt sich mir nicht.

          • „(Für mich in einem Solidarsystem nicht ganz nachvollziehbar, zumal Kinderlose ja auch versorgt werden.)“

            Das hatten wir hier schon mehrfach heftig diskutiert. Dass es hier einen logischen Bruch zu Lasten der Eltern/Kinder gibt, sehe ich genauso.

            „Unsere Gesetze, die eine rechtliche Verpflichtung zu Betreuung und Unterhalt für die Eltern einfordern, ergeben sich übrigens aus den Moralvorstellungen, die du ablehnst.“

            Ich habe sie nicht abgelehnt. Ich habe nur festgestellt, dass es eine gesetzliche Pflicht gibt. Prinzipiell ist das ja auch ok, solange es eben mehr oder weniger alle betrifft.
            Das war zu der Zeit, als diese Gesetze geschaffen wurden, auch noch der Fall. Aber seit den 70ern des letzten Jahrhunderts stehlen sich immer mehr Menschen aus dem System, während die Eltern deren Belastung mittragen müssen.
            Jetzt fangen wieder die Kinderlosen an zu toben 😀

          • Die Annahme, dass der Staat ein selbstlose Veranstaltung ist halt ich schon für irgendwie drollig.
            Wer sich die Sozialgesetzgebung ansieht, dem sollte schnell klar werden, dass der Staat immer zuerst versucht sich schadfrei zu halten solange er nur irgend jemanden findet dem er darstellen kann, dass es irgendeinen Grund gibt warum er Ihn in Regress nehmen kann.

            Was die Thematik betrifft, dass die Eltern nicht gefragt haben, da sollte doch klar sein, dass einem die Eltern das Leben überhaupt ermöglicht haben, was jeder einzelne damit anfängt bleibt ab einem gewissen Zeitpunkt Ihm überlassen. Wer damit nicht einverstanden ist das er ein Leben hat, keine Problem, dass kann jeder für sich sehr schnell lösen (aber bitte keine anderen damit behelligen wie z.B. Lokführer).

          • Sagen wir mal so: Wenn mir jemand (meine Eltern oder sonst wer) viel Gutes getan hat, d.h. unterstützt hat bei Angelegenheiten, die in meinem Interesse liegen, so werde ich ihn auch nicht im Stich lassen, wenn er mich einmal braucht.
            Das sehe ich eher als Loyalität denn als Verpflichtung oder Einlösen einer Schuld.

            Ich habe derzeit ja auch ein .. sagen wir .. etwas angespanntes Verhältnis zu meinen Eltern. Das wissen die aber gar nicht, weil ich mich um des lieben Friedens willen lieber zurückhalte, als mit ihnen deswegen zu streiten.
            Man muss nicht alle Meinungsverschiedenheiten thematisieren.

          • „Sagen wir mal so: Wenn mir jemand (meine Eltern oder sonst wer) viel Gutes getan hat, d.h. unterstützt hat bei Angelegenheiten, die in meinem Interesse liegen, so werde ich ihn auch nicht im Stich lassen, wenn er mich einmal braucht.
            Das sehe ich eher als Loyalität denn als Verpflichtung oder Einlösen einer Schuld.“

            Ich denk, das umschreibt es am besten. Es ist keine Frage zwischen Eltern und Kindern, sondern zwischen Partnern. Es betrifft nur eben besonders oft diese Partnerschaften, weil sie sich mehr als andere durch kompromissloses Füreinandereinstehen auszeichnen.

            „Man muss nicht alle Meinungsverschiedenheiten thematisieren.“

            Besonders, wenn ihre Ursache Jahre oder Jahrzehnte zurückliegt.

            Meine Mutter und ihre Schwester liegen sich noch heute über Kreuz wegen eines Streits vor fast 70 Jahren. Dieser Konkurrenzkampf zweier Schwestern hat sich wie ein roter Faden durch deren ganzes Leben gezogen – und keine will nachgeben.

          • Meine Eltern sind mir insofern Vorbild geworden, als ich lernte, wie ich es mit meinen Kindern garantiert NICHT machen würde.

    • Rechtlich nicht ganz richtig.
      Wenn ein Elternteil stirbt und kein anderer da ist, der die Beerdigung bezahlen könnte außer dem Sozialamt, dann kommen die auf dich als Kind zurück, wenn du laut deren Maßstäben zu viel verdienst.
      Und dann bist du in der Pflicht, nachzuweisen, dass sie dich misshandelt oder ungenügend versorgt haben, damit du den Kram nicht blechen musst wegen „unzumutbarer Beziehung zu ihnen“.
      Da reicht’s auch nicht, 20 Jahre schon den Kontakt zu denen abgebrochen zu haben.

  3. Wenn Eltern gute Eltern sind, schuldet man ihnen, ein entsprechend gutes Kind zu sein. Mehr aber nicht. Der alte Spruch, sie hätten einem „das Leben geschenkt“ halte ich für absoluten Quatsch. Man hat nicht darum gebeten, geboren zu werden. Man mag dadurch die Chance auf Gutes bekommen, hat aber auch alle Nachteile, die Existenz mit sich bringt inklusive des Wissens, dass sie auch wieder endet.
    Wie Herbert Achternbusch schrieb: „Da soll man auch noch dankbar sein, wenn man ungefragt auf diese Welt geschissen wird.“

    Auch das einer der Gründe, warum ich mich nicht fortzupflanzen plane. Ich weiß ja nicht, ob das dadurch geschaffene Wesen überhaupt existieren will und in jedem Fall setze ich es der völligen Unwägbarkeit des Lebens selbst aus.

          • Ach ja, was bekommst du denn da an Rendite wenn der Staat die Arbeitskraft deiner Kinder an 82 Mio Menschen aufteilt?

          • @PfefferUndSalz Der Staat hier verteilt aber anders um. ‚Der verteilt von den ‚Arbeitskräftigen an die, die ohne Sinn und Verstand Kinder machen, und import noch den Geburtenüberschuss anderer hinterher und verteilt hier dann nochmal besonders dicke an pa******* Nutznießer des Ganzen.
            Für jeden eine dolle finanzielle Investition? Nö, aber für die mit dem passenden (unchristlichen) Menschenbild ganz sicher.

          • Also, irgendwie weiß ich jetzt immer noch nicht welche finanziellen Vorteile Kinder für mich haben. Spontan fallen mir nur Kosten ein, nicht nur für die Kinder, sondern auch für den Partner.

      • Ja.
        Moral existiert nämlich nur in der Welt der Menschen. Ein unbelebter Planet, ein Stein, eine Wolke, ein Baum, eine Katze etc. sind nicht moralisch. Moral im Sinne von: „Ich achte darauf, anderen Nervensystemen möglichst wenig Leid zuzufügen“ erfordert abstraktes Denken und daher das menschliche Bewusstsein.
        Wenn die Menschen darauf verzichten, Kinder in die Welt zu setzen, gibt es irgendwann keine Menschen mehr auf der Erde und damit auch keine Moral.

        Jetzt werden einige mit „die Welt ist überbevölkert, wir müssen unsere Zahl reduzieren, um die Umweltbelastung zu drosseln“ ankommen; das ist jedoch nachweislich Unfug. Die allermeisten Gebiete auf der Erde sind noch überhaupt nicht von Menschen besiedelt. Wüsten, Tundra, Arktis, Regenwald und natürlich Ozeane — wenn überhaupt, ist die Erde *unter*bevölkert.
        Unwirtliche Gegenden wie Wüsten oder Eiswüsten urbar und besiedelbar zu machen, erfordert natürlich massive technische Durchbrüche. Möglicherweise könnten hier sog. Nuplexe, d.h. nuklear-industrielle Produktionskomplexe mit Kernkraftwerken im Zentrum und verschiedenen Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben — einschließlich Meerwasserentsalzung — außenherum zum Einsatz kommen. Die Errichtung von Kolonien auf anderen Himmelskörpern ist noch deutlich anspruchsvoller.

        Damit eine moralisch denkende und handelnde Spezies auf der Erde existieren und sich eines Tages auch über sie hinaus ausbreiten kann, müssen Erfindungen gemacht werden — von Mitgliedern dieser Spezies selbst. Kinder in die Welt zu setzen ist also nicht nur moralisch, sondern sogar Grundlage der Moral.

        • 1. Also mir gehen die meisten Menschen auf die Nerven.

          2. Wenn es keine Menschen mehr gibt, gibt es vielleicht keine Moral mehr, aber das kann ja niemanden stören, weil es keine Menschen mehr gibt.

          3. Welchen konkreten Schaden verursache ich, wenn ich darauf verzichte, mich fortzupflanzen?

          • 1. Mir nicht.

            2. Menschen machen Spaß, daher ist mit besser als ohne.

            3. Naja, man könnte argumentieren, dass das hypothetische Kind vielleicht eine wichtige Erfindung machen wird, die dann fehlt, wenn es das Kind nicht gibt. Ich habe allerdings auch noch keine Kinder in die Welt gesetzt (soweit ich weiß). Insgesamt sehe ich Fortpflanzung als wichtig und wünschenswert an, aber man sollte einem Menschen, der keine Kinder hinterlässt, keine Vorwürfe machen.

    • „Der alte Spruch, sie hätten einem „das Leben geschenkt“ halte ich für absoluten Quatsch. Man hat nicht darum gebeten, geboren zu werden.“
      Dann wäre es aber nur konsequent, das Geschenk zurückzugeben und sich den Strick zu nehmen.

      Ich bin zwar auch der Meinung, dass man den Eltern nichts schuldet (es ist ja kein Geschäft) aber Dankbarkeit sollte man schon haben.

      Das war übrigens der Hauptgrund für mich keine Kinder zu zeugen – es ist ein schlechtes Geschäft. Früher konnte man die Kinder einsetzen um das Feld zu beackern und die Nachbarn zu erschlagen aber heute ist das alles obsolet da die gesichtslose Masse das für einen macht. Daher soll auch die gesichtslose Masse die Kinder zeugen und nicht ich.

      • Schon oft von erschlagenen oder vergewaltigten Kopftuchkindern in dem Land hier gelesen?
        Gerade die archaische Logik scheint sich durchzusetzen.
        Und wer zuletzt aufwacht, den köpft das Menschengeschenk im Altenheim. 😉

        • „Schon oft von erschlagenen oder vergewaltigten Kopftuchkindern in dem Land hier gelesen?“
          Ja,gerade ersteres deutlich häufiger als bei Biodeutschen. Aber dazu muss man aus seiner Filterblase rauskommen und verstehen, dass gerade muslimische Frauen mal schnell umgebracht werden wenn die Familienehre in Gefahr ist. Eine Bekannte musste z.B. fliehen weil sie nicht ihren Cousin heiraten wollte. Die Familie hat versprochen sie umzubringen. Bei einem anderen Fall wurde ich mal angesprochen ob ich Säure besorgen kann, damit ein Türke seiner Freundin eine Lektion erteilen konnte da die sich von ihm getrennt hat. Auch sind Araber und Türken genauso oft Opfer wie Täter von Gewalt, deutlich häufiger als Biodeutsche. Man liest nur nicht so viel darüber, da es keinen interessiert.

          • Vielleicht handelt es sich bei einem System ohne Religionsfreiheit nicht um etwas was man unter dem Deckmäntelchen dessen dulden sollte.
            Mein Mitleid bewegt sich in dem Bereich, indem man ein Minus davor setzen kann.

      • @PfefferundSalz:

        „Dann wäre es aber nur konsequent, das Geschenk zurückzugeben und sich den Strick zu nehmen.“

        Das ist ja gerade der große Haken an diesem Geschenk. Wenn man es erst einmal hat, lässt es sich nicht einfach loswerden. Ich bin trotz allem so programmiert, dass ich meine Existenz erhalten will, ganz davon abgesehen, dass das Loswerden derselben in der Regel mit Leiden verbunden ist (von den Gefahren, die einem blühen, wenn es misslingt, ganz zu schweigen). Darüber hinaus weiß ich, dass das für meine Eltern wiederum ein äußerst harter Schlag wäre, den ich auch ihnen schlicht nicht zumuten wollte. Denn wie gesagt – ich stehe ihnen ja nahe und mir liegt viel an ihnen und ihrem Wohl.
        Sie mögen mich nicht mir zuliebe geschaffen haben, aber sie haben mir ja auch nichts bewusst Böses getan, durch dass ich sie guten Gewissens derartig zum Kollateralschaden meiner Pläne machen wollte. Jetzt bin ich im Leben, jetzt mache ich es auch weiter und wenn es irgendwann zuende geht, wird mir das auch nicht recht sein.

        Aber auch diese moralischen Konflikte habe ich nur, weil es mich gibt. Hätte man auf meine Zeugung verzichtet, hätte ich sie nicht. Es ist halt ein gewaltiger Unterschied zwischen Sterben und nie geboren worden zu sein. Jemand, dessen Partner bei einem Unfall stirbt ist ja auch in einer komplett anderen Situation, als jemand, der freiwillig sein Leben lang Single bleibt.

  4. Für mich ist das ganz klar im Herzen.
    Ich habe durch meine Eltern und Schwiegereltern soviel Liebe, Rückhalt & Unterstützung erfahren, dass ich natürlich versuchen werde nach Kraft und Möglichkeiten, ihnen irgendetwas davon zurück zu geben, wenn sie gebrechlich auf der Ofenbank sitzen.
    Wir alle werden noch erleben, wie unser Pflegesystem zusammenbricht.

  5. Abseits aller Adrianesken. Wenn einem mal klar geworden ist, welch persönlicher Verzicht von Eltern geleistet wurde, um z.B. 3 Söhnen incl. Studium Startmöglichkeiten zu geben, der wird nicht nachdenken, ob irgendwas geschuldet ist, wenn im Alter vieles nicht mehr oder nicht mehr gut von der Hand geht. Diese Frage aufzuwerfen, zerstört bereits den Kit des Lebens und auch der Gesellschaft. Viel Vergnügen denen, die glauben, dieser Kit sei halt dann stellvertretend vom Sozialstaat zu kneten! Den Zerstörern des Prinzips Familie noch viel Vergnügen. Schaut hin, der melancholische Gesichtsausdruck der nicht gebrauchten Uteri spricht Bände wie auch die von Verzweiflung kündenden Stühle der Reproduktionskliniken. Da nützt es dann auch nichts, wenn in der ZEIT 3 Betroffene herausgeschriehen haben, wie toll das ist.

  6. Ich schulde meinem Vater eigentlich ein paar Jahre Kerkerhaft. Im Ernst, schlechten Eltern schuldet man gar Nichts, wenn man davon ausgeht, dass ein Mensch wie ein Computerprogramm ist, dass geschrieben wird, dann hat man als Eltern die moralische Verantwortung, die Integrität des Quellcodes sicherzustellen. Wenn das nicht passiert, dann ist man imo ein fehlgeschlagenes Experiment, weil das Leben niemals wirklich glücklich und leicht sein wird.

    Im Umkehrschluss finde ich aber auch nicht, dass man seinen Eltern etwas schuldet, nur weil sie ihren Job richtig gemacht haben; Sicherlich wird jedes Kind guter Eltern bereit sein, etwas zurückzugeben. Aber meiner Meinung nach folgt aus einem einseitig aufgesetztem und erfüllten Vertrag keine zwangsläufige moralische Verpflichtung für die Gegenseite.

  7. Ich schulde meinem Vater eigentlich ein paar Jahre Kerkerhaft. Im Ernst, schlechten Eltern schuldet man gar Nichts, wenn man davon ausgeht, dass ein Mensch wie ein Computerprogramm ist, dass geschrieben wird, dann hat man als Eltern die moralische Verantwortung, die Integrität des Quellcodes sicherzustellen. Wenn das nicht passiert, dann ist man imo ein fehlgeschlagenes Experiment, weil das Leben niemals wirklich glücklich und leicht sein wird.

    Im Umkehrschluss finde ich aber auch nicht, dass man seinen Eltern etwas schuldet, nur weil sie ihren Job richtig gemacht haben; Sicherlich wird jedes Kind guter Eltern bereit sein, etwas zurückzugeben. Aber meiner Meinung nach folgt aus einem einseitig aufgesetztem und erfüllten Vertrag keine zwangsläufige moralische Verpflichtung für die Gegenseite.

  8. Ich drehe es um.
    Mein Sohn und meine Tochter schulden mir nichts!

    Insofern an die anderen hier die Frage.
    Wer ist der Meinung, eines seiner Kinder schulde ihm etwas?
    Und wenn ja, in welcher Form?

    • „Wer ist der Meinung, eines seiner Kinder schulde ihm etwas?
      Und wenn ja, in welcher Form?“

      Mein Sohn schuldet mir, sich mithilfe des Unterhalts, den ich jeden Monat überweise, damit er studieren kann, so sorgfältig wie es ihm möglich ist zu wirtschaften und sein Studium zügig durchzuziehen.

      • Meine Tochter (*) will mit ihren 28 Jahren noch ein berufsbegleitendes Studium absolvieren.
        Sie fragte mich, ob eine finanzielle Unterstützung möglich sei. Ja, liegt drin, ich sagte es ihr zu.

        In meiner Auffassung ist dies eine Zahlung „à fonds perdu“. Wenn sie diese irgendwann einmal – in welcher Form auch immer – zurückgeben mag, ist das okay. Wenn nicht, ist dies auch okay.

        (*) Offiziell ist sie „nur“ meine genetische Tochter, sie liess sich kurz nach ihrer Volljährigkeit vom Stiefvater nach § 1772 BGB adoptieren:

        „Unter im Gesetz genau normierten Vorgaben kann die Volljährigenadoption mit den starken Wirkungen einer Minderjährigenadoption ausgestattet werden. Das hat zur Folge, dass der Erwachsene genau wie das minderjährige adoptierte Kind vollständig aus seinem eigenen Familienverband herausgelöst und nicht nur mit dem Annehmenden, sondern auch dessen vollständiger Verwandtschaft verbunden wird. Unterhaltsverpflichtungen gegenüber den leiblichen Eltern fallen ebenso weg wie das gesetzliche Erbrecht. Inanspruchnahmen durch das Sozialamt aufgrund der Pflegebedürftigkeit der leiblichen Eltern müssen nicht mehr erwartet werden. Ebenso wenig sind die leiblichen Eltern noch pflichtteilsberechtigt.

        Die Volladoption eines Erwachsenen nach § 1772 BGB ist zum Beispiel möglich im Falle einer Stiefkindadoption, d. h. wenn der Annehmende das schon erwachsene Kind seines Ehegatten adoptiert. Unter im Gesetz genau normierten Vorgaben kann die Volljährigenadoption mit den starken Wirkungen einer Minderjährigenadoption ausgestattet werden. Das hat zur Folge, dass der Erwachsene genau wie das minderjährige adoptierte Kind vollständig aus seinem eigenen Familienverband herausgelöst und nicht nur mit dem Annehmenden, sondern auch dessen vollständiger Verwandtschaft verbunden wird. Unterhaltsverpflichtungen gegenüber den leiblichen Eltern fallen ebenso weg wie das gesetzliche Erbrecht. Inanspruchnahmen durch das Sozialamt aufgrund der Pflegebedürftigkeit der leiblichen Eltern müssen nicht mehr erwartet werden. Ebenso wenig sind die leiblichen Eltern noch pflichtteilsberechtigt.“

        Die Volladoption eines Erwachsenen nach § 1772 BGB ist zum Beispiel möglich im Falle einer Stiefkindadoption, d. h. wenn der Annehmende das schon erwachsene Kind seines Ehegatten adoptiert.

        • Tja, der §1772 im BGB kann als weiteres „Folterwerkzeug“ im Arsenal der „Eltern-Kind-Entfremdung“ verwendet werden.

          Wenn du denkst, es kann nicht mehr schlimmer kommen, kommt ein Brief vom Amtsgericht, der dich davon in Kenntnis setzt, dass dein mittlerweile volljähriges Kind sich so adoptieren lässt, wie wenn es als Minderjähriges adoptiert worden wäre…

          Einspruchsmöglichkeiten gibt es keine. Eine §1772er-Adoption ist praktisch nicht rückgängig zu machen…

          • „Wenn du denkst, es kann nicht mehr schlimmer kommen, kommt ein Brief vom Amtsgericht, der dich davon in Kenntnis setzt, dass dein mittlerweile volljähriges Kind sich so adoptieren lässt, wie wenn es als Minderjähriges adoptiert worden wäre…“

            Das kann ich mir vorstellen. Ich glaub, an so einer Nachricht hätte ich auch erstmal ne Weile zu knabbern.
            Und dann kommt dieser Sonnenschein und erinnert sich Deiner, wenn es ums Geld einsammeln geht?
            Ich glaub, da hätte ich nicht mitgespielt, genetisch eigenes Kind, oder nicht.
            Aber – zugegeben – das ist so eine Situation, die man sich als Nichtbetroffener nur sehr schwer vorstellen kann.

          • Und dann kommt dieser Sonnenschein und erinnert sich Deiner, wenn es ums Geld einsammeln geht?

            Nein, so ist es dann doch nicht.

            Kurzer zeitlicher Abriss:

            Tochter einjährig: Ehe getrennt
            Tochter zweijährig: Kindesmutter zieht mit Tochter 600 km weit weg; ich habe besuche alle drei Wochen das Kind
            Hin und wieder Unterbrüche beim Besuchsrecht, das ich jeweils mit Familiengerichts-Urteil wieder durchsetzen muss.
            Tochter siebenjährig: Tochter darf das erste mal Ferien bei mir verbringen
            Tochter neunjährig: Tochter bittet mich, sie nicht mehr zu besuchen, das sei ihr „zu stressig“…
            Ab dann kein Kontakt mehr, keine Antwort auf Kontaktversuche meinerseits

            Tochter volljährig: §1772er-Adoption

            Tochter 21jährig: Tochter meldet sich bei mir per mail, bittet um Entschuldigung für ihr vergangenes Verhalten, wir treffen uns, sprechen uns aus.
            Seitdem haben wir eine gute Beziehung miteinander (so, wie dies mit 12 Jahren Unterbruch nun mal möglich ist).
            Tochter 24jährig: Ich mache ihr das erste Mal das ausdrückliche Angebot: „Wenn du was brauchst, dann frag!“
            Tochter 27jährig: Sie bittet mich das allererste mal um Geld – für ihre Weiterbildung.

          • Noch eine neue Variante dieser unsäglichen Familientragödien, die ich schon gelesen und gehört habe.
            Dann kann ich Dein Verhalten verstehen.

            Lass mich raten: es gab/gibt keine Gewinner bei diesem Spiel!?

            In aller Regel werden langfristig auch die Mütter ihres Erfolges nicht froh, Vater und Kind(er) auseinandergetrieben zu haben.
            Die meisten haben ihre Kinder komplett verloren, als die herausbekamen, dass sie Opfer einer perfiden Intrige wurden.

          • Lass mich raten: es gab/gibt keine Gewinner bei diesem Spiel!?

            Korrekt. Weiter ins Detail möchte ich nicht gehen, Persönlichkeitsschutz und so…

            Allenfalls: Die Tochter ist beim Stiefvater, zu dem sie keinen Kontakt mehr hat, erbberechtigt. Und sie ist bei dem, was sie bei mir erben könnte, sofern ich es testamentarisch verfüge, erbschaftssteuer-mäßig einem „normalen“ Kind gleichgestellt.

            Was mich all die Jahre seelisch über Wasser gehalten hat, war dieses Geduld-Gedicht vom Rilke:
            „..und es handelt sich darum, alles zu leben.
            Vielleicht lebst du dann allmählich – ohne es zu merken –
            eines fernen Tages in die Antwort hinein.“

            http://www.axelenke.de/nachgedachtes/geduld-von-rainer-maria-rilke/

          • Nachsatz:

            Nun ist mein Vaterschaft vollkommen freiwillig, kein Gesetz verpflichtet mich gegenüber meiner Tochter und kein Gesetz verpflichtet meine Tochter mir gegenüber.
            Hat irgendwie auch was spezielles an sich und fühlt sich nicht schlecht an…

          • „Weiter ins Detail möchte ich nicht gehen, …“

            Eines der ersten Dinge, die ich im Väterverein als Berater lernte war, dass Details unwichtig sind. Sie geben selten mehr als Informationen über die Größe der Wunde preis. Entscheidend aber ist die Wunde allein.

            „Was mich all die Jahre seelisch über Wasser gehalten hat, war dieses Geduld-Gedicht vom Rilke“

            Hab’s gelesen und finde wenig Trost darin. Wir haben nur ein Leben und wenn man uns das Glück gelebter Elternschaft klaut, dann wird keine Macht des Universums diesen Verlust zurückbringen. Alles, was dann noch kommt, ist nur Kleingeld.
            Wohl dem, der in dem Unrecht einen höheren Sinn finden kann, der sich ihm nur noch nicht erschließt.
            Ich sehe darin nur Unrecht, dem Vater gegenüber und – mehr noch – dem Kind.

    • interessanter Ansatz die Frage umzudrehen.

      Bei uns sind obwohl ich EIN schwarzes Schaf bin, wir haben deren etliche in der Familie, der Familienkitt extrem stark. Das merkt man im Alltag nicht, aber im Notfall. Es denkt eigentlich niemand darüber nach ob da ein Schuldverhältnis besteht, es ist ist einfach so. Es ist keine Frage eines Schuldverhältnisses, sondern eher eine des Gefühles gegenseitiger Zugehörigkeit und Verantwortung

      Ich würde es auch so sehen. Wenn man für andere etwas aus Liebe tut, sollte man, auch wenn man sich natürlich darüber freut, es nicht in der Erwartung tun Dank dafür zu erhalten.

  9. Ich denke, „schulden“ ist das falsche Wort. Schulden tut man sich gar nichts.

    Es ist vielmehr wie in jeder Beziehung (z.B. Partnerschaft, Freundschaft, …). Man leistet gerne etwas, wenn sich der Gegenüber darüber freut. Man freut sich nämlich gewöhnlich selber darüber, wenn Menschen sich freuen, die man lieb hat.

    Und hier kommen wir zu einem Problem vieler zwischenmenschlicher Beziehungen. Denn auch, wenn man selber dem Gegenüber etwas leistet, so schuldet der umgekehrt trotzdem nichts. Wer etwas leistet, weil er die Erwartungshaltung hat, dass er ihm dann etwas zurück schuldet, kann sich seine eigenen Leistungen dann auch gleich sparen. Denn dann wird der Gegenüber sich überlegen, ob die Leistungen ihm überhaupt etwas wert sind.

    Wenn z.B. meine Freundin mir etwas kocht, weil sie dann erwartet, dass sie damit andere Ansprüche mir gegenüber ewirbt, dann koche ich mir lieber selber etwas. Denn dann kommt es bei ihr ja nicht vom Herzen, weil sie mir eine Freude machen möchte, sondern nur aufgrund von Berechnungen bzw. Aufrechnungen. Und damit zerstört man zuverlässig nahezu jede Beziehung.

    Kocht sie hingegen, weil sie mir einfach nur eine Freude machen möchte und sich darüber freut, wenn ich mich freue, dann nehme ich ihre Leistung sehr gerne entgegen und freue mich, weil auch mich freue, dass sie sich dann freut.

    Und sie erhöht damit dann auch die Wahrscheinlichkeit, dass ich dann in anderen Situationen Freude daran empfinde, ihr umgekehrt etwas Gutes tun zu wollen, um mich dann wieder daran zu erfreuen, dass sie sich auch über Leistungen von mir freuen kann. Ich leiste dann nicht, weil ich es ihr schulden würde oder sie es als Gegenleistung erwarten würde, sondern weil ich dann daran Freude empfinden kann.

    Wenn ich hingegen das Gefühl bekomme, dass mein Gegenüber meine Leistungen als völlige Selbstverständlichkeit betrachtet, die ich „schulden“ würde, dann zertrümmert man damit quasi die einzige Motivation für den Leistenden. Denn die „Bezahlung“ für die Leistungen ist ja, dass man sich darüber freut, dass sich der Gegenüber freut. Wenn der Gegenüber die Leistung aber als Selbstverständlichkeit betrachtet, die man ihm quasi schulden würde, dann bleibt nichts mehr, worüber man sich selber freuen könnte.

    Man hat dann nur noch eine kalte Geschäftsbeziehung miteinander, wo man seine Leistungen gegenseitig aufrechnet bzw. verrechnet und jeder aufpasst, dass man nicht über den Tisch gezogen wird.

    Und übertragen auf die Eltern bedeutet das für mich, dass man den Eltern zwar nichts schuldet. Wenn die Eltern aber gut zu einem waren und man Liebe gespürt hatte, dann haben sie alles dafür getan, dass man selber Freude empfinden kann, wenn die Eltern sich freuen. Und als Kind gibt man dann auch sehr gerne wieder etwas zurück. Nicht, weil man den Eltern etwas schulden würde, sondern einfach nur weil man sie total lieb hat und man sich darüber freut, wenn geliebte Menschen sich freuen.

    • „Denn dann kommt es bei ihr ja nicht vom Herzen, weil sie mir eine Freude machen möchte, sondern nur aufgrund von Berechnungen bzw. Aufrechnungen. Und damit zerstört man zuverlässig nahezu jede Beziehung.“

      Solche Leute gibt es tatsächlich. Mein Bruder hatte eine Freundin, die so gestrickt war. Als ich sie kennenlernte dachte ich: „Boah, sieht geil aus, ist immer gutgelaunt, hilfsbereit und großzügig“.
      Aber es dauerte nicht sehr lange, dann wurde für jede Hilfe, für jede Gefälligkeit subtil eine Gegenleistung eingefordert.
      Nein, eigentlich nicht eingefordert. Dann wäre es eine klare Geschäftsbeziehung gewesen, mit der man hätte umgehen können. Die Frau dagegen liebte es, andere Menschen in Schuld zu halten und hinter deren Rücken sich über ihre Undankbarkeit zu beschweren.
      Nach relativ kurzer Zeit hatte sie überall ihr Gift verspritzt und man ging ihr aus dem Weg. Sogar ihre Eltern warnten vor der eigenen Tochter.
      Eine richtige Pennywise.

    • ja genauso ist es. neoliberales Denken mit Erwartung von Schuld und Gewinn aus meinen Handlungen ist der tot jeder privaten Beziehung.
      Nicht falsch verstehen, es sollte schon geben und nehmen im Einklang stehen, aber aus beiderseitigem freiwilligem Wollen, nicht aus einer Erwartungshaltung heraus.

  10. Ob ich meinen Eltern etwas schulde, vermag ich nicht zu sagen – sie würden es vermutlich verneinen.

    Jedenfalls haben sie alles für mich getan, auch in Zeiten als ich selber einen Menge Mist gebaut habe. Ohne sie wäre ich definitiv nicht da wo ich jetzt bin (vom einfachen Entwickler (Quereinsteiger) zu führender Position bei einer in ihrem Marktsegment recht bedeutenden mittelständischen Firma, CTO würden manche neudeutsch sagen) sondern vllt. irgendwo in der Gosse, oder noch schlimmer, nach wie vor an einer Uni, da ich eins das Programmieren nur als Studentenjob betrieb 😉

    Und auch heute, mit fast 40, ergeben sich, wie bei kürzlich erfolgter Trennung nach fast 15 Jahren, nach wie vor Situationen in denen sie mir ungefragt zur Seite stehen und helfen wo sie können.

    Ich kann wohl sagen, dass ich und meine Geschwister es nicht hätten besser treffen können, und wenn meine Eltern dereinst selber Unterstützung brauchen (derzeit zum Glück noch nicht der Fall), so werden sie von uns allen alles bekommen, was uns irgendwie möglich ist.

    Bei dem was manche hier so schreiben, frage ich mich ganz ehrlich, wie hoch heutzutage wohl der Anteil teilweise oder vollkommer kaputter Familienverhältnisse ist. Furchterregend.

  11. Die Lust, zu fabulieren habe ich sowohl von Vater wie Mutter — die Frohnatur scheint eher eine Mutation zu sein, da sie ansonsten in meiner Familie kaum auftritt.
    Des Lebens ernstes Führen habe ich bis heute nicht wirklich gelernt, weder auf genetischem noch auf memetischem Wege. Sowas liegt mir einfach nicht so.

  12. Ich habe jetzt gerade einmal über die Ausgangsfrage nachgedacht.

    Paradoxerweise schulde ich meinen Eltern, mich vor ihrem Einfluss in Sicherheit zu bringen.

    Ich weiß aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass Kontakt mit meinen Eltern unweigerlich dazu führt, dass ich nichts auf die Reihe bekomme und alles schiefgeht. Insbes. mein Vater hat eine Art destruktive Ausstrahlung, in dem Sinne, dass er selbst und seine ganze Umgebung nach dem Motto „failure is the only option“ (Scheitern ist die einzige Möglichkeit) operiert. Er hat immer beste Absichten, möchte fördern und unterstützen und veredeln und heranbilden — heraus kommt unweigerlich das Gegenteil. Der Weg zur Hölle ist eben gepflastert mit guten Vorsätzen.

    Daher treffe ich mich mit meiner Mutter ein-zweimal im Jahr, meinen Vater sehe ich seit Jahren überhaupt nicht mehr. Das ist notwendig, damit ich die Sachen, die ich mir vornehme, hinbekomme, und nicht alles im Chaos versinkt.

    • Interessant, mir geht es genau so mit meiner Mutter. Mit meinem Vater treffe ich mich gerne, aber meine Mutter halte ich besser so weit wie möglich von mir weg.

    • „Daher treffe ich mich mit meiner Mutter ein-zweimal im Jahr, meinen Vater sehe ich seit Jahren überhaupt nicht mehr.“

      Ich sehe meine Familie auch nur noch ein- bis zweimal im Jahr (mein Vater ist vor 25 Jahren gestorben).
      Heute ist unser Verhältnis entspannt und offen – vielleicht auch wegen der Frauen, die den Verband zusammenhalten. Aber ganz bestimmt, weil wir stillschweigend unsere gewalttätige Kindheit und die subtileren seelischen Verletzungen abgehakt haben, damit sie nicht auch noch den Rest unseres Lebens vergiften.

      • „…damit sie nicht auch noch den Rest unseres Lebens vergiften.“

        –> Sehr richtig, genau so sollte man es machen. Schlimme Erlebnisse werden nicht besser und gehen nicht weg, wenn man sie immer wieder hochköcheln lässt — man muss die Erinnerung im Nebel des Vergangenen verblassen lassen.

  13. Mein Vater hat sich nie gekümmert und ich mich somit auch nicht. Um unser schlechtes Verhältnis zu ändern, hätte er schon den ersten Schritt machen müssen. Da konnte er nicht und jetzt ist es zu spät, denn er ist gerade gestorben.
    Aber als ich 15 war, trat mein Stiefpapi in mein Leben. Ein wunderbar freundlicher und kluger Mann, der jetzt seit fast 40 Jahren mit meiner Mutter zusammen lebt. Die leben ihr eigenes Leben mit viel Geselligkeit und vielen Reisen, aber ich konnte mich im Notfall IMMER auf sie verlassen. Deshalb werde ich ihnen selbstverständlich zur Seite stehen, wenn sie mich brauchen.

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