Stokowski: „Weiße und Männer können alles haben, aber das nicht“

Stowkowski stellt die Theorie dar, dass es keinen Rassismus gegen Weiße und keinen Sexismus gegen Männer geben kann:

Ist es nicht. Männer und Weiße können ungefähr alles auf der Welt haben, aber Diskriminierung können sie nicht haben. Es gibt keinen Rassismus gegen Weiße und keinen Sexismus gegen Männer. Das heißt nicht, dass es sie prinzipiell nicht geben kann. Es kann sie nur in dieser Welt nicht geben.

In dieser Welt nicht. Mal sehen, ob sie noch Voraussetzungen nennen kann, unter denen es ihn geben kann.

Aus meiner Sicht ist der tatsächliche Grund ja:

Es stört das sehr einfache Feindbild intersektionaler SJWs. Denn an Rassismus und Sexismus ist einiges geknüpft: Wenn eine Gruppe diskriminiert werden kann, dann muss eine andere Gruppe nach deren Auffassung privilegiert sein, dass wären dann bei den Männern die Frauen und bei den Weißen andere Rassen und dann müssten diese aktiv daran arbeiten, diese Diskriminierung zu beseitigen und sich dafür entschuldigen und Buße tun und dann ist es wesentlich schwieriger von oben auf diese Sündenbockgruppen herab zu sehen und sie für alles verantwortlich zu machen.

Sprich: Daran hängt ihr gesamtes System. Wenn sie hier einen Fuß nachgeben, dann bröckelt alles zusammen.

Diskriminierung ist strukturelle Benachteiligung

Natürlich steht und fällt diese These mit der Frage, wie man Diskriminierung definiert. Wenn man jede persönliche Ablehnung oder auch nur Benennung von gesellschaftlichen Gruppen als Diskriminierung sieht, okay. Dann können auch Weiße und Männer diskriminiert werden. Wenn man aber Diskriminierung als einen Mechanismus versteht, der unterdrückte Gruppen oder Minderheiten von gesellschaftlicher Teilhabe und Gleichberechtigung fernhält, dann ist das eine Erfahrung, die Weiße und Männer als solche in dieser Welt nicht machen können. Es kann Vorurteile gegen sie geben, es kann Gewalt, Mobbing, unfaires Verhalten geben, oder Witze über sie, aber keine Diskriminierung.

Natürlich sind Männer nicht gleichberechtigt, schon gar nicht, wenn man den Maßstab der Ergebnisgleichberechtigung annimmt, den der Feminismus verwendet. Dann haben sie eben Nachteile im Familienrecht, in Bezug auf gefährlichere Jobs, längere Arbeitszeiten etc.

Und lustigerweise will die Linke mit genau diesen Theorien ja ein System errichten, mit dem Männer und Weiße von gesellschaftlicher Teilhabe ferngehalten werden: Männer und Weiße sollen eben die Klappe halten, überall soll Diversity einziehen und Weiße und Männer werden massiv abgewertet, wo immer dieser Gedankenansatz Einzug hält. Sie stellen damit eben genau in diesen Bereichen die institutionalisierte Diskriminierung her, die sie nach ihren Theorien benötigen. Natürlich führen sie an, dass sie ja nicht Diskriminieren wollen, sondern nur die Verhältnisse gerade rücken. Aber auf der Einzelebene wirkt es sich ja dennoch nicht aus.

Viel wichtiger ist aber, dass die Definition bereits falsch ist. Sexismus ist eine Benachteiligung aufgrund eines Geschlechts und Rassismus ist auch üblicherweise ohne diese Zusätze definiert:

Rassismus ist eine Gesinnung oder Ideologie, nach der Menschen aufgrund weniger äußerlicher Merkmale – die eine gemeinsame Abstammung vermuten lassen – als sogenannte „Rassekategorisiert und beurteilt werden. Die zur Abgrenzung herangezogenen Merkmale wie Hautfarbe, Körpergröße oder Sprache – aber auch kulturelle Merkmale wie Kleidung oder Bräuche – werden in der biologistischen Bedeutung als grundsätzlicher und bestimmender Faktor menschlicher Fähigkeiten und Eigenschaften gedeutet und nach Wertigkeit eingeteilt. Dabei betrachten Rassisten alle Menschen, die ihren eigenen Merkmalen möglichst ähnlich sind, grundsätzlich als höherwertig, während alle anderen (oftmals abgestuft) als geringerwertig diskriminiert werden. Mit solchen Rassentheorien, die angeblich wissenschaftlich untermauert sind, wurden und werden diverse Handlungen gerechtfertigt, die den heute angewandten allgemeinen Menschenrechten widersprechen.

Das ist die übliche Definition: Abwertung aufgrund äußerlicher Merkmale, die eine gemeinsame Abstammung vermuten lassen. Deswegen ist es eben auch Rassismus einen Polen pauschal als „Autodieb“ zu beschimpfen, unabhängig davon, ob seine Hautfarbe weiß ist.

Wer zu einer Gruppe gehört, die standardmäßig in einer Gesellschaft die Macht hat – und das sind bei uns Weiße, Heterosexuelle, Männer, Menschen ohne Behinderung – kann als diese Gruppe nicht diskriminiert werden.

Nur ist Macht eben nicht so einfach verteilt und schon gar nicht ist sie heterogen in einer Gruppe verteilt. Ein schwarzer Uniprofessor, der ihren oben dargelegten Lehren nach Weiße für Minderwertig hält und ihnen daher aufgrund ihrer Hautfarbe schlechtere Noten gibt ist natürlich ein Rassist mit Macht, wobei diese Macht nicht der wesentliche Punkt ist. Der Ku-klux-Klan ist nicht weniger rassistisch, wenn er seine Treffen in Japan abhält, auch wenn dort Weiße nicht an der Macht sind. Und überhaupt ist das Asiatenproblem für diese Theorien üblicherweise nicht zu lösen: Südkoreaner und Japaner haben genau so viel Macht wie Weiße, eine starke Industrie, sollen aber nicht rassistisch gegen Weiße sein können, weil das einfach nicht möglich ist?

Und natürlich gibt es auch schwarze Rassisten, etwa diese hier, die sich Macht über einen Weißen genommen haben und ihn gefoltert haben, dass bei Facebook übertragen haben, und dabei ganz deutlich gemacht haben, dass sie ihn als Repräsentant für andere Weiße foltern (sie sagen auch immer wieder „Fuck white People“).

Wie will man das anders sehen als einen Rassismus? Und warum sollte man das nicht als genau das bezeichnen, was hier im Vordergrund steht?

Diskriminierung ist strukturelle Benachteiligung, das heißt, es muss eine (Macht-)Struktur geben, die sie stützt.

Nein, eine Diskriminierung muss nicht strukturell sein. Wenn ein weißer Busfahrer heute einen schwarzen Auffordert hinten im Bus zu sitzen, weil er schwarz ist, dann hat er keine Strukturen hinter sich. Er wird schlicht entlassen werden und das zu Recht. Eben weil er ein Rassist ist.

Und wenn ein schwarzer Busfahrer verkünden würde, dass aus Rache alle weißen Schweine in seinem Bus hinten sitzen müssen, dann ist er natürlich auch ein Rassismus, und das ist unabhängig davon, ob er ein intersektionaler Gender Studies Absolvent ist und meint hier nur die dort gelehrten Strukturen umzusetzen, nach denen es gerechtfertigt ist, Weiße Menschen zu diskriminieren und er sich darin von seinen Studienkollegen bestätigt sieht und sich Extrakreditpoints damit verdient, es den Weißen mal zu zeigen oder ob er es ohne diese Strukturen macht.

Das kann eine ungleiche Verteilung von Ressourcen sein, das können Polizeikontrollen aufgrund der Hautfarbe sein oder in simplen Fällen einfach Buntstifte oder Pflaster, die „hautfarbig“ genannt werden, als hätten alle Menschen beigerosa Haut. Wenn es diese Struktur nicht gibt, dann ist es keine Diskriminierung.

Da wird auch schön deutlich, dass diese Theorien teilweise schlicht Klassenprobleme in die Rassenprobleme mit hinein ziehen. Denn natürlich kann ein weißer Unterschichtler weit weniger Ressourcen haben als der asiatische Leiter von Nikon Deutschland, auch wenn letzterem vielleicht beigerosa Pflaster nicht so gut passen. Und wenn dieser asiatische Leiter meint, dass Asiaten die waren Übermenschen wären und alle weißen Langnasen genetischer Abfall sind, dann ist er eben ein Rassist, genauso wenn er das gleiche von Schwarzen denkt.

Das Argument ist nicht: Anderen geht es noch schlechter. Das Argument ist auch nicht: Alle Frauen oder People of Color sind zu jeder Zeit diskriminiert und haben den Opferstatus lebenslänglich gepachtet. Sondern: Überall auf der Welt sind es immer wieder ähnliche Machtstrukturen, die Menschen davon abhalten, ein freies Leben zu führen – selbst in Ländern, wo rechtlich theoretisch Gleichstellung herrscht.

Überall auf der Welt halten Menschen ihre eigene Gruppe für besser und Überlegen. Ob schwarz, weiß, gelb oder welche Hautfarbe auch immer. Man bekämpft das nicht, in dem man einer Gruppe einen Freifahrtschein gibt und der anderen mitteilt, dass sie das auszuhalten hat. Der Anspruch muss eben sein, dass man Rassismus und Sexismus weder bei er einen noch der anderen Gruppe billigt.

Wer die Kämpfe dieser Menschen nicht sieht oder nicht erträgt und sich stattdessen selbst als Opfer von Diskriminierung darstellt, hat nichts davon verstanden, wie diese Welt immer noch funktioniert.

Glücklicherweise funktioniert sie nicht so schlicht wie Feministinnen sich das denken. Und schade, dass sie die Ironie in ihrem Satz oben nicht sieht.

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